Subarachnoidalblutung (SAB) – FSP-Fall

Neurologie Häufig Notfall Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur Subarachnoidalblutung: Vernichtungskopfschmerz, cCT-Diagnostik, Hunt-und-Hess-Klassifikation, Nimodipin-Prophylaxe und Aneurysmaversorgung (Coiling/Clipping).

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Plötzlicher Vernichtungskopfschmerz ("wie noch nie")
  • Diagnostischer Standard: cCT nativ (Sensitivität ~95% in ersten 12h), bei negativem Befund Lumbalpunktion
  • Erste Maßnahme: Sofortige Verlegung ins neurovaskuläre Zentrum, Monitoring, Nimodipin
  • Wichtigste Kontraindikation: Keine Antikoagulation vor Aneurysmaversorgung
  • Prognose: Letalität ~50%, nur ⅓ erreicht annähernd den Ausgangszustand

1 · Leitfall

Notaufnahme J., w Schlagartig aufgetretener Kopfschmerz
"Ich war gerade beim Treppensteigen, als plötzlich ein unglaublich starker Kopfschmerz einsetzte – so etwas hatte ich noch nie! Mir wurde schlecht und ich musste mich übergeben. Das Licht tut mir weh und mein Nacken ist ganz steif."
2 · Krankheitsbild

Definition

Die Subarachnoidalblutung (SAB) ist eine arterielle Einblutung in den liquorgefüllten Subarachnoidalraum zwischen Arachnoidea und Pia mater. Sie gehört zu den hämorrhagischen Schlaganfällen und stellt einen neurologischen Notfall mit hoher Letalität dar.

Pathophysiologie

In ca. 85% der Fälle ist die Ursache ein rupturiertes sakkuläres Aneurysma im Bereich des Circulus arteriosus Willisi. Die plötzliche Blutung führt zu einer akuten Erhöhung des intrakraniellen Drucks mit konsekutiver Reduktion des zerebralen Perfusionsdrucks. Das ausgetretene Blut und dessen Abbauprodukte verursachen nach 3-14 Tagen Vasospasmen der basalen Hirnarterien.

Epidemiologie

Inzidenz 6-10 pro 100.000 Einwohner/Jahr
Typisches Alter 40.-60. Lebensjahr (Peak 5./6. Dekade)
Geschlecht w:m = 1,5:1 (ab 50. LJ häufiger bei Frauen)
Anteil an Schlaganfällen 3-5% aller Schlaganfälle

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Positive Familienanamnese für Aneurysmen
  • Polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD)
  • Ehlers-Danlos-Syndrom
  • Weibliches Geschlecht (postmenopausal)
Modifizierbar:
  • Arterielle Hypertonie
  • Rauchen
  • Alkoholabusus
  • Drogenkonsum (v.a. Kokain)

Aneurysmalokalisation

A. communicans anterior / A. cerebri anterior ~40%
A. carotis interna ~30%
A. cerebri media ~20%
Vertebrobasiläres Stromgebiet ~10%
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Beginn Wie genau hat der Kopfschmerz begonnen? Schlagartig oder langsam? Perakuter Beginn ("Thunderclap") typisch für SAB
Intensität Hatten Sie jemals so starke Kopfschmerzen? "Schlimmster Kopfschmerz des Lebens" ist klassisch
Auslöser Was haben Sie gemacht, als der Schmerz begann? (Pressen, körperliche Anstrengung?) Valsalva-Manöver kann Aneurysmaruptur auslösen
Begleitsymptome Haben Sie Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu oder Nackensteife? Meningismus-Zeichen bei SAB
Warnblutung Hatten Sie in den letzten Tagen/Wochen schon ähnliche, aber leichtere Kopfschmerzen? "Warning Leak" in ~25% vor SAB
Bewusstsein Waren Sie kurz bewusstlos oder verwirrt? Initiale Synkope durch ICP-Erhöhung möglich
Familienanamnese Gab es in Ihrer Familie Hirnblutungen oder Aneurysmen? Familiäre Häufung von Aneurysmen

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin . Können Sie mir erzählen, was passiert ist?

