Synkope – FSP-Fall

Kardiologie Häufig Konservativ Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur Synkope: Diagnostik des kurzen Bewusstseinsverlustes, Abgrenzung vasovagal vs. kardial, Schellong-Test und EKG-Befunde.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Kurzer Bewusstseinsverlust mit spontaner, vollständiger Erholung
  • Diagnostischer Standard: Anamnese + 12-Kanal-EKG + Schellong-Test
  • Erste Maßnahme: Flachlagerung mit Beinhochlagerung, Vitalzeichen prüfen
  • Wichtigste Kontraindikation: Keine Karotisinusmassage bei Karotisstenose oder Apoplex in Anamnese
  • Prognose: Vasovagale Synkope gutartig; kardiale Synkope: erhöhte Mortalität

1 · Leitfall

Notaufnahme 62 J., m Bewusstlosigkeit beim Einkaufen
"Ich stand in der Schlange an der Kasse, dann wurde mir plötzlich schwarz vor Augen und schwindelig. Als Nächstes lag ich auf dem Boden und fremde Leute standen um mich herum."
2 · Krankheitsbild

Definition

Eine Synkope ist ein plötzlicher, kurzer Verlust von Bewusstsein und Muskeltonus mit rascher, spontaner und vollständiger Erholung aufgrund einer transienten globalen zerebralen Minderperfusion. Die Unterbrechung des zerebralen Blutflusses für nur 6-8 Sekunden kann bereits einen vollständigen Bewusstseinsverlust hervorrufen.

Pathophysiologie

Im Zentrum steht ein Abfall des systemischen Blutdrucks mit Rückgang des globalen zerebralen Blutflusses. Ein systolischer Blutdruck von 50-60 mmHg auf Herzhöhe (30-45 mmHg auf Hirnhöhe in aufrechter Position) führt zum Bewusstseinsverlust. Je nach Ätiologie ist der Mechanismus unterschiedlich: Bei Reflexsynkopen kommt es zu einer überschießenden vagalen Reaktion mit Vasodilatation und/oder Bradykardie, bei orthostatischer Hypotension zu einer unzureichenden sympathischen Vasokonstriktion, bei kardialen Synkopen zu Arrhythmien oder strukturellen Herzerkrankungen mit vermindertem Auswurfvolumen.

Epidemiologie

Lebenszeitprävalenz Bis zu 40% der Bevölkerung
Typisches Alter Zwei Gipfel: 15-25 Jahre und >65 Jahre
Geschlecht w:m = 63:37
Häufigste Ursache Vasovagale Synkope (~65%)

Klassifikation (ESC 2018)

Typ Häufigkeit Beispiele
Reflexsynkope ~65% Vasovagal, situativ (Miktion, Husten), Karotissinus
Orthostatische Hypotension ~10% Medikamenteninduziert, Volumenmangel, autonome Dysfunktion
Kardiale Synkope ~15% Arrhythmien, strukturelle Herzerkrankungen

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Positive Familienanamnese für plötzlichen Herztod
  • Höheres Alter (>65 Jahre)
  • Bekannte Herzerkrankung
Modifizierbar:
  • Polypharmazie (v.a. Antihypertensiva)
  • Dehydratation
  • Langes unbewegtes Stehen
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Situation Was haben Sie unmittelbar vor dem Ereignis gemacht? Auslöser identifizieren (Stehen, Miktion, Husten)
Prodromi Haben Sie vorher etwas gespürt? Schwindel, Übelkeit, Schwarzsehen? Vasovagal: typische Prodromi; Kardial: oft keine Vorwarnung
Zeugen Hat jemand das Ereignis beobachtet? Gab es Zuckungen? Konvulsive Synkope vs. epileptischer Anfall abgrenzen
Dauer Wie lange waren Sie bewusstlos? Wie schnell waren Sie wieder orientiert? Synkope: Sekunden, rasche Reorientierung; Epilepsie: postiktale Verwirrung
Vorerkrankungen Haben Sie Herzerkrankungen? Nehmen Sie Blutdruckmedikamente? Kardiale Synkope ausschließen; Medikamenteninduzierte OH
Familienanamnese Ist in Ihrer Familie jemand plötzlich verstorben, jung an Herzproblemen? Arrhythmogene Syndrome (Long-QT, Brugada, HCM)

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin Dr. Ahmad Khalil. Ich habe gehört, Sie sind heute kurz bewusstlos geworden. Erzählen Sie mir bitte, was passiert ist.

Patient:

Ich stand beim Einkaufen in der Schlange, bestimmt 15 Minuten. Dann wurde mir warm und schwindelig, und plötzlich wurde alles schwarz.

