Akutes Nierenversagen – FSP-Fall

Nephrologie & Urologie Häufig Notfall Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zum akuten Nierenversagen: KDIGO-Kriterien, Differenzierung prärenal/intrarenal/postrenal, Dialyseindikationen und Notfallmanagement bei Hyperkaliämie.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Oligurie/Anurie mit Kreatininanstieg
  • Diagnostischer Standard: KDIGO-Kriterien (Kreatinin ≥0,3 mg/dl in 48h oder ≥1,5× Baseline)
  • Erste Maßnahme: Volumenstatus evaluieren, Sonographie zum Ausschluss Harnstau
  • Wichtigste Kontraindikation: Nephrotoxische Medikamente (NSAR, Aminoglykoside, Kontrastmittel)
  • Prognose: Bei frühzeitiger Therapie oft reversibel; ca. 10% bleiben dialysepflichtig

1 · Leitfall

Notaufnahme J., m Wenig Urin seit 2 Tagen
"Herr Doktor, ich habe seit zwei Tagen kaum noch Wasser gelassen. Ich hatte letztes Wochenende starken Durchfall und habe kaum etwas getrunken. Jetzt fühle ich mich ganz schwach und mir ist übel."
2 · Krankheitsbild

Definition

Das akute Nierenversagen (ANV), auch akute Nierenschädigung (AKI = Acute Kidney Injury) genannt, ist eine rasch einsetzende, potenziell reversible Verschlechterung der exkretorischen Nierenfunktion. Nach KDIGO liegt ein ANV vor bei: Kreatininanstieg ≥0,3 mg/dl innerhalb von 48 Stunden ODER ≥1,5-facher Anstieg des Ausgangswertes innerhalb von 7 Tagen ODER Urinausscheidung <0,5 ml/kg/h über 6 Stunden.

Pathophysiologie

Prärenal (60%): Verminderte renale Perfusion durch Hypovolämie, Hypotonie oder Herzinsuffizienz → Abfall der GFR bei initial intaktem Nierenparenchym. Bei prolongierter Ischämie Übergang in intrarenal.
Intrarenal (35%): Direkte Schädigung des Nierenparenchyms (Tubuli, Glomeruli, Interstitium). Häufigste Form: Akute Tubulusnekrose (ATN) durch Ischämie oder Nephrotoxine → Zelltod und tubuläre Obstruktion.
Postrenal (5%): Harnabflusshindernis → Rückstau → erhöhter hydrostatischer Druck → sekundäre Minderperfusion.

Epidemiologie

Inzidenz Krankenhaus 10-20% aller stationären Patienten
Inzidenz Intensivstation 35-60% der ICU-Patienten
Typisches Alter > 65 Jahre (multimorbide Patienten)
Letalität 20-50% (abhängig von Grunderkrankung)

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Alter > 65 Jahre
  • Vorbestehende CKD
  • Diabetes mellitus
  • Herzinsuffizienz
Modifizierbar:
  • Nephrotoxische Medikamente
  • Kontrastmittelexposition
  • Hypovolämie/Dehydratation
  • Sepsis
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Urinmenge Wie oft und wie viel haben Sie in den letzten 24 Stunden Wasser gelassen? Oligurie/Anurie als Kardinalsymptom
Flüssigkeit Wie viel haben Sie getrunken? Hatten Sie Durchfall, Erbrechen oder starkes Schwitzen? Prärenale Ursache (Hypovolämie)
Medikamente Welche Medikamente nehmen Sie? Auch Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac? Nephrotoxische Substanzen (NSAR, ACE-Hemmer)
Vorerkrankungen Haben Sie eine bekannte Nierenerkrankung, Diabetes oder Herzprobleme? Risikoeinschätzung, AKI auf CKD
Kürzliche Eingriffe Hatten Sie kürzlich eine CT-Untersuchung mit Kontrastmittel oder eine Operation? Kontrastmittel-Nephropathie, postoperatives ANV
Miktion Haben Sie Schmerzen beim Wasserlassen oder im Unterbauch? Können Sie überhaupt Urin lassen? Postrenale Obstruktion ausschließen

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, Herr , ich bin . Was führt Sie zu uns?

