★★ Wichtig Querschnittsbereiche 20 Min.

Schmerztherapie

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Unterscheidung: akut vs. chronisch (>3 Monate), nozizeptiv vs. neuropathisch, zentral vs. peripher
  • 2. WHO-Stufenschema: Stufe I (Nicht-Opioid) → Stufe II (+ niedrig-potentes Opioid) → Stufe III (+ hoch-potentes Opioid)
  • 3. Basistherapie = retardierte Präparate nach festem Schema; Bedarfsmedikation = unretardierte Analgetika für Schmerzspitzen
  • 4. Antidot für Opioidüberdosierung: Naloxon 0,4–2 mg i.v.
  • 5. Obstipation unter Opioiden bessert sich nicht mit der Zeit — Laxantien immer mitverordnen

Fallvignette

Ein 68-jähriger Patient mit metastasiertem Prostatakarzinom (Knochenmetastasen LWS, Becken) klagt über anhaltende Rückenschmerzen, die er als brennend und bohrend beschreibt (NRS 7/10). Bisherige Therapie mit Ibuprofen 600 mg 3x/d bringt nur unzureichende Linderung.

Anamnese: Gewichtsverlust 8 kg/3 Monate, Nykturie, Fatigue. Labor: Kreatinin 1,4 mg/dl, PSA 320 ng/ml, Alkalische Phosphatase erhöht (340 U/l). MRT LWS: multiple Knochenmetastasen ohne epidurale Kompression. Keine Obstipation bislang.

Welches Schmerzschema leiten Sie ein? Welche Begleitmedikation ist zwingend erforderlich?


Schmerztherapie

Auf einen Blick

  1. Unterscheidung: akut vs. chronisch (>3 Monate), nozizeptiv vs. neuropathisch, zentral vs. peripher
  2. WHO-Stufenschema: Stufe I (Nicht-Opioid) → Stufe II (+ niedrig-potentes Opioid) → Stufe III (+ hoch-potentes Opioid)
  3. Basistherapie = retardierte Präparate nach festem Schema; Bedarfsmedikation = unretardierte Analgetika für Schmerzspitzen
  4. Antidot für Opioidüberdosierung: Naloxon 0,4–2 mg i.v.
  5. Obstipation unter Opioiden bessert sich nicht mit der Zeit — Laxantien immer mitverordnen

Fallvignette

Ein 68-jähriger Patient mit metastasiertem Prostatakarzinom (Knochenmetastasen LWS, Becken) klagt über anhaltende Rückenschmerzen, die er als brennend und bohrend beschreibt (NRS 7/10). Bisherige Therapie mit Ibuprofen 600 mg 3x/d bringt nur unzureichende Linderung.

Anamnese: Gewichtsverlust 8 kg/3 Monate, Nykturie, Fatigue. Labor: Kreatinin 1,4 mg/dl, PSA 320 ng/ml, Alkalische Phosphatase erhöht (340 U/l). MRT LWS: multiple Knochenmetastasen ohne epidurale Kompression. Keine Obstipation bislang.

Welches Schmerzschema leiten Sie ein? Welche Begleitmedikation ist zwingend erforderlich?


Schmerzformen

Klassifikation nach Zeitverlauf

  • Akuter Schmerz: Warnsignal, kortikaler Mechanismus, Behandlung kausal
  • Chronischer Schmerz: Dauer >3 Monate, oft eigenständiges Krankheitsbild

Klassifikation nach Ursprung

Typ Ursprung Therapie
Peripherer Schmerz Periphere Nervenfasern Periphere Analgetika ± Opioide
Zentraler Schmerz ZNS (z.B. nach Schlaganfall) Opioide (periphere Analgetika wirkungslos!)
Nozizeptiv Reizung von Nozizeptoren Analgetika nach Stufe
Neuropathisch Läsion des Nervensystems Koanalgetika (TZA, Antikonvulsiva)

