★★ Wichtig Kardiologie 25 Min.

Schock

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Schock = lebensbedrohliche Kreislaufstörung mit Gewebehypoxie durch unzureichende Perfusion
  • 2. Vier Hauptformen: hypovolämisch, kardiogen, distributiv (septisch/anaphylaktisch/neurogen), obstruktiv
  • 3. Leitsymptome: Tachykardie, Hypotonie, Oligurie, marmorierte Haut
  • 4. Schockindex = Puls / systolischer RR — >1 ist pathologisch
  • 5. Therapie: Ursache behandeln + stabilisieren (Volumen, Vasopressoren, Atemwegssicherung)

Fallvignette

Ein 67-jähriger Patient wird nach einem STEMI mit erfolgreicher PCI auf die Intensivstation verlegt. Sechs Stunden nach Intervention verschlechtert sich sein Zustand rapide.

Der Patient ist somnolent, kaltschweißig, Haut marmoriert. RR 78/50 mmHg, Herzfrequenz 118/min, Atemfrequenz 28/min. Diurese: 12 ml in der letzten Stunde. Schockindex: 1,5. Pulsoxymetrie: 89 % unter 6 l O₂/min. Labor: Laktat 6,2 mmol/l (↑↑↑), Kreatinin 198 µmol/l (↑), Troponin T 4.200 ng/l (↑↑↑). Echokardiographie: LVEF 22 %, hypokinetische Vorderwand. Zentraler Venendruck: 18 mmHg (↑).

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Schock

Auf einen Blick

  1. Schock = lebensbedrohliche Kreislaufstörung mit Gewebehypoxie durch unzureichende Perfusion
  2. Vier Hauptformen: hypovolämisch, kardiogen, distributiv (septisch/anaphylaktisch/neurogen), obstruktiv
  3. Leitsymptome: Tachykardie, Hypotonie, Oligurie, marmorierte Haut
  4. Schockindex = Puls / systolischer RR — >1 ist pathologisch
  5. Therapie: Ursache behandeln + stabilisieren (Volumen, Vasopressoren, Atemwegssicherung)

Fallvignette

Ein 67-jähriger Patient wird nach einem STEMI mit erfolgreicher PCI auf die Intensivstation verlegt. Sechs Stunden nach Intervention verschlechtert sich sein Zustand rapide.

Der Patient ist somnolent, kaltschweißig, Haut marmoriert. RR 78/50 mmHg, Herzfrequenz 118/min, Atemfrequenz 28/min. Diurese: 12 ml in der letzten Stunde. Schockindex: 1,5. Pulsoxymetrie: 89 % unter 6 l O₂/min. Labor: Laktat 6,2 mmol/l (↑↑↑), Kreatinin 198 µmol/l (↑), Troponin T 4.200 ng/l (↑↑↑). Echokardiographie: LVEF 22 %, hypokinetische Vorderwand. Zentraler Venendruck: 18 mmHg (↑).

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition

Schock ist eine lebensbedrohliche Kreislaufstörung, bei der die Sauerstoffversorgung des Gewebes nicht ausreicht, um den Metabolismus aufrechtzuerhalten. Es kommt zu Mikrozirkulationsstörungen und Organschäden.


Ätiologie & Risikofaktoren

Vier Schockformen

Form Mechanismus Häufige Ursachen
Hypovolämischer Schock Kritischer Volumenmangel Hämorrhagischer Schock (Trauma, GI-Blutung), Verbrennung, Ileus, Erbrechen, Diarrhö
Kardiogener Schock Herzversagen → vermindertes HZV Myokardinfarkt, Myokarditis, Arrhythmien, Lungenembolie, Perikardtamponade, Klappenvitien
Distributiver Schock Fehlverteilung des Blutvolumens Septisch (Sepsis), anaphylaktisch (Allergie), neurogen (SHT, Rückenmark)
Obstruktiver Schock Mechanische Behinderung des Blutflusses Lungenembolie, Spannungspneumothorax, Perikardtamponade

Pathophysiologie

Schockspirale (Circulus vitiosus)

