Hodgkin-Lymphom – FSP-Fall

Hämatologie & Onkologie Häufig Konservativ Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

Hodgkin-Lymphom für die Fachsprachenprüfung: B-Symptome, Reed-Sternberg-Zellen, Ann-Arbor-Staging, ABVD/BEACOPPesc – mit Arztbrief, SBAR und Quiz.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Schmerzlose Lymphknotenschwellung + B-Symptomatik
  • Diagnostischer Standard: Exzisionsbiopsie mit Nachweis von Reed-Sternberg-Zellen + PET-CT
  • Erste Maßnahme: Staging nach Ann-Arbor + Therapieplanung in hämatoonkologischem Zentrum
  • Wichtigste Kontraindikation: Feinnadelbiopsie (nicht diagnostisch!)
  • Prognose: Sehr gut – Heilungsrate 85–90 % im frühen, 75–80 % im fortgeschrittenen Stadium

1 · Leitfall

Hausärztliche Praxis J., m Lymphknotenschwellung am Hals
„Herr Doktor, seit etwa sechs Wochen habe ich diese Knubbel am Hals, die werden immer größer. Schmerzen habe ich keine, aber ich schwitze nachts so stark, dass ich mein T-Shirt wechseln muss. Außerdem habe ich fast 8 Kilo abgenommen, obwohl ich normal esse."
2 · Krankheitsbild

Definition

Das Hodgkin-Lymphom ist eine maligne Erkrankung des lymphatischen Systems, die durch das Vorhandensein von Reed-Sternberg-Riesenzellen charakterisiert ist. Es entsteht aus entarteten B-Lymphozyten und breitet sich typischerweise per continuitatem über benachbarte Lymphknotenregionen aus.

Pathophysiologie

Maligne Transformation von B-Lymphozyten führt zur Entstehung der pathognomonischen Reed-Sternberg-Zellen (mehrkernige Riesenzellen mit „Eulenaugen"-Erscheinung). Diese machen nur ca. 1 % des Tumorgewebes aus; der Rest besteht aus reaktivem Infiltrat. Die Tumorzellen sezernieren Zytokine, die für die B-Symptomatik verantwortlich sind.

Epidemiologie

Inzidenz ca. 3/100.000/Jahr in Deutschland
Typisches Alter Bimodal: 15–35 Jahre und 55–65 Jahre
Geschlecht m:w = 3:2

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Genetische Prädisposition (familiäre Häufung)
  • Immundefizienz (HIV, Immunsuppression)
Modifizierbar:
  • EBV-Infektion (assoziiert bei ca. 40 % der Fälle)
  • Rauchen (leicht erhöhtes Risiko)

Histologische Subtypen (WHO-Klassifikation)

Subtyp Häufigkeit Prognose
Nodulär-sklerosierend 60–80 % Gut
Mischtyp 15–30 % Gut
Lymphozytenreich 5 % Sehr gut
Lymphozytenarm <5 % Ungünstiger
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
B-Symptome Haben Sie Fieber, Nachtschweiß oder ungewollten Gewichtsverlust? Staging und Prognose (A vs. B)
Lymphknoten Seit wann bestehen die Schwellungen? Schmerzhaft? Hodgkin: schmerzlos, langsam wachsend
Alkoholschmerz Schmerzen die Knoten nach Alkoholgenuss? Pathognomonisch für Hodgkin (selten, aber spezifisch)
Begleitsymptome Juckreiz? Husten? Atemnot? Mediastinaler Befall, Pruritus als Begleitsymptom
Infektionen Häufige Infekte? HIV-Status bekannt? Immundefizienz als Risikofaktor

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin . Was führt Sie zu uns?

Patient:

Ich habe seit einigen Wochen diese Knubbel am Hals bemerkt, die werden größer.

Arzt:

Sind diese Schwellungen schmerzhaft?

Patient:

Nein, gar nicht. Sie sind mir nur aufgefallen, weil sie größer werden.

Arzt:

Haben Sie Fieber, starkes Schwitzen in der Nacht oder ungewollt Gewicht verloren?

Patient:

Ja, nachts schwitze ich so stark, dass ich mein Shirt wechseln muss. Und ich habe fast 8 Kilo abgenommen.

