★★★ Sehr wichtig Urologie 15 Min.

Hodentorsion

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Urologischer Notfall — irreversible Hodenschädigung beginnt nach 4–6 Stunden, vollständige Nekrose nach 24 Stunden
  • 2. Leitsymptom: plötzlicher, heftiger Hodenschmerz bei Jugendlichen — bis zum Beweis des Gegenteils immer Torsionsverdacht
  • 3. Ursache: Bell-Clapper-Deformität — fehlende Fixation des Hodens an der Tunica vaginalis
  • 4. Prehn-Zeichen negativ (Hochheben lindert nicht) — wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Epididymitis
  • 5. Therapie: sofortige operative Exploration — Dopplersonographie darf die OP nicht verzögern!

Fallvignette

Ein 15-jähriger Junge wird von seinen Eltern nachts um 2 Uhr in die Notaufnahme gebracht. Er klagt über plötzlich einsetzende, starke Schmerzen im linken Hoden, die vor 2 Stunden abrupt begannen.

Der Patient war beim Aufwachen vom Schmerz geweckt worden. Er berichtet über begleitende Übelkeit und einmaliges Erbrechen. Temperatur 37,0 °C, kein Fieber. Lokalbefund: Linker Hoden geschwollen, verhärtet, druckschmerzhaft, steht höher als rechts und ist quer gestellt. Prehn-Zeichen negativ — Hochheben des Hodens bringt keine Schmerzlinderung. Urin unauffällig, kein Leukozytennachweis.

Welche Diagnose vermuten Sie? Was ist die nächste Maßnahme?


Hodentorsion

Auf einen Blick

  1. Urologischer Notfall — irreversible Hodenschädigung beginnt nach 4–6 Stunden, vollständige Nekrose nach 24 Stunden
  2. Leitsymptom: plötzlicher, heftiger Hodenschmerz bei Jugendlichen — bis zum Beweis des Gegenteils immer Torsionsverdacht
  3. Ursache: Bell-Clapper-Deformität — fehlende Fixation des Hodens an der Tunica vaginalis
  4. Prehn-Zeichen negativ (Hochheben lindert nicht) — wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Epididymitis
  5. Therapie: sofortige operative Exploration — Dopplersonographie darf die OP nicht verzögern!

Fallvignette

Ein 15-jähriger Junge wird von seinen Eltern nachts um 2 Uhr in die Notaufnahme gebracht. Er klagt über plötzlich einsetzende, starke Schmerzen im linken Hoden, die vor 2 Stunden abrupt begannen.

Der Patient war beim Aufwachen vom Schmerz geweckt worden. Er berichtet über begleitende Übelkeit und einmaliges Erbrechen. Temperatur 37,0 °C, kein Fieber. Lokalbefund: Linker Hoden geschwollen, verhärtet, druckschmerzhaft, steht höher als rechts und ist quer gestellt. Prehn-Zeichen negativ — Hochheben des Hodens bringt keine Schmerzlinderung. Urin unauffällig, kein Leukozytennachweis.

Welche Diagnose vermuten Sie? Was ist die nächste Maßnahme?


Definition

Die Hodentorsion ist eine Drehung des Hodens um seine Gefäßachse (Funiculus spermaticus), die zur Unterbrechung der Blutzufuhr und ischämischen Schädigung führt. Sie ist ein urologischer Notfall mit strenger Zeitabhängigkeit der Organerhaltung.

Zeitfenster Hodenerhaltungsrate
< 6 Stunden ~95 %
6–12 Stunden ~50 %
12–24 Stunden ~10 %
> 24 Stunden nahezu 0 %

Merkhilfe: „6 Stunden — 6 Buchstaben — 6 Stunden bis zur OP!“


Ätiologie & Risikofaktoren

  • Bell-Clapper-Deformität (Hauptursache): Der Hoden ist nicht an der posterioren Tunica vaginalis fixiert und hängt frei wie ein Klöppel in einer Glocke — kann sich dadurch drehen
  • Hohe Lage des Hodens im Skrotum
  • Reflexartige Kremasterkontraktion (z.B. im Schlaf, durch Kältereiz, Sport)
  • Pubertät: Häufigkeitsgipfel 12.–18. Lebensjahr (Hodenwachstum ohne entsprechende Fixation)
  • Neonatale Hodentorsion: Sonderform beim Neugeborenen (extravaginale Torsion)

Prädilektionsalter: Neugeborene und Jugendliche (bimodal)


Pathophysiologie

Die Torsion des Funiculus spermaticus führt zu venöser Stauung → zunehmend arterieller Ischämie → Infarzierung des Hodens. Die Keimzellen sind besonders empfindlich gegenüber Ischämie. Bei unilateraler Torsion kann durch den immunologischen „Sympathikus-Effekt“ auch der kontralaterale Hoden langfristig geschädigt werden (Autoimmunreaktion gegen Spermatozoen) — daher ist die beidseitige Orchidopexie Standard.