Hypovolämie / Herzversagen / Verteilungsstörung
        ↓
Herzzeitvolumen ↓
        ↓
Gewebeischämie → Azidose
        ↓
Kapillarpermeabilität ↑ → Flüssigkeitsverschiebung in Interstitium
        ↓
Verstärkte Hypovolämie → Schockspirale sich selbst unterhaltend

Kompensationsmechanismen

  1. Sympathikusaktivierung → Tachykardie, Vasokonstriktion, Tachypnoe
  2. Zentralisation → Blutversorgung von Gehirn und Herz gesichert — Haut, Muskeln, Nieren, Splanchnikusgebiet geopfert
  3. Anaerober Stoffwechsel → Laktazidose

Schockorgane

Organ Folge
Niere Minderperfusion → Oligurie/Anurie → Akutes Nierenversagen
Myokard Verminderter Koronardurchfluss → Myokardischämie
Leber Nekrosen → Leberversagen
Lunge ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome)
Gerinnungssystem DIC (Disseminierte intravasale Gerinnung)
Darm Darmatonie, Translokation von Bakterien

Klassifikation

Hämorrhagischer Schock (nach Blutverlust)

Klasse Blutverlust Klinik
I <750 ml (<15 %) Kompensiert, HF normal
II 750–1500 ml (15–30 %) Tachykardie, Angst
III 1500–2000 ml (30–40 %) Tachykardie, Hypotonie, Bewusstseinsstörung
IV >2000 ml (>40 %) Lebensbedrohlich, Schockkoma

Symptome & Klinik

Allgemeine Schocksymptome

  • Tachypnoe
  • Tachykardie und Hypotonie
  • Oligurie bis Anurie (Nierenminderperfusion)
  • Marmorierte Haut (Zentralisation)
  • Kaltschweißigkeit, Blässe
  • Rekapillarisationszeit >2 Sekunden

Spezifische Symptome nach Schockform

Schockform Zusätzliche Symptome ZVD
Volumenmangel Blutung, Teerstuhl, Hämatemesis, Diarrhö
Kardiogen Dyspnoe (Lungenstauung), gestaute Halsvenen ↑ oder →
Anaphylaktisch Larynxödem, Bronchospasmus, Urtikaria
Septisch (früh) Warme, rosige, trockene Haut, Fieber, Desorientiertheit
Septisch (spät) Wie Volumenmangel: kalt, blass, RR ↓
Neurogen Bewusstseinsstörung, Reflexverlust, Sensibilitätsausfall

Septischer Schock früh: Warme Peripherie durch Vasodilatation — kann mit normalem RR imponieren!


Diagnostik

Klinische Beurteilung

  • Schockindex = Puls / systolischer RR — Normal <1; >1 = Schock wahrscheinlich
  • Ansprechbarkeit, Vitalparameter (HF, AF, RR, Temp., SpO₂)
  • Hautkolorit, Rekapillarisationszeit
  • Pupillenreaktion

Labor

Parameter Bedeutung
Blutbild (Hb, Hkt) Blutungsausmaß bei hämorrhagischem Schock
Laktat (BGA) Maß der anaeroben Gewebehypoxie — >2 mmol/L = bedrohlich
Kreatinin, Harnstoff Nierenfunktion
Troponin, CK-MB Kardiogene Ursache
CRP, PCT, Blutkulturen Septischer Schock
Gerinnungsparameter (aPTT, Quick) Verbrauchskoagulopathie (DIC)
Leberwerte (AST, ALT, AP, GGT) Leberversagen

Apparative Diagnostik

Methode Einsatz
EKG Kardiale Ursache (Infarkt, Arrhythmie)
Echokardiographie Herzfunktion, Tamponade, Perikarderguss
Sonographie Abdominelle Blutung, Infektionsherd, V. cava inferior-Beurteilung
Röntgen-Thorax Lungenödem, Infiltrate, Herz
Linksherzkatheter Myokardinfarkt (PTCA)
Rechtsherzkatheter (Pulmonalis) Erweitertes hämodynamisches Monitoring
Blasenkatheter Exakte Diurese-Messung (Einheit: ml/h)

