Transitorische ischämische Attacke (TIA)

Neurologie Häufig Notfall Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur TIA: Vorübergehende neurologische Defizite, ABCD2-Score zur Risikostratifizierung, cCT/MRT-Diagnostik und dringende Sekundärprophylaxe.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Plötzlich auftretende, vorübergehende neurologische Ausfälle (Hemiparese, Aphasie, Amaurosis fugax)
  • Diagnostischer Standard: cCT (Blutungsausschluss) + MRT-DWI (Ischämienachweis) + ABCD2-Score
  • Erste Maßnahme: Sofortige Einweisung Stroke Unit, ASS 100 mg, Blutdruckmonitoring
  • Wichtigste Kontraindikation: Lyse bei TIA kontraindiziert (Symptome bereits rückläufig)
  • Prognose: 10–15% Schlaganfallrisiko in 90 Tagen ohne Prophylaxe; mit Therapie deutlich reduzierbar

1 · Leitfall

Notaufnahme J., m Vorübergehende Lähmung
"Herr Doktor, vor zwei Stunden konnte ich plötzlich meinen rechten Arm nicht mehr bewegen und habe komisch gesprochen. Meine Frau war ganz erschrocken. Nach etwa 20 Minuten war alles wieder normal. Jetzt fühle ich mich eigentlich wieder gut."
2 · Krankheitsbild

Definition

Die transitorische ischämische Attacke (TIA) ist eine vorübergehende zerebrale Durchblutungsstörung mit fokalen neurologischen Ausfällen, die sich vollständig innerhalb von 24 Stunden zurückbilden – typischerweise jedoch innerhalb von Minuten bis einer Stunde. Die moderne Definition fordert zusätzlich den Ausschluss einer akuten Infarzierung in der diffusionsgewichteten MRT (DWI).

Pathophysiologie

Vorübergehender Verschluss einer hirnversorgenden Arterie durch Thrombembolie (meist aus atherosklerotischen Plaques der A. carotis oder kardiale Embolie bei Vorhofflimmern). Die Minderperfusion führt zu reversiblen neuronalen Funktionsstörungen ohne strukturelle Schädigung. Bei etwa 30% der Patienten zeigt die DWI-MRT dennoch frische ischämische Läsionen.

Epidemiologie

Inzidenz 29–61/100.000/Jahr
Typisches Alter >60 Jahre (Risiko steigt exponentiell)
Geschlecht m > w (1,3:1)
Schlaganfallrisiko 10% in 2 Tagen (ABCD2 ≥4), 15% in 90 Tagen

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Alter >60 Jahre
  • Männliches Geschlecht
  • Positive Familienanamnese
  • Vorherige TIA/Schlaganfall
Modifizierbar:
  • Arterielle Hypertonie (wichtigster Faktor)
  • Vorhofflimmern
  • Diabetes mellitus
  • Hyperlipidämie
  • Rauchen
  • Karotisstenose
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Symptombeginn Wann genau haben die Beschwerden begonnen? ABCD2-Score (Dauer), Zeitfenster für Intervention
Symptomcharakter Was genau konnten Sie nicht mehr? Arm, Bein, Sprechen, Sehen? Fokale Defizite typisch; ABCD2-Score (Schwäche = 2 Punkte)
Dauer Wie lange haben die Beschwerden angehalten? ABCD2-Score: >60 min = 2 Punkte, 10–59 min = 1 Punkt
Vorerkrankungen Haben Sie Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen? Risikofaktoren, ABCD2-Score (Diabetes, Hypertonie)
Medikamente Nehmen Sie blutverdünnende Medikamente? Therapieplanung, Blutungsrisiko
Frühere Ereignisse Hatten Sie schon einmal solche Beschwerden? Rezidivierende TIA = hohes Schlaganfallrisiko

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin . Was führt Sie zu uns?

Patient:

Vor etwa zwei Stunden war plötzlich mein rechter Arm ganz taub und kraftlos. Und ich habe wohl auch undeutlich gesprochen, sagt meine Frau.

Arzt:

Das klingt ernst. Wie lange hat das angehalten?

Patient:

Vielleicht 15 bis 20 Minuten. Dann wurde es langsam besser, und jetzt ist alles wieder normal.

Arzt:

Haben Sie Bluthochdruck oder Diabetes?

