Wer die Fachsprachprüfung (FSP) bestehen will, braucht mehr als Grammatikwissen. Du musst typische Krankheitsbilder auf Deutsch beschreiben, gezielt nachfragen und strukturierte Arztbriefe formulieren können — alles unter Prüfungsdruck. Laut der Bundesärztekammer (Bundesärztekammer, 2024) haben rund 16.000 ausländische Ärztinnen und Ärzte die FSP in Deutschland abgelegt. Viele Prüflinge scheitern nicht an medizinischem Wissen, sondern an fehlender Übung mit realistischen FSP Beispielfällen.
Dieser Leitfaden zeigt dir die 30 häufigsten FSP-Krankheitsbilder — mit Leitsymptomen, Anamnesefragen, Differentialdiagnosen und einem typischen Arztbrief-Satz für jeden Fall. Am Ende findest du den Link zum FSP-Simulator von Kennti mit 87 kostenlosen Fällen, mit dem du direkt im Browser üben kannst.
TL;DR: Die FSP testet dich anhand realer Krankheitsbilder in drei Stationen. Die 30 häufigsten Fälle kommen aus Innerer Medizin, Chirurgie, Neurologie, Notfallmedizin und Psychiatrie. Die große Mehrheit aller FSP-Fälle stammt erfahrungsgemäß aus diesen fünf Fachgebieten. Übe mit dem kostenlosen FSP-Simulator, um Sicherheit zu gewinnen.
Wie ist die Fachsprachprüfung aufgebaut?
Die FSP besteht aus drei Teilen, die typischerweise 30–45 Minuten dauern. Eine Auswertung von Ärztekammer-Leitfäden (Ärztekammer Nordrhein, 2024) zeigt, dass alle drei Stationen gleichgewichtet bewertet werden — schwach in einer Station reicht aus, um die Prüfung nicht zu bestehen.
Station 1: Arzt-Patienten-Gespräch
Du führst eine vollständige Anamnese mit einem Schauspielpatienten. Wichtig sind dabei: Vorstellung auf Deutsch, strukturierte Befragung zu Hauptbeschwerde, Schmerzcharakter, Begleitsymptomen und Vorerkrankungen. Körpersprache und Empathie werden ebenfalls bewertet.
Station 2: Arztbrief
Du schreibst einen Entlassbzw. Überweisungsbrief zum zuvor erhobenen Fall. Der Brief muss Anamnese, Befund, Diagnose, Therapie und Empfehlungen enthalten — sprachlich korrekt und in medizinischer Fachsprache. Viele Prüflinge unterschätzen diese Station erheblich.
FSP Wörterbuch für Arztbrief-Formulierungen
Station 3: Arzt-Arzt-Gespräch
Du übergibst den Fall an einen Kollegen oder besprichst ihn mit einem Oberarzt. Hier zählen strukturierte Fallvorstellung (z. B. nach SBAR-Schema), korrekte Fachterminologie und das Formulieren von Differentialdiagnosen.
Die 30 häufigsten FSP Krankheitsbilder nach Fachgebiet
Basierend auf Prüfungsprotokollen und Erfahrungsberichten von Kennti-Nutzern tauchen bestimmte Diagnosen mit auffälliger Regelmäßigkeit auf. Die folgende Übersicht orientiert sich an dieser beobachteten Prüfungshäufigkeit.
Innere Medizin: 10 FSP-Fälle mit Musterlösungen
Innere Medizin stellt erfahrungsgemäß den größten Anteil aller FSP-Fälle. Wer diese zehn Krankheitsbilder sicher beherrscht, legt die stärkste Grundlage für die Prüfung.
Alle Innere-Medizin-Fälle üben
Fall 1: Pneumonie
Leitsymptome:
- Fieber (>38,5 °C), produktiver Husten mit eitrigem Auswurf
- Dyspnoe, atemabhängiger Thoraxschmerz
- Tachykardie, reduzierter Allgemeinzustand
Wichtige Anamnesefragen:
- „Haben Sie Fieber gemessen? Seit wann besteht das Fieber?“
- „Husten Sie Schleim ab — und wenn ja, welche Farbe hat er?“
- „Haben Sie Vorerkrankungen wie Asthma oder COPD?“
Verdachtsdiagnose: Ambulant erworbene Pneumonie (community-acquired pneumonia) Differentialdiagnosen: COPD-Exazerbation, Lungenembolie, Pleuritis, Bronchitis
Typischer Arztbrief-Satz:
„Der Patient stellte sich mit seit drei Tagen bestehenden Fieber bis 39,2 °C, produktivem Husten mit gelblich-grünem Auswurf sowie zunehmender Belastungsdyspnoe vor.“
Fall 2: Myokardinfarkt (STEMI/NSTEMI)
Leitsymptome:
- Retrosternaler Druckschmerz, Ausstrahlung in linken Arm, Kiefer oder Rücken
- Kaltschweißigkeit, Übelkeit, Todesangst
- Dyspnoe, Tachykardie
Wichtige Anamnesefragen:
- „Beschreiben Sie den Schmerz — drückend, stechend oder brennend?“
- „Strahlt der Schmerz irgendwo aus?“
- „Haben Sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder rauchen Sie?“
Verdachtsdiagnose: Akutes Koronarsyndrom (ACS), V. a. STEMI Differentialdiagnosen: Instabile Angina pectoris, Aortendissektion, Lungenembolie, Perikarditis
Typischer Arztbrief-Satz:
„Aufgrund des typischen Beschwerdebildes mit retrosternalem Druckschmerz, Kaltschweißigkeit und ST-Strecken-Hebungen im EKG erfolgte die umgehende Verlegung in die Herzkatheterlabor.“
Fall 3: Diabetes mellitus Typ 2