Klassifikation

Typ Beschreibung Altersgruppe
Intravaginale Torsion Hoden dreht sich innerhalb der Tunica vaginalis — häufigste Form Jugendliche/Männer
Extravaginale Torsion Gesamte Tunica vaginalis dreht sich mit — typisch bei Neugeborenen Neugeborene
Torsion Appendix testis Drehung eines Hodenrestkörpers (Morgagni-Hydatide) — weniger dringlich, aber DD! Kinder

Symptome & Klinik

  • Plötzlicher, starker Hodenschmerz — oft nachts oder nach Sport beginnend
  • Ausstrahlung in Leiste und Unterbauch
  • Übelkeit und Erbrechen (durch viszeralen Schmerzreiz)
  • Kein Fieber (differenziert von Epididymitis/Orchitis)
  • Lokalbefund:
  • Skrotum geschwollen, gerötet, überwärmt
  • Hoch stehender, quer gestellter Hoden (durch Verkürzung des torquierten Funiculus)
  • Prehn-Zeichen negativ — Hochheben verschlimmert den Schmerz oder bringt keine Linderung
  • Kremasterreflex fehlt (wichtiger klinischer Hinweis!)

Cave: Bei Kindern ist der Hodenschmerz manchmal unspezifisch und kann auch als Bauchschmerz angegeben werden — immer Genital untersuchen!


Diagnostik

Anamnese

  • Beginn und Charakter des Schmerzes (plötzlich vs. schleichend?)
  • Fieber? (eher Epididymitis)
  • Vorherige ähnliche Episoden? (intermittierende Torsion)
  • Trauma? (DD Hodenkontusion)
  • Sexuell aktiv? (DD Epididymitis durch STI)

Klinische Untersuchung

  • Hodenstand, Orientierung, Konsistenz
  • Prehn-Zeichen: Hochheben des Hodens — bei Torsion keine Schmerzlinderung (negativ), bei Epididymitis Linderung (positiv)
  • Kremasterreflex: Bestreichen der Innenseite des Oberschenkels → bei Torsion oft fehlend

Bildgebung

Methode Indikation Befund bei Torsion
Dopplersonographie (1. Wahl) Wenn Diagnose unklar und OP nicht verzögerbar Fehlende oder reduzierte Perfusion des Hodens
Sonographie B-Bild Ergänzend Vergrößerter, inhomogener Hoden; Skrotalödem

WICHTIG: Die Dopplersonographie darf die operative Exploration NICHT verzögern! Bei klarer Klinik → sofort in den OP.

Labor

  • Urinstreifen: Ausschluss Harnwegsinfekt (bei Epididymitis oft Leukozyturie)
  • CRP, Leukozyten: erhöht bei Epididymitis/Orchitis, normal bei Torsion (initial)
  • Blutgruppe und Kreuzprobe: präoperativ

Differentialdiagnosen

DD Abgrenzung
Epididymitis Schleichender Beginn, Fieber, Leukozyturie, Prehn-Zeichen positiv, Doppler-Perfusion erhalten
Torsion Appendix testis Weniger akut, „blauer Punkt“ sichtbar (Blue-dot-Zeichen), Perfusion erhalten
Inkarzerierte Leistenhernie Tastbarer Bruchsack, Darmgeräusche skrotal möglich
Orchitis Meist viral (Mumps), beidseitig möglich, Fieber, normale Hodenlage
Hodenkontusion Trauma in der Anamnese, Hämatozele im Sono
Hodentumor Schmerzlose Verhärtung, langsam, AFP/β-hCG erhöht

Therapie

Akuttherapie — operative Exploration (Notfall!)

