Clostridium-difficile-Infektion
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. Häufigste nosokomiale Diarrhö — ausgelöst durch Antibiotika-induzierte Dysbiose
- 2. Erreger: Clostridium difficile (grampositiv, anaerob, Toxinbildner — Toxin A und B)
- 3. Typisch: wässrige, übelriechende Diarrhö 2–10 Tage nach Antibiotikabeginn
- 4. Diagnose: Toxinnachweis im Stuhl (A und B)
- 5. Therapie: Absetzen des auslösenden Antibiotikums + Vancomycin oral (schwerer Verlauf)
Fallvignette
Eine 74-jährige Patientin auf der internistischen Station entwickelt seit 2 Tagen wässrige, übelriechende Durchfälle (6–8×/Tag) sowie krampfartige Unterbauchschmerzen und Fieber.
Anamnestisch: Hospitalisierung wegen einer Pneumonie, Antibiotikabehandlung mit Clindamycin begann vor 8 Tagen. Allgemeinzustand deutlich reduziert. Temperatur 38,9 °C, Puls 110/min, RR 100/60 mmHg. Labor: Leukozyten 22,4 × 10⁹/L, CRP 148 mg/L, Kreatinin 1,6 mg/dL (Baseline 0,9 mg/dL). Abdomen weich, diffuser Druckschmerz. CT-Abdomen: deutliche Kolonwandverdickung, sog. „Akkordeon-Zeichen".
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Clostridium-difficile-Infektion
Auf einen Blick
- Häufigste nosokomiale Diarrhö — ausgelöst durch Antibiotika-induzierte Dysbiose
- Erreger: Clostridium difficile (grampositiv, anaerob, Toxinbildner — Toxin A und B)
- Typisch: wässrige, übelriechende Diarrhö 2–10 Tage nach Antibiotikabeginn
- Diagnose: Toxinnachweis im Stuhl (A und B)
- Therapie: Absetzen des auslösenden Antibiotikums + Vancomycin oral (schwerer Verlauf)
Fallvignette
Eine 74-jährige Patientin auf der internistischen Station entwickelt seit 2 Tagen wässrige, übelriechende Durchfälle (6–8×/Tag) sowie krampfartige Unterbauchschmerzen und Fieber.
Anamnestisch: Hospitalisierung wegen einer Pneumonie, Antibiotikabehandlung mit Clindamycin begann vor 8 Tagen. Allgemeinzustand deutlich reduziert. Temperatur 38,9 °C, Puls 110/min, RR 100/60 mmHg. Labor: Leukozyten 22,4 × 10⁹/L, CRP 148 mg/L, Kreatinin 1,6 mg/dL (Baseline 0,9 mg/dL). Abdomen weich, diffuser Druckschmerz. CT-Abdomen: deutliche Kolonwandverdickung, sog. „Akkordeon-Zeichen“.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Erreger & Übertragung
- Erreger: Clostridium difficile — grampositives Stäbchen, obligat anaerob, sporenbildend
- Toxine: Toxin A (Enterotoxin) + Toxin B (Zytotoxin) — beide diagnostisch relevant
- Übertragung: fäkal-oral — Sporen extrem widerstandsfähig
- Reservoir: Hohe Durchseuchungsrate bei Kleinkindern und hospitalisierten Patienten
- Übertragungsweg in der Klinik: Hände des Personals (trotz Desinfektion — Sporen überleben Alkohol!)
Pathomechanismus
- Antibiotikagabe → Zerstörung der normalen Darmflora
- C. difficile überwuchert den Darm (Dysbiose)
- Toxinproduktion → Schleimhautschädigung → pseudomembranöse Kolitis
Klinik
- Häufig asymptomatisch (Trägerstatus, besonders bei Kleinkindern)
- Symptome treten meist 2–10 Tage nach Beginn der Antibiotikatherapie auf:
- Hohes Fieber
- Krampfartige Unterbauchschmerzen
- Akute, ggf. blutige Diarrhö — charakteristisch übelriechend
Diagnostik
Stuhluntersuchung
- Nachweis der Toxine A und B im Stuhl — Methode der Wahl
- Nur symptomatische Patienten testen (Toxinnachweis bei asymptomatischem Trägerstatus nicht wegweisend)
Blutbild
- Leukozytose (oft ausgeprägt — Leukozytose > 15.000/μl weist auf schweren Verlauf hin)
Koloskopie
- Nur bei diagnostischer Unsicherheit oder fehlendem Erregernachweis
- Nur unter großer Vorsicht (Perforationsgefahr!)