ZVD-Messung:

  • Erhöht (bis normal): Kardiogener Schock
  • Erniedrigt (bis normal): Alle anderen Schockformen

Differentialdiagnosen

Form Wichtiges Unterscheidungsmerkmal
Kardiogen vs. Hypovolämisch ZVD ↑ vs. ↓; gestaute Halsvenen vs. kollabierte Halsvenen
Septisch (früh) vs. alle anderen Warme Peripherie, Fieber (in der Frühphase)
Anaphylaktisch Exposition gegenüber Allergen, Urtikaria, Bronchospasmus
Neurogen Trauma-Anamnese, Reflexverlust, Sensibilitätsstörungen

Therapie

Allgemeine Sofortmaßnahmen

  1. Lagerung:
  2. Hypovolämischer Schock: Schocklagerung (Beine 15° angehoben)
  3. Kardiogener Schock: Oberkörperhochlagerung
  4. O₂-Gabe — je nach Schweregrad Nasensonde, Maske, ggf. Intubation
  5. Mehrere großlumige venöse Zugänge legen (außer beim kardiogenen Schock kein aggressives Volumen!)
  6. Schutz vor Auskühlung
  7. Monitoring: HF, AF, RR (invasiv), Diurese, SpO₂, BGA, EKG

Therapie nach Schockform

Hypovolämischer / hämorrhagischer Schock:

Maßnahme Detail
Blutstillung Notfallendoskopie oder Notfalloperation
Kristalloide Lösungen Ringerlösung (First-line)
Kolloide Werden nicht mehr empfohlen
Blutprodukte Erythrozytenkonzentrate bei Hb-Verlust

Kardiogener Schock:

Maßnahme Detail
Ursachenspezifisch Myokardinfarkt → PTCA; Tamponade → Punktion; Lungenembolie → Lyse
Medikamentös Dobutamin-Perfusor (positiv inotrop); ggf. + Noradrenalin
Nach Stabilisierung Diuretika bei kardialer Dekompensation

Anaphylaktischer Schock:

Maßnahme Detail
Adrenalin i.m. oder i.v. — Mittel der Wahl
Volumenersatz Vollelektrolytlösung
Glucocorticoid (hochdosiert) z.B. Methylprednisolon 250–1000 mg i.v.
Antihistaminikum z.B. Dimetinden (Fenistil) i.v.
Bronchospasmus Inhalatives Beta-2-Mimetikum

Septischer Schock: → Sepsis-Therapie (Antibiotika, Volumen, Noradrenalin)

Neurogener Schock:

  • Schmerztherapie
  • Noradrenalin i.v. + Volumensubstitution
  • Atemwegssicherung
  • Hirndrucksenkende Maßnahmen

Komplikationen

Komplikation Mechanismus
Kreislaufversagen → Reanimation Dekompensation
Akutes Nierenversagen Nierenminderperfusion
ARDS Inflammatorische Lungenschädigung
DIC Verbrauchskoagulopathie durch Schockkaskade
Multiorganversagen (MOV) Schockorgane versagen nacheinander
Gewebsnekrosen, Gangrän Persistierende Minderperfusion

Prognose

Stark abhängig von:

  • Schockursache (anaphylaktisch: gut bei Behandlung; septisch: 20–40 % Letalität; kardiogen: 50 % Letalität)
  • Zeitpunkt des Behandlungsbeginns — jede Minute zählt
  • Anzahl der betroffenen Organe (SOFA-Score)

Prävention

  • Frühzeitige Erkennung von Schockzeichen (Frühwarnscores im Krankenhaus: NEWS, qSOFA)
  • Adäquate Volumentherapie peri- und postoperativ
  • Allergiepass und Notfallset bei bekannter Anaphylaxieanamnese
  • Konsequente Sepsis-Früherkennung

Klinische Perlen

1. Schockindex >1 = Schock. Puls 100/min + RR 100 mmHg = Schockindex 1,0 — Grenzwert. Puls 120/RR 90 = 1,33 — eindeutiger Schock.