Arzt:

Hatten Sie vorher irgendwelche Warnsignale? Zum Beispiel Übelkeit, Schweißausbruch oder dass es Ihnen flau wurde?

Patient:

Ja, mir war etwas übel, und ich habe angefangen zu schwitzen. Dann wurde es dunkel vor den Augen.

Arzt:

Wie lange waren Sie ungefähr weg? Und wie haben Sie sich danach gefühlt?

Patient:

Die Leute sagten, es waren nur ein paar Sekunden. Als ich wieder wach wurde, war ich sofort klar im Kopf, nur etwas müde.

Prüfungsfokus

  • Fremdanamnese ist essenziell: Zeugen nach Ablauf fragen
  • Prodromi sprechen für vasovagale Genese (gutartig)
  • Plötzlicher Beginn ohne Warnung: Verdacht auf kardiale Ursache
  • Familienanamnese für plötzlichen Herztod nicht vergessen
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Inspektion Blässe während der Synkope, Sturzverletzungen prüfen, Hydratationszustand
Vitalzeichen RR im Liegen und Stehen (Schellong-Test), Herzfrequenz, SpO₂
Auskultation Herz Herzgeräusche (Aortenstenose?), Rhythmusstörungen
Auskultation Karotiden Strömungsgeräusche ausschließen vor Karotismassage
Neurologischer Status Bei Synkope: unauffällig; fokale Defizite sprechen für Apoplex

Schellong-Test (aktiver Stehtest)

Durchführung Pathologischer Befund
RR und HF im Liegen, dann alle 1 Min über 3-10 Min im Stehen Systolischer RR-Abfall ≥20 mmHg und/oder diastolisch ≥10 mmHg = orthostatische Hypotension

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Hb/Hkt Anämie, okkulte Blutung
BZ Hypoglykämie (DD, keine echte Synkope)
Troponin Myokardschädigung, ACS
D-Dimere Bei Verdacht auf Lungenembolie
Elektrolyte Pathologisch Arrhythmierisiko (K⁺, Ca²⁺, Mg²⁺)

Apparative Diagnostik

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
12-Kanal-EKG Arrhythmien, QT-Verlängerung, Brugada-Zeichen, AV-Block Immer, bei jeder Synkope
Langzeit-EKG Intermittierende Arrhythmien V.a. kardiale Synkope, rezidivierende Synkopen
Echokardiographie Aortenstenose, HCM, reduzierte EF V.a. strukturelle Herzerkrankung
Kipptischuntersuchung Reproduktion der Synkope mit RR-Abfall/Bradykardie Rezidivierende unklare Synkopen
Implantierbarer Event-Rekorder Arrhythmienachweis bei seltenen Ereignissen Rezidivierende unklare Synkopen mit Verletzungsgefahr

Goldstandard Basisdiagnostik

Anamnese + körperliche Untersuchung + 12-Kanal-EKG + Schellong-Test

Bereits hiermit können die meisten Synkopenursachen eingegrenzt werden!

5 · Therapie

Akutmaßnahmen

  1. Flachlagerung mit Beinhochlagerung → venöser Rückstrom verbessern
  2. Vitalzeichen überwachen → RR, HF, SpO₂
  3. Venöser Zugang bei kardialer Ursache oder Hochrisikopatienten
  4. Bei Bradykardie: Atropin leitliniengerecht

Therapie nach Ätiologie

Synkopentyp Therapie Cave
Vasovagale Synkope Aufklärung, Triggervermeidung, ausreichend Trinken, Kochsalzzufuhr, physikalische Gegenmanöver, Stehtraining Medikamente nur bei Therapieresistenz
Orthostatische Hypotension Auslösende Medikamente reduzieren, Volumenzufuhr, Kompressionsstrümpfe, ggf. Midodrin oder Fludrocortison Liegende Hypertonie beachten
Kardiale Synkope (Bradykardie) Schrittmacherimplantation Indikation durch Kardiologen
Kardiale Synkope (Tachyarrhythmie) ICD, Katheterablation, Antiarrhythmika Proarrhythmisches Potential
Strukturelle Herzerkrankung Kausale Therapie (z.B. Aortenklappenersatz bei AS) OP-Risiko abwägen

Physikalische Gegenmanöver (bei Prodromi)

  • Isometrische Bein-/Armkontraktion: Beine überkreuzen und anspannen
  • Handgriff-Manöver: Fäuste ballen und Arme anspannen
  • Hinsetzen oder Hinlegen bei ersten Warnzeichen

