Definition
Die Schulterluxation (Luxatio glenohumeralis) bezeichnet die vollständige Auskugelung des Humeruskopfes aus der Gelenkpfanne (Glenoid). Sie ist mit ca. 50% die häufigste Luxation des menschlichen Körpers. Man unterscheidet traumatische von habituellen (rezidivierenden) Luxationen.
Pathophysiologie
Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des Körpers mit großem Humeruskopf und kleiner Gelenkpfanne. Die Stabilität wird primär durch dynamische Stabilisatoren (Rotatorenmanschette) und statische Stabilisatoren (Labrum glenoidale, Kapsel-Band-Apparat) gewährleistet. Bei forcierter Außenrotation und Abduktion kann der Humeruskopf nach anterior-inferior luxieren.
Epidemiologie
| Inzidenz | 11–29 pro 100.000/Jahr |
| Typisches Alter | 15–30 Jahre (Peak), zweiter Gipfel >60 Jahre |
| Geschlecht | m:w = 3:1 |
| Häufigste Form | Vordere Luxation (>90%) |
Risikofaktoren
- Junges Alter (<25 Jahre)
- Männliches Geschlecht
- Hyperlaxität (Bindegewebsschwäche)
- Glenoid-Dysplasie
- Kontaktsportarten (Handball, Rugby, Eishockey)
- Überkopfsportarten (Volleyball, Schwimmen)
- Unzureichende Muskelkräftigung
Luxationsformen
| Form | Häufigkeit | Mechanismus |
|---|---|---|
| Luxatio subcoracoidea (anterior) | >90% | Forcierte Außenrotation + Abduktion |
| Luxatio infraspinata (posterior) | 2–4% | Sturz auf ausgestreckte Hand, Krampfanfall |
| Luxatio erecta | <1% | Hyperabduktion, Arm nach oben gestreckt |
