Anaphylaxie – FSP-Fall

Infektiologie Häufig Notfall Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur Anaphylaxie: Akute systemische Überempfindlichkeitsreaktion mit Urtikaria, Angioödem und Kreislaufschock. Soforttherapie mit Adrenalin i.m. nach AWMF-Leitlinie.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Akute Urtikaria, Angioödem, Dyspnoe, Hypotonie
  • Diagnostischer Standard: Klinische Diagnose (Symptomkonstellation + Allergenexposition)
  • Erste Maßnahme: Adrenalin i.m. (Erwachsene: 0,3–0,5 mg, Kinder: 0,01 mg/kg)
  • Wichtigste Kontraindikation: Keine im Notfall! Adrenalin i.v. nur verdünnt unter Monitoring
  • Prognose: Bei rascher Therapie gut; ohne Behandlung potenziell letal

1 · Leitfall

Notaufnahme J., w Atemnot und Hautausschlag nach Wespenstich
„Ich wurde vor etwa 20 Minuten von einer Wespe gestochen. Jetzt bekomme ich kaum noch Luft, mir ist schwindelig und mein ganzer Körper juckt furchtbar!"
2 · Krankheitsbild

Definition

Die Anaphylaxie ist eine akute, systemische und potenziell lebensbedrohliche Überempfindlichkeitsreaktion. Sie tritt nach Kontakt mit einem Allergen auf und manifestiert sich an mehreren Organsystemen gleichzeitig (Haut, Atemwege, Herz-Kreislauf, Gastrointestinaltrakt).

Pathophysiologie

Die allergische Anaphylaxie (Typ-I-Reaktion nach Coombs und Gell) wird durch IgE-vermittelte Mastzelldegranulation ausgelöst. Dabei werden Histamin, Leukotriene und andere Mediatoren freigesetzt, die zu Vasodilatation, erhöhter Gefäßpermeabilität, Bronchokonstriktion und Schleimhautödem führen. Das Resultat ist ein distributiver Schock mit relativem Volumenmangel.

Epidemiologie

Inzidenz 50–200 Fälle/100.000 Einwohner/Jahr
Letalität 0,5–2 % bei schweren Reaktionen
Typisches Alter Jedes Alter; Kinder: häufiger Nahrungsmittel, Erwachsene: häufiger Insektengift/Medikamente
Geschlecht Kinder: m > w; Erwachsene: w > m

Häufige Auslöser

Auslöser Beispiele Besonderheiten
Nahrungsmittel Erdnüsse, Baumnüsse, Milch, Ei, Fisch, Weizen Häufigste Ursache bei Kindern
Insektengifte Wespen-, Bienengift Häufigste Ursache bei Erwachsenen
Medikamente Antibiotika (Penicilline), NSAR, Kontrastmittel Oft im klinischen Setting
Sonstige Latex, körperliche Anstrengung Kofaktoren beachten

Schweregrade (nach Ring/Messmer)

Grad Symptome
I Haut: Flush, Urtikaria, Juckreiz, Angioödem
II + Kreislauf: Tachykardie, Hypotonie; + GI: Übelkeit, Erbrechen; + Atemwege: leichte Dyspnoe
III + Schock, Bronchospasmus, Bewusstseinstrübung
IV Herz-Kreislauf-Stillstand, Atemstillstand
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Auslöser Was haben Sie gegessen, getrunken oder eingenommen? Wurden Sie gestochen? Identifikation des Allergens für Meidung und spätere Diagnostik
Zeitverlauf Wann genau begann es? Wie schnell haben sich die Symptome entwickelt? Anaphylaxie: meist innerhalb von Minuten nach Exposition
Symptome Haben Sie Atemnot, Juckreiz, Schwindel, Übelkeit oder Bauchschmerzen? Multisystemische Beteiligung charakteristisch
Vorgeschichte Hatten Sie früher schon einmal eine ähnliche Reaktion? Bekannte Allergien erhöhen Wahrscheinlichkeit
Medikamente Nehmen Sie Betablocker oder ACE-Hemmer ein? Therapierefraktärität bei Betablockern; Angioödeme bei ACE-Hemmern
Komorbiditäten Leiden Sie an Asthma, Mastozytose oder Herzerkrankungen? Risikofaktoren für schweren Verlauf

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin . Was ist passiert?

Patientin:

Ich wurde vor etwa 20 Minuten im Garten von einer Wespe am Arm gestochen. Kurz danach fing plötzlich mein ganzer Körper an zu jucken.

Arzt:

Haben Sie noch andere Beschwerden bemerkt?

