Definition
Die Leistenhernie (Hernia inguinalis) ist eine Ausstülpung von Baucheingeweiden durch eine Bruchpforte im Bereich des Leistenkanals. Sie entsteht entweder angeboren durch einen offenen Processus vaginalis (indirekt/lateral) oder erworben durch eine Schwäche der Bauchwand im Trigonum Hesselbach (direkt/medial).
Pathophysiologie
Grundlage ist eine Störung der extrazellulären Kollagenmatrix ("Hernienkrankheit") mit verminderter Typ I/III-Kollagen-Ratio. Erhöhter intraabdomineller Druck (Husten, Pressen, schweres Heben) führt zur Vorwölbung des Bruchinhalts. Bei der indirekten Hernie verläuft der Bruchsack lateral der epigastrischen Gefäße durch den inneren Leistenring. Bei der direkten Hernie tritt er medial davon direkt durch die Fascia transversalis.
Epidemiologie
| Lebenszeitrisiko | ♂ 27%, ♀ 3% |
| Inzidenz (D) | ca. 200-300.000 OP/Jahr |
| Geschlecht | m:w = 9:1 |
| Häufigste Seite | Rechts (ca. 60%) |
| Bruchform | Indirekt : Direkt = 2:1 |
Risikofaktoren
- Männliches Geschlecht
- Positive Familienanamnese (8-faches Risiko)
- Bindegewebserkrankungen (Marfan, EDS)
- Frühgeburtlichkeit
- Chronischer Husten (COPD)
- Chronische Obstipation
- Schwere körperliche Arbeit
- Adipositas, Aszites
Klassifikation nach Nyhus
| Typ | Beschreibung |
|---|---|
| I | Indirekte Hernie, normaler innerer Leistenring |
| II | Indirekte Hernie, erweiterter innerer Leistenring |
| III A | Direkte Hernie (Hinterwanddefekt) |
| III B | Indirekte Hernie + Hinterwandschwäche |
| III C | Femoralhernie |
| IV | Rezidivhernie (A-D nach Voroperationsart) |