2. Septischer Schock früh = warm. Im Gegensatz zu allen anderen Schockformen ist die Haut in der Frühphase warm, rosig und trocken — kann täuschen.

3. Kardiogener Schock: kein aggressives Volumen. Der Kreislauf ist nicht leer, er pumpt schlecht. Zu viel Volumen → Lungenödem verschlechtert sich.

4. Laktat ist der Gewebshypoxie-Marker. >2 mmol/L = Alarmzeichen; >4 mmol/L = schwerer Schock.


Prüfungstipps

  • Vier Schockformen und ihre Unterschiede kennen — ZVD ist ein entscheidender Differenzierungsparameter
  • Schockindex berechnen können — >1 = pathologisch
  • Anaphylaxie-Therapie — Adrenalin (nicht Antihistaminikum!) ist das Mittel der Wahl
  • Lagerung — Schocklagerung vs. Oberkörperhochlagerung bei kardiogenem Schock
  • Septischer Schock früh = warme Peripherie — Verwechslungsgefahr mit verteiltem Volumen

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Schock Lebensbedrohliche Kreislaufstörung mit unzureichender Gewebeoxygenierung
Schockindex Puls / systolischer RR — >1 pathologisch
Zentralisation Umverteilung des Blutes zu Gehirn und Herz zu Lasten peripherer Organe
Schockspirale Sich selbst verstärkender Teufelskreis: Hypovolämie → HZV↓ → Hypoxie → mehr Hypovolämie
ARDS Acute Respiratory Distress Syndrome — akutes Lungenversagen im Schock
MOV Multiorganversagen — terminale Komplikation des Schocks
DIC Disseminierte intravasale Gerinnung — Verbrauchskoagulopathie
Schockorgane Niere, Myokard, Leber, Lunge, Darm, Gerinnungssystem

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Definition 🔗

Schock ist eine lebensbedrohliche Kreislaufstörung, bei der die Sauerstoffversorgung des Gewebes nicht ausreicht, um den Metabolismus aufrechtzuerhalten. Es kommt zu Mikrozirkulationsstörungen und Organschäden.


Ätiologie 🔗

Vier Schockformen

Form Mechanismus Häufige Ursachen
Hypovolämischer Schock Kritischer Volumenmangel Hämorrhagischer Schock (Trauma, GI-Blutung), Verbrennung, Ileus, Erbrechen, Diarrhö
Kardiogener Schock Herzversagen → vermindertes HZV Myokardinfarkt, Myokarditis, Arrhythmien, Lungenembolie, Perikardtamponade, Klappenvitien
Distributiver Schock Fehlverteilung des Blutvolumens Septisch (Sepsis), anaphylaktisch (Allergie), neurogen (SHT, Rückenmark)
Obstruktiver Schock Mechanische Behinderung des Blutflusses Lungenembolie, Spannungspneumothorax, Perikardtamponade

Pathophysiologie 🔗

Schockspirale (Circulus vitiosus)

Hypovolämie / Herzversagen / Verteilungsstörung
        ↓
Herzzeitvolumen ↓
        ↓
Gewebeischämie → Azidose
        ↓
Kapillarpermeabilität ↑ → Flüssigkeitsverschiebung in Interstitium
        ↓
Verstärkte Hypovolämie → Schockspirale sich selbst unterhaltend

Kompensationsmechanismen

  1. Sympathikusaktivierung → Tachykardie, Vasokonstriktion, Tachypnoe
  2. Zentralisation → Blutversorgung von Gehirn und Herz gesichert — Haut, Muskeln, Nieren, Splanchnikusgebiet geopfert
  3. Anaerober Stoffwechsel → Laktazidose

Schockorgane

Organ Folge
Niere Minderperfusion → Oligurie/Anurie → akutes Nierenversagen
Myokard Verminderter Koronardurchfluss → Myokardischämie
Leber Nekrosen → Leberversagen
Lunge ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome)
Gerinnungssystem DIC (Disseminierte intravasale Gerinnung)
Darm Darmatonie, Translokation von Bakterien

Symptome & Klinik 🔗

Hämorrhagischer Schock (nach Blutverlust)

