Lungenembolie

Pneumologie 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

Lungenembolie (LAE): Ein potenziell lebensbedrohlicher Notfall. Erfahren Sie alles über die Risikostratifizierung mittels PESI-Score, Diagnostik (CT-Angio) und Akuttherapie (Lysis vs. Antikoagulation).

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Plötzliche Atemnot, Thoraxschmerz (atemabhängig), Hämoptyse
  • Diagnostischer Standard: CT-Pulmonalisangiographie (CTPA)
  • Erste Maßnahme: Sauerstoffgabe, Vitalparameter, klinische Wahrscheinlichkeit (Wells-Score)
  • Wichtigste Kontraindikation: Aktive schwere Blutung (für Antikoagulation)
  • Prognose: Abhängig von Schweregrad; bei ca. 0,1–9,1 % Entwicklung einer CTEPH

1 · Leitfall

Notaufnahme J., m Akute Dyspnoe
"Ich bekomme keine Luft mehr! Das kam ganz plötzlich nach dem Flug. Und beim Atmen tut mir die Brust weh!"
Hinweis: Rückkehr von Langstreckenflug vor 2 Tagen ⚡ Hinweis: Tachypnoe, Tachykardie, Unruhe Hinweis: Schwellung und Druckschmerz im linken Unterschenkel

→ Was steckt hinter der plötzlichen Atemnot nach dem Flug?

2 · Lernziele

Die Lungenembolie ist einer der zeitkritischsten Notfälle in der Inneren Medizin. Ihre oft unspezifische Symptomatik erfordert ein hohes Maß an klinischem Verdacht und strukturiertes Vorgehen. In der FSP wird geprüft, ob Sie Risikofaktoren systematisch erfassen, die klinische Wahrscheinlichkeit einschätzen und das diagnostisch-therapeutische Procedere begründet darlegen können.

Nach diesem Modul kannst du:

  • Die typische Anamnese strukturiert nach SAMPLER erheben
  • Die Verdachtsdiagnose Lungenembolie begründet präsentieren (SBAR)
  • Den diagnostischen Algorithmus risikoadaptiert erklären
  • Den Patienten über Diagnostik und Therapie verständlich aufklären
3 · Definition und Pathophysiologie

Definition

Die Lungenembolie ist der teilweise oder vollständige Verschluss einer oder mehrerer Lungenarterien durch einen eingeschwemmten Thrombus. In den allermeisten Fällen stammt das Gerinnsel aus den tiefen Bein- oder Beckenvenen.

Pathophysiologie

Der Mechanismus beginnt mit der Bildung einer tiefen Venenthrombose (TVT), meist im Unterschenkel. Der Thrombus löst sich, gelangt mit dem venösen Blutstrom zum rechten Herzen und wird von dort in die Lungenarterien eingeschwemmt, wo er ein Gefäß verlegt und die nachfolgende Lungenperfusion beeinträchtigt. Je nach Ausmaß der Obstruktion kommt es zu Gasaustauschstörung, Rechtsherzbelastung und hämodynamischer Instabilität.

Prüfungsfokus

So fragt der Prüfer:

  • „Was versteht man unter einer Lungenembolie?"
  • „Woher stammt der Thrombus typischerweise?"

Satzbausteine:

  • „Bei der Lungenembolie handelt es sich um den Verschluss einer Lungenarterie durch einen eingeschwemmten Thrombus, der meist aus einer tiefen Beinvenenthrombose stammt."
4 · Arzt-Patient-Gespräch

A) Anamnese

Arzt

Guten Tag, Herr Müller. Ich bin , Assistenzarzt in der Notaufnahme. Was führt Sie zu uns?

Patient

Ich bekomme schlecht Luft! Das kam ganz plötzlich heute Morgen.

(atmet schnell und flach, wirkt unruhig)
Arzt

Ich verstehe. Haben Sie auch Schmerzen dabei?

Patient

Ja, hier in der Brust, besonders wenn ich einatme!

(zeigt auf rechte Thoraxseite)
Arzt

Seit wann haben Sie die Beschwerden genau?

