Definition
Eine Synkope ist ein plötzlicher, kurzer Verlust von Bewusstsein und Muskeltonus mit rascher, spontaner und vollständiger Erholung aufgrund einer transienten globalen zerebralen Minderperfusion. Die Unterbrechung des zerebralen Blutflusses für nur 6-8 Sekunden kann bereits einen vollständigen Bewusstseinsverlust hervorrufen.
Pathophysiologie
Im Zentrum steht ein Abfall des systemischen Blutdrucks mit Rückgang des globalen zerebralen Blutflusses. Ein systolischer Blutdruck von 50-60 mmHg auf Herzhöhe (30-45 mmHg auf Hirnhöhe in aufrechter Position) führt zum Bewusstseinsverlust. Je nach Ätiologie ist der Mechanismus unterschiedlich: Bei Reflexsynkopen kommt es zu einer überschießenden vagalen Reaktion mit Vasodilatation und/oder Bradykardie, bei orthostatischer Hypotension zu einer unzureichenden sympathischen Vasokonstriktion, bei kardialen Synkopen zu Arrhythmien oder strukturellen Herzerkrankungen mit vermindertem Auswurfvolumen.
Epidemiologie
| Lebenszeitprävalenz | Bis zu 40% der Bevölkerung |
| Typisches Alter | Zwei Gipfel: 15-25 Jahre und >65 Jahre |
| Geschlecht | w:m = 63:37 |
| Häufigste Ursache | Vasovagale Synkope (~65%) |
Klassifikation (ESC 2018)
| Typ | Häufigkeit | Beispiele |
|---|---|---|
| Reflexsynkope | ~65% | Vasovagal, situativ (Miktion, Husten), Karotissinus |
| Orthostatische Hypotension | ~10% | Medikamenteninduziert, Volumenmangel, autonome Dysfunktion |
| Kardiale Synkope | ~15% | Arrhythmien, strukturelle Herzerkrankungen |
Risikofaktoren
- Positive Familienanamnese für plötzlichen Herztod
- Höheres Alter (>65 Jahre)
- Bekannte Herzerkrankung
- Polypharmazie (v.a. Antihypertensiva)
- Dehydratation
- Langes unbewegtes Stehen
