Mein KP-Protokoll — Wiesbaden, September 2023. Innere Medizin + Chirurgie. Ergebnis: bestanden.
Rahmen & Prüfer
Die Prüfung fand am 7. September 2023 in Wiesbaden in den Räumen der Landesärztekammer Hessen statt. Dauer: 75 Minuten. Prüfungskommission: Prüfer A (Internist, Pneumologie), Prüfer B (Chirurg, Allgemeinchirurgie), Prüfer C (Vorsitzender). Die Atmosphäre war konzentriert, aber angenehm. Beide Prüfer fragten aktiv und ließen ausreden. Die Übergaben zwischen den Fächern waren fließend.
Teil 1 — Innere Medizin (~40 Min)
Fallvorstellung
Patient Herr B., 44 Jahre, bekanntes Asthma bronchiale seit dem 18. Lebensjahr, stellt sich in der Notaufnahme vor mit starker Dyspnoe, pfeifendem Atemgeräusch, kaum sprechfähig. SpO₂ 84 %, AF 30/min, verlängertes Exspirium, kein Fieber. Peak-Flow nicht messbar. Letzter Notarztbesuch: vor 6 Monaten. Aktuelle Therapie: Salbutamol-Bedarfsinhalation, kein ICS.
Gestellte Fragen
- F: Wie stufen Sie diesen Anfall ein? — A: Schwerer, potentiell lebensbedrohlicher Asthmaanfall (near-fatal asthma): SpO₂ < 92 %, kaum sprechfähig, AF > 25/min, Tachykardie. Nach GINA: lebensbedrohlich wenn SpO₂ < 92 % + Erschöpfung + Zyanose.
- F: Welche Soforttherapie leiten Sie ein? — A: Sauerstoff (Ziel SpO₂ 94–98 %), Salbutamol über Vernebler (2,5–5 mg alle 20 min), Ipratropium-Vernebler, systemische Kortikosteroide i.v. (Prednisolon 50–100 mg), ggf. Magnesiumsulfat i.v. (2 g über 20 min), NIV erwägen, Intensivbereitschaft.
- F: Was ist die Stufentherapie bei Asthma nach GINA? — A: Stufe 1: Bedarfs-SABA oder niedrig-dosiertes ICS+Formoterol (Bedarfsinhalation). Stufe 2: niedrig-ICS + Bedarfs-SABA oder ICS+Formoterol. Stufe 3: niedrig-ICS+LABA. Stufe 4: mittel/hoch-ICS+LABA. Stufe 5: Add-on-Biologika (z. B. Mepolizumab bei eosinophilem Asthma) oder orale Kortikosteroide.
- F: Dieser Patient hat kein ICS — was bedeutet das für die Therapie nach Entlassung? — A: Mindestens Stufe 3 einleiten (mitteldosiertes ICS + LABA), Salbutamol als Bedarfsinhalator belassen. Schulung zu Inhalationstechnik, schriftlichen Asthmaaktionsplan aushändigen, Auslöser identifizieren, pneumologische Anbindung organisieren.
- F: Wann intubieren Sie? — A: Bei Versagen der NIV, Atemerschöpfung, Bewusstseinseintrübung, paCO₂-Anstieg trotz Therapie (Normokapnie bei schweren Anfällen ist Warnsignal). Intubation beim schweren Asthmatiker ist risikoreich (Bronchospasmus, Dynamic Hyperinflation) — so lange wie möglich vermeiden.
- F: Wie unterscheidet sich Asthma von COPD klinisch und spirometrisch? — A: Asthma: variabel, reversibel, oft jüngere Patienten, allergische Genese. COPD: progressive, irreversibel, Raucheranamnese, Emphysem. Spirometrisch: FEV1/FVC < 0,7 nach Bronchodilatation = COPD; bei Asthma vollständige Reversibilität (≥ 12 % / 200 ml Besserung des FEV1).
- F: Was sind Biologika beim schweren Asthma und wann sind sie indiziert? — A: Anti-IL-5-Antikörper (Mepolizumab, Benralizumab) bei eosinophilem schwerem Asthma (Eosinophile ≥ 300/µl). Anti-IgE (Omalizumab) bei allergischem Asthma mit erhöhtem Gesamt-IgE. Anti-IL-4/13 (Dupilumab) bei Typ-2-Inflammation. Indikation: Stufe 5, unkontrolliert trotz high-dose ICS+LABA.