- Nachweis der typischen Pseudomembranen bei pseudomembranöser Kolitis
Therapie
Allgemein
- Isolierung des Patienten
- Absetzen der auslösenden Antibiotikatherapie, sobald vertretbar
- Flüssigkeitssubstitution
Antibiotische Therapie (10 Tage)
| Verlauf | Therapie |
|---|---|
| Milder Verlauf | Metronidazol oral |
| Bei Passagestörung (Ileus, Megakolon) | Metronidazol intravenös |
| Schwerer Verlauf oder Rezidiv | Vancomycin oral ++ (Methode der Wahl!) |
Vancomycin wirkt im Darm lokal — die orale Gabe erzielt sehr hohe Konzentrationen im Darmlumen, systemische Resorption ist minimal.
Stuhltransplantation (FMT)
- Bei Versagen mehrerer Antibiotikaregime
- Hocheffektiv bei rezidivierender C.-difficile-Infektion (~90 % Heilungsrate)
Interventionell/Chirurgisch
- Bei Komplikationen (toxisches Megakolon, Perforation)
Komplikationen
Paralytischer Ileus
- Koloskopische Anlage einer Dekompressionssonde
Toxisches Megakolon
- Definition: Akute, lebensbedrohliche Dilatation des Dickdarms (> 6 cm)
- Ursachen: Pseudomembranöse Kolitis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Amöbenruhr, Hirschsprung
- Klinik: Akutes Abdomen (gebläht) + septisches Krankheitsbild + erhöhte Perforationsgefahr
- Diagnostik: Röntgen-Abdomenübersicht → stark dilatierter Kolonrahmen
- Therapie:
- Im Frühstadium (< 72 h): ggf. konservativ (Dekompressionssonde)
- Später: Kolektomie + terminales Ileostoma
Sepsis
Prävention & Hygiene
| Maßnahme | Details |
|---|---|
| Isolierung | Symptomatische Phase bis 2 Tage nach Abklingen der Symptome |
| Schutzausrüstung | Handschuhe + Schutzkittel bei Patientenkontakt |
| Händehygiene | Desinfektion (wirksam gegen vegetative Formen) + Händewaschen mit Seife (notwendig gegen Sporen!) |
| Flächendesinfektion | Konsequente Desinfektion aller Flächen im Zimmer |
Wichtig: Alkohol-Händedesinfektionsmittel tötet C.-difficile-Sporen NICHT ab — Seife und Wasser sind notwendig!
Meldepflicht
- Nur bei schwerem Verlauf
Klinische Perlen
1. Übelriechende Diarrhö nach Antibiose = C. difficile, bis bewiesen. Selbst bei kurzfristiger Antibiose (z.B. HNO, Pneumonie) kann C. difficile auftreten.
2. Vancomycin oral bei schwerem Verlauf — nicht IV. IV-Vancomycin erreicht den Darm nicht. Oral wirkt es lokal im Darmlumen.
3. Sporen überleben Alkohol. Nur mechanisches Waschen (Seife + Wasser) entfernt Sporen von den Händen — Händedesinfektion allein reicht nicht!
Prüfungstipps
- Auslöser = Antibiotikatherapie + Klinik (Diarrhö + Fieber 2–10 Tage nach AB-Gabe)
- Diagnose = Toxinnachweis im Stuhl (Toxin A und B)
- Milder Verlauf = Metronidazol oral; schwerer Verlauf / Rezidiv = Vancomycin oral
- Toxisches Megakolon: Röntgen → Kolektomie
- Hygiene: Alkohol reicht nicht gegen Sporen → Seife und Wasser
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Pseudomembranöse Kolitis | Schwere Form der C.-difficile-Infektion mit typischen Pseudomembranen in der Koloskopie |
| Toxisches Megakolon | Lebensbedrohliche akute Dilatation des Dickdarms |
| FMT (Stuhltransplantation) | Übertragung von Stuhl eines gesunden Spenders — effektivste Therapie bei Rezidiv |
| Dysbiose | Störung des Gleichgewichts der Darmflora — Grundlage der C.-difficile-Überwucherung |
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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Diagnostik 🔗
Stuhluntersuchung
- Nachweis der Toxine A und B im Stuhl — Methode der Wahl
- Nur symptomatische Patienten testen (Toxinnachweis bei asymptomatischem Trägerstatus nicht wegweisend)
Blutbild
- Leukozytose (oft ausgeprägt — Leukozytose > 15.000/μl weist auf schweren Verlauf hin)
Koloskopie
- Nur bei diagnostischer Unsicherheit oder fehlendem Erregernachweis
- Nur unter großer Vorsicht (Perforationsgefahr!)
