Diabetes mellitus Typ 2 – FSP-Fall

Endokrinologie Häufig Konservativ Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zum Diabetes Typ 2: HbA1c, orale Antidiabetika und Lebensstilmodifikation – prüfungsrelevant.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Polyurie, Polydipsie, Müdigkeit – oft asymptomatisch
  • Diagnostischer Standard: HbA1c ≥6,5% oder Nüchtern-BZ ≥126 mg/dl (2× pathologisch)
  • Erste Maßnahme: Lebensstilmodifikation + Metformin
  • Wichtigste Kontraindikation: Metformin bei eGFR <30 ml/min, Lactatazidose-Risiko
  • Prognose: Bei guter Einstellung normale Lebenserwartung; unbehandelt schwere mikro-/makrovaskuläre Komplikationen

1 · Leitfall

Hausarztpraxis J., m Müdigkeit, vermehrtes Wasserlassen
"Herr Doktor, seit einigen Monaten bin ich ständig müde und muss nachts häufig auf die Toilette. Außerdem habe ich immer Durst und habe ein paar Kilo abgenommen, obwohl ich eigentlich nicht weniger esse. Mein Vater hatte auch Zucker."
2 · Krankheitsbild

Definition

Der Diabetes mellitus Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, gekennzeichnet durch eine Hyperglykämie aufgrund einer peripheren Insulinresistenz und einer im Verlauf abnehmenden Insulinsekretion der Betazellen. Im Gegensatz zum Typ 1 liegt kein autoimmun bedingter Insulinmangel vor.

Pathophysiologie

Durch genetische Prädisposition und Lebensstilfaktoren (Adipositas, Bewegungsmangel) entwickelt sich eine verminderte Insulinwirkung an den Körperzellen (Insulinresistenz). Die Betazellen kompensieren zunächst durch erhöhte Insulinsekretion (Hyperinsulinämie). Im Verlauf erschöpft sich die Betazell-Funktion zunehmend (Betazell-Dysfunktion), was zu einem relativen und später absoluten Insulinmangel führt.

Epidemiologie

Prävalenz (Deutschland) ca. 8-10% der Bevölkerung (ca. 7 Mio.)
Typisches Alter >40 Jahre (zunehmend auch jünger)
Geschlecht m:w = 1:1 (leicht mehr Männer)
Anteil am Diabetes ca. 90-95% aller Diabetiker

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Familiäre Belastung (Eltern/Geschwister)
  • Alter >45 Jahre
  • Ethnische Herkunft (höhere Prävalenz bei bestimmten Ethnien)
  • Gestationsdiabetes in der Anamnese
Modifizierbar:
  • Adipositas (v.a. viszerale Fettverteilung)
  • Bewegungsmangel
  • Ungesunde Ernährung
  • Arterielle Hypertonie
  • Dyslipidämie
  • Rauchen
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Aktuell Haben Sie vermehrten Durst oder müssen Sie häufiger Wasser lassen? Klassische Symptome der Hyperglykämie
Verlauf Seit wann bemerken Sie diese Beschwerden? Typ 2 entwickelt sich schleichend über Monate/Jahre
Gewicht Hat sich Ihr Gewicht in letzter Zeit verändert? Gewichtsverlust bei fortgeschrittenem Insulinmangel
Familienanamnese Hat jemand in Ihrer Familie Diabetes? Starke genetische Komponente beim Typ 2
Komplikationen Haben Sie Sehstörungen, Kribbeln in den Füßen oder Wunden, die schlecht heilen? Hinweis auf bereits bestehende Folgeerkrankungen
Medikamente Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Kortison? Medikamentös induzierte Hyperglykämie ausschließen

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, Herr . Ich bin . Was führt Sie heute zu mir?

Patient:

Guten Tag. Ich bin in letzter Zeit immer so müde und muss ständig auf die Toilette, besonders nachts.

Arzt:

Verstehe. Seit wann haben Sie diese Beschwerden? Und trinken Sie auch mehr als früher?

Patient:

Das hat so vor zwei bis drei Monaten angefangen. Ja, ich trinke deutlich mehr, weil ich ständig Durst habe.

Arzt:

Hat jemand in Ihrer Familie Diabetes? Eltern oder Geschwister?

