Asthma bronchiale

Pneumologie Häufig Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zum Asthma bronchiale: Reversibilitätstest (FEV1 ≥12% + ≥200ml), GINA-Stufentherapie 2024, SMART-Konzept mit ICS/Formoterol, SABA-Monotherapie obsolet, Exazerbationsmanagement.

0 · Auf einen Blick

  • Diagnose: Variable Obstruktion + Reversibilität (FEV1 ≥12% UND ≥200ml nach SABA)
  • Therapiebasis: ICS in JEDER Stufe – SABA-Monotherapie ist obsolet!
  • Bevorzugt: ICS/Formoterol als Bedarfs- UND Erhaltungstherapie (SMART-Konzept)
  • Asthmakontrolle: Steuert Therapieintensität (Stufe 1-5)
  • Exazerbation: SABA + Prednisolon 40-50 mg/d für 5-7 Tage

1 · Leitfall

Hausarztpraxis J., w Anfallsartige Atemnot, Husten
"Frau Doktor, ich bekomme seit einigen Wochen immer wieder Anfälle von Luftnot, besonders nachts und wenn ich Sport mache. Dann pfeift es auch beim Atmen. Als Kind hatte ich Heuschnupfen, aber das ist seit Jahren weg..."
2 · Krankheitsbild

Definition

Asthma bronchiale ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege mit bronchialer Hyperreagibilität und variabler, reversibler Atemwegsobstruktion. Typisch sind anfallsartige Dyspnoe, Giemen, Husten und Engegefühl in der Brust.

Pathophysiologie

  • Chronische Atemwegsentzündung (eosinophil, Th2-vermittelt)
  • Bronchiale Hyperreagibilität – überschießende Reaktion auf unspezifische Reize
  • Variable Obstruktion durch:
    • Bronchospasmus (Kontraktion der glatten Muskulatur)
    • Schleimhautödem
    • Hypersekretion von zähem Schleim
  • Airway Remodeling – strukturelle Umbauprozesse bei chronischem Verlauf

Asthma-Phänotypen

Phänotyp Merkmale Therapieimplikation
Allergisches Asthma Früher Beginn, Atopie, IgE↑, Eosinophilie, saisonale Schwankungen Allergenkarenz, SIT, ggf. Omalizumab
Nicht-allergisches (intrinsisches) Asthma Später Beginn (>40 J.), oft nach Infekt, keine Atopie ICS-Therapie, ggf. Anti-IL-5
Eosinophiles Asthma Bluteosinophile ≥300/µl, oft schwer kontrollierbar Anti-IL-5 (Mepolizumab, Benralizumab)
Belastungsasthma Symptome bei körperlicher Belastung ICS, SABA vor Belastung, Aufwärmen
ASS-Intoleranz-Asthma Samter-Trias: Asthma + Polyposis nasi + ASS-Intoleranz NSAR-Karenz, LTRA, ggf. ASS-Desaktivierung

Epidemiologie

Prävalenz Deutschland Ca. 5-7% der Erwachsenen, 10% der Kinder
Alter Allergisches Asthma: oft Kindheit; Intrinsisches: oft >40 J.
Geschlecht Kindheit: m>w; Erwachsene: w>m
Trend Stabil bis leicht steigend

Risikofaktoren & Trigger

Prädisponierende Faktoren Auslösende Trigger
Atopische Diathese, positive Familienanamnese Allergene (Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare)
Genetische Prädisposition Atemwegsinfekte (viral!)
Passivrauchen in der Kindheit Körperliche Belastung (Kälte verstärkt)
Berufliche Exposition Kaltluft, Tabakrauch, Luftverschmutzung
Adipositas Medikamente (ASS, NSAR, Betablocker!)
Emotionaler Stress, starke Gerüche

Asthmakontrolle – Zentral für Therapiesteuerung

Parameter (letzte 4 Wochen) Kontrolliert Teilweise kontrolliert Unkontrolliert
Symptome tagsüber >2×/Woche Nein 1-2 Kriterien 3-4 Kriterien
Nächtliches Erwachen Nein
Bedarfsmedikation >2×/Woche Nein
Aktivitätseinschränkung Nein

Prüfungsfokus – Definition & Klassifikation

  • Variable, reversible Obstruktion = Kernmerkmal (DD zur COPD: fixierte Obstruktion)
  • Asthmakontrolle bestimmt Therapiestufe (NICHT Schweregrad!)
  • Schweregrad = retrospektiv nach erforderlicher Therapiestufe
3 · Anamnese

Leitsymptome

  • Anfallsartige Dyspnoe – oft nachts/frühe Morgenstunden
  • Giemen (Pfeifen) – exspiratorisch betont
  • Husten – oft trocken, nachts, nach Belastung, bei Infekten
  • Thorakales Engegefühl
  • Variable Symptome – wechselnde Intensität, symptomfreie Intervalle!

