KP Rheinland-Pfalz 2025-01-23 — Innere + Chirurgie + Notfallmedizin

🎓 PrĂŒfungsart KP
📍 Bundesland Rheinland-Pfalz
đŸ„ Ärztekammer LandesĂ€rztekammer Rheinland-Pfalz
📅 Datum Januar 2025
⏱ Dauer 90 min
🎯 Ergebnis ✗ Nicht bestanden

Mein KP-Protokoll — Trier, Januar 2025. Innere + Chirurgie + Notfallmedizin. Ergebnis: Nicht bestanden. Ich teile dieses Protokoll, damit andere wissen, was vertieft werden muss.

Rahmen & PrĂŒfer

PrĂŒfungsort: Mutterhaus der BorromĂ€erinnen, Trier, im Rahmen der KenntnisĂŒberprĂŒfung der LandesĂ€rztekammer Rheinland-Pfalz. Datum: 23. Januar 2025, 13:30 Uhr. Dauer: 90 Minuten. PrĂŒfungskommission: Dr. med. R. Gessler (Internist/Kardiologe, Vorsitzender), Dr. med. N. Fuchs (Unfallchirurgin), Dr. med. O. Bremer (Notfallmediziner). Der Internist war sehr streng und ließ kaum Orientierungspausen. Ich kam bei der Myelom-Frage ins Stocken — das wurde dann zum Hauptproblem.

Teil 1 — Innere Medizin (~38 Min)

Fallvorstellung

Ein 68-jĂ€hriger Patient wird mit Knochenschmerzen (RĂŒcken, Rippen), ausgeprĂ€gter MĂŒdigkeit und rezidivierenden Infekten seit 8 Monaten vorgestellt. Labor: Hb 9,1 g/dl, Kalzium 2,9 mmol/l, Kreatinin 1,8 mg/dl, Gesamteiweiß erhöht, Albumin erniedrigt. BSG massiv beschleunigt (>100 mm/h). Röntgen: SchĂ€delaufnahme mit multiplen Osteolysen (Schrotschussbild).

Gestellte Fragen

  1. F: Welche Verdachtsdiagnose haben Sie und welche Untersuchungen ordnen Sie an? A: V.a. multiples Myelom. Diagnostik: Serumprotein-Elektrophorese + Immunfixation (M-Gradient), Bence-Jones-Proteine im 24h-Urin, freie Leichtketten im Serum, Knochenmarkpunktion/-biopsie (Plasmazellen > 10 %), Low-dose-CT des Ganzkörpers (empfindlicher als Röntgen), LDH, Beta-2-Mikroglobulin, Albumin (ISS-Staging).
  2. F: ErlĂ€utern Sie die CRAB-Kriterien des multiplen Myeloms. A: CRAB = organische SchĂ€den durch das Myelom: C-Calcium erhöht (> 2,75 mmol/l oder > 1 mg/dl ĂŒber Normwert), R-Renal: Kreatinin > 2 mg/dl oder Kreatinin-Clearance < 40 ml/min, A-Anemia: Hb < 10 g/dl oder > 2 g/dl unter Normalwert, B-Bone: osteolytische LĂ€sionen, Osteopenie oder pathologische Frakturen. Mindestens 1 CRAB-Kriterium = Behandlungsindikation.
  3. F: Was ist der Unterschied zwischen symptomatischem Myelom, MGUS und schwelendem Myelom? A: MGUS (monoclonal gammopathy of undetermined significance): M-Protein < 30 g/l, Plasmazellen < 10 %, keine CRAB-Kriterien, Progressionsrisiko 1 %/Jahr. Smoldering Myelom (schwelendes Myelom): M-Protein ≄ 30 g/l oder Plasmazellen 10–60 %, keine CRAB-Kriterien, höheres Progressionsrisiko. Symptomatisches Myelom: CRAB-Kriterien oder SLiM-Kriterien erfĂŒllt.
  4. F: Welche systemische Therapie wird beim multiplen Myelom eingesetzt? A: Bei transplantationsfÀhigen Patienten: Induktionstherapie (z. B. VRd: Bortezomib + Lenalidomid + Dexamethason), dann Hochdosischemotherapie + autologe Stammzelltransplantation. Bei nicht transplantationsfÀhigen Patienten: VMP (Bortezomib + Melphalan + Prednison) oder Rd (Lenalidomid + Dexamethason) als Dauertherapie.
  5. F: Welche Komplikationen des Myeloms mĂŒssen akut behandelt werden? A: HyperkalzĂ€mie: Hydrierung + Bisphosphonate + Kortison; RĂŒckenmarkskompression: sofortige Hochdosissteroide, Neurochirurgie/Radiatio; akutes Nierenversagen: Hydrierung, Myelom-Therapie einleiten; HyperviskositĂ€tssyndrom: Plasmapherese.
  6. F: (Nachfrage, die mich gestĂŒrzt hat) Nennen Sie die SLiM-Kriterien. A: Hier stockte ich. SLiM = Sixty (Plasmazellen ≄ 60 %), Light-chain-ratio (freie Leichtketten-Ratio ≄ 100), MRI-LĂ€sionen (> 1 fokale LĂ€sion im MRT > 5 mm). Diese Kriterien rechtfertigen Therapiebeginn auch ohne CRAB-Kriterien — ich konnte sie damals nicht sicher nennen.
  7. F: Was sind Bisphosphonate und warum werden sie beim Myelom gegeben? A: Bisphosphonate (z. B. ZoledronsĂ€ure, Pamidronat) hemmen Osteoklasten, reduzieren Knochenschmerzen, pathologische Frakturen und HyperkalzĂ€mie. Empfehlung fĂŒr alle Myelom-Patienten mit Knochenbefall. Cave: Kiefernekrose unter Bisphosphonaten (zahnĂ€rztliche Sanierung vor Therapiebeginn!).