Patientin:

Ja, mir wurde schwindelig, ich bekomme schlecht Luft und mir ist übel. Meine Lippen fühlen sich auch geschwollen an.

Arzt:

Hatten Sie früher schon einmal eine solche Reaktion nach einem Insektenstich?

Patientin:

Letztes Jahr wurde ich auch gestochen, da hatte ich nur eine große Schwellung am Arm. Aber so schlimm war es noch nie.

Arzt:

Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?

Patientin:

Nein, nur manchmal Ibuprofen bei Kopfschmerzen.

Prüfungsfokus

  • Zeitlicher Zusammenhang zwischen Allergenexposition und Symptombeginn
  • Beteiligung mehrerer Organsysteme erfragen
  • Risikofaktoren (Betablocker, Asthma, Mastozytose) identifizieren
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

System Befunde bei Anaphylaxie
Haut Generalisierte Urtikaria, Flush, Angioödem (Lippen, Augenlider), Juckreiz, Blässe bei Schock
Atemwege Stridor (Larynxödem), Giemen/Brummen (Bronchospasmus), Heiserkeit, Dyspnoe, Zyanose
Kreislauf Tachykardie, Hypotonie (RR syst. < 90 mmHg), schwacher Puls, verlängerte Rekapillarisierungszeit
Neurologie Unruhe, Angst, Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung bis Bewusstlosigkeit
GI-Trakt Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Diarrhö

Vitalzeichen (Beispiel Grad III)

Blutdruck 85/50 mmHg (↓)
Herzfrequenz 120/min (↑)
Atemfrequenz 28/min (↑)
SpO₂ 88 % (↓)
Temperatur 36,8 °C (normal)

Labor (retrospektiv zur Diagnosesicherung)

Parameter Veränderung Bedeutung
Tryptase ↑ (> 11,4 µg/L) Mastzelldegranulation; Abnahme 1–2 h nach Reaktion; Anstieg bei schwerer Anaphylaxie
Histamin Schneller Abbau, daher schwierig nachzuweisen
Spezifisches IgE Positiv Allergenspezifisch; im Intervall bestimmen

Bildgebung

In der Akutsituation nicht routinemäßig erforderlich. Bei V. a. Komplikationen:

Methode Indikation
Röntgen-Thorax V. a. Aspiration, Lungenödem
Laryngoskopie Beurteilung des Larynxödems vor Intubation

Goldstandard

Klinische Diagnose! Kombination aus typischer Symptomkonstellation und zeitlichem Zusammenhang mit Allergenexposition. Labor (Tryptase) dient der retrospektiven Bestätigung.

5 · Therapie

Sofortmaßnahmen (ABC-Schema)

  1. Allergenexposition sofort stoppen (Infusion unterbrechen, Stachel entfernen)
  2. Hilfe rufen (Notarzt/Team alarmieren)
  3. Flachlagerung (bei Dyspnoe: Oberkörper hoch; bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage)
  4. Adrenalin i.m. (siehe Dosierung)
  5. Sauerstoff (10–15 L/min über Maske mit Reservoir)
  6. Venöser Zugang + Volumen (kristalloide Lösung)

Pharmakotherapie – Akut

Substanz Dosierung Erwachsene Dosierung Kinder Hinweise
Adrenalin i.m. 0,3–0,5 mg (= 0,3–0,5 ml der 1:1000-Lösung) 0,01 mg/kg (max. 0,5 mg) In den lateralen Oberschenkel; alle 5–15 min wiederholbar
H1-Antihistaminikum Dimetinden 0,1 mg/kg i.v. oder Clemastin 2 mg i.v. Dimetinden 0,1 mg/kg i.v. Langsam injizieren; nicht lebensrettend!
Glukokortikoid Prednisolon 250–1000 mg i.v. Prednisolon 2 mg/kg i.v. Wirkeintritt erst nach 1–2 h; verhindert biphasische Reaktion
Volumentherapie Kristalloide 1–3 L rasch 20 ml/kg Bolus Bei Hypotonie essenziell
β₂-Mimetikum inh. Salbutamol 2–4 Hübe Salbutamol 2–4 Hübe Bei Bronchospasmus; ggf. Vernebler

Intensivtherapie (bei Grad III–IV)

  • Adrenalin i.v.: 0,1–0,3 mg Boli (verdünnt 1:10.000) unter Monitoring; alternativ Perfusor
  • Atemwegssicherung: Frühzeitig intubieren bei Larynxödem; ggf. Koniotomie
  • Glukagon: Bei Betablocker-Therapie und fehlendem Ansprechen auf Adrenalin
  • Vasopressoren: Noradrenalin bei persistierender Hypotonie trotz Adrenalin

