★★ Wichtig Kardiologie 40 Min.

Kardiovaskuläre Pharmakologie

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Antikoagulantien hemmen die Gerinnungskaskade — Vitamin-K-Antagonisten (VKA) und DOAK sind die wichtigsten oralen Vertreter
  • 2. VKA (Phenprocoumon) brauchen Bridging mit Heparin perioperativ — DOAK brauchen kein Bridging
  • 3. Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) Typ II = sofort absetzen + auf Danaparoid umstellen
  • 4. Beta-Blocker und Amiodaron: einschleichen und ausschleichen — niemals abrupt absetzen
  • 5. Digitalis-Intoxikation: Hypokaliämie begünstigt sie — EKG: muldenförmige ST-Senkung + Rhythmusstörungen

Fallvignette

Ein 74-jähriger Patient mit bekanntem Vorhofflimmern und Phenprocoumon-Therapie stellt sich vor mit plötzlicher Bewusstlosigkeit und Sturz vor einer Stunde.

Der Patient nimmt seit 2 Jahren Phenprocoumon wegen Vorhofflimmern. Kürzlich wurde wegen einer Infektion ein Antibiotikum (Ciprofloxacin) verordnet. INR heute: 6,8 (Zielbereich 2,0–3,0). Neurologisch: leichte Aphasie, keine Hemiparese. CT-Schädel: keine frische Blutung, kein Infarkt. EKG: absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern. Kreatinin 105 µmol/l. Der Hausarzt fragt, ob ein Bridging bei geplanter Knie-TEP in 3 Wochen erforderlich ist.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Kardiovaskuläre Pharmakologie

Auf einen Blick

  1. Antikoagulantien hemmen die Gerinnungskaskade — Vitamin-K-Antagonisten (VKA) und DOAK sind die wichtigsten oralen Vertreter
  2. VKA (Phenprocoumon) brauchen Bridging mit Heparin perioperativ — DOAK brauchen kein Bridging
  3. Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) Typ II = sofort absetzen + auf Danaparoid umstellen
  4. Beta-Blocker und Amiodaron: einschleichen und ausschleichen — niemals abrupt absetzen
  5. Digitalis-Intoxikation: Hypokaliämie begünstigt sie — EKG: muldenförmige ST-Senkung + Rhythmusstörungen

Fallvignette

Ein 74-jähriger Patient mit bekanntem Vorhofflimmern und Phenprocoumon-Therapie stellt sich vor mit plötzlicher Bewusstlosigkeit und Sturz vor einer Stunde.

Der Patient nimmt seit 2 Jahren Phenprocoumon wegen Vorhofflimmern. Kürzlich wurde wegen einer Infektion ein Antibiotikum (Ciprofloxacin) verordnet. INR heute: 6,8 (Zielbereich 2,0–3,0). Neurologisch: leichte Aphasie, keine Hemiparese. CT-Schädel: keine frische Blutung, kein Infarkt. EKG: absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern. Kreatinin 105 µmol/l. Der Hausarzt fragt, ob ein Bridging bei geplanter Knie-TEP in 3 Wochen erforderlich ist.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition

Kardiovaskuläre Pharmaka umfassen alle Medikamente, die auf Hämostase, Herzrhythmus, Herzfunktion oder Blutdruck wirken. Dieses Kapitel behandelt die wichtigsten Klassen: Antikoagulantien, Thrombozytenhemmer, Diuretika, RAAS-Inhibitoren, Calciumantagonisten, Beta-Blocker, Antiarrhythmika, Herzglykoside, Sympathomimetika und Statine.


1. Vitamin-K-Antagonisten (Cumarine)

Wirkmechanismus

Phenprocoumon hemmt unselektiv die Vitamin-K-abhängige Synthese der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X in der Leber. Die Wirkung setzt verzögert ein (mehrere Tage), weil vorhandene Faktoren erst abgebaut werden müssen.

Wichtig: Zu Beginn der Therapie werden auch die antikoagulatorischen Proteine S und C gehemmt → vorübergehende Thromboseneigung in den ersten Tagen!

Monitoring

  • Ziel-INR: 2,0–3,0 (bei meisten Indikationen)
  • Regelmäßige INR-Kontrollen wegen enger therapeutischer Breite

Indikationen

  • Behandlung und Prophylaxe von TVT oder Lungenembolie
  • Thromboembolieprophylaxe bei Vorhofflimmern oder mechanischem Herzklappenersatz

Kontraindikationen

  • Schwere Leberinsuffizienz
  • Blutung oder Blutungsneigung
  • Schwangerschaft (teratogen)

Nebenwirkungen

Nebenwirkung Details
Blutung Häufigste NW — bei lebensbedrohlicher Blutung: Absetzen + Vitamin K + PPSB (Prothrombinkomplex)
Thromboseneigung zu Therapiebeginn Protein C/S-Hemmung — Bridging mit Heparin in ersten Tagen!

Perioperatives Bridging

Bei geplanten Operationen muss die Antikoagulation überbrückt werden:

  1. Cumarin absetzen
  2. Wenn INR <2,0: niedermolekulares Heparin in therapeutischer Dosis beginnen
  3. NMH direkt präoperativ aussetzen (UFH 4h, NMH 24h vor OP)
  4. Direkt postoperativ NMH wieder starten
  5. Phenprocoumon überlappend mit Heparin wieder einleiten, bis Ziel-INR erreicht

Ausnahme: Bei Eingriffen mit niedrigem Blutungsrisiko kann die Antikoagulation ohne Bridging fortgeführt werden.


