Nephrolithiasis

Nephrologie & Urologie Häufig Konservativ Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur Nephrolithiasis: Akute Nierenkolik mit Flankenschmerzen, Hämaturie, native CT-Diagnostik, Analgesie und ESWL/URS-Therapie.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Akute kolikartige Flankenschmerzen mit Ausstrahlung in Leiste/Genitale
  • Diagnostischer Standard: Native Low-dose CT-Abdomen
  • Erste Maßnahme: Analgesie mit Metamizol oder Diclofenac i.v.
  • Wichtigste Kontraindikation: NSAR bei Niereninsuffizienz; i.v.-KM bei Kolik (Fornixruptur-Gefahr)
  • Prognose: Spontanabgang bei ≤5 mm in 70-90%; Rezidivrate bis 50%

1 · Leitfall

Notaufnahme J., m Akute Flankenschmerzen rechts
"Herr Doktor, seit heute Morgen habe ich plötzlich so starke Schmerzen in der rechten Seite, die bis in die Leiste ziehen. Ich kann nicht still sitzen, mir ist übel, und im Urin war auch etwas Blut dabei."
2 · Krankheitsbild

Definition

Nephrolithiasis bezeichnet das Vorhandensein von Konkrementen (Steinen) im Nierenbeckenkelchsystem. Bei Wanderung in den Harnleiter spricht man von Ureterolithiasis. Die Gesamtheit wird als Urolithiasis zusammengefasst.

Pathophysiologie

Harnsteine entstehen durch Übersättigung des Urins mit steinbildenden Substanzen (Calcium, Oxalat, Harnsäure, Phosphat) bei gleichzeitigem Mangel an kristallisationshemmenden Faktoren (Citrat, Magnesium). Bei Obstruktion des Harnleiters kommt es zur Druckerhöhung im Nierenbecken mit konsekutiver Schmerzreaktion (Nierenkolik).

Epidemiologie

Prävalenz 4,7% in Deutschland (ca. 5% Lebenszeitrisiko)
Inzidenz ~1,5% pro Jahr (steigend)
Typisches Alter 30-60 Jahre (Häufigkeitsgipfel 40-50 J.)
Geschlecht m:w = 2:1
Rezidivrate ~50% innerhalb von 10 Jahren

Steinarten (Häufigkeit)

Calciumoxalat ~70-75%
Harnsäure ~10-15%
Infektsteine (Struvit) ~5-10%
Calciumphosphat ~5%
Cystin ~1-2%

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Genetische Prädisposition
  • Männliches Geschlecht
  • Anatomische Anomalien (Hufeisenniere, Ureterabgangsstenose)
  • Positive Familienanamnese
Modifizierbar:
  • Geringe Trinkmenge (<1,5 L/Tag)
  • Oxalatreiche Ernährung
  • Hohe Proteinzufuhr
  • Adipositas / Metabolisches Syndrom
  • Rezidivierende Harnwegsinfekte
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Schmerzcharakter Wo genau haben Sie Schmerzen? Strahlen sie irgendwohin aus? Lokalisation gibt Hinweis auf Steinposition; Ausstrahlung in Leiste/Genitalbereich typisch
Schmerzbeginn Wann haben die Schmerzen begonnen? Plötzlich oder schleichend? Akuter Beginn typisch für Kolik; DD zu anderen Ursachen
Begleitsymptome Haben Sie Übelkeit, Erbrechen? Blut im Urin bemerkt? Vegetative Begleitsymptome und Hämaturie bestätigen Verdacht
Miktion Haben Sie Probleme beim Wasserlassen? Brennen? Häufiger Harndrang? Pollakisurie bei prävesikalem Stein; HWI-Zeichen erkennen
Steinanamnese Hatten Sie früher schon einmal Nierensteine? Rezidivrisiko; vorherige Steinanalyse relevant für Metaphylaxe
Vorerkrankungen Leiden Sie an Gicht, Diabetes oder einer Darmerkrankung? Stoffwechselstörungen begünstigen Steinbildung
Medikamente Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Vitamin D? Calcium? Medikamente können Steinbildung fördern
Trinkmenge Wie viel trinken Sie am Tag? Was trinken Sie hauptsächlich? Geringe Trinkmenge ist Hauptrisikofaktor

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin . Was führt Sie heute zu uns in die Notaufnahme?