Patient:

Ich habe seit zwei Tagen kaum Wasser gelassen. Letzte Woche hatte ich starken Durchfall.

Arzt:

Haben Sie dabei auch weniger getrunken als sonst?

Patient:

Ja, mir war so übel, ich konnte kaum etwas bei mir behalten.

Arzt:

Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Auch Schmerzmittel?

Patient:

Ich nehme Tabletten gegen den Blutdruck und gegen die Schmerzen im Knie habe ich Ibuprofen genommen.

Arzt:

Haben Sie Schmerzen im Rücken oder Unterbauch? Können Sie überhaupt Urin lassen, auch wenn es wenig ist?

Patient:

Nein, keine Schmerzen dort. Ich kann schon, aber es kommt fast nichts.

Prüfungsfokus

  • Immer nach nephrotoxischen Medikamenten fragen (NSAR, Aminoglykoside, ACE-Hemmer)
  • Volumenstatus erfragen: Trinkmenge, Erbrechen, Durchfall, Schwitzen
  • Postrenale Ursache ausschließen: Miktionsbeschwerden, Harnverhalt
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Inspektion Trockene Haut und Schleimhäute, stehende Hautfalten (Exsikkose); ggf. Ödeme bei Überwässerung
Vitalzeichen Tachykardie, Hypotonie (prärenal); ggf. Hypertonie bei Überwässerung
Palpation Abdomen Blasenstand bei Harnverhalt; Flankenklopfschmerz bei Pyelonephritis
Auskultation Lunge Feuchte RGs bei Lungenödem (Überwässerung)
Rektal (bei V.a. Prostatavergrößerung) Vergrößerte Prostata bei postrenaler Obstruktion

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Kreatinin ↑↑ Leitparameter für GFR-Abfall (KDIGO-Kriterien)
Harnstoff ↑↑ Retentionsparameter; Harnstoff/Kreatinin-Quotient >40 → prärenal
Kalium Hyperkaliämie → Herzrhythmusstörungen (Notfall!)
Blutgasanalyse pH ↓, HCO₃⁻ ↓ Metabolische Azidose durch verminderte H⁺-Ausscheidung
Natrium im Urin Prärenal <20 / Intrarenal >40 mmol/l Differenzierung prärenal vs. intrarenal
FENa Prärenal <1% / Intrarenal >2% Fraktionelle Natriumexkretion zur DD
Urinsediment Granulozytenzylinder (ATN), Erythrozytenzylinder (GN) Ätiologische Einordnung

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
Nierensonographie Nierengröße (normal vs. geschrumpft bei CKD); Harnstau bei Obstruktion; Restharn Immer! Erste Bildgebung bei jedem ANV
Farbdoppler Nierenarterienstenose, Nierenvenenthrombose Bei V.a. vaskuläre Ursache
CT ohne KM Urolithiasis, retroperitoneale Raumforderung Bei unklarer Obstruktion, Sono nicht ausreichend

Goldstandard

Nierensonographie – obligat bei jedem ANV zum Ausschluss einer postrenalen Obstruktion. Immer vor invasiver Diagnostik!

