FSP Berlin 2024-06-20 — Asthma bronchiale (Kind)

🎓 Prüfungsart FSP
📍 Bundesland Berlin
🏥 Ärztekammer Ärztekammer Berlin
📅 Datum Juni 2024
Dauer 60 min
🎯 Ergebnis ✓ Bestanden

Meine FSP-Prüfung in Berlin — Juni 2024. Fall: Schwerer Asthma-Anfall bei einem 9-jährigen Jungen mit bekanntem allergischem Asthma bronchiale.

Teil 1 — Anamnesegespräch (20 Min)

Patient: 9-jähriger Junge, Schüler. Die Mutter kommt mit ihm in die Kindernotaufnahme. Das Kind sitzt aufrecht, ist sichtbar in Atemnot und kann nur in kurzen Sätzen sprechen.

Aktuelle Anamnese

Die Mutter berichtet, ihr Sohn habe heute Nachmittag nach dem Schulsport einen akuten Asthmaanfall bekommen. Beginn: akut, ca. vor 2 Stunden. Er hat seinen Salbutamol-Spray benutzt (2 × 2 Hübe), aber die Wirkung war unzureichend — das Kind schnauft weiterhin. Qualität: pfeifende Ausatmung, Hustenanfälle. Stärke: er gibt 9/10 auf der NRS an. Zeitverlauf: zunehmend trotz Inhalation. Kein Fieber. Das Kind kann kaum sprechen, zieht jugular und intercostal ein. Die Mutter ist sehr besorgt. Vorausgegangenes Ereignis: Das Kind war heute im Sportunterricht im Freien, Pollen-Saison (Gräserpollen). Gestern hatte er leichten Schnupfen.

Vegetative Anamnese

  • Appetit: heute kaum gegessen, kein Appetit
  • Gewicht: stabil, kein Gewichtsverlust
  • Schlaf: nächtliches Husten in den letzten 3 Nächten, schlechter Schlaf
  • Miktion: unauffällig
  • Stuhlgang: unauffällig, zuletzt heute Morgen
  • Allgemeinzustand: zuletzt 2 Wochen keine Schule wegen eines Infekts

Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien

Vorerkrankungen: allergisches Asthma bronchiale, diagnostiziert mit 5 Jahren (GINA-Stufe 3). Allergische Rhinitis. Atopische Dermatitis (abgeklungen). Keine weiteren Erkrankungen. Medikamente: Budesonid/Formoterol Turbuhaler 80/4,5 µg 1 Hub morgens als Dauermedikation, Salbutamol-Dosieraerosol 100 µg als Bedarfsmedikation. Allergie: Gräserpollen, Hausstaubmilben, Katzenhaar (bekannt, Haut-Prick-Test positiv).

Familien- und Sozialanamnese

Beruf der Eltern: Vater Lehrer, Mutter Ärztin (Dermatologin). Das Kind lebt mit beiden Eltern und einer jüngeren Schwester (7 Jahre, gesund) zusammen in Berlin-Prenzlauer Berg. Noxen: kein Passivrauchen im Haushalt. Kein Tier in der Wohnung mehr (Katze weggegeben mit 6 Jahren). Vater hat ebenfalls Asthma bronchiale. Keine bekannte Immundefizienz. Impfstatus: vollständig nach STIKO. Letzte Grippeimpfung: Oktober 2023.

Teil 2 — Arztbrief (20 Min)

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

wir berichten Ihnen über unseren kleinen Patienten Max B., 9 Jahre, der am 20.06.2024 notfallmäßig in unserer Kindernotaufnahme vorstellig wurde.

Diagnosen: Schwerer Asthmaanfall (J45.1 — persistierendes Asthma bronchiale, schwer; akute Exazerbation) bei allergischem Asthma bronchiale GINA-Stufe 3; allergische Rhinitis (J30.1); Sensibilisierung gegen Gräserpollen, Hausstaubmilben.

Anamnese: Der 9-jährige Patient mit bekanntem allergischem Asthma (GINA 3) stellte sich nach einem akuten schweren Asthmaanfall im Anschluss an Schulsport (Gräserpollenexposition, Pollen-Saison) vor. Vorbehandlung mit Salbutamol 4 Hübe (400 µg) mit unzureichendem Ansprechen. Nächtliches Husten seit 3 Nächten. Bekannte Pollenallergie und allergische Rhinitis.

Befund bei Aufnahme: AZ: reduziert, Kind ängstlich und dyspnoisch, aufrechte Sitzposition. Gewicht: 28 kg. BD: 108/68 mmHg, HF: 136/min, SpO2: 88 % (Raumluft), AF: 32/min, Temp: 37,1 °C. Lunge: bilaterales exspiratorisches Giemen, verlängertes Exspirium, supra- und interkostale Einziehungen, Nasenflügeln. Herz: tachykard, rhythmisch, keine Geräusche. Abdomen: unauffällig. Peak-Flow-Messung: nicht möglich (zu dyspnoisch). Asthma-Schweregrad: schwer (SpO2 < 90 %, HF > 130, Einziehungen, Sprechbarkeit eingeschränkt). Blutgasanalyse: pH 7,32, pCO2 52 mmHg (Hyperkapnie — bedrohliches Zeichen), pO2 58 mmHg. Röntgen Thorax: Überblähung, kein Infiltrat, kein Pneumothorax.