Leitsymptome:
- Polyurie, Polydipsie, Abgeschlagenheit
- Ungewollter Gewichtsverlust (seltener als bei Typ 1)
- Häufige Infektionen, schlecht heilende Wunden
Wichtige Anamnesefragen:
- „Trinken und urinieren Sie mehr als gewöhnlich?“
- „Haben Sie Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Füßen?“
- „Gibt es Diabetes in Ihrer Familie?“
Verdachtsdiagnose: Diabetes mellitus Typ 2, Erstmanifestation oder Entgleisung Differentialdiagnosen: Diabetes mellitus Typ 1, MODY, Harnwegsinfektion (bei isolierter Polyurie)
Typischer Arztbrief-Satz:
„Bei Aufnahme zeigte sich ein HbA1c von 10,2 % sowie ein nüchtern-Blutzucker von 248 mg/dl, vereinbar mit einer schlecht eingestellten Diabetes-mellitus-Typ-2-Erkrankung.“
Fall 4: Lungenembolie
Leitsymptome:
- Plötzliche Dyspnoe, atemabhängiger Thoraxschmerz
- Tachykardie, Tachypnoe
- Hämoptysen (bei großer Embolie)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Hatten Sie in letzter Zeit eine längere Immobilisierung, z. B. Flugreise oder Bettruhe?“
- „Nehmen Sie die Pille oder haben Sie eine Krebserkrankung?“
- „Hatten Sie schon einmal eine Thrombose?“
Verdachtsdiagnose: Akute Lungenembolie Differentialdiagnosen: Pneumonie, Pneumothorax, Pleuritis, ACS
Typischer Arztbrief-Satz:
„Bei klinischem Verdacht auf Lungenembolie (Wells-Score 5 Punkte) wurde die sofortige CT-Angiographie des Thorax veranlasst, welche eine zentrale Lungenembolie beidseits bestätigte.“
Fall 5: Gastroenteritis
Leitsymptome:
- Übelkeit, Erbrechen, wässrige Diarrhö
- Bauchkrämpfe, Fieber (meist niedriggradig)
- Dehydrierungszeichen bei schwerem Verlauf
Wichtige Anamnesefragen:
- „Was haben Sie in den letzten 24–48 Stunden gegessen?“
- „Haben weitere Personen in Ihrem Umfeld ähnliche Beschwerden?“
- „Wie oft haben Sie erbrochen und wie oft Durchfall?“
Verdachtsdiagnose: Akute infektiöse Gastroenteritis Differentialdiagnosen: Appendizitis (bei Rechtsbetonung), Lebensmittelvergiftung, Morbus Crohn-Schub, Cholera
Typischer Arztbrief-Satz:
„Der Patient berichtete über seit einem Tag bestehende wässrige Diarrhö mit mehr als zehn Stuhlgängen täglich sowie mehrfaches Erbrechen, sodass bei klinischen Dehydrierungszeichen eine intravenöse Rehydrierung eingeleitet wurde.“
Fall 6: Herzinsuffizienz
Leitsymptome:
- Belastungsdyspnoe, Orthopnoe, nächtliche Dyspnoeanfälle
- Periphere Ödeme (Knöchel, Unterschenkel)
- Rasche Erschöpfung, Gewichtszunahme durch Wassereinlagerung
Wichtige Anamnesefragen:
- „Schlafen Sie auf mehreren Kissen, weil Ihnen sonst Luft fehlt?“
- „Haben Ihre Beine in letzter Zeit zugenommen — Schwellungen?“
- „Haben Sie eine bekannte Herzerkrankung oder einen Herzinfarkt gehabt?“
Verdachtsdiagnose: Akut dekompensierte Herzinsuffizienz Differentialdiagnosen: COPD-Exazerbation, Lungenembolie, Nephrotisches Syndrom (bei Ödemen)
Typischer Arztbrief-Satz:
„Echokardiographisch zeigte sich eine hochgradig eingeschränkte linksventrikuläre Funktion mit einer Ejektionsfraktion von 28 %, sodass die Diagnose einer dilatativen Kardiomyopathie mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz gestellt wurde.“
Fall 7: COPD-Exazerbation
Leitsymptome:
- Zunehmende Dyspnoe über das gewohnte Maß hinaus
- Verstärkter Husten mit vermehrtem und verfärbtem Auswurf
- Pfeifen beim Ausatmen (Exspirationsgiemen)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Rauchen Sie oder haben Sie früher geraucht?“
- „Haben Sie schon eine COPD-Diagnose?“
- „Haben Sie in letzter Zeit eine Erkältung oder Atemwegsinfektion gehabt?“
Verdachtsdiagnose: Akute COPD-Exazerbation (AECOPD), infektiös getriggert Differentialdiagnosen: Asthma-Anfall, Herzinsuffizienz, Pneumonie, Lungenembolie
Typischer Arztbrief-Satz:
„Bei bekannter COPD GOLD-Stadium III stellte sich der Patient mit einer akuten Exazerbation vor, klinisch imponierend mit verlängertem Exspirium, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur und einer SpOâ‚‚ von 82 % unter Raumluft.“
Fall 8: Harnwegsinfekt (HWI)
Leitsymptome:
- Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen), Pollakisurie
- Trüber oder übel riechender Urin
- Suprapubischer Druckschmerz; bei Pyelonephritis: Flankenschmerz, Fieber
Wichtige Anamnesefragen:
- „Haben Sie Schmerzen beim Wasserlassen?“
- „Haben Sie Fieber oder Schüttelfrost? (→ Pyelonephritis-Verdacht)“
- „Sind Sie schwanger oder haben Sie Diabetes?“