KDIGO-Stadieneinteilung

Stadium Kreatinin-Kriterium Urin-Kriterium
1 ≥0,3 mg/dl Anstieg oder 1,5-1,9× Baseline <0,5 ml/kg/h für 6-12 h
2 2,0-2,9× Baseline <0,5 ml/kg/h für ≥12 h
3 ≥3× Baseline oder ≥4,0 mg/dl oder Dialysebeginn <0,3 ml/kg/h für ≥24 h oder Anurie ≥12 h
5 · Therapie

Akuttherapie

Maßnahme Details
1. Ursache behandeln Prärenal: Volumensubstitution mit kristalloiden Lösungen (NaCl 0,9%, Ringer); Postrenal: Harnableitung (DK, DJ-Schiene, Nephrostomie)
2. Nephrotoxine absetzen NSAR, ACE-Hemmer, AT1-Blocker, Aminoglykoside, Kontrastmittel pausieren
3. Volumenmanagement Bei Hypovolämie: Kristalloide (keine HES!); Bei Überwässerung: Schleifendiuretika (Furosemid)
4. Hyperkaliämie behandeln K⁺ >6,5 mmol/l: Calciumgluconat (Kardioprotektiv), Glukose/Insulin, ggf. Dialyse
5. Azidose korrigieren Bei schwerer Azidose (pH <7,1): Natriumbikarbonat erwägen

Dialyseindikationen (Notfall!)

Hyperkaliämie K⁺ >6,5 mmol/l, therapierefraktär
Überwässerung Lungenödem, diuretikarefraktär
Azidose pH <7,1, therapierefraktär
Urämie Enzephalopathie, Perikarditis, Harnstoff >200 mg/dl
Intoxikation Dialysierbare Substanz (Lithium, Methanol, Ethylenglykol)

Nierenersatzverfahren

KDIGO-Empfehlung: Bei hämodynamisch instabilen Patienten → kontinuierliche Verfahren (CVVH/CVVHD) bevorzugen. Bei stabilen Patienten → intermittierende Hämodialyse möglich. Dialysat-/Filtratvolumen: 20-25 ml/kg/h.

Langzeittherapie & Prävention

  • Kontrolle auf CKD-Entwicklung: 3 Monate nach ANV (KDIGO-Empfehlung)
  • Risikofaktoren minimieren: Nephrotoxine meiden, Kontrastmittel sparsam
  • Optimale Einstellung von Grunderkrankungen (Diabetes, Hypertonie, Herzinsuffizienz)
  • Patientenaufklärung: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, NSAR-Vermeidung

Prüfungsfokus

  • KDIGO-Bündel: Hämodynamik optimieren + Nephrotoxine absetzen
  • Dialyseindikationen: „AEIOU" (Azidose, Elektrolyte, Intoxikation, Overload, Urämie)
  • Kristalloide statt Kolloide bei Volumenersatz!
6 · Arztbrief

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

wir berichten über unseren gemeinsamen Patienten , Jahre, der sich vom [Datum] bis [Datum] in unserer stationären Behandlung befand.

Diagnosen:

  • Akutes Nierenversagen KDIGO Stadium 2, prärenaler Genese bei Exsikkose
  • Gastroenteritis
  • Arterielle Hypertonie

Anamnese:
Der Patient habe sich mit seit zwei Tagen bestehender Oligurie vorgestellt. Anamnestisch sei eine Gastroenteritis mit Diarrhoe und Erbrechen vorausgegangen. Der Patient habe in diesem Zeitraum kaum Flüssigkeit zu sich nehmen können. Zusätzlich habe er bei Knieschmerzen Ibuprofen eingenommen. An Vorerkrankungen sei eine arterielle Hypertonie bekannt, die medikamentös mit einem ACE-Hemmer behandelt werde.

Befund bei Aufnahme:
Bei Aufnahme habe sich der Patient in reduziertem Allgemeinzustand mit Zeichen der Exsikkose präsentiert. Die Vitalzeichen seien mit einem Blutdruck von 95/60 mmHg und einer Herzfrequenz von 102/min auffällig gewesen. Laborchemisch habe sich ein Kreatinin von 3,8 mg/dl (Vorwert 1,1 mg/dl), ein Harnstoff von 120 mg/dl und ein Kalium von 5,8 mmol/l gezeigt. Sonographisch seien beidseits normal große Nieren ohne Harnstau darstellbar gewesen.