Patientin ():

Ich war gerade im Treppenhaus, als mir plötzlich der Kopf so wehtat wie noch nie in meinem Leben. Es kam wie aus heiterem Himmel.

Arzt:

Das klingt sehr belastend. Ist der Schmerz langsam stärker geworden oder war er sofort maximal stark?

Patientin:

Er war sofort da, von einer Sekunde auf die andere, als hätte mir jemand mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen.

Arzt:

Haben Sie auch andere Beschwerden bemerkt? Übelkeit, Erbrechen, Probleme mit dem Licht?

Patientin:

Ja, mir wurde sofort schlecht und ich habe mich übergeben. Das Licht tut mir weh und mein Nacken fühlt sich ganz steif an.

Arzt:

Hatten Sie in den letzten Tagen oder Wochen schon einmal ähnliche, vielleicht etwas leichtere Kopfschmerzen?

Patientin:

Jetzt wo Sie es sagen – vor etwa einer Woche hatte ich einen sehr starken Kopfschmerz, der aber nach ein paar Stunden wieder weg war.

Prüfungsfokus

  • Vernichtungskopfschmerz: Perakuter Beginn, maximale Intensität von Beginn an
  • Warnblutung (Warning Leak): Tage bis Wochen vor SAB in ~25%
  • Meningismus: Nackensteife, Photophobie, Übelkeit/Erbrechen
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Allgemeinzustand Reduziert, schmerzgeprägt, evtl. Vigilanzminderung (GCS dokumentieren!)
Meningismus-Zeichen Nackensteife, positives Brudzinski-/Kernig-Zeichen
Pupillen Anisokorie bei Okulomotoriusparese (N. III – Kompression durch Aneurysma)
Fundoskopie Terson-Syndrom: Glaskörperblutung bei schwerem ICP-Anstieg (~15%)
Neurologischer Status Fokale Defizite je nach Lokalisation (Hemiparese, Aphasie), Krampfanfälle (~25%)

Klassifikation nach Hunt und Hess

Grad Klinik Prognose
I Asymptomatisch oder leichte Kopfschmerzen, leichte Nackensteife Gut
II Moderate bis starke Kopfschmerzen, Nackensteife, Hirnnervenausfälle Relativ gut
III Somnolenz, Verwirrtheit, leichte fokale Defizite Eingeschränkt
IV Sopor, moderate bis schwere Hemiparese, vegetative Störungen Schlecht
V Koma, Strecksynergismen, moribunder Zustand Sehr schlecht

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Blutbild Ggf. Leukozytose Stressreaktion
Elektrolyte Hyponatriämie möglich SIADH/Cerebral Salt Wasting
Gerinnung Baseline dokumentieren Vor Intervention wichtig
Troponin ↑ möglich Neuro-kardiale Kopplung, Takotsubo
Liquor (bei LP) Xanthochromie, Erythrozyten, Siderophagen Nachweis einer stattgehabten Blutung

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
cCT nativ Hyperdense Blutansammlung in basalen Zisternen, Fissura Sylvii Sofort bei Verdacht – Sensitivität ~95% in ersten 12h
CT-Angiografie Nachweis des Aneurysmas, Lokalisation und Größe Direkt im Anschluss bei positivem cCT
DSA (Digitale Subtraktionsangiografie) Goldstandard zur Aneurysmadetektion, 3D-Rekonstruktion Therapieplanung, negative CTA bei hohem Verdacht
Lumbalpunktion Xanthochromie nach >6h, Erythrozyten, 3-Gläser-Probe Bei negativem cCT und persistierendem Verdacht

Fisher-Skala (CT-basiert)

Grad CT-Befund Vasospasmusrisiko
1 Kein Blut sichtbar Gering
2 Diffuse SAB, Blutschicht <1 mm Moderat
3 Lokalisierte Blutgerinnsel und/oder Blutschicht >1 mm Hoch
4 Intraventrikuläre oder intraparenchymatöse Blutung Variabel

Goldstandard

cCT nativ innerhalb der ersten 12 Stunden (~95% Sensitivität). Bei negativem cCT und klinischem Verdacht: Lumbalpunktion zum Ausschluss (Xanthochromie ab 6-12h nach Blutung nachweisbar). Zur Aneurysmadetektion: DSA als Goldstandard.

