Mein KP-Protokoll — Heidelberg, Mai 2023. Innere Medizin + Chirurgie + Pädiatrie. Ergebnis: bestanden.
Rahmen & Prüfer
Die Prüfung fand am 11. Mai 2023 in Heidelberg in den Räumen der Bezirksärztekammer Nordbaden (Landesärztekammer Baden-Württemberg) statt. Beginn: 14:00 Uhr, Dauer: 60 Minuten (kürzeste erlaubte Variante). Prüfungskommission: Prüfer A (Internist, Rheumatologie/Nephrologie), Prüfer B (Unfallchirurg), Prüferin C (Kinderärztin, Neonatologie). Die kürzere Prüfungsdauer machte sich in kompakteren Antworterwartungen bemerkbar — knappe, strukturierte Antworten waren gefragt. Ausschweifende Erklärungen wurden freundlich, aber deutlich unterbrochen.
Teil 1 — Innere Medizin (~25 Min)
Fallvorstellung
Herr W., 39 Jahre, vorstellig mit beidseitigen Unterschenkelödemen seit 4 Wochen, Aszites, Schaumharn. Labor: Albumin 2,1 g/dl, Gesamteiweiß 3,9 g/dl, Harnprotein 8 g/24h, Kreatinin 1,3 mg/dl, Cholesterin 380 mg/dl, Harnlipide. Leukozyten normal, kein Fieber. Blutdruck 145/88 mmHg.
Gestellte Fragen
- F: Welche Diagnose stellen Sie? — A: Nephrotisches Syndrom: Proteinurie > 3,5 g/24h, Hypoalbuminämie, Hyperlipidämie, Ödeme — alle 4 Kriterien erfüllt.
- F: Was sind die häufigsten Ursachen? — A: Beim Erwachsenen: primär — Minimal-Change-Glomerulopathie (eher Kinder), fokal-segmentale Glomerulosklerose (FSGS), membranöse Nephropathie (häufigste idiopathische Ursache beim Erwachsenen). Sekundär: Diabetes mellitus (diabetische Nephropathie), Lupus nephritis, Amyloidose, paraproteinämisch.
- F: Welche Diagnostik schlagen Sie vor? — A: Urin-Protein/Kreatinin-Quotient, Urin-Elektrophorese, Nierenbiopsie (Goldstandard zur Ätioklärung), Serologie: ANA, Anti-dsDNA, ANCA, C3/C4, Hepatitis B/C, HIV, Serum-Elektrophorese. Echo zum Aszitesausschluss durch Herzinsuffizienz.
- F: Wie behandeln Sie die membranöse Nephropathie? — A: Primär: ACE-Hemmer/ARB zur Proteinuriereduktion und Blutdruckkontrolle, RAAS-Blockade, Statine gegen Dyslipidämie, Antikoagulation bei schwerem nephrotischem Syndrom (Albumin < 2,5 g/dl) wegen Thromboemboliegefahr. Immunsuppression: Rituximab als bevorzugte First-Line-Therapie bei PHN (PLA2R-Antikörper-assoziiert) nach aktuellem KDIGO-Leitlinienupdate 2021. Alternativ Calcineurin-Inhibitoren (Cyclosporin/Tacrolimus).
- F: Warum haben Patienten mit nephrotischem Syndrom ein erhöhtes Thromboserisiko? — A: Verlust von Antikoagulanzien über den Urin (Antithrombin III, Protein C/S), Hyperviskosität durch Hypoalbuminämie, erhöhte Fibrinogensynthese, Immobilisation durch Ödeme. Erhöhtes Risiko insbesondere für Nierenvenenthrombose und Lungenembolie.
- F: Was ist der Unterschied zwischen nephrotischem und nephritischem Syndrom? — A: Nephrotisch: Proteinurie > 3,5 g/24h, Ödeme, Hypoalbuminämie, keine/geringe Hämaturie. Nephritisch: Hämaturie (Akanthozyten), Hypertonie, Kreatininanstieg, mäßige Proteinurie (typisch bei IgA-Nephropathie, post-Streptokokken-GN, ANCA-Vaskulitis).
Themen
- Nephrotisches Syndrom — Diagnosekriterien
- Membranöse Nephropathie — PLA2R-Antikörper, Rituximab
- Thromboserisiko bei nephrotischem Syndrom
- Nephrotisch vs. nephritisch
Teil 2 — Chirurgie (~20 Min)
Fallvorstellung
Herr F., 35 Jahre, Motorradunfall, stumpfes Bauchtrauma, Schmerzen im linken Oberbauch. RR 95/70 mmHg, HF 118/min, blasse Haut. eFAST: freie Flüssigkeit perihepatisch und perilienisch.
Gestellte Fragen
- F: Diagnose und sofortiges Vorgehen? — A: Traumatische Milzlazeration mit intraabdominaler Blutung und hämorrhagischem Schock (Klasse III nach ATLS). Sofortmaßnahmen: 2 großlumige Zugänge, Volumen (kristalloid/Blutprodukte im Verhältnis 1:1:1 bei Massivtransfusion), Notfall-CT Abdomen (wenn stabil) oder direkt in den OP (instabil).