Allgemeinmaßnahmen zur Prophylaxe

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2-3 L/Tag)
  • Erhöhte Kochsalzzufuhr (6-10 g/Tag, wenn keine Kontraindikation)
  • Langsames Aufstehen, v.a. morgens
  • Tägliches Stehtraining (Kipptisch-Training)
  • Wechselduschen, regelmäßiger Ausdauersport

Therapie der 1. Wahl bei vasovagaler Synkope

Nicht-medikamentös: Aufklärung + Triggervermeidung + physikalische Gegenmanöver + ausreichend Flüssigkeit/Salz

6 · Arztbrief

Muster-Krankenhaus
Abteilung für Innere Medizin / Kardiologie
Musterstraße 1, 12345 Musterstadt

Entlassungsbrief

Patient: Hans Müller, geb. 15.03.1962, 62 Jahre
Aufnahme: 03.01.2026
Entlassung: 04.01.2026

Diagnosen

  1. Vasovagale Synkope (R55)
  2. Arterielle Hypertonie (I10.90)

Anamnese

Der 62-jährige Patient habe angegeben, während des Einkaufens nach längerem Stehen plötzlich bewusstlos geworden zu sein. Er habe zuvor Übelkeit, Schwitzen und Schwarzwerden vor den Augen verspürt. Die Bewusstlosigkeit habe nur wenige Sekunden gedauert, er sei rasch wieder orientiert gewesen. Vorerkrankungen seien eine arterielle Hypertonie, die mit Ramipril behandelt werde. Ähnliche Ereignisse seien bisher nicht aufgetreten.

Befund bei Aufnahme

Wacher, allseits orientierter Patient in gutem AZ und normalem EZ. RR 125/80 mmHg, HF 72/min, SpO₂ 98%. Herz: rhythmisch, keine pathologischen Geräusche. Lunge: vesikuläres Atemgeräusch bds. Neurologischer Status unauffällig. Keine Sturzverletzungen.

Diagnostik

  • Labor: Hb 14,2 g/dl, Troponin negativ, Elektrolyte normwertig, BZ 95 mg/dl
  • 12-Kanal-EKG: Sinusrhythmus, Frequenz 70/min, keine Erregungsleitungs- oder Rückbildungsstörungen, QTc 420 ms
  • Schellong-Test: Grenzwertig, systolischer RR-Abfall um 18 mmHg nach 3 Min Stehen
  • Echokardiographie: Normale LV-Funktion (EF 60%), keine Vitien

Therapie und Verlauf

Bei typischer Anamnese mit Prodromi und rascher Reorientierung sowie unauffälliger kardialer Diagnostik wurde die Diagnose einer vasovagalen Synkope gestellt. Der Patient wurde über Triggervermeidung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und physikalische Gegenmanöver aufgeklärt. Der Verlauf gestaltete sich komplikationslos.

Empfehlung

  • Medikation: Ramipril 5 mg 1-0-0 fortführen
  • Flüssigkeitszufuhr: mind. 2 L/Tag
  • Physikalische Gegenmanöver bei Prodromi
  • Kontrolle: Hausärztliche Wiedervorstellung in 1 Woche
  • Fahreignung: Bei erstmaliger vasovagaler Synkope mit Prodromi kein Fahrverbot

Konjunktiv I beachten!

  • habe angegeben, habe verspürt, sei gewesen, werde behandelt
  • Nur in der Anamnese (indirekte Rede des Patienten)
🩺️ 7 · Übergabe

SBAR-Schema

S
Situation:

Ich übergebe Ihnen Hans Müller, 62 Jahre, mit vasovagaler Synkope.

B
Background:

Bekannte arterielle Hypertonie unter Ramipril. Heute erstmalig Synkope nach längerem Stehen mit typischen Prodromi (Übelkeit, Schwitzen, Schwarzsehen). Keine kardialen Vorerkrankungen, keine plötzlichen Todesfälle in der Familie.

A
Assessment:

Kardiale Diagnostik unauffällig (EKG, Echo, Troponin negativ). Schellong grenzwertig. Diagnose: Vasovagale Synkope bei typischer Klinik. Patient aufgeklärt über Verhaltensmaßnahmen. Aktuell stabil, RR 120/75 mmHg, HF 68/min.

R
Recommendation:

Entlassung geplant. Bitte Vitalzeichen vor Entlassung nochmals kontrollieren. Bei erneuter Synkope oder kardialen Symptomen (Palpitationen, Thoraxschmerz, Dyspnoe) sofortige Wiedervorstellung.