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Symptomcharakter Wie fühlt sich die Atemnot an? Kommt sie anfallsartig? Wann ist es besser/schlechter? Variable Symptome typisch für Asthma
Tageszeit Wachen Sie nachts wegen Atemnot oder Husten auf? Nächtliche Symptome = Asthmakontrolle!
Trigger Was löst die Beschwerden aus? Allergene, Belastung, Kälte, Infekte? Trigger identifizieren, Phänotyp
Allergien/Atopie Haben Sie Heuschnupfen, Neurodermitis? Allergien in der Familie? Allergisches Asthma, Atopie-Trias
Beginn Seit wann haben Sie die Beschwerden? Hatten Sie als Kind Asthma? Frühes vs. spätes Asthma
Bedarfsmedikation Wie oft brauchen Sie Ihr Notfallspray? Mehr als 2× pro Woche? Asthmakontrolle beurteilen
Exazerbationen Hatten Sie schwere Anfälle? Cortison-Tabletten nötig? Krankenhausaufnahme? Risikostratifizierung
Beruf Was arbeiten Sie? Kontakt mit Staub, Chemikalien, Tieren? Berufsasthma?
Medikamente Nehmen Sie ASS, Ibuprofen oder Betablocker? Medikamentös induziertes Asthma

Beispieldialog

Ärztin:

Guten Tag, Frau Schreiber. Ich bin . Was führt Sie zu mir?

Patientin:

Ich bekomme seit einigen Wochen immer wieder Anfälle von Luftnot. Das kommt ganz plötzlich.

Ärztin:

Können Sie mir beschreiben, wie sich das anfühlt?

Patientin:

Es wird eng in der Brust und ich bekomme schlecht Luft. Beim Ausatmen pfeift es richtig.

Ärztin:

Wann treten die Anfälle auf? Gibt es bestimmte Auslöser?

Patientin:

Oft nachts, da wache ich davon auf. Und beim Joggen. Letztens auch, als ich bei meiner Freundin war – die hat eine Katze.

Ärztin:

Hatten Sie als Kind Heuschnupfen oder Neurodermitis?

Patientin:

Ja, Heuschnupfen hatte ich früher, aber seit Jahren nicht mehr. Neurodermitis hatte ich als Baby.

Ärztin:

Gibt es in Ihrer Familie Asthma oder Allergien?

Patientin:

Ja, meine Mutter hat Asthma und mein Bruder auch Heuschnupfen.

4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Bereich Befund im Anfall Befund im Intervall
Inspektion Dyspnoe, Orthopnoe, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, verlängertes Exspirium Oft unauffällig!
Auskultation Giemen, Brummen (exspiratorisch betont), verlängertes Exspirium Normal oder leichtes Giemen bei forcierter Exspiration
Perkussion Hypersonor (Überblähung) Normal
Vitalzeichen Tachypnoe, Tachykardie, SpO2↓ Normal

Cave "Silent Chest": Bei schwerem Anfall kann das Atemgeräusch komplett fehlen! = Lebensbedrohlich!

Spirometrie – Diagnosestandard

Parameter Befund bei Asthma Bedeutung
FEV1/FVC <0,7 (im Anfall/bei Obstruktion) Obstruktive Ventilationsstörung
Reversibilitätstest FEV1 ≥12% UND ≥200ml ↑ nach SABA Beweisend für Asthma!
Fluss-Volumen-Kurve Konkave Deformierung des exspiratorischen Schenkels Typisches Obstruktionsmuster

Weitere Diagnostik

Peak-Flow-Messung Variabilität >10% (Erwachsene) bzw. >13% (Kinder) = typisch
FeNO (exhaliertes NO) ≥50 ppb (Erwachsene), ≥35 ppb (Kinder) → eosinophile Inflammation
Bronchiale Provokation Metacholin/Histamin bei normaler Spirometrie → Hyperreagibilität nachweisen
Allergiediagnostik Prick-Test, spezifisches IgE, Gesamt-IgE
Blutbild Eosinophilie? (≥300/µl = Hinweis auf Typ-2-Inflammation)
Röntgen-Thorax Meist unauffällig; DD: Pneumonie, Pneumothorax