Langzeitmanagement

  • Allergologische Diagnostik: Hauttests, spezifisches IgE im Intervall (4–6 Wochen)
  • Notfallset verordnen: Adrenalin-Autoinjektor + H1-Antihistaminikum + Glukokortikoid (+ Bronchodilatator bei Asthma)
  • Patientenschulung: AGATE-Schulung empfohlen
  • Anaphylaxie-Pass ausstellen
  • Hyposensibilisierung: Bei Insektengiftallergie indiziert

Therapie der 1. Wahl

Adrenalin i.m. ist das wichtigste Medikament! Keine Kontraindikationen im Notfall. Antihistaminika und Glukokortikoide sind supportiv, aber nicht lebensrettend.

6 · Arztbrief

Muster-Krankenhaus
Abteilung für Innere Medizin / Notaufnahme
Musterstraße 1, 12345 Musterstadt

Entlassungsbrief

Patientin: , geb. 15.03.1991, Jahre
Aufnahme: 04.01.2026
Entlassung: 05.01.2026

Diagnosen

  1. Anaphylaxie Grad III nach Wespenstich (ICD: T63.4, T78.2)
  2. Wespengiftallergie, erstmals symptomatisch

Anamnese

Die -jährige Patientin habe angegeben, etwa 20 Minuten vor Eintreffen in der Notaufnahme von einer Wespe am linken Unterarm gestochen worden zu sein. Kurz danach habe sie einen generalisierten Juckreiz sowie eine Schwellung der Lippen bemerkt. Zudem sei ihr schwindelig geworden und sie habe zunehmend Atemnot verspürt. Übelkeit habe ebenfalls bestanden. Eine bekannte Allergie bestehe nicht, jedoch habe sie im Vorjahr nach einem Wespenstich eine ausgeprägte Lokalreaktion am Arm gehabt. Regelmäßige Medikamente nehme sie nicht ein.

Befund bei Aufnahme

Reduzierter Allgemeinzustand, wache, ängstliche Patientin. RR 85/50 mmHg, HF 120/min, SpO₂ 88 % unter Raumluft, AF 28/min, Temperatur 36,8 °C. Haut: generalisierte Urtikaria, Flush im Gesicht, Angioödem der Lippen. Auskultation: verlängertes Exspirium mit Giemen beidseits. Abdomen weich, diffuser Druckschmerz.

Diagnostik

  • Labor bei Aufnahme: Tryptase 28,5 µg/L (Norm < 11,4), sonst unauffällig
  • EKG: Sinustachykardie, keine ST-Veränderungen

Therapie und Verlauf

Sofortige Gabe von Adrenalin 0,5 mg i.m. in den rechten Oberschenkel, Sauerstoff 10 L/min, Anlage eines periphervenösen Zugangs und Volumentherapie mit 1000 ml kristalloider Lösung. Zusätzlich Dimetinden 8 mg i.v. und Prednisolon 250 mg i.v. Unter dieser Therapie rasche Stabilisierung der Vitalzeichen: RR 115/70 mmHg, HF 88/min, SpO₂ 97 %. Rückgang der Urtikaria und des Angioödems innerhalb von 2 Stunden. Überwachung für 24 Stunden auf der Überwachungsstation ohne erneute Symptomatik.

Empfehlung

  • Notfallset: Adrenalin-Autoinjektor (z. B. Fastjekt® 300 µg) 2 Stück, Cetirizin 10 mg Tabletten, Prednisolon 50 mg Tabletten – stets mitführen!
  • Allergologische Abklärung: Vorstellung beim Allergologen in 4–6 Wochen zur Bestimmung des spezifischen IgE und Hauttestung
  • Hyposensibilisierung: Bei Bestätigung der Wespengiftallergie dringend empfohlen
  • Patientenschulung: AGATE-Anaphylaxieschulung
  • Anaphylaxie-Pass: Ausgestellt und ausgehändigt

Konjunktiv I beachten!

  • habe angegeben, sei, habe, bestehe, nehme
  • Nur in der Anamnese (indirekte Rede der Patientenangaben)
  • Befund und Therapie: Indikativ!
🩺️ 7 · Übergabe

SBAR-Schema

S
Situation:

Ich übergebe Ihnen , Jahre, mit Anaphylaxie Grad III nach Wespenstich.

B
Background:

Keine bekannten Vorerkrankungen. Keine Dauermedikation. Im Vorjahr lokale Reaktion nach Wespenstich. Keine bekannten Allergien bisher dokumentiert.