Patient:

Ja, mein Vater hatte Zucker und musste Tabletten nehmen. Meine Mutter auch.

Arzt:

Haben Sie in letzter Zeit ungewollt Gewicht verloren? Oder Sehstörungen, Kribbeln in den Füßen bemerkt?

Patient:

Ja, ich habe etwa 4 Kilo abgenommen. Manchmal kribbelt es in den Füßen.

Prüfungsfokus

  • Klassische Trias: Polyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust
  • Familienanamnese erfragen – wichtig für Typ-2-Diagnose
  • Frühzeitig nach Komplikationen fragen (oft bei Diagnose bereits vorhanden)
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Allgemein Adipositas (BMI oft >30), stammbetontes Fettverteilungsmuster
Vitalzeichen Häufig arterielle Hypertonie (RR ↑)
Haut Acanthosis nigricans (dunkle Verfärbung in Achseln/Nacken), schlecht heilende Wunden
Füße Fußinspektion: Hautveränderungen, Druckstellen, Sensibilitätsprüfung (Monofilament, Stimmgabel)
Augen Fundoskopie: Mikroaneurysmen, Blutungen (diabetische Retinopathie)

Labor

Parameter Diagnostischer Wert Bedeutung
HbA1c ≥6,5% (≥48 mmol/mol) Langzeit-BZ der letzten 8-12 Wochen
Nüchtern-BZ ≥126 mg/dl (≥7,0 mmol/l) Mindestens 8h nüchtern; 2× pathologisch erforderlich
Gelegenheits-BZ ≥200 mg/dl + Symptome Bei klassischen Symptomen diagnostisch
oGTT (2h-Wert) ≥200 mg/dl Bei unklaren Fällen; nach 75g Glucose
Kreatinin/eGFR Bestimmung bei Diagnose Nierenfunktion für Therapieplanung
Urin-Albumin/Kreatinin Screening auf Albuminurie Frühzeichen der diabetischen Nephropathie
Lipidprofil LDL, HDL, Triglyceride Kardiovaskuläres Risikoprofil

Zusatzdiagnostik bei Diagnosestellung

Untersuchung Ziel Intervall
Fundoskopie Diabetische Retinopathie Bei Diagnose, dann alle 1-2 Jahre
Fußuntersuchung Neuropathie, pAVK Bei Diagnose, dann jährlich
EKG KHK-Screening Bei Diagnose

Diagnostische Kriterien (NVL 2023)

Diabetes mellitus liegt vor bei:

  • HbA1c ≥6,5% ODER
  • Nüchtern-BZ ≥126 mg/dl (2× pathologisch) ODER
  • oGTT 2h-Wert ≥200 mg/dl ODER
  • Gelegenheits-BZ ≥200 mg/dl + Symptome
5 · Therapie

Therapieziele (individuell festlegen)

HbA1c-Zielkorridor 6,5-7,5% (individuell nach Alter, Komorbidität)
Nüchtern-BZ 100-125 mg/dl
Postprandial (2h) <180 mg/dl
Blutdruck <140/90 mmHg (individuell niedriger möglich)
LDL-Cholesterin <70 mg/dl bei hohem kardiovaskulärem Risiko

Stufentherapie

Stufe 1: Basistherapie (immer!)
  • Lebensstilmodifikation: Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellung, körperliche Aktivität (≥150 min/Woche)
  • Strukturierte Schulung: Diabetikerschulung obligat
  • Rauchstopp
Stufe 2: Monotherapie
Medikament Wirkmechanismus Besonderheiten
Metformin Hemmung der hepatischen Gluconeogenese, Verbesserung der Insulinsensitivität 1. Wahl! Gewichtsneutral, kardiovaskulär günstig. KI: eGFR <30
Stufe 3: Kombinationstherapie (bei unzureichender Einstellung)
Substanzklasse Beispiele Indikation/Vorteil
SGLT2-Inhibitoren Empagliflozin, Dapagliflozin Bei Herzinsuffizienz oder CKD bevorzugt; kardio-/nephroprotektiv
GLP-1-Rezeptoragonisten Liraglutid, Semaglutid, Dulaglutid Bei ASCVD bevorzugt; Gewichtsreduktion; kardioprotektiv
DPP-4-Inhibitoren Sitagliptin, Saxagliptin Gewichtsneutral; bei älteren Patienten
Sulfonylharnstoffe Glibenclamid, Glimepirid Günstig; cave: Hypoglykämierisiko!
Stufe 4: Insulintherapie
  • BOT (Basal unterstützte orale Therapie): OAD + Basalinsulin zur Nacht
  • SIT (Supplementäre Insulintherapie): Kurzwirksames Insulin zu den Mahlzeiten
  • CT/ICT: Konventionelle oder intensivierte Insulintherapie bei Bedarf
⚠️ Therapiealgorithmus nach NVL 2023:

