Vorhofflimmern

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FSP-Fall zum Vorhofflimmern: Palpitationen, absolut arrhythmischer Puls, CHA2DS2-VA-Score, Antikoagulation und Rhythmus- vs. Frequenzkontrolle nach ESC-Leitlinie 2024.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Palpitationen, absolut arrhythmischer Puls (Pulsdefizit)
  • Diagnostischer Standard: 12-Kanal-EKG (fehlende P-Wellen, unregelmäßige RR-Intervalle)
  • Erste Maßnahme: Frequenzkontrolle + Antikoagulation nach CHA₂DS₂-VA-Score
  • Wichtigste Kontraindikation: Kardioversion ohne Antikoagulation bei VHF >24h
  • Prognose: 5-fach erhöhtes Schlaganfallrisiko ohne Therapie; mit leitliniengerechter Therapie gut

1 · Leitfall

Hausarztpraxis J., m Herzstolpern, Luftnot
"Seit gestern Abend spüre ich mein Herz ganz unregelmäßig schlagen. Manchmal stolpert es richtig. Beim Treppensteigen heute Morgen war ich schnell außer Atem."
2 · Krankheitsbild

Definition

Vorhofflimmern (VHF) ist eine supraventrikuläre Tachyarrhythmie mit unkoordinierter elektrischer Aktivierung der Vorhöfe (Frequenz 350–600/min) und daraus resultierender ineffektiver Vorhofkontraktion. Es ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung bei Erwachsenen.

Pathophysiologie

Multiple kreisende Erregungen (Reentry) in den Vorhöfen, ausgehend meist von ektopen Foci im Bereich der Pulmonalvenenmündungen. Der AV-Knoten filtert die unregelmäßigen Impulse, sodass die Ventrikel arrhythmisch und meist tachykard schlagen. Die fehlende Vorhofkontraktion begünstigt Thrombenbildung im linken Vorhofohr.

Epidemiologie

Prävalenz 1,5–2% der Bevölkerung (~1,6 Mio. in Deutschland)
Typisches Alter >65 Jahre (10% der >80-Jährigen)
Geschlecht m > w (1,2:1)

Klassifikation (ESC 2024)

Erstdiagnostiziert Erstmalige Dokumentation, unabhängig von Dauer
Paroxysmal Spontane Konversion innerhalb von 7 Tagen
Persistierend >7 Tage oder Kardioversion erforderlich
Lang-persistierend >12 Monate, Rhythmuskontrolle angestrebt
Permanent Rhythmuskontrolle nicht mehr angestrebt

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Alter >65 Jahre
  • Männliches Geschlecht
  • Genetische Prädisposition
Modifizierbar:
  • Arterielle Hypertonie
  • Herzinsuffizienz
  • Adipositas
  • Diabetes mellitus
  • Alkoholkonsum
  • Schlafapnoe
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Aktuell Seit wann haben Sie das Herzstolpern? Dauer entscheidend für Kardioversions-Strategie
Symptome Haben Sie auch Luftnot, Schwindel oder Brustschmerzen? EHRA-Score, hämodynamische Instabilität
Vorerkrankungen Sind bei Ihnen Bluthochdruck, Herzprobleme oder Diabetes bekannt? CHA₂DS₂-VA-Score zur Risikoabschätzung
Medikamente Nehmen Sie blutverdünnende Medikamente ein? Antikoagulation bereits vorhanden?
Anamnese Hatten Sie schon einmal einen Schlaganfall oder eine TIA? Wichtiger Risikofaktor (2 Punkte im Score)
Lifestyle Wie viel Alkohol trinken Sie? Holiday-Heart-Syndrom, modifizierbarer Risikofaktor

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin . Was führt Sie zu uns?

Patient:

Guten Tag. Seit gestern Abend schlägt mein Herz ganz komisch, so unregelmäßig. Und heute beim Treppensteigen war ich total außer Puste.

Arzt:

Verstehe. Können Sie sich erinnern, wann genau das angefangen hat? War es plötzlich oder schleichend?

Patient:

Das kam ganz plötzlich. Ich habe gestern Abend ferngesehen, und auf einmal fing das Herz an zu rasen und zu stolpern.

Arzt:

Hatten Sie dabei auch Schwindel, Brustschmerzen oder sind Sie kurz bewusstlos geworden?

