Appendizitis

Gastroenterologie Chirurgisch Häufig Notfall Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

Die Appendizitis (Blinddarmentzündung): Der Klassiker in der Chirurgie. Erfahren Sie alles über die Schmerzwanderung, klinische Zeichen (McBurney, Lanz) und die diagnostische Sonographie.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Wandernder Schmerz (periumbilikal → rechter Unterbauch)
  • Diagnostischer Standard: Klinik + Labor + Sonographie (CT bei unklaren Fällen)
  • Erste Maßnahme: Nahrungskarenz, i.v.-Zugang, Analgesie, Antibiotika präoperativ
  • Wichtigste Kontraindikation: Keine Abführmittel oder Wärmeanwendung bei V.a. Appendizitis!
  • Prognose: Letalität <0,1% bei unkomplizierter Appendizitis, bei Perforation bis 1%

1 · Leitfall

Notaufnahme J., m Bauchschmerzen rechts unten
"Herr Doktor, seit gestern Abend habe ich Bauchschmerzen. Zuerst war es mehr um den Nabel herum, aber jetzt tut es richtig stark rechts unten weh. Mir ist übel und ich habe keinen Appetit. Beim Gehen und Husten wird der Schmerz schlimmer!"
2 · Krankheitsbild

Definition

Die Appendizitis ist eine akute Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis) und stellt die häufigste Ursache für ein akutes Abdomen dar. Sie erfordert in der Regel eine operative Therapie. Man unterscheidet die unkomplizierte (katarrhalisch, phlegmonös) von der komplizierten Appendizitis (gangränös, perforiert, mit Abszess oder Peritonitis).

Pathophysiologie

Die Entzündung entsteht meist durch eine Obstruktion des Appendixlumens (Kotsteine, Lymphfollikelhyperplasie, selten Fremdkörper oder Tumoren). Die luminale Obstruktion führt zu Mukusakkumulation, intraluminaler Druckerhöhung, venöser Stauung und bakterieller Überwucherung. Der initiale viszerale Schmerz (periumbilikal) wird durch die somatische Reizung des parietalen Peritoneums zum lokalisierten Schmerz im rechten Unterbauch.

Epidemiologie

Inzidenz ca. 150.000 Fälle/Jahr in Deutschland
Lebenszeitrisiko 8,6% (Männer), 6,7% (Frauen)
Altersgipfel 10-30 Jahre (Peak: Adoleszenz)
Geschlecht m:w = 1,4:1
Perforationsrate 20-30% (höher bei Kindern und älteren Patienten)

Risikofaktoren

Für Appendizitis:
  • Junges Alter (10-30 J.)
  • Ballaststoffarme Ernährung
  • Familiäre Häufung
  • Gastrointestinale Infektionen
Für Perforation:
  • Verzögerte Diagnosestellung
  • Extreme Altersgruppen (<5 J., >65 J.)
  • Immunsuppression
  • Atypische Präsentation
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Schmerzbeginn Wo haben die Schmerzen begonnen? Sind sie gewandert? Typisch: periumbilikal → rechter Unterbauch (Schmerzwanderung!)
Schmerzcharakter Ist der Schmerz konstant oder wellenförmig? Konstant = Appendizitis; kolikartig = eher Obstruktion
Verstärkung Wird der Schmerz beim Gehen, Husten oder Erschütterung schlimmer? Hinweis auf peritoneale Reizung
Begleitsymptome Haben Sie Übelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit? Anorexie in 80% der Fälle, Übelkeit/Erbrechen häufig
Stuhlgang Wann hatten Sie zuletzt Stuhlgang? Durchfall? DD Gastroenteritis; bei retrozäkaler Lage: Tenesmen
Miktion Haben Sie Beschwerden beim Wasserlassen? DD Harnwegsinfekt; bei pelviner Appendix: Dysurie möglich
Gynäkologisch (Bei Frauen) Wann war Ihre letzte Periode? Könnten Sie schwanger sein? DD EUG, Adnexitis, Ovarialzyste – Schwangerschaftstest obligat!

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, Herr Schmidt. Ich bin . Was führt Sie zu uns?

Patient:

Ich habe seit gestern Abend starke Bauchschmerzen.

Arzt:

Wo genau haben die Schmerzen angefangen und wo sind sie jetzt?

Patient:

Zuerst war es so um den Bauchnabel herum, aber jetzt tut es hauptsächlich rechts unten weh.

Arzt:

Das ist ein wichtiger Hinweis. Werden die Schmerzen beim Gehen oder Husten schlimmer?