Bei kardiovaskulärer Erkrankung (ASCVD), Herzinsuffizienz oder CKD: SGLT2-Inhibitor oder GLP-1-RA unabhängig vom HbA1c früh einsetzen!

6 · Arztbrief

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

wir berichten über unseren gemeinsamen Patienten , Jahre, der sich aufgrund von Polyurie, Polydipsie und Abgeschlagenheit in unserer Sprechstunde vorgestellt habe.

Anamnese:
Der Patient berichtet, er leide seit etwa zwei bis drei Monaten unter vermehrtem Durst und häufigem Wasserlassen, insbesondere nachts. Zudem habe er etwa 4 kg an Gewicht verloren. Gelegentlich bestehe ein Kribbeln in den Füßen. Die Familienanamnese sei positiv für Diabetes mellitus Typ 2 (Vater und Mutter betroffen).

Befund:
Der -jährige Patient präsentiere sich in leicht reduziertem Allgemeinzustand. BMI 31 kg/m². Der Blutdruck betrage 148/92 mmHg. Die Fußinspektion zeige trockene Haut, die Sensibilitätsprüfung sei unauffällig.

Labor:
Der HbA1c liege bei 8,2% (66 mmol/mol), der Nüchtern-Blutzucker bei 168 mg/dl. Das Kreatinin sei normwertig (eGFR 82 ml/min). Die Urin-Albumin/Kreatinin-Ratio zeige eine leichte Albuminurie.

Diagnose:
Diabetes mellitus Typ 2, neu diagnostiziert (E11.9)
Arterielle Hypertonie (I10)
Adipositas Grad I (E66.0)

Therapie:
Wir haben eine strukturierte Diabetikerschulung eingeleitet und eine Lebensstilmodifikation mit dem Patienten besprochen. Medikamentös haben wir eine Therapie mit Metformin leitliniengerecht begonnen. Zudem sei eine augenärztliche Vorstellung zur Fundoskopie vereinbart worden.

Procedere:
Wir bitten um Wiedervorstellung in 3 Monaten zur HbA1c-Kontrolle sowie um Fortführung der Blutdruckeinstellung.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

7 · SBAR-Übergabe

S – Situation

Hier . Ich übergebe Herrn , Jahre, mit neu diagnostiziertem Diabetes mellitus Typ 2.

B – Background

Der Patient hat sich mit Polyurie, Polydipsie und Gewichtsverlust vorgestellt. Positive Familienanamnese für Diabetes. BMI 31, Hypertonie bekannt.

A – Assessment

HbA1c 8,2%, Nüchtern-BZ 168 mg/dl. eGFR 82 ml/min. Leichte Albuminurie. Bisher keine manifeste Retinopathie oder Neuropathie.

R – Recommendation

Metformin-Therapie eingeleitet, Diabetikerschulung veranlasst. Bitte BZ-Kontrolle morgen früh nüchtern. Bei BZ >300 mg/dl oder Ketonurie bitte Rücksprache.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Unterscheidungsmerkmal Ausschlussdiagnostik
Diabetes mellitus Typ 1 Jüngeres Alter, akuter Beginn, Ketoazidose, schlanker Habitus Autoantikörper (GAD, IA-2, IAA), C-Peptid ↓
LADA (latent autoimmune diabetes in adults) Erwachsenenalter, langsamer Verlauf, aber autoimmun GAD-Antikörper positiv, C-Peptid initial normal
MODY (Maturity Onset Diabetes of the Young) <25 Jahre, familiär gehäuft (autosomal-dominant), keine Adipositas Genetische Diagnostik (HNF1A, GCK)
Sekundärer Diabetes Pankreatitis, Hämochromatose, Cushing, Medikamente (Kortison) Anamnese, Ferritin, Cortisol, Bildgebung Pankreas
Diabetes insipidus Polyurie mit verdünntem Urin, normaler BZ, keine Glukosurie Urinosmolalität ↓, Durstversuch, ADH-Bestimmung
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Hyperosmolares hyperglykämisches Syndrom (HHS) → BZ extrem hoch (>600 mg/dl), Exsikkose, Bewusstseinstrübung; typisch für Typ 2
  • Hypoglykämie → Unter Therapie mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin; Schwitzen, Tremor, Bewusstseinsstörung
  • Diabetische Ketoazidose → Seltener als bei Typ 1, aber möglich bei absolutem Insulinmangel