2. Direkte orale Antikoagulantien (DOAK)

Wirkmechanismus und Wirkstoffe

Wirkstoff Angriffspunkt
Dabigatran Direkte Hemmung von Thrombin (Faktor IIa)
Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban Direkte Hemmung von Faktor Xa

Vorteile gegenüber VKA

  • Kein routinemäßiges Gerinnungsmonitoring nötig
  • Vorhersehbare Pharmakodynamik
  • Weniger Wechselwirkungen
  • Kein Bridging perioperativ erforderlich

Indikationen

  • Therapie und Sekundärprophylaxe von TVT oder Lungenembolie
  • Thromboembolieprophylaxe bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern
  • Prophylaxe nach Knie- oder Hüftgelenksersatz

Kontraindikationen

  • Schwere Leberinsuffizienz
  • Blutung oder Blutungsneigung
  • Schwangerschaft
  • GFR <30 mL/min (Dabigatran) oder GFR <15 mL/min (Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban)

Vor Therapiebeginn: Nieren- und Leberfunktion überprüfen!

Antagonisierung bei lebensbedrohlicher Blutung

DOAK Antagonist
Dabigatran Idarucizumab (monoklonaler Antikörper)
Apixaban, Rivaroxaban Andexanet alfa (rekombinanter Faktor Xa)
Alle PPSB + Absetzen des DOAK; ggf. Aktivkohle

Perioperatives Management (kein Bridging!)

Blutungsrisiko Absetzzeit präoperativ
Niedrig ≥24 Stunden
Hoch ≥48 Stunden

3. Heparine

Wirkstoffe und Mechanismus

Typ Wirkstoff Applikation Mechanismus
Unfraktioniertes Heparin (UFH) Heparin Prophylaktisch s.c., therapeutisch i.v. Hemmung von Thrombin + Faktor Xa (über Antithrombin)
Niedermolekulares Heparin (NMH) Enoxaparin, Tinzaparin s.c. Vorwiegend Hemmung von Faktor Xa

Monitoring

Heparin Monitoring
UFH PTT (Ziel: 1,5–2,5-fache Verlängerung) + Thrombozytenzahl
NMH Thrombozytenzahl; ggf. Anti-Faktor-Xa-Aktivität

Dosierung

Prophylaktisch:

  • UFH: 5.000 IE s.c. 3x/Tag oder 7.500 IE s.c. 2x/Tag
  • Enoxaparin: 2.000–4.000 IE s.c. 1x/Tag

Therapeutisch:

  • UFH: Bolus 5.000 IE i.v. → Perfusor 15 IE/kgKG/h → Anpassung nach PTT
  • Enoxaparin: 100 IE/kgKG s.c. 2x/Tag

Antagonisierung

  • Protamin antagonisiert UFH vollständig — NMH nur partiell

Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT)

Merkmal HIT I HIT II
Beginn Erste 5 Tage Ab 5. Tag
Pathophysiologie Direkte Heparin-Thrombozyten-Interaktion Antikörperbildung (IgG gegen Heparin-PF4-Komplex)
Thrombozytenzahl Moderat >100.000/µL <100.000/µL (<50% des Ausgangswertes)
Komplikationen I.d.R. keine Thromboembolische Ereignisse (paradox!)
Diagnose Ausschlussdiagnose Klinisch + Nachweis thrombozytenspezifischer Antikörper
Therapie Keine — Heparin weiterführen Sofort absetzen → Danaparoid (kein Thrombozytenkonzentrat!)
Prognose Günstig Ungünstig

HIT II merken: Thrombozytopenie + Thrombose = paradoxe Situation. Heparin sofort absetzen!


4. Thrombozytenaggregationshemmer (TAH)

Wirkstoffe und Mechanismus

Wirkstoff Mechanismus
ASS (niedrig dosiert) Irreversible COX-1-Hemmung → Thromboxan A2 ↓ → Aggregationshemmung
ASS (hoch dosiert) COX-1 und COX-2-Hemmung → analgetisch, antipyretisch, antiphlogistisch
Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor ADP-Rezeptor-Hemmer (P2Y12)
Tirofiban GP IIb/IIIa-Antagonist

Indikationen

Wirkstoff Indikation
ASS Sekundärprophylaxe bei KHK, pAVK, zerebraler Ischämie
ASS + ADP-Hemmer Akutes Koronarsyndrom, nach Stentimplantation (DAPT = duale TAH)
Clopidogrel Alternative zu ASS bei ASS-Unverträglichkeit
Prasugrel, Ticagrelor ACS (stärker als Clopidogrel, mehr Blutungsrisiko)
Tirofiban PCI mit hohem Risiko

Wichtige Nebenwirkungen ASS

  • Morbus Widal (ASS-Trias): ASS/NSAR-Unverträglichkeit + Asthma + Sinusitis/Polyposis nasi
  • Reye-Syndrom: Akute Enzephalopathie + Leberfunktionsstörung (insb. bei Kindern unter Virusinfektionen!)