Patient:

Nein, bewusstlos war ich nicht. Aber ein bisschen schwindelig war mir schon.

Arzt:

Sie sind ja Jahre alt. Haben Sie Bluthochdruck oder Diabetes? Nehmen Sie regelmäßig Medikamente?

Patient:

Ja, ich habe seit Jahren Bluthochdruck und nehme dagegen eine Tablette. Diabetes habe ich nicht.

Prüfungsfokus

  • Dauer des VHF erfragen → entscheidend für Kardioversion
  • CHA₂DS₂-VA-Score erheben (Hypertonie, Alter, Schlaganfall-Anamnese)
  • Hämodynamische Stabilität beurteilen
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Inspektion Ggf. Halsvenenstauung bei Herzinsuffizienz, Beinödeme
Palpation Absolut arrhythmischer Puls, Pulsdefizit (peripher weniger Pulse als zentral auskultiert)
Blutdruck Häufig hypertone Werte; bei hämodynamischer Instabilität Hypotonie
Auskultation Unregelmäßige Herzaktion, wechselnde Lautstärke der Herztöne, ggf. Herzgeräusch bei Vitium

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
TSH ↓ bei Hyperthyreose Hyperthyreose als Auslöser ausschließen
Elektrolyte K⁺, Mg²⁺ prüfen Elektrolytstörungen begünstigen Arrhythmien
Kreatinin/GFR Prüfen Dosisanpassung DOAK bei Niereninsuffizienz
NT-proBNP Hinweis auf Herzinsuffizienz
Troponin Prüfen Ausschluss akutes Koronarsyndrom

EKG – Goldstandard

Kriterium Typischer Befund
P-Wellen Fehlend, stattdessen Flimmerwellen (f-Wellen)
RR-Intervalle Absolut arrhythmisch (unregelmäßig)
QRS-Komplexe Schmal (außer bei aberranter Leitung)
Frequenz Meist tachykard (100–160/min), kann normofrequent/bradykard sein

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
TTE LA-Dilatation, LV-Funktion, Vitien Initial bei jedem VHF
TEE Thrombus im linken Vorhofohr? Vor Kardioversion bei VHF >24h ohne Antikoagulation

Goldstandard

12-Kanal-EKG: Fehlende P-Wellen + absolut arrhythmische RR-Intervalle

5 · Therapie

AF-CARE-Konzept (ESC 2024)

C Comorbidity – Komorbiditäten und Risikofaktoren managen
A Anticoagulation – Schlaganfallprävention
R Rate & Rhythm – Frequenz- und Rhythmuskontrolle
E Evaluation – Regelmäßige Bewertung

Antikoagulation – CHA₂DS₂-VA-Score (NEU 2024)

Risikofaktor Punkte
Congestive heart failure 1
Hypertension 1
Age ≥75 2
Diabetes mellitus 1
Stroke/TIA/Thromboembolie 2
Vascular disease (KHK, pAVK) 1
Age 65–74 1

Empfehlung: Score ≥2 → orale Antikoagulation empfohlen (I C). Score 1 → individuelle Entscheidung.

Antikoagulanzien

Substanz Wirkmechanismus Besonderheit
Apixaban Faktor-Xa-Inhibitor 2× tgl., geringste Blutungsrate
Rivaroxaban Faktor-Xa-Inhibitor 1× tgl. mit Mahlzeit
Edoxaban Faktor-Xa-Inhibitor 1× tgl.
Dabigatran Thrombin-Inhibitor Antidot: Idarucizumab
Phenprocoumon Vitamin-K-Antagonist Bei mechanischen Klappen, INR 2–3

Frequenzkontrolle

Medikament Anwendung
Betablocker (Metoprolol, Bisoprolol) 1. Wahl, auch bei Herzinsuffizienz
Verapamil/Diltiazem Alternative ohne Herzinsuffizienz; KI bei HFrEF!
Digoxin Add-on bei unzureichender Kontrolle

Ziel: Ruhepuls <110/min (lenient) oder <80/min (strikt)

Rhythmuskontrolle

  • Indikation: Symptomatisches VHF, Tachykardiomyopathie, Patientenwunsch
  • Katheterablation: Klasse I Empfehlung als Erstlinientherapie bei paroxysmalem VHF (ESC 2024)
  • Kardioversion: Elektrisch (biphasisch 150–200 J) oder medikamentös (Flecainid, Amiodaron)
  • Antiarrhythmika: Flecainid/Propafenon (ohne Strukturerkrankung), Amiodaron (mit Strukturerkrankung)

⚠️ Kardioversion-Regel

VHF >24h: Keine Kardioversion ohne vorherige 3-wöchige Antikoagulation ODER TEE-Ausschluss eines Vorhofthrombus!