Patient:

Ja, Bluthochdruck habe ich. Ich nehme Tabletten dagegen. Diabetes nicht.

Arzt:

Hatten Sie solche Beschwerden schon früher einmal?

Patient:

Nein, so etwas ist mir noch nie passiert. Deshalb hatte ich auch solche Angst.

Prüfungsfokus

  • ABCD2-Score systematisch erheben: Alter, Blutdruck, Clinical features, Duration, Diabetes
  • Genaue Symptomdauer erfragen (entscheidend für Score)
  • TIA ist ein Notfall trotz Symptomrückbildung – „Time is brain" gilt auch hier!
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund bei TIA
Neurologischer Status Meist unauffällig (Symptome bereits rückläufig); residuale diskrete Paresen möglich
NIHSS Typisch 0 Punkte bei kompletter Rückbildung
Blutdruck Häufig erhöht (>140/90 mmHg = 1 Punkt ABCD2)
Karotisauskultation Strömungsgeräusch bei Karotisstenose
Herzauskultation Arrhythmie bei Vorhofflimmern

ABCD2-Score

Kriterium Ausprägung Punkte
A – Age ≥60 Jahre 1
B – Blood pressure ≥140/90 mmHg bei Erstmessung 1
C – Clinical features Einseitige Schwäche 2
C – Clinical features Sprachstörung ohne Schwäche 1
D – Duration ≥60 Minuten 2
D – Duration 10–59 Minuten 1
D – Diabetes Bekannter Diabetes mellitus 1

Interpretation: 0–3 Punkte = niedriges Risiko; 4–5 Punkte = mittleres Risiko; 6–7 Punkte = hohes Risiko (2-Tages-Schlaganfallrisiko bis 8%)

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
Blutbild Meist normal Anämie, Thrombozytose ausschließen
Blutzucker ↑ bei Diabetes Risikofaktor, Hypoglykämie als DD
Gerinnung (INR, PTT) Vor Antikoagulation Blutungsrisiko beurteilen
Lipide LDL häufig ↑ Atherosklerose-Risiko
HbA1c Bei Diabetikern erhöht Langzeit-BZ-Kontrolle

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
cCT Unauffällig (Blutungsausschluss) Sofort bei Aufnahme
MRT-DWI Bei ~30% frische Diffusionsrestriktion Goldstandard zur Ischämieerkennung
Duplexsonographie Karotiden Stenose? Plaques? Innerhalb 24h bei jedem TIA-Patienten
CT-/MR-Angiographie Gefäßstenosen, Verschlüsse Bei V.a. hochgradige Stenose
EKG / Langzeit-EKG Vorhofflimmern Bei jedem TIA-Patienten
Echokardiographie Kardiale Emboliequelle (Thrombus, PFO) Bei unklarer Ätiologie, jüngere Patienten

Goldstandard

MRT mit DWI zur Unterscheidung TIA vs. Minor Stroke. cCT zum Blutungsausschluss. ABCD2-Score zur Risikostratifizierung.

5 · Therapie

Akuttherapie

Maßnahme Details
Einweisung Stroke Unit Auch bei Symptomrückbildung – TIA ist Notfall!
ASS-Loading ASS 300 mg initial, dann 100 mg/d
Duale Plättchenhemmung Bei Hochrisiko-TIA (ABCD2 ≥4): ASS + Clopidogrel für 21 Tage
Blutdruckmanagement Ziel <140/90 mmHg, nicht zu schnell senken
Monitoring Kontinuierliches EKG-Monitoring (VHF-Detektion)

Sekundärprophylaxe (langfristig)

Indikation Therapie
Ohne Vorhofflimmern ASS 100 mg/d (alternativ Clopidogrel 75 mg/d)
Mit Vorhofflimmern NOAK (Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban, Dabigatran) oder Marcumar
Karotisstenose ≥70% Karotis-TEA oder Stenting innerhalb 2 Wochen
Hyperlipidämie Hochdosis-Statin (Atorvastatin 40–80 mg), Ziel-LDL <70 mg/dl
Hypertonie Leitliniengerechte antihypertensive Therapie
Diabetes Optimale BZ-Einstellung (HbA1c <7%)
Lebensstil Rauchstopp, Gewichtsreduktion, Bewegung