Klasse Blutverlust Klinik
I <750 ml (<15 %) Kompensiert, HF normal
II 750–1500 ml (15–30 %) Tachykardie, Angst
III 1500–2000 ml (30–40 %) Tachykardie, Hypotonie, Bewusstseinsstörung
IV >2000 ml (>40 %) Lebensbedrohlich, Schockkoma

Allgemeine Schocksymptome

  • Tachypnoe
  • Tachykardie und Hypotonie
  • Oligurie bis Anurie (Nierenminderperfusion)
  • Marmorierte Haut (Zentralisation)
  • Kaltschweißigkeit, Blässe
  • Rekapillarisationszeit >2 Sekunden

Spezifische Symptome nach Schockform

Schockform Zusätzliche Symptome ZVD
Volumenmangel Blutung, Teerstuhl, Hämatemesis, Diarrhö
Kardiogen Dyspnoe (Lungenstauung), gestaute Halsvenen ↑ oder →
Anaphylaktisch Larynxödem, Bronchospasmus, Urtikaria
Septisch (früh) Warme, rosige, trockene Haut, Fieber, Desorientiertheit
Septisch (spät) Wie Volumenmangel: kalt, blass, RR ↓
Neurogen Bewusstseinsstörung, Reflexverlust, Sensibilitätsausfall

Septischer Schock früh: Warme Peripherie durch Vasodilatation — kann mit normalem RR imponieren!


Diagnostik 🔗

Klinische Beurteilung

  • Schockindex = Puls / systolischer RR — Normal <1; >1 = Schock wahrscheinlich
  • Ansprechbarkeit, Vitalparameter (HF, AF, RR, Temp., SpO₂)
  • Hautkolorit, Rekapillarisationszeit
  • Pupillenreaktion

Labor

Parameter Bedeutung
Blutbild (Hb, Hkt) Blutungsausmaß bei hämorrhagischem Schock
Laktat (BGA) Maß der anaeroben Gewebehypoxie — >2 mmol/L = bedrohlich
Kreatinin, Harnstoff Nierenfunktion
Troponin, CK-MB Kardiogene Ursache
CRP, PCT, Blutkulturen Septischer Schock
Gerinnungsparameter (aPTT, Quick) Verbrauchskoagulopathie (DIC)
Leberwerte (AST, ALT, AP, GGT) Leberversagen

Apparative Diagnostik

Methode Einsatz
EKG Kardiale Ursache (Infarkt, Arrhythmie)
Echokardiographie Herzfunktion, Tamponade, Perikarderguss
Sonographie Abdominelle Blutung, Infektionsherd, V. cava inferior-Beurteilung
Röntgen-Thorax Lungenödem, Infiltrate, Herz
Linksherzkatheter Myokardinfarkt (PTCA)
Rechtsherzkatheter (Pulmonalis) Erweitertes hämodynamisches Monitoring
Blasenkatheter Exakte Diurese-Messung (Einheit: ml/h)

ZVD-Messung:

  • Erhöht (bis normal): Kardiogener Schock
  • Erniedrigt (bis normal): Alle anderen Schockformen

Differentialdiagnosen 🔗

Form Wichtiges Unterscheidungsmerkmal
Kardiogen vs. Hypovolämisch ZVD ↑ vs. ↓; gestaute Halsvenen vs. kollabierte Halsvenen
Septisch (früh) vs. alle anderen Warme Peripherie, Fieber (in der Frühphase)
Anaphylaktisch Exposition gegenüber Allergen, Urtikaria, Bronchospasmus
Neurogen Trauma-Anamnese, Reflexverlust, Sensibilitätsstörungen

Therapie 🔗

Allgemeine Sofortmaßnahmen

  1. Lagerung:
  2. Hypovolämischer Schock: Schocklagerung (Beine 15° angehoben)
  3. Kardiogener Schock: Oberkörperhochlagerung
  4. O₂-Gabe — je nach Schweregrad Nasensonde, Maske, ggf. Intubation
  5. Mehrere großlumige venöse Zugänge legen (außer beim kardiogenen Schock kein aggressives Volumen!)
  6. Schutz vor Auskühlung
  7. Monitoring: HF, AF, RR (invasiv), Diurese, SpO₂, BGA, EKG

