Depression

Psychiatrie Häufig Konservativ Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur Depression: Gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Antriebsminderung. Diagnostik mit PHQ-9, Therapie nach Schweregrad mit SSRI und Psychotherapie.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Antriebsminderung (≥2 Wochen)
  • Diagnostischer Standard: Klinisches Interview nach ICD-10/11, PHQ-9 als Screening
  • Erste Maßnahme: Suizidalität explorieren, Psychoedukation, Behandlungsplanung
  • Wichtigste Kontraindikation: Bei bipolarer Störung keine Antidepressiva-Monotherapie
  • Prognose: Gut bei adäquater Therapie; Rezidivrisiko 50–80% ohne Prophylaxe

1 · Leitfall

Hausarztpraxis J., w Erschöpfung, Schlafstörungen
"Ich kann einfach nicht mehr. Seit Wochen fühle ich mich so leer, alles ist mir egal geworden. Morgens komme ich kaum aus dem Bett, obwohl ich nachts stundenlang wachliege. Meine Arbeit schaffe ich gerade noch so, aber Freunde treffe ich nicht mehr. Ich weiß nicht, was mit mir los ist."
2 · Krankheitsbild

Definition

Die Depression ist eine affektive Störung (ICD-10: F32/F33), charakterisiert durch eine mindestens 2-wöchige Periode mit gedrückter Stimmung, Interessenverlust und vermindertem Antrieb. Sie wird nach Schweregrad (leicht, mittelgradig, schwer) und Verlauf (einzelne Episode vs. rezidivierend) klassifiziert.

Pathophysiologie

Multifaktorielles Geschehen: Dysbalance der Neurotransmitter (Serotonin, Noradrenalin, Dopamin), genetische Prädisposition (30–40% Heritabilität), HPA-Achsen-Dysregulation mit Hypercortisolismus, neuroplastische Veränderungen im präfrontalen Kortex und Hippocampus sowie psychosoziale Belastungsfaktoren.

Epidemiologie

Lebenszeitprävalenz 16–20%
12-Monats-Prävalenz 6–8%
Typisches Ersterkrankungsalter 25–35 Jahre
Geschlechterverhältnis w:m = 2:1

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Positive Familienanamnese
  • Weibliches Geschlecht
  • Frühere depressive Episode
  • Kindheitstraumata
Modifizierbar:
  • Chronischer Stress
  • Soziale Isolation
  • Substanzmissbrauch
  • Schlafstörungen
3 · Anamnese

Haupt- und Zusatzsymptome nach ICD-10

Kategorie Symptome
3 Hauptsymptome 1. Gedrückte Stimmung
2. Interessenverlust/Freudlosigkeit
3. Verminderter Antrieb/erhöhte Ermüdbarkeit
7 Zusatzsymptome 1. Konzentrationsstörungen
2. Vermindertes Selbstwertgefühl
3. Schuldgefühle
4. Pessimismus/Hoffnungslosigkeit
5. Suizidgedanken
6. Schlafstörungen
7. Appetitveränderung

Schweregrad-Einteilung

Schweregrad Symptomkonstellation ICD-10
Leicht 2 Haupt- + 2 Zusatzsymptome F32.0
Mittelgradig 2 Haupt- + 3–4 Zusatzsymptome F32.1
Schwer 3 Haupt- + ≥4 Zusatzsymptome F32.2/F32.3

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Screening (PHQ-2) „Fühlten Sie sich in den letzten 2 Wochen niedergeschlagen oder hoffnungslos?" „Hatten Sie wenig Interesse oder Freude an Ihren Tätigkeiten?" Beide Fragen sensitiv für Depression
Suizidalität „Haben Sie Gedanken, dass es besser wäre, nicht mehr zu leben?" Immer aktiv erfragen! Akute Gefährdung?
Verlauf „Seit wann bestehen die Beschwerden? Gab es früher schon ähnliche Phasen?" Rezidiv vs. Erstmanifestation
Bipolarität „Gab es Phasen mit übersteigerter Energie, wenig Schlafbedürfnis, riskanten Entscheidungen?" Ausschluss bipolare Störung
Somatik „Welche Erkrankungen haben Sie? Welche Medikamente nehmen Sie?" Sekundäre Depression ausschließen

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, Frau . Ich bin . Was führt Sie heute zu mir?