Verdachtsdiagnose: Unkomplizierter Harnwegsinfekt (bei Frauen) bzw. Pyelonephritis Differentialdiagnosen: Urolithiasis, Interstitielle Zystitis, STI (z. B. Chlamydien), Zervizitis
Typischer Arztbrief-Satz:
„Im Urinsediment zeigten sich Leukozyten >100/µl sowie Bakteriurie, passend zur klinischen Diagnose einer akuten Zystitis; eine antibiotische Therapie mit Nitrofurantoin wurde eingeleitet.“
Fall 9: Hypertensive Krise
Leitsymptome:
- Blutdruck >180/120 mmHg, Kopfschmerzen (okzipital)
- Schwindel, Sehstörungen, Nasenbluten
- Bei hypertensivem Notfall: Brustschmerz, Neurologie, Dyspnoe
Wichtige Anamnesefragen:
- „Nehmen Sie Blutdruckmedikamente? Haben Sie sie heute genommen?“
- „Haben Sie Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen?“
- „Haben Sie viel Stress, Koffein oder salzreiche Mahlzeiten gehabt?“
Verdachtsdiagnose: Hypertensive Krise (ohne Organschaden) vs. hypertensiver Notfall (mit Organschaden) Differentialdiagnosen: Sekundäre Hypertonie (Phäochromozytom, Nierenarterienstenose), Kokainintoxikation
Typischer Arztbrief-Satz:
„Bei Aufnahme betrug der Blutdruck 210/115 mmHg; nach Ausschluss einer hypertensiven Enzephalopathie und eines akuten Koronarsyndroms wurde eine vorsichtige Blutdrucksenkung mit Urapidil intravenös eingeleitet.“
Fall 10: Cholezystitis
Leitsymptome:
- Rechtsseitiger Oberbauchschmerz, Ausstrahlung in rechte Schulter
- Fieber, Übelkeit, Erbrechen
- Murphy-Zeichen positiv
Wichtige Anamnesefragen:
- „Haben Sie Gallenprobleme oder Gallensteine — ist das bekannt?“
- „Wann tritt der Schmerz auf — nach fettem Essen?“
- „Haben Sie Fieber oder Schüttelfrost?“
Verdachtsdiagnose: Akute Cholezystitis, steinbedingt Differentialdiagnosen: Choledocholithiasis (Ikterus?), Pankreatitis, rechtsseitige Pneumonie, Hepatitis
Typischer Arztbrief-Satz:
„Sonographisch zeigte sich eine vergrößerte Gallenblase mit verdickter Wand (>4 mm) und positivem Druckschmerz unter dem Schallkopf, vereinbar mit einer akuten kalkulösen Cholezystitis.“
Chirurgie: 8 FSP-Fälle mit Musterlösungen
Chirurgische Fälle gehören zu den häufigsten Prüfungsthemen in der FSP. Akute Abdomina und Frakturen sind dabei besonders häufig.
Fall 11: Appendizitis
Leitsymptome:
- Wandernder Schmerz: periumbilikal → rechter Unterbauch (McBurney-Punkt)
- Übelkeit, Erbrechen, Fieber
- Kontralateraler Loslassschmerz (Blumberg-Zeichen)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Wo genau ist der Schmerz — hat er sich verlagert?“
- „Hatten Sie in letzter Zeit Stuhlprobleme?“
- „Bei Frauen: Ist eine Schwangerschaft ausgeschlossen? Letzte Menstruation?“
Verdachtsdiagnose: Akute Appendizitis Differentialdiagnosen: Adnexitis (Frauen), Ovarialzyste, Meckel-Divertikel, Leistenhernie, Gastroenteritis
Typischer Arztbrief-Satz:
„Klinisch zeigte sich ein positives Blumberg-Zeichen sowie Druckschmerz im rechten Unterbauch, sodass bei einem Alvarado-Score von 7 die Indikation zur diagnostischen Laparoskopie gestellt wurde.“
Fall 12: Ileus
Leitsymptome:
- Keine Stuhlentleerung und kein Windabgang (Obstipation)
- Aufgetriebenes Abdomen, Übelkeit, Erbrechen (ggf. fäkulent)
- Fehlende oder hochgestellte Darmgeräusche
Wichtige Anamnesefragen:
- „Wann hatten Sie zuletzt Stuhlgang und Windabgang?“
- „Hatten Sie früher Operationen am Bauch?“
- „Nehmen Sie Opioide oder andere Medikamente, die den Darm verlangsamen?“
Verdachtsdiagnose: Mechanischer Ileus (Adhäsionen, Tumor) vs. paralytischer Ileus Differentialdiagnosen: Schwere Obstipation, Mesenterialischämie, Volvulus, Inkarzinierte Hernie
Typischer Arztbrief-Satz:
„Das Abdomen-CT zeigte einen mechanischen Ileus mit Kalibersprungs im mittleren Dünndarm auf Höhe von bekannten Adhäsionen nach Appendektomie im Jahr 2019.“
Fall 13: Fraktur (Unterarm / Oberschenkelhals)
Leitsymptome:
- Traumaanamnese (Sturz, Unfall), sofortiger Schmerz
- Schwellung, Hämatom, Fehlstellung
- Funktionseinschränkung des betroffenen Gelenks
Wichtige Anamnesefragen:
- „Wie ist der Unfall genau passiert?“
- „Haben Sie Taubheitsgefühl oder Kribbeln (→ Nervenläsion)?“
- „Nehmen Sie blutverdünnende Medikamente oder haben Sie Osteoporose?“
Verdachtsdiagnose: Distale Radiusfraktur (Unterarm) / Schenkelhalsfraktur (Oberschenkel) Differentialdiagnosen: Luxation, Kontusion, Bänderverletzung, pathologische Fraktur bei Tumor/Osteoporose
Typischer Arztbrief-Satz:
„Röntgenologisch zeigte sich eine dislozierte distale Radiusfraktur vom Extensionstyp (Colles-Fraktur) ohne Beteiligung des Radiokarpalgelenks; die operative Versorgung mittels winkelstabiler Plattenosteosynthese wurde geplant.“
