Divertikulitis

Gastroenterologie Chirurgisch Häufig Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur akuten Sigmadivertikulitis: Linksseitige Unterbauchschmerzen, CDD-Klassifikation, Schnittbilddiagnostik, Antibiotikatherapie nach Risikofaktoren und OP-Indikationen

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Linksseitige Unterbauchschmerzen ("Linksappendizitis")
  • Diagnostischer Standard: Sonographie oder CT Abdomen (Schnittbildgebung)
  • Klassifikation: CDD (Classification of Diverticular Disease) – Typ 0 bis 3
  • Therapie unkompliziert: Ambulant, Antibiotika nur bei Risikofaktoren
  • OP-Indikation: Freie Perforation, Abszess >3cm, rezidivierende Schübe mit Lebensqualitätsverlust

1 · Leitfall

Notaufnahme J., w Linksseitige Unterbauchschmerzen
"Frau Doktor, ich habe seit zwei Tagen zunehmende Schmerzen hier links unten im Bauch. Heute ist mir auch etwas übel und ich glaube, ich habe Fieber. Der Stuhlgang war in den letzten Tagen etwas unregelmäßig..."
2 · Krankheitsbild

Definitionen

Divertikel Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch Muskellücken (Pseudodivertikel = nur Mukosa/Submukosa)
Divertikulose Vorhandensein von Divertikeln ohne Symptome (asymptomatisch)
Divertikelkrankheit Symptomatische Divertikulose (mit Beschwerden)
Divertikulitis Entzündung eines oder mehrerer Divertikel

Pathophysiologie

Divertikel entstehen an Schwachstellen der Darmwand, wo die Vasa recta (Gefäße) die Muskularis durchbrechen. Erhöhter intraluminaler Druck (ballaststoffarme Ernährung → harter Stuhl) begünstigt die Ausstülpung. Die Entzündung entsteht durch Retention von Stuhl im Divertikel mit Mikroperforationen und bakterieller Invasion.

Lokalisation

  • 95% Sigma (Colon sigmoideum) – "Linksappendizitis"
  • Colon descendens, selten rechtsseitig
  • In Asien häufiger rechtsseitige Divertikulitis

Epidemiologie

Prävalenz Divertikulose <40 J.: ~10%; 60 J.: ~30%; >70 J.: ~50-65%
Divertikulitis-Risiko Ca. 4-25% der Divertikelträger entwickeln Divertikulitis
Trend Zunehmend auch bei jüngeren Menschen (<50 J.)
Geschlecht <50 J.: m > w; >70 J.: w > m

Risikofaktoren

  • Ballaststoffarme, fleischreiche Ernährung
  • Bewegungsmangel, Adipositas
  • Obstipation
  • Alter (>60 Jahre)
  • NSAR, Steroide, Opioide (erhöhen Komplikationsrisiko)
  • Immunsuppression
  • Rauchen

CDD-Klassifikation (Classification of Diverticular Disease)

Typ Bezeichnung Beschreibung
Typ 0 Divertikulose Asymptomatisch, Zufallsbefund
Typ 1 Akute unkomplizierte Divertikulitis -
↳ 1a Ohne Umgebungsreaktion Divertikulitis ohne perikolische Entzündung
↳ 1b Mit phlegmonöser Umgebungsreaktion Perikolische Entzündung/Phlegmone
Typ 2 Akute komplizierte Divertikulitis -
↳ 2a Mikroabszess Gedeckte Perforation, Abszess ≤3 cm
↳ 2b Makroabszess Parakolischer/pelviner Abszess >3 cm
↳ 2c Freie Perforation Freie Luft, eitrige/kotige Peritonitis → NOTFALL!
Typ 3 Chronische Divertikelkrankheit -
↳ 3a SUDD Symptomatische unkomplizierte Divertikelkrankheit
↳ 3b Rezidivierende Divertikulitis Wiederkehrende Schübe ohne Komplikationen
↳ 3c Chronisch kompliziert Stenose, Fistel, rezidivierend mit Komplikationen
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Schmerzlokalisation Wo genau sind die Schmerzen? Links oder rechts? Typisch: linker Unterbauch (Sigma); rechts → DD Appendizitis
Schmerzverlauf Seit wann haben Sie die Schmerzen? Werden sie schlimmer? Progredienz → V.a. Komplikation
Fieber Haben Sie Fieber gemessen? Schüttelfrost? Fieber spricht für Entzündung/Abszess
Stuhlgang Wie ist Ihr Stuhlgang? Durchfall, Verstopfung, Blut? Obstipation = Risikofaktor; Blut → DD Blutung, Tumor
Übelkeit/Erbrechen Ist Ihnen übel? Haben Sie erbrochen? Ileus-Zeichen bei Stenose/Komplikation
Vorgeschichte Hatten Sie das schon mal? Sind Divertikel bekannt? Rezidiv? → CDD Typ 3; Erstmanifestation?
Medikamente Nehmen Sie Schmerzmittel, Kortison oder Blutverdünner? NSAR/Steroide erhöhen Komplikationsrisiko
Immunsuppression Haben Sie eine Erkrankung des Immunsystems? Nehmen Sie immunsuppressive Medikamente? Erhöhtes Risiko für schweren Verlauf