6 · Arztbrief

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

wir berichten über unseren gemeinsamen Patienten , Jahre, der sich am [Datum] wegen seit einem Tag bestehender Palpitationen und Belastungsdyspnoe vorstellte.

Anamnese: Der Patient habe am Vorabend plötzlich Herzstolpern bemerkt. Er leide seit Jahren an arterieller Hypertonie. Ein Diabetes mellitus bestehe nicht. Er habe nie geraucht und trinke gelegentlich Alkohol. Ein Schlaganfall sei nicht bekannt.

Befund: Bei Aufnahme habe sich ein wacher, orientierter Patient in leicht reduziertem Allgemeinzustand präsentiert. Der Puls sei absolut arrhythmisch bei einer Frequenz von 112/min gewesen. Der Blutdruck habe 158/94 mmHg betragen. Auskultatorisch seien unregelmäßige Herztöne ohne pathologisches Geräusch zu hören gewesen.

Diagnostik: Im 12-Kanal-EKG habe sich ein Vorhofflimmern mit tachykarder Überleitung (Kammerfrequenz 108/min) gezeigt. Laborchemisch seien TSH, Elektrolyte und Nierenretentionsparameter normwertig gewesen. Die Echokardiographie habe eine gute linksventrikuläre Funktion (EF 55%) bei leicht dilatiertem linkem Vorhof (45 mm) ergeben.

Diagnose: Neu diagnostiziertes Vorhofflimmern, tachykard

Therapie: Bei einem CHA₂DS₂-VA-Score von 3 Punkten (Hypertonie, Alter >65) habe eine Indikation zur oralen Antikoagulation bestanden. Wir hätten eine Therapie mit Apixaban in leitliniengerechter Dosierung eingeleitet. Zur Frequenzkontrolle sei Metoprolol gegeben worden.

Prozedere: Wir bitten um kardiologische Mitbeurteilung bezüglich Rhythmuskontrolle (Katheterablation). Regelmäßige INR- bzw. Nierenfunktionskontrollen seien empfohlen.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

7 · Übergabe (SBAR)

S – Situation

Herr , Jahre, Zimmer 12. Neu diagnostiziertes Vorhofflimmern seit gestern Abend. Aktuell stabil.

B – Background

Bekannte arterielle Hypertonie. Kein Diabetes, kein Schlaganfall in der Vorgeschichte. CHA₂DS₂-VA-Score: 3 Punkte.

A – Assessment

Vorhofflimmern mit tachykarder Überleitung, jetzt frequenzkontrolliert unter Metoprolol (HF 78/min). Antikoagulation mit Apixaban begonnen. Echo: gute LV-Funktion, LA leicht dilatiert.

R – Recommendation

Bitte Rhythmusmonitoring fortsetzen. Bei erneuter Tachykardie >110/min Metoprolol-Dosis erhöhen. Kardiologisches Konsil für Rhythmuskontrolle/Ablation angemeldet. Cave: Keine Kardioversion ohne TEE oder 3 Wochen Antikoagulation!