Procedere: Sofortige Behandlung auf dem pädiatrischen Überwachungsplatz. O2-Gabe über Maske (6–8 L/min, SpO2-Ziel > 94 %). Salbutamol-Vernebler: 2,5 mg (5 ml) alle 20 Minuten für die erste Stunde. Ipratropiumbromid-Vernebler: 0,25 mg alle 20 Minuten (3 × Gaben). Prednisolon i.v.: 2 mg/kg KG = 56 mg (gerundet 50 mg) i.v. als Einmalgabe. Nach Stabilisierung Prednisolon p.o. 1 mg/kg KG/Tag für 3–5 Tage. Magnesiumsulfat i.v.: 40 mg/kg KG (max. 2 g) über 20 Minuten bei fehlendem Ansprechen erwogen. Stationäre Aufnahme zur Überwachung. Anpassung der Dauertherapie: Eskalation auf GINA-Stufe 4. Allergenimmuntherapie (SCIT) gegen Gräserpollen nach vollständiger Erholung empfohlen.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen,
Assistenzarzt der Pädiatrie, Kindernotaufnahme Berlin

Teil 3 — Arzt-Arzt-Gespräch (20 Min)

  1. Arbeitsdiagnose? Schwerer akuter Asthmaanfall (GINA-Schweregrad: schwer bis lebensbedrohlich) bei bekanntem allergischem Asthma bronchiale GINA-Stufe 3. Auslöser: Gräserpollenexposition + körperliche Belastung (Anstrengungsasthma). Alarmzeichen: SpO2 88 %, Hyperkapnie im BGA (pCO2 52 mmHg — Ermüdungszeichen), HF 136/min, Einziehungen, eingeschränkte Sprechbarkeit.
  2. Differentialdiagnosen? (1) Fremdkörperaspiration — akute Dyspnoe bei Kindern immer ausschließen, aber Anamnese, bilaterales Giemen und Vorgeschichte sprechen dagegen. (2) Bronchiolitis/virale Bronchitis — bei jüngeren Kindern häufiger, hier aber bekannte Asthmadiagnose und Trigger klar. (3) Krupp-Syndrom — inspiratorischer Stridor, Heiserkeit, typischerweise nachts — passt nicht zum Bild. (4) Pneumonie — Fieber, einseitige Klinik, Infiltrat im Röntgen — hier ausgeschlossen.
  3. Untersuchungen? Primär: Pulsoxymetrie (kontinuierlich), Blutgasanalyse arteriell oder kapillär (pH, pCO2, pO2 — Hyperkapnie = Warnsignal). Röntgen Thorax: Infiltrat ausschließen, Überblähung. Labor: kleines Blutbild, CRP (Infekthinweis?), Elektrolyte (Hypokaliämie durch Beta-2-Mimetika!), Blutzucker. Peak-Flow-Messung wenn möglich (< 50 % des Sollwerts = schwer). EKG bei Tachykardie. Spezifisch: Allergie-Screening (spezifisches IgE gegen Gräser, Hausstaubmilben, Schimmelpilze), Spirometrie (nach Stabilisierung).
  4. Therapie mit Dosis? Stufentherapie nach GINA/NVL Asthma Kinder: Akut schwer: (1) O2 über Maske 6–8 L/min. (2) Salbutamol vernebelt: 2,5 mg (< 30 kg) alle 20 min × 3, danach alle 1–4 h. (3) Ipratropiumbromid vernebelt: 0,25 mg (Kinder < 12 J) alle 20 min × 3 Gaben. (4) Prednisolon i.v.: 2 mg/kg KG (max. 40–60 mg) — hier 50 mg. (5) Magnesiumsulfat i.v.: 40 mg/kg (max. 2 g) über 20 min — bei fehlendem Ansprechen nach Schritt 1–4. (6) Intubation/mechanische Beatmung als Ultima Ratio bei Atemstillstand. Dauertherapie Eskalation: GINA 3 → 4: ICS/LABA (Budesonid/Formoterol) Dosiserhöhung + Montelukast 5 mg abends prüfen.
  5. Leitlinie/Notfall? GINA-Leitlinie 2023 (Global Initiative for Asthma), NVL Asthma 2020 (Nationale VersorgungsLeitlinie). Lebensbedrohliche Zeichen: Stille Lunge, Bewusstlosigkeit, Bradykardie, Erschöpfung → sofortige Intubation. Hyperkapnie (pCO2 > 45 mmHg) bei Asthmaanfall = Alarmzeichen, da Kinder initial hyperventilieren — Anstieg bedeutet Erschöpfung der Atemmuskulatur. Notarzt/PICU-Alarmierung bei fehlendem Ansprechen nach 1 Stunde.

⚠️ Beispielprotokoll — keine reale Prüfung. Alle Angaben dienen ausschließlich Lernzwecken.

💡 Tipps für die Vorbereitung

Bei pädiatrischen Fällen immer das Gewicht für Dosisberechnungen erfragen — Prüfer testen ob man mg/kg KG korrekt anwenden kann. Hyperkapnie bei Asthma ist ein kritisches Warnsignal — unbedingt erwähnen und begründen (Kinder hyperventilieren zuerst, pCO2-Anstieg = Erschöpfung). GINA-Stufentherapie auswendig lernen. Die Kombination Salbutamol + Ipratropiumbromid bei schwerem Anfall ist Leitlinienstandard. Hypokaliämie durch hochdosierte Beta-2-Mimetika ist ein Prüfungsfavorit. Tipp: Die Mutter als Ärztin in der Anamnese einzubauen zeigt, dass man auch mit informierten Angehörigen professionell umgehen kann.

Veröffentlicht am 20. Juni 2024

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