Beispieldialog

Ärztin:

Guten Tag, Frau Weber. Ich bin . Was führt Sie zu uns?

Patientin:

Ich habe seit zwei Tagen starke Schmerzen hier links unten im Bauch. Heute ist mir auch etwas übel.

Ärztin:

Können Sie mir zeigen, wo genau? Sind die Schmerzen konstant oder kommen und gehen sie?

Patientin:

Hier links unten, die sind eigentlich die ganze Zeit da, aber beim Drücken werden sie schlimmer.

Ärztin:

Haben Sie Fieber gemessen?

Patientin:

Ja, heute Morgen hatte ich 38,5 Grad.

Ärztin:

Wie ist Ihr Stuhlgang in den letzten Tagen gewesen?

Patientin:

Etwas unregelmäßig, eher Verstopfung. Ich habe seit zwei Tagen keinen richtigen Stuhlgang mehr gehabt.

Ärztin:

Sind bei Ihnen Divertikel bekannt oder hatten Sie so etwas schon einmal?

Patientin:

Ja, vor drei Jahren bei einer Darmspiegelung wurden Divertikel festgestellt, aber ich hatte nie Probleme damit.

Prüfungsfokus

  • Typisch: Linksseitiger Unterbauchschmerz bei älteren Patienten
  • Immer nach Vorgeschichte (bekannte Divertikel, Rezidive) fragen
  • Medikamentenanamnese wichtig (NSAR, Steroide, Immunsuppressiva)
4 · Befund

Vitalzeichen

Temperatur Oft subfebril bis febril (37,5-39°C)
Puls Ggf. Tachykardie bei Sepsis/Perforation
Blutdruck Bei Komplikationen ggf. Hypotonie

Körperliche Untersuchung

Befund Beschreibung Bedeutung
Druckschmerz linker Unterbauch Lokalisierter Schmerz im linken unteren Quadranten Typisch! "Linksappendizitis"
Lokale Abwehrspannung Muskuläre Anspannung über dem Entzündungsherd Hinweis auf lokale Peritonitis
Tastbare Walze Druckschmerzhafter Tumor im linken Unterbauch Phlegmone oder Abszess
Loslassschmerz Kontralateraler Schmerz beim Loslassen Peritonitis!
Brettharter Bauch Generalisierte Abwehrspannung Freie Perforation → NOTFALL!
Rektale Untersuchung Druckschmerz, ggf. Blut am Finger Douglas-Abszess, DD Blutung

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Leukozyten ↑ (10.000-15.000/µl) Entzündungsreaktion
CRP ↑ (oft 50-150 mg/l) Höhe korreliert mit Schweregrad
PCT ↑ bei Komplikationen Hinweis auf bakterielle Infektion/Sepsis
Urinstatus Ggf. Leukozyturie DD Harnwegsinfekt; Fistel zur Blase?