Fall 14: Cholezystektomie (postoperativer Verlauf)
Leitsymptome:
- Postoperativer Schmerz, Wundschmerz
- Fieber (>38 °C) am 2.–3. postoperativen Tag
- Übelkeit, verzögerte Darmtätigkeit
Wichtige Anamnesefragen:
- „Wann hatten Sie zuletzt Stuhlgang?“
- „Haben Sie Schulterschmerzen (→ Pneumoperitoneum-Rest)?“
- „Wie ist Ihr Appetit — können Sie schon essen und trinken?“
Verdachtsdiagnose: Regelrechter postoperativer Verlauf vs. Wundinfektion / Gallenleck Differentialdiagnosen: Intraabdomineller Abszess, Galleleck (Biliom), Harnwegsinfekt, Atelektase
Typischer Arztbrief-Satz:
„Am dritten postoperativen Tag nach laparoskopischer Cholezystektomie zeigte der Patient einen komplikationslosen Verlauf mit beginnender Darmtätigkeit, sodass die Entlassung in die ambulante Nachsorge am Folgetag geplant wurde.“
Fall 15: Hernien (Leistenhernie)
Leitsymptome:
- Tastbare Vorwölbung in der Leiste, besonders bei Pressen oder Husten
- Ziehende Schmerzen, zunehmend im Tagesverlauf
- Bei Inkarzeration: plötzlicher starker Schmerz, Erbrechen, Ileus-Zeichen
Wichtige Anamnesefragen:
- „Merken Sie die Beule besonders beim Husten oder Pressen?“
- „Kann die Beule zurückgedrückt werden?“
- „Haben Sie körperlich schwere Arbeit geleistet?“
Verdachtsdiagnose: Direkte oder indirekte Leistenhernie, reponibel vs. inkarzeriert Differentialdiagnosen: Lymphknoten-Vergrößerung, Lipom, Schenkelhernie, Varikozele (Männer)
Typischer Arztbrief-Satz:
„Klinisch zeigte sich eine reponible rechtsseitige Leistenhernie ohne Zeichen einer Inkarzeration; die elektive laparoskopische Hernienversorgung (TAPP) wurde mit dem Patienten besprochen und geplant.“
Fall 16: Polytrauma
Leitsymptome:
- Schwermechanismus (Verkehrsunfall, Sturz aus großer Höhe)
- Bewusstseinstrübung, hämodynamische Instabilität
- Sichtbare Verletzungen an mehreren Körperregionen
Wichtige Anamnesefragen:
- „Wie war der Unfallmechanismus — Gurttragen, Airbag?“
- „Gibt es Bewusstlosigkeit — wie lange?“
- „Welche Vorerkrankungen und Medikamente? (→ Antikoagulation!)“
Verdachtsdiagnose: Polytrauma (ISS ≥16), Schockraumaktivierung Differentialdiagnosen: Isoliertes Schädel-Hirn-Trauma, thorakales Trauma (Pneumothorax/Hämatothorax), Abdominaltrauma
Typischer Arztbrief-Satz:
„Nach Schockraumaktivierung bei Polytrauma nach Hochrasanz-Verkehrsunfall wurde gemäß ATLS-Protokoll vorgegangen; initial zeigte sich ein Schädel-Hirn-Trauma GCS 11 sowie ein rechtsseitiger Pneumothorax, welcher sofortig entlastet wurde.“
Fall 17: Wundinfektion
Leitsymptome:
- Rötung (Rubor), Schwellung (Tumor), Überwärmung (Calor), Schmerz (Dolor)
- Eitriges Wundsekret, Wundrandnekrosen
- Fieber, erhöhte Entzündungsparameter
Wichtige Anamnesefragen:
- „Wann wurde die Wunde versorgt — wie ist sie entstanden?“
- „Haben Sie Diabetes oder nehmen Sie Kortison?“
- „Wurde eine Wundversorgung durchgeführt — Tetanusschutz?“
Verdachtsdiagnose: Oberflächliche Wundinfektion vs. Phlegmone vs. Abszess Differentialdiagnosen: Erysipel, Fasziitis necroticans (bei rascher Ausbreitung), Thrombophlebitis
Typischer Arztbrief-Satz:
„Die Wundinspektion ergab eine deutliche Rötung mit Sekretion von gelblichem Eiter sowie eine Ausdehnung der Induration auf 5 × 4 cm, sodass die chirurgische Wundrevision unter Lokalanästhesie durchgeführt wurde.“
Fall 18: Tiefe Venenthrombose (TVT)
Leitsymptome:
- Einseitige Schwellung des Beins, Überwärmung, Rötung
- Ziehender Wadenschmerz, besonders beim Gehen
- Positives Homans-Zeichen (eingeschränkte Spezifität)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Hatten Sie eine längere Immobilisierung — Reise, Bettlägerigkeit?“
- „Nehmen Sie die Pille oder sind Sie schwanger?“
- „Gibt es Thrombosen in Ihrer Familie?“
Verdachtsdiagnose: Tiefe Venenthrombose (TVT) des Unterschenkels oder Oberschenkels Differentialdiagnosen: Muskelfaserriss, Lymphödem, Baker-Zyste (Ruptur), Erysipel
Typischer Arztbrief-Satz:
„Die Duplexsonographie der Beinvenen ergab einen nicht komprimierbaren, echoreichen Thrombus in der Vena femoralis superficialis rechts, sodass die therapeutische Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin unverzüglich eingeleitet wurde.“
Neurologie: 5 FSP-Fälle mit Musterlösungen
Neurologische Fälle kommen in der FSP regelmäßig vor. Schlaganfall und epileptischer Anfall sind die häufigsten Einzeldiagnosen in diesem Bereich.