Themen

  • Multiples Myelom — Diagnose und Staging
  • CRAB- und SLiM-Kriterien
  • MGUS vs. Myelom
  • Therapieprinzipien (Transplantation vs. keine)
  • Bisphosphonate und Knochenprotektion

Teil 2 — Chirurgie (~28 Min)

Fallvorstellung

Ein 22-jĂ€hriger Mann kommt nach einem Motorradunfall. Glasgow Coma Scale 13, HĂ€matom temporal rechts, Übelkeit, einmaliges Erbrechen, keine Amnesie mehr. CT-SchĂ€del: epidurales HĂ€matom temporal rechts, Mittellinienverlagerung 5 mm.

Gestellte Fragen

  1. F: ErlĂ€utern Sie den Unterschied zwischen epiduralem und subduralem HĂ€matom. A: Epidurales HĂ€matom: Blutung zwischen SchĂ€delknochen und Dura mater, meist arteriell (A. meningea media), bikonvexe HyperdensitĂ€t im CT, klassisches freies Intervall (Lucid interval), Temporal-Lokalisation hĂ€ufig. Subdurales HĂ€matom: Blutung zwischen Dura und Arachnoidea, meist venös (BrĂŒckenvenen), sichelförmige HyperdensitĂ€t, kein freies Intervall, hĂ€ufig bei Ă€lteren Patienten und Antikoagulation.
  2. F: Ab wann ist eine operative Versorgung indiziert? A: Epidurales HÀmatom: OP-Indikation bei HÀmatom > 30 ml, Dicke > 15 mm, Mittellinienverlagerung > 5 mm (wie in diesem Fall), GCS < 8 oder klinische Verschlechterung. Subakutes/chronisches SubduralhÀmatom: OP bei symptomatischer Mittellinienverlagerung oder neuem neurologischen Defizit.
  3. F: Was ist ein Lucid interval und warum tritt es auf? A: Freies Intervall zwischen initialem Trauma und sekundĂ€rer BewusstseinstrĂŒbung. Entsteht durch zunĂ€chst kompensierbare epidurale Blutung — sobald die Raumforderung den intrakraniellen Druck ĂŒbersteigt, kommt es zu Herniation und Bewusstlosigkeit. Klassisch, aber nicht zwingend vorhanden (nur ca. 30–50 % der FĂ€lle).
  4. F: Wie wird der intrakranielle Druck gesenkt? A: Oberkörperhochlagerung 30°, Kopf in Mittellinie, Vermeidung von Hypotonie und Hypoxie, Mannitol (0,25–0,5 g/kg i.v.) oder hypertone NaCl 3 % zur Osmotherapie, Hyperventilation als Kurzzeitmaßnahme (pCO2 30–35 mmHg), Hypothermie-Protokolle. Kausale Therapie: chirurgische HĂ€matom-Evakuation.
  5. F: Welche SchÀdelbasisfrakturen kennen Sie und an welchen Zeichen erkennen Sie diese? A: Vordere SchÀdelgrube: BrillenhÀmatom (periorbitales HÀmatom), Rhinoliquorrhoe, Anosmie. Mittlere SchÀdelgrube: Otoliquorrhoe, HÀmotympanon. Hintere SchÀdelgrube: Battle-Sign (Mastoid-HÀmatom), HirnnervenausfÀlle (VI, VII, VIII).
  6. F: Welche neurologischen Zeichen deuten auf eine Herniation hin? A: Anisokorie (einseitige Pupillenerweiterung = N. oculomotorius-Kompression ipsilateral), BewusstseinseintrĂŒbung, Cheyne-Stokes-Atmung, Cushing-Trias (Hypertension + Bradykardie + unregelmĂ€ĂŸige Atmung), StreckkrĂ€mpfe, Babinski-Zeichen.

