Schädel-Hirn-Trauma (SHT) – FSP-Fall

Neurologie Häufig Notfall Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zum Schädel-Hirn-Trauma: GCS-Einteilung, cCT-Diagnostik, Hirndrucktherapie und Red Flags bei Kopfverletzungen.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Bewusstseinsstörung nach Kopftrauma
  • Diagnostischer Standard: cCT (kraniale Computertomographie)
  • Erste Maßnahme: GCS-Erhebung, Vitalparameter sichern, HWS-Immobilisation
  • Wichtigste Kontraindikation: Keine Antikoagulation bei V.a. intrakranielle Blutung
  • Prognose: Abhängig vom Schweregrad – leichtes SHT meist vollständige Remission

1 · Leitfall

Notaufnahme J., m Sturz mit Kopfanprall
"Ich bin vom Fahrrad gestürzt und mit dem Kopf aufgeschlagen. Danach war mir kurz schwarz vor Augen. Jetzt habe ich starke Kopfschmerzen und mir ist übel."
2 · Krankheitsbild

Definition

Das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist eine durch äußere Gewalteinwirkung verursachte Verletzung des Schädels mit konsekutiver Funktionsstörung und/oder struktureller Schädigung des Gehirns. Die Einteilung erfolgt mittels Glasgow Coma Scale (GCS) in leichtes (GCS 13-15), mittelschweres (GCS 9-12) und schweres SHT (GCS 3-8).

Pathophysiologie

Primäre Hirnschädigung durch direkte Gewalteinwirkung (Kontusion, Lazeration, diffuse axonale Schädigung). Sekundäre Hirnschädigung durch Hypoxie, Hypotension, intrakranielle Druckerhöhung, Hirnödem oder Blutungen (epidural, subdural, intrazerebral). Coup-Contrecoup-Mechanismus bei Dezelerationstraumen.

Epidemiologie

Inzidenz 332/100.000 Einwohner/Jahr in Deutschland
Typisches Alter Biphasisch: junge Erwachsene (15-30 J.) und Ältere (>65 J.)
Geschlecht m:w = 2:1
Häufigste Ursache Stürze (>50%), Verkehrsunfälle, Sportunfälle

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Hohes Alter (Sturzneigung, Hirnatrophie)
  • Männliches Geschlecht
  • Vorbestehende Hirnerkrankungen
Modifizierbar:
  • Antikoagulation/Thrombozytenaggregationshemmer
  • Alkoholkonsum
  • Fehlende Schutzausrüstung (Helm)
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Unfallhergang Wie ist der Unfall passiert? Wie sind Sie gestürzt? Mechanismus bestimmt Verletzungsmuster
Bewusstlosigkeit Waren Sie bewusstlos? Wie lange? Dauer bestimmt Schweregrad
Amnesie Können Sie sich an den Unfall erinnern? Was ist danach passiert? Retro-/anterograde Amnesie = Hirnbeteiligung
Symptome Haben Sie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel? Typische SHT-Symptome, Hinweis auf Hirndruck
Medikamente Nehmen Sie Blutverdünner wie ASS, Marcumar oder Eliquis? Erhöhtes Blutungsrisiko, niedrigere OP-Schwelle
Vorerkrankungen Haben Sie Erkrankungen wie Epilepsie oder hatten Sie schon mal ein SHT? Anfälle als Ursache? Vorschädigung?

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin . Was ist passiert?

Patient:

Ich bin mit dem Fahrrad gestürzt und auf den Kopf gefallen. Ich hatte keinen Helm auf.

Arzt:

Waren Sie danach bewusstlos oder ist Ihnen schwarz vor Augen geworden?

Patient:

Ja, ich glaube für ein paar Sekunden. Als ich wieder zu mir kam, war ein Passant bei mir.

Arzt:

Können Sie sich an den Sturz selbst erinnern? Und an das, was danach passiert ist?

Patient:

An den Sturz selbst nicht richtig. Ich weiß noch, dass ich losgefahren bin, und dann lag ich plötzlich am Boden.

Arzt:

Haben Sie jetzt Kopfschmerzen, Übelkeit oder müssen Sie erbrechen?

Patient:

Ja, starke Kopfschmerzen und mir ist übel. Einmal habe ich auch erbrochen.