Patientin:

Ich bin so erschöpft und müde, obwohl ich ständig im Bett liege. Ich kann mich zu nichts mehr aufraffen.

Arzt:

Das klingt sehr belastend. Seit wann fühlen Sie sich so?

Patientin:

Seit etwa sechs Wochen. Es wurde immer schlimmer. Früher habe ich gern gemalt, aber jetzt interessiert mich nichts mehr.

Arzt:

Ich verstehe. Ich möchte Ihnen eine wichtige Frage stellen: Haben Sie manchmal Gedanken, dass Sie nicht mehr leben möchten?

Patientin:

Manchmal denke ich, es wäre leichter, wenn ich nicht mehr da wäre. Aber ich würde mir nichts antun.

Arzt:

Danke, dass Sie mir das anvertrauen. Diese Gedanken sind bei einer Depression nicht selten, und es ist wichtig, dass wir darüber sprechen. Gab es früher schon einmal solche Phasen?

Prüfungsfokus

  • PHQ-2 als Screening: 2 Fragen zu Interesse und Stimmung
  • Suizidalität immer aktiv erfragen – entlastet Patienten!
  • Schweregrad bestimmt die Therapieindikation
  • Bipolare Störung ausschließen vor AD-Monotherapie
4 · Befund

Psychopathologischer Befund

Kategorie Typischer Befund
Erscheinungsbild Reduzierte Mimik, gebeugte Haltung, verlangsamte Bewegungen, vernachlässigte Körperpflege möglich
Bewusstsein/Orientierung Klar, allseits orientiert
Affekt Gedrückt, hoffnungslos, ängstlich; eingeschränkte affektive Modulationsfähigkeit
Antrieb Vermindert (oder selten agitiert)
Denken Verlangsamt, grüblerisch, negativ gefärbt; bei schwerer Depression: Verarmungs-/Schuldwahn möglich
Suizidalität Aktiv explorieren und dokumentieren!

Körperliche Untersuchung

Primär zum Ausschluss somatischer Ursachen (Hypothyreose, Anämie, Malignome, neurologische Erkrankungen).

Untersuchung Befund bei Depression
Allgemeinzustand Oft reduziert, müde wirkend
Vitalzeichen Unauffällig (oder Tachykardie bei Angst)
Neurologisch Ohne fokales Defizit

Labor (Basisdiagnostik)

Parameter Ziel
TSH Hypothyreose ausschließen
Blutbild Anämie ausschließen
Glucose, HbA1c Diabetes mellitus
Leber-/Nierenwerte Vor Medikation, Organfunktion
Vitamin B12, Folsäure Mangelzustände (v.a. bei Älteren)

Psychometrische Tests

Test Anwendung Interpretation
PHQ-9 Screening + Verlauf 0–4 minimal, 5–9 leicht, 10–14 mittel, 15–27 schwer
BDI-II Schweregrad + Verlauf 0–13 minimal, 14–19 leicht, 20–28 mittel, 29–63 schwer
HAMD Fremdbeurteilung (Studien) Detaillierte Symptomschwere

Goldstandard

Klinisches Interview nach ICD-10/11-Kriterien – Diagnosestellung erfolgt klinisch, nicht durch Laborwerte oder Bildgebung!

5 · Therapie

Therapieprinzipien nach Schweregrad (S3-Leitlinie)

Schweregrad Empfohlene Therapie
Leicht Aktiv-abwartendes Begleiten, Psychoedukation, niedrigschwellige Interventionen; Psychotherapie oder Antidepressiva nur bei Wunsch oder Persistenz
Mittelgradig Psychotherapie ODER Antidepressiva (gleichwertig)
Schwer Psychotherapie UND Antidepressiva (Kombination empfohlen)