Prüfungsfokus Therapie

  • Lysetherapie ist bei TIA NICHT indiziert (Symptome rückläufig)
  • Duale Plättchenhemmung nur bei Hochrisiko-TIA (21 Tage ASS + Clopidogrel)
  • Bei Vorhofflimmern: OAK statt Thrombozytenaggregationshemmer
  • Karotis-TEA bei symptomatischer Stenose ≥70% innerhalb 2 Wochen
6 · Arztbrief

Entlassungsbrief

Patient: , Jahre, männlich

Diagnosen:

  • Transitorische ischämische Attacke (TIA) im Mediastromgebiet links (I63.9)
  • Arterielle Hypertonie (I10)
  • Hyperlipidämie (E78.0)

Anamnese:
Der Patient habe berichtet, er habe vor der Aufnahme eine plötzlich aufgetretene rechtsseitige Armschwäche und Sprachstörung bemerkt. Die Symptome hätten etwa 20 Minuten angehalten und seien dann vollständig rückläufig gewesen. Er leide seit Jahren an arterieller Hypertonie und nehme Antihypertensiva ein. Ein Diabetes mellitus bestehe nicht.

Befund:
Bei Aufnahme sei der Patient neurologisch unauffällig gewesen. Der Blutdruck habe 165/95 mmHg betragen. Der ABCD2-Score habe 4 Punkte ergeben (Alter ≥60: 1 Punkt, RR ≥140/90: 1 Punkt, einseitige Schwäche: 2 Punkte). Die cCT sei ohne Nachweis einer intrakraniellen Blutung oder Ischämie gewesen. Die MRT-DWI habe keine frische Diffusionsrestriktion gezeigt. Die Duplexsonographie der hirnversorgenden Gefäße habe beidseitig Plaques ohne hämodynamisch relevante Stenosen ergeben. Im Langzeit-EKG habe sich kein Vorhofflimmern nachweisen lassen.

Therapie und Verlauf:
Der Patient sei auf die Stroke Unit aufgenommen worden. Es sei eine duale Thrombozytenaggregationshemmung mit ASS 100 mg und Clopidogrel 75 mg für 21 Tage eingeleitet worden. Die antihypertensive Therapie sei optimiert worden. Es sei eine Statintherapie mit Atorvastatin 40 mg begonnen worden.

Procedere:
Wir empfehlen die Fortführung der dualen Plättchenhemmung für insgesamt 21 Tage, danach ASS 100 mg/d als Monotherapie. Blutdruckziel <140/90 mmHg. LDL-Zielwert <70 mg/dl. Kontrolle der Risikofaktoren sowie Nikotinkarenz seien dringend empfohlen.

Medikation bei Entlassung:

  • ASS 100 mg 1-0-0
  • Clopidogrel 75 mg 1-0-0 (für 21 Tage)
  • Atorvastatin 40 mg 0-0-1
  • Ramipril 5 mg 1-0-0
  • Amlodipin 5 mg 1-0-0

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

7 · Übergabe (SBAR)
S – Situation:

Herr , Jahre, kommt mit TIA-Verdacht. Rechtsseitige Hemiparese und Aphasie vor 2 Stunden, Dauer ca. 20 Minuten, jetzt symptomfrei.

B – Background:

Bekannte arterielle Hypertonie unter Therapie. Kein Diabetes. ABCD2-Score 4 Punkte. Keine früheren TIA oder Schlaganfälle.

A – Assessment:

Hochrisiko-TIA mit ABCD2 ≥4. cCT ohne Blutung. MRT-DWI steht noch aus. Duplexsonographie zeigt Plaques ohne relevante Stenose. Kein VHF im EKG.

R – Recommendation:

Aufnahme Stroke Unit. Duale Plättchenhemmung starten (ASS + Clopidogrel). MRT-DWI durchführen. Langzeit-EKG anlegen. Statintherapie beginnen. RR-Optimierung.