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
Sonographie Wandverdickung >5mm, Divertikel, perikolische Fettimbibierung, ggf. Abszess 1. Wahl! Schnell, strahlenfrei, gut verfügbar
CT Abdomen mit KM Wandverdickung, perikolische Streifung, Abszesse, freie Luft/Flüssigkeit Bei unklarem Sono, V.a. Komplikation, präoperativ
Koloskopie Divertikel, ggf. Stenose NICHT im akuten Stadium! Nach 6-8 Wochen zum Tumorausschluss
Röntgen Abdomen Freie Luft bei Perforation Nur bei V.a. freie Perforation (ansonsten CT)

Prüfungsfokus – Diagnostik

  • Schnittbildgebung = Standard! (Sono oder CT)
  • KEINE Koloskopie im akuten Stadium! (Perforationsgefahr)
  • Koloskopie erst 6-8 Wochen nach Abklingen zum Tumorausschluss
5 · Therapie

Therapie nach CDD-Klassifikation

CDD-Typ Setting Therapie
Typ 1a (unkompliziert, ohne Umgebungsreaktion) Ambulant Symptomatisch (Analgesie, flüssige Kost), KEINE Antibiotika routinemäßig
Typ 1b (unkompliziert, mit Phlegmone) Ambulant/stationär Symptomatisch; Antibiotika bei Risikofaktoren (s.u.)
Typ 2a (Mikroabszess ≤3cm) Stationär Antibiotika i.v., engmaschige Kontrolle
Typ 2b (Makroabszess >3cm) Stationär Antibiotika i.v., interventionelle Drainage (CT-/Sono-gesteuert)
Typ 2c (freie Perforation) Stationär/OP NOTFALL-OP! Hartmann-OP oder primäre Anastomose
Typ 3c (Stenose, Fistel) Elektiv Elektive Sigmaresektion im entzündungsfreien Intervall

Risikofaktoren für Antibiotikatherapie bei Typ 1

Bei unkomplizierter Divertikulitis (Typ 1) Antibiotika erwägen bei:

  • Immunsuppression
  • Schwere Komorbidität
  • Hohes Fieber (>38,5°C)
  • Deutliche Entzündungszeichen (CRP >140 mg/l)
  • Keine Verbesserung unter konservativer Therapie

Antibiotikaregime

Setting Schema
Ambulant (oral) Ciprofloxacin 2×500mg + Metronidazol 3×400mg (7-10 Tage)
ODER Amoxicillin/Clavulansäure 2×875/125mg
Stationär (i.v.) Piperacillin/Tazobactam 3×4,5g
ODER Ceftriaxon 1×2g + Metronidazol 3×500mg

Operative Therapie

Indikation Zeitpunkt Verfahren
Freie Perforation (Typ 2c) NOTFALL! Hartmann-OP oder primäre Anastomose ± protektives Stoma
Therapierefraktärer Abszess Dringlich Drainage, ggf. Sigmaresektion
Stenose/Fistel (Typ 3c) Elektiv Laparoskopische Sigmaresektion (6 Wochen nach akutem Schub)
Rezidivierend + Lebensqualität↓ Elektiv Laparoskopische Sigmaresektion (individuelle Entscheidung)

Prüfungsfokus – Therapie

  • Unkompliziert (Typ 1a): KEINE routinemäßigen Antibiotika!
  • Freie Perforation (Typ 2c): NOTFALL-OP!
  • Elektive OP: Lebensqualität als zentrales Kriterium
  • Koloskopie: Nach 6-8 Wochen zum Tumorausschluss
6 · Arztbrief

Entlassungsbrief

Patientin: , Jahre, weiblich

Stationärer Aufenthalt: [Datum] bis [Datum]

Diagnosen

  1. Akute Sigmadivertikulitis, CDD Typ 1b (unkompliziert mit Phlegmone)
  2. Bekannte Sigmadivertikulose
  3. Arterielle Hypertonie

Anamnese

Die Patientin habe sich mit seit zwei Tagen bestehenden linksseitigen Unterbauchschmerzen vorgestellt. Begleitend bestehe Übelkeit und Fieber bis 38,5°C. Der Stuhlgang sei in den letzten Tagen obstipiert gewesen. Eine Sigmadivertikulose sei seit drei Jahren bekannt, bisher ohne Komplikationen. Die Patientin verneine blutigen Stuhlgang oder Erbrechen.

Befund bei Aufnahme

Leicht reduzierter AZ, adipöser EZ. Temperatur 38,3°C, Puls 92/min, RR 145/85 mmHg. Abdomen: Druckschmerz im linken Unterbauch mit lokaler Abwehrspannung, keine generalisierte Peritonitis. Darmgeräusche regelrecht. Rektale Untersuchung unauffällig.