Patient:

Ja, genau! Ich kann kaum laufen und beim Husten ist es furchtbar.

Arzt:

Ist Ihnen übel? Haben Sie Appetit?

Patient:

Mir ist übel, einmal musste ich auch brechen. Essen mag ich gar nichts.

Prüfungsfokus

  • Klassische Trias: Schmerzwanderung + Übelkeit/Erbrechen + Anorexie
  • Bei Frauen IMMER Schwangerschaftstest (DD EUG!)
  • Atypische Präsentation bei Kindern, Älteren, Schwangeren und Immunsupprimierten beachten!
4 · Befund

Vitalzeichen

Temperatur Subfebrile Temp. (37,5-38,5°C), rektal-axilläre Differenz >0,8°C
Puls Leichte Tachykardie (bei Perforation ausgeprägter)
Blutdruck Meist normal (bei Sepsis: Hypotonie)

Appendizitis-Zeichen (Körperliche Untersuchung)

Zeichen Durchführung Positiv wenn
McBurney-Punkt Palpation: Mitte der Linie Nabel → Spina iliaca ant. sup. rechts Druckschmerz an diesem Punkt
Lanz-Punkt Palpation: Übergang mittleres/rechtes Drittel der Linie zwischen beiden Spinae Druckschmerz an diesem Punkt
Blumberg-Zeichen Langsames Eindrücken der Bauchdecke links, plötzliches Loslassen Kontralateraler Loslassschmerz rechts
Rovsing-Zeichen Retrograde Ausstreichen des Kolons von links nach rechts Schmerzen im rechten Unterbauch
Psoas-Zeichen Anheben des gestreckten rechten Beins gegen Widerstand Schmerz im rechten Unterbauch (retrozäkale Appendix)
Obturator-Zeichen Innenrotation des gebeugten rechten Beins in Rückenlage Schmerz im rechten Unterbauch (pelvine Appendix)
Douglas-Schmerz Rektale Untersuchung, Palpation des Douglas-Raums Schmerz bei Palpation (DD: pelvine Appendizitis, Abszess)

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Leukozyten ↑ (10.000-18.000/µl) Entzündungszeichen, Linksverschiebung
CRP ↑ (mild-moderat) Kann in ersten 12h noch normal sein!
β-HCG Obligat bei Frauen! Ausschluss Schwangerschaft/EUG
Urinstatus Meist unauffällig DD Harnwegsinfekt (milde Pyurie möglich bei pelviner Appendix)

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
Sonographie Kokarde >6mm, nicht komprimierbar, Wandverdickung, freie Flüssigkeit 1. Wahl! Keine Strahlung, hohe Spezifität (90%)
CT Abdomen Appendix >6mm, Wandverdickung, periappendikale Fettgewebsimbibierung Bei unklarem Sono, Adipositas, V.a. Komplikation
MRT Wie CT, ohne Strahlung Schwangerschaft, junge Patienten bei unklarem Sono

Alvarado-Score (MANTRELS)

Kriterium Punkte
Migration des Schmerzes 1
Anorexie 1
Nausea/Vomiting 1
Tenderness (Druckschmerz rechter Unterbauch) 2
Rebound tenderness (Loslassschmerz) 1
Elevated temperature (>37,3°C) 1
Leukozytose (>10.000/µl) 2
Shift (Linksverschiebung) 1

Interpretation: 0-4 = unwahrscheinlich | 5-6 = möglich → Bildgebung | ≥7 = wahrscheinlich → OP

Goldstandard

Sonographie als Bildgebung der 1. Wahl! CT nur bei unklarem Befund. Die Diagnose bleibt primär klinisch (Anamnese + Untersuchung + Labor).

5 · Therapie

Präoperative Maßnahmen

  • Nahrungskarenz
  • i.v.-Zugang + Volumensubstitution
  • Analgesie (z.B. Metamizol 1g i.v., Piritramid bei starken Schmerzen)
  • Antibiotika-Prophylaxe präoperativ (z.B. Cefuroxim + Metronidazol)
  • Thromboseprophylaxe (NMH)

Operative Therapie

Verfahren Indikation Vorteile
Laparoskopische Appendektomie Standard bei allen Formen Weniger Wundinfektionen, schnellere Erholung, diagnostische Exploration
Offene Appendektomie Konversion, lokale Gegebenheiten Bei V.a. ausgedehnte Perforation/Peritonitis
Intervallappendektomie Nach Abszessdrainage Nach 6-8 Wochen elektiv

OP-Zeitpunkt

Situation Zeitfenster
Unkomplizierte Appendizitis Innerhalb von 24h (nicht zwingend nachts)
Komplizierte Appendizitis Dringlich (innerhalb 8-12h)
Perforation mit Peritonitis Notfall-OP!