Therapie und Verlauf:
Bei prärenalem Nierenversagen sei eine Volumensubstitution mit kristalloiden Lösungen erfolgt. Nephrotoxische Medikamente (Ibuprofen, ACE-Hemmer) seien pausiert worden. Unter dieser Therapie habe sich die Nierenfunktion sukzessive erholt. Bei Entlassung habe das Kreatinin 1,3 mg/dl betragen.

Procedere:

  • Kreatinin-Kontrolle beim Hausarzt in 1 Woche
  • Kontrolle auf CKD-Entwicklung in 3 Monaten empfohlen
  • NSAR-Karenz, ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Blutdruckeinstellung mit alternativem Antihypertensivum (Amlodipin) empfohlen

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

7 · Übergabe (SBAR)
S – Situation:

Herr , Jahre, Aufnahme über die Notaufnahme mit akutem Nierenversagen bei Exsikkose nach Gastroenteritis.

B – Background:

Bekannte arterielle Hypertonie unter ACE-Hemmer. Zusätzliche NSAR-Einnahme. Kein Diabetes, keine vorbekannte Nierenerkrankung. Kreatinin-Baseline ca. 1,1 mg/dl.

A – Assessment:

ANV KDIGO Stadium 2, prärenale Genese. Aufnahme-Kreatinin 3,8 mg/dl, Kalium 5,8 mmol/l. Sonographie ohne Harnstau. Volumengabe läuft, ACE-Hemmer und NSAR pausiert. Aktuell Kreatinin rückläufig auf 2,1 mg/dl, Diurese >50 ml/h.

R – Recommendation:

Bitte weiter Flüssigkeitsbilanzierung, Ein-/Ausfuhr dokumentieren. Kalium-Kontrolle morgen früh. Bei Kreatinin-Anstieg oder Oligurie <30 ml/h bitte Rücksprache wegen ggf. Dialyseindikation. DK belassen zur Bilanzierung.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Unterschied zum ANV Ausschluss durch
Chronische Niereninsuffizienz (CKD) Langsamer Verlauf >3 Monate, kleine Nieren, Anämie Vorwerte, Sonographie (Nierengröße <9 cm = CKD)
Akut-auf-chronische Niereninsuffizienz ANV bei vorbestehender CKD, teilweise reversibel Anamnese, Vorwerte, sonographisch kleine Nieren
Hepatorenales Syndrom ANV bei fortgeschrittener Leberzirrhose, funktionell Leberwerte, Albumin, Aszites, Ausschluss anderer Ursachen
Rapid-progressive Glomerulonephritis Rascher Kreatininanstieg mit nephritischem Sediment Urinsediment (Erythrozytenzylinder), ANCA, Anti-GBM-AK, Nierenbiopsie
Akute interstitielle Nephritis Medikamentenassoziiert, ggf. Fieber, Exanthem, Eosinophilie Medikamentenanamnese, Eosinophile im Urin, ggf. Biopsie

Differenzierung prärenal vs. intrarenal

Parameter Prärenal Intrarenal (ATN)
Urin-Natrium <20 mmol/l >40 mmol/l
FENa <1% >2%
Urin-Osmolalität >500 mOsm/kg <350 mOsm/kg
Harnstoff/Kreatinin-Quotient >40 <20
Urinsediment Unauffällig, hyaline Zylinder Granulozytenzylinder, „muddy brown casts"
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Hyperkaliämie → Herzrhythmusstörungen bis Kammerflimmern (lebensbedrohlich!)
  • Überwässerung → Lungenödem, periphere Ödeme
  • Metabolische Azidose → Kussmaul-Atmung, kardiale Depression
  • Urämie → Enzephalopathie, Perikarditis, Blutungsneigung
  • Infektionen → Erhöhte Infektanfälligkeit, katheterassoziierte Sepsis