Patient

Seit heute früh, so gegen 7 Uhr. Ich bin vor zwei Tagen aus Australien zurückgeflogen.

Arzt

Haben Sie Blut gehustet oder bemerken Sie andere Symptome?

Patient

Ja, einmal war etwas Blut im Schleim. Und mein linkes Bein ist dick und tut weh.

Arzt

Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Haben Sie Vorerkrankungen?

Patient

Nein, keine Medikamente. Ich bin eigentlich gesund.

Arzt

Gab es bei Ihnen oder in Ihrer Familie schon einmal Thrombosen oder Embolien?

Patient

Mein Vater hatte mal eine Thrombose im Bein.

B) Aufklärung

Arzt

Herr Müller, aufgrund Ihrer Beschwerden und der Vorgeschichte mit dem langen Flug besteht der Verdacht auf eine Lungenembolie. Das ist ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß in der Lunge verstopft hat.

Patient

Ein Blutgerinnsel in der Lunge? Ist das gefährlich?

Arzt

Ja, das kann durchaus ernst sein, deshalb müssen wir Sie jetzt genau untersuchen. Wir werden Blut abnehmen und eine spezielle Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel durchführen.

Patient

Und wenn es wirklich eine Embolie ist?

Arzt

Dann werden wir Sie mit blutverdünnenden Medikamenten behandeln, um zu verhindern, dass das Gerinnsel größer wird oder neue entstehen. Die meisten Patienten erholen sich gut.

C) Umgang mit Reaktionen

Bei Angst

Patient

Ich habe große Angst! Kann ich daran sterben?

(sehr unruhig, zittrig)
Arzt

Ich verstehe Ihre Sorge, Herr Müller. Sie sind jetzt hier bei uns in guten Händen. Wir überwachen Sie engmaschig und leiten sofort die richtige Behandlung ein. Die meisten Patienten mit Lungenembolie erholen sich vollständig.

Bei Bagatellisierung

Patient

Ach, das wird schon wieder. Kann ich nicht einfach nach Hause?

Arzt

Herr Müller, ich verstehe, dass Sie nach Hause möchten. Aber bei Verdacht auf eine Lungenembolie ist es sehr wichtig, dass wir Sie hier behalten und behandeln. Unbehandelt kann das lebensbedrohlich werden.

Prüfungsfokus

Häufige Fehler:

  • Fachbegriffe wie „Thrombus" oder „CTPA" ohne Erklärung verwenden
  • Keine Rückfragen zur Verständnissicherung stellen
  • Risikofaktoren (Flug, TVT-Zeichen) nicht systematisch erfragen
5 · Arzt-Arzt-Gespräch

A) Fallvorstellung (SBAR)

SBAR-Übergabe

S – Situation: -jähriger Patient, Herr Müller,in der Notaufnahme mit akuter Dyspnoe seit heute Morgen, atemabhängigem Thoraxschmerz rechts und Hämoptyse.
B – Background: Rückkehr von Langstreckenflug aus Australien vor 2 Tagen. Schwellung und Druckschmerz im linken Unterschenkel. Positive Familienanamnese für Thrombose. Keine bekannten Vorerkrankungen, keine Medikamente.
A – Assessment: Verdacht auf Lungenembolie bei typischer Klinik (Dyspnoe, Thoraxschmerz, Hämoptyse) und Risikofaktoren (Langstreckenflug, klinische Zeichen einer TVT links). Vitalparameter: RR 110/70, HF 118/min, SpO₂ 91 % (Raumluft), AF 26/min.
R – Recommendation: Ich schlage vor: Wells-Score bestimmen, D-Dimer abnehmen, bei Erhöhung CT-Pulmonalisangiographie. Parallel therapeutische Antikoagulation starten, falls keine Kontraindikationen.

B) Rückfragen des Oberarztes

OA

Was ist Ihre Verdachtsdiagnose und warum?

