✅ Erste Maßnahme: Analgesie mit Metamizol oder Diclofenac i.v.
✅ Wichtigste Kontraindikation: NSAR bei Niereninsuffizienz; i.v.-KM bei Kolik (Fornixruptur-Gefahr)
✅ Prognose: Spontanabgang bei ≤5 mm in 70-90%; Rezidivrate bis 50%
1 · Leitfall
Notaufnahme J., mAkute Flankenschmerzen rechts
"Herr Doktor, seit heute Morgen habe ich plötzlich so starke Schmerzen in der rechten Seite, die bis in die Leiste ziehen. Ich kann nicht still sitzen, mir ist übel, und im Urin war auch etwas Blut dabei."
2 · Krankheitsbild
Prüfungsrelevanz: Hoch⏱ 4 Min
Definition
Nephrolithiasis bezeichnet das Vorhandensein von Konkrementen (Steinen) im Nierenbeckenkelchsystem. Bei Wanderung in den Harnleiter spricht man von Ureterolithiasis. Die Gesamtheit wird als Urolithiasis zusammengefasst.
Pathophysiologie
Harnsteine entstehen durch Übersättigung des Urins mit steinbildenden Substanzen (Calcium, Oxalat, Harnsäure, Phosphat) bei gleichzeitigem Mangel an kristallisationshemmenden Faktoren (Citrat, Magnesium). Bei Obstruktion des Harnleiters kommt es zur Druckerhöhung im Nierenbecken mit konsekutiver Schmerzreaktion (Nierenkolik).
Einzige Steinart, die medikamentös aufgelöst werden kann
Therapie der 1. Wahl
Akut: Metamizol 1-2 g i.v. (oder Diclofenac bei normaler Nierenfunktion) Interventionell: ESWL bei kleinen Nierensteinen; URS bei Uretersteinen
6 · Arztbrief
Prüfungsrelevanz: Hoch⏱ 8 Min
Muster-Krankenhaus
Klinik für Urologie
Musterstraße 1, 12345 Musterstadt
Entlassungsbrief
Patient: , geb. 15.03.1979, Jahre
Aufnahme: 04.01.2026
Entlassung: 06.01.2026
Diagnosen
Ureterolithiasis rechts mit Harnstauungsniere Grad II (ICD: N20.1)
Arterielle Hypertonie (ICD: I10)
Anamnese
Der -jährige Patient habe angegeben, seit dem Morgen des Aufnahmetages unter plötzlich aufgetretenen, kolikartigen Schmerzen in der rechten Flanke zu leiden, die in die Leiste ausstrahlten. Begleitend seien Übelkeit und einmaliges Erbrechen aufgetreten. Er habe zudem eine rötliche Verfärbung des Urins bemerkt. Anamnestisch sei bereits vor drei Jahren ein spontan abgegangener Nierenstein bekannt. An Vorerkrankungen bestehe eine arterielle Hypertonie, die mit einem ACE-Hemmer behandelt werde.
Befund bei Aufnahme
Patient in reduziertem AZ bei gutem EZ. Unruhig, schmerzbedingt. RR 155/95 mmHg, HF 98/min, Temp. 36,8°C. Abdomen weich, kein Peritonismus. Ausgeprägtes Klopfschmerz im rechten Nierenlager.
Sonographie: Harnstauungsniere Grad II rechts, kein Steinnachweis in der Niere.
Native CT-Abdomen: 7 mm messender Ureterstein im distalen Ureter rechts mit konsekutiver Harnstauung.
Therapie und Verlauf
Es erfolgte zunächst eine analgetische Therapie mit Metamizol 1 g i.v. bei Aufnahme mit gutem Ansprechen. Bei 7 mm großem distalen Ureterstein wurde nach Aufklärung eine Ureterorenoskopie mit Laser-Lithotripsie durchgeführt. Intraoperativ zeigte sich ein solitärer Ureterstein, der vollständig desintegriert und extrahiert werden konnte. Die Einlage einer Harnleiterschiene erfolgte für 2 Wochen. Der postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos.
DJ-Entfernung: In 2 Wochen ambulant in unserer Klinik
Steinanalyse: Ergebnis wird nachgereicht, dann Metaphylaxe-Empfehlung
Allgemein: Trinkmenge steigern auf mind. 2,5 L/Tag
Kontrolle: Urologische Wiedervorstellung zur DJ-Entfernung und Befundbesprechung
Konjunktiv I beachten!
habe angegeben, seien, habe, sei, bestehe, werde
Nur in der Anamnese (indirekte Rede des Patienten)
Befund und Therapie im Indikativ!