Indikation: Klinischer Verdacht auf Hodentorsion — sofortige OP ohne Zeitverzug

Vorgehen:

  1. Skrotalschnitt und Exploration des Hodens
  2. Detorsion (Rückdrehen) und Beurteilung der Vitalität
  3. Vitaler Hoden → beidseitige Orchidopexie (Fixierung mit nicht-resorbierbaren Nähten)
  4. Nekrotischer Hoden → Orchiektomie + Orchidopexie der Gegenseite

Beidseitige Orchidopexie ist Standard, weil die Bell-Clapper-Deformität oft bilateral vorliegt!

Manuelle Detorsion (Notlösung)

  • Kann als Überbrückung bis zur OP versucht werden
  • Technik: „Open-book maneuver“ — Hoden von medial nach lateral rotieren (wie Buchaufschlagen)
  • Erfolg: Schmerzlinderung + Normalisierung der Dopplerperfusion
  • Kein Ersatz für die OP — Orchidopexie ist dennoch erforderlich!

Analgesie

  • Metamizol i.v. oder Morphin i.v. — schnelle Schmerzlinderung präoperativ

Komplikationen

  • Hodenverlust (Orchiektomie bei Nekrose) — Risiko steigt mit Zeitverzögerung
  • Infertilität (bei beidseitiger Schädigung oder autoimmunologischer Gegenseitenreaktion)
  • Hodenhypotrophie nach Detorsion mit partieller Ischämie
  • Rezidivtorsion nach unzureichender oder fehlender Orchidopexie

Prognose

  • Bei rechtzeitiger OP (< 6 Stunden): Hodenerhaltung in ~95 % möglich
  • Späte Diagnose > 24 Stunden: nahezu immer Orchiektomie erforderlich
  • Fertilität nach einseitiger Orchiektomie: meist erhalten (zweiter Hoden kompensiert)
  • Psychologische Auswirkungen bei Verlust des Hodens (Körperbild, Sexualität) sollten besprochen werden

Klinische Perlen

1. „Bis zum Beweis des Gegenteils Torsion!“ Jeder akute Hodenschmerz bei einem Jugendlichen gilt als Hodentorsion, bis die OP das Gegenteil beweist. Kein Doppler, kein Labor, kein Warten — direkt in den OP.

2. Kremasterreflex fehlt = starker Hinweis auf Torsion. Bei Epididymitis ist der Kremasterreflex erhalten. Fehlender Kremasterreflex hat eine Sensitivität von ~99 % für Hodentorsion.

3. Dopplersonographie darf die OP nicht verzögern. Wenn ein Sonographiegerät nicht sofort verfügbar ist oder die Diagnose klinisch klar ist — sofort in den OP. Jede Stunde Verzögerung kostet Hodengewebe.

4. Beidseitige Orchidopexie — immer! Die Bell-Clapper-Deformität ist in 40 % der Fälle bilateral. Auch wenn nur eine Seite tordiert ist, muss die Gegenseite prophylaktisch fixiert werden.


Prüfungstipps

  • Klassische Konstellation: Jugendlicher, nächtlicher Hodenschmerz, Prehn-Zeichen negativ, kein Fieber → Hodentorsion bis zum Beweis des Gegenteils
  • 6-Stunden-Fenster merken: > 6h = Nekrosegefahr steigt dramatisch
  • Bell-Clapper-Deformität = anatomische Grundlage der Torsion
  • Kremasterreflex fehlt = sensitiver klinischer Hinweis (Prüfungsfavorit)
  • Prehn-Zeichen: Positiv (Linderung) = Epididymitis | Negativ (keine Linderung) = Torsion
  • Therapie = sofortige Operation — Doppler verzögert nicht, schließt nicht aus
  • Beidseitige Orchidopexie = Standard, unabhängig von der betroffenen Seite

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Hodentorsion Drehung des Hodens um den Funiculus spermaticus → Ischämie
Bell-Clapper-Deformität Fehlende posteriore Fixierung des Hodens → erhöhtes Torsionsrisiko
Prehn-Zeichen Hochheben des Hodens: positiv (Linderung) = Epididymitis; negativ = Torsion
Kremasterreflex Hodenretraktion bei Oberschenkelbestreichen — bei Torsion oft fehlend
Orchidopexie Operative Fixierung des Hodens mit nicht-resorbierbaren Nähten — verhindert Rezidiv
Orchiektomie Operative Entfernung des nekrotischen Hodens
Detorsion Rückdrehen des torquierten Hodens (manuell oder operativ)

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Definition 🔗

Die Hodentorsion ist eine Drehung des Hodens um seine Gefäßachse (Funiculus spermaticus), die zur Unterbrechung der Blutzufuhr und ischämischen Schädigung führt. Sie ist ein urologischer Notfall mit strenger Zeitabhängigkeit der Organerhaltung.