Arzt:

Haben Sie vielleicht bemerkt, dass die Schwellungen nach Alkoholgenuss schmerzen?

Patient:

Jetzt wo Sie es sagen – nach dem Bier neulich hat es dort tatsächlich etwas gezogen.

Prüfungsfokus

  • B-Symptome abfragen: Fieber >38°C, Nachtschweiß (Wäschewechsel), Gewichtsverlust >10 % in 6 Monaten
  • Alkoholschmerz: selten, aber pathognomonisch
  • Schmerzlose Lymphknoten: „gummiartig", nicht verschieblich bei fortgeschrittenem Stadium
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Inspektion Sichtbare Lymphknotenschwellung zervikal/supraklavikulär, ggf. Blässe
Palpation „Gummiartige", derbe, schmerzlose, indolente Lymphknoten; Hepato-/Splenomegalie möglich
Perkussion Vergrößerte Milz (Milzdämpfung nach kranial erweitert)
Auskultation Meist unauffällig; bei großem Mediastinaltumor ggf. obere Einflussstauung

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
BSG ↑↑ Entzündungsmarker, Risikofaktor
LDH Tumorlast, Prognosefaktor
Albumin Ungünstiger Prognosefaktor
Hämoglobin Anämie der chronischen Erkrankung
Lymphozyten Lymphopenie als Risikofaktor
Leukozyten Leukozytose als Risikofaktor

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
PET-CT Mehranreicherung in befallenen Lymphknoten, FDG-avide Herde Goldstandard für Staging und Therapiemonitoring
CT Thorax/Abdomen Mediastinale Lymphadenopathie, Milzvergrößerung Initiales Staging (ergänzend zu PET)
Röntgen Thorax Mediastinalverbreiterung Erste Orientierung
Sonographie Vergrößerte Lymphknoten, Splenomegalie Screening, Verlaufskontrolle

Histologie

Befund Beschreibung
Reed-Sternberg-Zellen Pathognomonisch: mehrkernige Riesenzellen mit prominenten Nukleolen („Eulenaugen")
Hodgkin-Zellen Einkernige Variante der Reed-Sternberg-Zellen
Immunhistochemie CD30+, CD15+, CD20- (klassisches HL)

Goldstandard

Exzisionsbiopsie eines kompletten Lymphknotens mit histopathologischer Untersuchung und Nachweis von Reed-Sternberg-Zellen. Eine Feinnadelbiopsie ist nicht ausreichend!

5 · Therapie

Stadieneinteilung nach Ann-Arbor (modifiziert nach Cotswold)

Stadium Beschreibung
I Eine Lymphknotenregion oder ein lokalisierter extranodaler Herd
II ≥2 Lymphknotenregionen auf derselben Zwerchfellseite
III Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells
IV Diffuser Organbefall (Leber, Knochenmark, Lunge)

Zusatz A: Keine B-Symptome | Zusatz B: B-Symptome vorhanden

Therapiestrategie (leitliniengerecht)

Stadium Chemotherapie Strahlentherapie
Frühes Stadium (I–II ohne RF) 2× ABVD Involved-Field 20 Gy (bei PET-negativ: ggf. Verzicht)
Mittleres Stadium (I–II mit RF) 2× BEACOPPesc + 2× ABVD oder 4× ABVD Involved-Field 30 Gy
Fortgeschrittenes Stadium (III–IV) 4–6× BEACOPPesc oder 6× ABVD Bei PET-positivem Restbefund

Chemotherapie-Schemata

Schema Wirkstoffe Besonderheiten
ABVD Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin Weniger toxisch, geringere Infertilitätsrate
BEACOPPesc Bleomycin, Etoposid, Adriamycin, Cyclophosphamid, Oncovin, Procarbazin, Prednison Intensiver, höhere Heilungsrate, aber mehr NW

Vor Therapiebeginn

  • Fertilitätserhaltung: Kryokonservierung von Spermien/Eizellen besprechen
  • Herzfunktion: Echokardiographie (Anthrazykline kardiotoxisch)
  • Lungenfunktion: Ausgangswert (Bleomycin pneumotoxisch)
  • HIV/Hepatitis-Serologie

Rezidivtherapie

  • Hochdosis-Chemotherapie + autologe Stammzelltransplantation
  • Brentuximab Vedotin (Anti-CD30-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat)
  • Checkpoint-Inhibitoren (Nivolumab, Pembrolizumab)
6 · Arztbrief

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

wir berichten über unseren gemeinsamen Patienten , Jahre, der sich mit schmerzlosen Lymphknotenschwellungen im Halsbereich vorgestellt habe.

