KP Hessen 2024-11-22 — Innere + Chirurgie + Gynäkologie

🎓 Prüfungsart KP
📍 Bundesland Hessen
🏥 Ärztekammer Landesärztekammer Hessen
📅 Datum November 2024
Dauer 90 min
🎯 Ergebnis ✗ Nicht bestanden

Mein KP-Protokoll — Darmstadt, November 2024. Innere Medizin + Chirurgie + Gynäkologie. Ergebnis: nicht bestanden (Wiederholungsprüfung beantragt).

Rahmen & Prüfer

Die Prüfung fand am 22. November 2024 in Darmstadt statt, in den Räumlichkeiten der Bezirksärztekammer Darmstadt (Außenstelle der Landesärztekammer Hessen). Dauer: 90 Minuten. Drei Prüfer: Prüferin A (Internistin, Gastroenterologie), Prüfer B (Chirurg, Viszeralchirurgie), Prüferin C (Gynäkologin). Die Atmosphäre war von Beginn an sehr sachlich und für mich als Prüfling spürbar fordernd. Die Prüfer unterbrachen häufig und fragten nach Details. Ich hatte Lücken bei der Pankreatitis-Klassifikation, die sich auf das Ergebnis ausgewirkt haben.

Teil 1 — Innere Medizin (~35 Min)

Fallvorstellung

Herr T., 47 Jahre, bekannter Alkoholabusus (ca. 60 g/Tag), wird mit seit 6 Stunden bestehenden gürtelförmigen Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken eingeliefert, Übelkeit, Erbrechen. Lipase: 1840 U/l (5× ULN). CRP: 180 mg/l. Leukozyten: 14.000/µl. Sonographisch: ödematöses Pankreas, freie Flüssigkeit perienterisch.

Gestellte Fragen

  1. F: Diagnose und welche Klassifikation verwenden Sie? — A: Akute Pankreatitis. Ich nannte Ranson-Score und APACHE II — die Prüferin wollte die Atlanta-Klassifikation (mild / moderately severe / severe), die ich zunächst nicht vollständig erklären konnte. Mild: keine Organdysfunktion, keine Komplikationen. Moderately severe: vorübergehende Organdysfunktion (< 48 h) oder lokale Komplikationen. Severe: persistierende Organdysfunktion (> 48 h).
  2. F: Welche Ätiologien kennen Sie? — A: Häufigste: Gallensteine (40–50 %), Alkohol (30–35 %). Seltener: Hypertriglyzeridämie (> 1000 mg/dl), Medikamente (z. B. Azathioprin, Furosemid), ERCP-induziert, Mumps, Pankreas divisum, idiopathisch.
  3. F: Welche Sofortmaßnahmen leiten Sie ein? — A: Aggressives i.v.-Volumen (Ringer-Laktat bevorzugt, 250–500 ml/h in den ersten 12–24 h), Schmerztherapie (Opioidanalgesie, kein Morphin wegen Sphinkter-Oddi-Spasmus — Prüferin ergänzte: Evidenz für Morphin-Kontraindikation ist inzwischen schwach, Tramadol oder Piritramid bevorzugt), NPO in den ersten Stunden, dann frühe enterale Ernährung < 24–48 h, Monitoring der Nierenfunktion.
  4. F: Wann ist ein CT indiziert? — A: Kontrastmittel-CT (CECT) bei klinischer Verschlechterung, Verdacht auf Nekrose oder Komplikation (Abszess, Pseudozyste), nicht routinemäßig bei milder Pankreatitis. Balthazar-Score für CT-Schweregrad.
  5. F: Was ist eine Pankreasnekrose und wie wird sie behandelt? — A: Steril: konservativ, kein Nutzen durch Antibiotika prophylaktisch. Infiziert (Gaseinschlüsse im CT oder Verschlechterung nach 2–3 Wochen): Antibiotika (Carbapenem oder Chinolone + Metronidazol), minimalinvasive Nekrosektomie (Step-up-Approach: perkutane Drainage → endoskopische oder laparoskopische Nekrosektomie).
  6. F: Was ist das Ranson-Score-Kriterium bei Aufnahme „Alter > 55“ — und was bedeutet das klinisch? — A: Ranson bei Aufnahme: Alter > 55, Leukozyten > 16.000, Glukose > 200 mg/dl, LDH > 350, AST > 250. ≥ 3 Punkte: schwere Pankreatitis. Ich hatte hier gezögert, was die Prüferin kritisch bemerkte.

Themen

  • Atlanta-Klassifikation der akuten Pankreatitis (2012)
  • Ranson-Score vs. BISAP-Score
  • Ernährungsmanagement: enteral vs. parenteral
  • Nekrosemanagement — Step-up-Approach

Teil 2 — Chirurgie (~30 Min)

Fallvorstellung

Frau R., 67 Jahre, stellt sich vor mit seit Jahren bestehenden Varizen beider Unterschenkel, jetzt neu aufgetretenen Unterschenkelgeschwüren (Ulcus cruris venosum) am linken Innenknöchel. CEAP-Klassifikation C6. Duplex-Sonographie: Stammvarikosis der V. saphena magna links, Klappeninsuffizienz.