5 · Therapie

Akuttherapie

Maßnahme Details Ziel
Sofortverlegung Neurovaskuläres Zentrum mit Neurochirurgie, Neuroradiologie, Neurointensivmedizin Interdisziplinäre Versorgung
Monitoring Intensivstation/Stroke Unit, GCS, Pupillen, Vitalzeichen Früherkennung von Komplikationen
Blutdruckkontrolle MAP 60-90 mmHg, systolisch <160 mmHg bis Aneurysmaversorgung Verhinderung der Rezidivblutung
Nimodipin 6× 60 mg/d p.o. (oder i.v. falls p.o. nicht möglich) für 21 Tage Vasospasmusprophylaxe
Bettruhe Kopfteil 30° erhöht, Valsalva-Manöver vermeiden ICP-Kontrolle, Rerupturprophylaxe
Analgesie Leitliniengerechte Schmerztherapie Schmerzbedingte RR-Spitzen vermeiden

Definitive Aneurysmaversorgung

Verfahren Prinzip Indikation
Coiling (endovaskulär) Einbringen von Platinspiralen in das Aneurysma über Katheter Oft bevorzugt (besserer funktioneller Outcome), v.a. hintere Zirkulation
Clipping (mikrochirurgisch) Metallclip um den Aneurysmahals über Kraniotomie Breithalsige Aneurysmen, A. cerebri media, begleitendes Hämatom

Timing: Frühzeitige Versorgung <24h nach Blutung anstreben, um Rezidivblutung zu verhindern.

Komplikationsmanagement

Komplikation Therapie
Vasospasmus/Delayed Cerebral Ischemia Nimodipin, hämodynamische Augmentation (Normovolämie, ggf. induzierte Hypertension), endovaskuläre Intervention (Ballondilatation, i.a. Vasodilatoren)
Hydrozephalus Externe Ventrikeldrainage (EVD), bei persistierendem Hydrozephalus VP-Shunt
Krampfanfälle Antikonvulsive Therapie (keine generelle Prophylaxe empfohlen)
Hyponatriämie Differenzierung SIADH vs. CSWS, Elektrolytausgleich

Langzeittherapie

  • Rehabilitation: Frühzeitige neurologische Reha bei funktionellen Defiziten
  • Sekundärprävention: Blutdruckeinstellung, Nikotinkarenz
  • Screening: Bei familiärer Häufung Angehörigenscreening erwägen
  • Kontrollangiografie: Nach Coiling zur Kontrolle der Aneurysmaverschluss
6 · Arztbrief

Anamnese:
Die -jährige Patientin habe am Aufnahmetag während körperlicher Anstrengung einen plötzlich einsetzenden, stärksten Kopfschmerz erlitten, wie sie ihn zuvor nie erlebt habe. Begleitend seien Übelkeit, Erbrechen und eine ausgeprägte Lichtscheu aufgetreten. Die Patientin habe angegeben, etwa eine Woche zuvor einen ähnlichen, jedoch schwächeren Kopfschmerz gehabt zu haben, der spontan sistiert sei.

Befund bei Aufnahme:
Bei Aufnahme habe sich eine wache, jedoch schmerzgeplagte Patientin präsentiert. Es habe ein deutlicher Meningismus bestanden. Die Pupillen seien isokor und lichtreagibel gewesen. Fokale neurologische Defizite seien nicht nachweisbar gewesen. Der GCS habe 14 Punkte betragen (Hunt und Hess Grad II).

