Aortendissektion
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. Einblutung in die Aortenwand → Aufspaltung in wahres und falsches Lumen — lebensbedrohlicher Notfall
- 2. Leitsymptom: Vernichtungsschmerz — plötzlich, maximal intensiv, mit Ausstrahlung in Rücken/Abdomen
- 3. Stanford-Klassifikation: Typ A (Aorta ascendens betroffen) = chirurgischer Notfall; Typ B = endovaskulär oder konservativ
- 4. Diagnostik: CT-Angiographie ist Goldstandard
- 5. Typ-A-Letalität ohne Operation: 60 % in 30 Tagen
Fallvignette
Ein 55-jähriger Patient wird mit dem Rettungsdienst eingeliefert nach einem plötzlich einsetzenden, reißenden Schmerz im Brustkorb mit Ausstrahlung in den Rücken.
Der Schmerz begann abrupt beim Heben einer Kiste, war von Beginn an maximal intensiv. Vorbekannte arterielle Hypertonie, bisher unzureichend behandelt. In der Notaufnahme: RR rechts 185/100 mmHg, RR links 155/90 mmHg (Seitenunterschied >20 mmHg). Herzfrequenz 108/min. Auskultation: aortales Diastolikum. EKG: keine ST-Hebungen. Troponin I: 0,04 µg/l (grenzwertig). Röntgen-Thorax: verbreitertes Mediastinum. D-Dimer: 5.800 µg/l (↑↑↑).
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Aortendissektion
Auf einen Blick
- Einblutung in die Aortenwand → Aufspaltung in wahres und falsches Lumen — lebensbedrohlicher Notfall
- Leitsymptom: Vernichtungsschmerz — plötzlich, maximal intensiv, mit Ausstrahlung in Rücken/Abdomen
- Stanford-Klassifikation: Typ A (Aorta ascendens betroffen) = chirurgischer Notfall; Typ B = endovaskulär oder konservativ
- Diagnostik: CT-Angiographie ist Goldstandard
- Typ-A-Letalität ohne Operation: 60 % in 30 Tagen
Fallvignette
Ein 55-jähriger Patient wird mit dem Rettungsdienst eingeliefert nach einem plötzlich einsetzenden, reißenden Schmerz im Brustkorb mit Ausstrahlung in den Rücken.
Der Schmerz begann abrupt beim Heben einer Kiste, war von Beginn an maximal intensiv. Vorbekannte Arterielle Hypertonie, bisher unzureichend behandelt. In der Notaufnahme: RR rechts 185/100 mmHg, RR links 155/90 mmHg (Seitenunterschied >20 mmHg). Herzfrequenz 108/min. Auskultation: aortales Diastolikum. EKG: keine ST-Hebungen. Troponin I: 0,04 µg/l (grenzwertig). Röntgen-Thorax: verbreitertes Mediastinum. D-Dimer: 5.800 µg/l (↑↑↑).
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definition
Eine Aortendissektion entsteht durch einen Einriss der Intima (Entry), durch den Blut in die Media eindringt und die Aortenwand in zwei Schichten auftrennt. Es entstehen ein wahres Lumen (normales Gefäßlumen) und ein falsches Lumen (Hämatom in der Media). Das falsche Lumen kann Organgefäße verlegen und lebenswichtige Strukturen kompromittieren.
