Lyme-Borreliose – FSP-Fall

Infektiologie Häufig Konservativ Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur Lyme-Borreliose: Typisches Erythema migrans nach Zeckenstich, Blickdiagnose ohne Serologie, Therapie mit Doxycyclin. Inklusive Neuroborreliose und Lyme-Arthritis.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Erythema migrans (sich ausbreitende Hautrötung mit zentraler Abblassung)
  • Diagnostischer Standard: Klinische Diagnose beim typischen Erythema migrans; Stufenserologie (ELISA + Immunoblot) bei Spätmanifestationen
  • Erste Maßnahme: Antibiotische Therapie mit Doxycyclin 200 mg/d für 10–14 Tage
  • Wichtigste Kontraindikation: Doxycyclin bei Kindern unter 8 Jahren und in der Schwangerschaft
  • Prognose: Sehr gut bei frühzeitiger Therapie; >95% Heilung ohne Residuen

1 · Leitfall

Hausarztpraxis J., m Hautrötung am Oberschenkel
"Herr Doktor, ich habe seit etwa einer Woche so einen roten Fleck am Oberschenkel. Der wird immer größer und sieht jetzt aus wie ein Ring. Ich war vor zwei Wochen im Wald wandern und habe eine Zecke entfernt. Jetzt mache ich mir Sorgen, ob das was Schlimmes ist."
2 · Krankheitsbild

Definition

Die Lyme-Borreliose ist eine durch Zecken übertragene bakterielle Infektionskrankheit, verursacht durch Spirochäten des Borrelia-burgdorferi-Komplexes. Sie ist eine entzündliche Multiorganerkrankung mit möglicher Beteiligung von Haut, Nervensystem, Gelenken und Herz.

Pathophysiologie

Borrelia burgdorferi sensu lato wird während des Saugaktes der Schildzecke Ixodes ricinus übertragen. Die Übertragungswahrscheinlichkeit steigt mit der Saugdauer (meist >24h nötig). Die Borrelien disseminieren lokal in die Haut (Erythema migrans) und können hämatogen weitere Organe befallen. In Europa kommen verschiedene humanpathogene Spezies vor: B. afzelii, B. garinii, B. bavariensis und B. burgdorferi sensu stricto.

Epidemiologie

Inzidenz 25–100/100.000 Einwohner/Jahr in Deutschland
Infektionsrisiko nach Zeckenstich 1–3% (klinisch manifeste Erkrankung)
Durchseuchung Zecken 5–35% (regional unterschiedlich)
Seroprävalenz 5–25% der Erwachsenen
Saisonalität März–Oktober (Zeckenaktivität)

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Wohnort in Endemiegebiet
  • Berufliche Exposition (Forst-, Landwirtschaft)
Modifizierbar:
  • Freizeitaktivitäten im Wald/hohem Gras
  • Fehlende Schutzkleidung
  • Späte Zeckenentfernung (>24h)
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Zeckenstich Haben Sie einen Zeckenstich bemerkt? Wann war das? Zeitlicher Zusammenhang; negative Anamnese schließt Borreliose nicht aus (50% unbemerkt)
Hautbefund Wann und wo ist die Rötung aufgetreten? Breitet sie sich aus? Erythema migrans erscheint 7–14 Tage nach Stich, zentrifugale Ausbreitung typisch
Allgemeinsymptome Haben Sie Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Gliederschmerzen? Grippeartige Symptome bei Dissemination
Neurologisch Haben Sie Gesichtslähmung, Taubheitsgefühle oder starke Schmerzen? Hinweis auf Neuroborreliose (Bannwarth-Syndrom)
Gelenke Sind einzelne Gelenke, besonders das Knie, geschwollen? Lyme-Arthritis betrifft typisch große Gelenke

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin . Was führt Sie zu uns?

Patient:

Ich habe seit einer Woche so einen komischen roten Fleck am Oberschenkel, der immer größer wird.

Arzt:

Können Sie sich erinnern, ob Sie von einer Zecke gestochen wurden?

Patient:

Ja, vor etwa zwei Wochen. Ich war im Wald wandern und habe danach eine Zecke am Bein entdeckt und entfernt.

