Bronchialkarzinom – FSP-Fall

Hämatologie & Onkologie Häufig Konservativ Prüfungsrelevant 📍 Baden-Württemberg, Bayern, Berlin +13

FSP-Fall zum Bronchialkarzinom: Therapieresistenter Husten, Hämoptysen, Staging mittels CT/PET-CT und stadienabhängige Therapie bei NSCLC und SCLC.

0 · Auf einen Blick

  • Leitsymptom: Therapieresistenter Husten, Hämoptysen, Gewichtsverlust
  • Diagnostischer Standard: CT-Thorax + histologische Sicherung (Bronchoskopie/Biopsie)
  • Erste Maßnahme: Staging mittels PET-CT und cMRT
  • Wichtigste Kontraindikation: OP bei FEV1 < 1,5 L oder fortgeschrittenem Stadium
  • Prognose: 5-JÜR 15-20% (NSCLC), <5% (SCLC Stadium IV)

1 · Leitfall

Pneumologische Ambulanz J., m Husten seit 8 Wochen, Gewichtsverlust
"Herr Doktor, ich huste seit zwei Monaten ständig. Letzte Woche war sogar etwas Blut dabei. Ich habe auch 6 Kilo abgenommen, obwohl ich normal esse. Ich rauche seit 40 Jahren etwa eine Schachtel am Tag."
2 · Krankheitsbild

Definition

Das Bronchialkarzinom ist eine maligne Neoplasie des Bronchialepithels. Man unterscheidet das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC, ca. 85%) und das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC, ca. 15%). Das NSCLC umfasst Adenokarzinome, Plattenepithelkarzinome und großzellige Karzinome.

Pathophysiologie

Karzinogene Noxen (v.a. Tabakrauch) führen zu DNA-Schäden im Bronchialepithel. Über Jahre entwickeln sich Dysplasien, die in ein Carcinoma in situ und schließlich in ein invasives Karzinom übergehen. Bei NSCLC sind häufig Treibermutationen (EGFR, ALK, KRAS, ROS1) nachweisbar, die therapeutische Angriffspunkte bieten. Das SCLC zeigt fast universell TP53- und RB1-Mutationen und einen neuroendokrinen Phänotyp.

Epidemiologie

Inzidenz Ca. 57.000/Jahr in Deutschland (2022: 33.000 Männer, 24.000 Frauen)
Typisches Alter Median 70 Jahre (Männer 71 J., Frauen 69 J.)
Geschlecht m:w = 1,4:1 (Trend: steigende Inzidenz bei Frauen)
Mortalität Häufigste krebsbedingte Todesursache weltweit

Risikofaktoren

Nicht modifizierbar:
  • Genetische Prädisposition
  • Positive Familienanamnese
  • Z.n. Thoraxbestrahlung
  • Lungenfibrose
Modifizierbar:
  • Tabakrauchen (85-90% der Fälle)
  • Passivrauchen
  • Asbest, Radon, Quarzstaub
  • Berufliche Karzinogenexposition
3 · Anamnese

Gezielte Fragen

Bereich Frage Warum wichtig
Aktuell Seit wann husten Sie? Hat sich der Husten verändert? Therapieresistenter Husten >3 Wochen ist abklärungsbedürftig
Hämoptysen Haben Sie Blut im Auswurf bemerkt? Hämoptysen sind ein Alarmsymptom für zentrale Tumoren
B-Symptomatik Haben Sie ungewollt Gewicht verloren? Nachtschweiß? Fieber? B-Symptome sprechen für fortgeschrittenes Stadium
Rauchanamnese Rauchen Sie oder haben Sie geraucht? Wie viel und wie lange? Pack Years berechnen (1 PY = 20 Zig./Tag × 1 Jahr)
Berufsanamnese Hatten Sie beruflich Kontakt mit Asbest, Quarzstaub oder Chemikalien? BK-Verdacht, Meldepflicht prüfen
Metastasenzeichen Haben Sie Knochenschmerzen, Kopfschmerzen, neurologische Symptome? Hinweis auf Fernmetastasen (Knochen, Hirn)

Beispieldialog

Arzt:

Guten Tag, Herr . Ich bin . Was führt Sie heute zu uns?

Patient:

Ich huste jetzt schon seit acht Wochen. Am Anfang dachte ich, es wäre eine Erkältung, aber es wird einfach nicht besser.

Arzt:

Haben Sie dabei Auswurf? Ist Ihnen Blut aufgefallen?

Patient:

Ja, letzte Woche war etwas Blut dabei. Das hat mich sehr erschrocken.

