★★ Wichtig Kardiologie 20 Min.

Akuter arterieller Verschluss

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Akute Ischämie einer Extremität durch plötzlichen Arterienverschluss — unbehandelt irreversible Gewebsnekrose
  • 2. Häufigste Ursache (80 %): arterielle Embolie — meist kardialen Ursprungs (Vorhofflimmern)
  • 3. Leitsymptome: die 6 Ps nach Pratt — Pain, Paleness, Pulselessness, Paralysis, Paresthesia, Prostration
  • 4. Ischämietoleranz: Nerven 3 h, Muskeln 6 h, Haut 12 h — Zeitfenster ist entscheidend!
  • 5. Therapie der Wahl: Fogarty-Embolektomie innerhalb von 6 Stunden

Fallvignette

Ein 68-jähriger Patient stellt sich in der Notaufnahme vor mit plötzlich einsetzendem, starkem Schmerz im linken Bein seit einer Stunde.

Der Patient beschreibt den Schmerz als unerträglich, beginnend im Unterschenkel und aufsteigend. Das Bein sei kalt und taubheitsgefühl sei eingetreten. Vorbekannte Herzrhythmusstörung (Vorhofflimmern), aktuell nicht antikoaguliert. Klinische Untersuchung: linkes Bein blass, kalt, kein tastbarer Puls an A. poplitea, A. tibialis posterior und A. dorsalis pedis. Keine Beweglichkeit der Zehen. RR 135/80 mmHg (rechts), Herzfrequenz 92/min, absolut arrhythmisch. Doppler: kein Flusssignal distal der A. femoralis superficialis links.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Akuter arterieller Verschluss

Auf einen Blick

  1. Akute Ischämie einer Extremität durch plötzlichen Arterienverschluss — unbehandelt irreversible Gewebsnekrose
  2. Häufigste Ursache (80 %): arterielle Embolie — meist kardialen Ursprungs (Vorhofflimmern)
  3. Leitsymptome: die 6 Ps nach Pratt — Pain, Paleness, Pulselessness, Paralysis, Paresthesia, Prostration
  4. Ischämietoleranz: Nerven 3 h, Muskeln 6 h, Haut 12 h — Zeitfenster ist entscheidend!
  5. Therapie der Wahl: Fogarty-Embolektomie innerhalb von 6 Stunden

Fallvignette

Ein 68-jähriger Patient stellt sich in der Notaufnahme vor mit plötzlich einsetzendem, starkem Schmerz im linken Bein seit einer Stunde.

Der Patient beschreibt den Schmerz als unerträglich, beginnend im Unterschenkel und aufsteigend. Das Bein sei kalt und taubheitsgefühl sei eingetreten. Vorbekannte Herzrhythmusstörung (Vorhofflimmern), aktuell nicht antikoaguliert. Klinische Untersuchung: linkes Bein blass, kalt, kein tastbarer Puls an A. poplitea, A. tibialis posterior und A. dorsalis pedis. Keine Beweglichkeit der Zehen. RR 135/80 mmHg (rechts), Herzfrequenz 92/min, absolut arrhythmisch. Doppler: kein Flusssignal distal der A. femoralis superficialis links.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition

Ein akuter arterieller Verschluss ist die plötzliche vollständige Unterbrechung der Blutversorgung einer Extremität, die ohne sofortige Behandlung zur irreversiblen Gewebsnekrose führt. Er stellt einen vaskulären Notfall dar und verlangt unverzügliches Handeln.


Ätiologie & Risikofaktoren

Arterielle Embolie (80 %)

Die häufigste Ursache. Ein Thrombus bildet sich anderswo und wird in die Peripherie verschleppt.

Emboliequelle Häufigkeit Klinischer Hinweis
Kardiale Embolie 90 % der Embolien Vorhofflimmern, Klappenvitien, Herzwandaneurysma, Endokarditis
Periphere Aneurysmata <10 % Aortenaneurysma, Popliteaaneurysma

Arterielle Thrombose (20 %)

Lokale Thrombusbildung auf vorgeschädigtem Gefäß:

  • Arteriosklerose (bekannte pAVK in der Anamnese)
  • Gefäßprothese (Verlegung)
  • Trauma
  • Hormonelle Kontrazeption, Polyglobulie, Thrombozytose

Seltener

  • Aortendissektion mit Verlegung der Extremitätengefäße

Merkregel: Embolie = akut, herzgesunder oder Vorhofflimmern-Patient. Thrombose = subakut, bekannte pAVK.