Arzt:

Nehmen Sie blutverdünnende Medikamente ein?

Patient:

Nein, keine Blutverdünner.

Prüfungsfokus

  • Immer nach Bewusstlosigkeit und deren Dauer fragen
  • Amnesie (retrograd/anterograd) dokumentieren
  • Antikoagulation unbedingt erfragen – senkt Schwelle für cCT
4 · Befund

Glasgow Coma Scale (GCS)

Reaktion Punkte Beschreibung
Augenöffnen 4-3-2-1 Spontan (4), auf Ansprache (3), auf Schmerz (2), keine (1)
Verbale Reaktion 5-4-3-2-1 Orientiert (5), verwirrt (4), inadäquat (3), unverständlich (2), keine (1)
Motorische Reaktion 6-5-4-3-2-1 Befolgt Aufforderungen (6), gezielte Abwehr (5), ungezielte Abwehr (4), Beugesynergismen (3), Strecksynergismen (2), keine (1)

Schweregrad-Einteilung nach GCS

Leichtes SHT 13-15 Punkte Commotio cerebri (Gehirnerschütterung)
Mittelschweres SHT 9-12 Punkte Contusio cerebri (Gehirnprellung)
Schweres SHT 3-8 Punkte Compressio cerebri (Gehirnquetschung)

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Inspektion Kopf Prellmarken, Platzwunden, Hämatome, Liquorfluss aus Nase/Ohr (Rhinoliquorrhoe/Otoliquorrhoe)
Palpation Schädel Stufenbildung, Krepitation bei Fraktur, Schwellung
Pupillenreaktion Seitengleich? Lichtreagibel? Anisokorie = Red Flag!
Neurologischer Status Motorik, Sensibilität, Reflexe, Hirnnerven, Koordination
Meningismus Nackensteifigkeit bei SAB oder Meningitis

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Gerinnung (Quick, INR, PTT) Ggf. verändert Blutungsrisiko bei Antikoagulation
Blutbild Hb ggf. ↓ Blutverlust bei Begleitverletzungen
Blutalkohol Ggf. ↑ Beurteilung der Vigilanz erschwert
S100B-Protein Marker für Hirnschädigung, hoher NPV

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
cCT (nativ) Frakturen, Blutungen (epidural/subdural/intrazerebral), Kontusionen, Hirnödem Goldstandard bei V.a. SHT – sofort!
cMRT Diffuse axonale Schädigung, kleine Kontusionen Im Verlauf bei unklaren Befunden, klinischer Diskrepanz
CT-Angiographie Gefäßdissektionen, traumatische Aneurysmen Bei V.a. Gefäßverletzung

Goldstandard

cCT (kraniale Computertomographie) ohne Kontrastmittel – schnell, sensitiv für Blutungen und Frakturen.

5 · Therapie

Präklinische Versorgung

cABCDE-Schema Critical bleeding → Airway → Breathing → Circulation → Disability → Exposure
Atemwegssicherung Bei GCS ≤8: Intubation erwägen (RSI)
HWS-Immobilisation Immer bei bewusstlosen Patienten und Hochrasanztrauma
Oxygenierung SpO₂ >94% anstreben, Hypoxie vermeiden
Blutdruckmanagement RR syst. >90 mmHg, Hypotension vermeiden (sekundärer Hirnschaden)

Therapie nach Schweregrad

Schweregrad Maßnahmen
Leichtes SHT (GCS 13-15) Klinische Überwachung 24h, cCT bei Risikofaktoren, Analgesie, Aufklärung über Warnzeichen, ggf. ambulante Nachsorge
Mittelschweres SHT (GCS 9-12) Stationäre Überwachung, cCT obligat, engmaschige neurologische Kontrollen, ggf. Intensivüberwachung
Schweres SHT (GCS 3-8) Intensivstation, Intubation und Beatmung, ICP-Monitoring, CPP-Optimierung, ggf. neurochirurgische Intervention

Hirndrucktherapie

Oberkörperhochlagerung 30° zur Verbesserung des venösen Abflusses
Osmotherapie Mannitol oder hypertone Kochsalzlösung (leitliniengerecht)
Sedierung Reduktion des zerebralen Metabolismus
Ziel-ICP <20-25 mmHg
Ziel-CPP ≥60 mmHg (CPP = MAP - ICP)