Zeitfenster Hodenerhaltungsrate
< 6 Stunden ~95 %
6–12 Stunden ~50 %
12–24 Stunden ~10 %
> 24 Stunden nahezu 0 %

Merkhilfe: "6 Stunden — 6 Buchstaben — 6 Stunden bis zur OP!"


Ätiologie 🔗

  • Bell-Clapper-Deformität (Hauptursache): Der Hoden ist nicht an der posterioren Tunica vaginalis fixiert und hängt frei wie ein Klöppel in einer Glocke — kann sich dadurch drehen
  • Hohe Lage des Hodens im Skrotum
  • Reflexartige Kremasterkontraktion (z.B. im Schlaf, durch Kältereiz, Sport)
  • Pubertät: Häufigkeitsgipfel 12.–18. Lebensjahr (Hodenwachstum ohne entsprechende Fixation)
  • Neonatale Hodentorsion: Sonderform beim Neugeborenen (extravaginale Torsion)

Prädilektionsalter: Neugeborene und Jugendliche (bimodal)


Pathophysiologie 🔗

Die Torsion des Funiculus spermaticus führt zu venöser Stauung → zunehmend arterieller Ischämie → Infarzierung des Hodens. Die Keimzellen sind besonders empfindlich gegenüber Ischämie. Bei unilateraler Torsion kann durch den immunologischen "Sympathikus-Effekt" auch der kontralaterale Hoden langfristig geschädigt werden (Autoimmunreaktion gegen Spermatozoen) — daher ist die beidseitige Orchidopexie Standard.


Symptome & Klinik 🔗

Typ Beschreibung Altersgruppe
Intravaginale Torsion Hoden dreht sich innerhalb der Tunica vaginalis — häufigste Form Jugendliche/Männer
Extravaginale Torsion Gesamte Tunica vaginalis dreht sich mit — typisch bei Neugeborenen Neugeborene
Torsion Appendix testis Drehung eines Hodenrestkörpers (Morgagni-Hydatide) — weniger dringlich, aber DD! Kinder

  • Plötzlicher, starker Hodenschmerz — oft nachts oder nach Sport beginnend
  • Ausstrahlung in Leiste und Unterbauch
  • Übelkeit und Erbrechen (durch viszeralen Schmerzreiz)
  • Kein Fieber (differenziert von Epididymitis/Orchitis)
  • Lokalbefund:
  • Skrotum geschwollen, gerötet, überwärmt
  • Hoch stehender, quer gestellter Hoden (durch Verkürzung des torquierten Funiculus)
  • Prehn-Zeichen negativ — Hochheben verschlimmert den Schmerz oder bringt keine Linderung
  • Kremasterreflex fehlt (wichtiger klinischer Hinweis!)

Cave: Bei Kindern ist der Hodenschmerz manchmal unspezifisch und kann auch als Bauchschmerz angegeben werden — immer Genital untersuchen!


Diagnostik 🔗

Anamnese

  • Beginn und Charakter des Schmerzes (plötzlich vs. schleichend?)
  • Fieber? (eher Epididymitis)
  • Vorherige ähnliche Episoden? (intermittierende Torsion)
  • Trauma? (DD Hodenkontusion)
  • Sexuell aktiv? (DD Epididymitis durch STI)

Klinische Untersuchung

  • Hodenstand, Orientierung, Konsistenz
  • Prehn-Zeichen: Hochheben des Hodens — bei Torsion keine Schmerzlinderung (negativ), bei Epididymitis Linderung (positiv)
  • Kremasterreflex: Bestreichen der Innenseite des Oberschenkels → bei Torsion oft fehlend

Bildgebung

Methode Indikation Befund bei Torsion
Dopplersonographie (1. Wahl) Wenn Diagnose unklar und OP nicht verzögerbar Fehlende oder reduzierte Perfusion des Hodens
Sonographie B-Bild Ergänzend Vergrößerter, inhomogener Hoden; Skrotalödem

WICHTIG: Die Dopplersonographie darf die operative Exploration NICHT verzögern! Bei klarer Klinik → sofort in den OP.

