Polytrauma – FSP-Fall

Orthopädie & Chirurgie Häufig Notfall Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

Polytrauma-Fall für FSP: ISS ≥16, ATLS-Protokoll, Damage Control Surgery, Schockraummanagement nach S3-Leitlinie.

0 · Auf einen Blick

  • Definition: Verletzungen mehrerer Körperregionen mit ISS ≥ 16 (mind. AIS ≥ 3 in zwei Regionen)
  • Diagnostischer Standard: Ganzkörper-CT (Schockraumspirale) + eFAST
  • Erste Maßnahme: ABCDE nach ATLS, „Stop the Bleed", Schockraumalarmierung
  • Wichtigste Kontraindikation: Hypotone Volumentherapie bei SHT vermeiden
  • Prognose: Letalität 15–20 %, abhängig von ISS und SHT

1 · Leitfall

Schockraum – Überregionales Traumazentrum J., m Motorradunfall, Mehrfachverletzung
„Der Rettungsdienst meldet einen 34-jährigen Motorradfahrer nach Kollision mit PKW. Patient vor Ort intubiert, Beckenschlinge angelegt. GCS 7, RR 85/50 mmHg, HF 125/min. Verdacht auf SHT, Thoraxtrauma, instabile Beckenfraktur."
2 · Krankheitsbild

Definition

Das Polytrauma ist definiert als gleichzeitig entstandene Verletzungen mehrerer Körperregionen, wobei mindestens eine Verletzung oder die Kombination der Verletzungen lebensbedrohlich ist. Quantitativ wird ein Injury Severity Score (ISS) ≥ 16 als Polytrauma gewertet. Die Berlin-Definition fordert zusätzlich AIS ≥ 3 in mindestens zwei Körperregionen plus ein physiologisches Kriterium (Hypotension, GCS ≤ 8, Azidose, Koagulopathie).

Pathophysiologie

Die Verletzungsschwere führt zu einer systemischen Entzündungsreaktion (SIRS), traumainduzierter Koagulopathie (TIK) und hämorrhagischem Schock. Die „letale Trias" aus Hypothermie, Azidose und Koagulopathie ist lebensbedrohlich und muss durchbrochen werden. Sekundäre Organschäden entstehen durch Hypoperfusion (Niere, Leber) und Mediatorfreisetzung (ARDS, MOV).

Epidemiologie

Inzidenz ca. 35.000 Schwerverletzte/Jahr in Deutschland
Typisches Alter Häufigste Todesursache bei < 45-Jährigen
Geschlecht m:w = 3:1
Hauptursachen Verkehrsunfälle (55 %), Stürze > 3 m (20 %)

Risikofaktoren

Unfallmechanismus:
  • Hochrasanztrauma (ΔV > 30 km/h)
  • Sturz aus > 3 m Höhe
  • Einklemmung > 20 min
  • Ejektion aus Fahrzeug
Patientenfaktoren:
  • Alter > 60 Jahre
  • Antikoagulation
  • Vorerkrankungen (KHK, COPD)
  • Alkohol-/Drogenintoxikation
3 · Anamnese

Gezielte Fragen (SAMPLE + MIST)

Bereich Frage Warum wichtig
M – Mechanismus Was ist genau passiert? (Unfallhergang) Vorhersage des Verletzungsmusters
I – Injuries Welche Verletzungen sind bekannt? Priorisierung der Diagnostik
S – Signs Vitalzeichen vor Ort? GCS-Verlauf? Einschätzung der Dynamik
T – Treatment Was wurde präklinisch gemacht? Vermeidung von Doppelmaßnahmen
A – Allergien Bekannte Allergien? KM-Gabe, Antibiotika
M – Medikamente Antikoagulation? Insulin? Blutungsrisiko, Stoffwechsel

Beispieldialog (Schockraum-Übergabe)

Schockraumleiter:

Guten Tag, ich bin , Schockraumleiter. Bitte kurze Übergabe nach MIST.

Notarzt:

34-jähriger Motorradfahrer, Kollision mit PKW bei ca. 60 km/h. Helm getragen, aber Bewusstlosigkeit am Unfallort. Intubation wegen GCS 7. Thorax instabil rechts, Beckenschlinge angelegt. RR initial 70 systolisch, jetzt 85 nach 1 L Kristalloid.

Schockraumleiter:

Verstanden. Gibt es Informationen zu Vorerkrankungen oder Medikamenten?

