Definition
Das Polytrauma ist definiert als gleichzeitig entstandene Verletzungen mehrerer Körperregionen, wobei mindestens eine Verletzung oder die Kombination der Verletzungen lebensbedrohlich ist. Quantitativ wird ein Injury Severity Score (ISS) ≥ 16 als Polytrauma gewertet. Die Berlin-Definition fordert zusätzlich AIS ≥ 3 in mindestens zwei Körperregionen plus ein physiologisches Kriterium (Hypotension, GCS ≤ 8, Azidose, Koagulopathie).
Pathophysiologie
Die Verletzungsschwere führt zu einer systemischen Entzündungsreaktion (SIRS), traumainduzierter Koagulopathie (TIK) und hämorrhagischem Schock. Die „letale Trias" aus Hypothermie, Azidose und Koagulopathie ist lebensbedrohlich und muss durchbrochen werden. Sekundäre Organschäden entstehen durch Hypoperfusion (Niere, Leber) und Mediatorfreisetzung (ARDS, MOV).
Epidemiologie
| Inzidenz | ca. 35.000 Schwerverletzte/Jahr in Deutschland |
| Typisches Alter | Häufigste Todesursache bei < 45-Jährigen |
| Geschlecht | m:w = 3:1 |
| Hauptursachen | Verkehrsunfälle (55 %), Stürze > 3 m (20 %) |
Risikofaktoren
- Hochrasanztrauma (ΔV > 30 km/h)
- Sturz aus > 3 m Höhe
- Einklemmung > 20 min
- Ejektion aus Fahrzeug
- Alter > 60 Jahre
- Antikoagulation
- Vorerkrankungen (KHK, COPD)
- Alkohol-/Drogenintoxikation
