FSP Hessen 2024-03-14 — Diabetes mellitus Typ 2 Neueinstellung

🎓 Prüfungsart FSP
📍 Bundesland Hessen
🏥 Ärztekammer Landesärztekammer Hessen
📅 Datum März 2024
Dauer 60 min
🎯 Ergebnis ✓ Bestanden

Meine FSP-Prüfung in Frankfurt — März 2024. Fall: Diabetes mellitus Typ 2 Neueinstellung bei einem 58-jährigen Mann mit Übergewicht und Müdigkeit seit mehreren Wochen.

Teil 1 — Anamnesegespräch (20 Min)

Patient: Herr Bernd Maurer, 58 Jahre, männlich. Er stellt sich mit zunehmender Müdigkeit, Polyurie und Polydipsie seit ca. 6 Wochen vor. Zufallsbefund Blutzucker 11,4 mmol/l beim Hausarzt.

Aktuelle Anamnese

Onset: Beschwerden seit ca. 6 Wochen, schleichend zunehmend. Provocation/Palliation: Keine Besserung, kein auslösendes Ereignis erkennbar. Quality: Ausgeprägte Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwierigkeiten, Sehstörungen (verschwommenes Sehen). Radiation: Kribbeln in den Fußsohlen beidseits (V.a. beginnende Polyneuropathie). Severity: Deutliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Bürokaufmann). Time: Persistierend, keine Besserung durch Schlaf. Gewichtsabnahme von ca. 3 kg in 6 Wochen trotz normaler Nahrungsaufnahme. Nykturie 2–3x pro Nacht. Kein Fieber, keine Schmerzen.

Vegetative Anamnese

  • Appetit: Zunächst erhalten, leichte Reduktion in den letzten 2 Wochen
  • Gewicht: 96 kg bei 178 cm, BMI 30,3 — Gewichtsverlust 3 kg in 6 Wochen ungewollt
  • Schlaf: Gestört durch Nykturie (2–3x/Nacht), Tagesmüdigkeit
  • Miktion: Polyurie (schätzungsweise 3–4 Liter/Tag), kein Brennen, kein Hämaturie
  • Stuhl: Regelrecht, kein Blut, keine Änderung der Stuhlfrequenz

Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien

Vorerkrankungen: Arterielle Hypertonie seit 8 Jahren (gut eingestellt), Hypercholesterinämie seit 5 Jahren. Keine bekannten Herzerkrankungen. Medikamente: Ramipril 5 mg 1-0-0, Atorvastatin 20 mg 0-0-1. Allergien: Penicillin (Exanthem, keine Anaphylaxie dokumentiert).

Familien- und Sozialanamnese

Vater: Diabetes mellitus Typ 2, verstorben mit 72 Jahren an Herzinfarkt. Beruf: Bürokaufmann, sitzende Tätigkeit, wenig körperliche Aktivität. Noxen: Raucher 20 pack-years (10 Zigaretten/Tag), Alkohol gelegentlich (ca. 10 g/Tag). Verheiratet, 2 Kinder.

Teil 2 — Arztbrief (20 Min)

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

wir berichten über unseren gemeinsamen Patienten Herrn Bernd Maurer, geb. 14.08.1965, der sich am 14.03.2024 in unserer internistischen Ambulanz vorstellte.

Diagnose: Diabetes mellitus Typ 2, Erstmanifestation (ICD-10: E11.9). Arterielle Hypertonie (I10), Hypercholesterinämie (E78.0), Adipositas Grad I (BMI 30,3, E66.0).

Anamnese: Herr Maurer berichtet über eine seit 6 Wochen bestehende Trias aus Polyurie, Polydipsie und Nykturie sowie progrediente Abgeschlagenheit. Zufällig erhobener Blutzuckerwert 11,4 mmol/l beim Hausarzt. Familianamnästisch Diabetes mellitus Typ 2 bekannt.

Befund: AZ reduziert, EZ adipös. RR 138/84 mmHg, HF 78/min regelmäßig. Labor: HbA1c 8,9 %, Nüchternblutzucker 12,1 mmol/l, Kreatinin 88 µmol/l (GFR 72 ml/min), Mikroalbuminurie 45 mg/g Kreatinin, LDL 3,8 mmol/l. EKG: Normalbefund.

Procedere: Metformin 500 mg 1-0-1 zum Essen (Steigerung auf 1000 mg 1-0-1 nach 2 Wochen). Diabetesschulung, Ernährungsberatung, körperliche Aktivität 150 min/Woche. Augenärztliche Vorstellung (Funduskopie). HbA1c-Kontrolle in 3 Monaten.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Teil 3 — Arzt-Arzt-Gespräch (20 Min)

  1. Arbeitsdiagnose? Diabetes mellitus Typ 2 Erstmanifestation auf dem Boden genetischer Disposition, Adipositas, arterieller Hypertonie und körperlicher Inaktivität. Diagnosekriterium erfüllt: HbA1c 8,9 % (> 6,5 %) sowie Nüchternblutzucker 12,1 mmol/l (> 7,0 mmol/l).
  2. Differentialdiagnosen? (1) Diabetes mellitus Typ 1 / LADA — unwahrscheinlich wegen Adipositas und Familienanamnese Typ 2; GAD-Antikörper bestimmen. (2) Sekundärer Diabetes bei Pankreaserkrankung (chronische Pankreatitis, Pankreaskarzinom) — Abdomensonographie. (3) Steroid-induzierter Diabetes — kein Steroidgebrauch. (4) MODY — eher unwahrscheinlich bei Alter 58 Jahre.
  3. Untersuchungen? HbA1c, Nüchternblutzucker (2 Messungen), C-Peptid, GAD-Antikörper (DD LADA), Kreatinin/GFR, Mikroalbuminurie, Lipidstatus, TSH. Bildgebung: Abdomensonographie (Pankreas, Fettleber). EKG, Funduskopie, Stimmgabeltest 128 Hz, ABI.
  4. Therapie mit Dosis? Metformin 500 mg 2x täglich zum Essen (Eindosierung, dann Steigerung auf 1000 mg 2x täglich). Bei HbA1c > 9 %: Kombination mit SGLT-2-Inhibitor (Empagliflozin 10 mg 1x täglich morgens, kardiovaskulärer Zusatznutzen belegt). Ramipril weiterführen (nephroprotektiv). Atorvastatin auf 40 mg erhöhen (LDL-Ziel < 1,8 mmol/l). Mediterrane Kost, Rauchstopp.
  5. Leitlinien/Notfall? NVL Typ-2-Diabetes (AWMF 2023), ADA Standards of Medical Care 2024. HbA1c-Zielwert 6,5–7,5 % individuell. Notfall Hypoglykämie: Glukose 20 g oral; bei Bewusstlosigkeit Glukagon 1 mg i.m. oder Glukose 40 % i.v. Hyperosmolares Koma: Intensivstation, aggressive Rehydrierung, Insulin i.v.

⚠️ Beispielprotokoll — keine reale Prüfung.

💡 Tipps für die Vorbereitung

Wichtig war dem Prüfer die korrekte Diagnosekriteriologie (HbA1c ≥ 6,5 % oder Nüchternblutzucker ≥ 7,0 mmol/l an 2 verschiedenen Tagen). Metformin-Kontraindikationen kennen (GFR < 30 ml/min). Den LADA-Diabetes nicht vergessen. Empagliflozin/Dapagliflozin bei kardiovaskulärer Erkrankung bevorzugen.

Veröffentlicht am 14. März 2024

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