Ätiologie & Risikofaktoren
Häufige Ursachen
| Risikofaktor | Mechanismus |
|---|---|
| Arterielle Hypertonie | Erhöhte Wandspannung → Intima-Einriss |
| Arteriosklerose | Schwächung der Gefäßwand |
| Aortenwandschwäche/-aneurysmata | Vorbestehende Dilatation erleichtert Einriss |
Genetische Risikofaktoren
| Erkrankung | Mechanismus |
|---|---|
| Marfan-Syndrom | Fibrillindefekt → schwache Media, Aortadilatation |
| Bikuspide Aortenklappe | Assoziiert mit Aortenwandschwäche |
| Ehlers-Danlos-Syndrom | Kollagendefekt |
Iatrogen
- Nach herzchirurgischen Eingriffen oder Katheterisierungen
Pathophysiologie
- Entry-Einriss der Intima (meist an typischen Stellen: kurz oberhalb der Aortenwurzel oder kurz nach dem Abgang der A. subclavia sinistra)
- Einblutung unter Systemdruck in die Media → Ausbildung des falschen Lumens
- Das falsche Lumen kann sich in beide Richtungen ausdehnen (antegrad und retrograd)
- Malperfusion von Organen durch Verlegung abgehender Gefäße
- Bei Ausdehnung bis zur Aortenklappe: akute Aortenklappeninsuffizienz
- Bei Einblutung in Perikard: Herzbeuteltamponade
Klassifikation
Stanford-Klassifikation (klinisch entscheidend)
| Typ | Lokalisation | Häufigkeit | Therapie |
|---|---|---|---|
| Typ A | Aorta ascendens betroffen (unabhängig vom Entry) | ~60 % | Notfall-OP |
| Typ B | Nur Aorta descendens/abdominalis (nach Abgang A. subclavia sinistra) | ~40 % | Endovaskulär oder konservativ |
Warum Typ A = OP-Notfall: Retrograde Ausdehnung bedroht Koronararterien, Aortenklappe, Perikard und Hirnversorgung. Ohne Operation stirbt jede dritte Stunde ~1 % mehr Patienten.
Symptome & Klinik
Leitsymptom
- Vernichtungsschmerz — plötzlich, maximal intensiv, reißend oder messerartig
- Thorakal und/oder im Rücken (Interscapulärraum)
- Wanderung des Schmerzes in Richtung der Dissektion (Abdomen bei Ausdehnung nach kaudal)
Komplikationssymptome
| Komplikation | Klinik |
|---|---|
| Malperfusion der Koronararterien | Myokardischämie, EKG-Veränderungen |
| Malperfusion der Nierenarterien | Oligurie, Akutes Nierenversagen |
| Malperfusion der Mesenterialgefäße | Periumbilikal-kolikartige Schmerzen (Mesenterialischämie) |
| Malperfusion der Hirnversorgung | Synkope, neurologische Ausfälle, Schlaganfall |
| Malperfusion der Extremitäten | Pulsdefizite, Extremitätenischämie |
| Hämatothorax / freie Ruptur | Hämorrhagischer Schock |
| Perikardtamponade (Typ A) | Kardiogener Schock, obere Einflussstauung |
| Akute Aortenklappeninsuffizienz (Typ A) | Neues Diastolikum, akute Herzinsuffizienz |
Diagnostik
Körperliche Untersuchung
- Blutdruckdifferenz zwischen beiden Armen oder rechts/links (A. carotis, A. subclavia, A. radialis, A. femoralis)
- Neues diastolisches Geräusch über der Aortenklappe → Aortenklappeninsuffizienz (Typ A!)
- Pulsdefizite der A. carotis (Typ A)
Labor
- D-Dimere — erhöht, als Entscheidungshilfe vor Bildgebung bei uneindeutiger Klinik
- Troponin (Differentialdiagnose Myokardinfarkt)
- Blutbild, Kreatinin, Laktat, Leberwerte (Organperfusion)
- BGA, LDH, CK
EKG
- Ausschluss eines Myokardinfarkts (wichtige DD)
- Bei Typ A: ggf. ischämische Veränderungen durch Koronararterienverschluss
Bildgebung
| Methode | Einsatz |
|---|---|
| CT-Angiographie (Thorax + Abdomen) | Goldstandard — zeigt Dissektionsmembran, Ausdehnung, Organperfusion |
| Echokardiographie (TTE/TEE) | Schnell verfügbar, zeigt Aortenklappe, Perikarderguss, Typ-A-Dissektion |
| Röntgen-Thorax | Verbreitertes Mediastinum als Hinweis |
| Abdominalsonographie | Beurteilung der abdominellen Aorta |
Differentialdiagnosen
| Diagnose | Unterschied |
|---|---|
| STEMI | EKG-Veränderungen, Troponin ↑, kein Blutdruckunterschied |
| Lungenembolie | Atemabhängig, D-Dimere ↑, kein Vernichtungsschmerz |
| Aortenaneurysmaruptur | Kein falsches Lumen, eher älterer Patient |
| Akutes Abdomen | Kein Thoraxschmerz, Laborveränderungen je nach Ursache |
Therapie
Allgemeine Sofortmaßnahmen (alle Typen)
- Blutdrucksenkung — Ziel: systolisch ~120 mmHg
- Herzfrequenzsenkung — Ziel: nahe 60/min
- Mittel der Wahl: Betablocker (Labetalol oder Metoprolol i.v.) — senken gleichzeitig RR und HF
- Analgesie mit Opioiden (Morphin i.v.)
