★★ Wichtig Gastroenterologie 20 Min.

Chronische Gastritis

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Chronische Entzündung der Magenschleimhaut — Diagnose ist histologisch
  • 2. ABC-Klassifikation: A = Autoimmun (5 %), B = Bakteriell durch H. pylori (60 %), C = Chemisch (30 %)
  • 3. Typ A → perniziöse Anämie + erhöhtes Karzinoidrisiko; Typ B → erhöhtes Karzinom- und MALT-Lymphom-Risiko
  • 4. Diagnose nur durch Kombination aus Endoskopie + Histologie + HP-Diagnostik
  • 5. Typ-B-Therapie: HP-Eradikation bei klaren Indikationen

Fallvignette

Eine 52-jährige Patientin stellt sich vor mit seit Monaten bestehendem epigastrischem Druckgefühl, Völlegefühl nach kleinen Mahlzeiten und rezidivierendem Aufstoßen.

In der Anamnese: keine NSAR-Einnahme, kein Alkohol, keine relevanten Vorerkrankungen. Sie berichtet über zunehmende Müdigkeit und leichte Gangunsicherheit. Labor: Hämoglobin 9,2 g/dL (MCV 112 fL, Makrozytose), Vitamin B12 68 pg/mL (↓↓), Folsäure normal, Intrinsic-Faktor-Antikörper positiv. Gastroskopie: atrophische Magenschleimhaut im Korpusbereich, kein Ulkus sichtbar.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Chronische Gastritis

Auf einen Blick

  1. Chronische Entzündung der Magenschleimhaut — Diagnose ist histologisch
  2. ABC-Klassifikation: A = Autoimmun (5 %), B = Bakteriell durch H. pylori (60 %), C = Chemisch (30 %)
  3. Typ A → perniziöse Anämie + erhöhtes Karzinoidrisiko; Typ B → erhöhtes Karzinom- und MALT-Lymphom-Risiko
  4. Diagnose nur durch Kombination aus Endoskopie + Histologie + HP-Diagnostik
  5. Typ-B-Therapie: HP-Eradikation bei klaren Indikationen

Fallvignette

Eine 52-jährige Patientin stellt sich vor mit seit Monaten bestehendem epigastrischem Druckgefühl, Völlegefühl nach kleinen Mahlzeiten und rezidivierendem Aufstoßen.

In der Anamnese: keine NSAR-Einnahme, kein Alkohol, keine relevanten Vorerkrankungen. Sie berichtet über zunehmende Müdigkeit und leichte Gangunsicherheit. Labor: Hämoglobin 9,2 g/dL (MCV 112 fL, Makrozytose), Vitamin B12 68 pg/mL (↓↓), Folsäure normal, Intrinsic-Faktor-Antikörper positiv. Gastroskopie: atrophische Magenschleimhaut im Korpusbereich, kein Ulkus sichtbar.

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition

Chronische Entzündung der Magenschleimhaut. Die Diagnose ist histologisch — klinische Symptome fehlen häufig. Einteilung nach der ABC-Klassifikation nach Ursache und Lokalisation.


Klassifikation & Ätiologie

Typ-A-Gastritis (5 %) — Autoimmun

  • Ursache: Autoantikörper gegen Belegzellen (Parietalzellen) und/oder Intrinsic-Faktor
  • Lokalisation: Magenfundus und -korpus (dort sitzen die Belegzellen)
  • Folgen:
  • Achlorhydrie (Anazidität) → erhöhtes Risiko für Magenkarzinome
  • Hypergastrinämie → erhöhtes Risiko für Karzinoidtumoren
  • Intrinsic-Faktor-Mangel → Vitamin-B12-Malabsorption → perniziöse Anämie

Typ-B-Gastritis (60 %) — Bakteriell

  • Ursache: Helicobacter pylori (gramnegativer, urease-positiver Keim)
  • Lokalisation: Magenantrum
  • Folgen:
  • Hypochlorhydrie (keine vollständige Achlorhydrie)
  • Intestinale Metaplasien → erhöhtes Risiko für Magenkarzinom und MALT-Lymphom

Typ-C-Gastritis (30 %) — Chemisch

  • Ursache: Gallereflux (häufig beim operierten Magen) oder NSAR-Einnahme
  • Folgen: Erosionen und Ulzera, Hypochlorhydrie, ggf. Metaplasien → Karzinomrisiko (weniger ausgeprägt als A und B)