Diagnostik:
Im cCT nativ habe sich eine subarachnoidale Blutansammlung in den basalen Zisternen mit Ausdehnung in die Sylvische Fissur links gezeigt (Fisher Grad 3). Die ergänzende CT-Angiografie habe ein sakkuläres Aneurysma der A. communicans anterior mit einem Durchmesser von 7 mm ergeben. Laborchemisch habe sich eine leichte Hyponatriämie gezeigt.

Therapie:
Die Patientin sei umgehend auf die neurochirurgische Intensivstation übernommen worden. Eine Vasospasmusprophylaxe mit Nimodipin sei eingeleitet worden. Am Folgetag sei das Aneurysma mittels endovaskulärem Coiling erfolgreich verschlossen worden. Der postinterventionelle Verlauf sei komplikationslos gewesen. Im TCD-Monitoring hätten sich keine relevanten Flussbeschleunigungen im Sinne eines Vasospasmus gezeigt.

Procedere:
Die Patientin werde zur neurologischen Frührehabilitation verlegt. Eine Kontrollangiografie sei in 6 Monaten geplant. Nimodipin solle für insgesamt 21 Tage fortgeführt werden.

7 · Übergabe (SBAR)

S – Situation:
Hier ist von der Notaufnahme. Ich übergebe Ihnen Frau , Jahre, mit einer akuten aneurysmatischen Subarachnoidalblutung.

B – Background:
Die Patientin hatte heute Nachmittag einen perakut einsetzenden Vernichtungskopfschmerz. Vor einer Woche bereits ähnliche, aber schwächere Episode – vermutlich Warnblutung. Keine relevanten Vorerkrankungen, keine Antikoagulation.

A – Assessment:
Im cCT basale SAB Fisher Grad 3, in der CTA A.-communicans-anterior-Aneurysma 7 mm. Klinisch Hunt und Hess Grad II, GCS 14, Meningismus positiv, keine fokalen Defizite. Blutdruck aktuell 145/85 mmHg, leichte Hyponatriämie.

R – Recommendation:
Die Patientin benötigt eine intensivmedizinische Überwachung und zeitnahe Aneurysmaversorgung, bevorzugt endovaskuläres Coiling. Nimodipin ist bereits gestartet. Bitte TCD-Monitoring zur Vasospasmusdetektion und engmaschige neurologische Kontrollen.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Gemeinsam mit SAB Unterschied Ausschluss
Meningitis Kopfschmerz, Meningismus, Übelkeit/Erbrechen Fieber, schleichender Beginn, Infektzeichen Liquor (eitrig/trübe vs. blutig), cCT
Intrazerebrale Blutung (ICB) Plötzlicher Kopfschmerz, Bewusstseinsstörung Eher fokale Defizite, hypertensive Genese cCT: intraparenchymale vs. subarachnoidale Blutung
Migräne Starker Kopfschmerz, Übelkeit, Photophobie Bekannte Migräne, Aura, nicht perakut cCT zum Ausschluss bei erstmaligem "Thunderclap"
Hypertensive Krise Starker Kopfschmerz, Übelkeit Stark erhöhte RR-Werte, langsamer Beginn cCT, RR-Messung
Sinusvenenthrombose Kopfschmerz, evtl. Krampfanfälle Subakuter Verlauf, Stauungszeichen CT-/MR-Venografie

Merke

Jeder "Thunderclap-Kopfschmerz" (perakut, maximal von Beginn an) muss bis zum Beweis des Gegenteils als SAB gewertet werden!

⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Rezidivblutung: Höchstes Risiko in den ersten 24h, Letalität 70-90% → Dringliche Aneurysmaversorgung!
  • Akuter Hydrozephalus: Durch Liquorabflussstörung (Blut in Ventrikeln/Zisternen) → EVD-Anlage
  • Globale zerebrale Ischämie: Durch initialen ICP-Anstieg
  • Krampfanfälle: Bei ~25% der Patienten

Subakute Komplikationen (Tag 3-14)

  • Zerebraler Vasospasmus: In 30-70%, Maximum Tag 5-14 → TCD-Monitoring, Nimodipin
  • Delayed Cerebral Ischemia (DCI): Sekundäre Hirninfarkte durch Vasospasmus → Neurologische Verschlechterung
  • Hyponatriämie: SIADH oder Cerebral Salt Wasting Syndrome

Spätkomplikationen

  • Chronischer Hydrozephalus (Hydrocephalus malresorptivus): In 15-20% → VP-Shunt
  • Kognitive Defizite: Gedächtnisstörungen, Konzentrationsprobleme
  • Epilepsie: Langzeitrisiko erhöht
  • Depression und Angststörungen
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Vernichtungskopfschmerz Hochverdächtig auf SAB Sofortiges cCT, bei negativem Befund LP
Bewusstseinseintrübung Schwere SAB, erhöhter ICP Intubationsbereitschaft, Intensivverlegung
Anisokorie Einklemmung oder N.-III-Kompression durch Aneurysma Neurochirurgischer Notfall!
Neue fokale Defizite (Tag 3-14) Vasospasmus mit DCI TCD, ggf. CTA/DSA, hämodynamische Augmentation
Akute RR-Spitzen >180 mmHg Rezidivblutungsrisiko vor Aneurysmaversorgung Antihypertensive Therapie, Analgesie
Erneuter Kopfschmerz nach Besserung Rezidivblutung oder Hydrozephalus Sofortiges Kontroll-cCT
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Vernichtungskopfschmerz = SAB bis zum Beweis des Gegenteils
  2. cCT nativ ist die erste Diagnostik (Sensitivität ~95% in 12h)
  3. Nimodipin zur Vasospasmusprophylaxe für 21 Tage
Frage 1 (Diagnostik): Eine 48-jährige Patientin stellt sich mit seit 2 Stunden bestehendem "schlimmstem Kopfschmerz ihres Lebens" vor. Welche Diagnostik hat die höchste Sensitivität in den ersten 12 Stunden?
A) MRT des Schädels
B) Lumbalpunktion
C) cCT nativ
D) CT-Angiografie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) cCT nativ
Das cCT nativ hat in den ersten 12 Stunden eine Sensitivität von ca. 95% für den Nachweis einer SAB. Die Lumbalpunktion ist bei negativem cCT und persistierendem Verdacht indiziert.
Frage 2 (Diagnostik): Bei einer Patientin mit Verdacht auf SAB ist das cCT nativ unauffällig. Welcher Liquorbefund spricht am ehesten für eine stattgehabte SAB?
A) Klarer, farbloser Liquor mit normaler Zellzahl
B) Xanthochromie und Erythrozyten
C) Trüber Liquor mit Granulozyten
D) Erhöhtes Laktat und Eiweiß
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Xanthochromie und Erythrozyten
Die Xanthochromie (Gelbfärbung durch Hämoglobinabbau) ist ab 6-12 Stunden nach SAB nachweisbar und gilt als spezifischer Hinweis. Bei artifizieller Punktion fehlt die Xanthochromie.
Frage 3 (Therapie): Welches Medikament ist bei einer SAB zur Prophylaxe von Vasospasmen leitliniengerecht indiziert?
A) Aspirin
B) Nimodipin
C) Magnesiumsulfat
D) Tranexamsäure
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Nimodipin
Nimodipin ist ein lipophiler Calciumkanalblocker, der sich im Gehirn anreichert und zur Vasospasmusprophylaxe bei SAB empfohlen wird (6× 60 mg/d p.o. für 21 Tage).
Frage 4 (Therapie): Welches Verfahren zur Aneurysmaversorgung zeigt im Vergleich einen besseren funktionellen Outcome?
A) Mikrochirurgisches Clipping
B) Endovaskuläres Coiling
C) Konservative Therapie mit Bettruhe
D) Externe Ventrikeldrainage allein
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Endovaskuläres Coiling