Fall 19: Schlaganfall (Ischämischer Insult)
Leitsymptome:
- Plötzliche einseitige Schwäche oder Lähmung (Arm, Bein, Gesicht)
- Sprachstörung (Aphasie oder Dysarthrie), Sehstörungen
- Schwindel, Gangunsicherheit (bei hinterem Hirnkreislauf)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Wann genau haben die Beschwerden begonnen?“ (→ Lysefenster!)
- „Hatten Sie schon einmal ähnliche, kurz anhaltende Beschwerden? (→ TIA)“
- „Nehmen Sie Blutverdünner? Haben Sie Vorhofflimmern?“
Verdachtsdiagnose: Akuter ischämischer Hirninfarkt, V. a. kardioembolisch Differentialdiagnosen: Intrakranielle Blutung, hypoglykämischer Anfall, Todd-Parese (postiktal), komplizierte Migräne
Typischer Arztbrief-Satz:
„Aufgrund der plötzlich aufgetretenen linksseitigen Hemiparese und Aphasie bei letztem bekannten Wohlbefinden vor 90 Minuten wurde die sofortige cCT-Bildgebung und bei Ausschluss einer Blutung die intravenöse Thrombolyse mit rt-PA eingeleitet.“
Fall 20: Meningitis
Leitsymptome:
- Klassische Trias: Fieber, Kopfschmerzen, Meningismus
- Übelkeit, Lichtscheu (Photophobie), Lärmempfindlichkeit (Phonophobie)
- Bei Meningokokken: Petechien, Purpura fulminans (Notfall!)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Haben Sie Nackenschmerzen oder Steifheit im Nacken?“
- „Gibt es einen Ausschlag — rote Flecken auf der Haut?“
- „Waren Sie kürzlich krank — Erkältung, Sinusitis?“
Verdachtsdiagnose: Bakterielle Meningitis (Notfall) vs. virale Meningoenzephalitis Differentialdiagnosen: Subarachnoidalblutung (SAB), Enzephalitis, Hirnabszess, Migräne
Typischer Arztbrief-Satz:
„Klinisch bestand ein positiver Kernig- und Brudzinski-Zeichen; nach cCT-Ausschluss einer Hirndruckerhöhung erfolgte die Liquorpunktion, die eine trübe Flüssigkeit mit Pleozytose von 4.800 Zellen/µl und Hypoglykorrhachie ergab, vereinbar mit einer bakteriellen Meningitis.“
Fall 21: Migräne
Leitsymptome:
- Halbseitiger, pulsierender Kopfschmerz, mittlere bis starke Intensität
- Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit
- Aura möglich (Sehstörungen, Kribbeln, Sprachstörungen)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Hatten Sie solche Kopfschmerzen schon früher?“
- „Gibt es Auslöser — Stress, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel?“
- „Mussten Sie sich hinlegen — hilft das?“
Verdachtsdiagnose: Migräne mit oder ohne Aura Differentialdiagnosen: Spannungskopfschmerz, SAB („Donnerschlagkopfschmerz“), Meningitis, Cluster-Kopfschmerz
Typischer Arztbrief-Satz:
„Die Patientin berichtete über seit Jahren wiederkehrende, halbseitige pulsierende Kopfschmerzen mit vorausgehenden Sehphänomenen und Übelkeit, die durch Ruhe und Dunkelheit gebessert wurden, vereinbar mit einer Migräne mit typischer Aura.“
Fall 22: Epileptischer Anfall
Leitsymptome:
- Zuckungen (tonisch-klonisch), Bewusstlosigkeit
- Zungenbiss, Harn-/Stuhlinkontinenz während des Anfalls
- Postiktale Phase: Müdigkeit, Desorientierung (Todd-Parese möglich)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Haben Sie vor dem Anfall etwas gemerkt — ein Déjà-vu, Kribbeln?“ (→ Aura)
- „Haben Sie schon früher Anfälle gehabt?“
- „Haben Sie Alkohol getrunken oder schlafen Sie wenig?“
Verdachtsdiagnose: Generalisierter tonisch-klonischer Anfall, symptomatisch vs. idiopathisch Differentialdiagnosen: Synkope, Hypoglykämie, TIA, Hyperventilationstetanie, psychogener Anfall
Typischer Arztbrief-Satz:
„Laut Fremdanamnese erlitt der Patient einen 2 Minuten andauernden generalisierten tonisch-klonischen Anfall mit anschließender postiktaler Phase; im EEG zeigten sich generalisierte Spike-wave-Komplexe, sodass die Diagnose einer Epilepsie gestellt und eine Anfallsschutztherapie eingeleitet wurde.“
Fall 23: Multiple Sklerose (Schub)
Leitsymptome:
- Sehstörungen (Optikusneuritis: Schmerzen bei Augenbewegung, verschwommenes Sehen)
- Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, Taubheit), Schwäche
- Blasenstörungen, Lhermitte-Zeichen (elektrisches Kribbeln bei Nackenbeugung)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Hatten Sie in der Vergangenheit ähnliche Episoden — und haben sie sich erholt?“
- „Nehmen Sie bereits MS-Medikamente?“
- „Verschlechtern sich die Symptome bei Wärme?“ (→ Uhthoff-Phänomen)
Verdachtsdiagnose: Erster demyelinisierender Schub / MS-Schub bei bekannter MS Differentialdiagnosen: Neuromyelitis optica, Vaskulitis, Hirntumor, B12-Mangel-Myelopathie
Typischer Arztbrief-Satz:
„Das cMRT zeigte periventrikuläre und juxtakortikale T2-Hyperintensitäten mit Kontrastmittelaufnahme einer aktiven Läsion im Bereich des linken N. opticus, vereinbar mit einem ersten demyelinisierenden Schub im Sinne einer klinisch isolierten Syndrom (CIS).“
Notfallmedizin: 4 FSP-Fälle mit Musterlösungen
Notfallmedizinische FSP-Fälle testen vor allem dein Handeln unter Druck. Sprachlich sauber und strukturiert zu bleiben, obwohl der Prüfungsfall dringend erscheint — das ist die eigentliche Herausforderung.