Patient:

Ich habe seit heute Morgen furchtbare Schmerzen in der rechten Seite. Die kommen und gehen wellenartig und ziehen bis in die Leiste runter.

Arzt:

Haben Sie bemerkt, ob Blut im Urin war? Oder haben Sie Übelkeit oder Erbrechen?

Patient:

Ja, der Urin war rötlich gefärbt. Und mir war so übel, dass ich mich einmal übergeben musste.

Arzt:

Hatten Sie in der Vergangenheit schon einmal Nierensteine?

Patient:

Vor etwa drei Jahren hatte ich so etwas Ähnliches, da ist der Stein aber von alleine abgegangen.

Arzt:

Wie viel trinken Sie denn normalerweise am Tag?

Patient:

Wenn ich ehrlich bin, vielleicht einen Liter. Bei der Arbeit vergesse ich das oft.

Prüfungsfokus

  • Kolikcharakter: wellenförmig, intensiv, mit schmerzfreien Intervallen
  • Schmerzausstrahlung abhängig von Steinlokalisation
  • Trias: Flankenschmerz + Hämaturie + vegetative Symptome
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Inspektion Patient unruhig, wechselt ständig Position (Bewegungsdrang), Schmerzgesicht, Kaltschweißigkeit
Palpation Druckschmerz im Nierenlager; Abdomen weich, keine Abwehrspannung
Perkussion Klopfschmerz im Nierenlager (positives Nierenlager-Klopfzeichen)
Vitalzeichen Tachykardie, RR erhöht (schmerzbedingt); Fieber → Hinweis auf Infektion!

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Urinstatus Erythrozyturie (Mikrohämaturie) In 80-90% positiv; Fehlen schließt Stein nicht aus
Leukozyten/Nitrit im Urin ↑ bei Infektion HWI/Pyelonephritis → Harnableitung dringend!
Kreatinin Ggf. ↑ Nierenfunktion; postrenales Nierenversagen bei bilateraler Obstruktion
Leukozyten, CRP ↑ bei Infektion Infizierte Harnstauungsniere → Notfall!
Harnsäure Ggf. ↑ Hinweis auf Harnsäuresteine
Calcium Ggf. ↑ Hyperparathyreoidismus ausschließen

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
Sonographie Harnstau (dilatiertes Nierenbecken), ggf. Steinnachweis (schalldichtes Konkrement mit Schallschatten) Primärdiagnostik, Verlaufskontrolle, Kinder, Schwangere
Native Low-dose CT Direkter Steinnachweis (Sensitivität >95%), perinephrisches Ödem, Harnstau Goldstandard bei unklarem Befund oder vor Intervention
Röntgen-Abdomen Schattengebende Konkremente (Calcium-, aber nicht Harnsäuresteine) Verlaufskontrolle bei bekannten röntgendichten Steinen

Goldstandard

Native Low-dose CT-Abdomen – höchste Sensitivität und Spezifität, erkennt alle Steinarten, zeigt Begleitpathologie

5 · Therapie

Akutmaßnahmen

  1. Analgesie – Schmerzlinderung hat oberste Priorität
  2. Antiemetikum – bei Übelkeit/Erbrechen (z.B. Ondansetron)
  3. i.v.-Zugang – Flüssigkeitssubstitution (keine forcierte Diurese bei Kolik!)
  4. Infektion ausschließen – Urinstatus, Temperatur, Entzündungsparameter