Spätkomplikationen

  • Chronische Nierenerkrankung (CKD) → ca. 50% entwickeln persistierende Nierenschädigung
  • Terminale Niereninsuffizienz → ca. 10% bleiben dauerhaft dialysepflichtig
  • Kardiovaskuläre Ereignisse → Erhöhtes Risiko nach ANV
  • Erhöhte Mortalität → Langfristig erhöht, auch nach Erholung
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Kalium >6,5 mmol/l Lebensbedrohliche Hyperkaliämie EKG, Calciumgluconat, Glukose/Insulin, Dialysevorbereitung
EKG-Veränderungen Hohe T-Wellen, breiter QRS → Kammerflimmern-Gefahr Sofort Calciumgluconat, Notfalldialyse
Lungenödem Lebensbedrohliche Überwässerung Sitzende Lagerung, Furosemid hochdosiert, ggf. Dialyse
Bewusstseinstrübung Urämische Enzephalopathie Dialyseindikation prüfen
Perikardreiben Urämische Perikarditis Dringende Dialyseindikation, Echo
Anurie >12h KDIGO Stadium 3, schweres ANV Ursache klären, Dialysevorbereitung
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. ANV-Definition nach KDIGO: Kreatinin ≥0,3 mg/dl in 48h oder ≥1,5× Baseline in 7 Tagen oder Urin <0,5 ml/kg/h für 6h
  2. Sonographie bei jedem ANV zum Ausschluss einer postrenalen Obstruktion!
  3. Dialyseindikationen: Hyperkaliämie, Überwässerung, Azidose, Urämie, Intoxikation
Frage 1 (Diagnostik): Ein 72-jähriger Patient zeigt einen Kreatininanstieg von 1,0 auf 1,8 mg/dl innerhalb von 5 Tagen. Welches KDIGO-Stadium liegt vor?
A) Kein ANV, da Anstieg zu langsam
B) KDIGO Stadium 1
C) KDIGO Stadium 2
D) KDIGO Stadium 3
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Der Anstieg auf 1,8× des Ausgangswertes (1,0 → 1,8) innerhalb von 7 Tagen entspricht KDIGO Stadium 1 (1,5-1,9× Baseline). Stadium 2 wäre ab 2,0× Baseline.
Frage 2 (Diagnostik): Welche Untersuchung sollte bei jedem ANV als erstes durchgeführt werden?
A) CT-Abdomen mit Kontrastmittel
B) Nierenbiopsie
C) Nierensonographie
D) MR-Angiographie der Nierenarterien
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Die Nierensonographie ist die erste Bildgebung bei ANV. Sie dient dem Ausschluss einer postrenalen Obstruktion (Harnstau) und der Beurteilung der Nierengröße (CKD-Hinweis bei kleinen Nieren). Kontrastmittel ist bei ANV kontraindiziert!
Frage 3 (Therapie): Welches Vorgehen ist bei einem prärenalen Nierenversagen durch Exsikkose primär indiziert?
A) Hochdosierte Diuretikatherapie mit Furosemid
B) Volumensubstitution mit kristalloiden Lösungen
C) Sofortige Dialyse
D) Dopamin zur Nierendurchblutung
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei prärenalem ANV durch Hypovolämie ist die Volumensubstitution mit Kristalloiden (z.B. NaCl 0,9%, Ringer) die Therapie der Wahl. Diuretika würden die Hypovolämie verschlechtern, Dopamin ist obsolet.
Frage 4 (Therapie): Ein Patient mit ANV hat ein Kalium von 6,8 mmol/l und zeigt im EKG hohe T-Wellen. Was ist die erste Maßnahme?
A) Kaliumarme Diät beginnen
B) Schleifendiuretikum verabreichen
C) Calciumgluconat i.v.
D) Abwarten und EKG-Kontrolle
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Bei Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen ist Calciumgluconat i.v. die erste Maßnahme zur Kardioprotekt. Es stabilisiert das Myokard, senkt aber nicht das Kalium. Danach folgen Glukose/Insulin und ggf. Dialyse.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Welches ist KEINE absolute Dialyseindikation beim ANV?
