★★ Wichtig Gastroenterologie 15 Min.

Clostridium-difficile-Infektion

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Häufigste nosokomiale Diarrhö — ausgelöst durch Antibiotika-induzierte Dysbiose
  • 2. Erreger: Clostridium difficile (grampositiv, anaerob, Toxinbildner — Toxin A und B)
  • 3. Typisch: wässrige, übelriechende Diarrhö 2–10 Tage nach Antibiotikabeginn
  • 4. Diagnose: Toxinnachweis im Stuhl (A und B)
  • 5. Therapie: Absetzen des auslösenden Antibiotikums + Vancomycin oral (schwerer Verlauf)

Fallvignette

Eine 74-jährige Patientin auf der internistischen Station entwickelt seit 2 Tagen wässrige, übelriechende Durchfälle (6–8×/Tag) sowie krampfartige Unterbauchschmerzen und Fieber.

Anamnestisch: Hospitalisierung wegen einer Pneumonie, Antibiotikabehandlung mit Clindamycin begann vor 8 Tagen. Allgemeinzustand deutlich reduziert. Temperatur 38,9 °C, Puls 110/min, RR 100/60 mmHg. Labor: Leukozyten 22,4 × 10⁹/L, CRP 148 mg/L, Kreatinin 1,6 mg/dL (Baseline 0,9 mg/dL). Abdomen weich, diffuser Druckschmerz. CT-Abdomen: deutliche Kolonwandverdickung, sog. „Akkordeon-Zeichen".

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Clostridium-difficile-Infektion

Auf einen Blick

  1. Häufigste nosokomiale Diarrhö — ausgelöst durch Antibiotika-induzierte Dysbiose
  2. Erreger: Clostridium difficile (grampositiv, anaerob, Toxinbildner — Toxin A und B)
  3. Typisch: wässrige, übelriechende Diarrhö 2–10 Tage nach Antibiotikabeginn
  4. Diagnose: Toxinnachweis im Stuhl (A und B)
  5. Therapie: Absetzen des auslösenden Antibiotikums + Vancomycin oral (schwerer Verlauf)

Fallvignette

Eine 74-jährige Patientin auf der internistischen Station entwickelt seit 2 Tagen wässrige, übelriechende Durchfälle (6–8×/Tag) sowie krampfartige Unterbauchschmerzen und Fieber.

Anamnestisch: Hospitalisierung wegen einer Pneumonie, Antibiotikabehandlung mit Clindamycin begann vor 8 Tagen. Allgemeinzustand deutlich reduziert. Temperatur 38,9 °C, Puls 110/min, RR 100/60 mmHg. Labor: Leukozyten 22,4 × 10⁹/L, CRP 148 mg/L, Kreatinin 1,6 mg/dL (Baseline 0,9 mg/dL). Abdomen weich, diffuser Druckschmerz. CT-Abdomen: deutliche Kolonwandverdickung, sog. „Akkordeon-Zeichen“.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Erreger & Übertragung

  • Erreger: Clostridium difficile — grampositives Stäbchen, obligat anaerob, sporenbildend
  • Toxine: Toxin A (Enterotoxin) + Toxin B (Zytotoxin) — beide diagnostisch relevant
  • Übertragung: fäkal-oral — Sporen extrem widerstandsfähig
  • Reservoir: Hohe Durchseuchungsrate bei Kleinkindern und hospitalisierten Patienten
  • Übertragungsweg in der Klinik: Hände des Personals (trotz Desinfektion — Sporen überleben Alkohol!)

Pathomechanismus

  1. Antibiotikagabe → Zerstörung der normalen Darmflora
  2. C. difficile überwuchert den Darm (Dysbiose)
  3. Toxinproduktion → Schleimhautschädigung → pseudomembranöse Kolitis

Klinik

  • Häufig asymptomatisch (Trägerstatus, besonders bei Kleinkindern)
  • Symptome treten meist 2–10 Tage nach Beginn der Antibiotikatherapie auf:
  • Hohes Fieber
  • Krampfartige Unterbauchschmerzen
  • Akute, ggf. blutige Diarrhö — charakteristisch übelriechend

Diagnostik

Stuhluntersuchung

  • Nachweis der Toxine A und B im Stuhl — Methode der Wahl
  • Nur symptomatische Patienten testen (Toxinnachweis bei asymptomatischem Trägerstatus nicht wegweisend)