Arzt

Meine Verdachtsdiagnose ist eine Lungenembolie, weil der Patient die klassische Trias zeigt: plötzliche Dyspnoe, atemabhängiger Thoraxschmerz und Hämoptyse. Dazu kommen Risikofaktoren wie der Langstreckenflug und klinische Hinweise auf eine TVT im linken Bein.

OA

Welche Differentialdiagnosen sollten Sie in Betracht ziehen?

Arzt

Differentialdiagnostisch kommen in Frage: Myokardinfarkt, Pneumonie, Pneumothorax, Aortendissektion und akute Herzinsuffizienz.

OA

Wie schätzen Sie die klinische Wahrscheinlichkeit ein?

Arzt

Der Wells-Score ergibt mindestens 7 Punkte: klinische Zeichen einer TVT (3 Punkte), Herzfrequenz über 100 (1,5 Punkte), Immobilisation durch Langstreckenflug (1,5 Punkte), Lungenembolie als wahrscheinlichste Diagnose (3 Punkte). Das entspricht einer hohen klinischen Wahrscheinlichkeit.

OA

Welche Diagnostik ordnen Sie an?

Arzt

Bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit sollte direkt eine CT-Pulmonalisangiographie durchgeführt werden. D-Dimer ist bei hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausschlaggebend. Zusätzlich Labor, EKG, Echokardiographie zur Risikoabschätzung und Kompressionssonographie der Beine.

OA

Wie lautet die Therapie?

Arzt

Sofortmaßnahmen: Sauerstoffgabe, Venenzugang, Monitoring. Therapeutische Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin wie Enoxaparin 1 mg/kg 2-mal täglich subkutan. Bei hämodynamischer Instabilität wäre eine Thrombolyse zu erwägen.

OA

Welche Kontraindikationen für die Antikoagulation müssen Sie beachten?

Arzt

Aktive schwere Blutung, kürzlicher hämorrhagischer Schlaganfall, schwere chronische Nieren- oder Lebererkrankung und Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II.

6 · Diagnostik

A) Körperliche Untersuchung

?️ Inspektion
  • Tachypnoe (26/min)
  • Keine Zyanose
  • Gestaute Halsvenen möglich
  • Schwellung linker Unterschenkel
✋ Palpation
  • Tachykardie (118/min)
  • Druckschmerz linker Unterschenkel
  • Überwärmung linkes Bein
Auskultation
  • Vesikuläres Atemgeräusch, eventuell abgeschwächt
  • Fakultativ Pleurareiben

B) Apparative Diagnostik

OA

Welche Untersuchungen ordnen Sie an?

Arzt

Ich ordne an:
Labor: D-Dimer (bei niedriger/mittlerer Wahrscheinlichkeit zum Ausschluss), Troponin, BNP (Risikoabschätzung), Blutbild, Gerinnung, Nierenwerte
EKG: Zeichen der Rechtsherzbelastung (S1Q3T3, Rechtsschenkelblock), Ausschluss Myokardinfarkt
CT-Pulmonalisangiographie: Goldstandard zum Nachweis von Füllungsdefekten in den Pulmonalarterien
Echokardiographie: Beurteilung der Rechtsherzfunktion, TAPSE, 60/60-Zeichen
Kompressionssonographie Beine: Nachweis proximaler TVT

Prüfungsfokus

NICHT empfohlen:

  • CT-Phlebographie zusätzlich zur CTPA
  • Magnetresonanzangiographie (MRA)

Wichtig: Bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit direkt CTPA, D-Dimer nicht ausschlaggebend!

