Aortenklappenstenose
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. Häufigstes behandlungsbedürftiges Herzklappenvitium in Europa
- 2. Drei Formen: senile (kalzifizierte), bikuspide und rheumatische Aortenklappenstenose
- 3. Leitsymptome-Trias: Belastungsdyspnoe + Angina pectoris + Synkopen
- 4. Diagnostik: Echokardiographie ist der Goldstandard
- 5. Therapie: Aortenklappenersatz (chirurgisch = AVR oder perkutan = TAVI)
Fallvignette
Ein 78-jähriger Patient stellt sich vor mit zunehmender Belastungsdyspnoe, kurzzeitiger Bewusstlosigkeit beim Treppensteigen und gelegentlichem Brustdruck bei Belastung.
Seit einem Jahr bemerkt der Patient, dass er nicht mehr als eine Etage treppensteigen kann ohne Luftnot. Vor zwei Wochen kurze Synkope beim Aufstehen aus dem Sessel. Auskultation: raues systolisches Austreibungsgeräusch mit Maximum im 2. ICR rechts parasternal, Fortleitung in die Karotiden; 2. Herzton abgeschwächt. Pulsus parvus et tardus. RR 125/70 mmHg. EKG: Linksherzhypertrophie. Echokardiographie: kalzifizierte Aortenklappe, mittlerer Gradient 52 mmHg, Klappenöffnungsfläche 0,7 cm².
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Aortenklappenstenose
Auf einen Blick
- Häufigstes behandlungsbedürftiges Herzklappenvitium in Europa
- Drei Formen: senile (kalzifizierte), bikuspide und rheumatische Aortenklappenstenose
- Leitsymptome-Trias: Belastungsdyspnoe + Angina pectoris + Synkopen
- Diagnostik: Echokardiographie ist der Goldstandard
- Therapie: Aortenklappenersatz (chirurgisch = AVR oder perkutan = TAVI)
Fallvignette
Ein 78-jähriger Patient stellt sich vor mit zunehmender Belastungsdyspnoe, kurzzeitiger Bewusstlosigkeit beim Treppensteigen und gelegentlichem Brustdruck bei Belastung.
Seit einem Jahr bemerkt der Patient, dass er nicht mehr als eine Etage treppensteigen kann ohne Luftnot. Vor zwei Wochen kurze Synkope beim Aufstehen aus dem Sessel. Auskultation: raues systolisches Austreibungsgeräusch mit Maximum im 2. ICR rechts parasternal, Fortleitung in die Karotiden; 2. Herzton abgeschwächt. Pulsus parvus et tardus. RR 125/70 mmHg. EKG: Linksherzhypertrophie. Echokardiographie: kalzifizierte Aortenklappe, mittlerer Gradient 52 mmHg, Klappenöffnungsfläche 0,7 cm².
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definition
Die Aortenklappenstenose ist eine Einengung der Aortenklappe, die zu einer chronischen Druckbelastung des linken Ventrikels führt. Der erhöhte Ausflusswiderstand zwingt den linken Ventrikel zu mehr Arbeit, was langfristig zur linksventrikulären Hypertrophie und Herzinsuffizienz führt.
Häufigkeit: Häufigstes behandlungsbedürftiges Vitium in Europa.