Notarzt:

Keine Informationen verfügbar, Ausweis dabei: Herr , Jahre.

Prüfungsfokus

  • MIST-Schema für Trauma-Übergabe kennen
  • Antikoagulation aktiv erfragen (Blutungsmanagement!)
  • GCS-Verlauf dokumentieren (Sekundärverschlechterung = SHT!)
4 · Befund

Primary Survey (ABCDE)

ABCDE Untersuchung Pathologischer Befund
A – Airway Atemweg frei? Stridor? Schwellung? Tubus in situ, Tubuslage verifiziert
B – Breathing Atemfrequenz, SpO₂, Auskultation, Perkussion AF 22/min, SpO₂ 92 %, rechts abgeschwächt → V.a. Hämatopneumothorax
C – Circulation RR, HF, Rekapillarisierung, eFAST RR 85/50, HF 125, eFAST: freie Flüssigkeit perihepatisch
D – Disability GCS, Pupillen, Blutzucker GCS 7 (E1V2M4), Pupillen seitengleich, BZ 145 mg/dl
E – Exposure Vollständige Entkleidung, Temperatur Prellmarken Thorax re., Becken instabil, Temp. 35,2 °C

Labor (Schockraum-Labor)

Parameter Veränderung Bedeutung
Hämoglobin ↓ 8,2 g/dl Akuter Blutverlust (Initialwert täuscht!)
Laktat ↑ 5,8 mmol/l Gewebshypoxie, Schock
Base Excess ↓ -8 mmol/l Metabolische Azidose
INR / PTT ↑ 1,6 / 45 s Traumainduzierte Koagulopathie (TIK)
Fibrinogen ↓ 1,2 g/l Gerinnungsfaktormangel, Substitution nötig
Blutgruppe A Rh+ Für Massivtransfusion

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
eFAST Freie Flüssigkeit abdominell/pelvin, Pneumothorax Sofort im Primary Survey (C)
Ganzkörper-CT SHT, Hämatopneumothorax, Milzruptur, Beckenfraktur Typ C Nach Stabilisierung, < 30 min nach Aufnahme
Rö-Thorax Rippenserienfraktur, Verschattung Nur wenn CT nicht sofort verfügbar
Rö-Becken Open-book-Fraktur Nur wenn CT nicht sofort verfügbar

Goldstandard

Ganzkörper-CT (Schockraumspirale) – cCT nativ, dann KM-CT Hals bis Oberschenkelmitte. Zeitfenster: < 30 min nach Aufnahme laut S3-Leitlinie.

5 · Therapie

Akutmaßnahmen (Schockraum)

  1. A: Atemwegsicherung (Intubation bei GCS ≤ 8)
  2. B: Thoraxdrainage bei Spannungspneumothorax
  3. C: „Stop the Bleed" – Kompression, Tourniquet, Beckenschlinge
  4. C: Zwei großlumige Zugänge (≥ 16 G), Volumentherapie
  5. D: Hirndrucktherapie bei V.a. SHT (Oberkörper 30°, kein Hypotonus!)
  6. E: Wärmeerhalt (Bair Hugger, warme Infusionen)

Pharmakotherapie

Substanz Dosierung Indikation Cave
Tranexamsäure 1 g i.v. über 10 min, dann 1 g über 8 h Innerhalb 3 h nach Trauma Nach 3 h keine Gabe mehr
Fibrinogen Zielwert ≥ 1,5–2 g/l TIK, Fibrinogen < 1,5 g/l Laborkontrolle
Calcium Zielwert Ca²⁺ > 1,0 mmol/l Bei Massivtransfusion Zitratbindung durch EKs
EK : FFP : TK Verhältnis 1:1:1 (Massivtransfusion) Blutverlust > 1,5 l TRALI, Hypothermie
Noradrenalin leitliniengerecht titrieren Persistierende Hypotonie Erst nach Volumengabe

Damage Control Surgery (DCS)

  • Damage Control Resuscitation: Permissive Hypotension (MAP 50–65, nicht bei SHT!), Wärmeerhalt, Koagulopathie-Korrektur
  • Damage Control Surgery: Kürzestmögliche OP zur Blutungskontrolle (Packing, Gefäßligatur), keine definitive Versorgung
  • ICU-Stabilisierung: Korrektur von Azidose, Hypothermie, Koagulopathie
  • Definitive OP: Nach Stabilisierung (24–72 h), z. B. Osteosynthese