Arzt:

Das verstehe ich. Haben Sie auch andere Beschwerden bemerkt? Zum Beispiel Gewichtsverlust oder Nachtschweiß?

Patient:

Ja, ich habe etwa 6 Kilo abgenommen in den letzten Wochen, obwohl ich eigentlich normal esse. Und nachts wache ich manchmal schweißgebadet auf.

Arzt:

Rauchen Sie, Herr ?

Patient:

Ja, seit 40 Jahren etwa eine Schachtel am Tag. Ich weiß, ich hätte längst aufhören sollen.

Prüfungsfokus

  • Pack Years berechnen: Bei diesem Patienten 40 PY (1 Schachtel × 40 Jahre)
  • B-Symptomatik systematisch erfragen
  • Nach beruflicher Exposition fragen (BK-Verdacht)
4 · Befund

Körperliche Untersuchung

Methode Erwarteter Befund
Inspektion Kachexie, Trommelschlegelfinger, Uhrglasnägel; ggf. obere Einflussstauung bei V.-cava-superior-Syndrom
Palpation Supraklavikuläre/zervikale Lymphknotenvergrößerung (Virchow-Lymphknoten links)
Perkussion Gedämpfter Klopfschall bei Pleuraerguss oder Atelektase
Auskultation Abgeschwächtes Atemgeräusch, ggf. Stridor bei Bronchusstenose

Labor

Parameter Veränderung Bedeutung
BSG/CRP Entzündungsreaktion, Tumoraktivität
LDH Prognosefaktor, Tumormarker beim SCLC
Kalzium Hyperkalzämie bei Plattenepithel-CA (PTHrP)
Natrium SIADH, v.a. bei SCLC
NSE Tumormarker beim SCLC (Verlaufskontrolle)
CYFRA 21-1 Tumormarker beim NSCLC (Verlaufskontrolle)

Bildgebung

Methode Typischer Befund Wann einsetzen
Röntgen-Thorax Rundherd, Atelektase, Hilusvergrößerung, Pleuraerguss Erstuntersuchung, Screening
CT-Thorax (KM) Tumor mit Spikulae, Lymphknoten, Pleuraerguss Mittel der Wahl bei Verdacht
PET-CT Erhöhte FDG-Aufnahme im Tumor und Metastasen Staging bei potenziell kurativem Ansatz
cMRT Hirnmetastasen Staging NSCLC bei geplanter OP/kurativem Ansatz; immer bei SCLC

Diagnosesicherung

Methode Indikation
Bronchoskopie + Biopsie Zentrale Tumoren, Standardverfahren
EBUS-TBNA Mediastinale Lymphknoten, Staging
CT-gesteuerte Punktion Periphere Tumoren
Thorakoskopie Pleuraerguss, pleurale Läsionen

Goldstandard

CT-Thorax mit KM + histologische Sicherung + PET-CT zum Staging

Bei NSCLC: Molekularpathologische Testung auf EGFR, ALK, ROS1, BRAF, KRAS, PD-L1

5 · Therapie

NSCLC – Stadienabhängige Therapie

Stadium Therapiekonzept
I-II (resektabel) Chirurgische Resektion (Lobektomie) + adjuvante Chemotherapie ab Stadium II
III (lokal fortgeschritten) Multimodal: Radiochemotherapie ± OP; Konsolidierung mit Durvalumab
IV (metastasiert) Systemtherapie: Immuntherapie, zielgerichtete Therapie oder Chemotherapie

NSCLC – Zielgerichtete Therapie

Mutation Therapie
EGFR-Mutation Tyrosinkinase-Inhibitoren (Osimertinib, Erlotinib, Gefitinib)
ALK-Translokation ALK-Inhibitoren (Alectinib, Brigatinib, Lorlatinib)
BRAF V600E Dabrafenib + Trametinib
KRAS G12C Sotorasib, Adagrasib
PD-L1 ≥50% Pembrolizumab-Monotherapie möglich

SCLC – Stadienabhängige Therapie

Stadium Therapiekonzept
Very Limited (T1-2 N0) OP + adjuvante Chemotherapie
Limited Disease Simultane Radiochemotherapie (Cisplatin/Etoposid) + PCI
Extensive Disease Chemo-Immuntherapie (Platin/Etoposid + Atezolizumab/Durvalumab)

Supportive Therapie

  • Schmerztherapie: WHO-Stufenschema
  • Dyspnoe: O₂-Therapie, Opioide, bronchoskopische Intervention
  • Maligner Pleuraerguss: Pleurapunktion, Pleurodese
  • Hirnmetastasen: Stereotaktische Bestrahlung oder Ganzhirnbestrahlung
  • Knochenmetastasen: Bisphosphonate/Denosumab, Bestrahlung
6 · Arztbrief

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

wir berichten über unseren gemeinsamen Patienten , Jahre, der sich vom [Datum] bis [Datum] in unserer stationären Behandlung befand.

