Migräne – FSP-Fall

Neurologie Häufig Konservativ Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur Migräne: Einseitiger pulsierender Kopfschmerz mit Aura, ICHD-3-Diagnostik, Triptan-Therapie und Betablocker-Prophylaxe.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Einseitiger, pulsierender Kopfschmerz mit Übelkeit, Foto- und Phonophobie
  • Diagnostischer Standard: Klinische Diagnose nach ICHD-3-Kriterien (keine Bildgebung nötig)
  • Erste Maßnahme: Reizabschirmung + NSAR oder Triptan + Antiemetikum
  • Wichtigste Kontraindikation: Triptane bei KHK, Apoplex, pAVK, unkontrollierter Hypertonie
  • Prognose: Chronisch-rezidivierend, bei adäquater Therapie gute Lebensqualität

1 · Leitfall

Hausarztpraxis 42 J., w Wiederkehrende starke Kopfschmerzen
"Herr Doktor, ich habe seit heute Morgen wieder diese furchtbaren Kopfschmerzen auf der rechten Seite. Es pocht und hämmert, mir ist übel und das Licht tut mir weh. Das kenne ich schon seit Jahren, aber heute ist es besonders schlimm."
2 · Krankheitsbild

Definition

Die Migräne ist ein primärer, rezidivierend auftretender Kopfschmerz mit typischerweise einseitiger Lokalisation, pulsierendem Charakter und mittlerer bis starker Intensität. Sie ist häufig von vegetativen Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. In 10–30 % der Fälle tritt eine Aura auf.

Pathophysiologie

Die Migräne entsteht durch Aktivierung von Hirnstammstrukturen (periaquäduktales Grau, Locus coeruleus) mit nachfolgender Aktivierung des trigeminovaskulären Systems. Dies führt zur Freisetzung vasoaktiver Neuropeptide, insbesondere CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), das zu einer neurogenen Entzündung und Vasodilatation führt. Die Aura entsteht durch eine kortikale Streudepolarisation (Cortical Spreading Depression), die sich wellenförmig ausbreitet.

Epidemiologie

Prävalenz 10–15 % der Erwachsenen
Typisches Alter 20–50 Jahre (Peak: 35–45 Jahre)
Geschlecht w:m = 3:1
Migräne mit Aura 10–30 % der Patienten

Risikofaktoren / Triggerfaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Genetische Disposition (familiäre Häufung)
  • Weibliches Geschlecht
  • Hormonelle Schwankungen (Menstruation)
Modifizierbar (Trigger):
  • Stress / Entspannung nach Stress
  • Schlafmangel oder -überschuss
  • Alkohol (besonders Rotwein)
  • Bestimmte Nahrungsmittel
  • Wetteränderungen
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Schmerzcharakter Wie würden Sie den Schmerz beschreiben? Pulsierend, drückend? Pulsierend = typisch für Migräne; drückend = eher Spannungskopfschmerz
Lokalisation Wo genau tut es weh? Einseitig oder beidseitig? Einseitig = typisch für Migräne (bei 2/3 der Patienten)
Begleitsymptome Haben Sie dabei Übelkeit, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit? Vegetative Symptome sind charakteristisch für Migräne
Aura Sehen Sie vor den Kopfschmerzen Blitze oder Zickzacklinien? Aura = neurologische Symptome vor Kopfschmerzbeginn
Dauer Wie lange dauert eine Attacke normalerweise? Migräne: 4–72 h; Clusterkopfschmerz: 15–180 min
Verstärkung Werden die Schmerzen bei körperlicher Aktivität schlimmer? Verstärkung durch Bewegung = typisch für Migräne
Medikamente Wie oft nehmen Sie Schmerzmittel gegen die Kopfschmerzen? Ausschluss Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (≥10–15 Tage/Monat)

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin Dr. Tarek Mansour. Was führt Sie zu uns?

Patientin:

Ich habe wieder diese schrecklichen Kopfschmerzen. Das ist immer auf der rechten Seite und pocht ganz stark.

Arzt:

Wie oft haben Sie solche Kopfschmerzen und wie lange dauern sie an?

Patientin:

Das passiert ungefähr drei- bis viermal im Monat. Wenn ich keine Tabletten nehme, kann das auch mal zwei Tage dauern.