5. Diuretika

Übersicht

Klasse Wirkort Wirkstärke Wirkmechanismus
Thiazide Distaler Tubulus Moderat Na+/K+-Resorption ↓
Schleifendiuretika Aufsteigender Henle-Ast Stark Na+/K+-Resorption ↓
Kaliumsparende Distaler Tubulus + Sammelrohr Moderat Na+-Resorption ↓, K+-Sekretion ↓

Nebenwirkungen im Vergleich

Diuretikum Natrium Kalium Kalzium Harnsäure Sonstiges
Thiazide BZ↑, LDL↑, Risiko Basaliome
Schleifendiuretika Ototoxizität
Kaliumsparende Gynäkomastie (Spironolacton)

Indikationen

Sequentielle Nephronblockade: Kombination Schleifendiuretikum + Thiazid bei Diuretika-Resistenz.


6. RAAS-Inhibitoren

Das RAAS-System (vereinfacht)

Nierenminderperfusion
        ↓
Renin (Niere) → Angiotensinogen → Angiotensin I
        ↓
ACE (Lunge) → Angiotensin II
        ↓
Vasokonstriktion + Aldosteron ↑ (Nebenniere)
        ↓
Wasserretention + Blutdruck ↑

Wirkstoffgruppen

Klasse Wirkstoffe Angriffspunkt
ACE-Hemmer Ramipril, Enalapril Hemmung des ACE → Angiotensin II ↓
Sartane (AT1-Blocker) Valsartan, Candesartan AT1-Rezeptor-Antagonismus → RR ↓
Renin-Inhibitoren Aliskiren Direkte Hemmung des Renins

Nebenwirkungen ACE-Hemmer vs. Sartane

Nebenwirkung ACE-Hemmer Sartane
Hypotonie ja ja
Hyperkaliämie ja ja
Anstieg Kreatinin ja ja
Reizhusten ja (Bradykinin) nein — wichtiger Unterschied!
Angioödem Häufiger Seltener

Indikationen

  • Arterielle Hypertonie
  • Chronische Herzinsuffizienz (reduzierte EF)
  • Myokardinfarkt (Remodelingprotektion)
  • Diabetische Nephropathie (Nephroprotektion)

Kontraindikationen

  • Angioödem (absolute KI für ACE-Hemmer)
  • Schwangerschaft (teratogen!)
  • Beidseitige Nierenarterienstenose

7. Calciumantagonisten

Wirkstoffgruppen und Effekte

Gruppe Wirkstoffe Haupteffekt
Dihydropyridine Nifedipin, Amlodipin Periphere Vasodilatation (Arteriolen)
Verapamil Verapamil Negativ inotrop + chronotrop + dromotrop
Diltiazem Diltiazem Kombination aus beiden

Nebenwirkungen

Gruppe Typische NW
Dihydropyridine Hypotonie, Flush, Kopfschmerzen, Knöchelödeme, Reflextachykardie
Verapamil Bradykardie, Herzinsuffizienz-Verschlechterung
Diltiazem Kombination beider Gruppen

Kontraindikationen

  • Verapamil und Diltiazem: Herzinsuffizienz mit reduzierter EF; AV-Block II° und III°
  • Alle: Akutes Koronarsyndrom, Hypotonie
  • Verapamil/Diltiazem + Betablocker: Kombination → Gefahr des AV-Blocks!

8. Beta-Blocker

Selektivität und Effekte

Klasse Wirkstoffe Rezeptoren Besonderheit
Kardioselektiv (β1) Metoprolol, Bisoprolol β1 Negativ inotrop, chronotrop, dromotrop, bathmotrop
Unselektiv (β1+β2) Propranolol β1 + β2 Zusätzlich: Glykogenolyse ↓, Insulinsekretion ↓, Lipolyse ↓

Indikationen

Klasse Indikationen
Kardioselektiv KHK, ACS, Hypertonie, Herzinsuffizienz, tachykarde Rhythmusstörungen, Migräneprophylaxe
Unselektiv Portale Hypertension, Hyperthyreose, Migräne

Kontraindikationen

  • Bradykardie, Hypotonie, kardiale Dekompensation
  • Asthma bronchiale (besonders unselektive BB!)
  • Kombination mit Verapamil/Diltiazem
  • Raynaud-Syndrom, schwere pAVK

MERKE: Beta-Blocker müssen ein- und ausgeschlichen werden! Abruptes Absetzen → Rebound-Effekt mit Tachykardie, RR-Anstieg, Angina pectoris!


9. Amiodaron

Wirkmechanismus

Blockade von K+-Kanälen → Verlängerung der Aktionspotentialdauer und der Refraktärzeit → Antiarrhythmischer Effekt. Die Wirkdauer beträgt mehrere Monate wegen starker Gewebespeicherung (Halbwertszeit 40–55 Tage!).

Nebenwirkungen (zahlreich und wichtig!)

Organ/System Nebenwirkung
Schilddrüse Hyperthyreose oder Hypothyreose (Jodgehalt!)
Lunge Lungenfibrose (gefährlich, kann irreversibel sein)
Leber Transaminasenerhöhung, Steatohepatitis
Auge Kornea-Einlagerungen (reversible Sehstörungen)
Haut Photosensibilität, Grauverfärbung bei Licht
EKG QT-Verlängerung → Torsade de pointes!

