Epilepsie

Neurologie Häufig Konservativ Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur Epilepsie: Klassifikation fokaler und generalisierter Anfälle, EEG-Diagnostik, MRT-Bildgebung und leitliniengerechte Therapie mit Anfallssuppressiva (ASM).

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Rezidivierende epileptische Anfälle (fokal oder generalisiert)
  • Diagnostischer Standard: EEG + cMRT (Epilepsieprotokoll)
  • Erste Maßnahme: Anfallsschutz, Seitenlagerung, ggf. Benzodiazepine bei Status epilepticus
  • Wichtigste Kontraindikation: Valproat bei Frauen im gebärfähigen Alter
  • Prognose: 2/3 anfallsfrei unter Monotherapie, 1/3 therapieresistent

1 · Leitfall

Notaufnahme J., m Bewusstlosigkeit mit Krampfanfall
"Meine Kollegin hat mir erzählt, dass ich plötzlich auf den Boden gefallen bin und am ganzen Körper gezuckt habe. Ich kann mich an nichts erinnern, habe mir auf die Zunge gebissen und bin jetzt total erschöpft."
2 · Krankheitsbild

Definition

Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des Gehirns, die durch rezidivierende, unprovozierte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Nach ILAE-Definition liegt eine Epilepsie vor bei: mindestens zwei unprovozierten Anfällen im Abstand von >24 Stunden ODER einem unprovozierten Anfall mit >60% Rezidivwahrscheinlichkeit (z.B. bei pathologischem EEG oder epileptogener Läsion im MRT).

Pathophysiologie

Epileptische Anfälle entstehen durch ein Ungleichgewicht zwischen exzitatorischen (Glutamat) und inhibitorischen (GABA) Neurotransmittern. Dies führt zu einer synchronen, exzessiven neuronalen Entladung. Der paroxysmale Depolarisationsshift (PDS) auf zellulärer Ebene korreliert mit epileptiformen Spikes im EEG.

Epidemiologie

Prävalenz 0,5–1% der Bevölkerung (ca. 650.000 in Deutschland)
Inzidenz 40–70/100.000/Jahr
Altersgipfel Bimodal: <5 Jahre und >60 Jahre
Geschlecht m = w

Klassifikation (ILAE 2017)

Fokale Anfälle:
  • Mit erhaltenem Bewusstsein
  • Mit beeinträchtigtem Bewusstsein
  • Fokal zu bilateral tonisch-klonisch
Generalisierte Anfälle:
  • Tonisch-klonisch (Grand mal)
  • Absencen (Petit mal)
  • Myoklonisch, atonisch, tonisch

Ätiologie (ILAE)

Strukturell Tumor, Trauma, Schlaganfall, Hippokampussklerose
Genetisch SCN1A-Mutation (Dravet-Syndrom), juvenile myoklonische Epilepsie
Infektiös Meningitis, Enzephalitis, Neurozystizerkose
Metabolisch Hypoglykämie, Hyponatriämie, Urämie
Immunologisch Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis
Unbekannt Keine identifizierbare Ursache
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Anfallsbeschreibung Was war das Letzte, woran Sie sich erinnern können? Aura-Symptome → Hinweis auf fokalen Ursprung
Fremdanamnese Wie sah der Anfall aus? Blickdeviation? Zuckungen einseitig oder beidseitig? Unterscheidung fokal vs. generalisiert
Postiktal Wie lange waren Sie danach verwirrt? Hatten Sie Lähmungen? Todd-Parese → fokaler Ursprung; Dauer → Anfallsschwere
Vorgeschichte Hatten Sie früher schon ähnliche Ereignisse? Fieberkrämpfe als Kind? Rezidivrisiko; Fieberkrämpfe → erhöhtes Epilepsierisiko
Trigger Hatten Sie Schlafentzug? Alkoholkonsum? Flackerlicht? Provozierte vs. unprovozierte Anfälle
Medikamente Nehmen Sie Medikamente? Haben Sie kürzlich welche abgesetzt? ASM-Compliance; Entzugsanfälle (Benzodiazepine)
Verletzungen Haben Sie sich verletzt? Auf die Zunge gebissen? Eingenässt? Lateraler Zungenbiss hochspezifisch für epileptischen Anfall

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, Herr , ich bin . Ich habe gehört, dass Sie einen Anfall hatten. Was ist das Letzte, woran Sie sich erinnern können?