Medikamentöse Therapie

Substanzklasse Beispiele Besonderheiten
SSRI Sertralin, Escitalopram, Citalopram 1. Wahl; gute Verträglichkeit; keine Dosiserhöhung bei Non-Response
SNRI Venlafaxin, Duloxetin Auch bei Schmerz wirksam; Blutdruckkontrollen
NaSSA Mirtazapin Sedierend, gewichtssteigernd; bei Schlafstörungen/Untergewicht
TZA Amitriptylin, Trimipramin Cave: kardiotoxisch, anticholinerg; Überdosierungsrisiko

Therapiephasen

Phase Dauer Ziel
Akuttherapie 6–12 Wochen Response (≥50% Symptomreduktion) → Remission
Erhaltungstherapie 4–9 Monate Rückfallprävention; gleiche Dosis!
Rezidivprophylaxe ≥2 Jahre Bei rezidivierender Depression oder hohem Risiko

Psychotherapie

Verfahren Ansatz
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) Am besten untersucht; Bearbeitung dysfunktionaler Denkmuster, Verhaltensaktivierung
Tiefenpsychologisch fundierte PT Unbewusste Konflikte, biografische Zusammenhänge
Systemische Therapie Soziale Kontexte und Beziehungen

Bei Therapieresistenz

  • Augmentation: Lithium (Evidenz A), Quetiapin (zugelassen)
  • Kombination: SSRI/SNRI + Mirtazapin
  • EKT: Bei schwerer, therapieresistenter Depression oder psychotischen Symptomen

Prüfungsfokus

  • SSRI = 1. Wahl wegen Verträglichkeit
  • Wirklatenz: 2–4 Wochen!
  • Erhaltungstherapie: Gleiche Dosis über 4–9 Monate
  • Absetzen: Langsam ausschleichen (Absetzsymptome!)
6 · Arztbrief

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

wir berichten über unsere gemeinsame Patientin Frau , Jahre, die sich aufgrund zunehmender Erschöpfung und Antriebslosigkeit in unserer Sprechstunde vorstellte.

Anamnese:
Die Patientin berichtete, sie leide seit etwa sechs Wochen unter anhaltender Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit. Sie habe das Interesse an Aktivitäten verloren, die ihr früher Freude bereitet hätten. Sie klage über Ein- und Durchschlafstörungen sowie Appetitminderung mit Gewichtsverlust von etwa 3 kg. Konzentrationsschwierigkeiten bei der Arbeit seien aufgetreten. Auf Nachfrage habe sie angegeben, gelegentlich passive Todeswünsche zu haben, ohne konkrete Suizidabsichten oder -pläne. In der Vorgeschichte sei keine psychiatrische Erkrankung bekannt. Die Familienanamnese sei positiv für Depression bei der Mutter.

Psychopathologischer Befund:
Die Patientin sei wach, allseits orientiert und im Kontakt freundlich, aber verlangsamt gewesen. Der Affekt sei gedrückt, die affektive Modulationsfähigkeit eingeschränkt gewesen. Der Antrieb sei vermindert gewesen. Das Denken sei verlangsamt, aber formal geordnet gewesen, inhaltlich von Hoffnungslosigkeit und Grübeln geprägt. Suizidgedanken seien passiv vorhanden gewesen, es habe keine akute Suizidalität bestanden.

Diagnostik:
Im PHQ-9 habe die Patientin 18 Punkte erreicht. Das Labor habe unauffällige Schilddrüsenwerte (TSH normwertig) sowie ein unauffälliges Blutbild gezeigt.

Diagnose:
Mittelgradige depressive Episode (F32.1)

Therapie und Procedere:
Wir haben eine Psychoedukation durchgeführt und gemeinsam mit der Patientin eine Behandlung mit Sertralin 50 mg 1-0-0 begonnen mit geplanter Steigerung auf 100 mg nach einer Woche. Parallel sei eine ambulante Psychotherapie (KVT) eingeleitet worden. Die Patientin sei über Wirklatenz, mögliche initiale Nebenwirkungen und die Notwendigkeit regelmäßiger Kontrollen aufgeklärt worden. Eine Wiedervorstellung sei in zwei Wochen vereinbart worden.

Empfehlung:
Wir bitten um psychiatrische Mitbetreuung sowie engmaschige Kontrollen der Suizidalität. Bei Verschlechterung oder akuter Suizidalität bitten wir um umgehende Kontaktaufnahme.