Diagnosekriterien Asthma

  1. Typische Anamnese: Variable Symptome (Dyspnoe, Giemen, Husten, Engegefühl)
  2. Variable Atemwegsobstruktion:
    • Positive Reversibilität: FEV1 ≥12% UND ≥200ml nach Bronchodilatator
    • ODER Peak-Flow-Variabilität >10%
    • ODER positive bronchiale Provokation
    • ODER FEV1 ≥12% UND ≥200ml nach 4 Wochen antientzündlicher Therapie

Prüfungsfokus – Diagnostik

  • Reversibilität: FEV1 ↑ ≥12% UND ≥200ml nach SABA = Asthma
  • FeNO ≥50 ppb = eosinophile Inflammation (ICS-Ansprechen wahrscheinlich)
  • Normale Spirometrie schließt Asthma NICHT aus! → Provokationstest
5 · Therapie

Therapieziele

  • Erreichen und Erhalt der Asthmakontrolle
  • Vermeidung von Exazerbationen
  • Keine Einschränkung von Aktivitäten
  • Normale Lungenfunktion
  • Minimierung von Nebenwirkungen

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

  • Allergen-/Triggerkarenz (Hausstaubmilben, Tierhaare, Pollen)
  • Nikotinkarenz – auch Passivrauchen vermeiden!
  • Patientenschulung – Inhalationstechnik, Selbstmanagement, Aktionsplan
  • Körperliches Training – verbessert Asthmakontrolle
  • Gewichtsreduktion bei Adipositas
  • Impfungen: Influenza, Pneumokokken, COVID-19

Stufentherapie nach GINA 2024 / NVL Asthma

Stufe Bedarfstherapie (Reliever) Dauertherapie (Controller)
Stufe 1
(selten Symptome)
ICS/Formoterol bei Bedarf (bevorzugt)
Alternative: SABA + ICS bei Bedarf
Keine regelmäßige Dauertherapie
Stufe 2
(leicht)
ICS/Formoterol bei Bedarf
oder SABA
Niedrig-dosiertes ICS täglich
Alternative: LTRA (weniger wirksam)
Stufe 3
(moderat)
ICS/Formoterol bei Bedarf
(SMART-Konzept) oder SABA
Niedrig-dosiertes ICS/LABA
Alternative: Mittel-dosiertes ICS
Stufe 4
(schwer)
ICS/Formoterol bei Bedarf Mittel-dosiertes ICS/LABA
± LAMA (Tiotropium)
Stufe 5
(sehr schwer)
ICS/Formoterol bei Bedarf Hoch-dosiertes ICS/LABA
+ LAMA
+ Phänotypisierung → Biologika

GINA 2024: Wichtigste Änderung!

SABA-Monotherapie ist OBSOLET!

Auch in Stufe 1 sollte JEDER Patient ICS erhalten – entweder als ICS/Formoterol bei Bedarf oder SABA + ICS zusammen. Begründung: SABA-Monotherapie erhöht Exazerbations- und Mortalitätsrisiko!

SMART-Konzept (Single Maintenance And Reliever Therapy)

ICS/Formoterol als Fixkombination wird sowohl zur Bedarfs- als auch Erhaltungstherapie verwendet. Vorteile:

  • Reduziert Exazerbationen signifikant
  • Verbessert Adhärenz
  • ICS-Dosis automatisch an Symptome angepasst

Medikamentenübersicht

Klasse Beispiele Wirkung
ICS Budesonid, Fluticason, Beclometason Antientzündlich – BASISTHERAPIE!
LABA Formoterol, Salmeterol Langwirksame Bronchodilatation (NIE als Monotherapie!)
SABA Salbutamol, Fenoterol Schnelle Bronchodilatation (Notfall)
LAMA Tiotropium Add-on ab Stufe 4
LTRA Montelukast Antileukotrien, v.a. bei Belastungsasthma, ASS-Intoleranz

Biologika bei schwerem Asthma (Stufe 5)