Ätiologie & Risikofaktoren
Drei Hauptformen
| Form | Pathogenese | Altersgruppe | Häufigkeit |
|---|---|---|---|
| Senile (kalzifizierte) AKS | Degenerativ, ähnlich Atherosklerose: Aortensklerose → langsame Progression zur Stenose | >65 Jahre | Häufigste Form in Deutschland |
| Bikuspide Aortenklappe | Angeboren: Klappe aus nur 2 Segeln (statt 3) → frühzeitige Kalzifizierung | 40–60 Jahre | Häufigste angeborene Anomalie der Aortenklappe |
| Rheumatische AKS | Rheumatisches Fieber nach Streptokokkeninfektion (β-hämolysierende Streptokokken) → Klappenfibrose | <18 Jahre | In Entwicklungsländern häufige Ursache |
Risikofaktoren (senile Form)
- Identisch mit atherosklerotischen Risikofaktoren: Hypertonie, Diabetes, Rauchen, Dyslipidämie
- Fortgeschrittenes Alter
Pathophysiologie
Mechanismus
Verengtes Klappenöffnungsareal
↓
Erhöhter Ausflusswiderstand (Druckbelastung LV)
↓
Linksventrikuläre Hypertrophie (Anpassungsreaktion)
↓
Compliance ↓ → Diastolische Dysfunktion
↓
Bei Dekompensation: Linksherzinsuffizienz
Schweregrade nach Klappenöffnungsfläche
| Schweregrad | Klappenöffnungsfläche | Flussgeschwindigkeit |
|---|---|---|
| Leichtgradig | >1,5 cm² | <3 m/s |
| Mittelgradig | 1,0–1,5 cm² | 3–4 m/s |
| Schwer | <1,0 cm² | >4 m/s |
Normale Klappenöffnungsfläche: 2,5–3,5 cm²
Klassifikation
Nach Pathophysiologie
| Typ | Ursache | Besonderheit |
|---|---|---|
| Senile kalzifizierte AKS | Degenerativ | Häufigste Form, langsame Progression |
| Bikuspide AKS | Angeboren | Frühzeitigere Manifestation, Aortendilatation möglich |
| Rheumatische AKS | Infektiös-immunologisch | Oft kombiniert mit Mitralklappenbeteiligung |
Symptome & Klinik
Leitsymptome-Trias (erst bei schwerer Stenose)
| Symptom | Ursache |
|---|---|
| Belastungsdyspnoe | Herzinsuffizienz durch chronische Druckbelastung |
| Angina pectoris bei Belastung | Hypertrophierter LV braucht mehr Sauerstoff — Koronardurchblutung reicht nicht |
| Synkopen/Schwindel | Unzureichendes HZV bei Belastung → zerebrale Minderperfusion |
Wichtig: Leichte und mittelgradige Stenosen bleiben jahrelang symptomfrei — die Klappe arbeitet silently im Hintergrund gegen den Widerstand!
Auch möglich: Unklare Herzinsuffizienz als Erstmanifestation
Diagnostik
Anamnese
- Belastungstoleranz, Dyspnoe, Schwindel, Synkopen
- Risikofaktoren (Alter, kardiovaskuläre Risikofaktoren)
- Vorerkrankungen (Streptokokkeninfektionen in der Jugend?)
Körperliche Untersuchung
Palpation:
- Pulsus tardus et parvus — langsam ansteigende, klein amplidutinöse Pulswelle (verminderter Herzauswurf)
- Hebender Herzspitzenstoß — Hypertrophie-Zeichen
Auskultation:
- Spindelförmiges (crescendo-decrescendo) raues Systolikum — charakteristisch für AKS
- Punctum maximum: 2. Interkostalraum rechts parasternal
- Ausstrahlung in beide Karotiden — pathognomonisch!
- Ggf. 2. Herzton abgeschwächt oder aufgehoben (bei schwerer Stenose)
Apparative Diagnostik
EKG:
- Zeichen der Linksherzhypertrophie
- (Überdrehter) Linkslagetyp
- Positiver Sokolow-Lyon-Index (S in V1 + R in V5 oder V6 >3,5 mV)
Röntgen-Thorax:
- Poststenotische Dilatation der Aorta ascendens
- Linksherzverbreiterung (bei Dekompensation)
Echokardiographie (Goldstandard):
| Methode | Indikation |
|---|---|
| TTE (transthorakal) | Jeder Patient mit unklarem Herzgeräusch oder Verdacht auf AKS |
| TEE (transösophageal) | Wenn TTE-Bild unzureichend; bei Verdacht auf Endokarditis |
Echoparameter: Klappenöffnungsfläche, Flussgradient, Klappenmorphologie, LV-Funktion, -hypertrophie
Koronarangiographie:
- Präoperativ bei Patienten mit gleichzeitigem KHK-Verdacht
Differentialdiagnosen
| Diagnose | Unterschied |
|---|---|
| Aortenklappeninsuffizienz | Diastolikum statt Systolikum, Pulsus celer et altus |
| Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (HOCM) | Ausflussbahnobstruktion subvalvulär, dynamisch |
| Mitralklappenstenose | Diastolikum, punctum maximum Apex, Ausstrahlung in die Axilla |
| Perimyokarditis | Kein Herzgeräusch, Perikardreiben |
Therapie
Medikamentöse Therapie
- Nur symptomatisch — die Stenose kann medikamentös nicht rückgängig gemacht werden
- Herzinsuffizienz-Therapie: Diuretika bei Flüssigkeitsretention
- Keine Vasodilatantien bei schwerer AKS — gefährlicher Blutdruckabfall möglich!