- Intensivstation, kontinuierliches Monitoring
Chirurgische Therapie (Typ A — Notfall)
Indikation: Alle Typ-A-Dissektionen (absolute OP-Indikation)
Vorgehen:
- Thorakotomie unter Herzlungenmaschine
- Resektion des disseziierten Segments
- Implantation einer Kunststoffprothese
TEVAR — Thorakale endovaskuläre Aortenreparatur (Typ B)
Indikation: Typ B bei Komplikationen (Malperfusion, drohende Ruptur)
Vorgehen:
- Zugang über A. femoralis
- Implantation eines Stentgrafts zur Abdichtung des Entry
Alternativ bei unkomplizierter Typ-B-Dissektion: Konservative Therapie (RR-Einstellung)
Komplikationen
Typ-A-spezifisch
| Komplikation | Ursache |
|---|---|
| Myokardinfarkt | Verlegung der Koronararterien |
| Akute Aortenklappeninsuffizienz | Annulusausdehnung durch falsches Lumen |
| Herzbeuteltamponade | Einblutung ins Perikard |
| Ischämischer Schlaganfall | Verlegung hirnversorgender Gefäße |
Typ A und B gemeinsam
- Hämatothorax, Pleuraerguss
- Mesenterialischämie
- Niereninsuffizienz
- Extremitätenischämie
- Ruptur → hämorrhagischer Schock
Prognose
| Typ | Therapie | 30-Tage-Letalität |
|---|---|---|
| Typ A | Konservativ | 60 % |
| Typ A | Chirurgisch | 20 % |
| Typ B | Endovaskulär | 10 % |
| Typ B | Chirurgisch (bei Komplikationen) | 30 % |
| Beide | 10-Jahres-Überlebensrate | 50 % |
Prävention
- Konsequente Blutdruckeinstellung — wichtigste Maßnahme
- Genetische Risikofaktoren (Marfan) erkennen und Aortenweite regelmäßig kontrollieren
- Bei bikuspider Aortenklappe: echokardiographische Verlaufskontrollen
Klinische Perlen
1. Vernichtungsschmerz + Blutdruckdifferenz = Aortendissektion bis zum Beweis des Gegenteils. Nicht warten — sofortige CT-Angiographie.
2. Typ A = sofortige OP, Typ B = meistens konservativ oder endovaskulär. Diese Entscheidung ist die wichtigste im Management.
3. Betablocker sind das Mittel der Wahl — gleichzeitige RR- und HF-Senkung reduziert die Wandspannung.
4. D-Dimere können helfen, aber die CT ist entscheidend. Ein normales D-Dimer bei niedrigem Risiko kann die Diagnose unwahrscheinlicher machen.
Prüfungstipps
- Stanford A vs. B — der häufigste Prüfungspunkt: welcher Typ? welche Therapie?
- Typ A = OP-Notfall — diese Aussage muss sitzen
- Komplikationen bei Typ A merken: Tamponade, Aortenklappeninsuffizienz, Schlaganfall, Infarkt
- Blutdruckdifferenz zwischen den Armen ist pathognomonisch — in jedem klinischen Szenario drauf achten
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Aortendissektion | Einblutung in die Aortenwand mit Aufspaltung in wahres und falsches Lumen |
| Entry | Einriss der Intima — Ausgangspunkt der Dissektion |
| Stanford-Klassifikation | Typ A: Aorta ascendens betroffen; Typ B: nur Aorta descendens |
| Vernichtungsschmerz | Plötzlicher, maximal intensiver, reißender Thorax-/Rückenschmerz |
| Malperfusion | Verlegung abgehender Arterien durch das falsche Lumen |
| TEVAR | Thorakale endovaskuläre Aortenreparatur — Stentgraft-Implantation bei Typ B |
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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Definition 🔗
Eine Aortendissektion entsteht durch einen Einriss der Intima (Entry), durch den Blut in die Media eindringt und die Aortenwand in zwei Schichten auftrennt. Es entstehen ein wahres Lumen (normales Gefäßlumen) und ein falsches Lumen (Hämatom in der Media). Das falsche Lumen kann Organgefäße verlegen und lebenswichtige Strukturen kompromittieren.