Schmerzbeurteilung

  • Numerische Rangskala (NRS): 0–10 (0 = kein Schmerz, 10 = stärkster vorstellbarer Schmerz)
  • Visuelle Analogskala (VAS): Linie 0–10 cm
  • Smiley-Skala: Bei Kindern (Gesichtsausdruck-Skala) ++
  • Schmerztagebuch: Dokumentation des zeitlichen Verlaufs — erkennt Schmerzspitzen und Auslöser

WHO-Stufenschema

Stufe I    Nicht-Opioid-Analgetikum
           (± Koanalgetikum ± Adjuvans)

Stufe II   Nicht-Opioid-Analgetikum + niedrig-potentes Opioid
           (± Koanalgetikum ± Adjuvans)

Stufe III  Nicht-Opioid-Analgetikum + hoch-potentes Opioid
           (± Koanalgetikum ± Adjuvans)

Wenn nicht schmerzfrei → nächste Stufe. Bei chronischem Schmerz: Basis-Retardpräparat + Bedarfsmedikation.


Nicht-Opioid-Analgetika

NSAR — Unselektive COX-Hemmer

Parameter Details
Wirkstoffe Diclofenac (50 mg ×2–3/d), Ibuprofen (600 mg ×2–3/d), ASS (500–1000 mg ×4/d), Naproxen, Indometacin
Applikation p.o., rektal, i.m., topisch
Wirkmechanismus Reversible Hemmung COX-1 und COX-2 → Prostaglandinsynthese↓
Wirkung Analgetisch, antipyretisch, antiphlogistisch (antirheumatisch)
Nebenwirkungen Magen-Darm-Ulzera, Akutes Nierenversagen, kardiovaskuläres Risiko↑ (außer ASS und Naproxen)

Selektive COX-2-Hemmer (Coxibe)

  • Celecoxib 100–200 mg ×2/d
  • Vorteile: Kaum gastrointestinale Nebenwirkungen
  • Nachteile: Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, Nierenbeeinträchtigung

Paracetamol und Metamizol

Parameter Paracetamol Metamizol (Novaminsulfon)
Dosis 500–1000 mg ×4/d 500–1000 mg ×4/d
Wirkmechanismus Reversible COX-Hemmung + zentrale Effekte Reversible COX-Hemmung + zentral + spasmolytisch
Wirkung Analgetisch, antipyretisch Analgetisch, antipyretisch, spasmolytisch
Besonderheit Höchste analgetische und antipyretische Potenz unter den Nicht-Opioiden
Nebenwirkungen Hepatotoxizität (Leberversagen bei Überdosierung!) Agranulozytose, anaphylaktischer Schock, Blutdruckabfall

Opioide

Klassifikation nach Potenz

Gruppe Wirkstoffe
Niedrig-potent Tramadol (50–200 mg p.o. ×2/d), Tilidin, Dihydrocodein
Hoch-potent Morphin, Oxycodon, Levomethadon, Fentanyl, Pethidin, Buprenorphin, Piritramid

Analgetische Potenz im Vergleich (Morphin = 1)

Sufentanil (1000) > Fentanyl (125) > Levomethadon (3) > Oxycodon (2)
> Morphin (1) > Codein (0,2) > Tramadol (0,1)

Wichtige Dosierungen

  • Morphin: 2–10 mg i.v., 5–10 mg s.c. ×4–6/d, 10–20 mg p.o. ×2/d

Wirkung

Agonistische Wirkung an μ-, κ-, δ-Rezeptoren des zentralnervösen antinozizeptiven Systems

Nebenwirkungen

  • Atemdepression → CO2↑ → Hirndruckanstieg
  • Sedierung, Opioidtoleranz, Opioidabhängigkeit
  • Orthostatische Dysregulation (RR↓), Miosis
  • Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen
  • Obstipation, Harnverhalt (Kontraktion glatte Muskulatur)
  • Juckreiz

Merke: Bei chronischer Opioidtherapie bessern sich Sedierung, Übelkeit und RR-Abfall im Verlauf — Obstipation bleibt dauerhaft!

Antidot

Naloxon 0,4–2 mg langsam i.v.