Mit kollegialen Grüßen

7 · Übergabe (SBAR)
S – Situation:

Frau , Jahre, Neuvorstellung mit V.a. mittelgradige depressive Episode. Keine akute Suizidalität.

B – Background:

Seit 6 Wochen progrediente Symptomatik mit Niedergeschlagenheit, Antriebsmangel, Schlafstörungen, Appetitminderung. Positive FA für Depression. PHQ-9: 18 Punkte. Labor unauffällig (TSH normal).

A – Assessment:

Mittelgradige depressive Episode (F32.1). Passive Suizidgedanken ohne konkrete Pläne – derzeit absprachefähig.

R – Recommendation:

Heute Beginn Sertralin 50 mg. Wiedervorstellung in 2 Wochen mit PHQ-9. Psychotherapie-Vermittlung läuft. Bei Verschlechterung oder Suizidalität sofortige Kontaktaufnahme.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Unterschied zur Depression Ausschluss durch
Bipolare Störung Anamnestisch (hypo)manische Phasen Genaue Anamnese, Fremdanamnese
Hypothyreose Zusätzlich: Gewichtszunahme, Kälteintoleranz, trockene Haut TSH-Bestimmung
Anpassungsstörung Klarer zeitlicher Zusammenhang mit Belastung, oft <6 Monate Anamnese, Symptomkriterien nicht erfüllt
Dysthymie Chronisch ≥2 Jahre, aber weniger schwer Verlaufsanamnese
Demenz (Pseudodemenz) Kognitive Defizite im Vordergrund; bei Depression oft „Ich weiß nicht"-Antworten Neuropsychologische Testung, Verlauf
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Suizid → Häufigste Todesursache bei Depression; Risiko 15–20× erhöht
  • Psychotische Symptome → Wahnideen (Schuld, Verarmung, Versündigung)
  • Stupor → Bewegungslosigkeit bei schwerer Depression