Ätiologie 🔗
Häufige Ursachen
| Risikofaktor | Mechanismus |
|---|---|
| Arterielle Hypertonie | Erhöhte Wandspannung → Intima-Einriss |
| Arteriosklerose | Schwächung der Gefäßwand |
| Aortenwandschwäche/-aneurysmata | Vorbestehende Dilatation erleichtert Einriss |
Genetische Risikofaktoren
| Erkrankung | Mechanismus |
|---|---|
| Marfan-Syndrom | Fibrillindefekt → schwache Media, Aortadilatation |
| Bikuspide Aortenklappe | Assoziiert mit Aortenwandschwäche |
| Ehlers-Danlos-Syndrom | Kollagendefekt |
Iatrogen
- Nach herzchirurgischen Eingriffen oder Katheterisierungen
Pathophysiologie 🔗
- Entry-Einriss der Intima (meist an typischen Stellen: kurz oberhalb der Aortenwurzel oder kurz nach dem Abgang der A. subclavia sinistra)
- Einblutung unter Systemdruck in die Media → Ausbildung des falschen Lumens
- Das falsche Lumen kann sich in beide Richtungen ausdehnen (antegrad und retrograd)
- Malperfusion von Organen durch Verlegung abgehender Gefäße
- Bei Ausdehnung bis zur Aortenklappe: akute Aortenklappeninsuffizienz
- Bei Einblutung in Perikard: Herzbeuteltamponade
Symptome & Klinik 🔗
Stanford-Klassifikation (klinisch entscheidend)
| Typ | Lokalisation | Häufigkeit | Therapie |
|---|---|---|---|
| Typ A | Aorta ascendens betroffen (unabhängig vom Entry) | ~60 % | Notfall-OP |
| Typ B | Nur Aorta descendens/abdominalis (nach Abgang A. subclavia sinistra) | ~40 % | Endovaskulär oder konservativ |
Warum Typ A = OP-Notfall: Retrograde Ausdehnung bedroht Koronararterien, Aortenklappe, Perikard und Hirnversorgung. Ohne Operation stirbt jede dritte Stunde ~1 % mehr Patienten.
Leitsymptom
- Vernichtungsschmerz — plötzlich, maximal intensiv, reißend oder messerartig
- Thorakal und/oder im Rücken (Interscapulärraum)
- Wanderung des Schmerzes in Richtung der Dissektion (Abdomen bei Ausdehnung nach kaudal)
Komplikationssymptome
| Komplikation | Klinik |
|---|---|
| Malperfusion der Koronararterien | Myokardischämie, EKG-Veränderungen |
| Malperfusion der Nierenarterien | Oligurie, akutes Nierenversagen |
| Malperfusion der Mesenterialgefäße | Periumbilikal-kolikartige Schmerzen (Mesenterialischämie) |
| Malperfusion der Hirnversorgung | Synkope, neurologische Ausfälle, Schlaganfall |
| Malperfusion der Extremitäten | Pulsdefizite, Extremitätenischämie |
| Hämatothorax / freie Ruptur | Hämorrhagischer Schock |
| Perikardtamponade (Typ A) | Kardiogener Schock, obere Einflussstauung |
| Akute Aortenklappeninsuffizienz (Typ A) | Neues Diastolikum, akute Herzinsuffizienz |
Diagnostik 🔗
Körperliche Untersuchung
- Blutdruckdifferenz zwischen beiden Armen oder rechts/links (A. carotis, A. subclavia, A. radialis, A. femoralis)
- Neues diastolisches Geräusch über der Aortenklappe → Aortenklappeninsuffizienz (Typ A!)