7 · Therapie
Phase Maßnahme Cave / KI
Sofortmaßnahmen Sauerstoffgabe (Ziel SpO₂ >90 %), Venenzugang, Monitoring (EKG, RR, SpO₂), Schmerztherapie ✓ Vitalparameter kontinuierlich überwachen
Antikoagulation (Standardtherapie) Enoxaparin 1 mg/kg KG 2×/d s.c. – Verhindert Thrombuswachstum und Rezidive ⚠️ KI: Aktive Blutung, HIT Typ II, GFR <30 ml/min
Alternative: NOAK Rivaroxaban 15 mg 2×/d p.o. für 21 Tage, dann 20 mg 1×/d – Alternative bei Krebspatienten (ohne GI-Krebs) ⚠️ KI: GFR <15 ml/min, starke P-gp/CYP3A4-Hemmer
Hohes Risiko (hämodynamische Instabilität) Systemische Thrombolyse, katheterinterventionelle Therapie oder chirurgische Embolektomie ⚠️ KI für Lyse: Aktive Blutung, kürzlicher Schlaganfall, Trauma, OP
Bei KI gegen Antikoagulation Vena-Cava-Filter (VCF) – Bei aktiver Blutung und Kontraindikation gegen Antikoagulation ✓ Nur temporäre Lösung, Komplikationen möglich
Langfristig (>6 Monate) Verlängerte Antikoagulation bei aktiver Krebserkrankung, frühe Mobilisation, Kompressionsstrümpfe ✓ Follow-up nach 3–6 Monaten (CTEPH-Screening)

Prüfungsfokus

1-Minute-Zusammenfassung:

Sofort: O₂, Monitoring, Antikoagulation (NMH oder NOAK) → Diagnostik: CTPA → Risikostratifizierung (Echo, Troponin, BNP) → Bei hohem Risiko: Reperfusion (Lyse/Intervention) → Langfristig: 3–6 Monate Antikoagulation, CTEPH-Screening

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Unterscheidungsmerkmal
Myokardinfarkt Retrosternaler Druckschmerz mit Ausstrahlung in Arm/Kiefer, vegetative Symptomatik, typische EKG-Veränderungen (ST-Hebung), Troponin-Anstieg
Pneumonie Fieber, Schüttelfrost, produktiver Husten, langsamerer Beginn, Rasselgeräusche bei Auskultation, Leukozytose, CRP↑, Infiltrat im Röntgen-Thorax
Pneumothorax Plötzlicher, stechender, einseitiger Thoraxschmerz, abgeschwächtes Atemgeräusch einseitig, hypersonorer Klopfschall, Nachweis im Röntgen-Thorax
Aortendissektion Vernichtungsschmerz mit Ausstrahlung in den Rücken, Pulsdifferenz zwischen den Armen, neurologische Ausfälle möglich, Nachweis in CT-Angiographie oder TEE
Akute Herzinsuffizienz Orthopnoe, Beinödeme, feuchte Rasselgeräusche basal, oft bekannte kardiale Vorerkrankung, BNP/NT-proBNP↑, Stauungszeichen in Echokardiographie und Röntgen-Thorax
9 · Arztbrief

A) Briefaufbau

  1. Anrede (Sehr geehrte Frau Kollegin / Sehr geehrter Herr Kollege)
  2. Diagnosen (Haupt- und Nebendiagnosen)
  3. Anamnese (Konjunktiv I)
  4. Befunde (körperlich, Labor, Bildgebung)
  5. Therapie und Verlauf
  6. Procedere und Empfehlungen
  7. Entlassmedikation
  8. Grußformel (Mit freundlichen kollegialen Grüßen)

B) Musterbrief

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,

Diagnosen:
Hauptdiagnose: Lungenembolie rechts
Nebendiagnose: Tiefe Beinvenenthrombose links

Anamnese:
Der Patient habe am Morgen des Aufnahmetages plötzlich Atemnot entwickelt. Er berichte über atemabhängige Thoraxschmerzen rechts und einmalig blutigen Auswurf. Zwei Tage zuvor sei er von einem Langstreckenflug aus Australien zurückgekehrt. Zudem klage er über Schwellung und Schmerzen im linken Unterschenkel. Vorerkrankungen seien nicht bekannt, der Vater habe eine Thrombose gehabt.

