Mein KP-Protokoll — Frankfurt, März 2024. Innere Medizin + Chirurgie + Neurologie. Ergebnis: bestanden.
Rahmen & Prüfer
Die Prüfung fand am 14. März 2024 in den Räumlichkeiten der Landesärztekammer Hessen in Frankfurt am Main statt. Beginn war um 09:00 Uhr, die Gesamtdauer betrug 90 Minuten. Der Prüfungsausschuss bestand aus drei Prüfern: Prüfer A (Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie), Prüfer B (Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie) und Prüfer C (Facharzt für Neurologie). Die Atmosphäre war sachlich, aber nicht unfreundlich. Es gab kein Rollenspiel; alle Fälle wurden verbal vorgestellt. Eine kurze Pause zwischen den Abschnitten wurde mir auf Wunsch gewährt.
Teil 1 — Innere Medizin (~35 Min)
Fallvorstellung
Vorgestellt wurde ein 68-jähriger Patient (Herr K.), der sich mit seit drei Tagen zunehmender Dyspnoe, trockenem Husten und beidseitigen Unterschenkelödemen in der Notaufnahme vorstellte. Vorbekannt: arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2, Z. n. Myokardinfarkt vor 5 Jahren. Aktuelle Medikation: Ramipril 5 mg, Metformin 1000 mg, Bisoprolol 5 mg. RR 160/95 mmHg, HF 102/min, SpO₂ 89 % ohne O₂.
Gestellte Fragen
- F: Was ist Ihre Verdachtsdiagnose und welche Differenzialdiagnosen ziehen Sie in Betracht? — A: Primärverdacht: akut dekompensierte Herzinsuffizienz (HFrEF bei Z. n. Myokardinfarkt). Differenzialdiagnosen: COPD-Exazerbation, Lungenembolie, hypertensive Krise mit Lungenödem, pneumonische Konsolidierung.
- F: Welche Sofortmaßnahmen leiten Sie ein? — A: Oberkörperhochlagerung, O₂-Gabe (Ziel SpO₂ ≥ 94 %), venöser Zugang, EKG, Monitoring, Furosemid i.v. 40–80 mg, Blutentnahme inkl. BNP/NT-proBNP, Troponin, Kreatinin, Elektrolyte.
- F: Welche Echokardiografie-Befunde erwarten Sie? — A: Reduzierte LVEF (unter 40 %), dilatierter linker Ventrikel, möglicherweise regionale Wandbewegungsstörungen im Bereich des alten Infarkts, Mitralinsuffizienz, erhöhter PCWP-Schätzwert.
- F: Wie unterscheiden Sie HFrEF von HFpEF und was bedeutet das therapeutisch? — A: HFrEF: EF < 40 %, strukturelle Schädigung; HFpEF: EF ≥ 50 %, diastolische Dysfunktion. Therapeutisch: HFrEF profitiert von ACE-Hemmer/ARNi, Betablocker, MRA, SGLT2-Inhibitoren (DAPA-HF/EMPEROR-Reduced). Bei HFpEF primär Komorbiditäten behandeln.
- F: Das Troponin ist leicht erhöht — wie gehen Sie damit um? — A: Serienmessungen nach 0/1/3 Stunden (hs-Troponin). Bei signifikantem Anstieg (≥ 20 %) Differenzierung Typ-1- vs. Typ-2-MI. Bei Typ-2-MI (z. B. durch Ischämie bei Herzinsuffizienz) primär Ursache behandeln; Kardiologisches Konsil anfordern.
- F: Welche Langzeittherapie empfehlen Sie nach Stabilisierung? — A: Leitliniengerechte HFrEF-Therapie: ACE-Hemmer (bzw. Wechsel auf Sacubitril/Valsartan bei EF < 35 %), Betablocker, MRA (Spironolacton/Eplerenon), SGLT2-Inhibitor (Dapagliflozin oder Empagliflozin), Schleifendiuretikum bei Flüssigkeitsretention. Regelmäßige Gewichtskontrolle, Salzrestriktion, Schulung.
- F: Das Kreatinin steigt unter Diuretikum auf 2,1 mg/dl — was tun Sie? — A: Zunächst Einschätzung: Ist dies eine Hämokonzentrationsreaktion (tolerabel bis 25–30 % Anstieg) oder echte Nierenschädigung? Prä-renale Ursache ausschließen, RAAS-Hemmer bei weiterem Anstieg vorübergehend pausieren, Diuretikadosis anpassen. Urologisches Konsil bei Obstipation/Harnaufstau.
Themen
- Akut dekompensierte Herzinsuffizienz — Klassifikation (NYHA, ACC/AHA)
- BNP/NT-proBNP als diagnostischer Marker
- Pharmakologische Herzinsuffizienz-Therapie nach ESC-Leitlinie 2021
- Kardiorenal-Syndrom Typ 1
- Troponin-Interpretation bei Herzinsuffizienz
Teil 2 — Chirurgie (~30 Min)
Fallvorstellung
Frau H., 52 Jahre, stellt sich in der Notaufnahme vor mit seit 8 Stunden anhaltenden kolikartigen Oberbauchschmerzen, die in die rechte Schulter ausstrahlen, Übelkeit und einmaligem Erbrechen. Kein Fieber. Kein Ikterus. Im Ultraschall: Gallenblase mit multiplen Konkrementen, Wandverdickung 5 mm, keine Dilatation der Gallenwege. CRP 28 mg/l, Leukozyten 11.000/µl.