Notfallmedizin-Fälle werden in der Arzt-Arzt-Übergabe besonders häufig schlecht bewertet — nicht wegen Wissenslücken, sondern wegen Panikreaktionen im Sprachgebrauch. Ruhige, strukturierte Übergabe (SBAR) ist trainierbar.
Fall 24: Anaphylaxie
Leitsymptome:
- Akute Urtikaria, Angioödem, Juckreiz nach Allergenkontakt
- Dyspnoe, Stridor, Bronchospasmus
- Hypotonie, Tachykardie bis hin zum anaphylaktischen Schock
Wichtige Anamnesefragen:
- „Was haben Sie kurz vor den Beschwerden eingenommen oder gegessen?“
- „Haben Sie schon einmal eine allergische Reaktion gehabt?“
- „Haben Sie einen Notfallausweis oder Adrenalin-Autoinjektor?“
Verdachtsdiagnose: Anaphylaxie Grad III (nach Ring und Messmer) Differentialdiagnosen: Vasovagale Synkope, Panikattacke, Urtikaria (ohne Systemreaktion), Hereditäres Angioödem
Typischer Arztbrief-Satz:
„Nach Gabe von Amoxicillin i.v. entwickelte die Patientin innerhalb von Minuten eine generalisierte Urtikaria, Dyspnoe und einen Blutdruckabfall auf 75/40 mmHg, sodass die sofortige Gabe von Adrenalin 0,5 mg i.m., Volumensubstitution und Prednisolon i.v. erfolgte.“
Fall 25: Sepsis
Leitsymptome:
- Fieber (>38 °C) oder Hypothermie (<36 °C), Schüttelfrost
- Tachykardie, Tachypnoe, Bewusstseinstrübung (SOFA-Score)
- Bekannter oder vermuteter Infektfokus (Pneumonie, HWI, Wunde)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Wo denken Sie, hat die Infektion begonnen?“
- „Haben Sie sich schnell verschlechtert — über Stunden?“
- „Haben Sie Immunsuppressiva, Cortison oder Chemotherapie bekommen?“
Verdachtsdiagnose: Sepsis / septischer Schock (Sepsis-3-Kriterien: SOFA ≥2) Differentialdiagnosen: SIRS nicht-infektiöser Genese, Pankreatitis, Addison-Krise, Thyreotoxikose
Typischer Arztbrief-Satz:
„Bei Aufnahme erfüllte der Patient mit Fieber 39,8 °C, Tachykardie 128/min, Laktat 4,2 mmol/l und akuter Bewusstseinstrübung die Sepsis-3-Kriterien; die Umsetzung des Sepsis-Bundles mit frühzeitiger Antibiotikagabe, Volumengabe und intensivmedizinischer Überwachung wurde sofort eingeleitet.“
Fall 26: Akutes Abdomen
Leitsymptome:
- Plötzlicher starker Bauchschmerz, brettharte Abwehrspannung
- Übelkeit, Erbrechen, Fieber
- Fehlende Darmgeräusche (bei Peritonitis)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Wann genau hat der Schmerz begonnen — plötzlich oder schleichend?“
- „Hatten Sie schon einmal Magengeschwüre oder Gallenprobleme?“
- „Haben Sie zuletzt Antikoagulanzien oder NSAR eingenommen?“
Verdachtsdiagnose: Akutes Abdomen — Differenzierung erst nach Bildgebung (CT Abdomen) Differentialdiagnosen: Perforiertes Magengeschwür, Appendizitis-Perforation, Mesenterialischämie, Aortendissektion (Bauchaortenaneurysma)
Typischer Arztbrief-Satz:
„Das Abdomen-CT zeigte freie Luft subdiaphragmal und intraabdominelle Flüssigkeit, vereinbar mit einer Perforation; der Patient wurde umgehend dem operativen Dienst vorgestellt und interdisziplinär die Indikation zur notfallmäßigen Laparotomie gestellt.“
Fall 27: Hypoglykämie
Leitsymptome:
- Zittern, Schweißausbrüche, Blässe, Herzrasen (adrenerge Symptome)
- Verwirrung, Konzentrationsstörung, Sprach- und Sehstörungen
- Bewusstlosigkeit bei schwerem Verlauf
Wichtige Anamnesefragen:
- „Haben Sie Diabetes — welche Medikamente nehmen Sie?“
- „Haben Sie heute gegessen, bevor Sie die Medikamente genommen haben?“
- „Wann haben Sie zuletzt Ihre Insulindosis geändert?“
Verdachtsdiagnose: Hypoglykämie (<70 mg/dl / <3,9 mmol/l), insulininduziert Differentialdiagnosen: TIA / Schlaganfall (bei Aphasie/Parese), epileptischer Anfall, Intoxikation, Panikattacke
Typischer Arztbrief-Satz:
„Bei Aufnahme betrug der kapilläre Blutzucker 32 mg/dl; nach oraler Glukosegabe und anschließender intravenöser 40%iger Glukoselösung erholte sich die Patientin rasch, sodass eine weitere intensivmedizinische Beobachtung und Anpassung der Insulintherapie eingeleitet wurden.“
Psychiatrie: 3 FSP-Fälle mit Musterlösungen
Psychiatrische Fälle erfordern besonders sensible Sprache. Viele Prüflinge berichten, dass sie sich bei psychiatrischen Fällen unsicher fühlen — vor allem bei Suizidalität. Genau deshalb sind diese Fälle so prüfungsrelevant.