Pathophysiologie

Der verschlossene Arterie kann kein Blut mehr liefern. Das ischämische Gewebe verbraucht rasch seine Sauerstoffreserven. Unterschiedliche Gewebe haben unterschiedliche Toleranzen — entscheidend ist die 3-6-12-Regel der Ischämietoleranz:

Gewebe Ischämietoleranz
Nerven 3 Stunden
Muskeln 6 Stunden
Haut 12 Stunden

Nach Überschreiten der Toleranzzeit entstehen irreversible Schäden. Deshalb zählt jede Minute: Sensibilitätsverlust ist oft das erste klinische Alarmzeichen für eine drohende Nekrose.


Klassifikation

Nach TASC / Rutherford

Grad Sensibilität Motorik Arteriell-Doppler Venös-Doppler Bedrohung
I Normal Normal Nachweisbar Nachweisbar Nicht gefährdet
IIa Minimal eingeschränkt Normal Oft nicht nachweisbar Nachweisbar Gering — dringliche Revaskularisation
IIb Deutlich eingeschränkt Parese Nicht nachweisbar Nachweisbar Unmittelbar — sofortige Revaskularisation
III Anästhesie Paralyse Nicht nachweisbar Nicht nachweisbar Irreversibel — Amputation

Motorische und sensible Ausfälle sind die entscheidenden Parameter für die Extremitätengefährdung!


Symptome & Klinik

Die 6 Ps nach Pratt

Symptom Bedeutung
Pain Plötzlicher, heftiger Schmerz distal des Verschlusses
Paleness Blasse, im Verlauf livide/zyanotische Haut
Pulselessness Fehlender Puls distal des Verschlusses
Paralysis Motorische Ausfälle (Parese bis Paralyse)
Paresthesia Taubheitsgefühl, Kribbeln — oft frühstes Zeichen
Prostration Schocksymptomatik

Embolie vs. Thrombose

Merkmal Embolie Thrombose
Beginn Akut (Sekunden bis Minuten) Subakut (Stunden)
Vorerkrankung Herzerkrankung, Vorhofflimmern Bekannte pAVK
Gegenseite Meist unauffällig Oft beidseits betroffen

Leriche-Syndrom (akut)

Kompletter Verschluss der Aortenbifurkation: bilaterale Beinschmerzen + fehlende Leistenpulse + Schock — Notfall!


Diagnostik

Anamnese

  • Bekannte Herzerkrankung, Vorhofflimmern? (→ Embolie)
  • Bekannte pAVK? (→ Thrombose)
  • Schmerzcharakter, Beginn, Begleiterkrankungen

Körperliche Untersuchung

  • Hautfarbe und -temperatur im Seitenvergleich
  • Pulsstatus: A. femoralis, A. poplitea, A. dorsalis pedis, A. tibialis posterior
  • Prüfung der pDMS (Pulse, Durchblutung, Motorik, Sensibilität)

Bildgebung

Methode Einsatz
Doppler-Sonographie / Farbduplex Erste Bildgebung — Nachweis und Lokalisation des Verschlusses
DSA / Angio-CT / Angio-MRT Nur wenn zeitlich vertretbar, insb. bei Thrombose
Transösophageales Echo (TEE) Bei Verdacht auf thorakale Aorta

Embolie im Bild: Kurzstreckiger Verschluss — abruptes Ende
Thrombose im Bild: Langstreckiger Verschluss — vorbestehende Kollateralen


Differentialdiagnosen

Diagnose Unterschied
pAVK Stadium IV Chronisch, keine akute Verschlechterung, Fontaine-Stadium
Phlegmasia coerulea dolens (TVT) Venöse Genese, Schwellung, Überwärmung
Aortendissektion Vernichtungsschmerz thorakal/dorsal, beidseitige Symptomatik
Kompartmentsyndrom Nach Trauma, brettharte Muskulatur

Therapie

Sofortmaßnahmen (Notfall!)

  1. Heparin i.v. — 5000 IE als Bolus, danach Perfusor (15 IE/kgKG/h) → verhindert Thrombusausdehnung
  2. Analgesie — Morphin 5–10 mg i.v.
  3. Extremitätentieflagerung — Schwerkraft verbessert die Perfusion
  4. Watteverband — Schutz vor Auskühlung (kein Kompressionsverband!)

Interventionelle Therapie

Katheterthrombembolektomie nach Fogarty (Methode der Wahl bei Embolie):

  1. Ballonkatheter wird über den Thrombus hinaus vorgeschoben
  2. Ballon wird befüllt
  3. Katheter wird zurückgezogen → Thrombus wird mitgezogen

Lokale Thrombolyse mit Alteplase — insb. bei arterieller Thrombose (Thrombus lokal auflösen)

Aspirationsthrombembolektomie — mechanische Absaugung

Chirurgische Therapie

  • Thrombendarteriektomie (insb. bei Thrombose)
  • Bypass-Verfahren (bei Thrombose mit langer Verschlussstrecke)
  • Ultima ratio: Amputation der betroffenen Extremität

Kausale Therapie

Emboliequelle suchen und behandeln: Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern), Herzwandaneurysma, Endokarditis.