Befunde:
Bei Aufnahme zeigte sich der Patient tachypnoeisch (AF 26/min) und tachykard (HF 118/min) bei einem Blutdruck von 110/70 mmHg. Die Sauerstoffsättigung betrug 91 % unter Raumluft. Der linke Unterschenkel war im Seitenvergleich geschwollen, überwärmt und druckdolent.
Labor: D-Dimer 4.800 ng/ml (↑), Troponin leicht erhöht, BNP 450 pg/ml.
CT-Pulmonalisangiographie: Nachweis eines Thrombus in der rechten Pulmonalarterie mit Beteiligung der Segmentarterien.
Kompressionssonographie: Thrombose der V. poplitea links.
Echokardiographie: Rechtsventrikuläre Dilatation, TAPSE 14 mm (↓).

Therapie und Verlauf:
Wir begannen sofort mit einer therapeutischen Antikoagulation mittels Enoxaparin 80 mg s.c. 2×/d. Der Patient erhielt Sauerstoff über Nasensonde und wurde auf der Intermediate Care Station überwacht. Im Verlauf besserten sich die Beschwerden deutlich, die Sauerstoffsättigung normalisierte sich.

Procedere:
Wir empfehlen eine Fortsetzung der Antikoagulation für mindestens 6 Monate. Eine Umstellung auf ein NOAK (z.B. Rivaroxaban 20 mg 1×/d) kann nach Entlassung erwogen werden. Follow-up-Untersuchung mit Echokardiographie nach 3–6 Monaten zum Ausschluss einer CTEPH. Thrombophilie-Diagnostik bei positiver Familienanamnese.

Entlassmedikation:
• Enoxaparin 80 mg s.c. 2×/d
• Kompressionsstrümpfe Klasse II

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Konjunktiv I – obligatorisch:

habe, berichte, sei, seien, klage, leide, nehme, gebe an

10 · Warnzeichen

Plötzliche schwere Atemnot

Zeichen: Akut einsetzende Dyspnoe in Ruhe, Tachypnoe, Patient ringt nach Luft

Bedeutung: Hinweis auf massive Lungenembolie mit hämodynamischer Relevanz, kritische Gasaustauschstörung

Sofortmaßnahme: Notruf 112, Sauerstoffgabe, Monitoring, keine orale Nahrung (OP-Bereitschaft)

Synkope (Ohnmacht)

Zeichen: Plötzliche Bewusstlosigkeit, Schwindel, Benommenheit

Bedeutung: Zeichen kritischer Kreislaufinstabilität durch Rechtsherzversagen und zerebrale Minderperfusion

Sofortmaßnahme: Notruf 112, Flachlagerung, Vitalparameter, Schocktherapie erwägen

Hämoptyse (blutiger Auswurf)

Zeichen: Husten mit Blutbeimengung oder blutigem Schleim

Bedeutung: Zeichen eines Lungeninfarkts oder schwerer pulmonaler Schädigung durch die Embolie

Sofortmaßnahme: Notruf 112, beruhigen, aufrecht lagern, Vitalparameter

Hypotonie (RR <90 mmHg systolisch)

Zeichen: Niedriger Blutdruck, Druckabfall um ≥40 mmHg für >15 Minuten, Schocksymptomatik

Bedeutung: Obstruktiver Schock durch massive Rechtsherzbelastung, hohes Risiko für Herzstillstand

Sofortmaßnahme: Notruf 112, Volumengabe, Katecholamine erwägen, Thrombolyse vorbereiten

Zeichen der Rechtsherzbelastung

Zeichen: Gestaute Halsvenen, periphere Ödeme, Hepatomegalie, Tachykardie >120/min

Bedeutung: Akute Rechtsherzinsuffizienz durch erhöhten pulmonalen Widerstand

Sofortmaßnahme: Echokardiographie, Risikoabschätzung (Troponin, BNP), intensivierte Überwachung

Persistierende Tachykardie trotz O₂-Gabe

Zeichen: Herzfrequenz bleibt >100/min trotz Sauerstofftherapie und Schmerzlinderung

Bedeutung: Kompensationsversuch bei schwerer hämodynamischer Beeinträchtigung

Sofortmaßnahme: Engmaschige Überwachung, Risikoabschätzung intensivieren, ICU-Verlegung erwägen