- Pulsdefizite der A. carotis (Typ A)
Labor
- D-Dimere — erhöht, als Entscheidungshilfe vor Bildgebung bei uneindeutiger Klinik
- Troponin (Differentialdiagnose Myokardinfarkt)
- Blutbild, Kreatinin, Laktat, Leberwerte (Organperfusion)
- BGA, LDH, CK
EKG
- Ausschluss eines Myokardinfarkts (wichtige DD)
- Bei Typ A: ggf. ischämische Veränderungen durch Koronararterienverschluss
Bildgebung
| Methode | Einsatz |
|---|---|
| CT-Angiographie (Thorax + Abdomen) | Goldstandard — zeigt Dissektionsmembran, Ausdehnung, Organperfusion |
| Echokardiographie (TTE/TEE) | Schnell verfügbar, zeigt Aortenklappe, Perikarderguss, Typ-A-Dissektion |
| Röntgen-Thorax | Verbreitertes Mediastinum als Hinweis |
| Abdominalsonographie | Beurteilung der abdominellen Aorta |
Differentialdiagnosen 🔗
| Diagnose | Unterschied |
|---|---|
| STEMI | EKG-Veränderungen, Troponin ↑, kein Blutdruckunterschied |
| Lungenembolie | Atemabhängig, D-Dimere ↑, kein Vernichtungsschmerz |
| Aortenaneurysmaruptur | Kein falsches Lumen, eher älterer Patient |
| Akutes Abdomen | Kein Thoraxschmerz, Laborveränderungen je nach Ursache |
Therapie 🔗
Allgemeine Sofortmaßnahmen (alle Typen)
- Blutdrucksenkung — Ziel: systolisch ~120 mmHg
- Herzfrequenzsenkung — Ziel: nahe 60/min
- Mittel der Wahl: Betablocker (Labetalol oder Metoprolol i.v.) — senken gleichzeitig RR und HF
- Analgesie mit Opioiden (Morphin i.v.)
- Intensivstation, kontinuierliches Monitoring
Chirurgische Therapie (Typ A — Notfall)
Indikation: Alle Typ-A-Dissektionen (absolute OP-Indikation)
Vorgehen:
- Thorakotomie unter Herzlungenmaschine
- Resektion des disseziierten Segments
- Implantation einer Kunststoffprothese
TEVAR — Thorakale endovaskuläre Aortenreparatur (Typ B)
Indikation: Typ B bei Komplikationen (Malperfusion, drohende Ruptur)
Vorgehen:
- Zugang über A. femoralis
- Implantation eines Stentgrafts zur Abdichtung des Entry
Alternativ bei unkomplizierter Typ-B-Dissektion: Konservative Therapie (RR-Einstellung)
Komplikationen 🔗
Typ-A-spezifisch
| Komplikation | Ursache |
|---|---|
| Myokardinfarkt | Verlegung der Koronararterien |
| Akute Aortenklappeninsuffizienz | Annulusausdehnung durch falsches Lumen |
| Herzbeuteltamponade | Einblutung ins Perikard |
| Ischämischer Schlaganfall | Verlegung hirnversorgender Gefäße |
Typ A und B gemeinsam
- Hämatothorax, Pleuraerguss
- Mesenterialischämie
- Niereninsuffizienz
- Extremitätenischämie
- Ruptur → hämorrhagischer Schock
Prognose 🔗
| Typ | Therapie | 30-Tage-Letalität |
|---|---|---|
| Typ A | Konservativ | 60 % |
| Typ A | Chirurgisch | 20 % |
| Typ B | Endovaskulär | 10 % |
| Typ B | Chirurgisch (bei Komplikationen) | 30 % |
| Beide | 10-Jahres-Überlebensrate | 50 % |
Prävention 🔗
- Konsequente Blutdruckeinstellung — wichtigste Maßnahme
- Genetische Risikofaktoren (Marfan) erkennen und Aortenweite regelmäßig kontrollieren
- Bei bikuspider Aortenklappe: echokardiographische Verlaufskontrollen
✨ Clinical Pearls
**1. Vernichtungsschmerz + Blutdruckdifferenz = Aortendissektion bis zum Beweis des Gegenteils.** Nicht warten — sofortige CT-Angiographie.
**2. Typ A = sofortige OP, Typ B = meistens konservativ oder endovaskulär.** Diese Entscheidung ist die wichtigste im Management.
**3. Betablocker sind das Mittel der Wahl** — gleichzeitige RR- und HF-Senkung reduziert die Wandspannung.
**4. D-Dimere können helfen, aber die CT ist entscheidend.** Ein normales D-Dimer bei niedrigem Risiko kann die Diagnose unwahrscheinlicher machen.
Prüfungstipps
- - Stanford A vs. B — der häufigste Prüfungspunkt: welcher Typ? welche Therapie?
- - Typ A = OP-Notfall — diese Aussage muss sitzen
- - Komplikationen bei Typ A merken: Tamponade, Aortenklappeninsuffizienz, Schlaganfall, Infarkt
- - Blutdruckdifferenz zwischen den Armen ist pathognomonisch — in jedem klinischen Szenario drauf achten
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