Anamnese:
Der Patient berichtet, er habe seit etwa sechs Wochen progrediente Schwellungen im Bereich der zervikalen Lymphknoten bemerkt. Diese seien schmerzlos. Zusätzlich leide er unter ausgeprägtem Nachtschweiß mit Notwendigkeit des Wäschewechsels sowie einem ungewollten Gewichtsverlust von 8 kg in den letzten zwei Monaten. Fieber habe er nicht bemerkt. Ein Alkoholschmerz im Bereich der Lymphknoten sei ihm aufgefallen.

Befund:
Bei der körperlichen Untersuchung seien mehrere vergrößerte, derbe, indolente Lymphknoten zervikal und supraklavikulär beidseits tastbar gewesen. Die Milz sei palpatorisch vergrößert gewesen.

Diagnostik:
Laborchemisch habe sich eine beschleunigte BSG (65 mm/h), eine leichte Anämie (Hb 11,2 g/dl) sowie eine LDH-Erhöhung (320 U/l) gezeigt. Im PET-CT hätten sich FDG-avide Lymphknoten zervikal, mediastinal und paraaortal dargestellt, vereinbar mit Stadium IIIB nach Ann-Arbor. Die Exzisionsbiopsie eines zervikalen Lymphknotens habe histologisch ein klassisches Hodgkin-Lymphom vom nodulär-sklerosierenden Subtyp mit Nachweis von Reed-Sternberg-Zellen ergeben.

Therapie:
Nach interdisziplinärer Tumorkonferenz sei die Indikation zur leitliniengerechten Polychemotherapie mit BEACOPPesc gestellt worden. Vor Therapiebeginn sei eine Kryokonservierung von Spermien erfolgt.

Procedere:
Wir bitten um hausärztliche Mitbetreuung. Die weitere Therapie und Nachsorge erfolge in unserer hämatoonkologischen Ambulanz.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

7 · Übergabe (SBAR)

S – Situation

, Jahre, stationäre Aufnahme zur Einleitung der Chemotherapie bei neu diagnostiziertem Hodgkin-Lymphom Stadium IIIB.

B – Background

Erstdiagnose vor 2 Wochen nach Exzisionsbiopsie eines zervikalen Lymphknotens. Histologie: klassisches Hodgkin-Lymphom, nodulär-sklerosierend. PET-CT: zervikaler, mediastinaler und paraaortaler Befall. B-Symptomatik mit Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Kryokonservierung erfolgt.

A – Assessment

Patient in gutem AZ, ECOG 0–1. Labor: Hb 11,2 g/dl, BSG 65 mm/h, LDH 320 U/l. Kardiale und pulmonale Ausgangsbefunde dokumentiert. Therapiefähig.

R – Recommendation

  • Start BEACOPPesc Zyklus 1 morgen nach Portanlage
  • Antiemese mit 5-HT3-Antagonist + Dexamethason
  • G-CSF-Gabe ab Tag 8
  • Engmaschige Blutbildkontrollen
  • Bei Fieber >38,5°C: Blutkultur + empirische Antibiose
8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Gemeinsamkeit Unterschied Ausschluss
Non-Hodgkin-Lymphom Lymphadenopathie, B-Symptome Keine Reed-Sternberg-Zellen, oft disseminierter Befall Histologie + Immunhistochemie
Infektiöse Mononukleose Zervikale Lymphadenopathie, Fieber Akuter Verlauf, Pharyngitis, typisch bei Jugendlichen EBV-Serologie, Blutbild (atypische Lymphozyten)
Tuberkulose Lymphadenopathie, B-Symptome Husten, Hämoptysen, Expositionsanamnese Quantiferon, Röntgen-Thorax, ggf. Biopsie
Lymphknotenmetastasen Vergrößerte, derbe Lymphknoten Primärtumor oft bekannt, ältere Patienten Histologie, Tumorsuche
Sarkoidose Mediastinale/hiläre Lymphadenopathie Bihiläre Lymphadenopathie, oft pulmonale Beteiligung ACE ↑, Histologie (nicht-verkäsende Granulome)
⚠️ 9 · Komplikationen