Indikationen

  • Therapie und Sekundärprophylaxe von ventrikulären Tachykardien
  • Vorhofflimmern (Rhythmuskontrolle)
  • CPR bei defibrillierbarem Rhythmus (nach 3. erfolglosem Schock)

Kontraindikationen

  • Hyperthyreose (jodhaltig!)
  • Bradykardie, QT-Verlängerung
  • Iodallergie
  • Schwangerschaft, Stillzeit

10. Herzglykoside

Wirkmechanismus

Digoxin, Digitoxin: Hemmung der Na+/K+-ATPase → intrazelluläres Na+ ↑ → Ca2+ ↑ (über Na/Ca-Austauscher) → positiv inotrop, negativ chronotrop und dromotrop.

Indikationen und Kontraindikationen

Indikation Kontraindikation
Frequenzkontrolle bei Tachyarrhythmia absoluta AV-Block ≥ II°
(Herzinsuffizienz — selten, heute kaum noch) Hypokaliämie (erhöht Toxizität!)
Hyperkalzämie
Niereninsuffizienz (Digoxin — renal eliminiert)

Digitalis-Intoxikation

Ursachen:

  • Überdosierung
  • Niereninsuffizienz (Digoxin-Akkumulation)
  • Hypokaliämie begünstigt die Toxizität (Elektrolytinteraktion)

Symptome:

  • GI: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall
  • ZNS: Sehstörungen (Farbsehen verändert — klassisch Gelbsehen!)
  • Kardial: Herzrhythmusstörungen jeder Art

EKG-Zeichen:

  • Muldenförmige ST-Senkung (Löffelform) — direkte Digitalswirkung
  • Herzrhythmusstörungen: Extrasystolen bis totaler AV-Block oder Kammerflimmern

Therapie:

  1. Digitalis-Antitoxin (spezifische Antikörperfragmente)
  2. Magenspülung + Aktivkohle (bei oraler Überdosierung)
  3. Kalium hochnormal einstellen
  4. Colestyramin bei Digitoxin-Intoxikation (enterohepatischer Kreislauf)

11. Sympathomimetika

Rezeptorprofil und Wirkungen

Wirkstoff α1 β1 β2 Hauptwirkung
Noradrenalin ++ + Vasokonstriktion → RR ↑
Adrenalin ++ ++ ++ RR ↑ + Bronchodilatation + positiv inotrop/chronotrop
Dobutamin +++ + Positiv inotrop (wenig Vasokonstriktion)
Dopamin + (hoch) ++ (mittel) Dosisabhängig

β1-Effekte: positiv inotrop, chronotrop, dromotrop | β2-Effekte: Bronchodilatation | α1-Effekte: Vasokonstriktion

Klinische Anwendung

Indikation Mittel der Wahl
Anaphylaktischer Schock, CPR Adrenalin
Kardiogener Schock Dobutamin (± Noradrenalin bei Hypotonie)
Septischer Schock Noradrenalin

12. Atropin

Wirkmechanismus

Parasympatholytikum (Anticholinergikum): Kompetitiver Antagonist von Acetylcholin an muskarinergen Rezeptoren → Herzfrequenz ↑ (vagolytisch), AV-Überleitung ↑.

Klinische Anwendung

Indikation Dosierung
Bradykarde Herzrhythmusstörungen 0,5 mg i.v., Wiederholung bis max. 3 mg

Nebenwirkungen (anticholinerg): Tachykardie, Mundtrockenheit, Unruhe, Mydriasis, Harnverhalt

Antidot bei Überdosierung: Physostigmin (Cholinesterasehemmer)

Kontraindikationen: Tachykardie, paralytischer Ileus, Engwinkelglaukom


13. Statine

Wirkmechanismus

Simvastatin, Atorvastatin: Kompetitive Hemmung der HMG-CoA-Reduktase (Schlüsselenzym der Cholesterinbiosynthese in der Leber) → LDL-Cholesterin ↓↓, HDL-Cholesterin ↑.

Nebenwirkungen

Nebenwirkung Klinik
Myalgie Häufig — Muskelschmerzen ohne CK-Erhöhung
Myositis CK ↑ — Gefahr der Rhabdomyolyse!
Transaminasenerhöhung Leberwertkontrolle initial
GI-Beschwerden Häufig, meist leicht

Indikationen

  • Sekundärprävention bei: KHK, pAVK, ischämischer Schlaganfall
  • Primärprävention bei hohem kardiovaskulärem Risiko

Klinische Perlen

1. DOAK vs. VKA: kein Bridging. DOAK werden einfach 24-48h präoperativ abgesetzt — kein Heparin-Bridging nötig. VKA dagegen brauchen Überbrückung.

2. HIT II ist paradox. Trotz Thrombopenie entstehen Thrombosen. Heparin sofort absetzen, kein Thrombozytenkonzentrat geben!

3. ACE-Hemmer-Husten = Klasse-Effekt. Bradykinin-bedingt, irreversibel — bei Unverträglichkeit auf Sartan umstellen.

4. Amiodaron wirkt monatelang. NW (Schilddrüse, Lunge, Kornea) können noch Monate nach Absetzen auftreten. Langzeitmonitoring erforderlich.