🩺️ 7 · Übergabe
Prüfungsrelevanz: Hoch⏱ 5 Min
SBAR-Schema
S
Situation:
Ich übergebe Ihnen , Jahre, mit Zustand nach Ureterorenoskopie bei distalem Ureterstein rechts, 7 mm, heute postoperativer Tag 1.
B
Background:
Bekannte arterielle Hypertonie unter Ramipril. Vorgeschichte mit spontanem Steinabgang vor 3 Jahren. Aufnahme gestern wegen akuter Nierenkolik rechts mit Hämaturie. Im CT 7 mm distaler Ureterstein mit Harnstauungsniere Grad II.
A
Assessment:
Aktuell schmerzfrei, afebril. Urin klar, kein Hämaturie mehr. DJ-Katheter liegt rechts, wird in 2 Wochen ambulant entfernt. Steinmaterial wurde zur Analyse eingeschickt. Nierenfunktion im Normbereich.
R
Recommendation:
Entlassung heute geplant nach urologischer Visite. Bitte achten auf: Fieber, erneute Koliken, Makrohämaturie – dann sofortige Wiedervorstellung. Trinkmenge betonen (mind. 2,5 L/Tag). Termin zur DJ-Entfernung in 2 Wochen mitgeben.
8 · Differentialdiagnosen
Prüfungsrelevanz: Hoch⏱ 4 Min
DD
Unterscheidungsmerkmal
Ausschluss
Akute Appendizitis
Wandernder Schmerz in rechten Unterbauch, Loslassschmerz, McBurney positiv
Sonographie, CT; Urinstatus meist unauffällig
Akute Cholezystitis
Rechter Oberbauch, Murphy-Zeichen, postprandial, keine Hämaturie
Frage 1 (Diagnostik): Welche Bildgebung ist der Goldstandard zur Diagnostik von Harnsteinen?
A) Abdomen-Sonographie
B) Native Low-dose CT-Abdomen
C) MRT-Urographie
D) Ausscheidungsurographie (i.v.-Pyelogramm)
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B Die native Low-dose CT hat die höchste Sensitivität (>95%) und Spezifität für alle Steinarten und ist leitliniengerecht der Goldstandard. Sonographie ist Erstuntersuchung, aber weniger sensitiv. MRT nur bei Schwangeren/Kindern. Ausscheidungsurographie veraltet und KM-Gabe bei Kolik kontraindiziert (Fornixruptur-Gefahr).
Frage 2 (Diagnostik): Ein 45-jähriger Mann stellt sich mit akuten rechtsseitigen Flankenschmerzen vor. Welcher Laborbefund ist bei einer unkomplizierten Nierenkolik am häufigsten zu erwarten?
A) Leukozytose >15.000/µl
B) Mikrohämaturie im Urinstatus
C) Kreatinin >3 mg/dl
D) Positives Nitrit im Urin
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B Die Mikrohämaturie (Erythrozyturie) ist in 80-90% der Fälle bei Nierenkolik nachweisbar und ein wichtiger diagnostischer Hinweis. Leukozytose und Nitrit sprechen für eine Infektion, Kreatinin-Erhöhung für eine Nierenfunktionseinschränkung – beides keine typischen Befunde bei unkomplizierter Kolik.
Frage 3 (Therapie): Welches Analgetikum ist bei akuter Nierenkolik leitliniengerecht Mittel der 1. Wahl?
A) Morphin i.v.
B) Metamizol i.v.
C) Butylscopolamin i.v.
D) Tramadol p.o.
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B Metamizol (1-2,5 g i.v.) und NSAR (z.B. Diclofenac) sind bei Nierenkolik effektiver als Opioide und haben weniger Nebenwirkungen. Butylscopolamin hat bei Nierenkolik keine relevante Wirksamkeit und wird nicht mehr empfohlen. Opiate nur bei therapierefraktären Schmerzen.
Frage 4 (Therapie): Bei welcher Steingröße im distalen Ureter ist ein Spontanabgang am wahrscheinlichsten?
A) <5 mm
B) 8-10 mm
C) 10-15 mm
D) >15 mm
✅ Antwort anzeigen
Richtig: A Steine <5 mm im distalen Ureter haben eine Spontanabgangsrate von 70-90%. Bei 5-7 mm noch etwa 50%. Bei größeren Steinen ist eine interventionelle Therapie (URS) meist erforderlich.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein Patient mit bekanntem Ureterstein entwickelt Fieber bis 39,5°C und Schüttelfrost. Die Sonographie zeigt eine Harnstauungsniere. Was ist die wichtigste Maßnahme?