Arzt:

Haben Sie auch andere Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen oder Gelenkschmerzen?

Patient:

Ein bisschen schlapp fühle ich mich schon, aber sonst geht es mir eigentlich gut.

Prüfungsfokus

  • Negative Zeckenstichanamnese schließt Borreliose NICHT aus
  • Erythema migrans ist eine Blickdiagnose – keine Serologie nötig
  • Nach neurologischen Symptomen aktiv fragen (Fazialisparese!)
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Inspektion Haut Erythema migrans: ringförmige, schmerzlose Rötung >5 cm mit zentraler Abblassung, Zeckeneinstichstelle ggf. erkennbar
Palpation Lymphknoten Regionale Lymphadenopathie möglich
Neurologische Untersuchung Fazialisparese, sensible Ausfälle, radikuläre Symptome bei Neuroborreliose
Gelenkuntersuchung Monoarthritis, v.a. Kniegelenk (Erguss, Schwellung) bei Lyme-Arthritis

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Borrelien-Serologie (ELISA) Suchtest Bei positivem Ergebnis Bestätigung durch Immunoblot (Stufendiagnostik)
IgM-Antikörper ↑ ab 3. Woche Frische Infektion; isoliert positiv spricht gegen Spätmanifestation
IgG-Antikörper ↑ ab 6. Woche Hoch bei Spätmanifestationen; kann nach Infektion persistieren
Liquor (bei V.a. Neuroborreliose) Lymphozytäre Pleozytose Intrathekale Antikörperproduktion (erhöhter Antikörper-Index)

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
MRT Schädel Meningeale Kontrastmittelanreicherung, Hirnnervenveränderungen Bei Verdacht auf Neuroborreliose
Sonographie Gelenk Gelenkerguss, Synovialitis Bei Verdacht auf Lyme-Arthritis
EKG AV-Block (I°-III°) Bei Verdacht auf Lyme-Karditis

Goldstandard

Erythema migrans: Blickdiagnose – keine Serologie erforderlich!
Spätmanifestationen: Stufenserologie (ELISA → bei positivem Ergebnis Immunoblot)

5 · Therapie

Akuttherapie

Manifestation Therapie der Wahl Dauer
Erythema migrans (Erwachsene) Doxycyclin 200 mg/d p.o. 10–14 Tage
Erythema migrans (Kinder <8 J., Schwangere) Amoxicillin 3×500–1000 mg/d p.o. 10–14 Tage
Frühe Neuroborreliose Doxycyclin 200 mg/d p.o. oder Ceftriaxon 2 g/d i.v. 14 Tage
Späte Neuroborreliose Ceftriaxon 2 g/d i.v. 14–21 Tage
Lyme-Arthritis Doxycyclin 200 mg/d p.o. 28–30 Tage
Acrodermatitis chronica atrophicans Doxycyclin 200 mg/d p.o. 21–30 Tage

Alternative Antibiotika

Medikament Dosierung Indikation
Cefuroxim-Axetil 2×500 mg/d p.o. Alternative bei Doxycyclin-Unverträglichkeit
Azithromycin 1×500 mg/d p.o. für 5–10 Tage Alternative, kürzere Therapiedauer
Penicillin V 3×1 Mio IE/d p.o. Alternative bei Erythema migrans

Therapieprinzipien

  • Frühzeitige Therapie verhindert Spätmanifestationen
  • Keine antibiotische Prophylaxe nach Zeckenstich in Deutschland empfohlen
  • Keine Kombinationstherapien notwendig
  • Keine prolongierte Antibiotikatherapie bei persistierenden unspezifischen Symptomen
  • Serologische Verlaufskontrolle nicht sinnvoll (Antikörper persistieren)

Prüfungsfokus Therapie

Merksatz: Doxycyclin ist Mittel der Wahl – außer bei Kindern <8 Jahre und Schwangeren (dann Amoxicillin)

6 · Arztbrief

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

wir berichten über unseren gemeinsamen Patienten , Jahre, der sich am [Datum] in unserer Sprechstunde vorstellte.