Konservative Therapie (Sonderfälle)

Bei unkomplizierter Appendizitis kann in ausgewählten Fällen eine antibiotische Therapie erwogen werden:

  • Ambulophil-Studie: Antibiotika-first bei unkomplizierter Appendizitis möglich
  • Voraussetzung: Keine Risikofaktoren, engmaschige Verlaufskontrolle, OP-Bereitschaft
  • Antibiotika: z.B. Amoxicillin/Clavulansäure oder Ciprofloxacin + Metronidazol
  • Cave: Rezidivrate 20-40% innerhalb 1 Jahr!

Postoperative Antibiotika

Situation Dauer
Unkompliziert Single-shot präoperativ ausreichend
Gangränös/perforiert 3-5 Tage i.v.
Diffuse Peritonitis 5-7 Tage (nach klinischem Verlauf)
6 · Arztbrief

Entlassungsbrief

Patient: , Jahre, männlich

Stationärer Aufenthalt: [Datum] bis [Datum]

Diagnosen

  1. Akute phlegmonöse Appendizitis
  2. Z.n. laparoskopischer Appendektomie

Anamnese

Der Patient habe sich mit seit ca. 18 Stunden bestehenden Bauchschmerzen vorgestellt. Initial seien die Schmerzen periumbilikal lokalisiert gewesen und hätten sich im Verlauf in den rechten Unterbauch verlagert. Begleitend bestehe Übelkeit mit einmaligem Erbrechen sowie Appetitlosigkeit. Die Beschwerden würden durch Bewegung und Husten verstärkt. Fieber sei nicht aufgefallen. Miktions- oder Stuhlbeschwerden bestünden nicht.

Befund bei Aufnahme

Wacher, orientierter Patient in reduziertem AZ. Temperatur 37,8°C. Abdomen: Druckschmerz im rechten Unterbauch mit lokalem Peritonismus. McBurney und Lanz positiv. Blumberg-Zeichen positiv. Bruchpforten frei. Darmgeräusche regelrecht.

Diagnostik

Labor: Leukozyten 14.200/µl, CRP 45 mg/l. Sonographie Abdomen: Appendix auf 9 mm aufgetrieben, nicht komprimierbar, Kokarden-Phänomen, geringe freie Flüssigkeit periappendikär. Alvarado-Score: 8 Punkte.

Therapie und Verlauf

Bei hochgradigem V.a. akute Appendizitis erfolgte nach präoperativer Antibiotikaprophylaxe mit Cefuroxim 1,5g i.v. und Metronidazol 500mg i.v. die laparoskopische Appendektomie am Aufnahmetag. Intraoperativ zeigte sich eine phlegmonöse Appendizitis ohne Perforation. Der postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos. Kostaufbau ab dem 1. postoperativen Tag. Mobilisation problemlos.

Histologie

Appendix vermiformis mit akuter phlegmonöser Entzündung, keine Perforation, kein Anhalt für Malignität.

Procedere / Empfehlungen

  • Körperliche Schonung für 2 Wochen, kein schweres Heben (>5kg) für 4 Wochen
  • Analgesie bei Bedarf: Ibuprofen 400mg
  • Fadenzug beim Hausarzt am 10. postoperativen Tag
  • Normaler Kostaufbau, keine diätetischen Einschränkungen
  • Wiedervorstellung bei Fieber, zunehmenden Schmerzen oder Wundheilungsstörung

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

7 · Übergabe

S – Situation

Herr , Jahre, Notfallaufnahme wegen akuter Bauchschmerzen rechts unten seit 18 Stunden, V.a. akute Appendizitis.

B – Background

Typische Schmerzwanderung von periumbilikal nach rechts unten. Begleitsymptome: Übelkeit, einmaliges Erbrechen, Anorexie. Keine Voroperationen am Abdomen. Keine relevanten Vorerkrankungen. Allergien: keine bekannt.

A – Assessment

Klinisch: Druckschmerz rechter Unterbauch, McBurney positiv, Blumberg positiv, lokaler Peritonismus. Temperatur 37,8°C. Labor: Leukos 14.200, CRP 45. Sono: Appendix 9mm, Kokarde, nicht komprimierbar. Alvarado-Score 8 Punkte. Diagnose: Akute Appendizitis.