5. Beta-Blocker niemals abrupt absetzen. Rebound-Effekt mit Tachykardie und möglichem MI! Immer ausschleichen.

6. Hypokaliämie + Digitalis = gefährliche Kombination. K+ normalisieren, bevor Herzglykoside eingesetzt werden!


Prüfungstipps

  • Bridging-Regel: VKA = Bridging nötig | DOAK = kein Bridging
  • DOAK-Antagonisten: Dabigatran → Idarucizumab | Apixaban/Rivaroxaban → Andexanet alfa
  • HIT II: Thrombopenie + Thrombose, Tag ≥5, sofort absetzen
  • Reizhusten: ACE-Hemmer (Bradykinin), nicht Sartane
  • Amiodaron-NW kennen: Schilddrüse, Lunge, Leber, Kornea, QT-Verlängerung
  • Digitalis-Intoxikation: Hypokaliämie als Risikofaktor, muldenförmige ST-Senkung
  • Beta-Blocker: ein- und ausschleichen — nie abrupt!

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
VKA (Phenprocoumon) Vitamin-K-Antagonist: hemmt Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X
DOAK Direkte orale Antikoagulantien: direkte Hemmung von Thrombin (Dabigatran) oder Faktor Xa
Bridging Perioperative Überbrückung der VKA-Therapie mit Heparin
HIT II Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II: Antikörper + Thrombosen — sofort Heparin absetzen
RAAS Renin-Angiotensin-Aldosteron-System: Blutdruckregulation über Vasokonstriktion + Natriumretention
Reizhusten ACE-Hemmer-spezifische NW durch Bradykinin-Akkumulation
Muldenförmige ST-Senkung EKG-Zeichen der Digitalswirkung/Intoxikation
HMG-CoA-Reduktase Schlüsselenzym der Cholesterinbiosynthese — Angriffspunkt der Statine
Idarucizumab Spezifisches Antidot für Dabigatran
Andexanet alfa Spezifisches Antidot für Faktor-Xa-Hemmer (Apixaban, Rivaroxaban)

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Ätiologie (Indikationen für kardiovaskuläre Pharmakotherapie)

Die Kardiovaskuläre Pharmakologie befasst sich mit Arzneimitteln zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die wichtigsten klinischen Indikationen, die eine pharmakologische Therapie erfordern:

  • Arterielle Hypertonie: Prävalenz ~30 % in Deutschland; häufigste Indikation für kardiovaskuläre Pharmaka; multifaktoriell (Genetik, Adipositas, Salz, Stress)
  • Herzinsuffizienz (HFrEF/HFpEF): Ischämisch, hypertensiv, dilatativ, valvulär; erfordert komplexes Therapieschema
  • Koronare Herzkrankheit (KHK): Arteriosklerotische Plaques → Angina pectoris, ACS; Risikofaktoren: Rauchen, Diabetes, Dyslipidämie, Hypertonie
  • Herzrhythmusstörungen: Vorhofflimmern (häufigste Arrhythmie), ventrikuläre Tachykardien, AV-Blockierungen
  • Dyslipidämie: Primär (genetisch, z.B. familiäre Hypercholesterinämie) oder sekundär (Diabetes, Hypothyreose, Nierenerkrankung)
  • Thrombose und Embolie: DVT, Lungenembolie, Vorhofflimmern → Antikoagulation; Arteriosklerose → Thrombozytenaggregationshemmung

Symptome (bei kardiovaskulären Erkrankungen, die pharmakologisch behandelt werden)

Die Symptomatik kardiovaskulärer Erkrankungen, die eine pharmakologische Therapie erfordern, umfasst:

  • Hypertonie: Meist asymptomatisch (stille Killer); Symptome bei hypertensiver Krise: Kopfschmerz, Schwindel, Sehstörungen, Epistaxis, Angina
  • Herzinsuffizienz: Dyspnoe (Belastung → Ruhe), Orthopnoe, nächtliche Dyspnoe (PNR), Ödeme, Aszites, Leistungsminderung, Fatigue
  • Angina pectoris: Retrosternaler Druck/Enge, Ausstrahlung in Arm/Kiefer/Rücken, Schweißausbruch, Übelkeit; stabil (belastungsinduziert) vs. instabil (in Ruhe)
  • Vorhofflimmern: Herzrasen, Palpitationen, Unregelmäßigkeit des Pulses, Schwindel, Dyspnoe, ggf. asymptomatisch (Zufallsbefund)
  • Medikamentöse Nebenwirkungen: ACE-Hemmer → trockener Reizhusten; Calciumantagonisten → periphere Ödeme; Betablocker → Bradykardie, Bronchospasmus; Diuretika → Elektrolytstörungen

Komplikationen (pharmakologisch)

Kardiovaskuläre Pharmaka können bei falscher Dosierung oder Kombination zu schwerwiegenden Komplikationen führen:

  • Digitalistoxizität: Übelkeit, Sehstörungen (Xanthopsie), Herzrhythmusstörungen (AV-Block, ventrikuläre Arrhythmien); therapeutischer Bereich sehr eng (0,5–2,0 ng/ml)
  • Amiodaron-Toxizität: Pulmonale Fibrose, Thyreoiditis (Hypo-/Hyperthyreose), Hepatotoxizität, Photosensibilisierung, Kornealablagerungen
  • QT-Verlängerung / Torsade de pointes: Antiarrhythmika (Klasse Ia, III), Antihistaminika, Antibiotika (Makrolide, Fluorochinolone) → Cave Kombinationen
  • Blutungsrisiko unter Antikoagulation: Intrakranielle Blutung (gefährlichste), gastrointestinale Blutung; HAS-BLED-Score zur Risikoabschätzung
  • Hypotonie/Synkope: Überdosierung von Antihypertensiva, insbesondere Kombination ACE-Hemmer + Diuretikum + α-Blocker
  • Rhabdomyolyse: Selten bei Statin + Fibrat-Kombination oder bei hohen Statindosen; CK-Anstieg, Myalgie, Myoglobinurie

