Akute Gastroenteritis – FSP-Fall

Gastroenterologie Häufig Konservativ Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zur akuten infektiösen Gastroenteritis: Wässrige Diarrhö, Erbrechen, orale Rehydratation mit Glucose-Elektrolyt-Lösung als Therapie der Wahl.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Akute Diarrhö mit oder ohne Erbrechen
  • Diagnostischer Standard: Klinische Diagnose; Stuhldiagnostik nur bei Komplikationen/Risikofaktoren
  • Erste Maßnahme: Orale Rehydratation mit Glucose-Elektrolyt-Lösung (ORS)
  • Wichtigste Kontraindikation: Loperamid bei blutiger Diarrhö oder Fieber
  • Prognose: Selbstlimitierend innerhalb von 3–7 Tagen; gut bei adäquater Flüssigkeitszufuhr

1 · Leitfall

Notaufnahme 35 J., m Durchfall und Erbrechen seit gestern
"Herr Doktor, seit gestern Abend habe ich ständig Durchfall, bestimmt schon acht Mal. Dazu ist mir übel und ich musste mehrfach erbrechen. Ich fühle mich total schlapp und habe kaum etwas trinken können."
2 · Krankheitsbild

Definition

Die akute Gastroenteritis ist eine infektiös bedingte Entzündung des Magen-Darm-Trakts mit Durchfall (≥3 ungeformte Stühle/24h) mit oder ohne Erbrechen, Übelkeit und Fieber. Die Erkrankung ist meist selbstlimitierend und dauert in der Regel 3–7 Tage.

Pathophysiologie

Erreger dringen in die Enterozyten ein und führen zu Verkürzung der Mikrovilli. Durch verminderte Enzymaktivität werden Natrium und Glucose schlechter resorbiert. Enterotoxine können zusätzlich über Chloridefflux Wasser im Darmlumen binden und die sekretorische Diarrhö verstärken.

Epidemiologie

Inzidenz 1–2 Episoden/Jahr bei Kindern; häufigste Ursache für Notaufnahme-Vorstellung bei Kindern 1–5 J.
Typisches Alter Alle Altersgruppen; Säuglinge und Kleinkinder am häufigsten betroffen
Häufigste Erreger Norovirus, Rotavirus, Campylobacter, Salmonellen
Saisonalität Norovirus: Winter (Nov–Apr); Rotavirus: ebenfalls Winter

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Säuglings- und Kleinkindalter
  • Hohes Lebensalter (>65 J.)
  • Immundefizienz
  • Chronische Vorerkrankungen
Modifizierbar:
  • Mangelnde Händehygiene
  • Kontaminierte Lebensmittel
  • Reisen in Endemiegebiete
  • Gemeinschaftseinrichtungen
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Stuhlcharakter Wie sieht der Stuhl aus? Wässrig, blutig, schleimig? Blut/Schleim → bakterielle Genese; invasive Erreger
Frequenz Wie oft haben Sie Durchfall pro Tag? Einschätzung des Flüssigkeitsverlusts
Erbrechen Müssen Sie auch erbrechen? Wie oft? Erschwerung der oralen Rehydratation
Trinkmenge Können Sie noch trinken? Wie viel? Dehydratationsrisiko einschätzen
Nahrungsanamnese Was haben Sie in den letzten 48–72h gegessen? Hinweis auf Lebensmittelinfektion
Umfeld Sind Familienangehörige oder Kollegen auch erkrankt? Hinweis auf Ausbruch; Meldepflicht
Reiseanamnese Waren Sie kürzlich im Ausland? Reisediarrhö; andere Erreger
Beruf Arbeiten Sie mit Lebensmitteln oder in der Pflege? Meldepflicht nach IfSG §42

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, ich bin Dr. Rashid Yilmaz. Was führt Sie zu uns?

Patient:

Seit gestern Abend habe ich starken Durchfall und musste mehrfach erbrechen. Ich fühle mich total schlapp.

Arzt:

Das tut mir leid. Wie oft haben Sie denn Durchfall? Und wie sieht der Stuhl aus?

Patient:

Bestimmt acht Mal seit gestern. Der Stuhl ist ganz wässrig, aber kein Blut.

Arzt:

Haben Sie Fieber? Und können Sie noch trinken?

Patient:

Ich glaube, ich habe etwas erhöhte Temperatur. Trinken ist schwierig, weil mir so übel ist.