Indikation zur chirurgischen/interventionellen Therapie
Indiziert bei:
- Alle symptomatischen Patienten mit schwerer AKS
- Asymptomatische Patienten mit schwerer AKS und deutlich eingeschränkter LV-Pumpfunktion (EF <50 %)
Kardiochirurgischer Aortenklappenersatz (AVR)
Indikation: Jüngere Patienten mit niedrigem Operationsrisiko; begleitende Indikation zur koronaren Bypass-OP
Vorgehen:
- Thorakotomie, Operation am offenen Herzen unter Herzlungenmaschine
- Resektion der stenosierten Klappe + Einsetzen der Prothese
Prothesenarten:
| Prothese | Vorteil | Nachteil | Antikoagulation |
|---|---|---|---|
| Mechanisch | Langlebig (>20 Jahre) | Thromboembolirisiko | Lebenslang Warfarin |
| Biologisch (Bioprothese) | Kein lebenslanger Antikoagulation nötig | Begrenzte Haltbarkeit (~10–15 Jahre) | Nur 3 Monate |
TAVI — Transkatheter-Aortenklappenimplantation
Indikation: Ältere Patienten (>75 Jahre) oder Patienten mit hohem operativem Risiko
Vorgehen:
- Ballon-Dilatation der stenosierten Klappe
- Kathetergestütztes Einführen einer faltbaren Bioprothese
- Freisetzung an der richtigen Position — Klappe dehnt sich aus und übernimmt die Funktion
Zugang: Transfemoral (1. Wahl) oder transapikal (2. Wahl)
Postoperatives Management
| Nach TAVI | Nach konventionellem AVR |
|---|---|
| Duale Plättchenhemmung (ASS + Clopidogrel) 3–6 Monate, dann ASS-Mono | Mechanisch: lebenslange Antikoagulation; Biologisch: 3 Monate |
| Endokarditisprophylaxe (Hochrisiko) | Endokarditisprophylaxe (Hochrisiko) |
Komplikationen
| Komplikation | Beschreibung |
|---|---|
| Herzinsuffizienz | Langzeitfolge der chronischen Druckbelastung |
| Synkopen, plötzlicher Herztod | Durch Belastung oder Arrhythmie |
| Endokarditis | Stenosierte/veränderte Klappe ist anfälliger |
| Vorhofflimmern | Bei Vorhofdilatation durch chronische Druckbelastung |
| Periprothesetische Leckage (TAVI) | Paravalvuläre Insuffizienz |
| Herzschrittmacherbedürftigkeit (TAVI) | AV-Block nach Implantation (10–20 %) |
Prognose
Mit Symptomen — ohne Operation:
- Mittlere Überlebenszeit: 2–3 Jahre nach Synkope oder Herzinsuffizienz; 5 Jahre nach Angina pectoris
- Hohe Sterblichkeit sobald symptomatisch — Symptome = Operationsindikation
Mit Operation: Normalisierung der Lebenserwartung bei rechtzeitiger Intervention
Prävention
- Primär: Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren (verhindert senile AKS)
- Sekundär (bikuspide Klappe): Regelmäßige Echokontrollen, frühzeitige Intervention
- Rheumatische AKS: Antibiotische Therapie von Streptokokkeninfektionen
Klinische Perlen
1. Crescendo-Decrescendo-Systolikum mit Ausstrahlung in die Karotiden = AKS bis zum Beweis des Gegenteils.
2. Symptome = gefährlich. Nach Symptombeginn hat der Patient ohne OP nur wenige Jahre. Symptomlose AKS hat eine relativ gute Prognose.