8 · Differentialdiagnosen
DD Unterscheidungsmerkmal Ausschluss
Epileptischer Anfall Längere Dauer (>1 Min), postiktale Verwirrung, Zungenbiss lateral, Urinabgang, rhythmische Zuckungen EEG, Fremdanamnese
Kardiale Arrhythmie Plötzlicher Beginn ohne Prodromi, Palpitationen, Synkope auch im Liegen möglich EKG, Langzeit-EKG, Event-Rekorder
Hypoglykämie Längere Dauer, keine spontane Erholung ohne Glukosezufuhr, Zittern, Schwitzen BZ-Messung
TIA/Vertebrobasiläre Ischämie Fokale neurologische Defizite, Drehschwindel, Doppelbilder Neurologische Untersuchung, cMRT
Psychogene Pseudosynkope Längere Dauer, geschlossene Augen (aktiv), keine Verletzungen, Augen flattern Kipptisch mit Video-EEG
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Sturzverletzungen → Schädel-Hirn-Trauma, Frakturen (v.a. Hüfte bei Älteren)
  • Verkehrsunfälle → Synkope am Steuer
  • Plötzlicher Herztod → bei kardialer Synkope (Arrhythmie, Aortenstenose)

Langzeitkomplikationen

  • Rezidivierende Synkopen → Einschränkung der Lebensqualität
  • Angst und Depression → bei häufigen Synkopen
  • Fahreignungseinschränkung → je nach Ätiologie
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Synkope bei Belastung V.a. Aortenstenose, HCM, Arrhythmie Stationäre Aufnahme, Echo, Langzeit-EKG
Synkope im Liegen V.a. kardiale Arrhythmie Monitoring, Langzeit-EKG
Palpitationen vor Synkope Arrhythmogene Synkope EKG, Langzeit-EKG, ggf. EPU
Plötzlicher Herztod in Familie Hereditäre Arrhythmiesyndrome Genetische Beratung, erweitertes EKG-Screening
Bekannte Herzerkrankung Erhöhtes Risiko für maligne Arrhythmie Stationäre Abklärung, Monitoring
Keine Prodromi (plötzlicher Beginn) Kardiale Synkope wahrscheinlicher Erweiterte kardiale Diagnostik
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Synkope = kurzer Bewusstseinsverlust durch zerebrale Minderperfusion mit spontaner Erholung
  2. Basisdiagnostik: Anamnese + körperliche Untersuchung + EKG + Schellong-Test
  3. Vasovagale Synkope = häufigste Form, gutartig, typische Prodromi
Frage 1 (Diagnostik): Was gehört zur Basisdiagnostik bei jeder Synkope?
A) cMRT, EEG, Langzeit-EKG
B) Anamnese, körperliche Untersuchung, 12-Kanal-EKG, Schellong-Test
C) Kipptischuntersuchung, Echokardiographie, Koronarangiographie
D) Lumbalpunktion, EEG, Dopplersonographie der Halsgefäße
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die Basisdiagnostik bei Synkope umfasst eine detaillierte Anamnese (inkl. Fremdanamnese), körperliche Untersuchung, 12-Kanal-EKG und Schellong-Test. Damit lassen sich die meisten Synkopenursachen bereits eingrenzen.
Frage 2 (Diagnostik): Ab welchem Blutdruckabfall im Stehtest spricht man von einer orthostatischen Hypotension?
A) Systolisch ≥10 mmHg oder diastolisch ≥5 mmHg
B) Systolisch ≥20 mmHg und/oder diastolisch ≥10 mmHg
C) Systolisch ≥30 mmHg und diastolisch ≥20 mmHg
D) Systolisch ≥40 mmHg
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Eine orthostatische Hypotension liegt vor bei einem anhaltenden systolischen RR-Abfall ≥20 mmHg und/oder diastolischen RR-Abfall ≥10 mmHg innerhalb von 3 Minuten nach dem Aufstehen.
Frage 3 (Therapie): Was ist die Therapie der ersten Wahl bei rezidivierender vasovagaler Synkope?
A) Schrittmacherimplantation
B) Betablocker
C) Nicht-medikamentöse Maßnahmen (Aufklärung, Triggervermeidung, Flüssigkeit, Gegenmanöver)
D) Fludrocortison
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Bei vasovagaler Synkope sind nicht-medikamentöse Maßnahmen Therapie der 1. Wahl: Aufklärung über Auslöser, Triggervermeidung, ausreichende Flüssigkeits- und Kochsalzzufuhr, physikalische Gegenmanöver bei Prodromi und ggf. Stehtraining.
Frage 4 (Therapie): Was ist eine geeignete Sofortmaßnahme während einer Synkope?
A) Patienten setzen und Wasser geben
B) Flachlagerung mit Beinhochlagerung
C) Trendelenburg-Lagerung (Kopf tief)
D) Oberkörperhochlagerung