- F: Was sind Trigger für akute Asthmaanfälle? — A: Allergene (Hausstaubmilben, Tierhaare, Pollen), Infekte (RSV, Rhinoviren), körperliche Belastung, Kaltluft, ASS/NSAR (Samter-Trias), Berufsexpositionen, emotionaler Stress, GERD.
Themen
- Asthma-Stufentherapie nach GINA 2023
- Schwerer Asthmaanfall — Notfallmanagement
- Biologika beim schweren Asthma
- Asthma vs. COPD — Differenzialdiagnose
Teil 2 — Chirurgie (~35 Min)
Fallvorstellung
Herr D., 58 Jahre, Adipositas (BMI 34), Raucher, stellt sich vor mit seit 3 Tagen bestehenden linksseitigen Wadenschmerzen, Schwellung und Überwärmung nach einer 12-stündigen Flugreise. Kein Fieber. Wells-Score: 3 Punkte (hohe Wahrscheinlichkeit). D-Dimer: 4,2 µg/ml.
Gestellte Fragen
- F: Diagnose und wie sichern Sie diese? — A: Hohe klinische Wahrscheinlichkeit für tiefe Beinvenenthrombose (TVT). Diagnostik: Kompressionssonographie der Beinvenen (Goldstandard). D-Dimer allein reicht bei hoher Vortestwahrscheinlichkeit nicht zum Ausschluss. Bei positiver Sonographie: Antikoagulation einleiten.
- F: Welche Antikoagulation empfehlen Sie und für wie lange? — A: Direkte orale Antikoagulanzien (DOACs) sind Mittel der Wahl: Rivaroxaban (15 mg 2× tägl. für 3 Wochen, dann 20 mg 1×) oder Apixaban (10 mg 2× für 7 Tage, dann 5 mg 2×). Dauer: 3 Monate bei provozierter TVT (Flugreise), länger bei unprovozierten Ereignissen oder Rezidiv.
- F: Wann kommt eine Thrombektomie oder Lyse in Frage? — A: Phlegmasia coerulea dolens (massive Ileofemoralvenenthrombose mit drohendem Gliedmaßenverlust): kathetergestützte pharmakologische Thrombolyse oder chirurgische Thrombektomie. Bei stabiler TVT keine Lyse indiziert.
- F: Was ist eine Lungenembolie und wie erkennen Sie eine massive? — A: Embolisierung in die Pulmonalgefäße. Massive LE: hämodynamische Instabilität (RR < 90 mmHg), Schock. Diagnostik: cCTA Pulmonalis, Troponin, BNP, Echo (RV-Dilatation). Therapie: systemische Lyse (Alteplase 100 mg über 2h) oder chirurgische Embolektomie.
- F: Wie betreiben Sie perioperative Thromboseprophylaxe bei einem Hüft-TEP-Patienten? — A: Hochrisikopatienten: NMH (z. B. Enoxaparin 40 mg/Tag) oder DOAC (Rivaroxaban 10 mg, Apixaban 2,5 mg 2×) für 28–35 Tage. Mechanisch: Kompressionsstrümpfe, Frühmobilisation ab Tag 1. Beginn: 6–12 h postoperativ.
- F: Was sind Kontraindikationen für NOACs? — A: Schwere Niereninsuffizienz (GFR < 15 ml/min), aktive Blutung, mechanischer Herzklappenersatz, Antiphospholipid-Syndrom (Triple-positiv), Schwangerschaft, Child-C-Leberzirrhose.
Themen
- TVT — Wells-Score und Diagnostik
- Antikoagulation: DOACs vs. NMH
- Lungenembolie — Risikostratifizierung (PESI-Score)
- Perioperative Thromboseprophylaxe bei Orthopädie
Gesamteindruck & Note
Beide Teile liefen strukturiert ab. Der Internist legte besonderen Wert auf die GINA-Stufentherapie und die Unterscheidung Asthma/COPD. Der Chirurg prüfte sehr gezielt die Antikoagulationsdauer und die Indikation zur invasiven Therapie. Wer GINA 2023 und die AWMF-TVT-Leitlinie kennt, ist sehr gut vorbereitet. Ergebnis: bestanden.
⚠️ Beispielprotokoll — keine reale Prüfung. Inhalte dienen ausschließlich der Prüfungsvorbereitung auf Kennti.com.