Interventionell / Chirurgisch

  • Notfall-Laparotomie: Hämodynamische Instabilität + eFAST positiv
  • Thorakotomie: Initiale Drainage > 1500 ml oder > 200 ml/h
  • Angioembolisation: Beckenfraktur mit arterieller Blutung, Milz-/Leberblutung
  • Beckenzwinge/Fixateur externe: Instabile Beckenfraktur Typ C
  • Kraniotomie: Epiduralhämatom > 30 ml, Mittellinienverlagerung > 5 mm

Therapie der 1. Wahl

Damage Control Surgery: Schnelle Blutungskontrolle vor definitiver Versorgung. „Fix and Run" statt „Stay and Play".

6 · Arztbrief

Überregionales Traumazentrum Musterstadt
Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie
Musterstraße 1, 12345 Musterstadt

Verlegungsbrief

Patient: , geb. 15.03.1991, Jahre
Aufnahme: 04.01.2026, 14:32 Uhr
Verlegung auf ICU: 04.01.2026, 18:45 Uhr

Diagnosen

  1. Polytrauma nach Motorradunfall, ISS 34 (ICD: T07)
  2. Schädel-Hirn-Trauma II°, epidurale Kontusion frontal rechts (S06.2)
  3. Rippenserienfraktur rechts (4.–8. Rippe) mit Hämatopneumothorax (S22.4, S27.2)
  4. Milzruptur Grad III nach AAST (S36.0)
  5. Instabile Beckenfraktur Typ C nach AO (S32.5)
  6. Traumainduzierte Koagulopathie (D68.9)

Anamnese

Der -jährige Patient sei laut Rettungsdienst als Motorradfahrer mit einem PKW kollidiert. Er habe initial das Bewusstsein verloren. Vorerkrankungen seien nicht bekannt. Eine Dauermedikation bestehe nicht. Der Patient sei Nichtraucher und trinke nur gelegentlich Alkohol.

Befund bei Aufnahme (Schockraum)

Intubierter, beatmeter Patient. GCS 7 (E1V2M4). RR 85/50 mmHg, HF 125/min, SpO₂ 92 % unter FiO₂ 1,0. Pupillen isokor, mittelweit, verzögert lichtreagibel. Thorax rechts instabil, Krepitation. Abdomen diffus druckschmerzhaft, Abwehrspannung. Becken instabil in lateraler Kompression.

Diagnostik

  • Labor: Hb 8,2 g/dl, Laktat 5,8 mmol/l, BE -8, INR 1,6, Fibrinogen 1,2 g/l
  • eFAST: Freie Flüssigkeit perihepatisch und perilienisch, Pneumothorax rechts
  • Ganzkörper-CT: Epidurale Kontusion frontal re., Hämatopneumothorax re., Milzruptur III°, Beckenfraktur Typ C

Therapie und Verlauf

Sofortige Thoraxdrainage rechts (Entlastung 800 ml Blut). Massivtransfusionsprotokoll mit 6 EK, 6 FFP, 2 TK sowie Fibrinogensubstitution und Tranexamsäure. Notfall-Laparotomie mit Milz-Packing (Damage Control), anschließend Beckenstabilisierung mittels Fixateur externe. Nach Stabilisierung Verlegung auf ICU. Intraoperativer Blutverlust ca. 3500 ml.

Empfehlung

  • ICU-Monitoring mit engmaschiger Gerinnungskontrolle
  • Second-Look-Laparotomie in 24–48 h geplant
  • cCT-Kontrolle bei neurologischer Verschlechterung
  • Thromboseprophylaxe nach Gerinnungsstabilisierung

Konjunktiv I beachten!

  • sei, habe, bestehe, trinke (indirekte Rede in Anamnese)
  • Nur Angaben des Patienten/Rettungsdienstes = Konjunktiv I
  • Eigene Befunde = Indikativ
🩺️ 7 · Übergabe

SBAR-Schema (Verlegung auf ICU)

S
Situation:

Ich übergebe Ihnen Herrn , Jahre, mit Polytrauma nach Motorradunfall, ISS 34. Postoperativ nach Damage-Control-Laparotomie und Beckenstabilisierung.

B
Background:

Keine relevanten Vorerkrankungen bekannt. Verletzungen: SHT II° mit epiduraler Kontusion, Hämatopneumothorax rechts (drainiert), Milzruptur III° (Packing in situ), Beckenfraktur Typ C (Fixateur externe).