Blutbild

  • Leukozytose (oft ausgeprägt — Leukozytose > 15.000/μl weist auf schweren Verlauf hin)

Koloskopie

  • Nur bei diagnostischer Unsicherheit oder fehlendem Erregernachweis
  • Nur unter großer Vorsicht (Perforationsgefahr!)
  • Nachweis der typischen Pseudomembranen bei pseudomembranöser Kolitis

Therapie

Allgemein

  • Isolierung des Patienten
  • Absetzen der auslösenden Antibiotikatherapie, sobald vertretbar
  • Flüssigkeitssubstitution

Antibiotische Therapie (10 Tage)

Verlauf Therapie
Milder Verlauf Metronidazol oral
Bei Passagestörung (Ileus, Megakolon) Metronidazol intravenös
Schwerer Verlauf oder Rezidiv Vancomycin oral ++ (Methode der Wahl!)

Vancomycin wirkt im Darm lokal — die orale Gabe erzielt sehr hohe Konzentrationen im Darmlumen, systemische Resorption ist minimal.

Stuhltransplantation (FMT)

  • Bei Versagen mehrerer Antibiotikaregime
  • Hocheffektiv bei rezidivierender C.-difficile-Infektion (~90 % Heilungsrate)

Interventionell/Chirurgisch

  • Bei Komplikationen (toxisches Megakolon, Perforation)

Komplikationen

Paralytischer Ileus

  • Koloskopische Anlage einer Dekompressionssonde

Toxisches Megakolon

  • Definition: Akute, lebensbedrohliche Dilatation des Dickdarms (> 6 cm)
  • Ursachen: Pseudomembranöse Kolitis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Amöbenruhr, Hirschsprung
  • Klinik: Akutes Abdomen (gebläht) + septisches Krankheitsbild + erhöhte Perforationsgefahr
  • Diagnostik: Röntgen-Abdomenübersicht → stark dilatierter Kolonrahmen
  • Therapie:
  • Im Frühstadium (< 72 h): ggf. konservativ (Dekompressionssonde)
  • Später: Kolektomie + terminales Ileostoma

Sepsis


Prävention & Hygiene

Maßnahme Details
Isolierung Symptomatische Phase bis 2 Tage nach Abklingen der Symptome
Schutzausrüstung Handschuhe + Schutzkittel bei Patientenkontakt
Händehygiene Desinfektion (wirksam gegen vegetative Formen) + Händewaschen mit Seife (notwendig gegen Sporen!)
Flächendesinfektion Konsequente Desinfektion aller Flächen im Zimmer

Wichtig: Alkohol-Händedesinfektionsmittel tötet C.-difficile-Sporen NICHT ab — Seife und Wasser sind notwendig!

Meldepflicht

  • Nur bei schwerem Verlauf

Klinische Perlen

1. Übelriechende Diarrhö nach Antibiose = C. difficile, bis bewiesen. Selbst bei kurzfristiger Antibiose (z.B. HNO, Pneumonie) kann C. difficile auftreten.

2. Vancomycin oral bei schwerem Verlauf — nicht IV. IV-Vancomycin erreicht den Darm nicht. Oral wirkt es lokal im Darmlumen.

3. Sporen überleben Alkohol. Nur mechanisches Waschen (Seife + Wasser) entfernt Sporen von den Händen — Händedesinfektion allein reicht nicht!


Prüfungstipps

  • Auslöser = Antibiotikatherapie + Klinik (Diarrhö + Fieber 2–10 Tage nach AB-Gabe)
  • Diagnose = Toxinnachweis im Stuhl (Toxin A und B)
  • Milder Verlauf = Metronidazol oral; schwerer Verlauf / Rezidiv = Vancomycin oral
  • Toxisches Megakolon: Röntgen → Kolektomie
  • Hygiene: Alkohol reicht nicht gegen Sporen → Seife und Wasser

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Pseudomembranöse Kolitis Schwere Form der C.-difficile-Infektion mit typischen Pseudomembranen in der Koloskopie
Toxisches Megakolon Lebensbedrohliche akute Dilatation des Dickdarms
FMT (Stuhltransplantation) Übertragung von Stuhl eines gesunden Spenders — effektivste Therapie bei Rezidiv
Dysbiose Störung des Gleichgewichts der Darmflora — Grundlage der C.-difficile-Überwucherung