Prognose

Die Prognose kardiovaskulärer Erkrankungen hat sich durch moderne Pharmakotherapie erheblich verbessert. Evidenzbasierte Therapien verlängern das Leben und verbessern die Lebensqualität:

  • Herzinsuffizienz (HFrEF): ACE-Hemmer + Betablocker + MRA + SGLT2-Inhibitor (ARNI) → Mortalitätsreduktion bis 40 % (RALES, PARADIGM-HF, DAPA-HF)
  • Nach Myokardinfarkt: Thrombozytenaggregationshemmung (ASS + P2Y12-Inhibitor) + Statin + Betablocker + ACE-Hemmer → deutliche Prognoseverbesserung
  • Vorhofflimmern: Antikoagulation (NOAK bevorzugt) reduziert Schlaganfallrisiko um ~65 %
  • Hypertonie: Jede 10-mmHg-RR-Reduktion senkt kardiovaskuläres Risiko um ~20 %; Ziel lt. ESC-Leitlinie < 130/80 mmHg bei den meisten Patienten
  • Dyslipidämie: Hochintensive Statintherapie (Atorvastatin 40–80 mg) reduziert LDL um 50 % und kardiovaskuläre Ereignisse signifikant (4S, HPS, JUPITER)

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Pharmakologische Grundlagen & Wirkmechanismen

Kardiovaskuläre Pharmaka greifen an verschiedenen Ebenen der Herzkreislauf-Regulation an:

  • Beta-Blocker (β-Adrenozeptor-Antagonisten): Kompetitive Hemmung von Beta₁- (Herz) und Beta₂-Rezeptoren (Bronchien, Gefäße). Wirkung: negative Chrono-, Dromo-, Inotropie → HF-Senkung, RR-Senkung. Kardioselektiv (Metoprolol, Bisoprolol, Atenolol) vs. nicht-kardioselektiv (Propranolol, Carvedilol)
  • ACE-Hemmer (ACEI): Hemmung der Angiotensin-Converting-Enzyme → kein Angiotensin II → Vasodilatation + Aldosteron↓ + Bradykinin↑. Organoprotektive Wirkung an Herz und Niere
  • AT₁-Rezeptor-Blocker (ARB/Sartane): Direkte Blockade des AT₁-Rezeptors → ähnlicher Effekt wie ACEI, ohne Bradykinin-Akkumulation (kein Husten)
  • Kalziumantagonisten (Ca-Antagonisten):
    • Dihydropyridine (Amlodipin, Nifedipin): vorwiegend vaskulär → Vasodilatation, RR-Senkung
    • Non-Dihydropyridine (Verapamil, Diltiazem): kardial → negative Chronotropie, Dromotropie (AV-Hemmung)
  • Diuretika: Thiazide (Hydrochlorothiazid) — Hemmung NaCl-Kotransporter im distalen Tubulus; Schleifendiuretika (Furosemid) — Hemmung Na-K-2Cl-Kotransporter in Henle-Schleife; Kaliumsparende (Spironolacton/Eplerenon — MRA)
  • Statine (HMG-CoA-Reduktase-Hemmer): Atorvastatin, Rosuvastatin — LDL-Senkung + pleiotrope antiinflammatorische Effekte; Plaquenstabilisierung
  • Antiarrhythmika (Vaughan Williams): Klasse I (Na-Kanal: Flecainid, Propafenon), II (Beta-Blocker), III (K-Kanal: Amiodaron, Sotalol), IV (Ca-Antagonisten)

Klinische Anwendung & Indikationen

  • Beta-Blocker: KHK, Herzinsuffizienz (HFrEF — Mortalitätsreduktion!), Hypertonie, VHF-Frequenzkontrolle, Tachyarrhythmien, sekundärprophylaxe nach Myokardinfarkt
  • ACEI/ARB: Herzinsuffizienz (HFrEF), Hypertonie, diabetische Nephropathie, Myokardinfarkt (Postinfarkt-Remodeling)
  • Kalziumantagonisten: Hypertonie (Dihydropyridine), stabile Angina pectoris, VHF-Frequenzkontrolle (Verapamil/Diltiazem — CAVE: nicht bei HFrEF!), Raynaud-Syndrom
  • Diuretika: Hypertonie, Herzinsuffizienz (Symptomkontrolle), Ödeme, Nephrolithiasis (Thiazide bei Kalziumsteinen)
  • Statine: Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse; obligat nach Myokardinfarkt, bei KHK und bei hohem kardiovaskulärem Risiko
  • NOAKs: Vorhofflimmern (Schlaganfallprophylaxe), VTE-Behandlung und -Prophylaxe, mechanischer Klappenersatz (CAVE: hier Vit-K-Antagonisten!)