Pharmakotherapie

Substanz Dosierung Indikation Cave
Metamizol 1-2,5 g i.v. (langsam) Akute Nierenkolik (1. Wahl) Agranulozytose (selten), Hypotonie bei schneller Gabe
Diclofenac 75 mg i.m. oder rektal Kolik, senkt auch Ureterödem Niereninsuffizienz, GI-Blutung
Paracetamol 1 g i.v. Alternative bei KI für NSAR Hepatotoxizität bei Überdosierung
Piritramid 5-7,5 mg i.v. Therapierefraktäre Schmerzen Atemdepression, Sedierung
Tamsulosin 0,4 mg/d p.o. MET (Medical Expulsive Therapy) Off-label, Hypotonie; bei distalen Steinen 5-10 mm

Konservatives Management (Spontanabgang abwarten)

  • Bei Steinen ≤5 mm (distaler Ureter): Spontanabgang in 70-90%
  • Bei Steinen 5-7 mm: Spontanabgang in 50%
  • Voraussetzung: keine Infektion, keine Niereninsuffizienz, kontrollierbare Schmerzen
  • MET mit Tamsulosin kann Steinabgang beschleunigen

Interventionelle Therapie

Verfahren Indikation Steinfreiheitsrate
ESWL Nierensteine ≤20 mm; proximale Uretersteine <10 mm 56-94%
URS (Ureterorenoskopie) Uretersteine >10 mm; distale Steine; ESWL-Versager 90-95%
PCNL Nierensteine >20 mm; Ausgusssteine; Unterpolsteine >10 mm >90%
Harnleiterschiene (DJ) Notfallmäßige Harnableitung bei infizierter Harnstauungsniere Überbrückend

Indikationen zur sofortigen Harnableitung (Notfall!)

  • Infizierte Harnstauungsniere (Fieber + Harnstau) → Urosepsis-Gefahr!
  • Bilaterale Obstruktion / Einzelniere
  • Therapierefraktäre Schmerzen
  • Akutes Nierenversagen

Chemolitholyse (nur Harnsäuresteine)

  • Alkalisierung des Urins mit Alkalicitraten
  • Ziel-pH: 7,0-7,2
  • Einzige Steinart, die medikamentös aufgelöst werden kann

Therapie der 1. Wahl

Akut: Metamizol 1-2 g i.v. (oder Diclofenac bei normaler Nierenfunktion)
Interventionell: ESWL bei kleinen Nierensteinen; URS bei Uretersteinen

6 · Arztbrief

Muster-Krankenhaus
Klinik für Urologie
Musterstraße 1, 12345 Musterstadt

Entlassungsbrief

Patient: , geb. 15.03.1979, Jahre
Aufnahme: 04.01.2026
Entlassung: 06.01.2026

Diagnosen

  1. Ureterolithiasis rechts mit Harnstauungsniere Grad II (ICD: N20.1)
  2. Arterielle Hypertonie (ICD: I10)

Anamnese

Der -jährige Patient habe angegeben, seit dem Morgen des Aufnahmetages unter plötzlich aufgetretenen, kolikartigen Schmerzen in der rechten Flanke zu leiden, die in die Leiste ausstrahlten. Begleitend seien Übelkeit und einmaliges Erbrechen aufgetreten. Er habe zudem eine rötliche Verfärbung des Urins bemerkt. Anamnestisch sei bereits vor drei Jahren ein spontan abgegangener Nierenstein bekannt. An Vorerkrankungen bestehe eine arterielle Hypertonie, die mit einem ACE-Hemmer behandelt werde.

Befund bei Aufnahme

Patient in reduziertem AZ bei gutem EZ. Unruhig, schmerzbedingt. RR 155/95 mmHg, HF 98/min, Temp. 36,8°C. Abdomen weich, kein Peritonismus. Ausgeprägtes Klopfschmerz im rechten Nierenlager.

Diagnostik

  • Labor: Kreatinin 1,1 mg/dl, Leukozyten 9.800/µl, CRP 0,5 mg/dl. Urinstatus: Erythrozyten ++, Leukozyten negativ, Nitrit negativ.
  • Sonographie: Harnstauungsniere Grad II rechts, kein Steinnachweis in der Niere.
  • Native CT-Abdomen: 7 mm messender Ureterstein im distalen Ureter rechts mit konsekutiver Harnstauung.