- Nachweis der typischen Pseudomembranen bei pseudomembranöser Kolitis
Therapie 🔗
Allgemein
- Isolierung des Patienten
- Absetzen der auslösenden Antibiotikatherapie, sobald vertretbar
- Flüssigkeitssubstitution
Antibiotische Therapie (10 Tage)
| Verlauf | Therapie |
|---|---|
| Milder Verlauf | Metronidazol oral |
| Bei Passagestörung (Ileus, Megakolon) | Metronidazol intravenös |
| Schwerer Verlauf oder Rezidiv | Vancomycin oral ++ (Methode der Wahl!) |
Vancomycin wirkt im Darm lokal — die orale Gabe erzielt sehr hohe Konzentrationen im Darmlumen, systemische Resorption ist minimal.
Stuhltransplantation (FMT)
- Bei Versagen mehrerer Antibiotikaregime
- Hocheffektiv bei rezidivierender C.-difficile-Infektion (~90 % Heilungsrate)
Interventionell/Chirurgisch
- Bei Komplikationen (toxisches Megakolon, Perforation)
Komplikationen 🔗
Paralytischer Ileus
- Koloskopische Anlage einer Dekompressionssonde
Toxisches Megakolon
- Definition: Akute, lebensbedrohliche Dilatation des Dickdarms (> 6 cm)
- Ursachen: Pseudomembranöse Kolitis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Amöbenruhr, Hirschsprung
- Klinik: Akutes Abdomen (gebläht) + septisches Krankheitsbild + erhöhte Perforationsgefahr
- Diagnostik: Röntgen-Abdomenübersicht → stark dilatierter Kolonrahmen
- Therapie:
- Im Frühstadium (< 72 h): ggf. konservativ (Dekompressionssonde)
- Später: Kolektomie + terminales Ileostoma
Sepsis
Prävention 🔗
| Maßnahme | Details |
|---|---|
| Isolierung | Symptomatische Phase bis 2 Tage nach Abklingen der Symptome |
| Schutzausrüstung | Handschuhe + Schutzkittel bei Patientenkontakt |
| Händehygiene | Desinfektion (wirksam gegen vegetative Formen) + Händewaschen mit Seife (notwendig gegen Sporen!) |
| Flächendesinfektion | Konsequente Desinfektion aller Flächen im Zimmer |
Wichtig: Alkohol-Händedesinfektionsmittel tötet C.-difficile-Sporen NICHT ab — Seife und Wasser sind notwendig!
Meldepflicht
- Nur bei schwerem Verlauf
✨ Clinical Pearls
**1. Übelriechende Diarrhö nach Antibiose = C. difficile, bis bewiesen.** Selbst bei kurzfristiger Antibiose (z.B. HNO, Pneumonie) kann C. difficile auftreten.
**2. Vancomycin oral bei schwerem Verlauf — nicht IV.** IV-Vancomycin erreicht den Darm nicht. Oral wirkt es lokal im Darmlumen.
**3. Sporen überleben Alkohol.** Nur mechanisches Waschen (Seife + Wasser) entfernt Sporen von den Händen — Händedesinfektion allein reicht nicht!
Prüfungstipps
- - Auslöser = Antibiotikatherapie + Klinik (Diarrhö + Fieber 2–10 Tage nach AB-Gabe)
- - Diagnose = Toxinnachweis im Stuhl (Toxin A und B)
- - Milder Verlauf = Metronidazol oral; schwerer Verlauf / Rezidiv = Vancomycin oral
- - Toxisches Megakolon: Röntgen → Kolektomie
- - Hygiene: Alkohol reicht nicht gegen Sporen → Seife und Wasser
Schlüsselbegriffe
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