Kolonkarzinom – FSP-Fall

Gastroenterologie Chirurgisch Häufig Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zum Kolonkarzinom: Blut im Stuhl, Koloskopie-Diagnostik, stadiengerechte Therapie mit Resektion und adjuvanter Chemotherapie.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Blut im Stuhl, veränderte Stuhlgewohnheiten, Gewichtsverlust
  • Diagnostischer Standard: Komplette Koloskopie mit Biopsie
  • Erste Maßnahme: Staging (CT Thorax/Abdomen, CEA) und Tumorkonferenz
  • Wichtigste Kontraindikation: Fernmetastasen für kurative Resektion (relativ)
  • Prognose: 5-JÜR ca. 65% insgesamt, stadienabhängig 90% (I) bis <10% (IV)

1 · Leitfall

Gastroenterologische Ambulanz J., m Blut im Stuhl, Gewichtsverlust
"Herr Doktor, seit etwa drei Monaten habe ich immer wieder Blut im Stuhl bemerkt. Anfangs dachte ich, es seien Hämorrhoiden. Aber jetzt habe ich auch schon fünf Kilo abgenommen, obwohl ich eigentlich normal esse. Manchmal habe ich auch so einen Druck im Bauch."
2 · Krankheitsbild

Definition

Das Kolonkarzinom ist ein maligner epithelialer Tumor des Dickdarms (≥16 cm oral der Anokutanlinie). In über 95% der Fälle handelt es sich um Adenokarzinome, die meist über die Adenom-Karzinom-Sequenz aus präkanzerösen Adenomen entstehen.

Pathophysiologie

Die Karzinogenese erfolgt über zwei Hauptwege: die chromosomale Instabilität (APC→KRAS→TP53-Mutation) bei etwa 85% und die Mikrosatelliteninstabilität (MSI) bei etwa 15% der Fälle. Die Metastasierung erfolgt primär lymphogen in regionale Lymphknoten und hämatogen über die V. portae in die Leber (häufigste Fernmetastasierung).

Epidemiologie

Inzidenz ca. 55.000 Neuerkrankungen/Jahr (KRK gesamt) in Deutschland
Typisches Alter Median ca. 70-75 Jahre, 90% >50 Jahre
Geschlecht m:w ≈ 1,4:1
Mortalität ca. 24.000 Todesfälle/Jahr (3. häufigste Krebstodesursache)

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Alter >50 Jahre
  • Positive Familienanamnese (1.-gradig Verwandte)
  • Hereditäre Syndrome (HNPCC/Lynch, FAP)
  • CED (Colitis ulcerosa, M. Crohn)
  • Kolorektale Adenome in der Vorgeschichte
Modifizierbar:
  • Rauchen
  • Hoher Alkoholkonsum
  • Rotes/verarbeitetes Fleisch
  • Adipositas, Bewegungsmangel
  • Ballaststoffarme Ernährung
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Blutung Haben Sie Blut im Stuhl bemerkt? Hellrot oder dunkel? Lokalisation: hellrot = distal, dunkel = proximal
Stuhlverhalten Hat sich Ihr Stuhlgang verändert? Wechsel Durchfall/Verstopfung? Typisch: paradoxe Diarrhö bei stenosierendem Tumor
B-Symptomatik Haben Sie ungewollt Gewicht verloren? Nachtschweiß? Müdigkeit? B-Symptome sprechen für fortgeschrittenes Stadium
Familienanamnese Gab es in Ihrer Familie Darmkrebs oder Polypen? HNPCC/FAP-Screening bei positiver FA
Vorsorge Wann hatten Sie Ihre letzte Darmspiegelung? Vorsorgestatus, ggf. bekannte Polypen

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag Herr , ich bin . Sie haben Blut im Stuhl bemerkt. Seit wann genau?

Patient:

Seit ungefähr drei Monaten. Am Anfang nur ab und zu, aber jetzt fast bei jedem Stuhlgang.

Arzt:

Ist das Blut hellrot oder eher dunkel? Ist es dem Stuhl aufgelagert oder vermischt?

Patient:

Es ist eher dunkelrot und mit dem Stuhl vermischt. Manchmal auch so schleimig.

Arzt:

Sie erwähnten Gewichtsverlust. Wie viel haben Sie abgenommen und in welchem Zeitraum?

Patient:

Etwa fünf Kilo in den letzten zwei Monaten, obwohl ich eigentlich normal esse.