Patient:

Ich war bei der Arbeit und hatte plötzlich so ein komisches Gefühl im Bauch, wie eine aufsteigende Übelkeit. Dann weiß ich nichts mehr.

Arzt:

Dieses Gefühl nennen wir eine Aura. War jemand dabei, der mir beschreiben kann, was passiert ist?

Patient:

Ja, meine Kollegin. Sie sagte, ich sei plötzlich hingefallen und hätte am ganzen Körper gezuckt, etwa zwei Minuten lang.

Arzt:

Hatten Sie in den letzten Tagen Schlafmangel oder Alkohol getrunken?

Patient:

Ja, ich habe die letzte Woche viel gearbeitet und wenig geschlafen. Alkohol trinke ich aber nicht.

Arzt:

Ist so etwas schon früher passiert? Hatten Sie als Kind Fieberkrämpfe?

Patient:

Nein, das war das erste Mal. Aber mein Vater hatte auch Epilepsie.

Prüfungsfokus

  • Fremdanamnese ist essenziell – Patient erinnert sich oft nicht
  • Aura (epigastrisch, Déjà-vu, olfaktorisch) → fokaler Beginn
  • Lateraler Zungenbiss = hochspezifisch für epileptischen Anfall
  • Provozierende Faktoren ausschließen: Schlafentzug, Alkohol, Medikamentenentzug
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Inspektion Lateraler Zungenbiss, Hämatome, Einnässen, postiktale Somnolenz
Neurologischer Status Fokale Defizite (Todd-Parese)? Vigilanzminderung? Meningismus?
Vitalzeichen Tachykardie, Hypertonie postiktal möglich; Fieber → Infekt?
Pupillen Isokor, lichtreagibel; Anisokorie → strukturelle Läsion?

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
CK Erhöht nach generalisiert tonisch-klonischem Anfall
Prolaktin ↑ (15–20 min postiktal) Unterscheidung zu psychogenem Anfall
Laktat Metabolische Azidose nach Krampfanfall
Glukose ↓ oder ↑ Hypoglykämie als Anfallsursache ausschließen
Elektrolyte Na⁺, Ca²⁺, Mg²⁺ Elektrolytstörungen als Trigger
ASM-Spiegel Non-Compliance bei bekannter Epilepsie

Apparative Diagnostik

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
EEG Epilepsietypische Potenziale (Spikes, Sharp-Waves, Spike-Wave-Komplexe) Möglichst früh nach Anfall (24–48h), ggf. Schlafentzugs-EEG
cMRT (Epilepsieprotokoll) Hippokampussklerose, fokale kortikale Dysplasie, Tumor, Gliose Immer bei erstmaligem Anfall; hochauflösend bei fokalem Verdacht
cCT Blutung, Raumforderung Notfall: Ausschluss akuter Hirnläsion
Video-EEG Anfallsaufzeichnung mit Korrelation Prächirurgische Diagnostik, unklare Anfälle

Goldstandard

EEG (Nachweis epilepsietypischer Potenziale) + cMRT (Epilepsieprotokoll)

EEG nach erstem Anfall: Positiv → Epilepsiediagnose möglich. Negativ → Epilepsie nicht ausgeschlossen!

5 · Therapie

Akuttherapie – Anfallsmanagement

Situation Maßnahme
Während des Anfalls Schutz vor Verletzungen, keine Gegenstände in den Mund, Brille entfernen
Postiktal Stabile Seitenlage, Atemwege freimachen, beruhigen
Anfall >5 min (Status epilepticus) Benzodiazepine leitliniengerecht: Lorazepam i.v., Midazolam i.n./buccal

Medikamentöse Dauertherapie (ASM)

Anfallstyp 1. Wahl Alternative
Fokale Epilepsie Lamotrigin, Levetiracetam, Lacosamid Oxcarbazepin, Zonisamid
Generalisierte Epilepsie (Männer) Valproat Lamotrigin, Levetiracetam
Generalisierte Epilepsie (Frauen) Lamotrigin, Levetiracetam Kein Valproat bei Frauen im gebärfähigen Alter!
Absencen Ethosuximid Lamotrigin, Valproat