Arzt:

Haben Sie in den letzten Tagen etwas Besonderes gegessen? Oder sind andere Personen in Ihrem Umfeld auch krank?

Patient:

Gestern hatte ich Hähnchen im Restaurant. Meine Frau hat nur Salat gegessen und ist gesund.

Prüfungsfokus

  • Dehydratationszeichen aktiv erfragen (Trinkmenge, Urinmenge, Schwindel)
  • Berufsanamnese bei Lebensmittel- und Pflegeberufen (Meldepflicht!)
  • Red Flags: Blutige Diarrhö, hohes Fieber, schwere Dehydratation
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Allgemeinzustand Reduziert, matt, ggf. somnolent bei schwerer Dehydratation
Vitalzeichen Tachykardie, ggf. Hypotonie, Fieber möglich
Haut/Schleimhäute Trockene Schleimhäute, stehende Hautfalten, eingesunkene Augen
Kapilläre Refill-Zeit Verlängert >2 Sek. bei Dehydratation
Abdomen Inspektion Flach oder leicht gebläht
Abdomen Palpation Diffuser Druckschmerz, keine Abwehrspannung, keine Resistenzen
Abdomen Auskultation Lebhafte, hochgestellte Darmgeräusche

Dehydratationsgrad

Grad Gewichtsverlust Klinische Zeichen
Leicht 3–5% Durst, trockene Schleimhäute
Mittel 6–9% Stehende Hautfalten, eingesunkene Augen, Oligurie
Schwer ≥10% Somnolenz, Schock, Anurie, kalte Extremitäten

Labor (nur bei Indikation)

Parameter Veränderung Bedeutung
Hämatokrit Hämokonzentration durch Flüssigkeitsverlust
Kreatinin, Harnstoff Prärenales Nierenversagen bei Dehydratation
Kalium ↓ oder ↑ Elektrolytverschiebung durch Verluste
Bicarbonat / pH Metabolische Azidose bei schwerer Diarrhö
CRP / Leukozyten Hinweis auf bakterielle Genese

Stuhldiagnostik (bei Indikation)

Methode Indikation
Stuhlkultur Blutige Diarrhö, schwerer Verlauf, Immunsuppression
Multiplex-PCR Nosokomiale Infektion, Ausbruchsabklärung
C. difficile-Toxin Nach Antibiotikatherapie, nosokomiale Diarrhö

Goldstandard

Klinische Diagnose – Erregerdiagnostik nur bei therapeutischen oder infektionspräventiven Konsequenzen

5 · Therapie

Akutmaßnahmen

  1. Flüssigkeits- und Elektrolytersatz – orale Rehydratation ist Therapie der Wahl
  2. Dehydratationsgrad einschätzen – leicht/mittel: oral; schwer: i.v.
  3. Nahrungskarenz vermeiden – frühzeitige leichte Kost nach Toleranz

Orale Rehydratation (ORS)

Komponente WHO-Lösung (pro Liter)
Glucose 13,5 g
Natriumchlorid 2,6 g
Kaliumchlorid 1,5 g
Natriumcitrat 2,9 g

Medikamentöse Therapie

Substanz Indikation Cave
Ondansetron Schweres Erbrechen (off-label bei Kindern) Einmaldosis; QT-Verlängerung
Loperamid Erwachsene ohne Fieber/Blut, max. 48h KI bei Kindern, blutiger Diarrhö, Fieber
Racecadotril Reisediarrhö (fraglicher Nutzen) ORS bleibt Mittel der Wahl

Antibiotika (nur bei Indikation!)

Indikation Mittel der Wahl
Schwere bakterielle Gastroenteritis Leitliniengerecht nach Erregernachweis
Campylobacter (schwer) Azithromycin
C. difficile Vancomycin p.o. oder Fidaxomicin

Intravenöse Rehydratation

Indikation: Schwere Dehydratation (≥10%), Schock, anhaltendes Erbrechen trotz Antiemetika

  • Kristalloide: NaCl 0,9% oder Ringer-Laktat
  • Bolus bei Schock: 20 ml/kg schnell, dann Reevaluation

Therapie der 1. Wahl

Orale Rehydratation mit hypotoner Glucose-Elektrolyt-Lösung (ORS)

6 · Arztbrief

Muster-Krankenhaus
Abteilung für Innere Medizin / Gastroenterologie
Musterstraße 1, 12345 Musterstadt