Arzt:

Hat jemand in Ihrer Familie Darmkrebs gehabt?

Patient:

Ja, mein Vater hatte mit 65 Darmkrebs. Er ist dann auch daran gestorben.

Prüfungsfokus

  • Jeder rektale Blutabgang >50 Jahre → Koloskopie obligat (nicht auf Hämorrhoiden schieben!)
  • Positive Familienanamnese → Screening 10 Jahre vor Erkrankungsalter des Angehörigen
  • Alarmsymptome: Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, Anämie, veränderte Stuhlgewohnheiten
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Inspektion Blässe (Anämie), Kachexie, ggf. Ikterus bei Lebermetastasen
Palpation Abdomen Tastbarer Tumor (v.a. Zökum/Colon ascendens), Hepatomegalie bei Metastasen
Digital-rektale Untersuchung Obligat! Blut am Fingerling, ggf. tastbarer Tumor bei tief sitzendem Karzinom
Lymphknoten Virchow-Lymphknoten (links supraklavikulär) bei fortgeschrittenem Stadium

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Hämoglobin Chronische Blutungsanämie (mikrozytär, hypochrom)
Ferritin, Eisen Eisenmangelanämie durch okkulte Blutung
CEA Tumormarker (Ausgangswert vor OP, Verlaufskontrolle)
Leberwerte (γGT, AP) V.a. Lebermetastasen
Stuhl auf okkultes Blut Positiv Screening-Test, bei positivem Befund → Koloskopie

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
Koloskopie mit Biopsie Polypoide/ulzerierende Raumforderung, Stenose Goldstandard zur Diagnose
CT Thorax/Abdomen/Becken Wandverdickung, LK-Vergrößerung, Leber-/Lungenmetastasen Staging bei gesichertem Karzinom
Abdomen-Sonographie Lebermetastasen (häufigste Fernmetastasen) Initiales Staging, Verlaufskontrolle
Röntgen Thorax Lungenmetastasen Basis-Staging

TNM-Klassifikation (vereinfacht)

Stadium TNM 5-JÜR
I T1-2 N0 M0 ca. 90%
II T3-4 N0 M0 ca. 70-85%
III Jedes T, N1-2, M0 ca. 50-70%
IV Jedes T, jedes N, M1 ca. 5-15%

Goldstandard

Komplette Koloskopie mit Biopsie – Nur histologisch kann die Diagnose gesichert werden! Bei Stenose: CT-/MR-Kolonographie für proximale Abschnitte.

5 · Therapie

Therapieprinzipien

Die Therapie ist stadienabhängig. Im Mittelpunkt steht die chirurgische R0-Resektion. Adjuvante Chemotherapie erfolgt stadienabhängig. Jeder Patient sollte in einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen werden.

Chirurgische Therapie

Tumorlokalisation OP-Verfahren Lymphadenektomie
Zökum, Colon ascendens Hemikolektomie rechts A. ileocolica, A. colica dextra
Colon transversum Transversumresektion/erweiterte Hemikolektomie A. colica media
Colon descendens Hemikolektomie links A. colica sinistra
Sigma Sigmaresektion A. mesenterica inferior

Stadiengerechte Therapie

UICC-Stadium Therapie
I Onkologische Resektion – keine adjuvante Chemotherapie
II (Low-Risk) Onkologische Resektion – keine adjuvante Chemotherapie empfohlen
II (High-Risk) Resektion + adjuvante Chemotherapie erwägen (Fluoropyrimidin-Monotherapie)
III Resektion + adjuvante Chemotherapie (FOLFOX/CAPOX für 3-6 Monate)
IV (resektabel) Resektion Primärtumor + Metastasenresektion (Leber/Lunge) ± perioperative CTx
IV (nicht resektabel) Palliative Systemtherapie, ggf. lokale Verfahren

Chemotherapie-Schemata

  • FOLFOX: 5-FU + Folinsäure + Oxaliplatin
  • CAPOX (XELOX): Capecitabin + Oxaliplatin
  • Bei MSI-H: Keine adjuvante Chemotherapie im Stadium II (bessere Prognose!)