R – Recommendation

Nahrungskarenz, i.v.-Zugang liegt. Antibiotikaprophylaxe mit Cefuroxim + Metronidazol vor OP. OP-Anmeldung zur laparoskopischen Appendektomie heute. Aufklärung erfolgt.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Unterscheidungsmerkmal Ausschluss durch
Mesenteriale Lymphadenitis Oft nach Infekt der oberen Atemwege, weniger lokalisiert, jüngere Patienten Sono (vergrößerte LK), Klinik weniger ausgeprägt
Gastroenteritis Diffuse Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen vor Schmerzbeginn Anamnese, Labor (CRP oft niedrig), Sono unauffällig
Extrauteringravidität (EUG) Amenorrhoe, vaginale Blutung, Kreislaufinstabilität β-HCG positiv! Sono: freie Flüssigkeit, kein intrauteriner Embryo
Ovarialzystenruptur/-torsion Plötzlicher Schmerzbeginn, zyklusabhängig, keine Schmerzwanderung Sono (Zyste, freie Flüssigkeit), β-HCG negativ
Harnwegsinfekt/Urolithiasis Dysurie, Pollakisurie, kolikartiger Flankenschmerz Urinstatus (Leukozyturie, Hämaturie), Sono Nieren
Meckel-Divertikulitis Klinisch nicht unterscheidbar, selten Intraoperativer Befund, ggf. Tc-Szintigraphie
Morbus Crohn (Erstmanifestation) Rezidivierende Schmerzen, Durchfall, Gewichtsverlust Sono (Wandverdickung Ileum), Ileokoloskopie
⚠️ 9 · Komplikationen

Komplikationen der Erkrankung (ohne OP)

  • Perforation → Risiko steigt mit Symptomdauer (>48h: 50-70%)
  • Periappendikaler Abszess → Fieber, tastbare Resistenz
  • Diffuse Peritonitis → Lebensbedrohlich, Sepsis
  • Pylephlebitis → Septische Pfortaderthrombose (selten, aber gefährlich)