Nebenwirkungen & Kontraindikationen

  • Beta-Blocker: Bradykardie, AV-Block, Bronchospasmus (CAVE: Asthma/COPD bei nicht-kardioselektiven), Kältegefühl der Extremitäten, Maskierung einer Hypoglykämie, sexuelle Dysfunktion, Müdigkeit
  • ACEI: Trockener Reizhusten (Bradykinin, häufig!), Angioödem (selten, aber gefährlich), Hyperkaliämie, Nierenversagen bei Nierenstenose (bilaterale NAS — kontraindiziert!), Hypotonie (Erstdosis)
  • Kalziumantagonisten: Flush, Ödeme (Dihydropyridine), Obstipation (Verapamil), Bradykardie, AV-Block (Non-DHP)
  • Schleifendiuretika: Hypokaliämie, Hyponatriämie, Dehydratation, Ototoxizität (hochdosiert i.v.), Hyperurikämie, Gicht-Auslösung
  • Statine: Myalgie/Myopathie (selten: Rhabdomyolyse, CK-Anstieg), Transaminasenanstieg (meist transient), erhöhtes Diabetesrisiko (gering)
  • Amiodaron: Thyreotoxikose/Hypothyreose (Jodgehalt!), Lungentoxizität (Amiodaronpneumonitis), Hepatotoxizität, Fotosensibilität, Hornhautablagerungen

Evidenz & Prognostische Relevanz

Kardiovaskuläre Pharmaka zählen zu den am besten belegten Medikamentenklassen in der Medizin:

  • Beta-Blocker + ACEI/ARB + MRA bei HFrEF: kombiniert bis zu 40 % Mortalitätsreduktion (MERIT-HF, CIBIS-II, RALES, EMPHASIS-HF-Studien)
  • Statine: Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse um ca. 25–30 % pro 1 mmol/l LDL-Senkung (CTT Collaboration Meta-Analyse)
  • NOAKs bei VHF: Schlaganfallreduktion vs. Placebo ca. 60–70 %; überlegen gegenüber Warfarin in allen wichtigen Endpunkten (RE-LY, ARISTOTLE, ROCKET-AF)
  • ACE-Hemmer nach STEMI: signifikante Mortalitätssenkung in ersten 6 Wochen (ISIS-4, GISSI-3)

Eine medikamentöse Therapie sollte stets in Kombination mit Lebensstilmodifikation (Diät, Bewegung, Rauchstopp) erfolgen.

Pharmakologische Grundlagen & Wirkmechanismen

Kardiovaskuläre Pharmaka greifen an verschiedenen Ebenen der Herzkreislauf-Regulation an:

  • Beta-Blocker (β-Adrenozeptor-Antagonisten): Kompetitive Hemmung von Beta₁- (Herz) und Beta₂-Rezeptoren (Bronchien, Gefäße). Wirkung: negative Chrono-, Dromo-, Inotropie → HF-Senkung, RR-Senkung. Kardioselektiv (Metoprolol, Bisoprolol, Atenolol) vs. nicht-kardioselektiv (Propranolol, Carvedilol)
  • ACE-Hemmer (ACEI): Hemmung der Angiotensin-Converting-Enzyme → kein Angiotensin II → Vasodilatation + Aldosteron↓ + Bradykinin↑. Organoprotektive Wirkung an Herz und Niere
  • AT₁-Rezeptor-Blocker (ARB/Sartane): Direkte Blockade des AT₁-Rezeptors → ähnlicher Effekt wie ACEI, ohne Bradykinin-Akkumulation (kein Husten)
  • Kalziumantagonisten (Ca-Antagonisten):
    • Dihydropyridine (Amlodipin, Nifedipin): vorwiegend vaskulär → Vasodilatation, RR-Senkung
    • Non-Dihydropyridine (Verapamil, Diltiazem): kardial → negative Chronotropie, Dromotropie (AV-Hemmung)
  • Diuretika: Thiazide (Hydrochlorothiazid) — Hemmung NaCl-Kotransporter im distalen Tubulus; Schleifendiuretika (Furosemid) — Hemmung Na-K-2Cl-Kotransporter in Henle-Schleife; Kaliumsparende (Spironolacton/Eplerenon — MRA)
  • Statine (HMG-CoA-Reduktase-Hemmer): Atorvastatin, Rosuvastatin — LDL-Senkung + pleiotrope antiinflammatorische Effekte; Plaquenstabilisierung
  • Antiarrhythmika (Vaughan Williams): Klasse I (Na-Kanal: Flecainid, Propafenon), II (Beta-Blocker), III (K-Kanal: Amiodaron, Sotalol), IV (Ca-Antagonisten)

Klinische Anwendung & Indikationen

  • Beta-Blocker: KHK, Herzinsuffizienz (HFrEF — Mortalitätsreduktion!), Hypertonie, VHF-Frequenzkontrolle, Tachyarrhythmien, sekundärprophylaxe nach Myokardinfarkt
  • ACEI/ARB: Herzinsuffizienz (HFrEF), Hypertonie, diabetische Nephropathie, Myokardinfarkt (Postinfarkt-Remodeling)
  • Kalziumantagonisten: Hypertonie (Dihydropyridine), stabile Angina pectoris, VHF-Frequenzkontrolle (Verapamil/Diltiazem — CAVE: nicht bei HFrEF!), Raynaud-Syndrom
  • Diuretika: Hypertonie, Herzinsuffizienz (Symptomkontrolle), Ödeme, Nephrolithiasis (Thiazide bei Kalziumsteinen)
  • Statine: Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse; obligat nach Myokardinfarkt, bei KHK und bei hohem kardiovaskulärem Risiko
  • NOAKs: Vorhofflimmern (Schlaganfallprophylaxe), VTE-Behandlung und -Prophylaxe, mechanischer Klappenersatz (CAVE: hier Vit-K-Antagonisten!)