Entlassungsbrief

Patient: Thomas Becker, geb. 15.03.1989, 35 Jahre
Aufnahme: 02.01.2026
Entlassung: 04.01.2026

Diagnosen

  1. Akute infektiöse Gastroenteritis mit mittelschwerer Dehydratation (ICD: A09.9)
  2. Hypokaliämie (ICD: E87.6)

Anamnese

Der 35-jährige Patient habe angegeben, seit dem Vorabend unter wässrigem Durchfall (etwa 8×/Tag) und rezidivierendem Erbrechen zu leiden. Er leide zudem unter Übelkeit und Schwäche. Der Patient habe kaum Flüssigkeit zu sich nehmen können. Fieber sei nicht aufgetreten. Er habe am Vortag Hähnchen in einem Restaurant gegessen. Die Ehefrau sei gesund.

Befund bei Aufnahme

Der Patient habe sich in reduziertem Allgemeinzustand präsentiert. Die Vitalzeichen seien wie folgt gewesen: RR 100/65 mmHg, HF 105/min, Temp. 37,8°C. Die Schleimhäute seien trocken gewesen, die Hautfalten hätten gestanden. Das Abdomen sei weich und diffus druckempfindlich gewesen, ohne Abwehrspannung. Die Darmgeräusche seien lebhaft gewesen.

Diagnostik

Laborchemisch habe sich eine Hämokonzentration (Hkt 52%) sowie eine Hypokaliämie (K+ 3,1 mmol/l) gezeigt. Kreatinin sei mit 1,4 mg/dl leicht erhöht gewesen. Eine Stuhldiagnostik sei aufgrund des selbstlimitierenden Verlaufs nicht erfolgt.

Therapie und Verlauf

Wir hätten eine intravenöse Rehydratation mit Ringer-Laktat-Lösung begonnen und Kalium substituiert. Im Verlauf habe der Patient orale Rehydratationslösung toleriert. Die Stuhlfrequenz sei rückläufig gewesen. Bei Entlassung sei der Patient klinisch rehydriert und beschwerdefrei gewesen.

Procedere

  • Fortführung der oralen Flüssigkeitszufuhr
  • Leichte Kost nach Verträglichkeit
  • Händehygiene beachten
  • Wiedervorstellung bei Verschlechterung

Entlassmedikation

Keine spezifische Medikation erforderlich.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Dr. Rashid Yilmaz
Assistenzarzt

7 · Übergabe (SBAR)

S – Situation

„Ich übergebe Ihnen Herrn Thomas Becker, 35 Jahre, auf Station 3B, Zimmer 12. Der Patient wurde heute Morgen wegen akuter Gastroenteritis mit mittelschwerer Dehydratation aufgenommen."

B – Background

„Seit gestern Abend wässriger Durchfall etwa 8× täglich und mehrfaches Erbrechen. Kein Blut im Stuhl, kein hohes Fieber. Am Vortag Hähnchen im Restaurant gegessen. Keine relevanten Vorerkrankungen bekannt."

A – Assessment

„Bei Aufnahme Zeichen der mittelschweren Dehydratation: trockene Schleimhäute, stehende Hautfalten, Tachykardie 105/min, RR 100/65 mmHg. Labor: Hypokaliämie 3,1 mmol/l, Kreatinin 1,4 mg/dl. Klinisch V.a. virale oder lebensmittelassoziierte Gastroenteritis."

R – Recommendation

„Bitte fortführen: i.v. Rehydratation mit Ringer-Laktat 100 ml/h, Kaliumsubstitution. Flüssigkeitsbilanz führen. Bei Toleranz Umstellung auf orale Rehydratation. Bitte achten auf: Stuhlfrequenz, Vitalzeichen 4-stündlich, Zeichen der Verschlechterung. Bei blutiger Diarrhö oder hohem Fieber Stuhldiagnostik veranlassen."