A
Assessment:

Aktuell beatmet, sediert, hämodynamisch auf Noradrenalin stabilisiert. Letzter RR 110/70, HF 95. Gerinnungswerte stabilisiert nach Massivtransfusion (6 EK, 6 FFP, 2 TK, Fibrinogen, TXA). Thoraxdrainage fördert wenig. Temperatur 36,2 °C.

R
Recommendation:

Second-Look-OP in 24–48 h geplant. Bei neurologischer Verschlechterung sofort cCT. Gerinnungskontrolle alle 4 h. Bei erneuter Blutung sofortige Rücksprache mit diensthabendem Unfallchirurgen.

8 · Differentialdiagnosen
DD Unterscheidungsmerkmal Ausschluss
Isoliertes SHT Nur neurologische Symptome, kein Schock Ganzkörper-CT
Isoliertes Thoraxtrauma Keine abdominellen/pelvinen Verletzungen eFAST, CT
Kardiogener Schock Myokardkontusion, Perikardtamponade eFAST Perikard, Troponin, EKG
Spinaler Schock Bradykardie + Hypotonie, warme Extremitäten CT-Wirbelsäule, neurologische Untersuchung
Intoxikation Bewusstseinsminderung ohne adäquates Trauma Toxikologie, Alkoholspiegel
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen (Schockraumphase)

  • Hämorrhagischer Schock → Massivtransfusion, DCS
  • Letale Trias (Hypothermie, Azidose, Koagulopathie) → Durchbrechen durch Damage Control
  • Spannungspneumothorax → Sofortige Entlastung
  • Perikardtamponade → Perikardpunktion, Thorakotomie
  • Hirnödem / Einklemmung → Hirndrucktherapie, Kraniotomie

Frühe Komplikationen (ICU-Phase)

  • ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome) → Lungenprotektive Beatmung
  • Sepsis / MODS → Fokussuche, Antibiotika
  • Abdominelles Kompartmentsyndrom → Dekompression
  • Rhabdomyolyse / akutes Nierenversagen → Dialyse