Wichtige ASM-Nebenwirkungen

ASM Wichtige Nebenwirkungen
Valproat Teratogenität (!), Gewichtszunahme, Tremor, Hepatotoxizität
Lamotrigin Stevens-Johnson-Syndrom (langsame Aufdosierung!)
Levetiracetam Psychiatrische Symptome (Aggression, Depression)
Carbamazepin Hyponatriämie, Allergie, Enzyminduktion

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Epilepsiechirurgie: Bei therapieresistenter fokaler Epilepsie mit identifizierbarem Fokus
  • Vagusnervstimulation (VNS): Bei nicht-operablen therapieresistenten Epilepsien
  • Ketogene Diät: Besonders bei Kindern mit therapieresistenter Epilepsie

Therapiebeendigung

Nach 2–5 Jahren Anfallsfreiheit kann ein ausschleichendes Absetzen erwogen werden. Rezidivrisiko ca. 30–50%. Entscheidung individuell nach Risiko-Nutzen-Abwägung.

6 · Arztbrief

Anamnese:
Der -jährige Patient habe sich aufgrund eines erstmaligen generalisierten tonisch-klonischen Anfalls am Arbeitsplatz vorgestellt. Er habe eine epigastrische Aura mit aufsteigendem Unwohlsein verspürt, dann sei er bewusstlos geworden. Laut Fremdanamnese habe er etwa zwei Minuten lang am ganzen Körper gezuckt. Postiktal sei er für etwa 20 Minuten verwirrt gewesen. Er habe sich auf die Zunge gebissen. An Vorerkrankungen leide er an keinen relevanten Erkrankungen. Sein Vater habe jedoch an Epilepsie gelitten. In den letzten Tagen habe er unter erheblichem Schlafentzug gelitten.

Befund:
Bei Aufnahme sei der Patient wach, aber noch leicht verlangsamt gewesen. Die Vitalzeichen seien stabil gewesen. Es habe sich ein lateraler Zungenbiss links gezeigt. Der neurologische Status sei unauffällig gewesen, insbesondere keine fokalen Defizite. Das EEG habe rechtshemisphärisch temporal epilepsietypische Potenziale gezeigt. Das cMRT habe keine strukturellen Läsionen ergeben.

Diagnose:
Erstmaliger epileptischer Anfall mit fokaler Aura und sekundärer Generalisierung bei positiver Familienanamnese und rechtshemisphärischen ETP im EEG. Diagnose einer fokalen Epilepsie.

Therapie und Verlauf:
Es sei eine anfallssuppressive Therapie mit Lamotrigin leitliniengerecht eingeleitet worden. Der Patient sei über Auslöser (Schlafentzug, Alkohol), Fahruntauglichkeit und Verhaltensmaßnahmen bei erneutem Anfall aufgeklärt worden. Eine Wiedervorstellung in der Epilepsieambulanz in 4 Wochen sei vereinbart worden.

Procedere:
Medikamentöse Einstellung, Fahrtauglichkeitsprüfung nach 1 Jahr Anfallsfreiheit, Patientenschulung.

7 · Übergabe (SBAR)

S – Situation:
Herr , Jahre, Übernahme aus der Notaufnahme nach erstmaligem epileptischem Anfall.

B – Background:
Erstmaliger generalisiert tonisch-klonischer Anfall mit epigastrischer Aura bei positivem EEG-Befund und negativem cMRT. Positive Familienanamnese für Epilepsie. Trigger: Schlafentzug.

A – Assessment:
Diagnose: Fokale Epilepsie mit sekundärer Generalisierung. Patient neurologisch unauffällig. Lamotrigin leitliniengerecht angesetzt.