Diagnosen:

  • Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom (Adenokarzinom) des rechten Oberlappens, cT2a cN2 cM0, Stadium IIIA
  • Nikotinabusus (40 Pack Years)
  • Arterielle Hypertonie

Anamnese:

Der Patient habe sich wegen eines seit acht Wochen bestehenden therapieresistenten Hustens und Hämoptysen vorgestellt. Er habe zudem einen ungewollten Gewichtsverlust von 6 kg und Nachtschweiß bemerkt. Er rauche seit 40 Jahren etwa eine Schachtel Zigaretten täglich.

Befund:

Bei der körperlichen Untersuchung habe sich ein reduzierter Allgemeinzustand gezeigt. Auskultatorisch sei das Atemgeräusch rechts apikal abgeschwächt gewesen. Im CT-Thorax habe sich ein 3,5 cm großer Tumor im rechten Oberlappen mit vergrößerten mediastinalen Lymphknoten gezeigt. Die Bronchoskopie mit EBUS-TBNA habe histologisch ein Adenokarzinom ergeben. Die molekularpathologische Untersuchung habe eine EGFR-Mutation im Exon 19 nachgewiesen. Das PET-CT habe keinen Anhalt für Fernmetastasen ergeben. Das cMRT des Schädels sei unauffällig gewesen.

Therapie:

Nach interdisziplinärer Tumorkonferenz sei die Indikation zur definitiven Radiochemotherapie gestellt worden. Der Patient sei über das Therapiekonzept aufgeklärt worden und habe sein Einverständnis erteilt. Die Einleitung einer platinbasierten Chemotherapie in Kombination mit simultaner Bestrahlung sei für nächste Woche geplant.

Procedere:

  • Beginn der simultanen Radiochemotherapie
  • Konsolidierungstherapie mit Durvalumab nach Abschluss geplant
  • Nikotinkarenz dringend empfohlen
  • Wiedervorstellung zur Restaging-CT in 8 Wochen

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

7 · Übergabe (SBAR)

S – Situation

Herr , Jahre, Zimmer 312. Diagnose: NSCLC Stadium IIIA, Adenokarzinom rechter Oberlappen mit EGFR-Mutation. Stationär seit 3 Tagen zur Therapieeinleitung.

B – Background

40 Pack Years Raucheranamnese. Vorstellung wegen therapieresistentem Husten und Hämoptysen. Histologisch gesichertes Adenokarzinom. Staging abgeschlossen: cT2a cN2 cM0. Keine Fernmetastasen. Guter Allgemeinzustand (ECOG 1).

A – Assessment

Stabiler Zustand. Tumorkonferenz empfiehlt definitive Radiochemotherapie. Patient ist aufgeklärt und einverstanden. Beginn der Chemotherapie morgen geplant. Aktuell keine Komplikationen.

R – Recommendation

  • Vitalzeichen 3× täglich kontrollieren
  • Antiemetische Prophylaxe vor Chemotherapie
  • Hydratation sicherstellen
  • Bei Fieber >38,5°C oder Dyspnoe sofort informieren
  • Nikotinkarenz-Beratung fortführen
8 · Differentialdiagnosen
Differentialdiagnose Gemeinsamkeiten Unterschied Ausschluss
Lungenmetastasen Rundherde, Husten, B-Symptomatik Multiple Rundherde, bekannter Primärtumor Histologie, Tumorsuche
Tuberkulose Husten, Hämoptysen, Gewichtsverlust, Nachtschweiß Oberlappen-Kaverne, Kontaktanamnese Sputum auf säurefeste Stäbchen, IGRA, BAL
Pneumonie Husten, Infiltrat, Fieber Akuter Beginn, produktiver Husten, Ansprechen auf Antibiotika Erregernachweis, schnelles Ansprechen auf Therapie
Lungenabszess Rundherd, Husten, Fieber Flüssigkeitsspiegel, fötider Auswurf CT-Morphologie, Klinik
Sarkoidose Hiläre Lymphadenopathie, Husten Bilaterale hiläre LAD, jüngere Patienten ACE, Histologie (epitheloidzellige Granulome)
⚠️ 9 · Komplikationen