Gestellte Fragen
- F: Diagnose und Klassifikation? — A: Akute Cholezystitis (leichtgradig, Tokyo-Guidelines Grad I) auf dem Boden einer Cholelithiasis. Differenzialdiagnosen: Choledocholithiasis, Pankreatitis, Ulcus pepticum, Koliken bei Nephrolithiasis.
- F: Wann ist eine notfallmäßige vs. elektive Operation indiziert? — A: Schwere Cholezystitis (Grad III: Organversagen) oder perforierte Cholezystitis → Notfall-OP oder Cholezystostomie. Grad I/II: frühelektive laparoskopische Cholezystektomie innerhalb 24–72 Stunden nach Aufnahme (NICE/AWMF-Leitlinie). Frühe OP reduziert Komplikationen und Hospitalisierungsdauer.
- F: Beschreiben Sie die laparoskopische Cholezystektomie — wichtige anatomische Strukturen? — A: Darstellung des Calot-Dreiecks (Ductus cysticus, A. cystica, Ductus hepatocholedochus). Critical-View-of-Safety als Sicherheitsstandard vor Clip-Setzen. 4-Port-Technik. Wichtigste Komplikation: Gallengangsläsion (0,3–0,5 %).
- F: Im intraoperativen Cholangiogramm zeigt sich ein Stein im Choledochus — wie gehen Sie vor? — A: Intraoperative laparoskopische Cholangiographie bestätigt Choledocholithiasis. Option 1: Umstieg auf laparoskopische Choledochotomie. Option 2: postoperative ERCP mit Steinextraktion (bevorzugt wenn keine intraoperative Expertise vorhanden).
- F: Was ist das Mirizzi-Syndrom? — A: Kompression des Ductus hepatocholedochus durch einen eingeklemmten Stein im Infundibulum oder Ductus cysticus. Folge: obstruktiver Ikterus. Einteilung nach McSherry (Typ I–IV). Erfordert sorgfältige präoperative Planung, ggf. offene Chirurgie.
- F: Wie gestalten Sie die perioperative Thromboseprophylaxe? — A: Risikoklassifikation nach Caprini-Score. Bei laparoskopischer Cholezystektomie: mechanische Maßnahmen (Kompressionsstrümpfe, frühe Mobilisation), ggf. niedermolekulares Heparin (NMH) perioperativ ab mittlerem Thromboserisiko. Abwägung Blutungsrisiko.
Themen
- Cholezystitis — Tokyo-Guidelines-Klassifikation
- Laparoskopische Cholezystektomie — Critical View of Safety
- Choledocholithiasis und ERCP
- Perioperative Thromboseprophylaxe
Teil 3 — Neurologie (~20 Min)
Fallvorstellung
Herr P., 71 Jahre, wird mit plötzlich einsetzendem Sprachverlust und Lähmung des rechten Arms in der Notaufnahme vorgestellt. Symptombeginn vor 90 Minuten. RR 185/100 mmHg. Keine Antikoagulation bekannt.
Gestellte Fragen
- F: Was ist Ihre Verdachtsdiagnose, welche Diagnostik veranlassen Sie? — A: V. a. ischämischer Apoplex links (Aphasie + rechtsseitige Hemiparese). Sofort: cCT nativ (Ausschluss Blutung), NIHSS-Score, Blutglukose, Gerinnungsstatus. Bei unauffälligem CT: CTA für Gefäßdarstellung.
- F: Das CT zeigt keine Blutung — wie lautet Ihr therapeutisches Vorgehen? — A: Systemische Thrombolyse mit rt-PA (Alteplase 0,9 mg/kg, max. 90 mg) innerhalb des 4,5-Stunden-Fensters, sofern keine Kontraindikationen. Bei großem Gefäßverschluss (M1/ICA) zusätzlich mechanische Thrombektomie bis 24 h nach Symptombeginn (DAWN/DEFUSE-3-Kriterien).
- F: Nennen Sie Kontraindikationen für die Lysetherapie — A: Absolute KI: intrakranielle Blutung, kürzliche große OP oder Trauma, schwere Blutungserkrankung, unkontrollierter Hochdruck > 185/110 mmHg trotz Therapie, aktive orale Antikoagulation (INR > 1,7 bzw. NOAC in therapeutischer Konzentration). Relative KI: Alter > 80 (keine absolute KI mehr), Z. n. Apoplex < 3 Monate.
Themen
- Ischämischer Apoplex — Stroke-Unit-Management
- Thrombolysefenster und Thrombektomie-Indikation
- NIHSS-Score
Gesamteindruck & Note
Die Prüfung war anspruchsvoll, aber fair. Die Prüfer gaben keine Hinweise, wenn eine Antwort unvollständig war — man musste selbst nachfassen. Besonders ausführlich wurde im Bereich Herzinsuffizienz und Apoplex-Management gefragt. Wer die ESC-Leitlinie 2021 (Herzinsuffizienz) und die DGN-Leitlinie Apoplex kennt, ist gut vorbereitet. Das Ergebnis war bestanden.
⚠️ Beispielprotokoll — keine reale Prüfung. Inhalte dienen ausschließlich der Prüfungsvorbereitung auf Kennti.com.