11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Lungenembolie: Verschluss einer Lungenarterie durch Thrombus aus TVT, typisch nach Immobilisation/Langstreckenflug
  2. Diagnostik: CTPA ist Goldstandard; bei hoher Wahrscheinlichkeit direkt CTPA, D-Dimer nur bei niedriger/mittlerer Wahrscheinlichkeit
  3. Therapie: Sofort Antikoagulation (NMH oder NOAK), bei hohem Risiko Thrombolyse
Frage 1 (Diagnostik): Welches bildgebende Verfahren ist die Methode der ersten Wahl zum Nachweis einer Lungenembolie?
A) Röntgen-Thorax
B) CT-Pulmonalisangiographie (CTPA)
C) Magnetresonanzangiographie (MRA)
D) Ventilations-/Perfusions-Szintigraphie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die CT-Pulmonalisangiographie (CTPA) ist die Methode der ersten Wahl zum Nachweis oder Ausschluss einer Lungenembolie. Sie ermöglicht die direkte Darstellung von Füllungsdefekten in den Pulmonalarterien. Die MRA wird explizit nicht empfohlen, die V/Q-Szintigraphie ist eine Alternative bei Kontraindikationen gegen die CTPA.
Frage 2 (Diagnostik): Welche Aussage zur D-Dimer-Bestimmung bei Verdacht auf Lungenembolie ist korrekt?
A) Ein erhöhter D-Dimer-Wert beweist eine Lungenembolie
B) Ein normaler D-Dimer-Wert kann bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit eine LE ausschließen
C) Bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit ist der D-Dimer-Test das wichtigste diagnostische Mittel
D) Der D-Dimer-Test ersetzt die Bildgebung
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die D-Dimer-Bestimmung dient dem Ausschluss einer Lungenembolie bei niedriger oder mittlerer klinischer Wahrscheinlichkeit. Ein normaler Wert macht eine LE unwahrscheinlich. Bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit sollte jedoch direkt eine CTPA durchgeführt werden, da D-Dimer eine geringe Spezifität hat und bei vielen anderen Erkrankungen erhöht sein kann.
Frage 3 (Therapie): Welche Substanz ist die Standardtherapie zur initialen Antikoagulation bei Lungenembolie?
A) ASS 100 mg
B) Enoxaparin (niedermolekulares Heparin)
C) Phenprocoumon (Marcumar)
D) Clopidogrel
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Niedermolekulares Heparin (z.B. Enoxaparin 1 mg/kg 2×/d s.c.) ist die Standardtherapie zur initialen Antikoagulation. Es verhindert Thrombuswachstum und Rezidive. Alternativ können NOAKs wie Rivaroxaban eingesetzt werden. ASS und Clopidogrel sind Thrombozytenaggregationshemmer und nicht ausreichend.
Frage 4 (Therapie): Bei welcher Patientengruppe wird eine verlängerte Antikoagulation über 6 Monate hinaus empfohlen?
A) Patienten mit erstmaliger LE ohne Risikofaktoren
B) Patienten mit aktiver Krebserkrankung
C) Patienten nach Langstreckenflug
D) Patienten mit Adipositas
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei Patienten mit aktiver Krebserkrankung wird eine Antikoagulation über die ersten 6 Monate hinaus empfohlen, da das Rezidivrisiko deutlich erhöht ist. Bei provozierten Ereignissen (z.B. nach Flug) ohne weitere Risikofaktoren kann die Antikoagulation nach 3–6 Monaten beendet werden.
Frage 5 (Notfall): Welche Sofortmaßnahme ist bei einem Patienten mit V.a. massive Lungenembolie und Hypotonie (RR 80/50 mmHg) indiziert?
A) Abwarten und beobachten
B) Systemische Thrombolyse erwägen
C) Nur Sauerstoffgabe
D) Sofortige Entlassung
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei hämodynamisch instabilen Patienten (hohes Risiko) mit anhaltender Hypotonie ist eine Reperfusionstherapie indiziert. Optionen sind systemische Thrombolyse, katheterinterventionelle Therapie oder chirurgische Embolektomie. Dies ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofortiges Handeln erfordert.