Tumorbedingte Komplikationen

  • Obere Einflussstauung (V.-cava-superior-Syndrom) → Notfall: Hochlagerung, Kortikosteroide, ggf. Stent
  • Maligner Pleuraerguss → Pleurapunktion, Pleurodese
  • Hämoptysen/Hämoptoe → Bronchoskopie, ggf. Embolisation
  • Atelektase → Bronchoskopische Rekanalisation
  • Hirnmetastasen → Hirnödem, neurologische Defizite, epileptische Anfälle

Paraneoplastische Syndrome

  • SIADH (v.a. SCLC) → Hyponatriämie
  • Hyperkalzämie (v.a. Plattenepithel-CA) → PTHrP-Sekretion
  • Cushing-Syndrom (SCLC) → Ektope ACTH-Sekretion
  • Lambert-Eaton-Syndrom (SCLC) → Proximale Muskelschwäche
  • Trommelschlegelfinger/Uhrglasnägel → Hypertrophe pulmonale Osteoarthropathie

Therapiebedingte Komplikationen

  • Chemotherapie: Myelosuppression, Übelkeit, Nephro-/Ototoxizität (Cisplatin)
  • Immuntherapie: Pneumonitis, Kolitis, Hepatitis, Thyreoiditis
  • Radiotherapie: Strahlenpneumonitis, Ösophagitis
  • Operation: Pneumonie, Bronchusstumpfinsuffizienz, Empyem
10 · Red Flags
Warnzeichen Bedeutet Sofortmaßnahme
Obere Einflussstauung V.-cava-superior-Syndrom durch Tumorkompression Hochlagerung, Dexamethason, Stent/Notfall-RT
Massive Hämoptysen Tumorarrosion, lebensbedrohliche Blutung Stabile Seitenlage (betroffene Seite unten), Bronchoskopie, Embolisation
Akute Dyspnoe Pleuraerguss, Lungenembolie, Pneumonie O₂, Sono/CT, ggf. Entlastungspunktion
Neurologische Defizite Hirnmetastasen, Hirnödem, Anfälle Dexamethason, cMRT, Neurochirurgie/RT
Bewusstseinstrübung + Hyponatriämie Schweres SIADH Flüssigkeitsrestriktion, ggf. hypertone NaCl
11 · Quiz

