Mein KP-Protokoll — Mainz, März 2024. Innere + Chirurgie + Neurologie. Ergebnis: Bestanden.
Rahmen & Prüfer
Die Prüfung fand am 14. März 2024 in der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz statt, organisiert durch die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz. Prüfungsdauer: 90 Minuten für drei Fächer. Die Prüfungskommission bestand aus drei Fachärzten: Prof. Dr. H. Wegener (Internist, Vorsitzender), Dr. A. Müller (Chirurgin) und Dr. T. Brandt (Neurologe). Die Atmosphäre war sachlich, aber freundlich — die Prüfer ließen genug Zeit zum Nachdenken, bevor sie nachfragten.
Teil 1 — Innere Medizin (~35 Min)
Fallvorstellung
Ein 67-jähriger Patient, Raucher (45 pack-years), stellt sich mit anfallsartiger Atemnot, pfeifenden Atemgeräuschen und produktivem Husten vor. Vorbekannte COPD Gold II, nun V.a. akuten Asthmaanfall bzw. COPD-Exazerbation. SpO2 88 % unter Raumluft, verlängerte Exspiration, hypersonorer Klopfschall beidseits.
Gestellte Fragen
- F: Wie unterscheiden Sie klinisch Asthma bronchiale von einer COPD-Exazerbation? A: Beim Asthma typischerweise vollständig reversibler Bronchospasmus, häufig allergische Komponente, jüngere Patienten; COPD-Exazerbation auf dem Boden chronisch-irreversibler Obstruktion, oft infektiöser oder umweltbedingter Trigger. Klinisch: Asthma häufiger nächtlich/frühmorgens, COPD-Patient meist älter mit langer Raucheranamnese.
- F: Welche Sofortmaßnahmen leiten Sie ein? A: Sauerstoffgabe (Ziel SpO2 88–92 % bei COPD), inhalative Bronchodilatation mit SABA (Salbutamol) + SAMA (Ipratropium), systemische Kortikosteroide i.v. (Prednisolon 40–50 mg), bei V.a. bakterielle Infektexazerbation Antibiotikum (z. B. Amoxicillin/Clavulansäure).
- F: Nennen Sie die Stufentherapie beim Asthma bronchiale nach dem deutschen Stufenschema. A: Stufe 1: SABA bei Bedarf; Stufe 2: niedrigdosiertes ICS + SABA; Stufe 3: ICS mittel/hoch oder ICS + LABA; Stufe 4: ICS hoch + LABA ± LAMA; Stufe 5: Zusatztherapie z. B. Anti-IgE (Omalizumab), orale Kortikosteroide.
- F: Was bedeutet FEV1/FVC-Verhältnis und wann spricht man von Obstruktion? A: FEV1/FVC = Tiffeneau-Index. Obstruktion: FEV1/FVC < 0,7 (nach GOLD-Kriterien) bzw. < der unteren Normgrenze (LLN). Ausprägung nach FEV1: Gold I ≥ 80 %, Gold II 50–79 %, Gold III 30–49 %, Gold IV < 30 %.
- F: Wann ist eine intensivstationäre Aufnahme bei COPD-Exazerbation indiziert? A: Bei respiratorischer Azidose (pH < 7,35), schwerer Hypoxämie trotz O2-Therapie, zunehmendem Bewusstseinstrübung, Erschöpfung der Atemmuskulatur, Versagen der NIV-Therapie.
- F: Welche Langzeittherapie empfehlen Sie dem Patienten bei gesicherter COPD Gold III? A: LAMA + LABA als Basistherapie, bei häufigen Exazerbationen zusätzlich ICS, Rauchentwöhnung als wichtigste Maßnahme zur Verlaufsmodifikation, Lungensport, ggf. Heimbeatmung bei Hyperkapnie.
- F: Wie funktioniert die NIV und welche Kontraindikationen bestehen? A: Nicht-invasive Beatmung über Maske, Druckunterstützung (IPAP/EPAP), reduziert Atemarbeit und CO2-Retention. KI: fehlende Kooperation, Aspiration, anatomische Hindernisse, gastrointestinale Blutung, häufiges Erbrechen.
Themen
- Asthma bronchiale vs. COPD — Differenzialdiagnose
- Akuttherapie Bronchospasmus
- Lungenfunktionsparameter
- COPD-Stufentherapie nach GOLD
- Nicht-invasive Beatmung
Teil 2 — Chirurgie (~30 Min)
Fallvorstellung
Eine 72-jährige Patientin stellt sich mit seit 6 Wochen bestehender Hämatochezie und Gewichtsverlust (5 kg in 2 Monaten) vor. Zudem Obstipation, wechselnd mit Durchfall. Familienanamnese positiv für kolorektales Karzinom (Bruder, 68 Jahre). Rektale Untersuchung: tastbare derbe Resistenz im Rektum, Fingerling blutig.
Gestellte Fragen
- F: Wie gehen Sie diagnostisch vor? A: Koloskopie mit Biopsie als Goldstandard, CT Abdomen/Becken + Thorax zur Staging, rektale Endosonographie zur lokalen T-Klassifikation, MRT Becken beim Rektumkarzinom zur Sphinkterbeurteilung, CEA-Bestimmung als Verlaufsparameter.
