Definition
Der Morbus Addison (primäre Nebennierenrindeninsuffizienz) ist eine chronische Unterfunktion der Nebennierenrinde mit Mangel an Glukokortikoiden (Cortisol), Mineralokortikoiden (Aldosteron) und adrenalen Androgenen. Die Erkrankung manifestiert sich erst bei Zerstörung von mehr als 90% des NNR-Gewebes.
Pathophysiologie
Bei der häufigsten Form (Autoimmunadrenalitis) werden Antikörper gegen die 21-Hydroxylase gebildet, die zur Zerstörung der Nebennierenrinde führen. Der Cortisolmangel führt über fehlende negative Rückkopplung zur vermehrten ACTH-Ausschüttung. ACTH entsteht aus Proopiomelanocortin (POMC), wobei gleichzeitig MSH (Melanozyten-stimulierendes Hormon) freigesetzt wird – dies erklärt die charakteristische Hyperpigmentierung ("Bronzekrankheit").
Epidemiologie
| Inzidenz | 4-5 pro 1 Million/Jahr |
| Prävalenz | 93-140 pro 1 Million |
| Typisches Alter | 30-50 Jahre (Manifestationsgipfel) |
| Geschlecht | w > m (autoimmune Form) |
Ätiologie
- Autoimmunadrenalitis (21-OH-AK)
- Polyglanduläres Autoimmunsyndrom (APS Typ 1/2)
- Tuberkulose (historisch häufigste Ursache)
- Metastasen, Lymphome
- Adrenoleukodystrophie
- Waterhouse-Friderichsen-Syndrom
- Medikamentös (Ketoconazol, Etomidat)