Biologikum Ziel Indikation
Omalizumab Anti-IgE Schweres allergisches Asthma, IgE↑
Mepolizumab, Benralizumab, Reslizumab Anti-IL-5 Schweres eosinophiles Asthma (Eos ≥300/µl)
Dupilumab Anti-IL-4/IL-13 Schweres eosinophiles/Typ-2-Asthma
Tezepelumab Anti-TSLP Schweres Asthma (unabhängig von Eosinophilen)

Therapie der akuten Exazerbation / Asthmaanfall

Maßnahme Details
SABA inhalativ Salbutamol 4-10 Hübe via Spacer alle 20 min in der ersten Stunde
+ Ipratropium Bei schwerem Anfall zusätzlich SAMA (Ipratropium)
Systemische Kortikosteroide Prednisolon 40-50 mg/d p.o. für 5-7 Tage (Erwachsene)
Sauerstoff Ziel-SpO2: 93-95% (Erwachsene)
Magnesiumsulfat i.v. 2g über 20 min bei schwerem Anfall ohne Ansprechen

Cave: KEINE Antibiotika routinemäßig bei Asthmaexazerbation! (Meist viral getriggert)

Prüfungsfokus – Therapie

  • ICS = Basistherapie in JEDER Stufe (auch Stufe 1!)
  • SABA-Monotherapie ist obsolet! (GINA 2024)
  • LABA NIE ohne ICS (erhöhte Mortalität)
  • SMART-Konzept: ICS/Formoterol als Bedarfs- UND Erhaltungstherapie
  • Exazerbation: Prednisolon 40-50 mg × 5-7 Tage
6 · Arztbrief

Arztbrief – Asthma bronchiale

Patientin: , Jahre, weiblich

Ambulante Vorstellung: [Datum]

Diagnosen

  1. Allergisches Asthma bronchiale, teilweise kontrolliert (J45.0)
  2. Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben und Katzenepithelien
  3. Allergische Rhinokonjunktivitis in der Anamnese

Anamnese

Die Patientin habe sich wegen seit einigen Wochen bestehender anfallsartiger Dyspnoe und nächtlichem Husten vorgestellt. Die Beschwerden seien insbesondere nachts und bei körperlicher Belastung aufgetreten. Bei Kontakt mit Katzen habe sie ebenfalls Luftnot verspürt. In der Kindheit habe sie unter Heuschnupfen und Neurodermitis gelitten. Die Familienanamnese sei positiv für Asthma (Mutter) und Allergien (Bruder). Sie sei Nichtraucherin.

Befund

Patientin in gutem AZ. Bei Auskultation leichtes exspiratorisches Giemen bei forcierter Exspiration, sonst unauffällig. Vitalzeichen im Normbereich.

Diagnostik

Spirometrie: FEV1 2,4 l (78% vom Soll), FEV1/FVC 0,68. Nach Inhalation von 400 µg Salbutamol FEV1-Anstieg auf 2,85 l (+19%, +450 ml) – positive Reversibilität, vereinbar mit Asthma bronchiale. FeNO: 62 ppb (erhöht). Prick-Test: Positive Reaktionen auf Hausstaubmilbe und Katzenepithelien. Gesamt-IgE: 245 kU/l (erhöht).

Beurteilung und Therapie

Bei typischer Anamnese, positiver Reversibilität und erhöhtem FeNO Diagnose eines allergischen Asthma bronchiale. Aktuell teilweise kontrolliert (nächtliche Symptome, Bedarfsmedikation >2×/Woche). Einleitung einer Stufentherapie gemäß GINA Stufe 3.

Therapie

  • Budesonid/Formoterol (ICS/LABA) 200/6 µg 1-0-1 als Erhaltungstherapie
  • Budesonid/Formoterol 200/6 µg bei Bedarf (SMART-Konzept)
  • Allergensanierung (Encasing, ggf. Katzenkarenz)
  • Inhalationstechnik geschult
  • Asthma-Aktionsplan ausgehändigt

Procedere / Empfehlungen

  • Wiedervorstellung in 4-6 Wochen zur Kontrolle der Asthmakontrolle
  • Peak-Flow-Tagebuch führen
  • Bei guter Kontrolle über 3 Monate: Therapiedeeskalation erwägen
  • Bei häufigen Exazerbationen: Allergologische Vorstellung zur SIT-Evaluation
  • Impfstatus prüfen (Influenza, Pneumokokken)

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

7 · Übergabe

S – Situation

Frau , Jahre, Erstdiagnose eines allergischen Asthma bronchiale. Vorstellung wegen anfallsartiger Dyspnoe und nächtlichem Husten seit mehreren Wochen. Aktuell stabil, keine akute Exazerbation.