Arzt:

Haben Sie während der Kopfschmerzen auch Übelkeit oder stört Sie Licht?

Patientin:

Ja, genau! Mir wird immer übel und ich muss mich in ein dunkles Zimmer legen. Laute Geräusche kann ich dann auch nicht ertragen.

Arzt:

Sehen Sie manchmal Blitze oder Zickzacklinien, bevor die Kopfschmerzen anfangen?

Patientin:

Ja, manchmal sehe ich so komische Flimmerbänder. Das dauert vielleicht 20 Minuten, dann kommen die Kopfschmerzen.

Prüfungsfokus

  • ICHD-3 Kriterien abfragen: Dauer, Lokalisation, Charakter, Intensität, Begleitsymptome
  • Aura-Symptome erfragen (visuell, sensorisch, motorisch)
  • Ausschluss sekundärer Kopfschmerzen (Red Flags)
  • Medikamentenübergebrauch ausschließen
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Allgemeinzustand Patientin leidet sichtbar, meidet Licht, spricht leise
Neurologischer Status Außerhalb der Aura: vollständig unauffällig (wichtig!)
Hirnnervenprüfung Unauffällig, keine Papillenveränderungen
Meningismus Negativ (Nackensteifigkeit = Red Flag!)
Blutdruck Normal oder leicht erhöht (schmerzbedingt)

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Routinelabor Nicht indiziert Migräne ist eine klinische Diagnose
Bei V.a. sekundären KS BB, CRP, BSG Ausschluss Arteriitis temporalis, Infektion

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
cMRT Unauffällig bei primärer Migräne Nur bei Red Flags oder atypischer Klinik
cCT Unauffällig Notfall: V.a. SAB (Vernichtungskopfschmerz)

Goldstandard

Klinische Diagnose nach ICHD-3-Kriterien! Keine apparative Diagnostik bei typischer Präsentation ohne Red Flags erforderlich.

ICHD-3 Diagnosekriterien Migräne ohne Aura

A Mindestens 5 Attacken, die Kriterien B–D erfüllen
B Dauer 4–72 Stunden (unbehandelt)
C Mind. 2 von 4: einseitig, pulsierend, mäßig/stark, Verstärkung durch Bewegung
D Mind. 1 von 2: Übelkeit/Erbrechen ODER Foto-/Phonophobie
5 · Therapie

Akuttherapie

Stufe Medikament Hinweise
Allgemein Reizabschirmung, Ruhe, dunkler Raum Immer als Basismaßnahme
Antiemetikum Metoclopramid (MCP) leitliniengerecht 10–20 min vor Analgetikum, verbessert Resorption
Leichte Attacke ASS, Ibuprofen oder Paracetamol ASS und Ibuprofen am besten belegt
Mittelschwere/schwere Attacke Triptane (z.B. Sumatriptan) Möglichst früh im Anfall einnehmen
Status migraenosus Steroide (z.B. Prednisolon) leitliniengerecht Bei Attacken >72 h

Kontraindikationen Triptane

  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Z.n. Myokardinfarkt oder Schlaganfall
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Unkontrollierte arterielle Hypertonie
  • Schwere Leberinsuffizienz

Migräneprophylaxe (Indikation)

  • ≥3 Attacken pro Monat
  • Attackendauer >72 Stunden (Status migraenosus)
  • Attacken sprechen auf Akuttherapie nicht an
  • Sehr hoher Leidensdruck
  • Komplizierte Migräne (hemiplegische Aura)

Prophylaktische Therapie

Substanzklasse Wirkstoff Besonderheiten
Betablocker (1. Wahl) Metoprolol, Propranolol Gut bei Hypertonie; KI: Asthma, Bradykardie
Kalziumantagonist Flunarizin Gewichtszunahme, Depression möglich
Antikonvulsivum Topiramat Cave bei Frauen im gebärfähigen Alter (teratogen)
Antidepressivum Amitriptylin Gut bei begleitender Depression/Schlafstörung
CGRP-Antikörper Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab Bei Versagen der Standardprophylaxe, s.c. monatlich