3. Pulsus tardus et parvus merken. „Tardus“ = langsam ansteigend; „Parvus“ = klein amplidutinös. Direkte Folge des eingeschränkten LV-Ausstroms.
4. TAVI revolutioniert das Management. Ältere, inoperable Patienten können jetzt behandelt werden — früher galten sie als hoffnungslos.
Prüfungstipps
- Auskultationsbefund auswendig: spindelförmiges Systolikum, 2. ICR rechts, Ausstrahlung in Karotiden
- Sokolow-Lyon-Index = Zeichen der LVH — >3,5 mV (S in V1 + R in V5/V6)
- TAVI vs. konventioneller AVR — Entscheidung nach Alter und Operationsrisiko
- Lebenslange Antikoagulation nur bei mechanischen Klappen (nicht bei biologischen)
- Kein Vasodilatans bei schwerer AKS — kann lebensbedrohliche Hypotonie auslösen
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Aortenklappenstenose | Einengung der Aortenklappe → Druckbelastung des LV |
| Pulsus tardus et parvus | Langsam ansteigender, kleinamplitudiger Puls — typisch für AKS |
| Sokolow-Lyon-Index | EKG-Kriterium für LV-Hypertrophie (>3,5 mV) |
| TAVI | Transcatheter Aortic Valve Implantation — minimal-invasiver Klappenersatz |
| Dekompensation | Übergang von kompensierter Hypertrophie zur manifesten Herzinsuffizienz |
| Crescendo-Decrescendo | Spindelförmiges Geräusch — typisch für Stenosen der Ausflussbahn |
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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Definition 🔗
Die Aortenklappenstenose ist eine Einengung der Aortenklappe, die zu einer chronischen Druckbelastung des linken Ventrikels führt. Der erhöhte Ausflusswiderstand zwingt den linken Ventrikel zu mehr Arbeit, was langfristig zur linksventrikulären Hypertrophie und Herzinsuffizienz führt.
Häufigkeit: Häufigstes behandlungsbedürftiges Vitium in Europa.
Ätiologie 🔗
Drei Hauptformen
| Form | Pathogenese | Altersgruppe | Häufigkeit |
|---|---|---|---|
| Senile (kalzifizierte) AKS | Degenerativ, ähnlich Atherosklerose: Aortensklerose → langsame Progression zur Stenose | >65 Jahre | Häufigste Form in Deutschland |
| Bikuspide Aortenklappe | Angeboren: Klappe aus nur 2 Segeln (statt 3) → frühzeitige Kalzifizierung | 40–60 Jahre | Häufigste angeborene Anomalie der Aortenklappe |
| Rheumatische AKS | Rheumatisches Fieber nach Streptokokkeninfektion (β-hämolysierende Streptokokken) → Klappenfibrose | <18 Jahre | In Entwicklungsländern häufige Ursache |
Risikofaktoren (senile Form)
- Identisch mit atherosklerotischen Risikofaktoren: Hypertonie, Diabetes, Rauchen, Dyslipidämie
- Fortgeschrittenes Alter
Pathophysiologie 🔗
Mechanismus
Verengtes Klappenöffnungsareal
↓
Erhöhter Ausflusswiderstand (Druckbelastung LV)
↓
Linksventrikuläre Hypertrophie (Anpassungsreaktion)
↓
Compliance ↓ → Diastolische Dysfunktion
↓
Bei Dekompensation: Linksherzinsuffizienz
Schweregrade nach Klappenöffnungsfläche
| Schweregrad | Klappenöffnungsfläche | Flussgeschwindigkeit |
|---|---|---|
| Leichtgradig | >1,5 cm² | <3 m/s |
| Mittelgradig | 1,0–1,5 cm² | 3–4 m/s |
| Schwer | <1,0 cm² | >4 m/s |