Therapie nach Schockform

Hypovolämischer / hämorrhagischer Schock:

Maßnahme Detail
Blutstillung Notfallendoskopie oder Notfalloperation
Kristalloide Lösungen Ringerlösung (First-line)
Kolloide Werden nicht mehr empfohlen
Blutprodukte Erythrozytenkonzentrate bei Hb-Verlust

Kardiogener Schock:

Maßnahme Detail
Ursachenspezifisch Myokardinfarkt → PTCA; Tamponade → Punktion; Lungenembolie → Lyse
Medikamentös Dobutamin-Perfusor (positiv inotrop); ggf. + Noradrenalin
Nach Stabilisierung Diuretika bei kardialer Dekompensation

Anaphylaktischer Schock:

Maßnahme Detail
Adrenalin i.m. oder i.v. — Mittel der Wahl
Volumenersatz Vollelektrolytlösung
Glucocorticoid (hochdosiert) z.B. Methylprednisolon 250–1000 mg i.v.
Antihistaminikum z.B. Dimetinden (Fenistil) i.v.
Bronchospasmus Inhalatives Beta-2-Mimetikum

Septischer Schock: → Sepsis-Therapie (Antibiotika, Volumen, Noradrenalin)

Neurogener Schock:

  • Schmerztherapie
  • Noradrenalin i.v. + Volumensubstitution
  • Atemwegssicherung
  • Hirndrucksenkende Maßnahmen

Komplikationen 🔗

Komplikation Mechanismus
Kreislaufversagen → Reanimation Dekompensation
Akutes Nierenversagen Nierenminderperfusion
ARDS Inflammatorische Lungenschädigung
DIC Verbrauchskoagulopathie durch Schockkaskade
Multiorganversagen (MOV) Schockorgane versagen nacheinander
Gewebsnekrosen, Gangrän Persistierende Minderperfusion

Prognose 🔗

Stark abhängig von:

  • Schockursache (anaphylaktisch: gut bei Behandlung; septisch: 20–40 % Letalität; kardiogen: 50 % Letalität)
  • Zeitpunkt des Behandlungsbeginns — jede Minute zählt
  • Anzahl der betroffenen Organe (SOFA-Score)

Prävention 🔗

  • Frühzeitige Erkennung von Schockzeichen (Frühwarnscores im Krankenhaus: NEWS, qSOFA)
  • Adäquate Volumentherapie peri- und postoperativ
  • Allergiepass und Notfallset bei bekannter Anaphylaxieanamnese
  • Konsequente Sepsis-Früherkennung

✨ Clinical Pearls

**1. Schockindex >1 = Schock.** Puls 100/min + RR 100 mmHg = Schockindex 1,0 — Grenzwert. Puls 120/RR 90 = 1,33 — eindeutiger Schock.

**2. Septischer Schock früh = warm.** Im Gegensatz zu allen anderen Schockformen ist die Haut in der Frühphase warm, rosig und trocken — kann täuschen.

**3. Kardiogener Schock: kein aggressives Volumen.** Der Kreislauf ist nicht leer, er pumpt schlecht. Zu viel Volumen → Lungenödem verschlechtert sich.

**4. Laktat ist der Gewebshypoxie-Marker.** >2 mmol/L = Alarmzeichen; >4 mmol/L = schwerer Schock.

Prüfungstipps

  • - Vier Schockformen und ihre Unterschiede kennen — ZVD ist ein entscheidender Differenzierungsparameter
  • - Schockindex berechnen können — >1 = pathologisch
  • - Anaphylaxie-Therapie — Adrenalin (nicht Antihistaminikum!) ist das Mittel der Wahl
  • - Lagerung — Schocklagerung vs. Oberkörperhochlagerung bei kardiogenem Schock
  • - Septischer Schock früh = warme Peripherie — Verwechslungsgefahr mit verteiltem Volumen

Schlüsselbegriffe

BegriffSchockSchockindexZentralisationSchockspiraleARDSMOVDICSchockorgane

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