Zielgerichtete Therapie (Stadium IV)

  • Anti-EGFR: Cetuximab, Panitumumab (nur bei RAS-Wildtyp, linksseitig)
  • Anti-VEGF: Bevacizumab
  • Checkpoint-Inhibitoren: Pembrolizumab (bei MSI-H/dMMR)

Nachsorge

Untersuchung Frequenz (Stadium II/III)
Anamnese, körperl. Untersuchung, CEA Alle 3 Monate für 2 Jahre, dann alle 6 Monate
Abdomen-Sonographie Alle 6 Monate für 2 Jahre, dann jährlich
Koloskopie Nach 1 Jahr, dann alle 3-5 Jahre
CT Thorax/Abdomen Bei Hochrisiko oder CEA-Anstieg
6 · Arztbrief

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

wir berichten über unseren gemeinsamen Patienten Herrn , Jahre, der sich vom [Datum] bis [Datum] in unserer stationären Behandlung befand.

Diagnosen:

  • Adenokarzinom des Colon sigmoideum, pT3 pN1 (2/18) M0, G2, R0, UICC-Stadium IIIB
  • Chronische Eisenmangelanämie
  • Arterielle Hypertonie

Anamnese:
Der Patient habe seit etwa drei Monaten rezidivierend Blut im Stuhl bemerkt. Zudem habe er einen ungewollten Gewichtsverlust von fünf Kilogramm in zwei Monaten angegeben. Der Vater des Patienten sei an einem Kolonkarzinom verstorben.

Befund bei Aufnahme:
Der Patient habe sich in leicht reduziertem Allgemeinzustand präsentiert. Das Abdomen sei weich und ohne Druckschmerz gewesen. Die digital-rektale Untersuchung habe Blut am Fingerling gezeigt.

Diagnostik:
Die Koloskopie habe einen stenosierenden Tumor im Sigma gezeigt. Histologisch habe sich ein mäßig differenziertes Adenokarzinom bestätigt. Das Staging-CT habe keine Fernmetastasen ergeben. Der CEA-Wert sei mit 12,5 ng/ml erhöht gewesen.

Therapie:
Nach Vorstellung in der interdisziplinären Tumorkonferenz sei die Indikation zur onkologischen Sigmaresektion gestellt worden. Der Eingriff sei komplikationslos verlaufen. Histopathologisch habe sich ein pT3 pN1 (2/18)-Stadium ergeben.

Procedere:
Aufgrund des Lymphknotenbefalls sei eine adjuvante Chemotherapie nach dem CAPOX-Schema für drei Monate empfohlen worden. Die erste Nachsorge-Koloskopie solle in einem Jahr erfolgen.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Konjunktiv I beachten!

  • habe (nicht: hat)
  • sei (nicht: ist/war)
  • leide (nicht: leidet)
  • ergebe (nicht: ergibt)
7 · SBAR-Übergabe
S – Situation:

Herr , Jahre, befindet sich auf Station 3B, Zimmer 12. Er ist postoperativ Tag 3 nach laparoskopischer Sigmaresektion bei Sigmakarzinom.

B – Background:

Sigmakarzinom pT3 pN1 M0, UICC IIIB. Die OP verlief komplikationslos. Der Patient hat eine bekannte arterielle Hypertonie. Aktuell nüchtern, Kostaufbau geplant.

A – Assessment:

Der Patient ist kreislaufstabil, afebril. Das Abdomen ist weich, Darmgeräusche vorhanden. Die Drainage fördert minimal serös. Die Laborwerte sind im Normbereich, Hb stabil.

R – Recommendation:

Heute Beginn Kostaufbau mit Tee und Zwieback. Drainage bei Fördermenge unter 50 ml ex. Mobilisation fortführen. Thromboseprophylaxe bis zur Vollmobilisation. Tumorboard-Empfehlung adjuvante Chemotherapie besprechen.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Wichtiger Unterschied Ausschluss durch
Divertikulitis Akute Schmerzen linker Unterbauch, Fieber, Entzündungszeichen CT Abdomen, Koloskopie im Intervall
Hämorrhoiden Hellrotes Blut aufgelagert, Pruritus, keine B-Symptomatik Proktoskopie, Koloskopie zum Ausschluss KRK
Chronisch-entzündliche Darmerkrankung Jüngere Patienten, schubweiser Verlauf, blutig-schleimige Diarrhö Koloskopie mit Stufenbiopsien, Histologie
Kolonpolypen (Adenom) Meist asymptomatisch, keine B-Symptomatik Koloskopie mit Polypektomie und Histologie
Reizdarmsyndrom Keine Alarmsymptome, kein Gewichtsverlust, keine Blutung Ausschlussdiagnose nach Koloskopie
⚠️ 9 · Komplikationen