8 · Differentialdiagnosen
Diagnose Gemeinsamkeit Unterschied Ausschluss
Vorhofflattern Tachykardie, Palpitationen Regelmäßige Sägezahnmuster-P-Wellen, meist regelmäßiger Rhythmus EKG: Sägezahnmuster, fixe Überleitung (z.B. 2:1)
AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT) Plötzliches Herzrasen, Palpitationen Regelmäßige schmalkomplexige Tachykardie, P-Wellen oft nicht sichtbar EKG: Regelmäßig, abrupter Beginn/Ende
Sinustachykardie Tachykardie, Palpitationen Regelmäßiger Rhythmus, normale P-Wellen vor jedem QRS EKG: P-Wellen vorhanden, regelmäßig
Multifokale atriale Tachykardie Unregelmäßiger Rhythmus ≥3 verschiedene P-Wellen-Morphologien EKG: Polymorphe P-Wellen erkennbar
Hyperthyreose Kann VHF auslösen, Tachykardie Zusätzlich: Gewichtsverlust, Tremor, Wärmeintoleranz TSH supprimiert, fT3/fT4 erhöht
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Thromboembolie/Schlaganfall → 5-fach erhöhtes Risiko ohne Antikoagulation; kardioembolischer Infarkt oft schwer
  • Akute Herzinsuffizienz → Tachykardie-induziert, fehlende Vorhofkontraktion
  • Hämodynamische Instabilität → Hypotonie, Synkope bei sehr schneller Überleitung

