Meningitis

Neurologie Häufig Notfall Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur bakteriellen Meningitis: Kopfschmerzen, Fieber, Meningismus, Lumbalpunktion und Soforttherapie mit Ceftriaxon + Ampicillin + Dexamethason.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Kopfschmerzen + Fieber + Nackensteifigkeit (Meningismus)
  • Diagnostischer Standard: Lumbalpunktion mit Liquoranalyse
  • Erste Maßnahme: Sofortige Antibiotikagabe (Ceftriaxon + Ampicillin + Dexamethason)
  • Wichtigste Kontraindikation: Lumbalpunktion bei erhöhtem Hirndruck ohne vorherige cCT
  • Prognose: Ohne Therapie letal, mit Therapie Letalität 10–30 %

1 · Leitfall

Notaufnahme 25 J., m Stärkste Kopfschmerzen + Fieber + Nackensteife
"Seit heute Morgen habe ich die schlimmsten Kopfschmerzen meines Lebens. Ich kann meinen Kopf kaum bewegen, das Licht tut mir in den Augen weh, und ich musste mich mehrfach übergeben. Meine Freundin sagt, ich hätte auch Fieber."
2 · Krankheitsbild

Definition

Die Meningitis ist eine akute Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen). Bei gleichzeitiger Entzündung des Hirngewebes spricht man von einer Meningoenzephalitis. Die bakterielle Form ist ein lebensbedrohlicher Notfall und muss sofort behandelt werden.

Pathophysiologie

Erreger gelangen hämatogen (Bakteriämie), per continuitatem (z. B. Sinusitis, Otitis media) oder direkt (Schädel-Hirn-Trauma, neurochirurgische Eingriffe) in den Subarachnoidalraum. Dort lösen sie eine entzündliche Reaktion mit Liquorpleozytose, Hirnödem und erhöhtem Hirndruck aus. Die Blut-Hirn-Schranke wird geschädigt.

Epidemiologie

Inzidenz (bakteriell) ca. 1/100.000/Jahr in Deutschland
Inzidenz (viral) ca. 20/100.000/Jahr
Häufigkeitsgipfel Kinder unter 5 Jahre, Jugendliche 15–25 Jahre
Geschlecht m = w

Häufigste Erreger (bakteriell, Erwachsene)

Streptococcus pneumoniae ca. 50 %
Neisseria meningitidis ca. 30 %
Listeria monocytogenes ca. 5–10 % (v. a. bei >50 J., Immunsupprimierten)

Risikofaktoren

Prädisponierende Faktoren:
  • Immunsuppression (HIV, Chemotherapie)
  • Asplenie/Splenektomie
  • Alkoholabhängigkeit
  • Diabetes mellitus
Eintrittspforten:
  • Otitis media, Mastoiditis
  • Sinusitis
  • Schädel-Hirn-Trauma (Liquorfistel)
  • Neurochirurgische Eingriffe
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Kopfschmerzen Seit wann haben Sie die Kopfschmerzen? Wie stark sind sie auf einer Skala von 1–10? Akuter Beginn + stärkste Intensität typisch
Fieber Haben Sie Fieber gemessen? Seit wann? Hohes Fieber (>38,5 °C) bei bakterieller Meningitis
Nackensteife Können Sie Ihr Kinn auf die Brust legen? Meningismus als Kardinalsymptom
Bewusstsein Waren Sie zwischendurch verwirrt oder schläfrig? Vigilanzstörung als Warnzeichen
Begleitsymptome Haben Sie Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu oder Geräuschempfindlichkeit? Typische Begleitsymptome
Hautveränderungen Haben Sie Hautausschlag oder Flecken bemerkt? Petechien bei Meningokokkensepsis
Infektfokus Hatten Sie kürzlich eine Erkältung, Ohrenschmerzen oder Nasennebenhöhlenentzündung? Eintrittspforte identifizieren
Kontakte Hatte jemand in Ihrem Umfeld ähnliche Beschwerden? Epidemiologische Hinweise

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin Dr. K. Saleh. Was führt Sie zu uns?

Patient:

Ich habe furchtbare Kopfschmerzen. So etwas hatte ich noch nie. Mein Nacken ist ganz steif, und mir ist schlecht.

Arzt:

Seit wann haben Sie diese Beschwerden?

Patient:

Seit heute früh, vielleicht sechs Stunden. Es wird immer schlimmer.

Arzt:

Haben Sie Fieber?

Patient:

Ja, meine Freundin hat 39,5 Grad gemessen.

Arzt:

Stört Sie das Licht oder sind Sie empfindlich gegen Geräusche?