Mikrovaskuläre Komplikationen (Spätkomplikationen)

  • Diabetische Retinopathie → Häufigste Erblindungsursache im erwerbsfähigen Alter
  • Diabetische Nephropathie → Häufigste Ursache für Dialysepflichtigkeit
  • Diabetische Neuropathie → Sensomotorische Polyneuropathie, autonome Neuropathie

Makrovaskuläre Komplikationen

  • Koronare Herzkrankheit (KHK) → 2-4× erhöhtes Risiko
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Schlaganfall → 2-3× erhöhtes Risiko

Weitere Komplikationen

  • Diabetisches Fußsyndrom → Kombination aus Neuropathie + pAVK; Ulzera, Amputationsrisiko
  • Erhöhte Infektanfälligkeit → Harnwegsinfekte, Hautinfektionen
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
BZ >600 mg/dl + Bewusstseinstrübung Hyperosmolares Koma (HHS) Sofortige Klinikeinweisung, Volumen, Insulin i.v.
Übelkeit, Erbrechen, Kussmaulatmung, Azetongeruch Ketoazidose BGA, Ketonkörper, Intensivstation
BZ <50 mg/dl + Bewusstseinsverlust Schwere Hypoglykämie Glucose i.v. (20-40 ml G40%), ggf. Glucagon
Akuter Thoraxschmerz Myokardinfarkt (oft stumm bei Diabetikern!) EKG, Troponin, Notarzt
Plötzliche Sehverschlechterung Glaskörperblutung, Netzhautablösung Sofortige Augenarzt-Vorstellung
Nekrotische Fußwunde Diabetisches Fußsyndrom mit Gangrän Chirurgische Vorstellung, Wundmanagement, Revaskularisation
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. HbA1c ≥6,5% oder Nüchtern-BZ ≥126 mg/dl (2× pathologisch) zur Diagnose
  2. Metformin ist Medikament der 1. Wahl
  3. Bei kardiovaskulärer Erkrankung: SGLT2-Inhibitor oder GLP-1-RA bevorzugt
Frage 1 (Diagnostik): Welcher HbA1c-Wert bestätigt die Diagnose Diabetes mellitus?
A) ≥5,7%
B) ≥6,0%
C) ≥6,5%
D) ≥7,0%
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Ein HbA1c ≥6,5% (≥48 mmol/mol) ist diagnostisch für Diabetes mellitus. Werte von 5,7-6,4% entsprechen einem Prädiabetes.
Frage 2 (Diagnostik): Ein 55-jähriger Patient hat einen Nüchtern-BZ von 130 mg/dl. Wie gehen Sie vor?
A) Diagnose Diabetes mellitus stellen
B) Zweite Messung zur Bestätigung durchführen
C) oGTT durchführen
D) Keine weitere Diagnostik nötig
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Nach NVL sind zwei pathologische Laborwerte erforderlich, um die Diagnose zu bestätigen. Ein einzelner erhöhter Nüchtern-BZ muss durch eine zweite Messung bestätigt werden.
Frage 3 (Therapie): Welches Medikament ist bei neu diagnostiziertem Diabetes mellitus Typ 2 Mittel der 1. Wahl?
A) Glibenclamid
B) Metformin
C) Insulin glargin
D) Sitagliptin
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Metformin ist leitliniengerecht das Medikament der 1. Wahl bei Typ-2-Diabetes. Es ist gewichtsneutral, hat ein niedriges Hypoglykämierisiko und zeigt kardiovaskuläre Vorteile.
Frage 4 (Therapie): Ein Diabetiker mit Herzinsuffizienz (EF 35%) soll ein zweites Antidiabetikum erhalten. Welche Substanzklasse ist bevorzugt?
A) Sulfonylharnstoffe
B) DPP-4-Inhibitoren
C) SGLT2-Inhibitoren
D) Thiazolidindione
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
SGLT2-Inhibitoren (z.B. Empagliflozin, Dapagliflozin) haben nachgewiesene kardioprotektive Effekte und reduzieren Hospitalisierungen bei Herzinsuffizienz. Thiazolidindione sind bei Herzinsuffizienz kontraindiziert!