B – Background

Atopische Diathese mit Heuschnupfen und Neurodermitis in der Kindheit. Positive Familienanamnese für Asthma und Allergien. Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben und Katzenepithelien. Nichtraucherin. Bislang keine Therapie.

A – Assessment

Allergisches Asthma bronchiale, teilweise kontrolliert. Positive Reversibilität (+19%), FeNO erhöht (62 ppb). Typischer Phänotyp mit guter ICS-Ansprechwahrscheinlichkeit.

R – Recommendation

Therapiestart GINA Stufe 3 mit ICS/LABA-Fixkombination (Budesonid/Formoterol) als Erhaltungs- und Bedarfstherapie (SMART). Allergensanierung. Inhalationsschulung. Kontrolle in 4-6 Wochen. Bei guter Kontrolle: Deeskalation möglich. Asthma-Aktionsplan besprechen.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Unterscheidungsmerkmal Diagnostik
COPD Ältere Patienten, Raucheranamnese, persistierende (nicht variable) Obstruktion, keine volle Reversibilität Spirometrie: FEV1/FVC <0,7 persistierend, Reversibilität <12%
Herzinsuffizienz ("Asthma cardiale") Orthopnoe, nächtliche Dyspnoe (PND), Ödeme, feuchte RG basal NT-proBNP, Echokardiographie, Röntgen (Stauung)
Vocal Cord Dysfunction (VCD) Inspiratorischer Stridor, normale Spirometrie, kein Ansprechen auf Bronchodilatatoren Laryngoskopie während Symptomen
Hyperventilationssyndrom Parästhesien, Angst, normale Auskultation, keine Obstruktion BGA (respiratorische Alkalose), normale Spirometrie
Bronchiektasen Chronisch produktiver Husten, rezidivierende Infekte, große Sputummengen HR-CT Thorax
Fremdkörperaspiration Akuter Beginn, einseitiges Giemen, Aspirationsanamnese Röntgen, Bronchoskopie
Lungenembolie Akute Dyspnoe, Thoraxschmerz, Risikofaktoren (Immobilisation) D-Dimere, CT-Angiographie

DD Asthma vs. COPD

Merkmal Asthma COPD
Beginn Oft Kindheit/junge Erwachsene >40 Jahre
Rauchen Kein kausaler Zusammenhang Meist >10 Pack Years
Symptome Variabel, anfallsartig, symptomfreie Intervalle Persistierend, progredient
Obstruktion Variabel, vollständig reversibel Persistierend, nicht vollständig reversibel
Reversibilität ≥12% UND ≥200ml <12%
Allergie/Atopie Häufig Selten kausal

Cave: ACO (Asthma-COPD-Overlap) möglich!

⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

Komplikation Merkmale Therapie
Schwere Asthmaexazerbation Sprechdyspnoe, Tachypnoe, Tachykardie, SpO2 <92%, PEF <50% SABA + Ipratropium, Steroide i.v./p.o., O2, ggf. MgSO4
Status asthmaticus Lebensbedrohlich! "Silent chest", Erschöpfung, Bewusstseinstrübung, Zyanose Intensivstation! NIV, ggf. Intubation, Adrenalin i.v.
Pneumothorax Plötzliche Dyspnoe, einseitig fehlendes AG Thoraxdrainage
Atelektase Mukusverlegung kleiner Atemwege Bronchoskopische Absaugung, Physiotherapie

Chronische Komplikationen

  • Airway Remodeling – Struktureller Umbau mit fixierter Obstruktion
  • Bronchiektasen – bei schwerem, chronischem Asthma
  • Steroid-Nebenwirkungen (bei OCS-Dauergebrauch): Osteoporose, Diabetes, Cushing
  • Wachstumsverzögerung bei Kindern (hochdosierte ICS)
  • Psychische Komorbidität – Angststörungen, Depression