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Unterscheidungsmerkmal Ausschlussdiagnostik
Ischämischer Schlaganfall Symptome persistieren >24h oder Infarktnachweis in Bildgebung MRT-DWI (Diffusionsrestriktion)
Migräne mit Aura Positive Symptome (Flimmerskotom), langsame Ausbreitung (5–60 min), Kopfschmerz folgt Anamnese, MRT unauffällig
Fokaler epileptischer Anfall Positive Symptome (Zuckungen), postiktale Parese (Todd-Parese) EEG, Anamnese
Hypoglykämie Vegetative Symptome, Besserung nach Glukosegabe BZ-Messung
Synkope Bewusstlosigkeit, keine fokalen Defizite Anamnese, EKG
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Ischämischer Schlaganfall → Hauptrisiko! 10–15% in den ersten 90 Tagen ohne Therapie
  • Rezidivierende TIA → Warnzeichen für drohenden kompletten Schlaganfall
  • Myokardinfarkt → Gemeinsame Risikofaktoren (Atherosklerose)

Spätkomplikationen

  • Vaskuläre Demenz → Bei wiederholten Ischämien
  • Blutung unter Antikoagulation → Bei Übertherapie oder Komedikation
  • Depression/Angststörung → Nach TIA häufig
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Persistierende Symptome >60 min Wahrscheinlich Schlaganfall, kein TIA mehr Lysefähigkeit prüfen!
Rezidivierende TIA Sehr hohes Schlaganfallrisiko (Crescendo-TIA) Sofortige Stroke-Unit-Aufnahme, ggf. Heparinisierung
ABCD2-Score ≥6 2-Tages-Risiko bis 8% Intensive Überwachung, rasche Diagnostik
Hochgradige Karotisstenose Emboliequelle identifiziert TEA/Stenting innerhalb 2 Wochen
Neu aufgetretenes Vorhofflimmern Kardiale Emboliequelle Antikoagulation einleiten
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. TIA = vorübergehende fokale neurologische Defizite ohne Infarktnachweis in der MRT-DWI
  2. ABCD2-Score zur Risikostratifizierung: ≥4 Punkte = Hochrisiko-TIA
  3. Keine Lyse bei TIA, aber duale Plättchenhemmung bei Hochrisiko für 21 Tage
Frage 1 (Diagnostik): Welche Untersuchung ist der Goldstandard zum Nachweis einer frischen ischämischen Läsion bei V.a. TIA?
A) Native cCT
B) MRT mit diffusionsgewichteter Sequenz (DWI)
C) Duplexsonographie der Karotiden
D) EEG
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die MRT-DWI kann bereits wenige Minuten nach Symptombeginn frische ischämische Läsionen als Diffusionsrestriktion nachweisen. Bei etwa 30% der klinischen TIA-Patienten finden sich DWI-Läsionen. Die cCT dient primär dem Blutungsausschluss.
Frage 2 (Diagnostik): Ein 68-jähriger Patient mit Hypertonie hatte vor 3 Stunden eine 30-minütige rechtsseitige Armschwäche. Wie viele Punkte erhält er im ABCD2-Score?
A) 2 Punkte
B) 3 Punkte
C) 4 Punkte
D) 5 Punkte
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Alter ≥60 = 1 Punkt, Hypertonie (RR vermutlich ≥140/90) = 1 Punkt, einseitige Schwäche = 2 Punkte, Dauer 10–59 min = 1 Punkt. Ohne Diabetes = 0. Korrekt sind jedoch nur 4 Punkte sicher (Alter + Schwäche + Dauer), der Blutdruck müsste bei Erstmessung ≥140/90 sein.
Frage 3 (Therapie): Welche Therapie ist bei einer Hochrisiko-TIA (ABCD2 ≥4) leitliniengerecht?
A) Systemische Lysetherapie mit rtPA
B) Duale Plättchenhemmung mit ASS + Clopidogrel für 21 Tage
C) Sofortige Vollheparinisierung
D) Abwarten und ambulante Kontrolle nach 2 Wochen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei Hochrisiko-TIA wird eine duale Plättchenhemmung mit ASS und Clopidogrel für 21 Tage empfohlen. Eine Lysetherapie ist bei TIA nicht indiziert, da die Symptome bereits rückläufig sind.
Frage 4 (Therapie): Bei einem TIA-Patienten wird Vorhofflimmern diagnostiziert. Welche Langzeit-Sekundärprophylaxe ist indiziert?
A) ASS 100 mg/d
B) ASS + Clopidogrel dauerhaft
C) Orale Antikoagulation (NOAK oder VKA)
D) Keine Medikation, nur Lebensstiländerung