Therapie und Verlauf

Es erfolgte zunächst eine analgetische Therapie mit Metamizol 1 g i.v. bei Aufnahme mit gutem Ansprechen. Bei 7 mm großem distalen Ureterstein wurde nach Aufklärung eine Ureterorenoskopie mit Laser-Lithotripsie durchgeführt. Intraoperativ zeigte sich ein solitärer Ureterstein, der vollständig desintegriert und extrahiert werden konnte. Die Einlage einer Harnleiterschiene erfolgte für 2 Wochen. Der postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos.

Empfehlung

  • Medikation: Ramipril 5 mg 1-0-0 (Vormedikation), Metamizol 500 mg bei Bedarf
  • DJ-Entfernung: In 2 Wochen ambulant in unserer Klinik
  • Steinanalyse: Ergebnis wird nachgereicht, dann Metaphylaxe-Empfehlung
  • Allgemein: Trinkmenge steigern auf mind. 2,5 L/Tag
  • Kontrolle: Urologische Wiedervorstellung zur DJ-Entfernung und Befundbesprechung

Konjunktiv I beachten!

  • habe angegeben, seien, habe, sei, bestehe, werde
  • Nur in der Anamnese (indirekte Rede des Patienten)
  • Befund und Therapie im Indikativ!
🩺️ 7 · Übergabe

SBAR-Schema

S
Situation:

Ich übergebe Ihnen , Jahre, mit Zustand nach Ureterorenoskopie bei distalem Ureterstein rechts, 7 mm, heute postoperativer Tag 1.

B
Background:

Bekannte arterielle Hypertonie unter Ramipril. Vorgeschichte mit spontanem Steinabgang vor 3 Jahren. Aufnahme gestern wegen akuter Nierenkolik rechts mit Hämaturie. Im CT 7 mm distaler Ureterstein mit Harnstauungsniere Grad II.

A
Assessment:

Aktuell schmerzfrei, afebril. Urin klar, kein Hämaturie mehr. DJ-Katheter liegt rechts, wird in 2 Wochen ambulant entfernt. Steinmaterial wurde zur Analyse eingeschickt. Nierenfunktion im Normbereich.

R
Recommendation:

Entlassung heute geplant nach urologischer Visite. Bitte achten auf: Fieber, erneute Koliken, Makrohämaturie – dann sofortige Wiedervorstellung. Trinkmenge betonen (mind. 2,5 L/Tag). Termin zur DJ-Entfernung in 2 Wochen mitgeben.

8 · Differentialdiagnosen
DD Unterscheidungsmerkmal Ausschluss
Akute Appendizitis Wandernder Schmerz in rechten Unterbauch, Loslassschmerz, McBurney positiv Sonographie, CT; Urinstatus meist unauffällig
Akute Cholezystitis Rechter Oberbauch, Murphy-Zeichen, postprandial, keine Hämaturie Sonographie (Gallenblasenwand, Steine)
Aortenaneurysma (rupturierend) Ältere Patienten, Kreislaufinstabilität, pulsierender Tumor CT-Angiographie, Sonographie
Pyelonephritis Fieber, Dysurie, Flankenschmerz eher konstant, Leukozyturie Urinstatus, Urinkultur, Entzündungsparameter
Hodentorsion (bei Männern) Akuter Hodenschmerz, hochstehender Hoden, Prehn-Zeichen negativ Doppler-Sonographie (fehlende Perfusion)
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Infizierte Harnstauungsniere → Urosepsis (lebensbedrohlich!)
  • Fornixruptur → Urinaustritt (Urinom) bei akutem Druckanstieg
  • Postrenales Nierenversagen → bei bilateraler Obstruktion oder Einzelniere
  • Therapierefraktäre Schmerzen