Spätkomplikationen

  • Chronifizierung (15–20% der Fälle)
  • Rezidive (50–80% ohne Prophylaxe)
  • Soziale Isolation, Berufsunfähigkeit
  • Kardiovaskuläres Risiko erhöht
  • Substanzmissbrauch als Komorbidität
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Akute Suizidalität Konkrete Pläne, Vorbereitung, Hoffnungslosigkeit Psychiatrische Notaufnahme, ggf. Unterbringung
Psychotische Symptome Schwere depressive Episode mit Wahn Stationäre Aufnahme, Antipsychotikum + AD
Depressiver Stupor Vital bedrohlich (Exsikkose, Thrombose) Stationär, EKT erwägen
Fremdgefährdung Erweiterter Suizid möglich Psychiatrische Notaufnahme, Angehörige schützen
Serotoninsyndrom Fieber, Rigidität, Agitation unter AD AD absetzen, Intensivstation
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Depression: ≥2 Hauptsymptome + ≥2 Zusatzsymptome über ≥2 Wochen
  2. Suizidalität immer aktiv erfragen – das entlastet Patienten!
  3. SSRI = Erstlinientherapie; Wirklatenz 2–4 Wochen beachten
Frage 1 (Diagnostik): Wie viele Hauptsymptome müssen für die Diagnose einer schweren depressiven Episode nach ICD-10 vorliegen?
A) Mindestens 1
B) Mindestens 2
C) Alle 3
D) Mindestens 4
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Bei einer schweren depressiven Episode müssen alle 3 Hauptsymptome (gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Antriebsminderung) plus mindestens 4 Zusatzsymptome vorliegen.
Frage 2 (Diagnostik): Welcher Laborwert sollte bei der Erstdiagnostik einer Depression obligat bestimmt werden?
A) Cortisol im Serum
B) TSH
C) Prolaktin
D) Vitamin D
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
TSH ist obligat, um eine Hypothyreose als Ursache der depressiven Symptomatik auszuschließen. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann eine Depression imitieren.
Frage 3 (Therapie): Welches Antidepressivum ist bei unkomplizierter mittelgradiger Depression leitliniengerecht Erstlinientherapie?
A) Amitriptylin
B) Tranylcypromin
C) Sertralin
D) Lithium
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
SSRI wie Sertralin sind aufgrund des günstigen Nebenwirkungsprofils Mittel der 1. Wahl. TZA (Amitriptylin) haben mehr Nebenwirkungen, MAO-Hemmer (Tranylcypromin) sind Reserve, Lithium dient der Augmentation/Prophylaxe.
Frage 4 (Therapie): Wie lange sollte die Erhaltungstherapie mit Antidepressiva nach Remission mindestens fortgeführt werden?
A) 2 Wochen
B) 4 Wochen
C) 4–9 Monate
D) Lebenslang
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Nach Remission sollte die Erhaltungstherapie für 4–9 Monate in unveränderter Dosis fortgeführt werden, um Rückfälle zu verhindern. Bei rezidivierender Depression ist eine längere Rezidivprophylaxe indiziert.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein Patient mit schwerer Depression äußert konkrete Suizidpläne und hat bereits Tabletten gesammelt. Was ist die richtige Maßnahme?
A) Ambulante Weiterbetreuung mit engmaschigen Terminen
B) Sofortige stationäre psychiatrische Aufnahme
C) Erhöhung der Antidepressiva-Dosis
D) Abwarten und Wiedervorstellung in einer Woche
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei akuter Suizidalität mit konkreten Plänen und vorbereitenden Handlungen ist eine sofortige stationäre psychiatrische Aufnahme indiziert, ggf. als Unterbringung nach PsychKG.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Ein Patient unter SSRI-Therapie entwickelt Fieber, Muskelrigidität und Agitiertheit. Woran denken Sie?
A) Allergische Reaktion
B) Serotoninsyndrom
C) Malignes neuroleptisches Syndrom
D) Anticholinerges Syndrom
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Das Serotoninsyndrom tritt bei serotonerger Überstimulation auf (Trias: autonome Dysregulation, neuromuskuläre Symptome, psychische Veränderungen). SSRI sofort absetzen, intensivmedizinische Überwachung!
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welche Erkrankung muss vor Beginn einer Antidepressiva-Monotherapie ausgeschlossen werden?
A) Hypothyreose
B) Bipolare Störung
C) Anpassungsstörung
D) Dysthymie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei bipolarer Störung kann eine AD-Monotherapie eine Manie triggern („Switch"). Daher immer nach früheren (hypo)manischen Episoden fragen! Bei Bipolarität: Stimmungsstabilisierer notwendig.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Eine 70-jährige Patientin klagt über Konzentrationsstörungen und Antriebslosigkeit. Bei der Untersuchung gibt sie auf Fragen häufig „Ich weiß nicht" als Antwort. Woran denken Sie differentialdiagnostisch?
A) Alzheimer-Demenz
B) Depressive Pseudodemenz
C) Delir
D) Schizophrenie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
„Ich weiß nicht"-Antworten sind typisch für die depressive Pseudodemenz. Bei echter Demenz bemühen sich Patienten oft, Defizite zu kaschieren (Konfabulationen). Die depressive Pseudodemenz ist bei adäquater Behandlung reversibel.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Depression "Eine Erkrankung des Gehirns, die Stimmung, Antrieb und Denken beeinflusst – nicht einfach 'schlechte Laune'."
Antidepressiva "Medikamente, die das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn wiederherstellen. Sie machen nicht abhängig."
SSRI "Eine Gruppe von Antidepressiva, die den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen – Serotonin ist ein 'Glückshormon'."
Remission "Wenn die Symptome der Depression weitgehend verschwunden sind."
Rezidiv "Wenn die Depression nach einer beschwerdefreien Zeit wiederkommt."
Psychotherapie "Behandlung durch Gespräche mit einem ausgebildeten Therapeuten – hilft, negative Denkmuster zu erkennen und zu verändern."

Zusammenfassung

Die Depression ist eine häufige, aber gut behandelbare Erkrankung. Wichtig sind: frühzeitige Erkennung, aktive Exploration der Suizidalität, schweregrad-adaptierte Therapie (Psychotherapie und/oder Antidepressiva) sowie konsequente Erhaltungstherapie zur Rückfallprävention.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.