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Bei nachgewiesenem Vorhofflimmern ist eine orale Antikoagulation (vorzugsweise NOAK) zur Sekundärprophylaxe indiziert. Thrombozytenaggregationshemmer sind bei VHF-assoziierter TIA nicht ausreichend wirksam.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Welches Szenario stellt das höchste Schlaganfallrisiko nach TIA dar?
A) Einzelne TIA vor 1 Woche, ABCD2-Score 2
B) Mehrere TIAs innerhalb der letzten 24 Stunden (Crescendo-TIA)
C) TIA mit isolierter Sehstörung
D) TIA bei einem 45-jährigen ohne Risikofaktoren
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Rezidivierende TIAs innerhalb kurzer Zeit (Crescendo-TIA) stellen eine Hochrisikosituation dar und erfordern sofortige Aufnahme auf die Stroke Unit mit intensiver Überwachung und Diagnostik.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Ein Patient mit TIA hat eine 80%ige Stenose der A. carotis interna. Wann sollte die Karotis-TEA erfolgen?
A) Innerhalb von 2 Wochen
B) Nach 6 Wochen
C) Nur bei erneuter TIA
D) Operation nicht indiziert
✅ Antwort anzeigen
Richtig: A
Bei symptomatischer Karotisstenose ≥70% sollte die Karotis-TEA innerhalb von 2 Wochen durchgeführt werden. Der Nutzen der Operation nimmt mit zunehmendem Abstand zum Indexereignis deutlich ab.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welches Merkmal spricht am ehesten für eine Migräne mit Aura und gegen eine TIA?
A) Schlagartig auftretende Symptome
B) Langsam wandernde positive visuelle Symptome (Flimmerskotom) gefolgt von Kopfschmerz
C) Einseitige motorische Schwäche
D) Symptome dauern weniger als 1 Stunde
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Migräne-Auren zeigen typischerweise positive Symptome (Flimmern, Zickzacklinien), die sich langsam über 5–60 Minuten ausbreiten, gefolgt von Kopfschmerzen. TIA-Symptome sind negative Symptome (Lähmung, Taubheit) mit schlagartigem Beginn.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Ein Patient hatte eine 10-minütige rechtsseitige Hemiparese. Die MRT-DWI zeigt eine frische Diffusionsrestriktion links. Wie lautet die korrekte Diagnose?
A) Transitorische ischämische Attacke (TIA)
B) Minor Stroke (kleiner ischämischer Schlaganfall)
C) Migräne mit Aura
D) Fokaler epileptischer Anfall
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Trotz vollständiger klinischer Rückbildung liegt bei Nachweis einer frischen Ischämie in der DWI-MRT definitionsgemäß ein Minor Stroke vor, keine TIA. Die moderne Definition erfordert für eine TIA den Ausschluss einer Infarzierung in der Bildgebung.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Transitorische ischämische Attacke "Eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn – wie ein kurzer Warnschuss vor einem möglichen Schlaganfall."
ABCD2-Score "Ein Punktesystem, mit dem wir Ihr Risiko für einen Schlaganfall in den nächsten Tagen einschätzen können."
Stroke Unit "Eine Spezialstation für Schlaganfallpatienten mit besonderer Überwachung und schneller Diagnostik."
Karotisstenose "Eine Verengung der Halsschlagader, die zu Durchblutungsstörungen im Gehirn führen kann."
Thrombozytenaggregationshemmer "Blutverdünnende Medikamente wie Aspirin, die verhindern, dass sich Blutplättchen zusammenklumpen."
Sekundärprophylaxe "Vorbeugende Maßnahmen, damit so ein Ereignis nicht wieder auftritt."

Zusammenfassung

Die TIA ist ein Warnzeichen für einen drohenden Schlaganfall. Trotz vollständiger Symptomrückbildung handelt es sich um einen Notfall, der eine sofortige Abklärung auf einer Stroke Unit erfordert. Der ABCD2-Score hilft bei der Risikostratifizierung. Bei Hochrisiko-TIA wird eine duale Plättchenhemmung für 21 Tage empfohlen. Bei Vorhofflimmern ist eine orale Antikoagulation indiziert. Symptomatische Karotisstenosen sollten innerhalb von 2 Wochen operiert werden.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.