Krankheitsbedingte Komplikationen

  • Obere Einflussstauung → Bei großem Mediastinaltumor (Vena-cava-superior-Syndrom)
  • Immundefizienz → Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Anämie → Fatigue, Leistungsminderung

Therapiebedingte Komplikationen (akut)

  • Myelosuppression → Neutropenie, Thrombozytopenie, Anämie
  • Übelkeit/Erbrechen → Supportive Antiemese erforderlich
  • Alopezie → Reversibel nach Therapieende
  • Mukositis → Orale Schleimhautentzündung

Spätkomplikationen (Langzeittoxizität)

  • Sekundärmalignome → Erhöhtes Risiko für Mammakarzinom, Lungenkarzinom, Leukämie (v.a. nach Strahlentherapie)
  • Kardiotoxizität → Herzinsuffizienz durch Anthrazykline
  • Pulmonale Fibrose → Bleomycin-induziert
  • Infertilität → V.a. nach BEACOPPesc, daher Kryokonservierung
  • Hypothyreose → Nach Bestrahlung der Halsregion
  • Fatigue-Syndrom → Chronische Erschöpfung
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Stridor, Gesichtsödem, Halsvenenstauung Vena-cava-superior-Syndrom Notfall! Oberkörperhochlagerung, Steroide, sofortige Onkologie-Konsultation
Fieber >38,5°C unter Chemotherapie Febrile Neutropenie Blutkultur, empirische Breitbandantibiose sofort
Rasche Zunahme der Lymphknoten Therapieversagen oder Transformation Re-Staging, ggf. Re-Biopsie
Progrediente Dyspnoe unter Bleomycin Bleomycin-Pneumonitis Bleomycin absetzen, HR-CT, Lungenfunktion
Neurologische Ausfälle ZNS-Beteiligung (selten) MRT Schädel, Liquordiagnostik
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Reed-Sternberg-Zellen sind pathognomonisch für das Hodgkin-Lymphom
  2. B-Symptome: Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust >10 % in 6 Monaten
  3. Goldstandard: Exzisionsbiopsie + PET-CT für Staging
Frage 1 (Diagnostik): Welche Zellen sind pathognomonisch für das Hodgkin-Lymphom?
A) Auer-Stäbchen
B) Reed-Sternberg-Zellen
C) Gumprecht-Kernschatten
D) Langhans-Riesenzellen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Reed-Sternberg-Zellen sind mehrkernige Riesenzellen mit prominenten Nukleolen („Eulenaugen"). Sie sind pathognomonisch für das klassische Hodgkin-Lymphom. Auer-Stäbchen → AML, Gumprecht-Kernschatten → CLL, Langhans-Riesenzellen → Tuberkulose/Sarkoidose.
Frage 2 (Diagnostik): Welche Untersuchung ist der Goldstandard für das Staging des Hodgkin-Lymphoms?
A) CT Thorax/Abdomen mit KM
B) PET-CT
C) MRT des gesamten Körpers
D) Knochenmarkbiopsie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die PET-CT ist der Goldstandard für Staging und Therapiemonitoring beim Hodgkin-Lymphom. Sie ermöglicht eine genaue Erfassung der Krankheitsausbreitung und ist sensitiver als CT allein.
Frage 3 (Therapie): Welches Chemotherapie-Schema wird primär beim fortgeschrittenen Hodgkin-Lymphom eingesetzt?
A) R-CHOP
B) FOLFOX
C) BEACOPPesc
D) MOPP
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
BEACOPPesc (eskaliert) ist das Standardschema für fortgeschrittene Stadien (III–IV) des Hodgkin-Lymphoms. R-CHOP → Non-Hodgkin-Lymphome, FOLFOX → kolorektale Karzinome, MOPP → historisches Schema (nicht mehr Standard).
Frage 4 (Therapie): Was muss vor Beginn einer Chemotherapie bei jungen Patienten mit Hodgkin-Lymphom unbedingt angesprochen werden?
A) Hepatitis-Impfung
B) Fertilitätserhaltung (Kryokonservierung)
C) Vitamin-D-Substitution
D) Thromboseprophylaxe
