FSP Schleswig-Holstein 2024-02-08 — RSV-Infekt (Säugling)

🎓 Prüfungsart FSP
📍 Bundesland Schleswig-Holstein
🏥 Ärztekammer Ärztekammer Schleswig-Holstein
📅 Datum Februar 2024
Dauer 60 min
🎯 Ergebnis ✗ Nicht bestanden

Meine FSP-Prüfung in Lübeck — Februar 2024. Fall: RSV-Bronchiolitis bei einem 4 Monate alten Säugling. Ich habe leider nicht bestanden — hoffe mein Bericht hilft anderen.

Teil 1 — Anamnesegespräch (20 Min)

Patient: Ben T., 4 Monate alt, männlich. Vorstellungsgrund: Die Mutter bringt ihren Säugling wegen seit 2 Tagen zunehmender Atemnot, Husten und Trinkschwäche in die Kinderklinik.

Aktuelle Anamnese

Onset: Beginn vor 4 Tagen mit Schnupfen und leichtem Husten, seit 2 Tagen deutliche Verschlechterung mit Atemnot und Giemen. Provokation: Ältere Schwester (3 Jahre) hatte vor 1 Woche Erkältung. Qualität: Pfeifendes Atemgeräusch hörbar, Kind schwitzt beim Trinken, trinkt nur noch 50 % der üblichen Menge, vermehrt weint. Radiation: entfällt. Severity: Atemfrequenz laut Mutter deutlich erhöht, Einziehungen interkostal beobachtet. Time: progredient über 4 Tage. Fieber: gestern 38,3 °C, heute wieder subfebril 37,8 °C. Kein Erbrechen, Urinmenge leicht reduziert (3–4 Windeln statt 6–7/Tag). Keine Apnoe-Episoden beobachtet.

Vegetative Anamnese

  • Appetit/Trinken: deutlich reduziert, trinkt ca. 50 % der normalen Menge, Schwitzen beim Trinken
  • Gewicht: Geburtsgewicht 3.320 g, letztes U-Heft-Gewicht vor 2 Wochen 5.100 g
  • Schlaf: unruhig, erwacht häufig
  • Miktion: reduziert (3–4 nasse Windeln/Tag, normal 6–7)
  • Stuhl: normal, gelblich, weich

Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien

Vorerkrankungen: Frühgeburt 35+2 SSW, 5 Tage NICU, unkompliziert, kein BPD. Keine weiteren Erkrankungen. Impfungen: U5 letzte Woche — 2-fach-Impfung erfolgt (DTaP/Hib/HepB/IPV + PCV13). Kein Palivizumab erhalten. Medikamente: keine Dauermedikamente. Allergien: keine bekannt. Stillen: Mutter stillt voll.

Familien- und Sozialanamnese

Eltern gesund, nicht rauchend. Schwester 3 Jahre, gesund, Kindergarten (Überträger wahrscheinlich). Wohnsituation: 3-Zimmer-Wohnung, keine Haustiere. Keine Reisen. Mutter Pharmazeutin, Elternzeit. Vater Ingenieur.

Teil 2 — Arztbrief (20 Min)

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

wir berichten über unseren gemeinsamen kleinen Patienten Ben T., geb. 05.10.2023, der am 08.02.2024 in unsere Kinderklinik aufgenommen wurde.

Diagnose: Akute Bronchiolitis, wahrscheinlich RSV-Ätiologie (RSV-Antigen-Schnelltest positiv). Mild-moderate Verlaufsform. Risikofaktor: Frühgeburtlichkeit (35+2 SSW).

Anamnese: Seit 4 Tagen progrediente Atemwegssymptomatik nach Kontakt mit erkrankter Geschwisterkind. Aktuell Trinkschwäche (50 % Rückgang), Einziehungen, Giemen. Subfebril. Kein Palivizumab-Schutz trotz Frühgeburtlichkeit (Grenzfall, Entscheidung des Vorbehandlers).

Befund: AZ mäßig reduziert, Gewicht 5.060 g (leicht reduziert). Temperatur 37,8 °C, AF 64/min (Tachypnoe), SpO₂ 92 % (raumluft), HF 158/min. Interkostale Einziehungen, juguläre Einziehungen. Auskultation: diffuses Giemen und verlängertes Exspirium, feinblasige RG beidseits basal. Nase: profuse wässrige Sekretion. Keine Apnoe während Untersuchung. RSV-Schnelltest aus Nasopharyngeal-Abstrich: positiv. Röntgen Thorax: Überblähung beidseits, keine Infiltrate, kein Erguss.