- F: Erläutern Sie die TNM-Klassifikation beim kolorektalen Karzinom. A: T1 Submukosa, T2 Muscularis propria, T3 perikolisches Fettgewebe, T4a Peritoneum, T4b Nachbarorgane; N0 keine LK, N1 1–3 regionäre LK, N2 ≥ 4 LK; M0 keine Fernmetastasen, M1a ein Organ, M1b mehrere Organe, M1c Peritoneum.
- F: Welche Operationsverfahren kennen Sie beim Rektumkarzinom? A: Tiefe anteriore Resektion (TAR) mit totaler mesorektaler Exzision (TME) bei mittel/hoch sitzendem Rektumkarzinom, abdominoperineale Rektumexstirpation (APR) bei tief sitzendem Karzinom mit Sphinkterbeteiligung, Hartmann-Operation bei Notfällen.
- F: Was ist die totale mesorektale Exzision (TME) und warum ist sie onkologisch wichtig? A: Scharfe Dissektion entlang der mesorektalen Faszie unter vollständiger Entfernung des Mesorektums einschließlich aller regionärer Lymphknoten. Reduziert Lokalrezidivrate von 20–40 % auf unter 10 %.
- F: Wann indizieren Sie eine neoadjuvante Radiochemotherapie? A: Bei lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom (T3/T4 oder N+) im mittleren/unteren Rektumdritteln. Ziel: Downsizing/-staging, Sphinktererhalt, Reduktion der Lokalrezidivrate. Standardregime: 5-FU-basiert über 5–6 Wochen, dann OP nach 6–8 Wochen.
- F: Welche Komplikationen nach Rektumresektion müssen Sie kennen? A: Anastomoseninsuffizienz (häufigste schwere Komplikation, 5–15 %), Nachblutung, Ileus, Harnblasen- und Erektionsstörungen durch Nervenverletzung, Stomakomplikationen, Lymphozele.
Themen
- Rektumkarzinom-Diagnostik und Staging
- TNM-Klassifikation
- Operative Verfahren und TME
- Neoadjuvante Therapie
- Postoperative Komplikationen
Teil 3 — Neurologie (~25 Min)
Fallvorstellung
Ein 58-jähriger Patient wird vom Notarzt mit plötzlich einsetzendem Sprachverlust und rechtsseitiger Hemiparese eingeliefert. Symptombeginn vor ca. 90 Minuten. Vorbekannte arterielle Hypertonie, Vorhofflimmern (nicht antikoaguliert). NIHSS-Score 12.
Gestellte Fragen
- F: Wie gehen Sie im Schockraum vor? A: „Time is brain“ — sofortige CT-Schädel nativ zum Blutungsausschluss, CT-Angiographie zur Gefäßdarstellung. Parallel: venöser Zugang, Blutentnahme (BB, Gerinnung, BZ, Elektrolyte), EKG, Blutdruck-Monitoring. Bei Blutungsausschluss und innerhalb 4,5h: Indikation zur systemischen Thrombolyse prüfen.
- F: Welche Kontraindikationen für eine rtPA-Lyse kennen Sie? A: Blutung im CT, Symptombeginn > 4,5h oder unbekannt, schwere Blutungsanamnese, aktive innere Blutung, unkontrollierte Hypertonie (> 185/110 mmHg), INR > 1,7 oder NOAK innerhalb 48h, Thrombozytopenie < 100.000/µl, vorausgegangener Schlaganfall + Diabetes.
- F: Was ist eine TIA und wie unterscheidet sie sich klinisch vom Apoplex? A: TIA (Transitorische ischämische Attacke): fokales neurologisches Defizit mit vollständiger Rückbildung innerhalb 24h (klassisch), DWI-negativ im MRT. Ischämischer Apoplex: persistierendes Defizit > 24h oder DWI-positiv. ABCD2-Score zur TIA-Risikostratifizierung (Alter, Blutdruck, Klinik, Dauer, Diabetes).
- F: Welche Sekundärprophylaxe empfehlen Sie nach kardioembolischem Schlaganfall? A: Orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern: NOAK bevorzugt (Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran) gegenüber Vitamin-K-Antagonisten. Beginn je nach Infarktgröße: kleiner Infarkt nach 3 Tagen, mittlerer nach 6–8 Tagen, großer nach 12–14 Tagen.
Themen
- Ischämischer Schlaganfall — Akutmanagement
- Thrombolyse-Indikation und KI
- TIA vs. Apoplex
- Sekundärprophylaxe
Gesamteindruck & Note
Die Prüfung verlief strukturiert und fair. Der Innere-Teil war der anspruchsvollste — hier wurde viel Wert auf Pathophysiologie gelegt, nicht nur auf Faktenwissen. Im Chirurgie-Teil war die TME-Frage zentral und häufig nachgefragt. Neurologie fühlte sich am entspanntesten an, da der Schlaganfall-Algorithmus gut eingeübt war. Gesamtnote: Bestanden. Empfehlung: NIHSS und Lyse-KI auswendig lernen, TNM kolorektal sicher beherrschen.
⚠️ Beispielprotokoll — keine reale Prüfung.