Themen

  • Epidurales vs. subdurales HĂ€matom
  • Lucid interval
  • OP-Indikation und ICP-Senkung
  • SchĂ€delbasisfrakturen
  • Herniation-Zeichen

Teil 3 — Notfallmedizin (~24 Min)

Fallvorstellung

Ein 55-jĂ€hriger Patient kollabiert auf der Straße. Ersthelfer rufen 112. BLS: kein Puls, keine Eigenatmung. Rettungsdienst trifft nach 7 Minuten ein, beginnt ACLS.

Gestellte Fragen

  1. F: ErlĂ€utern Sie den Basic Life Support (BLS) nach ERC-Leitlinien 2021. A: Sicherheit prĂŒfen → Ansprechen → Hilfe rufen (112) → Atemweg öffnen → keine normale Atmung? → 30 Herzdruckmassagen (5–6 cm Tiefe, 100–120/min, vollstĂ€ndige Thoraxentlastung) + 2 AtemstĂ¶ĂŸe → weiter 30:2 bis AED oder Profi eintrifft.
  2. F: Welche reversiblen Ursachen des Kreislaufstillstands mĂŒssen Sie im ACLS bedenken? A: Die 4 H’s und 4 T’s: Hypoxie, HypovolĂ€mie, Hypo-/HyperkaliĂ€mie (+ andere Elektrolytstörungen), Hypothermie; Thrombose (Koronar oder pulmonal), Tamponade (Herzbeutel), Tension Pneumothorax, ToxizitĂ€t (Vergiftung).
  3. F: Wann und wie oft geben Sie Adrenalin beim Kreislaufstillstand? A: Bei nicht-schockbarem Rhythmus (PEA, Asystolie): 1 mg i.v. so frĂŒh wie möglich, dann alle 3–5 Minuten. Bei schockbarem Rhythmus (VF, pVT): nach drittem Schock 1 mg i.v., dann alle 3–5 Minuten.
  4. F: Wann und wie geben Sie Amiodaron beim Kreislaufstillstand? A: Bei schockbarem Rhythmus: nach drittem Schock 300 mg i.v. Bolus, nach fĂŒnftem Schock weitere 150 mg i.v. Alternative: Lidocain 100 mg, wenn Amiodaron nicht verfĂŒgbar.
  5. F: Welche Post-Resuscitation-Care-Maßnahmen sind nach ROSC (return of spontaneous circulation) wichtig? A: Targeted Temperature Management (32–36 °C fĂŒr 24h), Koronarangiographie bei V.a. ACS, Blutdruck-Ziel ≄ 65 mmHg, pO2 94–98 % (Hyperoxie vermeiden), NormoglykĂ€mie, Behandlung der Ursache, neurologisches Monitoring, Prognosebeurteilung frĂŒhestens nach 72h.

Themen

  • BLS und ACLS nach ERC 2021
  • Reversible Ursachen (4 H + 4 T)
  • Medikamente im Kreislaufstillstand
  • Post-Resuscitation Care

Gesamteindruck & Note

Das Ergebnis war „nicht bestanden“, hauptsĂ€chlich durch das Stocken bei den SLiM-Kriterien im Innere-Teil. Der PrĂŒfer hakte mehrfach nach und ich konnte die drei Punkte nicht vollstĂ€ndig nennen. Im Nachhinein: SLiM ist keine exotische Frage beim Myelom, das gehört zum Standard. Chirurgie und Notfall liefen gut. FĂŒr den Wiederholungstermin: Myelom-Staging komplett ĂŒberarbeiten, SLiM-Kriterien und ISS/R-ISS-Scoring auswendig lernen. Alle anderen Themen saßen.

⚠ Beispielprotokoll — keine reale PrĂŒfung.

💡 Tipps fĂŒr die Vorbereitung

SLiM-Kriterien (Sixty/Light-chain/MRI) sind Pflicht — nicht nur CRAB lernen. ISS-Staging beim Myelom (Beta-2-Mikroglobulin + Albumin) auch. Epidurales vs. subdurales HĂ€matom: Pathomechanismus und CT-Morphologie auswendig. BLS/ACLS-Algorithmen nach ERC 2021 sicher können — 4H+4T ist ein Klassiker. Nicht entmutigen lassen: Wiederholen mit gezielter Vorbereitung fĂŒhrt zum Bestehen.

Veröffentlicht am 23. Januar 2025

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