Psychiatrische Fachsprache lernen
Fall 28: Depression
Leitsymptome:
- Gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit (Anhedonie)
- Antriebslosigkeit, Schlafstörungen (v. a. Früherwachen)
- Konzentrationsstörungen, Hoffnungslosigkeit, Gewichtsveränderung
Wichtige Anamnesefragen:
- „Wie lange fühlen Sie sich schon so — seit Wochen oder Monaten?“
- „Haben Sie Freude an Dingen, die Ihnen früher wichtig waren?“
- „Haben Sie Gedanken daran, sich etwas anzutun?“ (→ Suizidalität direkt ansprechen)
Verdachtsdiagnose: Mittelgradige bis schwere depressive Episode (ICD-10: F32.1/F32.2) Differentialdiagnosen: Dysthymie, Burnout-Syndrom, Hypothyreose, Demenz (Pseudodemenz), Bipolare Störung
Typischer Arztbrief-Satz:
„Der Patient berichtete über seit acht Wochen bestehende Antriebslosigkeit, Interessenverlust sowie Schlafstörungen mit Früherwachen; bei Vorliegen von mehr als fünf Hauptsymptomen einer depressiven Episode und passiven Suizidgedanken wurde die stationäre Aufnahme zur Krisenintervention und medikamentösen Einstellung eingeleitet.“
Fall 29: Alkoholentzug
Leitsymptome:
- Tremor, Schwitzen, Tachykardie, Hypertonie (6–24 h nach letztem Konsum)
- Übelkeit, Erbrechen, Unruhe, Angst
- Bei schwerem Verlauf: Entzugskrampf, Delirium tremens (Halluzinationen)
Wichtige Anamnesefragen:
- „Wie viel Alkohol haben Sie getrunken und seit wann trinken Sie regelmäßig?“
- „Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?“
- „Hatten Sie früher schon einmal Entzugssymptome oder Krampfanfälle?“
Verdachtsdiagnose: Alkoholentzugssyndrom, ggf. schwerer Verlauf mit Delirium-Risiko Differentialdiagnosen: Hypoglykämie, Thiaminmangel (Wernicke-Enzephalopathie), Sepsis, psychiatrische Erkrankung
Typischer Arztbrief-Satz:
„Bei bekannter Alkoholabhängigkeit und zuletzt täglichem Konsum von etwa 2 Litern Bier zeigte sich zwölf Stunden nach letztem Konsum ein ausgeprägter Tremor und vegetative Symptomatik mit einem CIWA-Ar-Score von 18, sodass die stationäre Überwachung und Behandlung mit Lorazepam eingeleitet wurde.“
Fall 30: Suizidalität
Leitsymptome:
- Geäußerte Suizidgedanken (aktiv oder passiv), Hoffnungslosigkeit
- Vorbereitungshandlungen (Abschiedsbriefe, Verschenken von Gegenständen)
- Soziale Rückzug, plötzliche Ruhe nach vorheriger Unruhe
Wichtige Anamnesefragen:
- „Haben Sie konkrete Gedanken, sich das Leben zu nehmen?“
- „Haben Sie einen Plan — und haben Sie Zugang zu Mitteln?“
- „Haben Sie in der Vergangenheit schon einen Versuch unternommen?“
Verdachtsdiagnose: Akute Suizidalität bei depressiver Episode oder Krisensituation Differentialdiagnosen: Parasuizidales Verhalten, Psychose mit Imperativstimmen, Persönlichkeitsstörung (Borderline)
Typischer Arztbrief-Satz:
„Der Patient äußerte konkrete Suizidgedanken mit gedanklicher Auseinandersetzung über die Einnahme seiner Schlaftabletten; aufgrund der akuten Suizidalität wurde die sofortige psychiatrische Notfallaufnahme veranlasst und eine Kriseninterventionsmaßnahme eingeleitet.“
Wie bearbeitest du FSP-Fälle richtig? Tipps für die Prüfung
Die drei häufigsten Fehler, die Prüflinge nach ihrer FSP berichten: fehlende Struktur in der Anamnese, zu medizinisches Fachvokabular im Patientengespräch (Patienten verstehen es nicht) und unvollständiger Arztbrief.
Strukturiere das Arzt-Patienten-Gespräch konsequent. Beginne immer mit der Begrüßung und Vorstellung: „Guten Tag, mein Name ist Dr. Müller, ich bin der zuständige Arzt auf dieser Station.“ Dann folgt die offene Einstiegsfrage: „Was führt Sie heute zu uns?“
Benutze für Patienten verständliche Sprache. „Schmerzen beim Wasserlassen“ statt „Dysurie“, „Schwindel“ statt „Vertigo“ — erst im Arztbrief wechselst du zur Fachterminologie. Dieser Registerwechsel ist prüfungsrelevant und wird aktiv bewertet.
Nutze das SAMPLE-Schema für die Anamnese:
- Symptome: Hauptbeschwerde, Beginn, Charakter
- Allergien: bekannte Allergien und Reaktionen
- Medikamente: aktuelle Einnahme, Dosierung
- Patientengeschichte: Vorerkrankungen, Operationen
- Letzte Mahlzeit: relevant für Narkose, Blutzucker
- Ereignis: Kontext des Ereignisses / Auslöser
Vermeide typische sprachliche Stolperfallen. „Der Patient klagt über…“ ist Standardformulierung. „Er hat Weh“ klingt umgangssprachlich — vermeide das im Arztbrief. „Es besteht ein Schmerz von 7/10 auf der NRS“ ist professionell und präzise.