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die Flachlagerung mit Beinhochlagerung verbessert den venösen Rückstrom zum Herzen und damit die zerebrale Perfusion. Der Patient sollte rasch wieder zu Bewusstsein kommen.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Welche Synkope erfordert eine sofortige stationäre Abklärung?
A) Synkope nach 15 Minuten Stehen mit Übelkeit und Schwitzen als Prodromi
B) Synkope während körperlicher Belastung ohne Prodromi
C) Synkope bei Blutabnahme
D) Synkope nach längerem Stehen in überfülltem Raum
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Eine Synkope während körperlicher Belastung ist ein Red Flag für eine kardiale Ursache (z.B. Aortenstenose, HCM, Arrhythmie) und erfordert eine sofortige stationäre Abklärung wegen erhöhtem Risiko für plötzlichen Herztod.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Was spricht gegen eine benigne vasovagale Synkope und für eine kardiale Ursache?
A) Prodromi wie Übelkeit und Schwitzen
B) Synkope im Liegen
C) Rasche Reorientierung nach dem Ereignis
D) Auslöser wie langes Stehen oder Schreck
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Eine Synkope im Liegen kann nicht durch orthostatische oder vasovagale Mechanismen erklärt werden und spricht für eine kardiale Arrhythmie. Dies ist ein wichtiges Red Flag!
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welches Merkmal unterscheidet einen epileptischen Anfall von einer Synkope?
A) Kurze Dauer (wenige Sekunden)
B) Postiktale Verwirrung und lateraler Zungenbiss
C) Rasche, vollständige Reorientierung
D) Prodromi wie Schwarzwerden vor den Augen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Ein epileptischer Anfall ist typischerweise von längerer Dauer, gefolgt von postiktaler Verwirrung. Ein lateraler Zungenbiss ist hochspezifisch für Epilepsie. Bei Synkopen kommt es zu rascher Reorientierung und allenfalls zu einem Biss auf die Zungenspitze.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Welche Untersuchung ist bei einer Synkope in der Notaufnahme NICHT routinemäßig indiziert?
A) 12-Kanal-EKG
B) Duplexsonographie der Halsgefäße
C) Blutdruckmessung im Liegen und Stehen
D) Körperliche Untersuchung mit Auskultation des Herzens
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Richtig: B
Die Duplexsonographie der Halsgefäße ist bei klarer Synkope-Anamnese NICHT Teil der Routinediagnostik. Sie ist nur bei Verdacht auf eine nicht-synkopale Ursache (z.B. vertebrobasiläre Ischämie) indiziert. Die DGIM empfiehlt explizit, sie nicht zur Notfallroutine zu machen.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Synkope "Eine kurze Ohnmacht, bei der man schnell wieder zu sich kommt"
Präsynkope "Das Vorgefühl vor einer Ohnmacht – Ihnen wird schwarz vor Augen, aber Sie kippen nicht um"
Vasovagale Synkope "Eine harmlose Ohnmacht, bei der der Kreislauf kurz absackt – oft bei langem Stehen oder Schreck"
Orthostatische Hypotension "Ihr Blutdruck fällt beim Aufstehen zu stark ab"
Schellong-Test "Ein einfacher Test, bei dem wir Ihren Blutdruck im Liegen und Stehen messen"
Kipptischuntersuchung "Sie liegen auf einer speziellen Liege, die aufgerichtet wird, um eine Ohnmacht auszulösen und zu untersuchen"
Prodromi "Warnzeichen vor der Ohnmacht, z.B. Übelkeit oder Schwarzwerden vor den Augen"
Physikalische Gegenmanöver "Übungen wie Beine überkreuzen und anspannen, um eine drohende Ohnmacht zu verhindern"

Zusammenfassung

Die Synkope ist ein kurzer Bewusstseinsverlust durch zerebrale Minderperfusion mit spontaner Erholung. Die häufigste Form ist die gutartige vasovagale Synkope. Entscheidend ist die Abgrenzung zur potenziell lebensbedrohlichen kardialen Synkope durch sorgfältige Anamnese und Basisdiagnostik (EKG, Schellong-Test). Red Flags wie Synkope bei Belastung, im Liegen oder ohne Prodromi erfordern eine erweiterte kardiale Abklärung.

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.