Komplikationen

Reperfusionssyndrom (Tourniquet-Syndrom)

Nach Wiederherstellung der Durchblutung — besonders bei Ischämiedauer >6 h:

Mechanismus Folge
Einschwemmen von Metaboliten Azidose, Hyperkaliämie → Herzrhythmusstörungen
Myoglobinfreisetzung (Rhabdomyolyse) Myoglobinurie → Crush-Niere (Akutes Nierenversagen)
Reperfusionsödem Kompartmentsyndrom, hypovolämischer Schock
Aktivierung der Gerinnung DIC (disseminierte intravasale Gerinnung)
Organkaskade Multiorganversagen

Therapie des Reperfusionssyndroms: symptomatisch, engmaschige Überwachung, ggf. Amputation


Prognose

  • Gute Prognose, wenn Embolektomie in den ersten 6 Stunden erfolgt
  • Schlechte Prognose bei Verschluss >6 h → Extremitätenverlust droht
  • Neurologische Ausfälle bei Präsentation sind prognostisch ungünstig (Grad IIb/III)

Prävention

  • Therapie der Grunderkrankung (z.B. Antikoagulation bei Vorhofflimmern)
  • Popliteaaneurysma: operative Versorgung bei Diameter >2 cm oder bei Symptomen — um Emboliequelle zu eliminieren
  • Regelmäßige Kontrollen bei bekannter pAVK

Klinische Perlen

1. Parästhesien = Alarmsignal. Sensibilitätsverlust ist häufig das erste Zeichen einer vitalen Bedrohung. Sobald Sensibilität fehlt, zählt jede Minute.

2. Embolie vs. Thrombose — klinisch unterscheiden. Vorhofflimmern + plötzliche Ischämie = Embolie. Bekannte pAVK + subakute Verschlechterung = Thrombose. Das beeinflusst den Therapieweg.

3. Fogarty-Katheter merken. Die Embolektomie nach Fogarty ist die Standardoperation bei der Embolie — Prüfer fragen nach dem Prinzip.

4. Watteverband, kein Kompressionsverband. Bei akuter Ischämie ist Kompression strikt kontraindiziert — sie verschlechtert die ohnehin kritische Perfusion.


Prüfungstipps

  • 6 Ps auswendig lernen — klassische Prüfungsfrage, oft als klinisches Szenario
  • Ischämietoleranz 3-6-12 ist eine der häufigsten Zahlen im Gefäßkapitel
  • Unterschied Embolie vs. Thrombose — Prüfer geben Hinweise auf Vorhofflimmern oder pAVK
  • Reperfusionssyndrom — Hyperkaliämie + Myoglobinurie nach Revaskularisation = typische OSCE-Folgefrage
  • Stadien nach TASC/Rutherford: Grad IIb = sofortige, Grad III = Amputation erwägen

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
6 Ps nach Pratt Kardinalsymptome der akuten Extremitätenischämie: Pain, Paleness, Pulselessness, Paralysis, Paresthesia, Prostration
Ischämietoleranz Zeit bis zur irreversiblen Schädigung: Nerven 3 h, Muskeln 6 h, Haut 12 h
Fogarty-Katheter Ballonkatheter zur mechanischen Embolektomie
Reperfusionssyndrom Lebensbedrohliche Komplikation nach Revaskularisation: Azidose, Hyperkaliämie, Rhabdomyolyse
Leriche-Syndrom (akut) Bilateraler Extremitätenverschluss durch Aortenbifurkationsverschluss + Schock
pDMS Pulse, Durchblutung, Motorik, Sensibilität — klinischer Schnellcheck

🎓 Jetzt für KP & FSP vorbereiten

Dieses KP-Buch-Kapitel ist Teil unserer Kursvorbereitung. Im All-in-One Masterkurs findest du alle Fachgebiete, Prüfungsprotokolle und Arztbrief-Training.

Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Definition 🔗

Ein akuter arterieller Verschluss ist die plötzliche vollständige Unterbrechung der Blutversorgung einer Extremität, die ohne sofortige Behandlung zur irreversiblen Gewebsnekrose führt. Er stellt einen vaskulären Notfall dar und verlangt unverzügliches Handeln.