Labor

  • Urinstreifen: Ausschluss Harnwegsinfekt (bei Epididymitis oft Leukozyturie)
  • CRP, Leukozyten: erhöht bei Epididymitis/Orchitis, normal bei Torsion (initial)
  • Blutgruppe und Kreuzprobe: präoperativ

Differentialdiagnosen 🔗

DD Abgrenzung
Epididymitis Schleichender Beginn, Fieber, Leukozyturie, Prehn-Zeichen positiv, Doppler-Perfusion erhalten
Torsion Appendix testis Weniger akut, "blauer Punkt" sichtbar (Blue-dot-Zeichen), Perfusion erhalten
Inkarzerierte Leistenhernie Tastbarer Bruchsack, Darmgeräusche skrotal möglich
Orchitis Meist viral (Mumps), beidseitig möglich, Fieber, normale Hodenlage
Hodenkontusion Trauma in der Anamnese, Hämatozele im Sono
Hodentumor Schmerzlose Verhärtung, langsam, AFP/β-hCG erhöht

Therapie 🔗

Akuttherapie — operative Exploration (Notfall!)

Indikation: Klinischer Verdacht auf Hodentorsion — sofortige OP ohne Zeitverzug

Vorgehen:

  1. Skrotalschnitt und Exploration des Hodens
  2. Detorsion (Rückdrehen) und Beurteilung der Vitalität
  3. Vitaler Hoden → beidseitige Orchidopexie (Fixierung mit nicht-resorbierbaren Nähten)
  4. Nekrotischer Hoden → Orchiektomie + Orchidopexie der Gegenseite

Beidseitige Orchidopexie ist Standard, weil die Bell-Clapper-Deformität oft bilateral vorliegt!

Manuelle Detorsion (Notlösung)

  • Kann als Überbrückung bis zur OP versucht werden
  • Technik: "Open-book maneuver" — Hoden von medial nach lateral rotieren (wie Buchaufschlagen)
  • Erfolg: Schmerzlinderung + Normalisierung der Dopplerperfusion
  • Kein Ersatz für die OP — Orchidopexie ist dennoch erforderlich!

Analgesie

  • Metamizol i.v. oder Morphin i.v. — schnelle Schmerzlinderung präoperativ

Komplikationen 🔗

  • Hodenverlust (Orchiektomie bei Nekrose) — Risiko steigt mit Zeitverzögerung
  • Infertilität (bei beidseitiger Schädigung oder autoimmunologischer Gegenseitenreaktion)
  • Hodenhypotrophie nach Detorsion mit partieller Ischämie
  • Rezidivtorsion nach unzureichender oder fehlender Orchidopexie

Prognose 🔗

  • Bei rechtzeitiger OP (< 6 Stunden): Hodenerhaltung in ~95 % möglich
  • Späte Diagnose > 24 Stunden: nahezu immer Orchiektomie erforderlich
  • Fertilität nach einseitiger Orchiektomie: meist erhalten (zweiter Hoden kompensiert)
  • Psychologische Auswirkungen bei Verlust des Hodens (Körperbild, Sexualität) sollten besprochen werden

Prüfungstipps

  • - Klassische Konstellation: Jugendlicher, nächtlicher Hodenschmerz, Prehn-Zeichen negativ, kein Fieber → Hodentorsion bis zum Beweis des Gegenteils
  • - 6-Stunden-Fenster merken: > 6h = Nekrosegefahr steigt dramatisch
  • - Bell-Clapper-Deformität = anatomische Grundlage der Torsion
  • - Kremasterreflex fehlt = sensitiver klinischer Hinweis (Prüfungsfavorit)
  • - Prehn-Zeichen: Positiv (Linderung) = Epididymitis | Negativ (keine Linderung) = Torsion
  • - Therapie = sofortige Operation — Doppler verzögert nicht, schließt nicht aus
  • - Beidseitige Orchidopexie = Standard, unabhängig von der betroffenen Seite

Schlüsselbegriffe

BegriffHodentorsionBell-Clapper-DeformitätPrehn-ZeichenKremasterreflexOrchidopexieOrchiektomieDetorsion