Patient:

Ja, das Licht hier tut mir total in den Augen weh.

Arzt:

Haben Sie Flecken auf der Haut bemerkt?

Patient:

Nein, nichts dergleichen.

Prüfungsfokus

  • Klassische Trias: Kopfschmerzen + Fieber + Nackensteifigkeit (nur bei ca. 45 %!)
  • Photophobie und Phonophobie gezielt erfragen
  • Vigilanzstörung als Alarmzeichen nicht übersehen
  • Nach Petechien (Meningokokkensepsis) aktiv suchen
4 · Befund

Vitalzeichen

Temperatur 39,5 °C
Blutdruck 140/85 mmHg
Herzfrequenz 105/min
Atemfrequenz 18/min
SpO₂ 97 % (Raumluft)

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Inspektion Patient liegt mit angezogenen Beinen, lichtscheu; Haut inspizieren auf Petechien!
Meningismus Passive Kopfflexion schmerzhaft eingeschränkt, Rotation möglich
Brudzinski-Zeichen Positiv: Reflexartige Beugung der Beine bei Anheben des Kopfes
Kernig-Zeichen Positiv: Schmerzen bei Streckung des Knies bei gebeugter Hüfte
Lasègue-Zeichen Kann positiv sein bei meningealer Reizung
Neurologischer Status GCS, Pupillen, Hirnnerven (v. a. III, VI, VII, VIII), Motorik, Sensibilität

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Leukozyten ↑↑ (15.000–25.000/µl) Leukozytose mit Linksverschiebung
CRP ↑↑↑ (>100 mg/l) Starke Entzündungsreaktion
Procalcitonin ↑↑ (>0,5 ng/ml) Hinweis auf bakterielle Infektion
Blutkulturen 2 Paar abnehmen! Erregernachweis bei ca. 50 %

Liquorbefund (bakterielle Meningitis)

Parameter Normal Bakterielle Meningitis
Aussehen Klar, farblos Trüb bis eitrig
Zellzahl <5/µl >1.000/µl (Granulozyten)
Eiweiß <45 mg/dl >100 mg/dl (oft >500)
Glucose 50–70 % der BZ ↓↓ (<30 % der BZ)
Laktat <2 mmol/l >3,5 mmol/l

Bildgebung

Methode Indikation Befund
cCT VOR LP bei: Vigilanzstörung, fokalen Defiziten, Krampfanfall Ausschluss Hirndruck, Abszess, Blutung
cMRT Bei Komplikationen, unklarem Verlauf Leptomeningeale KM-Aufnahme, Komplikationen

Goldstandard

Lumbalpunktion mit Liquoranalyse – Diagnosesicherung nur durch Liquoruntersuchung möglich!

Cave: Bei Bewusstseinsstörung, fokal-neurologischem Defizit oder Krampfanfall: Erst cCT, dann LP – aber Antibiotika SOFORT nach Blutabnahme!

5 · Therapie

Akutmaßnahmen – NOTFALL!

  1. Sofortige Isolation (bei V. a. Meningokokken) + Meldepflicht
  2. Venöser Zugang + Blutentnahme (inkl. 2 Paar Blutkulturen)
  3. Sofortiger Therapiebeginn innerhalb von 1 Stunde nach Eintreffen!
  4. Intensivstation in der Initialphase

Empirische Antibiotikatherapie (ambulant erworben, Erwachsene)

Substanz Dosierung Ziel Cave
Ceftriaxon 2 × 2 g/Tag i.v. Pneumokokken, Meningokokken, H. influenzae Nicht bei Listerien wirksam
Ampicillin 6 × 2 g/Tag i.v. Listerien-Abdeckung Wichtig bei >50 Jahre, Immunsuppression
Dexamethason 4 × 10 mg/Tag i.v. über 4 Tage Reduktion von Letalität und Hörschäden bei Pneumokokken VOR oder MIT erster Antibiose beginnen!

Bei V. a. HSV-Enzephalitis zusätzlich

Aciclovir 3 × 10 mg/kg KG/Tag i.v. Bis HSV-Ausschluss

Therapiedauer

Meningokokken 7 Tage
Pneumokokken 10–14 Tage
Listerien ≥21 Tage

Supportive Maßnahmen

  • Intensivüberwachung: GCS, Vitalzeichen, Pupillen
  • Hirndrucktherapie: 30°-Oberkörperhochlagerung, ggf. Mannitol, Hyperventilation
  • Krampfanfälle: Antikonvulsive Therapie (Lorazepam, Levetiracetam)
  • Fokussanierung: HNO-Konsil (Mastoiditis, Sinusitis)

Postexpositionsprophylaxe (Meningokokken)

Medikament Dosis
Ciprofloxacin 1 × 500 mg p.o. (Erwachsene)
Rifampicin 2 × 600 mg/Tag p.o. für 2 Tage
Ceftriaxon 1 × 250 mg i.m. (Schwangere)

Therapie der 1. Wahl

Ceftriaxon + Ampicillin + Dexamethason – Beginn innerhalb von 1 Stunde!