8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Typische Merkmale Ausschluss durch
Appendizitis Rechtsseitiger Unterbauchschmerz, lokale Abwehrspannung, McBurney-Druckschmerz Körperliche Untersuchung, Sonographie, Labor
Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) Blutige Diarrhö, chronischer Verlauf, extraintestinale Manifestationen Anamnese, Calprotectin, Koloskopie
Lebensmittelvergiftung (Toxin-bedingt) Kurze Inkubationszeit (1–6h), Erbrechen steht im Vordergrund, kein Fieber Anamnese (Nahrungsmittel, Zeitverlauf)
Reizdarmsyndrom (RDS) Chronisch, keine Alarmsymptome, keine Dehydratation Anamnese, Ausschlussdiagnostik
Ileus / Subileus Kolikartige Schmerzen, Stuhl-/Windverhalt, Erbrechen Röntgen-Abdomen, Sonographie
⚠️ 9 · Komplikationen

Akute Komplikationen

  • Dehydratation → Hypovolämie, Schock, prärenales Nierenversagen
  • Elektrolytstörungen → Hypokaliämie (Herzrhythmusstörungen), Hyponatriämie (Krampfanfälle)
  • Metabolische Azidose → bei schwerem Bicarbonatverlust
  • Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) → bei EHEC-Infektion