Schweregrade der Exazerbation

Schweregrad Kriterien
Leicht-moderat Sprechen in Sätzen möglich, keine Atemhilfsmuskulatur, PEF >50%, SpO2 ≥92%
Schwer Spricht nur Worte, sitzt vornübergebeugt, Atemhilfsmuskulatur, PEF ≤50%, SpO2 <92%
Lebensbedrohlich "Silent chest", Zyanose, Bradykardie, Erschöpfung, Bewusstseinstrübung, PEF <33%
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
"Silent Chest" Lebensbedrohlich! Keine Atemgeräusche wegen minimaler Ventilation Sofort Intensivstation, NIV/Intubation vorbereiten
Bewusstseinstrübung Hypoxie, Hyperkapnie, Erschöpfung Intubation, Beatmung
Zyanose + Bradykardie Präterminal, kardiopulmonales Versagen Reanimationsbereitschaft, Adrenalin
Kein Ansprechen auf SABA Schwerer/therapierefraktärer Anfall Steroide i.v., MgSO4 i.v., NIV
⚠️ SpO2 <92% Signifikante Hypoxie O2-Gabe, intensivierte Therapie
⚠️ SABA-Verbrauch >3× täglich Unkontrolliertes Asthma Therapieeskalation, Controller erhöhen