Operative Therapie

Indikation Verfahren
Epiduralhämatom Kraniotomie, Hämatomausräumung – zeitkritisch!
Subduralhämatom (akut, raumfordernd) Kraniotomie, Hämatomausräumung
Impressionsfraktur Operative Hebung bei Duraeinriss oder Impression >Kalottendicke
Therapierefraktärer Hirndruck Dekompressive Kraniektomie

Prüfungsfokus

  • GCS ≤8 = Intubationsindikation
  • Hypoxie und Hypotension unbedingt vermeiden (sekundärer Hirnschaden!)
  • Epiduralhämatom = zeitkritischer Notfall ("talk and die")
6 · Arztbrief

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

wir berichten über unseren gemeinsamen Patienten , Jahre alt, der sich am [Datum] in unserer Notaufnahme vorstellte.

Anamnese:

Der Patient sei vom Fahrrad gestürzt und mit dem Kopf aufgeschlagen. Er habe kurzzeitig das Bewusstsein verloren. Seit dem Unfall leide er unter starken Kopfschmerzen und Übelkeit. Er habe einmalig erbrochen. An den Unfallhergang selbst könne er sich nicht erinnern (retrograde Amnesie). Er nehme keine blutverdünnenden Medikamente ein.

Befund bei Aufnahme:

Wacher Patient, zu Person, Ort und Zeit orientiert. GCS 14 Punkte (Augen 4, verbal 4, motorisch 6). Prellmarke und Hämatom frontotemporal links. Pupillen isokor, lichtreagibel. Keine fokal-neurologischen Defizite. Übriger neurologischer Status unauffällig. Vitalzeichen stabil.

Diagnostik:

cCT: Kleine frontale Kontusion links, kein raumforderndes Hämatom, keine Fraktur. Labor: Gerinnung normwertig.

Therapie und Verlauf:

Bei Zustand nach leichtem bis mittelschwerem SHT mit CT-morphologischem Korrelat erfolgte die stationäre Überwachung. Unter symptomatischer Therapie mit Analgesie seien die Beschwerden rückläufig gewesen. Neurologische Kontrollen seien unauffällig geblieben.

Entlassungsmedikation:

Paracetamol bei Bedarf.

Procedere:

Körperliche und geistige Schonung für 1-2 Wochen. Wiedervorstellung bei Verschlechterung (Zunahme Kopfschmerzen, Erbrechen, Bewusstseinsstörung, Sehstörungen, Krampfanfall). Neurologische Kontrolluntersuchung in 4-6 Wochen empfohlen.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen,

Konjunktiv I im Arztbrief

  • "Der Patient sei gestürzt..." (nicht: ist gestürzt)
  • "Er habe Kopfschmerzen..." (nicht: hat)
  • "Er leide unter..." (nicht: leidet)
  • "Die Beschwerden seien rückläufig gewesen"
7 · SBAR-Übergabe

S – Situation

Hier ist aus der Notaufnahme. Ich rufe an wegen Herrn , Jahre alt, mit V.a. Schädel-Hirn-Trauma nach Fahrradsturz.

B – Background

Der Patient ist vor ca. 2 Stunden vom Fahrrad gestürzt, mit Kopfanprall. Kurze Bewusstlosigkeit vor Ort. Retrograde Amnesie. Keine Vorerkrankungen, keine Antikoagulation.

A – Assessment

Aktuell GCS 14 (verbale Antwort verzögert). Prellmarke frontotemporal links. Kopfschmerzen und Übelkeit. Pupillen isokor, lichtreagibel. Keine fokal-neurologischen Defizite. cCT zeigt kleine frontale Kontusion links ohne Raumforderung.

R – Recommendation

Ich bitte um stationäre Aufnahme zur Überwachung bei leichtem bis mittelschwerem SHT mit CT-morphologischem Befund. Engmaschige GCS-Kontrollen notwendig. Bei Vigilanzverschlechterung Kontroll-CT.