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Diagnostik 🔗

Stuhluntersuchung

  • Nachweis der Toxine A und B im Stuhl — Methode der Wahl
  • Nur symptomatische Patienten testen (Toxinnachweis bei asymptomatischem Trägerstatus nicht wegweisend)

Blutbild

  • Leukozytose (oft ausgeprägt — Leukozytose > 15.000/μl weist auf schweren Verlauf hin)

Koloskopie

  • Nur bei diagnostischer Unsicherheit oder fehlendem Erregernachweis
  • Nur unter großer Vorsicht (Perforationsgefahr!)
  • Nachweis der typischen Pseudomembranen bei pseudomembranöser Kolitis

Therapie 🔗

Allgemein

  • Isolierung des Patienten
  • Absetzen der auslösenden Antibiotikatherapie, sobald vertretbar
  • Flüssigkeitssubstitution

Antibiotische Therapie (10 Tage)

Verlauf Therapie
Milder Verlauf Metronidazol oral
Bei Passagestörung (Ileus, Megakolon) Metronidazol intravenös
Schwerer Verlauf oder Rezidiv Vancomycin oral ++ (Methode der Wahl!)

Vancomycin wirkt im Darm lokal — die orale Gabe erzielt sehr hohe Konzentrationen im Darmlumen, systemische Resorption ist minimal.

Stuhltransplantation (FMT)

  • Bei Versagen mehrerer Antibiotikaregime
  • Hocheffektiv bei rezidivierender C.-difficile-Infektion (~90 % Heilungsrate)

Interventionell/Chirurgisch

  • Bei Komplikationen (toxisches Megakolon, Perforation)

Komplikationen 🔗

Paralytischer Ileus

  • Koloskopische Anlage einer Dekompressionssonde

Toxisches Megakolon

  • Definition: Akute, lebensbedrohliche Dilatation des Dickdarms (> 6 cm)
  • Ursachen: Pseudomembranöse Kolitis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Amöbenruhr, Hirschsprung
  • Klinik: Akutes Abdomen (gebläht) + septisches Krankheitsbild + erhöhte Perforationsgefahr
  • Diagnostik: Röntgen-Abdomenübersicht → stark dilatierter Kolonrahmen
  • Therapie:
  • Im Frühstadium (< 72 h): ggf. konservativ (Dekompressionssonde)
  • Später: Kolektomie + terminales Ileostoma

Sepsis


Prävention 🔗

Maßnahme Details
Isolierung Symptomatische Phase bis 2 Tage nach Abklingen der Symptome
Schutzausrüstung Handschuhe + Schutzkittel bei Patientenkontakt
Händehygiene Desinfektion (wirksam gegen vegetative Formen) + Händewaschen mit Seife (notwendig gegen Sporen!)
Flächendesinfektion Konsequente Desinfektion aller Flächen im Zimmer

Wichtig: Alkohol-Händedesinfektionsmittel tötet C.-difficile-Sporen NICHT ab — Seife und Wasser sind notwendig!

Meldepflicht

  • Nur bei schwerem Verlauf

✨ Clinical Pearls

**1. Übelriechende Diarrhö nach Antibiose = C. difficile, bis bewiesen.** Selbst bei kurzfristiger Antibiose (z.B. HNO, Pneumonie) kann C. difficile auftreten.

**2. Vancomycin oral bei schwerem Verlauf — nicht IV.** IV-Vancomycin erreicht den Darm nicht. Oral wirkt es lokal im Darmlumen.

**3. Sporen überleben Alkohol.** Nur mechanisches Waschen (Seife + Wasser) entfernt Sporen von den Händen — Händedesinfektion allein reicht nicht!

Prüfungstipps

  • - Auslöser = Antibiotikatherapie + Klinik (Diarrhö + Fieber 2–10 Tage nach AB-Gabe)
  • - Diagnose = Toxinnachweis im Stuhl (Toxin A und B)
  • - Milder Verlauf = Metronidazol oral; schwerer Verlauf / Rezidiv = Vancomycin oral
  • - Toxisches Megakolon: Röntgen → Kolektomie
  • - Hygiene: Alkohol reicht nicht gegen Sporen → Seife und Wasser

Schlüsselbegriffe

BegriffPseudomembranöse KolitisToxisches MegakolonFMT (Stuhltransplantation)Dysbiose

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