R – Recommendation:
Bitte Anfallsüberwachung, Medikamenteneinnahme kontrollieren, bei erneutem Anfall Benzodiazepine leitliniengerecht. Morgen EEG-Kontrolle. Patient über Fahrverbot informiert.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Wichtiger Unterschied Ausschlussdiagnostik
Synkope Kurze Dauer (<30 sec), schnelle Reorientierung, kein Zungenbiss, keine Aura EKG, Schellong-Test, Echokardiographie
Psychogener nicht-epileptischer Anfall (PNEA) Variable Dauer, asynchrone Bewegungen, geschlossene Augen, kein postiktaler Prolaktinanstieg Video-EEG, Prolaktin postiktal
Transiente globale Amnesie (TGA) Stundenlange Amnesie, keine motorischen Symptome, keine Bewusstlosigkeit cMRT (DWI: Hippokampusläsion?)
Hypoglykämie Schwitzen, Tremor, Verwirrtheit vor Krampf BZ-Messung
Migräne mit Aura Aura langsamer (>5 min), typisch visuell, gefolgt von Kopfschmerz Anamnese, EEG

Merke

Fehldiagnoserate bei Epilepsie: 5–30%! Fremdanamnese und Video-Dokumentation sind essenziell.

⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Status epilepticus: Anfall >5 min oder wiederholte Anfälle ohne Erholung → Notfall! Mortalität 10%
  • Aspiration: Bewusstlosigkeit mit Erbrechen
  • Verletzungen: Sturz, Frakturen, Verbrennungen, Ertrinken
  • Zungenbiss: Lateral typisch für epileptischen Anfall
  • Rhabdomyolyse: Bei prolongierten Anfällen → akute Nierenschädigung