Klinik

  • Häufig symptomlos
  • Epigastrische Schmerzen (Nüchternschmerz oder postprandial), Übelkeit, Völlegefühl, Aufstoßen
  • Typ A: Bei ausgeprägtem Vitamin-B12-Mangel — Trias aus hämatologischer, neurologischer und gastrointestinaler Störung; Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen (z.B. Hashimoto-Thyreoiditis)
  • Typ B: Oft erst durch Komplikationen (Ulkusblutung) symptomatisch
  • Typ C: Blutungszeichen; verursachende Medikamente in Anamnese (NSAR ± Glukokortikoide ± SSRI)

Diagnostik

Gastroskopie mit Biopsie (Goldstandard)

  • Mindestens 2 Gewebepartikel getrennt aus Korpus und Antrum
  • Histologische Untersuchung + Urease-Schnelltest im Rahmen der HP-Diagnostik

Helicobacter-pylori-Diagnostik

Methode Art
Histologie (aus Biopsie) Invasiv
Urease-Schnelltest (CLO-Test) Invasiv
Kultur + Resistogramm Invasiv
Stuhl-Antigentest Nicht-invasiv
Harnstoff-Atemtest (¹³C) Nicht-invasiv
Serologie Nicht-invasiv (weniger spezifisch)

Die Diagnose einer chronischen Gastritis darf nur in der Zusammenschau aus endoskopischem und histopathologischem Befund (inklusive HP-Diagnostik) gestellt werden!

Labor

  • Mikrozytäre Anämie (bei chronischer Blutung)
  • Makrozytäre Anämie (bei Vitamin-B12-Mangel)
  • Bei Typ A: Bestimmung von Vitamin B12 + Antikörper gegen Belegzellen und/oder Intrinsic-Faktor

Therapie

Typ-A-Gastritis

  • Vitamin-B12-Substitution parenteral (da Intrinsic-Faktor fehlt, orale Gabe unwirksam)
  • Endoskopische Kontrollen alle 3 Jahre (erhöhte Karzinominzidenz)

Typ-B-Gastritis (H. pylori)

HP-Eradikationstherapie — Indikationen:

Indikation Art
Gastroduodenale Ulkuskrankheit Obligat
MALT-Lymphom Obligat
Symptomatische Typ-B-Gastritis Fakultativ
HP-Nachweis bei geplanter Dauertherapie mit NSAR Fakultativ

Standard-Eradikationsschema (French Triple): PPI + Clarithromycin + Amoxicillin (7–14 Tage)

  • Bei intestinaler Metaplasie: endoskopische Kontrollen alle 3 Jahre

Typ-C-Gastritis

  • Noxenkarenz: NSAR, Nikotin, Alkohol
  • Bei symptomatischem Gallereflux: Prokinetika oder Colestyramin
  • Bei NSAR-Einnahme: Indikation überprüfen, ggf. absetzen oder mit PPI kombinieren

Komplikationen

  • Ulkus ventriculi / duodeni (besonders Typ B)
  • Magenkarzinom (Typ A > Typ B > Typ C)
  • MALT-Lymphom (Typ B)
  • Karzinoid (Typ A, durch Hypergastrinämie)
  • Perniziöse Anämie (Typ A)

Klinische Perlen

1. Typ A = Fundus, Typ B = Antrum. Die Lokalisation hilft beim Verstehen der Folgen: Belegzellen sitzen im Fundus → Typ A → kein Intrinsic-Faktor → perniziöse Anämie.

2. H. pylori-Eradikation heilt MALT-Lymphom (in frühen Stadien). In 70–80 % der Fälle bildet sich ein niedrigmalignes Magen-MALT-Lymphom nach erfolgreicher HP-Eradikation vollständig zurück.

3. Serologie ist unzuverlässig. Der Harnstoff-Atemtest und der Stuhl-Antigentest sind nicht-invasive Methoden der Wahl — Serologie bleibt positiv auch nach erfolgreicher Eradikation.