A) Orale Antibiose und ambulante Kontrolle
B) Sofortige ESWL
C) Notfallmäßige Harnableitung (DJ oder Nephrostomie) + i.v.-Antibiose
D) Trinkmenge steigern und Metamizol
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C Fieber + Harnstau = infizierte Harnstauungsniere mit Urosepsis-Gefahr! Die sofortige Harnableitung (retrograd mit DJ-Katheter oder perkutane Nephrostomie) ist lebensrettend und hat höchste Priorität. Parallel i.v.-Antibiotika. Eine ESWL ist im infizierten Zustand kontraindiziert.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Warum ist die Gabe von Kontrastmittel i.v. während einer akuten Nierenkolik kontraindiziert?
A) Kontrastmittel verstärkt die Steinbildung
B) Die verstärkte Diurese erhöht die Gefahr einer Fornixruptur
C) Kontrastmittel löst die Steine auf
D) Allergische Reaktionen sind bei Kolik häufiger
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B Die durch Kontrastmittel verstärkte Diurese führt bei obstruiertem Harnleiter zu einer Druckerhöhung im Nierenbecken, was eine Fornixruptur mit Urinaustritt (Urinom) verursachen kann. Deshalb wird die native CT ohne Kontrastmittel durchgeführt.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welches klinische Zeichen spricht bei rechtsseitigen Unterbauchschmerzen eher für eine Appendizitis als für einen Ureterstein?
A) Mikrohämaturie
B) Kolikartiger Schmerz mit Ausstrahlung in den Hoden
C) Loslass- und Druckschmerz am McBurney-Punkt
D) Positives Nierenlager-Klopfzeichen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C Loslass- und Druckschmerz am McBurney-Punkt sowie wandernder Schmerz vom Epigastrium in den rechten Unterbauch sind typisch für Appendizitis. Mikrohämaturie, kolikartige Schmerzen mit Ausstrahlung ins Genitale und positives Nierenlager-Klopfzeichen sprechen für Ureterstein.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Ein 68-jähriger Patient mit bekanntem Vorhofflimmern präsentiert sich mit akuten linksseitigen Flankenschmerzen und Hämaturie. Welche wichtige Differentialdiagnose muss bei diesem Patienten bedacht werden?
A) Cholezystitis
B) Niereninfarkt
C) Appendizitis
D) Hodentorsion
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B Bei Patienten mit Vorhofflimmern besteht ein erhöhtes Risiko für arterielle Embolien. Ein Niereninfarkt kann sich mit akuten Flankenschmerzen und Hämaturie präsentieren – ähnlich wie eine Nierenkolik. Die Diagnose erfolgt durch CT-Angiographie. LDH ist typischerweise deutlich erhöht.
12 · Fachbegriffe
Prüfungsrelevanz: Mittel⏱ 3 Min
Fachbegriff
Erklärung für Patienten
Nephrolithiasis
"Nierensteine – kleine harte Ablagerungen in der Niere"
Ureterolithiasis
"Harnleiterstein – ein Stein, der im Harnleiter steckt"
Nierenkolik
"Wellenförmige, sehr starke Flankenschmerzen durch einen Stein"
Harnstauungsniere
"Der Urin kann nicht abfließen und staut sich in der Niere"
ESWL
"Steinzertrümmerung mit Schallwellen von außen"
URS (Ureterorenoskopie)
"Spiegelung des Harnleiters mit kleiner Kamera zur Steinentfernung"
DJ-Katheter
"Ein dünnes Röhrchen im Harnleiter, das den Urinabfluss sichert"
Metaphylaxe
"Vorbeugung gegen neue Steine durch Ernährung und Trinken"
Zusammenfassung
Die Nephrolithiasis ist eine häufige Erkrankung mit hoher Rezidivrate. Die akute Nierenkolik wird durch effektive Analgesie (Metamizol/NSAR) behandelt. Kleine Steine (<5 mm) gehen meist spontan ab; größere erfordern ESWL oder URS. Die infizierte Harnstauungsniere ist ein Notfall, der eine sofortige Harnableitung erfordert. Die Metaphylaxe mit erhöhter Trinkmenge ist essenziell zur Rezidivprophylaxe.
Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
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