Langzeitkomplikationen

  • SUDEP (Sudden Unexpected Death in Epilepsy): Plötzlicher Tod ohne erkennbare Ursache; Risiko bei schlecht kontrollierter Epilepsie
  • Kognitive Beeinträchtigung: Bei häufigen Anfällen oder langer ASM-Therapie
  • Psychiatrische Komorbiditäten: Depression, Angststörungen (30–50%)
  • Soziale Einschränkungen: Fahrverbot, Berufswahl, Stigmatisierung
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Anfall >5 Minuten Status epilepticus Benzodiazepine leitliniengerecht, Intensivstation
Fokale neurologische Defizite postiktal >24h Strukturelle Läsion (Schlaganfall, Tumor) Notfall-cCT/cMRT
Fieber + Anfall + Meningismus Meningoenzephalitis Lumbalpunktion, empirische Antibiose
Erstanfall >60 Jahre Hohe Wahrscheinlichkeit struktureller Ursache Ausführliche Bildgebung (Tumor? Stroke?)
Anfallsserie ohne Erholung Drohender Status epilepticus Notfalltherapie einleiten
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. EEG + cMRT sind Goldstandard der Epilepsiediagnostik
  2. Valproat ist bei Frauen im gebärfähigen Alter kontraindiziert
  3. Status epilepticus (>5 min) ist ein Notfall mit 10% Mortalität
Frage 1 (Diagnostik): Ein 34-jähriger Patient erleidet einen erstmaligen generalisierten tonisch-klonischen Anfall. Welche Untersuchung hat die höchste Sensitivität für den Nachweis epilepsietypischer Potenziale?
A) cMRT
B) cCT
C) EEG innerhalb von 24 Stunden
D) Liquorpunktion
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Das EEG hat die höchste Sensitivität für epilepsietypische Potenziale, besonders wenn es früh (innerhalb von 24–48h) nach dem Anfall durchgeführt wird. Ein negatives EEG schließt eine Epilepsie jedoch nicht aus.
Frage 2 (Diagnostik): Welcher Befund spricht am stärksten für einen epileptischen Anfall im Vergleich zu einer Synkope?
A) Einnässen
B) Lateraler Zungenbiss
C) Muskelzuckungen
D) Postiktale Verwirrtheit <1 Minute
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Der laterale Zungenbiss ist hochspezifisch für einen epileptischen Anfall. Einnässen und kurze Muskelzuckungen können auch bei Synkopen auftreten. Lange postiktale Verwirrtheit spricht für Epilepsie, nicht kurze.
Frage 3 (Therapie): Eine 28-jährige Frau mit neu diagnostizierter generalisierter Epilepsie und Kinderwunsch fragt nach der Medikamentenwahl. Welches ASM ist kontraindiziert?
A) Lamotrigin
B) Levetiracetam
C) Valproat
D) Lacosamid
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Valproat ist bei Frauen im gebärfähigen Alter wegen hoher Teratogenität (Neuralrohrdefekte, kognitive Entwicklungsstörungen) kontraindiziert. Lamotrigin oder Levetiracetam sind Alternativen.
Frage 4 (Therapie): Bei welchem ASM muss besonders auf eine langsame Aufdosierung geachtet werden, um ein schweres Hautexanthem zu vermeiden?
A) Levetiracetam
B) Valproat
C) Lamotrigin
D) Gabapentin
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Lamotrigin kann bei zu schneller Aufdosierung ein Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) oder eine toxische epidermale Nekrolyse (TEN) verursachen. Langsame Dosissteigerung über Wochen ist erforderlich.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ab welcher Anfallsdauer spricht man definitionsgemäß von einem Status epilepticus?
A) >2 Minuten
B) >5 Minuten
C) >10 Minuten
D) >30 Minuten
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die aktuelle Definition eines Status epilepticus ist ein Anfall >5 Minuten oder wiederholte Anfälle ohne Wiedererlangen des Bewusstseins. Die frühere Definition von >30 Minuten wurde revidiert, um eine frühere Therapie zu ermöglichen.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Welches Medikament ist First-line bei der Akutbehandlung eines Status epilepticus?
A) Phenytoin i.v.
B) Lorazepam i.v.
C) Valproat i.v.
D) Propofol i.v.
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Benzodiazepine (Lorazepam i.v. oder Midazolam i.m./i.n./buccal) sind First-line bei Status epilepticus. Bei Versagen folgen Phenytoin/Fosphenytoin, Valproat oder Levetiracetam als Second-line.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Ein 22-jähriger Patient zeigt bei Krankenhausaufenthalten wiederholt Anfälle mit asynchronen Bewegungen, geschlossenen Augen und variablen Dauer (5–30 min). Das EEG während eines Anfalls ist unauffällig. Was ist die wahrscheinlichste Diagnose?
A) Fokale Epilepsie
B) Generalisierte Epilepsie
C) Psychogener nicht-epileptischer Anfall (PNEA)
D) Status epilepticus
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Typische Merkmale für PNEA: asynchrone Bewegungen, geschlossene Augen während des Anfalls, variable lange Dauer und unauffälliges iktales EEG. Epileptische Anfälle zeigen meist offene Augen und synchrone Bewegungen.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Eine 70-jährige Patientin kollabiert kurz nach dem Aufstehen, hat kurze Zuckungen und ist nach 20 Sekunden wieder vollständig orientiert. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?
A) Generalisiert tonisch-klonischer Anfall
B) Orthostatische Synkope mit konvulsiver Komponente
C) Status epilepticus
D) Transiente globale Amnesie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Kurze Dauer (<30 sec), Auftreten beim Aufstehen (orthostatisch) und sofortige Reorientierung sprechen für eine Synkope. Kurze konvulsive Bewegungen können auch bei Synkopen auftreten (konvulsive Synkope).
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Epilepsie "Eine Erkrankung des Gehirns, bei der es wiederholt zu Krampfanfällen kommt."
Anfallssuppressiva (ASM) "Medikamente, die Anfälle unterdrücken – früher Antiepileptika genannt."
Aura "Ein Vorgefühl vor dem eigentlichen Anfall, z.B. komisches Bauchgefühl oder Déjà-vu."
Status epilepticus "Ein Krampfanfall, der länger als 5 Minuten dauert – ein Notfall!"
EEG "Eine Messung der Hirnströme über Elektroden auf der Kopfhaut."
Tonisch-klonisch "Zuerst Versteifen (tonisch), dann Zucken (klonisch) des ganzen Körpers."
Postiktal "Die Zeit nach dem Anfall, in der man oft müde und verwirrt ist."
SUDEP "Plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie – selten, aber wichtig zu wissen."

Zusammenfassung

Epilepsie ist eine häufige neurologische Erkrankung mit rezidivierenden Anfällen. Die Diagnostik basiert auf EEG und cMRT. Zwei Drittel der Patienten werden mit Medikamenten anfallsfrei. Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist Valproat kontraindiziert. Status epilepticus ist ein lebensbedrohlicher Notfall.

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.