Normale Klappenöffnungsfläche: 2,5–3,5 cm²
Symptome & Klinik 🔗
Nach Pathophysiologie
| Typ | Ursache | Besonderheit |
|---|---|---|
| Senile kalzifizierte AKS | Degenerativ | Häufigste Form, langsame Progression |
| Bikuspide AKS | Angeboren | Frühzeitigere Manifestation, Aortendilatation möglich |
| Rheumatische AKS | Infektiös-immunologisch | Oft kombiniert mit Mitralklappenbeteiligung |
Leitsymptome-Trias (erst bei schwerer Stenose)
| Symptom | Ursache |
|---|---|
| Belastungsdyspnoe | Herzinsuffizienz durch chronische Druckbelastung |
| Angina pectoris bei Belastung | Hypertrophierter LV braucht mehr Sauerstoff — Koronardurchblutung reicht nicht |
| Synkopen/Schwindel | Unzureichendes HZV bei Belastung → zerebrale Minderperfusion |
Wichtig: Leichte und mittelgradige Stenosen bleiben jahrelang symptomfrei — die Klappe arbeitet silently im Hintergrund gegen den Widerstand!
Auch möglich: Unklare Herzinsuffizienz als Erstmanifestation
Diagnostik 🔗
Anamnese
- Belastungstoleranz, Dyspnoe, Schwindel, Synkopen
- Risikofaktoren (Alter, kardiovaskuläre Risikofaktoren)
- Vorerkrankungen (Streptokokkeninfektionen in der Jugend?)
Körperliche Untersuchung
Palpation:
- Pulsus tardus et parvus — langsam ansteigende, klein amplidutinöse Pulswelle (verminderter Herzauswurf)
- Hebender Herzspitzenstoß — Hypertrophie-Zeichen
Auskultation:
- Spindelförmiges (crescendo-decrescendo) raues Systolikum — charakteristisch für AKS
- Punctum maximum: 2. Interkostalraum rechts parasternal
- Ausstrahlung in beide Karotiden — pathognomonisch!
- Ggf. 2. Herzton abgeschwächt oder aufgehoben (bei schwerer Stenose)
Apparative Diagnostik
EKG:
- Zeichen der Linksherzhypertrophie
- (Überdrehter) Linkslagetyp
- Positiver Sokolow-Lyon-Index (S in V1 + R in V5 oder V6 >3,5 mV)
Röntgen-Thorax:
- Poststenotische Dilatation der Aorta ascendens
- Linksherzverbreiterung (bei Dekompensation)
Echokardiographie (Goldstandard):
| Methode | Indikation |
|---|---|
| TTE (transthorakal) | Jeder Patient mit unklarem Herzgeräusch oder Verdacht auf AKS |
| TEE (transösophageal) | Wenn TTE-Bild unzureichend; bei Verdacht auf Endokarditis |
Echoparameter: Klappenöffnungsfläche, Flussgradient, Klappenmorphologie, LV-Funktion, -hypertrophie
Koronarangiographie:
- Präoperativ bei Patienten mit gleichzeitigem KHK-Verdacht
Differentialdiagnosen 🔗
| Diagnose | Unterschied |
|---|---|
| Aortenklappeninsuffizienz | Diastolikum statt Systolikum, Pulsus celer et altus |
| Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (HOCM) | Ausflussbahnobstruktion subvalvulär, dynamisch |
| Mitralklappenstenose | Diastolikum, punctum maximum Apex, Ausstrahlung in die Axilla |
| Perimyokarditis | Kein Herzgeräusch, Perikardreiben |
Therapie 🔗
Medikamentöse Therapie
- Nur symptomatisch — die Stenose kann medikamentös nicht rückgängig gemacht werden
- Herzinsuffizienz-Therapie: Diuretika bei Flüssigkeitsretention
- Keine Vasodilatantien bei schwerer AKS — gefährlicher Blutdruckabfall möglich!