Spätkomplikationen

  • Tachykardiomyopathie → Reversible LV-Dysfunktion bei anhaltend hoher Frequenz
  • Kognitive Beeinträchtigung → Subklinische zerebrale Ischämien, vaskuläre Demenz
  • Herzinsuffizienz → Progression durch anhaltende Rhythmusstörung
  • Eingeschränkte Lebensqualität → Symptome, Medikamentennebenwirkungen
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Hypotonie, Synkope Hämodynamische Instabilität Notfall-Kardioversion!
Akute Hemiparese, Aphasie Schlaganfall (kardioembolisch) Stroke-Alarm, cCT, Lyse-Indikation prüfen
Thoraxschmerz + ST-Hebung STEMI, evtl. VHF-Auslöser Herzkatheter, Revaskularisation
Breite QRS + Tachykardie VHF mit Präexzitation (WPW) → VF-Gefahr! KEIN AV-Knoten-Blocker! Elektrische Kardioversion
Akute Dyspnoe, Lungenödem Akute Herzinsuffizienz Frequenzkontrolle, Diuretika, ggf. NIV
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. EKG: Fehlende P-Wellen + absolut arrhythmische RR-Intervalle
  2. Antikoagulation nach CHA₂DS₂-VA-Score (≥2 = OAK empfohlen)
  3. Kardioversion erst nach TEE oder 3 Wochen Antikoagulation bei VHF >24h
Frage 1 (Diagnostik): Welcher EKG-Befund ist pathognomonisch für Vorhofflimmern?
A) Regelmäßige P-Wellen mit verlängerter PQ-Zeit
B) Fehlende P-Wellen und absolut arrhythmische RR-Intervalle
C) Sägezahnförmige Flatterwellen mit regelmäßiger Überleitung
D) Schmale QRS-Komplexe mit delta-Welle
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Vorhofflimmern zeigt im EKG fehlende P-Wellen (ersetzt durch Flimmerwellen) und unregelmäßige RR-Abstände. Sägezahnmuster ist typisch für Vorhofflattern (C), Delta-Welle für WPW-Syndrom (D).
Frage 2 (Diagnostik): Welche Untersuchung ist vor einer elektiven Kardioversion bei VHF >48h ohne vorherige Antikoagulation obligat?
A) Belastungs-EKG
B) Transösophageale Echokardiographie (TEE)
C) Koronarangiographie
D) Langzeit-EKG
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die TEE dient dem Ausschluss von Thromben im linken Vorhofohr vor Kardioversion. Ohne TEE müsste der Patient mindestens 3 Wochen antikoaguliert sein.
Frage 3 (Therapie): Ein 70-jähriger Patient mit Vorhofflimmern, Hypertonie und Diabetes mellitus. Wie viele Punkte hat er im CHA₂DS₂-VA-Score und welche Konsequenz ergibt sich?
A) 2 Punkte – Antikoagulation kann erwogen werden
B) 3 Punkte – Antikoagulation empfohlen
C) 4 Punkte – Antikoagulation empfohlen
D) 5 Punkte – Antikoagulation zwingend erforderlich
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Hypertonie (1) + Alter 65–74 (1) + Diabetes (1) = 3 Punkte. Ab ≥2 Punkten ist eine Antikoagulation leitliniengerecht empfohlen.
Frage 4 (Therapie): Welches Medikament ist zur Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern mit begleitender Herzinsuffizienz mit reduzierter EF (HFrEF) kontraindiziert?
A) Metoprolol
B) Bisoprolol
C) Verapamil
D) Digoxin
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Verapamil und Diltiazem (Non-Dihydropyridin-Calciumantagonisten) sind bei HFrEF kontraindiziert wegen negativ inotroper Wirkung. Betablocker und Digoxin können bei HFrEF eingesetzt werden.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein Patient mit bekanntem VHF entwickelt plötzlich eine Halbseitenlähmung rechts und Sprachstörung. Was ist die wahrscheinlichste Ursache und erste Maßnahme?
A) Hypoglykämie – BZ messen und Glukose geben
B) Kardioembolischer Schlaganfall – Stroke-Alarm, cCT
C) Migräne mit Aura – Analgesie und Ruhe
D) Hypertensive Krise – Blutdrucksenkung
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Bei VHF ist das Schlaganfallrisiko 5-fach erhöht. Die akute Hemiparese und Aphasie sprechen für einen kardioembolischen Hirninfarkt. Sofortiger Stroke-Alarm und cCT zur Lyse-Entscheidung sind erforderlich.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Ein Patient mit VHF und WPW-Syndrom (breite QRS, präexzitiertes VHF) wird tachykard. Welches Medikament ist streng kontraindiziert?
A) Amiodaron
B) Flecainid
C) Verapamil
D) Procainamid
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
AV-Knoten-Blocker (Verapamil, Diltiazem, Adenosin, Digoxin) sind bei präexzitiertem VHF kontraindiziert! Sie blockieren den AV-Knoten und führen zu beschleunigter Überleitung über die akzessorische Bahn → Kammerflimmern-Gefahr. Therapie: elektrische Kardioversion.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Welches EKG-Merkmal unterscheidet Vorhofflattern von Vorhofflimmern?
A) Fehlende P-Wellen
B) Sägezahnförmige Flatterwellen mit oft regelmäßiger Überleitung
C) Absolut arrhythmische RR-Intervalle
D) Breite QRS-Komplexe
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Vorhofflattern zeigt typische Sägezahnmuster (meist 250–300/min) mit oft fixierter Überleitung (z.B. 2:1 → Kammerfrequenz ~150/min). VHF hat keine erkennbaren P-Wellen und ist absolut arrhythmisch.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Ein Patient stellt sich mit neu aufgetretenem Vorhofflimmern, Gewichtsverlust, Tremor und Wärmeintoleranz vor. Welche Laboruntersuchung ist prioritär?
A) HbA1c
B) TSH und fT3/fT4
C) Lipidprofil
D) CRP
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Richtig: B
Die Symptomkonstellation (Gewichtsverlust, Tremor, Wärmeintoleranz) spricht für eine Hyperthyreose, die häufig VHF auslösen kann. TSH ist bei manifester Hyperthyreose supprimiert, fT3/fT4 erhöht.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Vorhofflimmern "Ihre Herzvorhöfe schlagen nicht mehr regelmäßig, sondern zittern nur noch. Dadurch schlägt auch der Rest des Herzens unregelmäßig."
Antikoagulation "Ein blutverdünnendes Medikament, das verhindert, dass sich Blutgerinnsel bilden."
Kardioversion "Wir versuchen, Ihren Herzrhythmus wieder in den normalen Takt zu bringen – entweder mit Medikamenten oder einem kontrollierten Stromimpuls."
Frequenzkontrolle "Wir bremsen Ihr Herz mit Medikamenten, damit es nicht mehr so schnell schlägt."
Katheterablation "Ein Eingriff, bei dem über die Leiste ein dünner Schlauch zum Herzen geführt wird, um die störenden Stellen zu veröden."
CHA₂DS₂-VA-Score "Ein Punktesystem, mit dem wir Ihr Schlaganfallrisiko einschätzen und entscheiden, ob Sie Blutverdünner brauchen."

Zusammenfassung

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und erhöht das Schlaganfallrisiko 5-fach. Die Diagnose erfolgt im EKG (fehlende P-Wellen, arrhythmische RR-Intervalle). Die Therapie umfasst Antikoagulation nach CHA₂DS₂-VA-Score sowie Frequenz- oder Rhythmuskontrolle nach dem AF-CARE-Konzept (ESC 2024).

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.