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Vor Beginn der Chemotherapie muss bei Kinderwunsch eine Kryokonservierung von Spermien oder Eizellen angeboten werden. Besonders BEACOPPesc hat ein hohes Risiko für Infertilität.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein Patient unter Chemotherapie entwickelt Fieber von 39°C und eine Neutrophilenzahl von 400/µl. Was ist das Vorgehen?
A) Abwarten und symptomatische Therapie
B) Sofortige Blutkultur und empirische Breitbandantibiose
C) Ambulante orale Antibiotikatherapie
D) Chemotherapie fortsetzen wie geplant
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Febrile Neutropenie ist ein onkologischer Notfall. Sofortige Blutkultur und empirische i.v.-Breitbandantibiose (z.B. Piperacillin/Tazobactam) sind zwingend erforderlich. Abwarten kann tödlich sein!
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Welches Symptom weist bei einem Patienten mit Hodgkin-Lymphom auf ein Vena-cava-superior-Syndrom hin?
A) Ikterus
B) Halsvenenstauung und Gesichtsödem
C) Aszites
D) Petechien an den Unterschenkeln
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Das Vena-cava-superior-Syndrom zeigt sich durch Halsvenenstauung, Gesichtsödem („Plethora"), Zyanose und ggf. Stridor. Es entsteht durch Kompression der V. cava superior durch mediastinale Tumormassen.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Wie unterscheidet sich das Hodgkin-Lymphom histologisch vom Non-Hodgkin-Lymphom?
A) Durch das Fehlen von Lymphozyten
B) Durch den Nachweis von Reed-Sternberg-Zellen
C) Durch das Vorhandensein von Granulozyten
D) Durch einen höheren Mitoseindex
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Das Hodgkin-Lymphom ist durch das Vorhandensein von Reed-Sternberg-Zellen (CD30+, CD15+) definiert, die beim Non-Hodgkin-Lymphom fehlen.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Ein 25-jähriger Patient präsentiert sich mit zervikaler Lymphadenopathie, Fieber und Pharyngitis. Was ist die wahrscheinlichste Differentialdiagnose?
A) Hodgkin-Lymphom
B) Infektiöse Mononukleose
C) Lymphknotentuberkulose
D) Lymphknotenmetastasen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die Trias aus zervikaler Lymphadenopathie, Fieber und Pharyngitis bei einem jungen Erwachsenen ist klassisch für eine infektiöse Mononukleose (EBV-Infektion). Hodgkin-Lymphom verursacht keine Pharyngitis und hat einen langsameren Verlauf.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Hodgkin-Lymphom „Eine Krebserkrankung der Lymphknoten, die gut behandelbar ist."
Reed-Sternberg-Zellen „Besondere Krebszellen, die diese Erkrankung kennzeichnen."
B-Symptome „Drei Warnsignale: Fieber, starkes Nachtschwitzen und Gewichtsverlust."
PET-CT „Eine spezielle Bildgebung, die zeigt, wo im Körper der Krebs aktiv ist."
Staging „Die Einteilung, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat."
Chemotherapie „Medikamente, die die Krebszellen zerstören."
Strahlentherapie „Gezielte Bestrahlung der betroffenen Bereiche, um Krebszellen abzutöten."
Remission „Der Krebs ist nicht mehr nachweisbar – das Ziel der Behandlung."

Zusammenfassung

Das Hodgkin-Lymphom ist ein gut behandelbarer Lymphdrüsenkrebs mit sehr hoher Heilungsrate (85–90 %). Typisch sind schmerzlose Lymphknotenschwellungen und B-Symptome. Die Diagnose erfolgt durch Lymphknotenbiopsie mit Nachweis von Reed-Sternberg-Zellen, das Staging durch PET-CT. Die Therapie besteht aus Chemotherapie (ABVD oder BEACOPPesc) mit oder ohne Strahlentherapie, abhängig vom Stadium.

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.