Diagnostik

Labor bei Aufnahme: Leukozyten 13.200/µl, CRP 89 mg/l. Kreatinin, Leberwerte und Lipase normwertig. Sonographie Abdomen: Wandverdickung des Sigmas auf 8mm mit perikolischer Fettgewebsimbibierung, mehrere Divertikel darstellbar, kein Abszess, keine freie Flüssigkeit. Diagnose: Akute Sigmadivertikulitis CDD Typ 1b.

Therapie und Verlauf

Es erfolgte die stationäre Aufnahme zur Überwachung und Antibiotikatherapie. Bei erhöhten Entzündungswerten und Fieber wurde eine intravenöse Antibiotikatherapie mit Ceftriaxon und Metronidazol begonnen. Unter dieser Therapie zeigte sich eine rasche Besserung der Beschwerden, Entfieberung am Tag 2 und rückläufige Entzündungsparameter. Der Kostaufbau wurde komplikationslos durchgeführt. Die Antibiotikatherapie wurde nach 3 Tagen auf eine orale Therapie umgestellt. Die Patientin konnte nach 5 Tagen in gutem Allgemeinzustand entlassen werden.

Procedere / Empfehlungen

  • Antibiotikatherapie fortführen: Ciprofloxacin 500mg 2×tgl. + Metronidazol 400mg 3×tgl. für weitere 4 Tage
  • Koloskopie in 6-8 Wochen zum Tumorausschluss! – Termin über Hausarzt vereinbaren
  • Ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit (2-2,5l/Tag)
  • Wiedervorstellung beim Hausarzt in 1 Woche zur Laborkontrolle
  • Bei erneuten Beschwerden, Fieber oder Verschlechterung: sofortige Wiedervorstellung

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

7 · Übergabe

S – Situation

Frau , Jahre, Aufnahme wegen linksseitiger Unterbauchschmerzen seit 2 Tagen und Fieber. Verdacht auf akute Sigmadivertikulitis bei bekannter Divertikulose.

B – Background

Bekannte Sigmadivertikulose seit 3 Jahren, bisher asymptomatisch. Vorerkrankungen: arterielle Hypertonie. Medikation: Ramipril 5mg. Keine Allergien. Keine Immunsuppression. Keine NSAR-Einnahme.

A – Assessment

Klinisch: Druckschmerz linker Unterbauch mit lokaler Abwehrspannung, Fieber 38,3°C. Labor: Leukos 13.200, CRP 89. Sono: Wandverdickung Sigma 8mm mit perikolischer Imbibierung, kein Abszess, keine freie Luft. Diagnose: Akute Sigmadivertikulitis CDD Typ 1b (unkompliziert mit Phlegmone).

R – Recommendation

Stationäre Aufnahme zur Überwachung. Antibiotikatherapie mit Ceftriaxon 2g + Metronidazol 500mg 3×tgl. i.v. Nahrungskarenz initial, dann Kostaufbau. Analgesie bei Bedarf. Labor-Kontrolle morgen. Bei klinischer Verschlechterung CT zum Komplikationsausschluss. Koloskopie nach 6-8 Wochen planen.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Unterscheidungsmerkmal Ausschluss durch
Kolonkarzinom Gewichtsverlust, B-Symptomatik, Stuhlunregelmäßigkeiten Koloskopie nach 6-8 Wochen! (obligat)
Appendizitis Rechter Unterbauch, jüngere Patienten, Schmerzwanderung Sono/CT (Lokalisation!)
Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Jüngere Patienten, blutige Durchfälle, extraintestinale Manifestationen Koloskopie mit Biopsie (nach Akutphase)
Ischämische Kolitis Ältere Patienten, Risikofaktoren (VHF), blutige Diarrhoe CT-Angiographie, Koloskopie
Ovarialzyste / Adnexitis Frauen, zyklusabhängig, vaginaler Fluor Gynäkologische Untersuchung, vaginaler Ultraschall
Harnwegsinfekt / Urolithiasis Dysurie, Pollakisurie, kolikartiger Schmerz Urinstatus, Sono Nieren
Sigmaovolvulus Ältere/pflegebedürftige Patienten, Obstipation, aufgetriebenes Abdomen Röntgen Abdomen ("Kaffeebohnenzeichen")

Wichtig!