Nebenwirkungen & Kontraindikationen

  • Beta-Blocker: Bradykardie, AV-Block, Bronchospasmus (CAVE: Asthma/COPD bei nicht-kardioselektiven), Kältegefühl der Extremitäten, Maskierung einer Hypoglykämie, sexuelle Dysfunktion, Müdigkeit
  • ACEI: Trockener Reizhusten (Bradykinin, häufig!), Angioödem (selten, aber gefährlich), Hyperkaliämie, Nierenversagen bei Nierenstenose (bilaterale NAS — kontraindiziert!), Hypotonie (Erstdosis)
  • Kalziumantagonisten: Flush, Ödeme (Dihydropyridine), Obstipation (Verapamil), Bradykardie, AV-Block (Non-DHP)
  • Schleifendiuretika: Hypokaliämie, Hyponatriämie, Dehydratation, Ototoxizität (hochdosiert i.v.), Hyperurikämie, Gicht-Auslösung
  • Statine: Myalgie/Myopathie (selten: Rhabdomyolyse, CK-Anstieg), Transaminasenanstieg (meist transient), erhöhtes Diabetesrisiko (gering)
  • Amiodaron: Thyreotoxikose/Hypothyreose (Jodgehalt!), Lungentoxizität (Amiodaronpneumonitis), Hepatotoxizität, Fotosensibilität, Hornhautablagerungen

Evidenz & Prognostische Relevanz

Kardiovaskuläre Pharmaka zählen zu den am besten belegten Medikamentenklassen in der Medizin:

  • Beta-Blocker + ACEI/ARB + MRA bei HFrEF: kombiniert bis zu 40 % Mortalitätsreduktion (MERIT-HF, CIBIS-II, RALES, EMPHASIS-HF-Studien)
  • Statine: Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse um ca. 25–30 % pro 1 mmol/l LDL-Senkung (CTT Collaboration Meta-Analyse)
  • NOAKs bei VHF: Schlaganfallreduktion vs. Placebo ca. 60–70 %; überlegen gegenüber Warfarin in allen wichtigen Endpunkten (RE-LY, ARISTOTLE, ROCKET-AF)
  • ACE-Hemmer nach STEMI: signifikante Mortalitätssenkung in ersten 6 Wochen (ISIS-4, GISSI-3)

Eine medikamentöse Therapie sollte stets in Kombination mit Lebensstilmodifikation (Diät, Bewegung, Rauchstopp) erfolgen.

Definition 🔗

Kardiovaskuläre Pharmaka umfassen alle Medikamente, die auf Hämostase, Herzrhythmus, Herzfunktion oder Blutdruck wirken. Dieses Kapitel behandelt die wichtigsten Klassen: Antikoagulantien, Thrombozytenhemmer, Diuretika, RAAS-Inhibitoren, Calciumantagonisten, Beta-Blocker, Antiarrhythmika, Herzglykoside, Sympathomimetika und Statine.


✨ Clinical Pearls

**1. DOAK vs. VKA: kein Bridging.** DOAK werden einfach 24-48h präoperativ abgesetzt — kein Heparin-Bridging nötig. VKA dagegen brauchen Überbrückung.

**2. HIT II ist paradox.** Trotz Thrombopenie entstehen Thrombosen. Heparin sofort absetzen, kein Thrombozytenkonzentrat geben!

**3. ACE-Hemmer-Husten = Klasse-Effekt.** Bradykinin-bedingt, irreversibel — bei Unverträglichkeit auf Sartan umstellen.

**4. Amiodaron wirkt monatelang.** NW (Schilddrüse, Lunge, Kornea) können noch Monate nach Absetzen auftreten. Langzeitmonitoring erforderlich.

**5. Beta-Blocker niemals abrupt absetzen.** Rebound-Effekt mit Tachykardie und möglichem MI! Immer ausschleichen.

**6. Hypokaliämie + Digitalis = gefährliche Kombination.** K+ normalisieren, bevor Herzglykoside eingesetzt werden!

Prüfungstipps

  • - Bridging-Regel: VKA = Bridging nötig | DOAK = kein Bridging
  • - DOAK-Antagonisten: Dabigatran → Idarucizumab | Apixaban/Rivaroxaban → Andexanet alfa
  • - HIT II: Thrombopenie + Thrombose, Tag ≥5, sofort absetzen
  • - Reizhusten: ACE-Hemmer (Bradykinin), nicht Sartane
  • - Amiodaron-NW kennen: Schilddrüse, Lunge, Leber, Kornea, QT-Verlängerung
  • - Digitalis-Intoxikation: Hypokaliämie als Risikofaktor, muldenförmige ST-Senkung
  • - Beta-Blocker: ein- und ausschleichen — nie abrupt!

Schlüsselbegriffe

BegriffVKA (Phenprocoumon)DOAKBridgingHIT IIRAASReizhustenMuldenförmige ST-SenkungHMG-CoA-ReduktaseIdarucizumabAndexanet alfa

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