★ Relevant Gastroenterologie 20 Min.

Colitis ulcerosa

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Chronisch-entzündliche Darmerkrankung — Häufigkeitsgipfel 20.–35. Lebensjahr
  • 2. Befällt ausschließlich den Dickdarm — Beginn im Rektum, kontinuierliche orale Ausbreitung
  • 3. Leitsymptom: blutige, schleimige Durchfälle
  • 4. Befall nur Mukosa + Submukosa (nicht transmural) — keine Fisteln
  • 5. Einzige CED, die durch Proktokolektomie heilbar ist

Fallvignette

Eine 26-jährige Patientin stellt sich vor mit seit 4 Wochen bestehenden blutigen, schleimigen Durchfällen (bis zu 8×/Tag) sowie krampfartigen Unterbauchschmerzen und erhöhter Temperatur.

Sie berichtet über erheblichen Gewichtsverlust (5 kg) und starke Erschöpfung. Keine Auslandsreise, keine Antibiotika-Einnahme. Körperliche Untersuchung: Druckschmerz im linken Unterbauch und suprapubisch. Temperatur 37,9 °C. Labor: Hb 9,8 g/dL, Leukozyten 12,1 × 10⁹/L, CRP 58 mg/L, BSG 72 mm/h, Albumin 28 g/L. Stuhlkultur negativ. Calprotectin im Stuhl 820 µg/g (↑↑). Ileokoloskopie: kontinuierliche Schleimhautentzündung vom Rektum bis zur linken Flexur, Pseudopolypen, keine Granulome.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Colitis ulcerosa

Auf einen Blick

  1. Chronisch-entzündliche Darmerkrankung — Häufigkeitsgipfel 20.–35. Lebensjahr
  2. Befällt ausschließlich den Dickdarm — Beginn im Rektum, kontinuierliche orale Ausbreitung
  3. Leitsymptom: blutige, schleimige Durchfälle
  4. Befall nur Mukosa + Submukosa (nicht transmural) — keine Fisteln
  5. Einzige CED, die durch Proktokolektomie heilbar ist

Fallvignette

Eine 26-jährige Patientin stellt sich vor mit seit 4 Wochen bestehenden blutigen, schleimigen Durchfällen (bis zu 8×/Tag) sowie krampfartigen Unterbauchschmerzen und erhöhter Temperatur.

Sie berichtet über erheblichen Gewichtsverlust (5 kg) und starke Erschöpfung. Keine Auslandsreise, keine Antibiotika-Einnahme. Körperliche Untersuchung: Druckschmerz im linken Unterbauch und suprapubisch. Temperatur 37,9 °C. Labor: Hb 9,8 g/dL, Leukozyten 12,1 × 10⁹/L, CRP 58 mg/L, BSG 72 mm/h, Albumin 28 g/L. Stuhlkultur negativ. Calprotectin im Stuhl 820 µg/g (↑↑). Ileokoloskopie: kontinuierliche Schleimhautentzündung vom Rektum bis zur linken Flexur, Pseudopolypen, keine Granulome.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition & Epidemiologie

Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) mit Entzündung der Kolonschleimhaut. Charakteristisch ist der kontinuierliche Befall beginnend im Rektum mit oraler Ausbreitung. Tritt meist bei jungen Menschen zwischen 20 und 35 Jahren auf.


Ätiologie

  • Unbekannt
  • Risikofaktor: genetische Prädisposition
  • Protektiver Faktor: Nikotinkonsum (Gegenteil zu Morbus Crohn — wichtig für die DD!)

Klinik

Intestinale Symptome

  • Leitsymptom: blutige, schleimige Durchfälle (Abgrenzung zu Morbus Crohn: dort unblutig)
  • Bauchschmerzen, Tenesmen (schmerzhafter Stuhldrang)
  • Ggf. Fieber bei schwerem Schub

Extraintestinale Symptome

Organ Manifestation
Gallengänge Primär sklerosierende Cholangitis (PSC) +++ — Hauptassoziation
Gelenke Arthritis, Spondylitis, Sakroiliitis
Haut Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum
Mund Pyostomatitis vegetans
Auge Iritis, Episkleritis, Uveitis