- F: Was ist das ATLS-Konzept? — A: Advanced Trauma Life Support — strukturiertes Traumamanagement: Primary Survey (ABCDE), Simultane Stabilisierung und Diagnostik, Secondary Survey, Definitive Care. Damage-Control-Surgery bei instabilem Patienten: nur lebensrettende Eingriffe, Gerinnung erhalten, Rekonstruktion später.
- F: Milzerhalt vs. Splenektomie — wie entscheiden Sie? — A: AAST-Milzverletzungsgrade I–V. Grad I–III häufig nichtoperativ (NOM) bei hämodynamischer Stabilität, CT-kontrolliert. Grad IV–V oder hämodynamisch instabil: Splenektomie oder Milzteilresektion. Nichtoperatives Management: Angioembolisation bei aktiver Blutung. Nach Splenektomie: OPSI-Prophylaxe (Impfung gegen S. pneumoniae, N. meningitidis, H. influenzae).
- F: Was ist OPSI-Syndrom? — A: Overwhelming Post-Splenectomy Infection — fulminante, potenziell letale Infektion durch bekapselte Bakterien (S. pneumoniae 50 %, H. influenzae, N. meningitidis) bei Asplenikern. Mortalität 50–70 %. Prophylaxe: Impfung vor Splenektomie (elektiv) oder 2 Wochen nach (Notfall) + Penicillin-Dauerprophylaxe 2 Jahre, lebenslang bei Risikopatienten.
- F: Damage Control Surgery — erläutern Sie das Prinzip — A: Phase 1: Blutungskontrolle und Kontaminationsminimierung (Ligaturen, Tamponade, Diskontinuitätsresektion). Phase 2: ICU — Rewarming, Gerinnungskorrektur, Azidosebehandlung (Lethal Triad: Hypothermie, Azidose, Koagulopathie). Phase 3: Definitive Rekonstruktion nach 24–48 h.
Themen
- Hämorrhagischer Schock — ATLS-Klassifikation
- Milzlazeration — AAST-Grade und NOM
- OPSI-Prophylaxe nach Splenektomie
- Damage-Control-Surgery — Lethal Triad
Teil 3 — Pädiatrie (~13 Min)
Fallvorstellung
Ein 4 Monate altes Kind wird mit seit 2 Tagen bestehender Trinkschwäche, Fieber (38,9 °C), auffallender Schläfrigkeit und muskulärer Hypotonie vorgestellt. Fontanelle leicht gespannt. Nackensteife nicht sicher beurteilbar. Eltern berichten von keinen Vorerkrankungen, U-Untersuchungen unauffällig.
Gestellte Fragen
- F: Was ist Ihre Verdachtsdiagnose, was tun Sie sofort? — A: V. a. bakterielle Meningitis (Meningokokken/Pneumokokken im Säuglingsalter). Sofortmaßnahmen: Notfallverlegung, i.v.-Zugang, Blutkulturen × 2, Antibiotika SOFORT (ohne auf Liquor zu warten, wenn klinisch kritisch): Cefotaxim + Ampicillin (Listerienprophylaxe bis 3 Monate). Dexamethason i.v. vor oder mit erster Antibiotikagabe (wenn > 3 Monate, hier grenzwertig — besprechen).
- F: Wann darf man eine Lumbalpunktion machen? — A: LP kontraindiziert bei: erhöhtem intrakraniellem Druck (gespannte Fontanelle, Stauungspapille), hämodynamischer Instabilität, Gerinnungsstörung, Haut-/Weichteilinfektion im LP-Bereich, Bewusstseinstrübung GCS < 8. Hier: LP nach CT (wenn verfügbar) oder nach erster Antibiotikagabe.
- F: Was erwarten Sie im Liquor bei bakterieller Meningitis? — A: Trüb, Pleozytose > 1000 Leukozyten/µl (Granulozyten), erhöhtes Eiweiß (> 100 mg/dl), erniedrigte Glukose (Liquor/Serum-Quotient < 0,3), positiver Gram-Präparat und Kultur. Bakterielles Antigen-Schnelltest möglich.
Themen
- Bakterielle Meningitis im Säuglingsalter — Erregerspektrum
- Empirische Antibiotikatherapie (Cefotaxim + Ampicillin)
- Lumbalpunktion — Indikation und Kontraindikationen
- Liquordiagnostik: bakteriell vs. viral vs. normal
Gesamteindruck & Note
60 Minuten sind sehr knapp — es bleibt kaum Zeit zum Nachdenken. Strukturiertes Antworten ist hier noch wichtiger als bei längeren Prüfungen. Die Pädiatrie-Prüferin war sehr engagiert und prüfte gezielt das Säuglingsalter, das viele Kandidaten vernachlässigen. Das Ergebnis war bestanden. Besonderer Dank an die Prüferin C, die nach der Prüfung konstruktives Feedback gab.
⚠️ Beispielprotokoll — keine reale Prüfung. Inhalte dienen ausschließlich der Prüfungsvorbereitung auf Kennti.com.