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Ausdauersport (regelmäßig, mind. 3×/Woche)
  • Entspannungsverfahren (PMR nach Jacobson)
  • Biofeedback
  • Triggervermeidung (Kopfschmerztagebuch führen)
  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus

Prüfungsfokus

  • Triptane = Mittel der Wahl bei mittelschweren/schweren Attacken
  • MCP vor Analgetikum = verbessert Resorption
  • Betablocker = 1. Wahl Prophylaxe
  • CGRP-Antikörper = bei Therapieversagen der Standardprophylaktika
6 · Arztbrief

Universitätsklinikum
Klinik für Neurologie
Dr. Tarek Mansour

Patient: Claudia Schneider, geb. [Datum], 42 Jahre
Aufnahme: [Aufnahmedatum]
Entlassung: [Entlassungsdatum]

Diagnosen

  1. Migräne mit Aura (ICD-10: G43.1)
  2. Photophobie und Phonophobie

Anamnese

Die 42-jährige Patientin habe angegeben, seit dem Morgen unter starken, rechtsseitig lokalisierten Kopfschmerzen zu leiden. Sie leide bereits seit etwa 10 Jahren an wiederkehrenden Kopfschmerzattacken, die etwa 3–4-mal pro Monat aufträten. Die Kopfschmerzen seien typischerweise pulsierend und von Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet. Gelegentlich habe sie vor Beginn der Kopfschmerzen Sehstörungen in Form von Flimmerskotomen bemerkt, die etwa 20 Minuten andauerten. Die Beschwerden würden sich bei körperlicher Aktivität verschlechtern.

Befund bei Aufnahme

Wache, orientierte Patientin in reduziertem Allgemeinzustand. RR 135/85 mmHg, Puls 78/min. Neurologischer Status unauffällig. Keine Meningismus-Zeichen. Hirnnerven intakt. Keine fokalneurologischen Defizite.

Diagnostik

  • Klinische Untersuchung: Neurologisch unauffällig, Diagnosestellung nach ICHD-3-Kriterien
  • Bildgebung: Nicht indiziert bei typischer Klinik ohne Red Flags

Therapie und Verlauf

Es wurde zunächst Metoclopramid zur Behandlung der Übelkeit verabreicht, gefolgt von Sumatriptan leitliniengerecht bei mittelschwerer Attacke. Unter Reizabschirmung und medikamentöser Therapie kam es innerhalb von 2 Stunden zu einer deutlichen Besserung der Symptomatik. Angesichts der Attackenfrequenz von 3–4 Attacken/Monat wurde eine prophylaktische Therapie mit Metoprolol leitliniengerecht eingeleitet.

Empfehlung

  • Metoprolol leitliniengerecht zur Migräneprophylaxe
  • Sumatriptan leitliniengerecht bei Bedarf für Akutattacken
  • Metoclopramid bei Übelkeit
  • Führen eines Kopfschmerztagebuchs
  • Regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungsübungen
  • Wiedervorstellung beim Neurologen in 3 Monaten zur Therapiekontrolle

Konjunktiv I beachten!

  • habe angegeben, leide, sei, habe
  • Nur in der Anamnese (indirekte Rede)
  • Befund und Therapie = Indikativ!
🩺️ 7 · Übergabe

SBAR-Schema

S
Situation:

Ich übergebe Ihnen Claudia Schneider, 42 Jahre, mit Migräne mit Aura.

B
Background:

Bekannte Migräne seit 10 Jahren, etwa 3–4 Attacken pro Monat. Heute Morgen akute Attacke mit rechtsseitigen pulsierenden Kopfschmerzen, Übelkeit, Foto- und Phonophobie. Vor Kopfschmerzbeginn visuelle Aura mit Flimmerskotomen.

A
Assessment:

Typische Migräneattacke mit Aura, neurologisch unauffällig, keine Red Flags. Gutes Ansprechen auf Triptan-Therapie. Prophylaxe indiziert bei >3 Attacken/Monat.