Spätkomplikationen

  • Postinfektiöses Reizdarmsyndrom → anhaltende funktionelle Beschwerden
  • Reaktive Arthritis → nach Campylobacter, Salmonellen, Yersinien
  • Guillain-Barré-Syndrom → nach Campylobacter-Infektion
  • Transiente Laktoseintoleranz → nach Rotavirus-Infektion
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Blutige Diarrhö Invasive Erreger (Shigellen, EHEC, Campylobacter) Stuhldiagnostik, kein Loperamid, ggf. Antibiotika
Hohes Fieber >39°C Bakterielle Infektion, Sepsis Labor inkl. Blutkulturen, Stuhlkultur
Schwere Dehydratation Hypovolämischer Schock droht Sofortige i.v. Rehydratation
Bewusstseinstrübung Schwere Dehydratation, Elektrolytstörung Notfall! Stationäre Aufnahme, Labor
Abwehrspannung Perforation, Peritonitis Chirurgisches Konsil, CT-Abdomen
Oligurie/Anurie Akute Nierenschädigung, HUS Bilanz, Nierenwerte, Urinstatus
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. Orale Rehydratation ist Therapie der Wahl – auch bei Erbrechen zunächst versuchen
  2. Stuhldiagnostik nur bei therapeutischen/präventiven Konsequenzen
  3. Loperamid kontraindiziert bei blutiger Diarrhö, Fieber und bei Kindern
Frage 1 (Diagnostik): Ein 35-jähriger Patient stellt sich mit akuter wässriger Diarrhö seit 2 Tagen vor. Kein Fieber, kein Blut im Stuhl. Was ist die wichtigste diagnostische Maßnahme?
A) Stuhlkultur auf Salmonellen
B) Multiplex-PCR aus Stuhl
C) Klinische Beurteilung und Einschätzung des Dehydratationsgrades
D) CT-Abdomen mit Kontrastmittel
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Bei unkomplizierter akuter Gastroenteritis ist die klinische Diagnose ausreichend. Die Einschätzung des Dehydratationsgrades ist entscheidend für die Therapieplanung. Eine Erregerdiagnostik ist nur bei therapeutischen oder infektionspräventiven Konsequenzen indiziert.
Frage 2 (Diagnostik): Bei welchem Befund ist eine Stuhldiagnostik bei akuter Gastroenteritis indiziert?
A) Wässrige Diarrhö seit 24 Stunden
B) Blutig-schleimige Stühle mit Fieber 39,5°C
C) Leichte Übelkeit ohne Erbrechen
D) Durchfall nach dem Verzehr von Milchprodukten
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Blutige Diarrhö mit Fieber spricht für invasive Erreger (z.B. Shigellen, Campylobacter, EHEC). Hier hat die Erregerdiagnostik therapeutische Konsequenzen (ggf. Antibiotika, Meldepflicht, EHEC-Ausschluss wegen HUS-Risiko).
Frage 3 (Therapie): Was ist die Therapie der ersten Wahl bei akuter infektiöser Gastroenteritis mit leichter Dehydratation?
A) Intravenöse Flüssigkeitsgabe mit NaCl 0,9%
B) Orale Rehydratation mit Glucose-Elektrolyt-Lösung
C) Empirische Antibiotikatherapie mit Ciprofloxacin
D) Loperamid zur Reduktion der Stuhlfrequenz
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die orale Rehydratation mit hypotoner Glucose-Elektrolyt-Lösung (ORS) ist leitliniengerecht die Therapie der 1. Wahl bei leichter bis mittelschwerer Dehydratation. Sie ist effektiv, sicher und komplikationsärmer als i.v. Therapie.
Frage 4 (Therapie): Welche Aussage zur antibiotischen Therapie bei akuter Gastroenteritis ist korrekt?
A) Bei jeder Gastroenteritis sollte eine kalkulierte Antibiose erfolgen
B) Antibiotika sind bei unkomplizierter viraler Gastroenteritis indiziert
C) Antibiotika sind in der Regel nur bei schwerem Verlauf oder spezifischem Erregernachweis indiziert
D) Loperamid kann Antibiotika bei bakterieller Gastroenteritis ersetzen
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Bei unkomplizierter Gastroenteritis ist keine Antibiose indiziert. Antibiotika werden nur bei schwerem Verlauf, Immunsuppression oder spezifischem Erregernachweis (z.B. schwere Campylobacter-Infektion, C. difficile) gegeben.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein 70-jähriger Patient mit akuter Gastroenteritis zeigt: RR 80/50 mmHg, HF 120/min, kalte Extremitäten, Somnolenz. Was ist die wichtigste Sofortmaßnahme?
A) Stuhlkultur anlegen
B) Orale Rehydratation mit Tee
C) Sofortige intravenöse Volumentherapie
D) Loperamid zur Durchfallreduktion
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Der Patient zeigt Zeichen eines hypovolämischen Schocks (Hypotonie, Tachykardie, kalte Extremitäten, Bewusstseinsstörung). Die sofortige i.v. Volumentherapie ist lebensrettend. Orale Rehydratation ist bei Schock nicht ausreichend.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Bei welchem Befund ist Loperamid kontraindiziert?
A) Wässrige Diarrhö ohne Fieber
B) Reisediarrhö bei Erwachsenen
C) Blutige Diarrhö mit Fieber
D) Leichte Gastroenteritis mit Übelkeit
✅ Antwort anzeigen
Richtig: C
Loperamid ist kontraindiziert bei blutiger Diarrhö, hohem Fieber und bei Kindern. Bei invasiven Erregern (z.B. Shigellen, EHEC) kann die Verlangsamung der Darmmotilität zu schweren Komplikationen führen (Toxinretention, toxisches Megakolon).
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Ein Patient mit Diarrhö zeigt rechtsseitigen Unterbauchschmerz mit lokalem Druckschmerz am McBurney-Punkt. Welche Differentialdiagnose muss ausgeschlossen werden?
A) Norovirus-Gastroenteritis
B) Akute Appendizitis
C) Reizdarmsyndrom
D) Laktoseintoleranz
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Lokaler Druckschmerz am McBurney-Punkt mit rechtsseitigem Unterbauchschmerz ist pathognomonisch für eine Appendizitis. Diese muss bei abdominellen Beschwerden mit Diarrhö immer ausgeschlossen werden, da sie eine chirurgische Notfallindikation darstellt.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Welche Komplikation tritt charakteristisch nach einer EHEC-Infektion auf, insbesondere bei Kindern?
A) Guillain-Barré-Syndrom
B) Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS)
C) Reaktive Arthritis
D) Postinfektiöses Reizdarmsyndrom
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) mit der Trias aus mikroangiopathischer hämolytischer Anämie, Thrombozytopenie und akutem Nierenversagen ist eine typische Komplikation der EHEC-Infektion, besonders bei Kindern. Daher ist bei blutiger Diarrhö der EHEC-Ausschluss wichtig.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Gastroenteritis "Eine Entzündung des Magens und Darms, die zu Durchfall und Erbrechen führt – umgangssprachlich Magen-Darm-Grippe."
Dehydratation "Ein Flüssigkeitsmangel im Körper durch den Verlust von Wasser und Salzen."
Orale Rehydratation "Die Wiederauffüllung von Flüssigkeit und Salzen durch Trinken einer speziellen Lösung."
Elektrolyte "Wichtige Salze im Blut wie Natrium und Kalium, die für viele Körperfunktionen wichtig sind."
Stuhlkultur "Eine Laboruntersuchung des Stuhls, um Krankheitserreger zu finden."
Selbstlimitierend "Eine Erkrankung, die von selbst ausheilt, ohne dass eine besondere Behandlung nötig ist."

Zusammenfassung

Die akute infektiöse Gastroenteritis ist eine häufige, meist viral bedingte Erkrankung mit Durchfall und Erbrechen. Die Therapie der Wahl ist die orale Rehydratation. Eine Erregerdiagnostik ist nur bei Komplikationen oder Risikofaktoren indiziert. Die Erkrankung ist selbstlimitierend, eine Antibiose in der Regel nicht erforderlich.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.