Indikation zur chirurgischen/interventionellen Therapie
Indiziert bei:
- Alle symptomatischen Patienten mit schwerer AKS
- Asymptomatische Patienten mit schwerer AKS und deutlich eingeschränkter LV-Pumpfunktion (EF <50 %)
Kardiochirurgischer Aortenklappenersatz (AVR)
Indikation: Jüngere Patienten mit niedrigem Operationsrisiko; begleitende Indikation zur koronaren Bypass-OP
Vorgehen:
- Thorakotomie, Operation am offenen Herzen unter Herzlungenmaschine
- Resektion der stenosierten Klappe + Einsetzen der Prothese
Prothesenarten:
| Prothese | Vorteil | Nachteil | Antikoagulation |
|---|---|---|---|
| Mechanisch | Langlebig (>20 Jahre) | Thromboembolirisiko | Lebenslang Warfarin |
| Biologisch (Bioprothese) | Kein lebenslanger Antikoagulation nötig | Begrenzte Haltbarkeit (~10–15 Jahre) | Nur 3 Monate |
TAVI — Transkatheter-Aortenklappenimplantation
Indikation: Ältere Patienten (>75 Jahre) oder Patienten mit hohem operativem Risiko
Vorgehen:
- Ballon-Dilatation der stenosierten Klappe
- Kathetergestütztes Einführen einer faltbaren Bioprothese
- Freisetzung an der richtigen Position — Klappe dehnt sich aus und übernimmt die Funktion
Zugang: Transfemoral (1. Wahl) oder transapikal (2. Wahl)
Postoperatives Management
| Nach TAVI | Nach konventionellem AVR |
|---|---|
| Duale Plättchenhemmung (ASS + Clopidogrel) 3–6 Monate, dann ASS-Mono | Mechanisch: lebenslange Antikoagulation; Biologisch: 3 Monate |
| Endokarditisprophylaxe (Hochrisiko) | Endokarditisprophylaxe (Hochrisiko) |
Komplikationen 🔗
| Komplikation | Beschreibung |
|---|---|
| Herzinsuffizienz | Langzeitfolge der chronischen Druckbelastung |
| Synkopen, plötzlicher Herztod | Durch Belastung oder Arrhythmie |
| Endokarditis | Stenosierte/veränderte Klappe ist anfälliger |
| Vorhofflimmern | Bei Vorhofdilatation durch chronische Druckbelastung |
| Periprothesetische Leckage (TAVI) | Paravalvuläre Insuffizienz |
| Herzschrittmacherbedürftigkeit (TAVI) | AV-Block nach Implantation (10–20 %) |
Prognose 🔗
Mit Symptomen — ohne Operation:
- Mittlere Überlebenszeit: 2–3 Jahre nach Synkope oder Herzinsuffizienz; 5 Jahre nach Angina pectoris
- Hohe Sterblichkeit sobald symptomatisch — Symptome = Operationsindikation
Mit Operation: Normalisierung der Lebenserwartung bei rechtzeitiger Intervention
Prävention 🔗
- Primär: Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren (verhindert senile AKS)
- Sekundär (bikuspide Klappe): Regelmäßige Echokontrollen, frühzeitige Intervention
- Rheumatische AKS: Antibiotische Therapie von Streptokokkeninfektionen
Prüfungstipps
- - Auskultationsbefund auswendig: spindelförmiges Systolikum, 2. ICR rechts, Ausstrahlung in Karotiden
- - Sokolow-Lyon-Index = Zeichen der LVH — >3,5 mV (S in V1 + R in V5/V6)
- - TAVI vs. konventioneller AVR — Entscheidung nach Alter und Operationsrisiko
- - Lebenslange Antikoagulation nur bei mechanischen Klappen (nicht bei biologischen)
- - Kein Vasodilatans bei schwerer AKS — kann lebensbedrohliche Hypotonie auslösen