Spätkomplikationen

  • Chronische Pyelonephritis
  • Nierenfunktionsverlust → durch rezidivierende Obstruktion
  • Steinstraße nach ESWL → Fragment-Ansammlung im Ureter
  • Harnleiterstrikturen → nach Intervention oder rezidivierenden Steinen
  • Rezidiv → 50% innerhalb von 10 Jahren ohne Metaphylaxe
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Fieber + Flankenschmerz + Harnstau Infizierte Harnstauungsniere → Urosepsis-Gefahr! Sofortige Harnableitung (DJ oder Nephrostomie), Antibiotika i.v.
Anurie Bilaterale Obstruktion oder Einzelniere Notfall-Harnableitung, Nierenersatztherapie vorbereiten
Therapierefraktäre Schmerzen Hohe Steinlast oder Komplikation Harnableitung erwägen, erneute Bildgebung
Kreislaufinstabilität Urosepsis oder DD rupturiertes Aneurysma Volumen, Vasopressoren, CT, ggf. OP
Kreatinin-Anstieg Akutes Nierenversagen Harnableitung, Flüssigkeit, Nephrologie konsultieren
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Nierenkolik: akute wellenförmige Flankenschmerzen mit Ausstrahlung + Hämaturie + vegetative Symptome
  2. Goldstandard: Native Low-dose CT; Sonographie als Erstuntersuchung
  3. Red Flag: Fieber + Harnstau = infizierte Harnstauungsniere → sofortige Harnableitung!
Frage 1 (Diagnostik): Welche Bildgebung ist der Goldstandard zur Diagnostik von Harnsteinen?
A) Abdomen-Sonographie
B) Native Low-dose CT-Abdomen
C) MRT-Urographie
D) Ausscheidungsurographie (i.v.-Pyelogramm)
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die native Low-dose CT hat die höchste Sensitivität (>95%) und Spezifität für alle Steinarten und ist leitliniengerecht der Goldstandard. Sonographie ist Erstuntersuchung, aber weniger sensitiv. MRT nur bei Schwangeren/Kindern. Ausscheidungsurographie veraltet und KM-Gabe bei Kolik kontraindiziert (Fornixruptur-Gefahr).
Frage 2 (Diagnostik): Ein 45-jähriger Mann stellt sich mit akuten rechtsseitigen Flankenschmerzen vor. Welcher Laborbefund ist bei einer unkomplizierten Nierenkolik am häufigsten zu erwarten?
A) Leukozytose >15.000/µl
B) Mikrohämaturie im Urinstatus
C) Kreatinin >3 mg/dl
D) Positives Nitrit im Urin
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die Mikrohämaturie (Erythrozyturie) ist in 80-90% der Fälle bei Nierenkolik nachweisbar und ein wichtiger diagnostischer Hinweis. Leukozytose und Nitrit sprechen für eine Infektion, Kreatinin-Erhöhung für eine Nierenfunktionseinschränkung – beides keine typischen Befunde bei unkomplizierter Kolik.
Frage 3 (Therapie): Welches Analgetikum ist bei akuter Nierenkolik leitliniengerecht Mittel der 1. Wahl?
A) Morphin i.v.
B) Metamizol i.v.
C) Butylscopolamin i.v.
D) Tramadol p.o.
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Metamizol (1-2,5 g i.v.) und NSAR (z.B. Diclofenac) sind bei Nierenkolik effektiver als Opioide und haben weniger Nebenwirkungen. Butylscopolamin hat bei Nierenkolik keine relevante Wirksamkeit und wird nicht mehr empfohlen. Opiate nur bei therapierefraktären Schmerzen.
Frage 4 (Therapie): Bei welcher Steingröße im distalen Ureter ist ein Spontanabgang am wahrscheinlichsten?
A) <5 mm
B) 8-10 mm
C) 10-15 mm
D) >15 mm
✅ Antwort anzeigen
Richtig: A
Steine <5 mm im distalen Ureter haben eine Spontanabgangsrate von 70-90%. Bei 5-7 mm noch etwa 50%. Bei größeren Steinen ist eine interventionelle Therapie (URS) meist erforderlich.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein Patient mit bekanntem Ureterstein entwickelt Fieber bis 39,5°C und Schüttelfrost. Die Sonographie zeigt eine Harnstauungsniere. Was ist die wichtigste Maßnahme?
A) Orale Antibiose und ambulante Kontrolle