Merke: Dexamethason VOR oder MIT der ersten Antibiotikagabe – nicht danach!

6 · Arztbrief

Universitätsklinikum Musterstadt
Klinik für Neurologie
Musterstraße 1, 12345 Musterstadt

Entlassungsbrief

Patient: Tim Neumann, geb. 15.03.2000, 25 Jahre
Aufnahme: 02.01.2026
Entlassung: 16.01.2026

Diagnosen

  1. Bakterielle Meningitis durch Streptococcus pneumoniae (ICD: G00.1)
  2. Akuter Kopfschmerz (ICD: R51)

Anamnese

Der 25-jährige Patient habe angegeben, seit dem Aufnahmetag unter stärksten Kopfschmerzen zu leiden. Diese seien akut aufgetreten und hätten rasch an Intensität zugenommen. Begleitend habe er Fieber bis 39,5 °C, Übelkeit mit Erbrechen sowie eine ausgeprägte Lichtscheu bemerkt. Eine Nackensteifigkeit sei ihm ebenfalls aufgefallen. An Vorerkrankungen seien keine bekannt. Eine regelmäßige Medikation bestehe nicht.

Befund bei Aufnahme

Wacher, aber schmerzgeplagter Patient in reduziertem Allgemeinzustand. Temperatur 39,5 °C, Blutdruck 140/85 mmHg, Herzfrequenz 105/min. Neurologisch: Meningismus positiv, Brudzinski-Zeichen positiv, Kernig-Zeichen positiv. Keine Petechien. GCS 15, Pupillen isokor, lichtreagibel, keine fokalen neurologischen Defizite.

Diagnostik

  • Labor: Leukozyten 18.500/µl, CRP 185 mg/l, PCT 3,2 ng/ml
  • Liquor: Trüb, Zellzahl 2.850/µl (95 % Granulozyten), Eiweiß 520 mg/dl, Glucose 22 mg/dl (BZ 105 mg/dl), Laktat 5,8 mmol/l
  • Grampräparat: Grampositive Diplokokken
  • Liquorkultur: Streptococcus pneumoniae
  • cCT: Kein Anhalt für Hirndruck oder strukturelle Läsion

Therapie und Verlauf

Bei Verdacht auf bakterielle Meningitis wurde nach Blutkulturentnahme und Lumbalpunktion umgehend eine empirische Therapie mit Ceftriaxon 2 × 2 g/Tag i.v., Ampicillin 6 × 2 g/Tag i.v. sowie Dexamethason 4 × 10 mg/Tag i.v. eingeleitet. Nach Erregernachweis wurde die Therapie auf Ceftriaxon und Dexamethason (4 Tage) fokussiert. Die Antibiotikatherapie wurde über 14 Tage fortgeführt. Der Verlauf gestaltete sich komplikationslos mit rascher klinischer Besserung. Eine Hörtestung ergab ein normales Audiogramm.

Empfehlung

  • Hausärztliche Kontrolle in 1 Woche
  • Neurologische Kontrolle in 4 Wochen
  • Audiometrische Kontrolle in 4 Wochen empfohlen
  • Impfberatung bzgl. Pneumokokken- und Meningokokken-Impfung
  • Bei erneuten Kopfschmerzen, Fieber oder Nackensteifigkeit sofortige Wiedervorstellung

Konjunktiv I beachten!

  • habe angegeben, leide, sei, habe
  • Nur in der Anamnese (indirekte Rede)
  • Therapie und Verlauf im Indikativ
🩺️ 7 · Übergabe

SBAR-Schema

S
Situation:

Ich übergebe Ihnen Herrn Neumann, 25 Jahre alt, mit einer bakteriellen Meningitis durch Pneumokokken. Der Patient wurde vor 14 Tagen aufgenommen und ist jetzt zur Entlassung vorgesehen.

B
Background:

Der Patient stellte sich mit akuten stärksten Kopfschmerzen, Fieber bis 39,5 °C und Nackensteifigkeit vor. Keine relevanten Vorerkrankungen, keine Immunsuppression. Liquor zeigte typisches bakterielles Bild mit Nachweis von S. pneumoniae.