Frage 6 (Notfall): Welches Symptom ist eine absolute "Red Flag" bei Verdacht auf Lungenembolie und erfordert einen Notruf?
A) Leichter Husten
B) Kopfschmerzen
C) Husten mit blutigem Auswurf (Hämoptyse)
D) Leichte Müdigkeit
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Hämoptyse ist ein Alarmsignal und deutet auf einen Lungeninfarkt oder schwere pulmonale Schädigung hin. Es erfordert einen sofortigen Notruf (112). Weitere Red Flags sind plötzliche schwere Atemnot, Synkope und anhaltende Hypotonie.
Frage 7 (Differentialdiagnose): Wodurch unterscheidet sich ein Myokardinfarkt von einer Lungenembolie?
A) Durch Fieber und Schüttelfrost
B) Durch retrosternalen Druckschmerz mit Ausstrahlung und typische EKG-Veränderungen
C) Durch einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch
D) Durch Beinödeme
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Ein Myokardinfarkt zeigt typischerweise retrosternalen Druckschmerz mit Ausstrahlung in Arm oder Kiefer, vegetative Symptomatik und charakteristische EKG-Veränderungen (ST-Hebung). Bei LE sind die Thoraxschmerzen meist atemabhängig und pleuritisch. Der Troponin-Anstieg kann bei beiden Erkrankungen vorkommen, ist aber beim MI meist deutlicher.
Frage 8 (Differentialdiagnose): Welche Erkrankung ist die wichtigste chronische Spätkomplikation nach einer akuten Lungenembolie?
A) Chronische Niereninsuffizienz
B) Chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH)
C) Rezidivierende Pneumonien
D) Linksherzinsuffizienz
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH) tritt bei 0,1–9,1 % der Patienten innerhalb von 2–4 Jahren nach akuter Lungenembolie auf. Sie entsteht durch nicht aufgelöste Thromben und führt zu Lungenhochdruck. Deshalb ist ein Follow-up nach 3–6 Monaten zur Früherkennung wichtig.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung
Lungenembolie Ein Blutgerinnsel hat ein Blutgefäß in Ihrer Lunge verstopft, sodass Teile Ihrer Lunge nicht mehr richtig durchblutet werden.
Thrombus Ein Blutgerinnsel, das normalerweise in den Beinvenen entsteht und sich lösen kann.
Dyspnoe Atemnot oder Luftnot – das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen.
Hämoptyse Das Aushusten von Blut oder blutigem Schleim.
Antikoagulation Eine Behandlung mit Medikamenten, die umgangssprachlich "Blutverdünner" genannt werden. Sie verhindern, dass sich neue Blutgerinnsel bilden oder bestehende größer werden.
CT-Pulmonalisangiographie (CTPA) Eine spezielle Computertomographie, bei der wir mit Kontrastmittel die Blutgefäße Ihrer Lunge sichtbar machen können, um Gerinnsel zu erkennen.
D-Dimer Ein Blutwert, der uns hilft festzustellen, ob kürzlich ein Blutgerinnsel entstanden ist. Ein normaler Wert macht ein Gerinnsel unwahrscheinlich.
Tiefe Venenthrombose (TVT) Ein Blutgerinnsel in den tiefen Venen Ihres Beines, das sich lösen und zur Lunge wandern kann.
CTEPH Lungenhochdruck, der als Spätfolge einer Lungenembolie auftreten kann, wenn alte Gerinnsel nicht vollständig aufgelöst werden.
Tachykardie Herzrasen – Ihr Herz schlägt zu schnell, über 100 Mal pro Minute.

Zusammenfassung

Die Lungenembolie ist ein zeitkritischer Notfall, der durch einen verschleppten Thrombus aus den Beinvenen entsteht. Die Diagnose erfolgt mittels CTPA, die Therapie besteht aus sofortiger Antikoagulation. Bei frühzeitiger Erkennung und Behandlung ist die Prognose gut, jedoch besteht ein Risiko für die chronische Spätkomplikation CTEPH.

Quellen

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.