A
Assessment:

Aktuell stabil nach Gabe von Adrenalin 0,5 mg i.m., Dimetinden 8 mg i.v., Prednisolon 250 mg i.v. und 1 L Kristalloid. RR 115/70, HF 88/min, SpO₂ 97 %. Urtikaria und Angioödem rückläufig. Tryptase bei Aufnahme erhöht (28,5 µg/L).

R
Recommendation:

Bitte 24-Stunden-Überwachung wegen Risiko einer biphasischen Reaktion. Auf erneute Symptome achten (Urtikaria, Dyspnoe, Hypotonie). Notfallmedikation bereithalten. Vor Entlassung: Notfallset verordnen, Anaphylaxie-Pass ausstellen, allergologische Anbindung organisieren.

8 · Differentialdiagnosen
DD Unterscheidungsmerkmal Ausschluss
Vasovagale Synkope Bradykardie statt Tachykardie, keine Urtikaria, kein Angioödem Klinik, Puls, Hautsymptome
Panikattacke / Hyperventilation Keine objektiven Zeichen (Urtikaria, Hypotonie), oft Kribbelparästhesien Klinik, BGA (respiratorische Alkalose)
Hereditäres Angioödem (HAE) Keine Urtikaria, keine Hypotonie, C1-Esterase-Inhibitor-Mangel C1-INH, C4 im Labor
Mastozytose mit Schub Rezidivierende Episoden ohne klaren Auslöser, Hautstigmata Basale Tryptase erhöht, Hautbiopsie
Kardiogener Schock Keine Hautsymptome, Zeichen der Herzinsuffizienz EKG, Echo, Troponin
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Anaphylaktischer Schock → Kreislaufversagen, Tod
  • Larynxödem → Atemwegsobstruktion, Erstickung
  • Schwerer Bronchospasmus → Ateminsuffizienz
  • Herzrhythmusstörungen → Koronarischämie durch Hypotonie + Tachykardie
  • Aspiration → Bei Bewusstlosigkeit und Erbrechen

Biphasische Reaktion

  • Definition: Erneute Symptomatik 6–24 h nach initialer Besserung ohne erneute Allergenexposition
  • Häufigkeit: ca. 5–20 % der Fälle
  • Konsequenz: Überwachung für mindestens 24 h empfohlen