8 · Differentialdiagnosen
Diagnose Unterschied zum SHT Ausschluss durch
Epiduralhämatom "Talk and die" – freies Intervall, dann rasche Verschlechterung, bikonvexe Form im CT cCT (typische bikonvexe Blutung)
Subduralhämatom (akut) Sichelförmige Blutung, oft bei älteren Patienten oder Antikoagulierten cCT (konkave, sichelförmige Blutung)
Subarachnoidalblutung (SAB) Schlagartig einsetzender Vernichtungskopfschmerz, Meningismus, oft ohne Trauma cCT, ggf. Lumbalpunktion
Hypoglykämie Bewusstseinsstörung ohne Trauma, Schwitzen, Tachykardie BZ-Messung
Intoxikation (Alkohol, Drogen) Vigilanzminderung mit typischem Foetor, ggf. fehlendes Trauma Anamnese, Alkoholspiegel, Toxikologie – cave: SHT kann begleitend vorliegen!

Cave

Bei Intoxikation (z.B. Alkohol) immer SHT ausschließen! Sturzanamnese oft unklar. Im Zweifel cCT durchführen.

⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Intrakranielle Blutungen → Epidural-, Subdural-, Intrazerebralhämatom → OP-Indikation prüfen
  • Hirnödem und Hirndruck → Einklemmung möglich → intensivmedizinische Therapie
  • Posttraumatische Krampfanfälle → Frühanfall <7 Tage, Spätanfall >7 Tage → Antikonvulsiva
  • Liquorfistel → Bei Schädelbasisfraktur → Infektionsrisiko (Meningitis)
  • Hirnnervenschädigung → Besonders N. olfactorius, N. facialis, N. opticus