B) Sofortige ESWL
C) Notfallmäßige Harnableitung (DJ oder Nephrostomie) + i.v.-Antibiose
D) Trinkmenge steigern und Metamizol
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Fieber + Harnstau = infizierte Harnstauungsniere mit Urosepsis-Gefahr! Die sofortige Harnableitung (retrograd mit DJ-Katheter oder perkutane Nephrostomie) ist lebensrettend und hat höchste Priorität. Parallel i.v.-Antibiotika. Eine ESWL ist im infizierten Zustand kontraindiziert.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Warum ist die Gabe von Kontrastmittel i.v. während einer akuten Nierenkolik kontraindiziert?
A) Kontrastmittel verstärkt die Steinbildung
B) Die verstärkte Diurese erhöht die Gefahr einer Fornixruptur
C) Kontrastmittel löst die Steine auf
D) Allergische Reaktionen sind bei Kolik häufiger
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die durch Kontrastmittel verstärkte Diurese führt bei obstruiertem Harnleiter zu einer Druckerhöhung im Nierenbecken, was eine Fornixruptur mit Urinaustritt (Urinom) verursachen kann. Deshalb wird die native CT ohne Kontrastmittel durchgeführt.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welches klinische Zeichen spricht bei rechtsseitigen Unterbauchschmerzen eher für eine Appendizitis als für einen Ureterstein?
A) Mikrohämaturie
B) Kolikartiger Schmerz mit Ausstrahlung in den Hoden
C) Loslass- und Druckschmerz am McBurney-Punkt
D) Positives Nierenlager-Klopfzeichen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Loslass- und Druckschmerz am McBurney-Punkt sowie wandernder Schmerz vom Epigastrium in den rechten Unterbauch sind typisch für Appendizitis. Mikrohämaturie, kolikartige Schmerzen mit Ausstrahlung ins Genitale und positives Nierenlager-Klopfzeichen sprechen für Ureterstein.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Ein 68-jähriger Patient mit bekanntem Vorhofflimmern präsentiert sich mit akuten linksseitigen Flankenschmerzen und Hämaturie. Welche wichtige Differentialdiagnose muss bei diesem Patienten bedacht werden?
A) Cholezystitis
B) Niereninfarkt
C) Appendizitis
D) Hodentorsion
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei Patienten mit Vorhofflimmern besteht ein erhöhtes Risiko für arterielle Embolien. Ein Niereninfarkt kann sich mit akuten Flankenschmerzen und Hämaturie präsentieren – ähnlich wie eine Nierenkolik. Die Diagnose erfolgt durch CT-Angiographie. LDH ist typischerweise deutlich erhöht.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Nephrolithiasis "Nierensteine – kleine harte Ablagerungen in der Niere"
Ureterolithiasis "Harnleiterstein – ein Stein, der im Harnleiter steckt"
Nierenkolik "Wellenförmige, sehr starke Flankenschmerzen durch einen Stein"
Harnstauungsniere "Der Urin kann nicht abfließen und staut sich in der Niere"
ESWL "Steinzertrümmerung mit Schallwellen von außen"
URS (Ureterorenoskopie) "Spiegelung des Harnleiters mit kleiner Kamera zur Steinentfernung"
DJ-Katheter "Ein dünnes Röhrchen im Harnleiter, das den Urinabfluss sichert"
Metaphylaxe "Vorbeugung gegen neue Steine durch Ernährung und Trinken"

Zusammenfassung

Die Nephrolithiasis ist eine häufige Erkrankung mit hoher Rezidivrate. Die akute Nierenkolik wird durch effektive Analgesie (Metamizol/NSAR) behandelt. Kleine Steine (<5 mm) gehen meist spontan ab; größere erfordern ESWL oder URS. Die infizierte Harnstauungsniere ist ein Notfall, der eine sofortige Harnableitung erfordert. Die Metaphylaxe mit erhöhter Trinkmenge ist essenziell zur Rezidivprophylaxe.

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.