Anamnese:
Der Patient berichtete, er habe vor etwa zwei Wochen bei einer Wanderung einen Zeckenstich am rechten Oberschenkel bemerkt. Er habe die Zecke selbst entfernt. Seit einer Woche sei eine sich ausbreitende Hautrötung an der Einstichstelle aufgetreten. Der Patient gab an, er fühle sich etwas abgeschlagen. Fieber, Kopfschmerzen, Gelenkbeschwerden oder neurologische Symptome verneinte er.

Körperliche Untersuchung:
Bei der Untersuchung zeigte sich am rechten lateralen Oberschenkel ein ca. 12 cm durchmessendes, ringförmiges Erythem mit zentraler Abblassung. Die Läsion sei schmerzlos und nicht überwärmt. Die Lymphknoten inguinal rechts seien gering vergrößert tastbar gewesen. Die neurologische Untersuchung sei unauffällig gewesen.

Diagnose:
Erythema migrans bei Lyme-Borreliose (Stadium I)

Therapie und Procedere:
Wir leiteten eine antibiotische Therapie mit Doxycyclin 200 mg einmal täglich für 14 Tage ein. Der Patient sei über die Erkrankung, die gute Prognose bei frühzeitiger Therapie und mögliche Warnzeichen aufgeklärt worden. Eine serologische Kontrolle sei nicht erforderlich. Wir empfahlen eine Wiedervorstellung bei Auftreten von neurologischen Symptomen, Gelenkbeschwerden oder Herzrhythmusstörungen.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Konjunktiv I – Wichtige Formen

Infinitiv Konjunktiv I Beispiel
haben habe Der Patient berichtete, er habe eine Zecke entfernt.
sein sei Die Rötung sei schmerzlos.
fühlen fühle Er fühle sich abgeschlagen.
verneinen verneinte Fieber verneinte er.
7 · Übergabe (SBAR)

S – Situation

Herr , Jahre, stellt sich mit einem typischen Erythema migrans am rechten Oberschenkel vor. Zeckenstich vor zwei Wochen anamnestisch bekannt.

B – Background

Keine relevanten Vorerkrankungen. Keine Allergien bekannt. Keine Dauermedikation. Wanderung im Wald vor zwei Wochen mit anschließender Zeckenentfernung.

A – Assessment

Klinisch eindeutiges Erythema migrans bei Lyme-Borreliose Stadium I. Keine Hinweise auf Dissemination. Patient kardiopulmonal stabil, neurologisch unauffällig.

R – Recommendation

Antibiotische Therapie mit Doxycyclin 200 mg/d für 14 Tage einleiten. Keine Serologie erforderlich. Aufklärung über Warnzeichen (Fazialisparese, Gelenkschmerzen, Herzrhythmusstörungen). Wiedervorstellung bei Symptompersistenz oder neuen Beschwerden.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Ähnlichkeit Unterschied Ausschlusstest
Persistierende Insektenstichreaktion Lokale Rötung nach Stich Meist juckend, <5 cm, nicht zentrifugal wandernd, innerhalb weniger Tage Klinische Beurteilung, Verlaufsbeobachtung
Erysipel Hautrötung, Fieber Schmerzhaft, überwärmt, scharf begrenzt, Eintrittspforte, Fieber, CRP↑ Labor (CRP, Leukozyten), Klinik
Fixes Arzneimittelexanthem Runde Hautrötung Rezidivierend an gleicher Stelle, zeitlicher Zusammenhang mit Medikamenteneinnahme Medikamentenanamnese
Tinea corporis Ringförmige Läsion Schuppend, juckend, langsam wachsend Hautabstrich, KOH-Präparat
Granuloma anulare Ringförmige Hautveränderung Derb, hautfarben-rötlich, keine Zeckenanamnese Histologie
⚠️ 9 · Komplikationen

Frühkomplikationen (bei Dissemination)

  • Neuroborreliose (Bannwarth-Syndrom) → Radikuläre Schmerzen, Fazialisparese, Meningitis
  • Multiple Erythemata migrantia → Hämatogene Streuung mit multiplen Hautläsionen
  • Lyme-Karditis → AV-Block (I°-III°), selten Myokarditis
  • Borrelien-Lymphozytom → Noduläre Läsion an Ohrläppchen, Mamillen, Skrotum