Kolonkarzinom kann sich hinter einer Divertikulitis verbergen! Daher ist eine Koloskopie 6-8 Wochen nach der Akutphase obligat zum Tumorausschluss.

⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Abszess (CDD 2a/2b) → Perikolisch, pelvin, retroperitoneal; Drainage notwendig bei >3cm
  • Gedeckte Perforation → Mikroabszess, lokale Peritonitis
  • Freie Perforation (CDD 2c) → Eitrige/kotige Peritonitis → NOTFALL-OP!
  • Divertikelblutung → Akute untere GI-Blutung, oft selbstlimitierend
  • Sepsis → Bei ausgedehnter Infektion/Perforation

Chronische Komplikationen

  • Stenose → Rezidivierende Entzündungen → Narbige Einengung → Ileus-Symptomatik
  • Fisteln
    • Kolovesikal (häufigste) → Pneumaturie, Fäkalurie, rezidivierende HWI
    • Kolovaginal → Stuhl/Luft per vaginam
    • Koloenteral → Durchfall, Malabsorption
    • Kolokutan → Selten
  • Rezidivierende Schübe → Einschränkung der Lebensqualität

Prognose

  • 85% der Divertikulitiden verlaufen unkompliziert
  • Perforationsrisiko beim ersten Schub am höchsten (!) – nimmt mit weiteren Schüben ab
  • Rezidivrate nach erstem Schub: 15-30% innerhalb von 5 Jahren
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Brettharter Bauch Freie Perforation mit Peritonitis NOTFALL-OP! Keine weitere Bildgebung
Freie Luft (CT/Röntgen) Perforation Chirurgisches Konsil, Notfall-OP
Hohes Fieber + Sepsis-Zeichen Schwere Infektion, Abszess, Perforation CT, Breitband-Antibiotika, ggf. OP
⚠️ Klinische Verschlechterung unter Therapie V.a. Komplikation (Abszess, Perforation) CT Abdomen, chirurgisches Konsil
⚠️ Pneumaturie / Fäkalurie Kolovesikale Fistel CT, elektive Sigmaresektion planen
⚠️ Massive Hämatochezie Divertikelblutung Koloskopie, ggf. endoskopische Blutstillung
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Lokalisation: 95% im Sigma → linksseitige Unterbauchschmerzen
  2. Diagnostik: Schnittbildgebung (Sono/CT); KEINE Koloskopie im akuten Stadium
  3. Therapie unkompliziert (CDD 1a): Keine routinemäßigen Antibiotika
Frage 1 (Diagnostik): Welche Untersuchung ist bei akuter Divertikulitis kontraindiziert?
A) Abdomen-Sonographie
B) CT Abdomen mit Kontrastmittel
C) Koloskopie
D) Laboruntersuchung
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) Koloskopie
Die Koloskopie ist im akuten Stadium kontraindiziert wegen Perforationsgefahr! Sie sollte erst 6-8 Wochen nach Abklingen der akuten Entzündung zum Tumorausschluss durchgeführt werden.
Frage 2 (Diagnostik): Was entspricht der CDD-Klassifikation Typ 2b?
A) Asymptomatische Divertikulose
B) Unkomplizierte Divertikulitis mit Phlegmone
C) Makroabszess >3 cm
D) Freie Perforation
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) Makroabszess >3 cm
CDD Typ 2b bezeichnet einen Makroabszess (>3 cm). Typ 2a = Mikroabszess (≤3 cm), Typ 2c = freie Perforation, Typ 0 = asymptomatische Divertikulose.
Frage 3 (Therapie): Welche Aussage zur Antibiotikatherapie bei unkomplizierter Divertikulitis (CDD Typ 1a) ist korrekt?
A) Immer i.v. Antibiotika für 14 Tage
B) Routinemäßig orale Antibiotika für 7 Tage
C) Keine routinemäßige Antibiotikatherapie empfohlen
D) Nur Metronidazol-Monotherapie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) Keine routinemäßige Antibiotikatherapie empfohlen
Bei unkomplizierter Divertikulitis (CDD Typ 1a) ist laut S3-Leitlinie keine routinemäßige Antibiotikatherapie mehr empfohlen. Antibiotika nur bei Risikofaktoren (Immunsuppression, hohes Fieber, schwere Komorbidität).
Frage 4 (Therapie): Wann ist eine Notfall-Operation bei Divertikulitis indiziert?
A) Bei jeder komplizierten Divertikulitis
B) Bei Mikroabszess (<3 cm)