Procedere: Stationäre Aufnahme. Monitoring: SpO₂, AF, HF kontinuierlich. Sauerstoffgabe bei SpO₂ <90 %: nasale O₂ 0,5–1 l/min anpassen (Ziel SpO₂ ≥92 %). Nasale Absaugung bei Sekretverlegung. Trinkmenge engmaschig bilanzieren: bei weiterer Trinkschwäche nasogastrale Sonde oder i.v.-Zugang. Hochkalorische Aufstockung vorerst nicht nötig. Kontaktisolation (Kohortenisolation RSV). Elternaufklärung: Warnzeichen (Apnoe, SpO₂-Abfall, Zyanose, extreme Trinkschwäche). Bronchodilatatoren und Kortikosteroide sind leitliniengemäß NICHT indiziert.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Teil 3 — Arzt-Arzt-Gespräch (20 Min)

  1. Arbeitsdiagnose? Akute RSV-Bronchiolitis (RSV-positiv) bei 4 Monate altem Frühgeborenen (35+2 SSW). Mild-moderate Verlaufsform mit Risikofaktor Frühgeburtlichkeit.
  2. DD? 1) Obstruktive Bronchitis durch andere Viren (hRhV, hMPV, Influenza); 2) Pertussis (Keuchhusten) — typisch Stakkatohustenattacken, Whoop, länger anhaltend; 3) Fremdkörperaspiration — einseitiger Befund, plötzlicher Onset; 4) Herzfehler mit Linksherzinsuffizienz — typisch Tachykardie + Hepatomegalie + Galopprhythmus.
  3. Untersuchungen? RSV-Antigen-Schnelltest (erfolgt). Röntgen Thorax (erfolgt). SpO₂-Monitoring. Blutbild + CRP bei V.a. bakterielle Superinfektion (in diesem Fall nicht primär indiziert). Blutgasanalyse bei SpO₂-Abfall oder klinischer Verschlechterung. Respiratorisches Viruspanel (PCR-Multiplex) falls Schnelltest negativ und klinisch bronchiolitisch.
  4. Therapie mit Dosis? Supportiv: nasale Absaugung, adäquate Flüssigkeitszufuhr (150 ml/kg/d Gesamtflüssigkeit bei Säugling). O₂ bei SpO₂ <90 %: 0,5–2 l/min nasal. Nasogastrale Sonde bei Trinkmenge <50 % oder Erschöpfung. NICHT indiziert: inhalative Bronchodilatatoren (kein Benefit in Studien), systemische Kortikosteroide, Ribavirin. Palivizumab (Synagis): prophylaktisch — jetzt nicht mehr sinnvoll, hätte in der Frühgeborenennachsorge erwogen werden sollen (15 mg/kg i.m./Monat, 5 Dosen Oktober–Februar).
  5. Leitlinie/Notfall? AWMF S2k-Leitlinie Bronchiolitis 2022. Hospitalisierungskriterien: SpO₂ <92 %, AF >60/min, Trinkmenge <50 %, Apnoe, Alter <6 Wochen oder Frühgeburt. Intensivindikation: SpO₂ <88 % trotz O₂, zunehmende Atemarbeit, Erschöpfung → High-Flow-Nasenkanüle (HFNC, z.B. 2 l/kg/min, FiO₂ 0,4) oder CPAP, im Extremfall Intubation.

⚠️ Beispielprotokoll — keine reale Prüfung.

💡 Tipps für die Vorbereitung

Ich bin daran gescheitert, dass ich im Arzt-Arzt-Gespräch reflexartig Salbutamol-Inhalation empfohlen habe — das ist bei Bronchiolitis KONTRAINDIZIERT laut Leitlinie! Das war der entscheidende Fehler. Wichtig: RSV-Bronchiolitis = rein supportiv. Keine Bronchodilatatoren, keine Steroide, kein Antibiotikum. Palivizumab nur prophylaktisch. HFNC-Schwellenwert auswendig lernen. Prüfer in Lübeck waren fair, aber kompromisslos bei Therapiefehlern.

Veröffentlicht am 8. Februar 2024

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