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein 62-jähriger Diabetiker wird mit BZ 720 mg/dl, Exsikkose und Somnolenz eingeliefert. pH 7,32, keine Ketonurie. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?
A) Diabetische Ketoazidose
B) Hyperosmolares hyperglykämisches Syndrom
C) Hypoglykämie
D) Laktatazidose
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Das hyperosmolare hyperglykämische Syndrom (HHS) ist typisch für Typ-2-Diabetiker mit extrem hohen BZ-Werten (>600 mg/dl), Exsikkose, fehlendem/geringem Ketonnachweis und nur milder Azidose.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Welche Sofortmaßnahme ist bei schwerer Hypoglykämie mit Bewusstlosigkeit indiziert?
A) Orale Glucosegabe
B) Glucose 40% i.v. oder Glucagon i.m.
C) Insulingabe
D) Abwarten und BZ-Kontrolle
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei Bewusstlosigkeit ist orale Gabe kontraindiziert (Aspiration!). Glucose 40% i.v. (20-40 ml) oder Glucagon i.m./s.c. sind die Mittel der Wahl.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welcher Befund spricht am ehesten für einen Diabetes mellitus Typ 1 statt Typ 2?
A) BMI 32 kg/m²
B) Positive GAD-Antikörper
C) Alter 58 Jahre
D) Arterielle Hypertonie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Positive Autoantikörper (GAD, IA-2, IAA) sind typisch für den autoimmun bedingten Typ-1-Diabetes. Adipositas, höheres Alter und Hypertonie sprechen eher für Typ 2.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Ein 30-jähriger normalgewichtiger Patient mit Diabetes, positiver Familienanamnese (Großvater, Vater, Schwester) und fehlendem Antikörpernachweis. Welche Diagnose ist wahrscheinlich?
A) Diabetes mellitus Typ 2
B) Diabetes mellitus Typ 1
C) MODY
D) LADA
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
MODY (Maturity Onset Diabetes of the Young) zeigt sich typisch bei jungen, normalgewichtigen Patienten mit stark positiver Familienanamnese über mehrere Generationen (autosomal-dominant) und fehlendem Autoantikörpernachweis.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Diabetes mellitus "Zuckerkrankheit – Ihr Körper kann den Blutzucker nicht richtig verarbeiten."
Insulinresistenz "Ihr Körper reagiert nicht mehr so gut auf das Hormon Insulin, das den Zucker in die Zellen bringt."
HbA1c "Der Langzeit-Blutzuckerwert – zeigt, wie Ihr Blutzucker in den letzten 2-3 Monaten war."
Polyurie "Vermehrtes Wasserlassen – Sie müssen öfter auf die Toilette."
Polydipsie "Vermehrter Durst – Sie trinken mehr als gewöhnlich."
Hypoglykämie "Unterzuckerung – der Blutzucker ist zu niedrig."
Retinopathie "Augenerkrankung durch Diabetes – die kleinen Blutgefäße im Auge werden geschädigt."
Nephropathie "Nierenerkrankung durch Diabetes – die Nieren werden mit der Zeit geschädigt."
Polyneuropathie "Nervenschädigung – Sie spüren Kribbeln oder Taubheit, besonders in den Füßen."

Zusammenfassung

Diabetes mellitus Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselerkrankung mit Insulinresistenz und relativen Insulinmangel. Die Diagnose erfolgt über HbA1c oder Nüchtern-BZ. Die Therapie beginnt mit Lebensstilmodifikation und Metformin; bei kardiovaskulären Erkrankungen sind SGLT2-Inhibitoren oder GLP-1-RA bevorzugt. Regelmäßiges Screening auf mikro- und makrovaskuläre Komplikationen ist essenziell.

Verwandte Fälle

Quellen

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.