Verlaufsformen

  • Chronisch-intermittierend (schubförmig) ++ — häufigste Form
  • Chronisch-kontinuierlich
  • Akut-fulminant

Sonderform Backwash-Ileitis: Entzündung der letzten Zentimeter des terminalen Ileums bei ausgedehnter Colitis ulcerosa


Diagnostik

Labor

  • Entzündungsparameter: BSG↑, CRP↑, Leukozytose
  • Anämie
  • pANCA meist ↑ (bei Morbus Crohn: ASCA positiv)
  • Erhöhte γ-GT → Hinweis auf PSC

Stuhluntersuchung

  • Bakteriologische Untersuchung zur Ausschlussdiagnostik
  • Calprotectin als Marker für Schleimhautentzündung

Ileokoloskopie (mit Stufenbiopsien)

  • Kontinuierlicher Befall mit Rötung, Kontaktblutung, Ulzera
  • Bei fortgeschrittener Erkrankung: Haustrenverlust, Pseudopolypen
  • Regelmäßige Kontrollen wegen Karzinomrisiko

Bildgebung

  • Sonographie: Kolonwandverdickungen
  • Röntgen mit Doppelkontrasteinlauf: Verlust der Haustrierung, Ulzera
  • Hydro-MRT: Dünndarmwand unauffällig (Hilfe für DD zu Morbus Crohn)

Therapie

Allgemeine Maßnahmen

  • Substitution bei Mangelzuständen (Eisen bei Anämie)
  • Bei schwerem Schub: ggf. parenterale Ernährung

Medikamentöse Therapie

Schubtherapie:

  • Leichter bis mäßiger Schub: 5-ASA (Mesalazin) rektal oder oral ± topische Glukokortikoide
  • Schwerer Schub / kein Ansprechen: Glukokortikoide i.v.
  • Refraktär auf Glukokortikoide: Immunsuppressiva (Infliximab)

Remissionserhaltung:

  • Mesalazin oder Azathioprin oder TNF-α-Hemmer

Operative Therapie

  • Proktokolektomie mit ileoanaler Anastomose
  • Indikationen: toxisches Megakolon, Perforation, schwere Blutung, Therapieversagen
  • Im Gegensatz zu Morbus Crohn: operativ heilbar!

Komplikationen

  • Massige Blutungen
  • Toxisches Megakolon: Lebensbedrohliche Dilatation des Dickdarms mit septischem Krankheitsbild, hoher Perforationsgefahr → Notfall-OP
  • Perforation → Peritonitis
  • Erhöhtes Kolonkarzinomrisiko (bei Pankolitis nach 10 Jahren; regelmäßige Endoskopie-Kontrollen)
  • Amyloidose

Prognose

  • Normale Lebenserwartung bei isolierter Proktosigmoiditis
  • 20-Jahres-Überlebensrate 80 % bei Pankolitis

Klinische Perlen

1. Blutige Diarrhö = Colitis ulcerosa, bis bewiesen. Morbus Crohn ist meist unblutig. Dieser Unterschied ist prüfungsrelevant.

2. PSC als Extraintestinal-Manifestation ist bei Colitis ulcerosa viel häufiger als bei Morbus Crohn — merken für den Fallvergleich.

3. Nikotinabusus schützt vor Colitis ulcerosa (paradox) — aber Rauchen ist kein Therapieansatz!


Prüfungstipps

  • Unterschied Morbus Crohn / CU: Befall (diskontinuierlich/transmuralvs. kontinuierlich/mukös), Blutung (unblutig vs. blutig), Heilung (nicht heilbar vs. durch OP heilbar)
  • 5-ASA (Mesalazin) ist das Mittel der Wahl bei leichtem CU-Schub
  • Toxisches Megakolon kennen: Ursachen, Klinik, Notfallindikation zur OP
  • pANCA↑ bei CU, ASCA↑ bei Morbus Crohn

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Kontinuierlicher Befall Entzündung vom Rektum ausgehend, ohne Unterbrechung oral aufsteigend
Proktokolektomie Operative Entfernung von Rektum und Kolon — einzige kurative Therapie der CU
Toxisches Megakolon Lebensbedrohliche Dilatation des Dickdarms (Ø > 6 cm) bei schwerer Entzündung
Mesalazin (5-ASA) 5-Aminosalicylsäure — antiinflammatorisch, Basis der CU-Therapie
Backwash-Ileitis Rückfluss-Ileitis — entzündliche Mitbeteiligung des terminalen Ileums bei ausgedehnter CU

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Ätiologie 🔗

  • Unbekannt
  • Risikofaktor: genetische Prädisposition
  • Protektiver Faktor: Nikotinkonsum (Gegenteil zu Morbus Crohn — wichtig für die DD!)