C) Bei freier Perforation mit Peritonitis
D) Bei rezidivierender Divertikulitis
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) Bei freier Perforation mit Peritonitis
Die freie Perforation (CDD Typ 2c) mit eitriger oder kotiger Peritonitis ist eine absolute Notfall-OP-Indikation. Mikroabszesse werden konservativ behandelt, Makroabszesse ggf. drainiert, rezidivierende Verläufe werden elektiv operiert.
Frage 5 (Notfall): Ein Patient mit bekannter Divertikulitis berichtet über Luftabgang beim Wasserlassen. Woran denken Sie?
A) Harnwegsinfekt
B) Kolovesikale Fistel
C) Blasenkarzinom
D) Divertikelblutung
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Kolovesikale Fistel
Pneumaturie (Luftabgang beim Wasserlassen) und Fäkalurie sind typische Zeichen einer kolovesikalen Fistel als Komplikation einer Divertikulitis. Diese erfordert eine elektive Sigmaresektion.
Frage 6 (Notfall): Wann ist das Perforationsrisiko bei Divertikulitis am höchsten?
A) Beim dritten Schub
B) Nach erfolgreicher Antibiotikatherapie
C) Beim ersten Schub
D) Bei chronisch rezidivierendem Verlauf
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) Beim ersten Schub
Das Perforationsrisiko ist beim ersten Schub am höchsten und nimmt mit der Anzahl weiterer Schübe ab. Daher ist die Anzahl der Schübe allein keine OP-Indikation mehr – die Lebensqualität ist entscheidend.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Warum ist eine Koloskopie 6-8 Wochen nach akuter Divertikulitis obligat?
A) Zur Behandlung der Divertikel
B) Zum Ausschluss eines Kolonkarzinoms
C) Zur Antibiotika-Applikation
D) Zur Perforation der entzündeten Divertikel
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Zum Ausschluss eines Kolonkarzinoms
Ein Kolonkarzinom kann sich klinisch und bildgebend wie eine Divertikulitis präsentieren. Daher ist die Koloskopie nach Abklingen der akuten Entzündung (6-8 Wochen) zum Tumorausschluss obligat.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Welche typische Lokalisation hat die Sigmadivertikulitis?
A) Rechter Unterbauch
B) Epigastrium
C) Linker Unterbauch
D) Periumbilikal
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) Linker Unterbauch
95% der Divertikulitiden betreffen das Sigma im linken Unterbauch. Daher wird die Sigmadivertikulitis auch als "Linksappendizitis" bezeichnet. Rechtsseitige Divertikulitis ist in Europa selten.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Divertikel "Kleine Ausstülpungen der Darmwand – wie kleine Taschen, in denen sich Stuhl festsetzen kann."
Divertikulose "Das Vorhandensein von Divertikeln, ohne dass diese Beschwerden machen."
Divertikulitis "Eine Entzündung der Divertikel – das verursacht dann Schmerzen und Fieber."
Sigma "Der S-förmige Abschnitt des Dickdarms im linken Unterbauch."
Abszess "Eine abgekapselte Eiteransammlung – eine Komplikation der Entzündung."
Perforation "Ein Durchbruch des Darms – das ist ein Notfall und muss operiert werden."
Fistel "Eine unnatürliche Verbindung zwischen zwei Organen – z.B. zwischen Darm und Blase."
Sigmaresektion "Die operative Entfernung des erkrankten Darmabschnitts."

Zusammenfassung

Die Divertikulitis ist eine Entzündung von Darmausstülpungen, meist im Sigma lokalisiert ("Linksappendizitis"). Die Diagnose erfolgt durch Schnittbildgebung (Sono/CT), niemals Koloskopie im akuten Stadium! Die Therapie richtet sich nach der CDD-Klassifikation: unkomplizierte Fälle oft ambulant ohne Antibiotika, komplizierte Fälle stationär mit Antibiotika oder OP. Die Koloskopie zum Tumorausschluss nach 6-8 Wochen ist obligat.

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.