R
Recommendation:

Entlassung nach Beschwerdereduktion. Prophylaxe mit Metoprolol eingeleitet. Kopfschmerztagebuch empfohlen. Wiedervorstellung beim Neurologen in 3 Monaten. Bei Red Flags (Vernichtungskopfschmerz, Fieber, Nackensteife, neurologische Defizite) sofortige Wiedervorstellung.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Wichtiger Unterschied Ausschluss durch
Spannungskopfschmerz Bilateral, drückend-ziehend (nicht pulsierend), keine Übelkeit, keine Verschlechterung durch Bewegung Anamnese, ICHD-3-Kriterien
Clusterkopfschmerz Streng einseitig periorbital, kürzere Dauer (15–180 min), Bewegungsdrang, autonome Symptome (Tränen, Rhinorrhoe, Ptosis) Anamnese (Dauer, Begleitsymptome)
Subarachnoidalblutung (SAB) Plötzlicher Vernichtungskopfschmerz ("Donnerschlag"), Meningismus, Bewusstseinsstörung cCT nativ, Lumbalpunktion
Meningitis Fieber, Meningismus, Bewusstseinstrübung, Hautveränderungen Lumbalpunktion, Labor (CRP, Leukozytose)
Arteriitis temporalis Alter >50 Jahre, druckdolente A. temporalis, Kauschmerz, Visusverschlechterung, BSG↑ BSG/CRP, Temporalarterienbiopsie
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Status migraenosus → Attacke >72 h, therapierefraktär → Steroide i.v.
  • Migränöser Infarkt → Persistierende Aura-Symptome >60 min mit Infarktnachweis im cMRT
  • Migräne-getriggerter epileptischer Anfall → Krampfanfall während oder nach Aura