A
Assessment:

Aktuell beschwerdefrei, afebril, kein Meningismus mehr nachweisbar. Neurologischer Status unauffällig. Audiometrie ohne pathologischen Befund. Antibiotikatherapie mit Ceftriaxon über 14 Tage abgeschlossen.

R
Recommendation:

Ambulante Kontrolle bei Neurologie in 4 Wochen. Impfberatung empfohlen. Bei Warnsymptomen wie erneuten Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit sofortige Wiedervorstellung in der Notaufnahme.

8 · Differentialdiagnosen
DD Unterscheidungsmerkmal Ausschluss
Virale Meningitis Milderer Verlauf, klarer Liquor, lymphozytär Liquor: Zellzahl niedriger, Glucose normal, Laktat <3,5
HSV-Enzephalitis Wesensänderung, fokale Defizite, temporale Läsionen im MRT HSV-PCR im Liquor, cMRT
Subarachnoidalblutung Akuter „Vernichtungskopfschmerz", oft ohne Fieber cCT nativ, Liquor xanthochrom
Hirnabszess Fokale Defizite, langsamer Beginn cMRT mit KM
Tuberkulöse Meningitis Subakuter Verlauf über Wochen, Basalmeningitis Liquor lymphozytär, TB-PCR, Kultur
Sinusvenenthrombose Kopfschmerzen, fokale Defizite, Krampfanfälle cMRT mit Venographie
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Hirnödem mit Einklemmung → Lebensgefahr, Hirndrucktherapie
  • Septischer Schock → Intensivmedizinische Behandlung
  • Waterhouse-Friderichsen-Syndrom (Meningokokken) → Nebennierenblutung, DIC
  • Krampfanfälle → Antikonvulsiva
  • SIADH → Hyponatriämie, Flüssigkeitsrestriktion

Spätkomplikationen (neurologische Residuen bei ca. 20 %)