Spätkomplikationen

  • Lyme-Arthritis → Rezidivierende Mon-/Oligoarthritis, v.a. Kniegelenk
  • Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA) → Chronische Hautatrophie an Extremitäten
  • Chronische Neuroborreliose → Enzephalomyelitis, Polyneuropathie (selten)
  • Residuelle Paresen → Inkomplette Rückbildung nach Fazialisparese
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Fazialisparese Neuroborreliose mit Hirnnervenbefall Lumbalpunktion, Antibiotikatherapie einleiten
Starke radikuläre Schmerzen Bannwarth-Syndrom (Meningoradikulitis) Lumbalpunktion, Liquordiagnostik
AV-Block Lyme-Karditis EKG-Monitoring, ggf. passagerer Schrittmacher
Akute Gelenkschwellung Lyme-Arthritis (DD: septische Arthritis) Gelenkpunktion zum Ausschluss septischer Arthritis
Meningismus Borrelien-Meningitis Lumbalpunktion, stationäre Aufnahme
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Erythema migrans ist eine Blickdiagnose – keine Serologie erforderlich
  2. Doxycyclin 200 mg/d für 10–14 Tage ist Therapie der Wahl
  3. Negative Zeckenstichanamnese schließt Borreliose nicht aus
Frage 1 (Diagnostik): Ein 35-jähriger Patient stellt sich mit einer ringförmigen Hautrötung von 8 cm Durchmesser am Unterschenkel vor. Er berichtet von einem Zeckenstich vor 10 Tagen. Welche diagnostische Maßnahme ist jetzt indiziert?
A) Sofortige Borrelien-Serologie
B) Keine weitere Diagnostik, klinische Diagnose und Therapiebeginn
C) Hautbiopsie mit PCR
D) MRT des Unterschenkels
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Das typische Erythema migrans (>5 cm, zentrifugale Ausbreitung, Zeckenstichanamnese) ist eine Blickdiagnose. Eine Serologie ist nicht erforderlich und kann in der Frühphase noch negativ sein. Die antibiotische Therapie sollte sofort begonnen werden.
Frage 2 (Diagnostik): Bei einem Patienten mit Verdacht auf Neuroborreliose wird eine Lumbalpunktion durchgeführt. Welcher Liquorbefund ist typisch?
A) Granulozytäre Pleozytose mit Eiweißerhöhung
B) Lymphozytäre Pleozytose mit intrathekaler Antikörperproduktion
C) Normaler Liquorbefund
D) Xanthochromie mit Erythrozyten
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die Neuroborreliose zeigt typischerweise eine lymphozytäre Pleozytose und einen erhöhten Borrelien-Antikörper-Index (intrathekale Antikörperproduktion). Eine granulozytäre Pleozytose spräche für eine bakterielle Meningitis.
Frage 3 (Therapie): Eine 32-jährige Patientin in der 16. Schwangerschaftswoche stellt sich mit einem Erythema migrans vor. Welche Therapie ist indiziert?
A) Doxycyclin 200 mg/d für 14 Tage
B) Amoxicillin 3×500-1000 mg/d für 14 Tage
C) Ceftriaxon 2 g/d i.v. für 14 Tage
D) Abwarten, da Erythema migrans spontan abheilt
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Doxycyclin ist in der Schwangerschaft kontraindiziert (Zahnverfärbung, Knochenwachstumsstörung beim Feten). Amoxicillin ist das Mittel der Wahl bei Schwangeren und Kindern unter 8 Jahren. Ein Abwarten ist nicht indiziert, da unbehandelt Spätmanifestationen auftreten können.
Frage 4 (Therapie): Ein Patient mit gesicherter Lyme-Arthritis des Kniegelenks wird antibiotisch behandelt. Wie lange sollte die Therapie mit Doxycyclin erfolgen?
A) 7 Tage
B) 14 Tage
C) 28-30 Tage
D) 3 Monate
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Die Lyme-Arthritis erfordert eine längere Therapiedauer von 28-30 Tagen. Dies ist die einzige Indikation, bei der länger als 2-3 Wochen behandelt werden sollte. Eine noch längere Therapie (3 Monate) ist nicht evidenzbasiert.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein 45-jähriger Mann entwickelt 3 Wochen nach einem Erythema migrans plötzlich eine einseitige Gesichtslähmung. Welche Verdachtsdiagnose und Maßnahme sind richtig?
A) Idiopathische Fazialisparese, Kortikosteroide