Spätkomplikationen

  • Chronische Migräne → Kopfschmerzen ≥15 Tage/Monat über >3 Monate
  • Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MOH) → Analgetika ≥15 Tage/Monat oder Triptane ≥10 Tage/Monat
  • Psychiatrische Komorbiditäten → Depression, Angststörungen (häufige Assoziation)
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Vernichtungskopfschmerz V.a. Subarachnoidalblutung (SAB) Sofort cCT nativ, ggf. Lumbalpunktion
Fieber + Nackensteife V.a. Meningitis/Enzephalitis Lumbalpunktion, empirische Antibiose
Fokalneurologische Defizite V.a. Schlaganfall, Raumforderung cMRT, neurologische Abklärung
Erstmanifestation >50 Jahre V.a. sekundäre Ursache (Tumor, Arteriitis temporalis) Bildgebung, BSG, Biopsie erwägen
Papillenödem V.a. erhöhten Hirndruck Sofortige Bildgebung (cMRT/cCT)
Veränderter Kopfschmerzcharakter V.a. neue Pathologie Bildgebung zum Ausschluss sekundärer Ursachen
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Migräne = klinische Diagnose nach ICHD-3-Kriterien (keine Bildgebung bei typischer Klinik)
  2. Triptane = Mittel der Wahl bei mittelschwerer/schwerer Attacke (KI: KHK, Apoplex)
  3. Prophylaxe ab ≥3 Attacken/Monat: Betablocker (1. Wahl), CGRP-Antikörper bei Therapieversagen
Frage 1 (Diagnostik): Eine 35-jährige Patientin klagt über wiederkehrende einseitige, pulsierende Kopfschmerzen mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit. Welche Untersuchung ist primär indiziert?
A) cMRT des Schädels
B) Lumbalpunktion
C) Klinisch-neurologische Untersuchung und Anamnese
D) EEG
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Die Migräne ist eine klinische Diagnose nach ICHD-3-Kriterien. Apparative Diagnostik ist nur bei Red Flags oder atypischer Klinik indiziert.
Frage 2 (Diagnostik): Welches Symptom ist NICHT typisch für eine Migräne-Aura?
A) Flimmerskotome
B) Sensibilitätsstörungen der Hand
C) Dauerhaftes neurologisches Defizit
D) Sprachstörungen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Die Aura ist per Definition vollständig reversibel und dauert maximal 60 Minuten. Persistierende Defizite sprechen für einen migränösen Infarkt oder andere Pathologie.
Frage 3 (Therapie): Welches Medikament ist Mittel der Wahl bei einer mittelschweren bis schweren Migräneattacke?
A) Paracetamol
B) Metamizol
C) Sumatriptan
D) Metoprolol
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Triptane (z.B. Sumatriptan) sind Mittel der Wahl bei mittelschweren bis schweren Migräneattacken. NSAR sind für leichte Attacken geeignet. Metoprolol dient der Prophylaxe.
Frage 4 (Therapie): Bei welcher Patientengruppe sind Triptane kontraindiziert?
A) Patienten mit Migräne mit Aura
B) Patienten mit koronarer Herzkrankheit
C) Patienten unter 18 Jahren
D) Patienten mit Übelkeit
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Triptane sind bei KHK, Z.n. Myokardinfarkt/Schlaganfall, pAVK und unkontrollierter Hypertonie kontraindiziert aufgrund ihrer vasokonstriktorischen Wirkung.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Eine Patientin berichtet über einen "Donnerschlagkopfschmerz" mit plötzlichem Beginn und maximaler Intensität innerhalb von Sekunden. Was ist die wahrscheinlichste Diagnose?
A) Migräne ohne Aura
B) Spannungskopfschmerz
C) Subarachnoidalblutung
D) Clusterkopfschmerz
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Ein Vernichtungskopfschmerz mit plötzlichem Beginn ist hochverdächtig auf eine Subarachnoidalblutung und erfordert eine sofortige cCT-Untersuchung.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Welches Symptom ist ein Red Flag bei Kopfschmerzen und erfordert eine sofortige Bildgebung?
A) Übelkeit bei Kopfschmerzen
B) Einseitige Kopfschmerzen
C) Erstmanifestation von Kopfschmerzen im Alter von 55 Jahren
D) Verstärkung durch körperliche Aktivität
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Eine Erstmanifestation von Kopfschmerzen nach dem 50. Lebensjahr ist ein Red Flag, da sekundäre Ursachen (Tumor, Arteriitis temporalis) ausgeschlossen werden müssen.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Ein 45-jähriger Patient berichtet über anfallsartige, streng einseitige Kopfschmerzen um das rechte Auge mit Tränenfluss und verstopfter Nase. Die Attacken dauern etwa 45 Minuten. Welche Diagnose ist am wahrscheinlichsten?
A) Migräne ohne Aura
B) Clusterkopfschmerz
C) Spannungskopfschmerz
D) Trigeminusneuralgie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Typisch für Clusterkopfschmerz: streng einseitig periorbital, kurze Dauer (15–180 min), autonome Begleitsymptome (Tränenfluss, Rhinorrhoe). Migräne dauert länger (4–72 h).
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Was unterscheidet den Spannungskopfschmerz von der Migräne?
A) Spannungskopfschmerz ist typischerweise pulsierend
B) Spannungskopfschmerz wird durch körperliche Aktivität verstärkt
C) Spannungskopfschmerz ist typischerweise bilateral und drückend
D) Spannungskopfschmerz geht mit Erbrechen einher
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Der Spannungskopfschmerz ist typischerweise bilateral, drückend-ziehend (nicht pulsierend), nicht durch Bewegung verstärkt und ohne Übelkeit/Erbrechen.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Migräne "Das ist eine Form von wiederkehrenden, starken Kopfschmerzen, oft mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit."
Aura "Das sind Sehstörungen oder Kribbeln, die manchmal vor den Kopfschmerzen auftreten und wieder vergehen."
Photophobie "Das bedeutet, dass Ihnen Licht während der Kopfschmerzen sehr unangenehm ist."
Phonophobie "Das bedeutet, dass Geräusche während der Kopfschmerzen störend und schmerzhaft sind."
Triptan "Das ist ein spezielles Medikament gegen Migräne, das die Kopfschmerzen gezielt behandelt."
Prophylaxe "Das ist eine vorbeugende Behandlung, damit die Kopfschmerzen seltener auftreten."
Status migraenosus "Das ist eine besonders lang anhaltende Migräneattacke von mehr als 3 Tagen."

Zusammenfassung

Die Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung mit einseitigen, pulsierenden Kopfschmerzen und vegetativen Begleitsymptomen. Die Diagnose erfolgt klinisch nach ICHD-3-Kriterien. Akut werden Triptane bei mittelschweren Attacken eingesetzt, bei häufigen Attacken ist eine Prophylaxe mit Betablockern oder CGRP-Antikörpern indiziert.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.