Diagnostik 🔗

Labor

  • Entzündungsparameter: BSG↑, CRP↑, Leukozytose
  • Anämie
  • pANCA meist ↑ (bei Morbus Crohn: ASCA positiv)
  • Erhöhte γ-GT → Hinweis auf PSC

Stuhluntersuchung

  • Bakteriologische Untersuchung zur Ausschlussdiagnostik
  • Calprotectin als Marker für Schleimhautentzündung

Ileokoloskopie (mit Stufenbiopsien)

  • Kontinuierlicher Befall mit Rötung, Kontaktblutung, Ulzera
  • Bei fortgeschrittener Erkrankung: Haustrenverlust, Pseudopolypen
  • Regelmäßige Kontrollen wegen Karzinomrisiko

Bildgebung

  • Sonographie: Kolonwandverdickungen
  • Röntgen mit Doppelkontrasteinlauf: Verlust der Haustrierung, Ulzera
  • Hydro-MRT: Dünndarmwand unauffällig (Hilfe für DD zu Morbus Crohn)

Therapie 🔗

Allgemeine Maßnahmen

  • Substitution bei Mangelzuständen (Eisen bei Anämie)
  • Bei schwerem Schub: ggf. parenterale Ernährung

Medikamentöse Therapie

Schubtherapie:

  • Leichter bis mäßiger Schub: 5-ASA (Mesalazin) rektal oder oral ± topische Glukokortikoide
  • Schwerer Schub / kein Ansprechen: Glukokortikoide i.v.
  • Refraktär auf Glukokortikoide: Immunsuppressiva (Infliximab)

Remissionserhaltung:

  • Mesalazin oder Azathioprin oder TNF-α-Hemmer

Operative Therapie

  • Proktokolektomie mit ileoanaler Anastomose
  • Indikationen: toxisches Megakolon, Perforation, schwere Blutung, Therapieversagen
  • Im Gegensatz zu Morbus Crohn: operativ heilbar!

Komplikationen 🔗

  • Massige Blutungen
  • Toxisches Megakolon: Lebensbedrohliche Dilatation des Dickdarms mit septischem Krankheitsbild, hoher Perforationsgefahr → Notfall-OP
  • Perforation → Peritonitis
  • Erhöhtes Kolonkarzinomrisiko (bei Pankolitis nach 10 Jahren; regelmäßige Endoskopie-Kontrollen)
  • Amyloidose

Prognose 🔗

  • Normale Lebenserwartung bei isolierter Proktosigmoiditis
  • 20-Jahres-Überlebensrate 80 % bei Pankolitis

✨ Clinical Pearls

**1. Blutige Diarrhö = Colitis ulcerosa, bis bewiesen.** Morbus Crohn ist meist unblutig. Dieser Unterschied ist prüfungsrelevant.

**2. PSC als Extraintestinal-Manifestation** ist bei Colitis ulcerosa viel häufiger als bei Morbus Crohn — merken für den Fallvergleich.

**3. Nikotinabusus schützt vor Colitis ulcerosa** (paradox) — aber Rauchen ist kein Therapieansatz!

Prüfungstipps

  • - Unterschied Morbus Crohn / CU: Befall (diskontinuierlich/transmuralvs. kontinuierlich/mukös), Blutung (unblutig vs. blutig), Heilung (nicht heilbar vs. durch OP heilbar)
  • - 5-ASA (Mesalazin) ist das Mittel der Wahl bei leichtem CU-Schub
  • - Toxisches Megakolon kennen: Ursachen, Klinik, Notfallindikation zur OP
  • - pANCA↑ bei CU, ASCA↑ bei Morbus Crohn

Schlüsselbegriffe

BegriffKontinuierlicher BefallProktokolektomieToxisches MegakolonMesalazin (5-ASA)Backwash-Ileitis

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