Ätiologie 🔗

Arterielle Embolie (80 %)

Die häufigste Ursache. Ein Thrombus bildet sich anderswo und wird in die Peripherie verschleppt.

Emboliequelle Häufigkeit Klinischer Hinweis
Kardiale Embolie 90 % der Embolien Vorhofflimmern, Klappenvitien, Herzwandaneurysma, Endokarditis
Periphere Aneurysmata <10 % Aortenaneurysma, Popliteaaneurysma

Arterielle Thrombose (20 %)

Lokale Thrombusbildung auf vorgeschädigtem Gefäß:

  • Arteriosklerose (bekannte pAVK in der Anamnese)
  • Gefäßprothese (Verlegung)
  • Trauma
  • Hormonelle Kontrazeption, Polyglobulie, Thrombozytose

Seltener

  • Aortendissektion mit Verlegung der Extremitätengefäße

Merkregel: Embolie = akut, herzgesunder oder Vorhofflimmern-Patient. Thrombose = subakut, bekannte pAVK.


Pathophysiologie 🔗

Der verschlossene Arterie kann kein Blut mehr liefern. Das ischämische Gewebe verbraucht rasch seine Sauerstoffreserven. Unterschiedliche Gewebe haben unterschiedliche Toleranzen — entscheidend ist die 3-6-12-Regel der Ischämietoleranz:

Gewebe Ischämietoleranz
Nerven 3 Stunden
Muskeln 6 Stunden
Haut 12 Stunden

Nach Überschreiten der Toleranzzeit entstehen irreversible Schäden. Deshalb zählt jede Minute: Sensibilitätsverlust ist oft das erste klinische Alarmzeichen für eine drohende Nekrose.


Symptome & Klinik 🔗

Nach TASC / Rutherford

Grad Sensibilität Motorik Arteriell-Doppler Venös-Doppler Bedrohung
I Normal Normal Nachweisbar Nachweisbar Nicht gefährdet
IIa Minimal eingeschränkt Normal Oft nicht nachweisbar Nachweisbar Gering — dringliche Revaskularisation
IIb Deutlich eingeschränkt Parese Nicht nachweisbar Nachweisbar Unmittelbar — sofortige Revaskularisation
III Anästhesie Paralyse Nicht nachweisbar Nicht nachweisbar Irreversibel — Amputation

Motorische und sensible Ausfälle sind die entscheidenden Parameter für die Extremitätengefährdung!


Die 6 Ps nach Pratt

Symptom Bedeutung
Pain Plötzlicher, heftiger Schmerz distal des Verschlusses
Paleness Blasse, im Verlauf livide/zyanotische Haut
Pulselessness Fehlender Puls distal des Verschlusses
Paralysis Motorische Ausfälle (Parese bis Paralyse)
Paresthesia Taubheitsgefühl, Kribbeln — oft frühstes Zeichen
Prostration Schocksymptomatik

Embolie vs. Thrombose

Merkmal Embolie Thrombose
Beginn Akut (Sekunden bis Minuten) Subakut (Stunden)
Vorerkrankung Herzerkrankung, Vorhofflimmern Bekannte pAVK
Gegenseite Meist unauffällig Oft beidseits betroffen

Leriche-Syndrom (akut)

Kompletter Verschluss der Aortenbifurkation: bilaterale Beinschmerzen + fehlende Leistenpulse + Schock — Notfall!


Diagnostik 🔗

Anamnese

  • Bekannte Herzerkrankung, Vorhofflimmern? (→ Embolie)
  • Bekannte pAVK? (→ Thrombose)
  • Schmerzcharakter, Beginn, Begleiterkrankungen

Körperliche Untersuchung

  • Hautfarbe und -temperatur im Seitenvergleich
  • Pulsstatus: A. femoralis, A. poplitea, A. dorsalis pedis, A. tibialis posterior
  • Prüfung der pDMS (Pulse, Durchblutung, Motorik, Sensibilität)

Bildgebung

Methode Einsatz
Doppler-Sonographie / Farbduplex Erste Bildgebung — Nachweis und Lokalisation des Verschlusses
DSA / Angio-CT / Angio-MRT Nur wenn zeitlich vertretbar, insb. bei Thrombose
Transösophageales Echo (TEE) Bei Verdacht auf thorakale Aorta

Embolie im Bild: Kurzstreckiger Verschluss — abruptes Ende Thrombose im Bild: Langstreckiger Verschluss — vorbestehende Kollateralen


Differentialdiagnosen 🔗

Diagnose Unterschied
pAVK Stadium IV Chronisch, keine akute Verschlechterung, Fontaine-Stadium
Phlegmasia coerulea dolens (TVT) Venöse Genese, Schwellung, Überwärmung
Aortendissektion Vernichtungsschmerz thorakal/dorsal, beidseitige Symptomatik
Kompartmentsyndrom Nach Trauma, brettharte Muskulatur

Therapie 🔗

Sofortmaßnahmen (Notfall!)