Gestellte Fragen

  1. F: Was ist die CEAP-Klassifikation? — A: C = klinisch (C0–C6), E = Ätiologie (kongenital/primär/sekundär), A = Anatomie (oberflächlich/tief/perforans), P = Pathophysiologie (Reflux/Obstruktion). C6 = aktives Ulcus.
  2. F: Welche Therapieoptionen haben Sie für die Stammvarikosis? — A: Thermische Ablation (endovenöser Laser EVLA oder Radiofrequenzablation VNUS) als Goldstandard, Schaumsklerosierung, chirurgisches Stripping (Babcock). Begleitend: Ulkusbehandlung mit Kompressionsverbänden (Vierlagenverband), feuchte Wundbehandlung.
  3. F: Wie unterscheiden Sie Ulcus cruris venosum von arteriellem Ulkus? — A: Venös: Innenknöchel, flache Wundränder, Lipodermatosklerose, Varizenkrankheit, Kompression hilft. Arteriell: Zehen/Akren, tiefes Ulkus, fehlende Pulse, ABI < 0,9, Kompression kontraindiziert. Gemischter Typ bei ABI 0,6–0,9 möglich.
  4. F: Was ist der Knöchel-Arm-Index (ABI) und wie messen Sie ihn? — A: ABI = systolischer Knöcheldruck / systolischer Armdruck. Normal: 0,9–1,3. < 0,9: pAVK. > 1,3: Mediasklerose (falsch-hoch, z. B. bei Diabetiker). Messung mit Doppler-Gerät.
  5. F: Wann würden Sie einen Perforansveneneingriff hinzufügen? — A: Bei insuffizienten Perforantes mit Reflux (Durchmesser > 3,5 mm) im Bereich des Ulkus, wenn nach Stammtherapie keine Abheilung. Subfasziale endoskopische Perforansvenendissektion (SEPS) oder Sklerosierung.

Themen

  • Chronisch venöse Insuffizienz — CEAP-Klassifikation
  • Varizenchirurgie und endovenöse Verfahren
  • Ulcus cruris: venös vs. arteriell
  • Knöchel-Arm-Index

Teil 3 — Gynäkologie (~20 Min)

Fallvorstellung

Frau M., 32 Jahre, 8. SSW, stellt sich vor mit Unterbauchschmerzen rechts und vaginalen Blutungen. Letzte Regelblutung: vor 8 Wochen. Schwangerschaftstest positiv. Transvaginale Sonographie: leere Gebärmutter, Adnexmasse rechts (3 cm), freie Flüssigkeit in der Douglas-Höhle. β-hCG: 4.200 IU/l.

Gestellte Fragen

  1. F: Was ist Ihre Diagnose? — A: Extrauteringravidität (Eileiterschwangerschaft), Verdacht auf rupturierte EUG mit intraabdominaler Blutung (freie Flüssigkeit). Notfall.
  2. F: Welche Therapieoptionen kennen Sie? — A: Chirurgisch: laparoskopische Salpingotomie (tubenerhalten) oder Salpingektomie. Konservativ: Methotrexat (i.m.) bei stabiler Patientin, intakter Tube, β-hCG < 5000 IU/l, keine Herzaktion. Hier: freie Flüssigkeit → operativ. Ich konnte die genauen Methotrexat-Kontraindikationen nicht vollständig nennen — das wurde negativ gewertet.
  3. F: Was sind Risikofaktoren für eine Eileiterschwangerschaft? — A: Z. n. Adnexitis/PID, vorherige EUG, Tubenchirurgie, IUD-Träger, Endometriose, Rauchen, IVF.

Themen

  • Eileiterschwangerschaft — Diagnostik und Therapie
  • Methotrexat-Indikation und Kontraindikationen
  • Diskriminationszone des β-hCG (1500–2000 IU/l)

Gesamteindruck & Note

Die Prüfung war hart. Die Pankreatitis-Klassifikation (Atlanta 2012) war meine größte Schwachstelle — ich hatte Ranson und APACHE II gelernt, nicht aber die aktuelle Atlanta-Klassifikation vollständig verinnerlicht. Auch bei Methotrexat-Kontraindikationen hatte ich Lücken. Das Ergebnis war nicht bestanden. Ich werde Atlanta-2012-Kriterien, Step-up-Approach und MTX-Schema gezielt nacharbeiten und in 3 Monaten neu antreten.

⚠️ Beispielprotokoll — keine reale Prüfung. Inhalte dienen ausschließlich der Prüfungsvorbereitung auf Kennti.com.

💡 Tipps für die Vorbereitung

Atlanta-Klassifikation 2012 ist Pflicht — nicht Ranson allein! Step-up-Approach bei infizierter Nekrose muss sitzen. Methotrexat bei EUG: Kontraindikationen auswendig (aktive Lebererkrankung, Nierenfunktionsstörung, Immunschwäche, Herzaktivität in der EUG, β-hCG > 5000). CEAP-Klassifikation für Varikosis: C0–C6 kennen und erklären können.

Veröffentlicht am 22. November 2024

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