Merke: Risikofaktoren für fatales Asthma

  • Frühere Intubation wegen Asthma
  • Hospitalisation/Notaufnahme wegen Asthma im letzten Jahr
  • Aktuell oder kürzlich OCS-Gebrauch
  • Kein ICS-Gebrauch (nur SABA!)
  • Übermäßiger SABA-Verbrauch (>1 Kanister/Monat)
  • Psychiatrische Erkrankungen, schlechte Adhärenz
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Diagnose: Variable Obstruktion + Reversibilität (FEV1 ≥12% UND ≥200ml)
  2. ICS = Basistherapie in JEDER Stufe – SABA-Monotherapie ist obsolet!
  3. LABA niemals ohne ICS!
Frage 1 (Diagnostik): Welcher Befund im Reversibilitätstest spricht für Asthma bronchiale?
A) FEV1-Anstieg um 8% nach Bronchodilatator
B) FEV1-Anstieg um ≥12% UND ≥200ml nach Bronchodilatator
C) FEV1/FVC <0,7 nach Bronchodilatator
D) Keine Veränderung der FEV1
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) FEV1-Anstieg um ≥12% UND ≥200ml nach Bronchodilatator
Die positive Reversibilität (≥12% UND ≥200ml absolut) ist das Hauptkriterium für die Asthmadiagnose und unterscheidet Asthma von COPD.
Frage 2 (Diagnostik): Was zeigt ein FeNO-Wert von 65 ppb bei einem Erwachsenen an?
A) COPD
B) Eosinophile Atemwegsentzündung mit wahrscheinlichem ICS-Ansprechen
C) Pneumonie
D) Normalbefund
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Eosinophile Atemwegsentzündung mit wahrscheinlichem ICS-Ansprechen
Ein FeNO ≥50 ppb bei Erwachsenen spricht für eine eosinophile (Typ-2-)Inflammation und macht ein gutes Ansprechen auf ICS wahrscheinlich.
Frage 3 (Therapie): Warum ist SABA-Monotherapie bei Asthma laut GINA 2024 obsolet?
A) SABA ist zu teuer
B) SABA-Monotherapie erhöht Exazerbations- und Mortalitätsrisiko
C) SABA wirkt nicht mehr
D) SABA führt zu Husten
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) SABA-Monotherapie erhöht Exazerbations- und Mortalitätsrisiko
SABA behandelt nur Symptome, nicht die zugrunde liegende Entzündung. Studien zeigen, dass SABA-Monotherapie das Risiko für schwere Exazerbationen und Tod erhöht. Daher sollte auch in Stufe 1 IMMER ICS gegeben werden.
Frage 4 (Therapie): Was ist das SMART-Konzept?
A) Nur SABA bei Bedarf
B) ICS/Formoterol als Bedarfs- UND Erhaltungstherapie
C) LABA-Monotherapie
D) Nur orale Kortikosteroide
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) ICS/Formoterol als Bedarfs- UND Erhaltungstherapie
SMART = Single Maintenance And Reliever Therapy. Die ICS/Formoterol-Fixkombination wird sowohl als Dauertherapie als auch bei Bedarf verwendet. Dies reduziert Exazerbationen und verbessert die Adhärenz.
Frage 5 (Notfall): Welches Warnsignal bei einem Asthmaanfall ist lebensbedrohlich?
A) Exspiratorisches Giemen
B) "Silent Chest" (fehlendes Atemgeräusch)
C) Trockener Husten
D) SpO2 von 95%
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) "Silent Chest" (fehlendes Atemgeräusch)
Das "Silent Chest" bedeutet, dass praktisch keine Ventilation mehr stattfindet – ein lebensbedrohlicher Zustand! Sofortige Intensivtherapie und Intubationsbereitschaft erforderlich.
Frage 6 (Notfall): Welche Kortikosteroiddosis ist bei einer akuten Asthmaexazerbation bei Erwachsenen empfohlen?
A) Prednisolon 10 mg/d für 3 Tage
B) Prednisolon 40-50 mg/d für 5-7 Tage
C) Prednisolon 100 mg/d für 14 Tage
D) Keine Steroide, nur SABA
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Prednisolon 40-50 mg/d für 5-7 Tage
Bei einer akuten Asthmaexazerbation werden systemische Kortikosteroide (Prednisolon 40-50 mg/d) für 5-7 Tage gegeben. Ein Ausschleichen ist bei dieser kurzen Dauer nicht erforderlich.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welches Merkmal unterscheidet Asthma von COPD?
A) Asthma beginnt meist nach dem 40. Lebensjahr
B) Bei Asthma ist die Obstruktion variabel und vollständig reversibel
C) COPD ist mit Atopie assoziiert
D) Asthma tritt nur bei Rauchern auf
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Bei Asthma ist die Obstruktion variabel und vollständig reversibel
Das Kernmerkmal von Asthma ist die variable, vollständig reversible Obstruktion. Bei COPD ist die Obstruktion persistierend und nicht vollständig reversibel.
Frage 8 (Therapie): Warum darf ein LABA bei Asthma niemals als Monotherapie gegeben werden?
A) LABA wirken zu langsam
B) LABA-Monotherapie erhöht die Mortalität
C) LABA sind zu teuer
D) LABA führen zu Tachykardie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) LABA-Monotherapie erhöht die Mortalität
Studien haben gezeigt, dass LABA ohne ICS das Mortalitätsrisiko bei Asthma signifikant erhöhen. LABA erweitern zwar die Bronchien, behandeln aber nicht die Entzündung. Daher IMMER nur in Kombination mit ICS!
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Asthma bronchiale "Eine chronische Erkrankung der Atemwege, bei der die Bronchien überempfindlich sind und sich zeitweise verengen. Das führt zu Atemnot und Pfeifen beim Atmen."
Bronchiale Hyperreagibilität "Ihre Atemwege reagieren überempfindlich auf Reize wie Kälte, Sport oder Allergene und verengen sich dann."
Exazerbation "Ein Asthmaanfall – eine deutliche Verschlechterung Ihrer Beschwerden, die eine Therapieverstärkung nötig macht."
ICS (Inhalatives Kortikosteroid) "Ein Cortison-Spray, das die Entzündung in Ihren Atemwegen bekämpft. Es ist die wichtigste Dauerbehandlung bei Asthma."
SABA / LABA "Sprays, die Ihre Atemwege erweitern. SABA wirkt schnell für den Notfall, LABA wirkt über viele Stunden."
Peak-Flow "Ein einfacher Test, bei dem Sie so kräftig wie möglich in ein Gerät pusten. Er zeigt, wie gut Ihre Lunge arbeitet."
Atopie "Eine erbliche Neigung zu Allergien. Menschen mit Atopie haben oft Heuschnupfen, Neurodermitis oder allergisches Asthma."
Asthmakontrolle "Das Maß dafür, wie gut Ihr Asthma behandelt ist – ob Sie Symptome haben, nachts aufwachen oder Ihr Notfallspray brauchen."

Zusammenfassung

Asthma bronchiale ist eine chronisch entzündliche Atemwegserkrankung mit variabler, reversibler Obstruktion. Die Diagnose basiert auf typischer Anamnese und positiver Reversibilität in der Spirometrie. ICS sind die Basistherapie in allen Stufen – SABA-Monotherapie ist obsolet! Die Therapieintensität richtet sich nach der Asthmakontrolle. Das SMART-Konzept (ICS/Formoterol als Bedarfs- und Erhaltungstherapie) ist besonders effektiv zur Exazerbationsprophylaxe.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.