  1. Heparin i.v. — 5000 IE als Bolus, danach Perfusor (15 IE/kgKG/h) → verhindert Thrombusausdehnung
  2. Analgesie — Morphin 5–10 mg i.v.
  3. Extremitätentieflagerung — Schwerkraft verbessert die Perfusion
  4. Watteverband — Schutz vor Auskühlung (kein Kompressionsverband!)

Interventionelle Therapie

Katheterthrombembolektomie nach Fogarty (Methode der Wahl bei Embolie):

  1. Ballonkatheter wird über den Thrombus hinaus vorgeschoben
  2. Ballon wird befüllt
  3. Katheter wird zurückgezogen → Thrombus wird mitgezogen

Lokale Thrombolyse mit Alteplase — insb. bei arterieller Thrombose (Thrombus lokal auflösen)

Aspirationsthrombembolektomie — mechanische Absaugung

Chirurgische Therapie

  • Thrombendarteriektomie (insb. bei Thrombose)
  • Bypass-Verfahren (bei Thrombose mit langer Verschlussstrecke)
  • Ultima ratio: Amputation der betroffenen Extremität

Kausale Therapie

Emboliequelle suchen und behandeln: Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern), Herzwandaneurysma, Endokarditis.


Komplikationen 🔗

Reperfusionssyndrom (Tourniquet-Syndrom)

Nach Wiederherstellung der Durchblutung — besonders bei Ischämiedauer >6 h:

Mechanismus Folge
Einschwemmen von Metaboliten Azidose, Hyperkaliämie → Herzrhythmusstörungen
Myoglobinfreisetzung (Rhabdomyolyse) Myoglobinurie → Crush-Niere (akutes Nierenversagen)
Reperfusionsödem Kompartmentsyndrom, hypovolämischer Schock
Aktivierung der Gerinnung DIC (disseminierte intravasale Gerinnung)
Organkaskade Multiorganversagen

Therapie des Reperfusionssyndroms: symptomatisch, engmaschige Überwachung, ggf. Amputation


Prognose 🔗

  • Gute Prognose, wenn Embolektomie in den ersten 6 Stunden erfolgt
  • Schlechte Prognose bei Verschluss >6 h → Extremitätenverlust droht
  • Neurologische Ausfälle bei Präsentation sind prognostisch ungünstig (Grad IIb/III)

Prävention 🔗

  • Therapie der Grunderkrankung (z.B. Antikoagulation bei Vorhofflimmern)
  • Popliteaaneurysma: operative Versorgung bei Diameter >2 cm oder bei Symptomen — um Emboliequelle zu eliminieren
  • Regelmäßige Kontrollen bei bekannter pAVK

✨ Clinical Pearls

**1. Parästhesien = Alarmsignal.** Sensibilitätsverlust ist häufig das erste Zeichen einer vitalen Bedrohung. Sobald Sensibilität fehlt, zählt jede Minute.

**2. Embolie vs. Thrombose — klinisch unterscheiden.** Vorhofflimmern + plötzliche Ischämie = Embolie. Bekannte pAVK + subakute Verschlechterung = Thrombose. Das beeinflusst den Therapieweg.

**3. Fogarty-Katheter merken.** Die Embolektomie nach Fogarty ist die Standardoperation bei der Embolie — Prüfer fragen nach dem Prinzip.

**4. Watteverband, kein Kompressionsverband.** Bei akuter Ischämie ist Kompression strikt kontraindiziert — sie verschlechtert die ohnehin kritische Perfusion.

Prüfungstipps

  • - 6 Ps auswendig lernen — klassische Prüfungsfrage, oft als klinisches Szenario
  • - Ischämietoleranz 3-6-12 ist eine der häufigsten Zahlen im Gefäßkapitel
  • - Unterschied Embolie vs. Thrombose — Prüfer geben Hinweise auf Vorhofflimmern oder pAVK
  • - Reperfusionssyndrom — Hyperkaliämie + Myoglobinurie nach Revaskularisation = typische OSCE-Folgefrage
  • - Stadien nach TASC/Rutherford: Grad IIb = sofortige, Grad III = Amputation erwägen

Schlüsselbegriffe

Begriff6 Ps nach PrattIschämietoleranzFogarty-KatheterReperfusionssyndromLeriche-Syndrom (akut)pDMS

Wissen testen

Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.