B) Schlaganfall, sofortige CT
C) Neuroborreliose, Lumbalpunktion und Antibiotikatherapie
D) Trigeminusneuralgie, Carbamazepin
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Eine Fazialisparese nach vorausgegangenem Erythema migrans ist hochverdächtig auf eine Neuroborreliose. Eine Lumbalpunktion zur Bestätigung und der Beginn einer antibiotischen Therapie sind indiziert. Die Fazialisparese ist die häufigste Hirnnervenbeteiligung bei Neuroborreliose.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Ein Patient mit bekannter Lyme-Borreliose klagt über Herzstolpern. Das EKG zeigt einen AV-Block II° Typ Mobitz. Was ist die wichtigste Maßnahme?
A) Ambulante Therapie mit oralem Doxycyclin
B) Stationäre Aufnahme mit EKG-Monitoring und ggf. passagerem Schrittmacher
C) Implantation eines permanenten Schrittmachers
D) Abwartende Haltung, da sich der AV-Block spontan zurückbildet
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die Lyme-Karditis mit höhergradigem AV-Block erfordert eine stationäre Überwachung mit EKG-Monitoring. Bei höhergradigen Blockierungen kann ein passagerer Schrittmacher notwendig sein. Unter antibiotischer Therapie bildet sich der AV-Block meist zurück, ein permanenter Schrittmacher ist selten erforderlich.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welches klinische Merkmal unterscheidet ein Erysipel am ehesten von einem Erythema migrans?
A) Lokalisation an der unteren Extremität
B) Schmerzhaftigkeit, Überwärmung und Fieber
C) Rötung der Haut
D) Auftreten nach Hautverletzung
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Das Erysipel ist typischerweise schmerzhaft, überwärmt und von Fieber begleitet. Das Erythema migrans ist dagegen schmerzlos, nicht überwärmt und verursacht kein oder nur leichtes Fieber. Beide können an der unteren Extremität auftreten und nach einer Eintrittspforte entstehen.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Bei einem Patienten mit Mon-/Oligoarthritis des Kniegelenks ist eine Lyme-Arthritis zu erwägen. Welche weitere Erkrankung muss dringend ausgeschlossen werden?
A) Rheumatoide Arthritis
B) Gicht
C) Septische Arthritis
D) Psoriasis-Arthritis
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Die septische Arthritis ist ein Notfall und muss bei jeder akuten Monoarthritis dringend ausgeschlossen werden. Eine Gelenkpunktion mit Synoviaanalyse (Zellzahl, Gramfärbung, Kultur) ist erforderlich. Die septische Arthritis erfordert eine sofortige antibiotische Therapie und oft eine chirurgische Drainage.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Erythema migrans "Das ist eine Wanderröte – eine ringförmige Hautrötung, die sich von der Zeckenstichstelle ausbreitet."
Borrelia burgdorferi "Das ist das Bakterium, das die Borreliose verursacht und durch Zecken übertragen wird."
Neuroborreliose "Das bedeutet, dass die Borrelien das Nervensystem befallen haben. Das kann zu Gesichtslähmung oder Nervenschmerzen führen."
Lyme-Arthritis "Das ist eine Gelenkentzündung durch die Borrelien, meist am Knie."
Stufenserologie "Das ist ein zweistufiger Bluttest: Erst ein Suchtest, dann bei positivem Ergebnis ein Bestätigungstest."
Acrodermatitis chronica atrophicans "Das ist eine Spätform der Borreliose an der Haut, bei der die Haut dünn und bläulich wird."

Zusammenfassung

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa. Das Erythema migrans als Leitsymptom ist eine Blickdiagnose und erfordert keine Serologie. Die antibiotische Therapie mit Doxycyclin (oder Amoxicillin bei Kindern/Schwangeren) für 10–14 Tage führt in über 95% der Fälle zur vollständigen Ausheilung. Bei Spätmanifestationen wie Neuroborreliose oder Lyme-Arthritis ist die Stufenserologie diagnosesichernd.

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.