Spätkomplikationen

  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
  • Chronische Schmerzsyndrome
  • Thromboembolien (TVT, LAE)
  • Heterotope Ossifikation
  • Posttraumatische Arthrose
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
RR < 90 mmHg systolisch Hämorrhagischer Schock Volumen, Blutung stoppen, OP/Intervention
GCS-Abfall ≥ 2 Punkte Sekundäre Hirnschädigung Sofort cCT, ggf. Kraniotomie
Anisokorie Einklemmung bei epiduralem Hämatom Mannitol, Neurochirurgie, Notfall-CT
Gestaute Halsvenen + Hypotonie Perikardtamponade Perikardpunktion, Thorakotomie
Einseitig fehlendes Atemgeräusch Spannungspneumothorax Sofortige Nadeldekompression, Thoraxdrainage
Laktat > 4 + BE < -6 Manifeste Azidose, unzureichende Perfusion Blutungsquelle finden, Volumen, ggf. Bicarbonat
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Polytrauma = ISS ≥ 16, mind. 2 Körperregionen mit lebensbedrohlicher Verletzung
  2. ABCDE nach ATLS, „Treat first what kills first"
  3. Damage Control Surgery bei instabilen Patienten
Frage 1 (Diagnostik): Welche Bildgebung ist der Goldstandard in der Schockraumdiagnostik beim Polytrauma?
A) Röntgen-Thorax und Becken
B) Ganzkörper-CT (Schockraumspirale)
C) MRT des gesamten Körpers
D) Abdomensonographie allein
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die Ganzkörper-CT ist laut S3-Leitlinie der Goldstandard und soll innerhalb von 30 min nach Aufnahme erfolgen. Röntgen nur, wenn CT nicht verfügbar.
Frage 2 (Diagnostik): Ab welchem ISS-Wert spricht man von einem Polytrauma?
A) ISS ≥ 9
B) ISS ≥ 12
C) ISS ≥ 16
D) ISS ≥ 25
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Ein Polytrauma ist definiert als ISS ≥ 16. Die Berlin-Definition fordert zusätzlich AIS ≥ 3 in mindestens zwei Körperregionen plus ein physiologisches Kriterium.
Frage 3 (Therapie): Innerhalb welches Zeitfensters sollte Tranexamsäure beim Polytrauma verabreicht werden?
A) Innerhalb 1 Stunde
B) Innerhalb 3 Stunden
C) Innerhalb 6 Stunden
D) Innerhalb 12 Stunden
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Tranexamsäure soll innerhalb von 3 Stunden nach Trauma gegeben werden. Nach diesem Zeitfenster ist die Gabe nicht mehr empfohlen (CRASH-2-Studie).
Frage 4 (Therapie): Welches Verhältnis von Blutprodukten wird bei der Massivtransfusion empfohlen?
A) EK : FFP : TK = 3:1:1
B) EK : FFP : TK = 1:1:1
C) EK : FFP : TK = 2:1:1
D) EK : FFP : TK = 1:2:1
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei der Massivtransfusion wird ein Verhältnis von 1:1:1 (Erythrozytenkonzentrate : Fresh Frozen Plasma : Thrombozytenkonzentrate) empfohlen.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein polytraumatisierter Patient zeigt plötzlich Anisokorie mit weiter, lichtstarre Pupille rechts. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?
A) Hypoglykämie
B) Spinaler Schock
C) Epiduralhämatom mit Einklemmung
D) Perikardtamponade
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Eine einseitige Mydriasis beim SHT-Patienten spricht für eine transtentorielle Herniation, oft durch ein raumforderndes Epiduralhämatom. Sofortige cCT und ggf. Notfall-Kraniotomie erforderlich.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Was ist die Sofortmaßnahme bei Spannungspneumothorax im Schockraum?
A) Erst CT zur Bestätigung
B) Thorakotomie
C) Nadeldekompression, dann Thoraxdrainage
D) Abwarten und Sauerstoffgabe
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Der Spannungspneumothorax ist eine klinische Diagnose und erfordert sofortige Entlastung durch Nadeldekompression (2. ICR MCL) oder direkte Thoraxdrainage ohne vorherige CT-Bestätigung.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Ein Patient nach Trauma zeigt Hypotonie und Bradykardie mit warmen Extremitäten. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?
A) Hämorrhagischer Schock
B) Spinaler Schock
C) Kardiogener Schock
D) Septischer Schock
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Der neurogene/spinale Schock zeigt typischerweise Hypotonie + Bradykardie (durch Sympathikusausfall) sowie warme, trockene Extremitäten. Der hämorrhagische Schock hätte Tachykardie und kalte Extremitäten.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Welche Untersuchung hilft am schnellsten, eine Perikardtamponade beim Polytrauma auszuschließen?
A) CT-Thorax mit Kontrastmittel
B) EKG
C) eFAST (Perikardblick)
D) Röntgen-Thorax
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Richtig: C
Die eFAST-Untersuchung (Extended Focused Assessment with Sonography for Trauma) zeigt innerhalb von Sekunden einen Perikarderguss und ist Teil des Primary Survey bei jedem Polytrauma.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Polytrauma "Mehrfachverletzung – mehrere Körperstellen sind schwer verletzt"
ISS (Injury Severity Score) "Ein Punktwert, der zeigt, wie schwer die Verletzungen insgesamt sind"
Schockraum "Spezieller Notfallraum für Schwerverletzte mit allen Geräten und Spezialisten"
Damage Control Surgery "Schnelle Not-OP, um Blutungen zu stoppen, bevor der Körper stabilisiert wird"
eFAST "Ultraschall-Schnelluntersuchung, um Blutungen und Luft im Brustkorb zu finden"
Traumainduzierte Koagulopathie "Durch die schweren Verletzungen gerinnt das Blut nicht mehr richtig"
Massivtransfusion "Schnelle Gabe von sehr viel Blut und Blutbestandteilen"
Letale Trias "Drei gefährliche Zustände: Unterkühlung, Übersäuerung, Gerinnungsstörung"

Zusammenfassung

Das Polytrauma ist ein lebensbedrohlicher Notfall mit Mehrfachverletzungen (ISS ≥ 16). Die Versorgung erfolgt nach dem ATLS-Konzept im Schockraum eines Traumazentrums. Entscheidend sind die schnelle Blutungskontrolle („Stop the Bleed"), die Ganzkörper-CT-Diagnostik und bei instabilen Patienten die Damage Control Surgery. Die „letale Trias" aus Hypothermie, Azidose und Koagulopathie muss aktiv durchbrochen werden.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.