A) Therapierefraktäre Hyperkaliämie >6,5 mmol/l
B) Kreatinin >3 mg/dl
C) Diuretikarefraktäres Lungenödem
D) Urämische Perikarditis
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Der Kreatininwert allein ist keine Dialyseindikation! Die Indikation richtet sich nach Komplikationen: Hyperkaliämie, Überwässerung/Lungenödem, schwere Azidose, Urämiesymptome (Enzephalopathie, Perikarditis).
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Ein Patient mit ANV wird zunehmend verwirrt und zeigt einen Flapping Tremor. Woran denken Sie?
A) Hypoglykämie
B) Urämische Enzephalopathie
C) Hypertensive Krise
D) Elektrolytstörung ohne Handlungsbedarf
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Verwirrtheit und Flapping Tremor (Asterixis) sind typische Zeichen einer urämischen Enzephalopathie durch Akkumulation harnpflichtiger Substanzen. Dies ist eine Dialyseindikation!
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welcher Befund spricht am ehesten für ein prärenales ANV im Vergleich zu einer akuten Tubulusnekrose?
A) FENa >2%
B) Urin-Natrium >40 mmol/l
C) FENa <1%
D) Granulozytenzylinder im Sediment
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Richtig: C
Bei prärenalem ANV ist die Natriumretention intakt, daher ist die fraktionelle Natriumexkretion (FENa) <1% und das Urin-Natrium <20 mmol/l. Bei ATN ist die Tubulusfunktion gestört, FENa >2%.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Ein Patient mit ANV zeigt sonographisch beidseits kleine Nieren (<9 cm). Was bedeutet dieser Befund?
A) Typisch für prärenales ANV
B) Hinweis auf vorbestehende chronische Niereninsuffizienz
C) Akute Glomerulonephritis
D) Postrenale Obstruktion
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Richtig: B
Kleine Nieren (<9 cm) sind ein Hinweis auf eine vorbestehende chronische Niereninsuffizienz (CKD). Der Patient hat wahrscheinlich eine „Acute-on-Chronic" Situation. Bei rein akutem ANV sind die Nieren normal groß oder leicht vergrößert.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Akutes Nierenversagen (ANV) "Ihre Nieren arbeiten plötzlich nicht mehr richtig und können das Blut nicht ausreichend reinigen."
Kreatinin "Ein Abfallstoff aus den Muskeln, der normalerweise von den Nieren ausgeschieden wird. Wenn er ansteigt, arbeiten die Nieren nicht gut."
Dialyse "Eine Blutwäsche, bei der eine Maschine die Arbeit der Nieren übernimmt und Giftstoffe aus dem Blut entfernt."
Oligurie/Anurie "Sie bilden zu wenig Urin (Oligurie) oder fast gar keinen Urin mehr (Anurie)."
Hyperkaliämie "Der Kaliumspiegel im Blut ist zu hoch. Das kann gefährlich für das Herz sein."
Urämie "Die Giftstoffe, die normalerweise über den Urin ausgeschieden werden, sammeln sich im Blut an und machen krank."
Nephrotoxisch "Schädlich für die Nieren – bestimmte Medikamente können die Nieren schädigen."

Zusammenfassung

Das akute Nierenversagen ist ein häufiges, potenziell lebensbedrohliches Krankheitsbild mit hoher Prüfungsrelevanz. Die Diagnostik erfolgt nach KDIGO-Kriterien, die Nierensonographie ist obligat. Die Therapie richtet sich nach der Ursache (prärenal → Volumengabe, postrenal → Harnableitung). Bei schweren Komplikationen (Hyperkaliämie, Lungenödem, Urämie) ist eine Dialyse indiziert.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.