Naloxon kann Buprenorphin nicht antagonisieren — es hat die höchste Rezeptoraffinität!


Koanalgetika

Können in jeder Stufe des WHO-Schemas als Begleitmedikation gegeben werden.

Indikation Koanalgetika
Neuropathische Schmerzen (diabetische Neuropathie, Post-Zoster-Neuralgie) Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Doxepin), Antikonvulsiva (Carbamazepin, Pregabalin)
Hirndruck + Nervenkompression Glucocorticoide
Knochenmetastasen Bisphosphonate

Adjuvanzien

Zur Behandlung von Nebenwirkungen der Schmerztherapie:

  • Laxantien — immer zusammen mit Opioiden verschreiben
  • Antiemetika — bei Bedarf mit Opioiden
  • Protonenpumpeninhibitoren (PPI) — bei NSAR-Therapie

Weitere Schmerztherapieverfahren

  • Regionalanästhesie: Lokalanästhetika (Periphere oder rückenmarksnahe Blockaden)
  • Physikalische Maßnahmen: Massagen, Thermotherapie, Physiotherapie
  • Psychotherapie: Entspannungsverfahren, kognitive Verhaltenstherapie, Patientenedukation
  • Akupunktur

Klinische Perlen

1. Zentraler Schmerz reagiert nicht auf periphere Analgetika — nur Opioide wirken. Klassisches Beispiel: Thalamussyndrom nach Schlaganfall.

2. Laxantien sind Pflicht bei Opioiden — Obstipation tritt immer auf und lässt nicht nach. Prophylaktisch, nicht erst wenn Obstipation besteht.

3. Smiley-Skala für Kinder — die numerische Skala setzt abstraktes Denken voraus, das Kinder unter ~7 Jahren nicht zuverlässig leisten.


Prüfungstipps

  • WHO-Stufenschema auswendig können — was kommt in jede Stufe?
  • Obstipation unter Opioiden bessert sich nicht — Prüfungsfrage!
  • Metamizol = höchste analgetische Potenz unter Nicht-Opioiden; Gefahr = Agranulozytose
  • Buprenorphin = Naloxon-resistent (höchste Rezeptoraffinität)
  • Zentraler Schmerz = Opioide, keine peripheren Analgetika

Schlüsselbegriffe

Begriff Bedeutung
WHO-Stufenschema Dreistufige Eskalation der Schmerztherapie
Nozizeptiver Schmerz Reizung von Nozizeptoren (somatisch oder viszeral)
Neuropathischer Schmerz Läsion des Nervensystems, oft brennend
Naloxon Opioidantagonist (Antidot)
Koanalgetika Adjuvante Schmerzmedikamente ohne primär analgetischen Wirkmechanismus
Retardpräparat Verzögerte Freisetzung — für Basistherapie des chronischen Schmerzes

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

✨ Clinical Pearls

**1. Zentraler Schmerz reagiert nicht auf periphere Analgetika** — nur Opioide wirken. Klassisches Beispiel: Thalamussyndrom nach Schlaganfall.

**2. Laxantien sind Pflicht bei Opioiden** — Obstipation tritt immer auf und lässt nicht nach. Prophylaktisch, nicht erst wenn Obstipation besteht.

**3. Smiley-Skala für Kinder** — die numerische Skala setzt abstraktes Denken voraus, das Kinder unter ~7 Jahren nicht zuverlässig leisten.

Prüfungstipps

  • - WHO-Stufenschema auswendig können — was kommt in jede Stufe?
  • - Obstipation unter Opioiden bessert sich nicht — Prüfungsfrage!
  • - Metamizol = höchste analgetische Potenz unter Nicht-Opioiden; Gefahr = Agranulozytose
  • - Buprenorphin = Naloxon-resistent (höchste Rezeptoraffinität)
  • - Zentraler Schmerz = Opioide, keine peripheren Analgetika

Schlüsselbegriffe

BegriffWHO-StufenschemaNozizeptiver SchmerzNeuropathischer SchmerzNaloxonKoanalgetikaRetardpräparat

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