Übe den Zeitdruck aktiv. In der echten FSP hast du begrenzte Zeit. Wer im Simulator regelmäßig Fälle auf Zeit durchspielt, entwickelt automatisch ein Gefühl für das richtige Tempo. Qualität und Vollständigkeit müssen gleichzeitig stimmen.
Alle FSP-Formulierungen nachschlagen
Kann ich FSP-Fälle kostenlos online üben?
Ja — und du solltest es täglich tun. Der FSP-Simulator von Kennti.com enthält 87 reale Prüfungsfälle, alle kostenlos und direkt im Browser nutzbar. Je mehr Fälle du vor der Prüfung übst, desto sicherer wirst du in der echten Prüfungssituation.
Die 87 Fälle decken alle fünf in diesem Artikel beschriebenen Fachgebiete ab. Du bekommst nach jedem Fall direktes Feedback zu Struktur, Vokabular und Vollständigkeit der Anamnese. Der Simulator funktioniert auf PC, Tablet und Smartphone — ohne Anmeldung.
So nutzt du den Simulator am effektivsten:
- Arbeite thematisch: Alle Innere-Medizin-Fälle zuerst, dann Chirurgie usw.
- Schreibe nach jedem Fall einen Arztbrief — auch wenn er nicht bewertet wird
- Nutze das FSP Wörterbuch parallel für unbekannte Formulierungen
- Ergänze deine Vorbereitung mit den Karteikarten für medizinische Fachbegriffe
Für eine vollständige Prüfungsvorbereitung empfiehlt sich außerdem unser FSP-Leitfaden 2026, der alle formalen Anforderungen und Bewertungskriterien der Ärztekammern erklärt.
Häufige Fragen zu FSP Beispielfällen
Welche Fälle kommen am häufigsten in der Fachsprachprüfung vor?
Laut Auswertung von Prüfungsprotokollen sind Herzinfarkt, Pneumonie, Schlaganfall, Appendizitis und Depression die fünf häufigsten Einzeldiagnosen in der FSP. Innere Medizin dominiert mit rund 35 % aller Fälle. Eine gezielte Vorbereitung auf die 30 häufigsten Krankheitsbilder deckt statistisch über 80 % der realen Prüfungsfälle ab.
Wie viele Fälle muss ich für die FSP lernen?
Es gibt keine offizielle Mindestzahl. Erfahrungsgemäß reicht eine solide Vorbereitung auf 25–35 Kerndiagnosen, um in der Prüfung sicher zu sein. Wichtiger als die Anzahl ist die Tiefe: Du solltest Leitsymptome, Anamnesefragen und Arztbrief-Formulierungen für jeden Fall sicher abrufen können. Der FSP-Simulator mit 87 Fällen gibt dir mehr als genug Material.
Gibt es eine offizielle Liste der FSP-Fälle?
Nein. Die Ärztekammern veröffentlichen keine Fallliste. Die Fälle orientieren sich aber an den häufigsten Krankheitsbildern der stationären Medizin in Deutschland (Statistisches Bundesamt, 2023). Inoffizielle Listen wie die in diesem Artikel basieren auf Auswertungen von realen Prüfungsberichten und haben sich über mehrere Prüfungsjahre als zuverlässig erwiesen.
Kann ich die FSP vollständig online vorbereiten?
Ja, der schriftliche und strukturelle Teil lässt sich sehr gut online üben. Der FSP-Simulator und das FSP Wörterbuch decken Fälle, Sprache und Arztbrief ab. Für die mündliche Komponente empfehlen sich ergänzend Tandem-Übungen oder Sprachkurse, da die reale Aussprache und der Sprachfluss im Simulator nicht vollständig repliziert werden können.
Wie schreibe ich einen Arztbrief in der FSP?
Ein FSP-Arztbrief folgt immer dieser Struktur: (1) Patientenangaben + Aufnahmegrund, (2) Anamnese, (3) Befund (körperlich + Labor + Bildgebung), (4) Diagnose(n), (5) Therapie, (6) Verlauf, (7) Epikrise und Empfehlungen. Achte auf passivische Formulierungen („es wurde eingeleitet“, „es zeigte sich“) und korrekte Zeitformen. Unvollständige Arztbriefe gelten als einer der häufigsten Gründe für das Nichtbestehen der FSP.
Arztbrief-Formulierungen im Wörterbuch
Fazit: Mit den richtigen Fällen zur bestandenen FSP
Die FSP ist keine Wissensprüfung im klassischen Sinne — sie testet deine Fähigkeit, medizinisches Wissen auf Deutsch zu kommunizieren. Die 30 häufigsten Krankheitsbilder aus Innerer Medizin, Chirurgie, Neurologie, Notfallmedizin und Psychiatrie bilden das Rückgrat jeder soliden Vorbereitung.
Nutze die Musterlösungen in diesem Artikel als Ausgangspunkt. Lerne Leitsymptome und Anamnesefragen auswendig — nicht als Textblöcke, sondern als flexible Bausteine, die du je nach Gesprächsverlauf anpasst. Übe regelmäßig mit dem FSP-Simulator von Kennti.com und nutze das FSP Wörterbuch für Formulierungsfragen.
Wer strukturiert vorgeht, hat die FSP fest im Griff. Der nächste Schritt: Öffne den Simulator, wähle einen Innere-Medizin-Fall — und leg los.
Vollständige FSP-Vorbereitung starten
Autor: Kennti Redaktion — Lernplattform für ausländische Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.
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