Spätkomplikationen

  • Postkommotionelles Syndrom → Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen über Wochen bis Monate
  • Chronisches Subduralhämatom → Wochen nach Trauma, oft bei Älteren
  • Posttraumatische Epilepsie → Erhöhtes Risiko bei schwerem SHT
  • Kognitive Defizite → Aufmerksamkeit, Gedächtnis, exekutive Funktionen
  • Posttraumatische Wesensänderung → Persönlichkeitsveränderungen, Affektlabilität
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Anisokorie (einseitig weite Pupille) Drohende Einklemmung (Herniation) Sofort cCT, Neurochirurgie alarmieren, Hirndrucktherapie
GCS-Verschlechterung ≥2 Punkte Progression der Hirnschädigung, Blutung? Sofort Kontroll-cCT
Cushing-Reflex (Bradykardie + Hypertension) Kritisch erhöhter Hirndruck Akute Hirndrucktherapie, Notfall-OP-Bereitschaft
Krampfanfall Symptomatisch bei Hirnschädigung Anfallstherapie, cCT, Antikonvulsiva
Liquorfluss (Nase/Ohr) Schädelbasisfraktur mit Duraeinriss cCT, Antibiotika-Prophylaxe diskutieren, HNO/NCH-Konsil
Streck-/Beugesynergismen Schwere Hirnstammschädigung Intensivstation, maximale Therapie
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. GCS bestimmt Schweregrad: Leicht (13-15), mittel (9-12), schwer (3-8)
  2. cCT ist Goldstandard – bei Risikofaktoren großzügig indizieren
  3. Hypoxie und Hypotension vermeiden – verursachen sekundären Hirnschaden
Frage 1 (Diagnostik): Bei welchem GCS-Wert spricht man von einem schweren SHT?
A) GCS 13-15
B) GCS 9-12
C) GCS 3-8
D) GCS <3
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Ein schweres SHT liegt bei GCS 3-8 vor. GCS 13-15 = leichtes SHT, GCS 9-12 = mittelschweres SHT. Der minimale GCS-Wert ist 3 (nicht 0).
Frage 2 (Diagnostik): Welche bildgebende Untersuchung ist der Goldstandard beim akuten SHT?
A) Röntgen-Schädel in 2 Ebenen
B) Kraniale MRT
C) Kraniale CT ohne Kontrastmittel
D) Dopplersonographie der Hirngefäße
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Die native cCT ist Goldstandard beim akuten SHT. Sie ist schnell verfügbar und sensitiv für Frakturen und Blutungen. MRT ist sensitiver für diffuse axonale Schädigung, aber zu zeitaufwendig in der Akutsituation.
Frage 3 (Therapie): Ab welchem GCS-Wert besteht beim SHT eine Intubationsindikation?
A) GCS ≤12
B) GCS ≤10
C) GCS ≤8
D) GCS ≤5
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Bei GCS ≤8 besteht die Indikation zur Atemwegssicherung durch endotracheale Intubation, da von einer fehlenden Schutzreflexen ausgegangen werden muss.
Frage 4 (Therapie): Welches Ziel sollte der zerebrale Perfusionsdruck (CPP) beim schweren SHT haben?
A) ≥40 mmHg
B) ≥50 mmHg
C) ≥60 mmHg
D) ≥80 mmHg
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Der CPP sollte ≥60 mmHg betragen. CPP = MAP - ICP. Ein ausreichender CPP ist essentiell für die zerebrale Perfusion und Vermeidung sekundärer Hirnschäden.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein Patient nach SHT zeigt eine einseitig weite, lichtstarre Pupille. Was bedeutet das?
A) Migräneanfall
B) Optikusneuritis
C) Drohende Einklemmung (Herniation)
D) Physiologische Reaktion nach Trauma
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Eine einseitig weite, lichtstarre Pupille (Anisokorie) nach SHT ist ein Zeichen der drohenden transtentoriellen Herniation durch erhöhten ICP. Dies ist ein absoluter Notfall!
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Welche Kombination beschreibt den Cushing-Reflex?
A) Tachykardie + Hypotension
B) Bradykardie + Hypertension
C) Tachykardie + Hypertension
D) Bradykardie + Hypotension
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Der Cushing-Reflex besteht aus der Trias: Bradykardie, arterielle Hypertension und irreguläre Atmung. Er ist ein Zeichen des kritisch erhöhten intrakraniellen Drucks.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welche Blutung zeigt im CT typischerweise eine bikonvexe ("linsenförmige") Form?
A) Subduralhämatom
B) Epiduralhämatom
C) Subarachnoidalblutung
D) Intrazerebralhämatom
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Das Epiduralhämatom zeigt im CT eine typische bikonvexe/linsenförmige Form, da es durch die Dura begrenzt wird. Das Subduralhämatom ist hingegen sichelförmig/konkav.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Ein Patient wird nach Sturz bewusstlos aufgefunden. Alkoholfoetor ist wahrnehmbar. Was ist das korrekte Vorgehen?
A) Ausnüchtern lassen, keine weitere Diagnostik nötig
B) Blutalkohol bestimmen, bei hohem Wert keine weitere Diagnostik
C) cCT durchführen – SHT muss ausgeschlossen werden
D) MRT zur besseren Beurteilung anfordern
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Bei Sturz unter Alkoholeinfluss muss immer ein SHT ausgeschlossen werden! Die Intoxikation erschwert die klinische Beurteilung, weshalb eine cCT großzügig indiziert ist.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Schädel-Hirn-Trauma (SHT) "Eine Verletzung des Gehirns durch einen Schlag oder Sturz auf den Kopf"
Commotio cerebri "Gehirnerschütterung – die leichteste Form der Hirnverletzung"
Glasgow Coma Scale (GCS) "Ein Punktesystem, mit dem wir beurteilen, wie wach und ansprechbar Sie sind"
Retrograde Amnesie "Sie können sich an die Zeit vor dem Unfall nicht erinnern"
Anterograde Amnesie "Sie können sich an die Zeit nach dem Unfall nicht erinnern"
Intrakranieller Druck (ICP) "Der Druck im Schädelinneren – wenn er zu hoch wird, kann das gefährlich sein"
Epiduralhämatom "Eine Blutung zwischen Schädelknochen und Hirnhaut"
Subduralhämatom "Eine Blutung unter der harten Hirnhaut"
cCT "Eine Röntgenuntersuchung des Kopfes in Schnittbildern"

Zusammenfassung

Das Schädel-Hirn-Trauma ist eine häufige Notfallsituation, deren Schweregrad mittels GCS eingeteilt wird. Die cCT ist der diagnostische Goldstandard. Oberstes Therapieziel ist die Vermeidung sekundärer Hirnschäden durch Sicherstellung von Oxygenierung und Perfusion. Bei Warnzeichen wie Anisokorie oder Vigilanzverschlechterung ist sofortiges Handeln erforderlich.

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.