Definition
Die infektiöse Endokarditis (IE) ist eine mikrobielle Infektion des Endokards, meist der Herzklappen. Sie entsteht durch Bakteriämie mit Absiedlung von Erregern auf vorgeschädigtem oder prothetischem Klappengewebe und führt zur Bildung infizierter Vegetationen.
Pathophysiologie
Endothelschädigung → sterile Fibrin-Thrombozyten-Vegetation → Bakteriämie → Besiedlung der Vegetation → infizierte Vegetation mit Gewebsdestruktion. Die Vegetationen können embolisieren und zu septischen Metastasen führen (Gehirn, Milz, Niere).
Epidemiologie
| Inzidenz | 3–10/100.000/Jahr (steigend) |
| Typisches Alter | 50–70 Jahre |
| Geschlecht | m:w = 2:1 |
| Letalität | 20–30% |
Risikofaktoren
- Angeborene Herzfehler
- Bikuspide Aortenklappe
- Rheumatische Herzerkrankung
- Z.n. Endokarditis
- i.v.-Drogenabusus
- Schlechte Zahnhygiene
- Diabetes mellitus
- Immunsuppression
Erregerspektrum
| Erreger | Häufigkeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| Staphylococcus aureus | 30–40% | Akuter Verlauf, hohe Letalität |
| Streptokokken (Viridans) | 20–30% | Subakuter Verlauf (Endocarditis lenta) |
| Enterokokken | 10–15% | Häufig bei älteren Patienten, nach TAVI |
| HACEK-Gruppe | 3–5% | Langsames Wachstum, verlängerte Inkubation |