  • Hörstörung/Taubheit (bis 20 %, v. a. bei Pneumokokken)
  • Hydrozephalus
  • Hirnnervenparesen (v. a. N. III, VI, VII, VIII)
  • Epilepsie
  • Kognitive Defizite
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Petechien/Purpura Meningokokkensepsis, DIC Sofort Antibiose, Isolation, Intensiv
GCS-Abfall Hirnödem, Einklemmung cCT, Hirndrucktherapie, Intensiv
Weite, lichtstarre Pupille Einklemmung Notfall-cCT, neurochirurgisches Konsil
Krampfanfall Zerebrale Beteiligung Antikonvulsiva, cCT vor LP
Fokale Defizite Vaskulitis, Infarkt, Abszess cCT/cMRT vor LP
Therapieversagen >48 h Resistenz, Fokus, Komplikation Bildgebung, Antibiotika-Anpassung
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Klassische Trias (Kopfschmerz + Fieber + Meningismus) nur bei ca. 45 % vollständig
  2. Goldstandard: Lumbalpunktion – bei Kontraindikation erst cCT, aber Antibiose SOFORT
  3. Empirische Therapie: Ceftriaxon + Ampicillin + Dexamethason (VOR erster Antibiose!)
Frage 1 (Diagnostik): Welcher Liquorbefund ist typisch für eine bakterielle Meningitis?
A) Klarer Liquor, Lymphozyten erhöht, Glucose normal
B) Trüber Liquor, Granulozyten >1.000/µl, Glucose erniedrigt, Laktat >3,5 mmol/l
C) Xanthochromer Liquor, Erythrozyten erhöht
D) Klarer Liquor mit oligoklonalen Banden
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei bakterieller Meningitis ist der Liquor trüb bis eitrig mit granulozytärer Pleozytose (>1.000 Zellen/µl), erhöhtem Eiweiß, erniedrigter Glucose und erhöhtem Laktat (>3,5 mmol/l).
Frage 2 (Diagnostik): Bei welchem Befund muss VOR der Lumbalpunktion eine cCT durchgeführt werden?
A) Fieber >39 °C
B) Positives Brudzinski-Zeichen
C) Bewusstseinsstörung, fokale neurologische Defizite oder Krampfanfall
D) Photophobie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Bei Bewusstseinsstörung, fokalen neurologischen Defiziten oder Krampfanfällen muss vor der Lumbalpunktion ein Hirndruck mittels cCT ausgeschlossen werden. Die Antibiotikatherapie wird jedoch SOFORT nach Blutabnahme begonnen!
Frage 3 (Therapie): Welche empirische Antibiotikatherapie ist bei V. a. ambulant erworbene bakterielle Meningitis bei Erwachsenen leitliniengerecht?
A) Penicillin G mono
B) Ceftriaxon + Ampicillin
C) Ciprofloxacin + Metronidazol
D) Vancomycin mono
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die empirische Therapie besteht aus Ceftriaxon (2 × 2 g/Tag) + Ampicillin (6 × 2 g/Tag). Ampicillin deckt Listerien ab, die nicht auf Cephalosporine ansprechen.
Frage 4 (Therapie): Wann sollte Dexamethason bei bakterieller Meningitis gegeben werden?
A) 24 Stunden nach Therapiebeginn
B) VOR oder gleichzeitig mit der ersten Antibiotikagabe
C) Nur bei nachgewiesenem Erreger
D) Nur bei Meningokokken-Meningitis
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Dexamethason muss VOR oder gleichzeitig mit der ersten Antibiotikagabe begonnen werden, um die Entzündungsreaktion durch Bakterienlyse zu reduzieren.
Frage 5 (Notfall): Ein 22-jähriger Patient mit Meningitis-Verdacht entwickelt plötzlich Petechien an Stamm und Extremitäten. Woran denken Sie?
A) Pneumokokken-Meningitis
B) Virale Meningitis
C) Meningokokken-Sepsis (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom)
D) Tuberkulöse Meningitis
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Petechien und Purpura sind typisch für die Meningokokken-Sepsis und können zum Waterhouse-Friderichsen-Syndrom mit DIC und Nebennierenblutung führen. Absolute Notfallsituation!
Frage 6 (Notfall): Was ist die wichtigste Maßnahme bei V. a. bakterielle Meningitis in der Notaufnahme?
A) Zunächst MRT durchführen
B) Antibiotikatherapie erst nach Erregernachweis
C) Sofortiger Beginn der Antibiotikatherapie (innerhalb von 1 Stunde)
D) Abwarten auf Laborergebnisse
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Die Antibiotikatherapie muss sofort (innerhalb von 1 Stunde nach Eintreffen) begonnen werden. Eine Verzögerung um mehr als 3 Stunden verschlechtert die Prognose signifikant.
Frage 7 (DD): Wie unterscheidet sich die virale von der bakteriellen Meningitis im Liquorbefund?
A) Virale: Trüber Liquor mit Granulozyten
B) Virale: Klarer Liquor mit Lymphozyten, Glucose normal, Laktat <3,5 mmol/l
C) Virale: Stark erniedrigte Glucose
D) Kein Unterschied erkennbar
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei viraler Meningitis ist der Liquor typischerweise klar, die Zellzahl niedriger mit lymphozytärer Differenzierung, die Glucose normal und das Laktat <3,5 mmol/l.
Frage 8 (DD): Ein Patient mit akutem Kopfschmerz und Nackensteifigkeit hat einen „Vernichtungskopfschmerz". Der Liquor ist xanthochrom. Welche Diagnose ist wahrscheinlich?
A) Bakterielle Meningitis
B) Virale Meningitis
C) Subarachnoidalblutung
D) Migräne
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Ein akuter „Vernichtungskopfschmerz" mit xanthochromem Liquor ist typisch für eine Subarachnoidalblutung.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Meningitis "Eine Entzündung der Hirnhäute, also der Schutzhüllen um Ihr Gehirn und Rückenmark."
Meningismus "Eine schmerzhafte Nackensteifigkeit, die typisch für eine Hirnhautentzündung ist."
Lumbalpunktion "Eine Untersuchung, bei der wir mit einer dünnen Nadel Nervenwasser aus dem Rückenmarkskanal entnehmen."
Liquor "Das Nervenwasser, das Gehirn und Rückenmark umgibt und schützt."
Photophobie "Lichtscheu – das bedeutet, dass Licht in den Augen weh tut."
Petechien "Kleine punktförmige Einblutungen in der Haut, die auf eine schwere Infektion hinweisen können."
Postexpositionsprophylaxe "Eine vorbeugende Behandlung für Kontaktpersonen, um eine Ansteckung zu verhindern."

Zusammenfassung

Die bakterielle Meningitis ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der durch Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit gekennzeichnet ist. Die Diagnose wird durch Lumbalpunktion gesichert. Die empirische Therapie (Ceftriaxon + Ampicillin + Dexamethason) muss sofort nach Blutabnahme begonnen werden – jede Stunde Verzögerung verschlechtert die Prognose.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.