Das endovaskuläre Coiling zeigt in Studien (ISAT-Trial) einen besseren funktionellen Outcome und ist in den meisten Fällen zu bevorzugen. Clipping ist bei bestimmten Konstellationen (breiter Aneurysmahals, A. cerebri media, begleitendes Hämatom) indiziert.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Eine Patientin mit SAB (Tag 7 nach Blutung) entwickelt eine zunehmende Hemiparese rechts. Welche Komplikation ist am wahrscheinlichsten?
A) Rezidivblutung
B) Zerebraler Vasospasmus mit Delayed Cerebral Ischemia
C) Meningitis
D) Epileptischer Anfall
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Zerebraler Vasospasmus mit Delayed Cerebral Ischemia
Der Vasospasmus tritt typischerweise zwischen Tag 3-14 auf (Maximum Tag 5-14) und kann zu sekundären ischämischen Defiziten (DCI) führen. Neue fokale Defizite in diesem Zeitfenster sind hochverdächtig.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Was ist die gefährlichste Komplikation einer nicht-versorgten SAB in den ersten 24 Stunden?
A) Vasospasmus
B) Rezidivblutung
C) Hydrozephalus
D) Hyponatriämie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Rezidivblutung
Die Rezidivblutung hat in den ersten 24 Stunden das höchste Risiko und ist mit einer Letalität von 70-90% verbunden. Daher ist die frühzeitige Aneurysmaversorgung (<24h) entscheidend.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welches Symptom unterscheidet eine bakterielle Meningitis am ehesten von einer SAB?
A) Meningismus
B) Kopfschmerzen
C) Fieber
D) Übelkeit und Erbrechen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C) Fieber
Fieber ist typisch für eine Meningitis, während es bei einer SAB in der Regel nicht auftritt. Meningismus, Kopfschmerzen und Übelkeit können bei beiden Erkrankungen vorkommen.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Eine 50-jährige Patientin mit bekannter Migräne stellt sich mit "dem schlimmsten Kopfschmerz ihres Lebens" vor. Der Schmerz setzte perakut ein. Wie sollte vorgegangen werden?
A) Migräneattacke behandeln, keine weitere Diagnostik
B) Sofortiges cCT zum Ausschluss einer SAB
C) Abwarten, ob Schmerz auf Triptane anspricht
D) MRT in den nächsten Tagen planen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B) Sofortiges cCT zum Ausschluss einer SAB
Auch bei bekannten Migränepatienten muss ein perakuter "Thunderclap-Kopfschmerz" als SAB gewertet werden, bis das Gegenteil bewiesen ist. Die Anamnese "schlimmster Kopfschmerz" erfordert eine sofortige Bildgebung.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Subarachnoidalblutung "Eine Blutung in den mit Nervenwasser gefüllten Raum um das Gehirn herum"
Aneurysma "Eine Aussackung einer Schlagader im Gehirn, die platzen kann"
Vernichtungskopfschmerz "Ein plötzlich auftretender, extrem starker Kopfschmerz"
Meningismus "Eine schmerzhafte Nackensteifigkeit durch Reizung der Hirnhäute"
Vasospasmus "Ein Krampf der Blutgefäße im Gehirn, der die Durchblutung beeinträchtigt"
Coiling "Ein Verfahren, bei dem kleine Metallspiralen in die Aussackung eingebracht werden"
Clipping "Ein chirurgisches Verfahren, bei dem eine Metallklammer die Aussackung verschließt"
Hydrozephalus "Ein Wasserkopf durch Stauung des Nervenwassers"

Zusammenfassung

Die Subarachnoidalblutung ist ein neurologischer Notfall mit hoher Letalität. Der perakute Vernichtungskopfschmerz ist das Leitsymptom. Die Diagnostik erfolgt primär mittels cCT nativ, ergänzt durch Lumbalpunktion bei negativem Befund. Die Therapie umfasst die frühzeitige Aneurysmaversorgung (Coiling/Clipping) und Nimodipin zur Vasospasmusprophylaxe.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.