Postoperative Komplikationen

  • Wundinfektion → 3-5% (laparoskopisch seltener)
  • Intraabdomineller Abszess → Fieber, CRP-Anstieg postoperativ
  • Nachblutung → selten
  • Stumpfinsuffizienz → sehr selten
  • Adhäsionsileus → Spätfolge, nach offener OP häufiger
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Brettharter Bauch Diffuse Peritonitis (Perforation!) Notfall-OP, Volumen, Breitband-AB
Hohes Fieber + Schüttelfrost Sepsis, Perforation Blutkulturen, Breitband-AB, dringliche OP
Plötzliche Schmerzfreiheit Perforation! (Druckentlastung) Sofortige OP-Indikation!
Kreislaufinstabilität Septischer Schock, intraabdominelle Blutung (DD EUG!) Volumen, Katecholamine, Notfall-OP
⚠️ Symptomdauer >48h Erhöhtes Perforationsrisiko (50-70%) Dringliche OP, CT zur Abszesssuche
⚠️ Positiver β-HCG Schwangerschaft! DD EUG Gynäkologisches Konsil, Sono
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Schmerzwanderung periumbilikal → rechter Unterbauch ist KLASSISCH!
  2. Sonographie = Bildgebung 1. Wahl (Kokarde >6mm, nicht komprimierbar)
  3. Laparoskopische Appendektomie = Therapie der Wahl
Frage 1 (Diagnostik): Welches Zeichen beschreibt den kontralateralen Loslassschmerz bei Appendizitis?
A) McBurney-Zeichen
B) Blumberg-Zeichen
C) Rovsing-Zeichen
D) Psoas-Zeichen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Blumberg-Zeichen
Beim Blumberg-Zeichen wird die Bauchdecke links eingedrückt und plötzlich losgelassen – der Schmerz tritt kontralateral im rechten Unterbauch auf (= Loslassschmerz). McBurney/Lanz sind Druckpunkte, Rovsing = Ausstreichen des Kolons.
Frage 2 (Diagnostik): Welche Bildgebung ist bei V.a. Appendizitis die Methode der 1. Wahl?
A) CT Abdomen mit Kontrastmittel
B) MRT Abdomen
C) Abdomen-Sonographie
D) Röntgen Abdomen im Stehen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) Abdomen-Sonographie
Die Sonographie ist Bildgebung der 1. Wahl (keine Strahlung, hohe Spezifität ~90%). Typisch: Kokarde >6mm, nicht komprimierbar. CT nur bei unklarem Befund oder V.a. Komplikation.
Frage 3 (Therapie): Welches operative Verfahren ist Therapie der Wahl bei akuter Appendizitis?
A) Offene Appendektomie über Wechselschnitt
B) Laparoskopische Appendektomie
C) Konservative Antibiotikatherapie
D) Perkutane Drainage
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Laparoskopische Appendektomie
Die laparoskopische Appendektomie ist Standard: weniger Wundinfektionen, schnellere Erholung, Möglichkeit zur diagnostischen Exploration bei unklarem Befund.
Frage 4 (Therapie): Welche Antibiotikaprophylaxe ist präoperativ bei Appendektomie Standard?
A) Penicillin G alleine
B) Cefuroxim + Metronidazol
C) Vancomycin + Gentamicin
D) Keine Prophylaxe notwendig
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Cefuroxim + Metronidazol
Standard ist ein Cephalosporin (grampositive/gramnegative Abdeckung) plus Metronidazol (Anaerobier). Bei unkomplizierter Appendizitis reicht ein Single-shot präoperativ.
Frage 5 (Notfall): Ein Patient mit seit 3 Tagen bestehenden Unterbauchschmerzen berichtet über plötzliche Schmerzfreiheit. Was bedeutet das?
A) Spontane Ausheilung der Appendizitis
B) Wahrscheinliche Perforation – Notfall!
C) Fehldiagnose – keine Appendizitis
D) Zeichen für konservatives Vorgehen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Wahrscheinliche Perforation – Notfall!
Plötzliche Schmerzfreiheit nach mehrtägigen Beschwerden ist ein Alarmzeichen für eine Perforation (Druckentlastung). Sofortige OP-Indikation!
Frage 6 (Notfall): Welche Untersuchung muss bei jeder fertilen Frau mit Unterbauchschmerzen durchgeführt werden?
A) CT Abdomen
B) Laparoskopie
C) β-HCG (Schwangerschaftstest)
D) Koloskopie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) β-HCG (Schwangerschaftstest)
Bei jeder Frau im gebärfähigen Alter MUSS eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden! DD Extrauteringravidität (EUG) – potenziell lebensbedrohlich bei Ruptur.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Ein 12-jähriges Kind hat Bauchschmerzen rechts unten nach kürzlichem Atemwegsinfekt. Labor: Leukozyten 9.500, CRP 15. Welche DD ist am wahrscheinlichsten?
A) Akute Appendizitis
B) Mesenteriale Lymphadenitis
C) Meckel-Divertikulitis
D) Morbus Crohn
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Mesenteriale Lymphadenitis
Typisch: Nach Atemwegsinfekt, junge Patienten, moderat erhöhte Entzündungswerte. Die Sonographie zeigt vergrößerte mesenteriale Lymphknoten ohne Appendixveränderung.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Bei welcher Appendix-Lage ist das Psoas-Zeichen typischerweise positiv?
A) Pelvine Lage
B) Retrozäkale Lage
C) Präileale Lage
D) Subhepatische Lage
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Retrozäkale Lage
Bei retrozäkaler Appendix liegt diese nahe am M. psoas. Das Psoas-Zeichen (Schmerz bei Beinhebung gegen Widerstand) ist dann positiv. Bei pelviner Lage → Obturator-Zeichen positiv.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Appendizitis "Eine Entzündung des Wurmfortsatzes – das ist ein kleines Anhängsel am Blinddarm."
Appendektomie "Die operative Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes."
Laparoskopie "Eine Bauchspiegelung – wir operieren über kleine Schnitte mit einer Kamera."
Peritonitis "Eine Bauchfellentzündung – das passiert, wenn der Wurmfortsatz platzt."
Perforation "Ein Durchbruch – wenn der entzündete Wurmfortsatz aufplatzt."
Peritonismus "Eine Reizung des Bauchfells – deshalb spannen sich Ihre Bauchmuskeln an."
Loslassschmerz "Der Schmerz, der entsteht, wenn ich nach dem Drücken auf den Bauch plötzlich loslasse."
Kokarde "Ein ringförmiges Muster im Ultraschall – typisch für den entzündeten Wurmfortsatz."

Zusammenfassung

Die akute Appendizitis ist die häufigste Ursache für ein akutes Abdomen. Typisch ist die Schmerzwanderung von periumbilikal in den rechten Unterbauch mit Übelkeit und Appetitlosigkeit. Die Diagnose wird klinisch gestellt und durch Sonographie bestätigt. Die laparoskopische Appendektomie ist Therapie der Wahl. Bei Perforation oder Peritonitis besteht eine Notfallindikation.

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.