Spätkomplikationen

  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Angststörung vor erneutem Allergenkontakt
  • Einschränkung der Lebensqualität
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Stridor / Heiserkeit Larynxödem → drohende Atemwegsobstruktion Sofort Adrenalin i.m., Intubationsbereitschaft, ggf. Koniotomie
RR syst. < 90 mmHg Anaphylaktischer Schock Adrenalin i.m., Flachlagerung, rasche Volumengabe
SpO₂ < 90 % Schwere respiratorische Insuffizienz O₂-Gabe, Adrenalin, Bronchodilatatoren, ggf. Beatmung
Bewusstlosigkeit Schwerer Schock / zerebrale Hypoperfusion Stabile Seitenlage, Reanimationsbereitschaft
Kein Ansprechen auf Adrenalin Therapierefraktäre Anaphylaxie (Betablocker?) Adrenalin i.v., Glukagon erwägen, Intensivtherapie
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Adrenalin i.m. ist das Medikament der 1. Wahl – im Notfall keine Kontraindikationen!
  2. Diagnose ist klinisch: Multisystemische Symptome nach Allergenexposition
  3. Biphasische Reaktion möglich → 24-Stunden-Überwachung empfohlen
Frage 1 (Diagnostik): Welcher Laborparameter dient der retrospektiven Bestätigung einer Anaphylaxie?
A) CRP
B) Tryptase
C) IgE gesamt
D) Histamin im Serum
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Tryptase
Die Serum-Tryptase wird 1–2 Stunden nach der Reaktion abgenommen und ist bei schwerer Anaphylaxie erhöht (> 11,4 µg/L). Histamin wird zu schnell abgebaut für eine praktikable Diagnostik.
Frage 2 (Diagnostik): Welche Aussage zur Diagnosestellung der Anaphylaxie trifft zu?
A) Die Diagnose erfordert immer einen positiven Allergietest
B) Die Diagnose ist primär klinisch
C) Ohne Urtikaria kann keine Anaphylaxie vorliegen
D) Eine Tryptase-Erhöhung ist obligat
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Die Diagnose ist primär klinisch
Die Diagnose basiert auf der Kombination typischer Symptome an mehreren Organsystemen nach Allergenexposition. Etwa 10 % der Anaphylaxien verlaufen ohne Hautsymptome!
Frage 3 (Therapie): Welche Applikationsform ist für Adrenalin bei Anaphylaxie außerhalb der Intensivstation die Methode der Wahl?
A) Intravenös
B) Subkutan
C) Intramuskulär
D) Inhalativ
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) Intramuskulär
Adrenalin i.m. (0,3–0,5 mg bei Erwachsenen) in den lateralen Oberschenkel ist die Methode der Wahl. Die i.v.-Gabe ist der Intensivmedizin vorbehalten und erfordert Monitoring wegen Arrhythmiegefahr.
Frage 4 (Therapie): Ein Patient mit bekannter Betablocker-Therapie spricht nicht auf wiederholte Adrenalingaben an. Welches Medikament sollte zusätzlich erwogen werden?
A) Atropin
B) Glukagon
C) Dopamin
D) Theophyllin
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Glukagon
Glukagon wirkt positiv inotrop unabhängig von Betarezeptoren und kann bei therapierefraktärer Anaphylaxie unter Betablocker-Therapie die Adrenalinwirkung unterstützen.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein Patient entwickelt nach Kontrastmittelgabe Stridor und Heiserkeit. Was ist die wichtigste Sofortmaßnahme?
A) Prednisolon i.v.
B) Antihistaminikum i.v.
C) Adrenalin i.m. und Intubationsbereitschaft
D) Abwarten und Beobachten
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) Adrenalin i.m. und Intubationsbereitschaft
Stridor und Heiserkeit deuten auf ein Larynxödem hin – ein lebensbedrohlicher Notfall! Sofortige Adrenalingabe und Vorbereitung auf schwieriges Atemwegsmanagement sind essenziell.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Wie lange sollte ein Patient nach schwerer Anaphylaxie überwacht werden?
A) 2 Stunden
B) 6 Stunden
C) 12 Stunden
D) 24 Stunden
✅ Antwort anzeigen
Richtig: D) 24 Stunden
Wegen des Risikos einer biphasischen Reaktion (erneute Symptomatik 6–24 h nach initialer Besserung) wird eine 24-stündige Überwachung empfohlen.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welches Merkmal unterscheidet eine vasovagale Synkope von einer Anaphylaxie?
A) Tachykardie
B) Bradykardie
C) Urtikaria
D) Hypotonie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Bradykardie
Bei der vasovagalen Synkope liegt typischerweise eine Bradykardie vor (Vagusreaktion), während bei der Anaphylaxie eine kompensatorische Tachykardie auftritt. Zudem fehlen bei der vasovagalen Synkope Hautsymptome wie Urtikaria.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Ein Patient hat rezidivierende Angioödeme ohne Urtikaria und ohne erkennbaren Auslöser. Welche Diagnose sollte ausgeschlossen werden?
A) Chronische spontane Urtikaria
B) Hereditäres Angioödem
C) Nahrungsmittelallergie
D) Mastozytose
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Hereditäres Angioödem
Das hereditäre Angioödem (HAE) durch C1-Esterase-Inhibitor-Mangel präsentiert sich mit rezidivierenden Angioödemen OHNE Urtikaria. Die Diagnostik erfolgt durch Bestimmung von C1-INH (Aktivität und Konzentration) und C4.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Anaphylaxie "Eine schwere allergische Reaktion des ganzen Körpers, die schnell lebensbedrohlich werden kann."
Angioödem "Eine tiefe Schwellung unter der Haut, oft an Lippen, Augenlidern oder im Rachen."
Urtikaria "Nesselsucht – juckende Quaddeln auf der Haut, ähnlich wie nach Brennnesselkontakt."
Adrenalin "Ein körpereigenes Stresshormon, das als Notfallmedikament die Gefäße verengt und das Herz stärkt."
Bronchospasmus "Ein Verkrampfen der Atemwege, wodurch das Atmen erschwert wird."
Hyposensibilisierung "Eine Allergie-Impfung über mehrere Jahre, die den Körper an das Allergen gewöhnt."
Biphasische Reaktion "Ein erneutes Aufflackern der allergischen Reaktion Stunden nach der ersten Besserung."

Zusammenfassung

Die Anaphylaxie ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der eine sofortige Therapie mit Adrenalin i.m. erfordert. Die Diagnose ist klinisch. Nach überstandener Reaktion sind Allergiediagnostik, Notfallset-Verordnung und bei Insektengiftallergie eine Hyposensibilisierung indiziert.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.