Wichtigste Punkte

  1. NSCLC (85%) vs. SCLC (15%) – unterschiedliche Therapiekonzepte
  2. Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor (85-90%)
  3. Staging mittels CT + PET-CT + cMRT ist entscheidend für Therapieplanung
Frage 1 (Diagnostik): Ein 65-jähriger Raucher stellt sich mit therapieresistentem Husten und Hämoptysen vor. Im Röntgen-Thorax zeigt sich ein Rundherd. Welche Untersuchung ist der nächste Schritt?
A) Bronchoskopie mit Biopsie
B) CT-Thorax mit Kontrastmittel
C) PET-CT
D) Sputumzytologie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Das CT-Thorax mit KM ist das diagnostische Mittel der Wahl bei V.a. Bronchialkarzinom. Es ermöglicht eine genaue Beurteilung des Tumors und des Lymphknotenstatus vor weiterer Diagnostik.
Frage 2 (Diagnostik): Welche molekularpathologische Untersuchung ist beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (Adenokarzinom) leitliniengerecht obligat?
A) Nur PD-L1-Expression
B) EGFR, ALK, ROS1, BRAF, KRAS und PD-L1
C) Nur EGFR-Mutation
D) Tumormarker CEA und CYFRA 21-1
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Gemäß S3-Leitlinie sollen alle Adenokarzinome und nicht-plattenepitheliale NSCLC auf Treibermutationen (EGFR, ALK, ROS1, BRAF, KRAS) und PD-L1 getestet werden, da dies therapeutische Konsequenzen hat.
Frage 3 (Therapie): Bei einem Patienten mit NSCLC Stadium IIIA wird nach Tumorkonferenz eine definitive Radiochemotherapie durchgeführt. Welche Konsolidierungstherapie ist leitliniengerecht?
A) Pembrolizumab für 2 Jahre
B) Durvalumab für 1 Jahr
C) Keine Konsolidierung
D) Osimertinib bei allen Patienten
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Nach definitiver Radiochemotherapie bei Stadium III NSCLC ist die Konsolidierung mit dem PD-L1-Inhibitor Durvalumab für 1 Jahr Standard (PACIFIC-Studie).
Frage 4 (Therapie): Ein Patient mit Extensive Disease SCLC soll behandelt werden. Was ist die Erstlinientherapie der Wahl?
A) Alleinige Chemotherapie mit Cisplatin/Etoposid
B) Chemotherapie + Immuntherapie (z.B. Atezolizumab oder Durvalumab)
C) Alleinige Immuntherapie
D) Zielgerichtete Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Beim Extensive Disease SCLC ist die Kombination aus platinbasierter Chemotherapie (Carboplatin/Cisplatin + Etoposid) mit einem Checkpoint-Inhibitor (Atezolizumab oder Durvalumab) der neue Standard.
Frage 5 (Notfall/Red Flags): Ein Patient mit bekanntem Bronchialkarzinom entwickelt eine Gesichtsschwellung, Halsvenenstauung und Zyanose des Oberkörpers. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?
A) Lungenembolie
B) Vena-cava-superior-Syndrom
C) Perikarderguss
D) Anaphylaxie
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Die Trias aus Gesichtsschwellung, Halsvenenstauung und Zyanose des Oberkörpers ist typisch für das V.-cava-superior-Syndrom durch Tumorkompression. Therapie: Hochlagerung, Kortikosteroide, ggf. Stent.
Frage 6 (Notfall/Red Flags): Ein Patient mit SCLC entwickelt Verwirrtheit und Krampfanfälle. Das Natrium liegt bei 118 mmol/L. Welches paraneoplastische Syndrom liegt vor?
A) Hyperkalzämie durch PTHrP
B) SIADH
C) Cushing-Syndrom
D) Lambert-Eaton-Syndrom
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Das SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion) ist typisch für das SCLC und führt zu einer Verdünnungshyponatriämie mit neurologischen Symptomen. Therapie: Flüssigkeitsrestriktion, ggf. Tolvaptan.
Frage 7 (Differentialdiagnosen): Ein 55-jähriger Patient zeigt im Röntgen-Thorax einen Rundherd im rechten Oberlappen mit Kaverne. Welche Differentialdiagnose ist am wahrscheinlichsten?
A) Adenokarzinom
B) Tuberkulose
C) SCLC
D) Sarkoidose
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Eine kavernöse Läsion im Oberlappen ist typisch für eine kavernöse Tuberkulose. Aber auch Plattenepithelkarzinome können kavernieren. Zur Differenzierung sind Sputumuntersuchung und Bronchoskopie mit Biopsie notwendig.
Frage 8 (Differentialdiagnosen): Welcher Befund spricht am ehesten für ein kleinzelliges Bronchialkarzinom (SCLC) im Vergleich zum NSCLC?
A) Periphere Tumorlokalisation
B) Frühzeitige Hirnmetastasen und paraneoplastische Syndrome
C) Langsames Wachstum über Jahre
D) Gutes Ansprechen auf Tyrosinkinase-Inhibitoren
✅ Antwort anzeigen
Richtig: B
Das SCLC ist hochmaligne, wächst schnell und metastasiert früh (v.a. Hirn, Leber). Paraneoplastische Syndrome (SIADH, Lambert-Eaton, Cushing) sind typisch. TKIs sind nur bei NSCLC mit entsprechenden Mutationen wirksam.
12 · Fachbegriffe
Fachbegriff Erklärung für Patienten
Bronchialkarzinom "Lungenkrebs – eine bösartige Geschwulst in der Lunge"
Hämoptysen "Bluthusten – Blut im Auswurf beim Husten"
Staging "Stadienbestimmung – wir schauen, wie weit der Krebs sich ausgebreitet hat"
Metastasen "Tochtergeschwülste – der Krebs hat sich in andere Organe ausgebreitet"
PET-CT "Eine spezielle Bildgebung, die uns zeigt, wo der Krebs aktiv ist"
Bronchoskopie "Lungenspiegelung – wir schauen mit einer Kamera in Ihre Atemwege"
Chemotherapie "Medikamente, die Krebszellen abtöten"
Immuntherapie "Medikamente, die Ihrem Immunsystem helfen, den Krebs zu bekämpfen"

Zusammenfassung

Das Bronchialkarzinom ist die häufigste krebsbedingte Todesursache. Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor. Die Therapie richtet sich nach Histologie (NSCLC vs. SCLC), Stadium und molekularen Markern. Beim NSCLC sind zielgerichtete Therapien bei entsprechenden Mutationen hochwirksam. Beim SCLC ist die Chemo-Immuntherapie Standard.

Verwandte Fälle

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.