Komplikationen der Erkrankung

  • Ileus → Notfall-OP mit ggf. Stomaanlage
  • Tumorperforation → Peritonitis, septischer Schock
  • Massive Blutung → Transfusionspflichtigkeit
  • Lebermetastasen → Häufigste Fernmetastasen (ca. 25% bei Diagnose)
  • Peritonealkarzinose → Schlechte Prognose

Postoperative Komplikationen

  • Anastomoseninsuffizienz → Häufigkeit ca. 3-6%, ggf. Re-OP mit Stoma
  • Wundheilungsstörung/Abszess → Drainage, Antibiotika
  • Paralytischer Ileus → Abwarten, Magensonde, ggf. Prokinetika
  • Thrombose/Lungenembolie → Prophylaxe obligat

Spätkomplikationen

  • Lokalrezidiv
  • Metachrone Metastasen (Leber, Lunge)
  • Zweitkarzinom im Kolon
  • Narbenhernien
  • Chemotherapie-assoziiert: Polyneuropathie (Oxaliplatin), Hand-Fuß-Syndrom
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Akutes Abdomen mit Stuhl-/Windverhalt Mechanischer Ileus durch Tumorstenose Notfall-CT, chirurgisches Konsil, ggf. Notfall-OP
Peritonitis-Zeichen Tumorperforation Notfall-OP, Breitspektrum-Antibiotika
Massive rektale Blutung Tumorblutung mit hämodynamischer Instabilität Volumensubstitution, Transfusion, Notfall-Endoskopie
Neu aufgetretener Ikterus Lebermetastasen mit Cholestase Sono/CT Abdomen, Leberfunktion prüfen
Postoperativ: Fieber + Bauchschmerzen Anastomoseninsuffizienz CT mit KM, ggf. Re-Laparotomie
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Koloskopie mit Biopsie ist der Goldstandard zur Diagnose
  2. Chirurgische Resektion ist die Therapie der Wahl (stadienabhängig)
  3. Adjuvante Chemotherapie im Stadium III obligat, im Stadium II bei Hochrisiko
Frage 1 (Diagnostik): Ein 68-jähriger Patient berichtet über seit 3 Monaten bestehende Blutbeimengungen im Stuhl und 5 kg Gewichtsverlust. Welche Untersuchung hat die höchste Priorität?
A) Abdomen-Sonographie
B) Komplette Koloskopie mit Biopsie
C) CT Abdomen mit KM
D) Bestimmung des CEA-Werts
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die komplette Koloskopie mit Biopsie ist der Goldstandard zur Diagnose des kolorektalen Karzinoms. Nur histologisch kann die Diagnose gesichert werden. CEA ist kein Screening-Marker, Bildgebung erfolgt erst nach Diagnosesicherung zum Staging.
Frage 2 (Diagnostik): Bei einem Patienten mit gesichertem Kolonkarzinom soll ein Staging durchgeführt werden. Welcher Laborparameter sollte als Ausgangswert bestimmt werden?
A) CA 19-9
B) AFP
C) CEA
D) PSA
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
CEA (Carcinoembryonales Antigen) ist der relevante Tumormarker beim kolorektalen Karzinom. Er dient als Ausgangswert vor OP und zur Rezidivkontrolle in der Nachsorge. CA 19-9 wird aktuell nicht empfohlen.
Frage 3 (Therapie): Bei einem Patienten wird ein Kolonkarzinom im UICC-Stadium III (pT3 pN1 M0) R0-reseziert. Welche weitere Therapie ist leitliniengerecht?
A) Keine weitere Therapie notwendig
B) Adjuvante Radiotherapie
C) Adjuvante Chemotherapie (z.B. CAPOX)
D) Neoadjuvante Chemotherapie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Im Stadium III ist eine adjuvante Chemotherapie (z.B. FOLFOX oder CAPOX für 3-6 Monate) leitliniengerecht indiziert. Eine Radiotherapie am Kolon ist nicht indiziert (im Gegensatz zum Rektumkarzinom). Neoadjuvante Therapie spielt beim Kolonkarzinom keine Rolle.
Frage 4 (Therapie): Welche OP-Technik ist bei einem Karzinom des Colon ascendens leitliniengerecht?
A) Sigmaresektion
B) Hemikolektomie links
C) Hemikolektomie rechts
D) Transversumresektion
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Bei Tumoren des Zökums und Colon ascendens wird eine Hemikolektomie rechts mit Lymphadenektomie entlang der A. ileocolica und A. colica dextra durchgeführt. Ziel ist die R0-Resektion mit Entfernung von mindestens 12 Lymphknoten.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein Patient mit bekanntem Kolonkarzinom stellt sich mit akutem Abdomen, fehlendem Stuhl- und Windabgang sowie Erbrechen vor. Was ist der wahrscheinlichste Notfall?
A) Appendizitis
B) Mechanischer Ileus durch Tumorstenose
C) Akute Pankreatitis
D) Ulkusperforation
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die Symptomkonstellation (akutes Abdomen, Stuhl-/Windverhalt, Erbrechen) bei bekanntem Kolonkarzinom spricht für einen mechanischen Ileus durch Tumorstenose. Dies ist ein chirurgischer Notfall und erfordert sofortige Diagnostik (CT) und ggf. Notfall-OP.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Ein Patient entwickelt 5 Tage nach Sigmaresektion Fieber (38,8°C), Tachykardie und zunehmende Bauchschmerzen. An welche Komplikation muss primär gedacht werden?
A) Harnwegsinfekt
B) Pneumonie
C) Anastomoseninsuffizienz
D) Medikamentenfieber
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Die Symptomtrias Fieber, Tachykardie und Bauchschmerzen nach Darm-OP muss an eine Anastomoseninsuffizienz denken lassen. Diese tritt typischerweise zwischen Tag 3-7 auf und erfordert eine sofortige Diagnostik (CT mit KM) und ggf. Re-Laparotomie.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Ein 55-jähriger Patient berichtet über hellrotes Blut am Toilettenpapier, das dem Stuhl aufgelagert ist. Was ist die wichtigste Differentialdiagnose zum Kolonkarzinom?
A) Colitis ulcerosa
B) Hämorrhoiden
C) Morbus Crohn
D) Divertikulose
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Hellrotes Blut aufgelagert auf dem Stuhl ist typisch für Hämorrhoiden. Dennoch gilt: Jede rektale Blutung bei Patienten >50 Jahren erfordert eine Koloskopie zum Ausschluss eines kolorektalen Karzinoms – auch bei bekannten Hämorrhoiden!
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Welches Merkmal spricht eher für eine Divertikulitis als für ein Kolonkarzinom?
A) Schleichender Beginn mit B-Symptomatik
B) Akuter linksseitiger Unterbauchschmerz mit Fieber
C) Chronische Eisenmangelanämie
D) Wechselnde Stuhlgewohnheiten über Monate
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die akute Divertikulitis präsentiert sich typischerweise mit plötzlichem linksseitigem Unterbauchschmerz ("Linksappendizitis"), Fieber und erhöhten Entzündungsparametern. Das Kolonkarzinom zeigt hingegen einen schleichenden Verlauf mit B-Symptomatik und chronischer Anämie.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Kolonkarzinom "Eine bösartige Geschwulst im Dickdarm"
Koloskopie "Eine Darmspiegelung, bei der wir mit einer Kamera den Dickdarm von innen anschauen"
Biopsie "Wir entnehmen eine kleine Gewebeprobe zur Untersuchung unter dem Mikroskop"
Staging "Untersuchungen, um festzustellen, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat"
Hemikolektomie "Die operative Entfernung einer Hälfte des Dickdarms"
Adjuvante Chemotherapie "Eine zusätzliche Behandlung mit Medikamenten nach der Operation, um verbliebene Krebszellen zu zerstören"
CEA "Ein Blutwert, der bei Darmkrebs erhöht sein kann und zur Verlaufskontrolle dient"
R0-Resektion "Der Tumor wurde vollständig entfernt, am Rand ist kein Tumorgewebe mehr nachweisbar"

Zusammenfassung

Das Kolonkarzinom ist einer der häufigsten bösartigen Tumoren in Deutschland. Die Diagnose erfolgt durch Koloskopie mit Biopsie. Die Therapie ist primär chirurgisch mit stadienabhängiger adjuvanter Chemotherapie. Die Vorsorgekoloskopie ab 50 Jahren ist entscheidend für die Früherkennung und verbessert die Prognose erheblich.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.