Prüfungstipps

  • ABC-Klassifikation auswendig lernen — Prüfungsfavorit
  • Bei perniziöser Anämie immer Typ-A-Gastritis und Antikörper gegen Intrinsic-Faktor/Parietalzellen erwähnen
  • HP-Eradikation: obligate vs. fakultative Indikationen kennen
  • Vitamin-B12 muss parenteral substituiert werden — orale Gabe funktioniert nicht ohne Intrinsic-Faktor

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Achlorhydrie Fehlen der Magensäureproduktion — Folge der Typ-A-Gastritis
Perniziöse Anämie Megaloblastäre Anämie durch Vitamin-B12-Mangel infolge Intrinsic-Faktor-Mangel
MALT-Lymphom Schleimhaut-assoziiertes Lymphom — häufig H.-pylori-induziert
Intrinsic-Faktor Glykoprotein der Belegzellen — notwendig für Vitamin-B12-Resorption im Ileum
CLO-Test Urease-Schnelltest aus Magenbiopsie — Nachweis von H. pylori

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Definition 🔗

Chronische Entzündung der Magenschleimhaut. Die Diagnose ist histologisch — klinische Symptome fehlen häufig. Einteilung nach der ABC-Klassifikation nach Ursache und Lokalisation.


Symptome & Klinik 🔗

Typ-A-Gastritis (5 %) — Autoimmun

  • Ursache: Autoantikörper gegen Belegzellen (Parietalzellen) und/oder Intrinsic-Faktor
  • Lokalisation: Magenfundus und -korpus (dort sitzen die Belegzellen)
  • Folgen:
  • Achlorhydrie (Anazidität) → erhöhtes Risiko für Magenkarzinome
  • Hypergastrinämie → erhöhtes Risiko für Karzinoidtumoren
  • Intrinsic-Faktor-Mangel → Vitamin-B12-Malabsorption → perniziöse Anämie

Typ-B-Gastritis (60 %) — Bakteriell

  • Ursache: Helicobacter pylori (gramnegativer, urease-positiver Keim)
  • Lokalisation: Magenantrum
  • Folgen:
  • Hypochlorhydrie (keine vollständige Achlorhydrie)
  • Intestinale Metaplasien → erhöhtes Risiko für Magenkarzinom und MALT-Lymphom

Typ-C-Gastritis (30 %) — Chemisch

  • Ursache: Gallereflux (häufig beim operierten Magen) oder NSAR-Einnahme
  • Folgen: Erosionen und Ulzera, Hypochlorhydrie, ggf. Metaplasien → Karzinomrisiko (weniger ausgeprägt als A und B)

Diagnostik 🔗

Gastroskopie mit Biopsie (Goldstandard)

  • Mindestens 2 Gewebepartikel getrennt aus Korpus und Antrum
  • Histologische Untersuchung + Urease-Schnelltest im Rahmen der HP-Diagnostik

Helicobacter-pylori-Diagnostik

Methode Art
Histologie (aus Biopsie) Invasiv
Urease-Schnelltest (CLO-Test) Invasiv
Kultur + Resistogramm Invasiv
Stuhl-Antigentest Nicht-invasiv
Harnstoff-Atemtest (¹³C) Nicht-invasiv
Serologie Nicht-invasiv (weniger spezifisch)

Die Diagnose einer chronischen Gastritis darf nur in der Zusammenschau aus endoskopischem und histopathologischem Befund (inklusive HP-Diagnostik) gestellt werden!

Labor

  • Mikrozytäre Anämie (bei chronischer Blutung)
  • Makrozytäre Anämie (bei Vitamin-B12-Mangel)
  • Bei Typ A: Bestimmung von Vitamin B12 + Antikörper gegen Belegzellen und/oder Intrinsic-Faktor

Therapie 🔗

Typ-A-Gastritis

  • Vitamin-B12-Substitution parenteral (da Intrinsic-Faktor fehlt, orale Gabe unwirksam)
  • Endoskopische Kontrollen alle 3 Jahre (erhöhte Karzinominzidenz)

Typ-B-Gastritis (H. pylori)

HP-Eradikationstherapie — Indikationen:

Indikation Art
Gastroduodenale Ulkuskrankheit Obligat
MALT-Lymphom Obligat
Symptomatische Typ-B-Gastritis Fakultativ
HP-Nachweis bei geplanter Dauertherapie mit NSAR Fakultativ

Standard-Eradikationsschema (French Triple): PPI + Clarithromycin + Amoxicillin (7–14 Tage)

  • Bei intestinaler Metaplasie: endoskopische Kontrollen alle 3 Jahre

Typ-C-Gastritis

  • Noxenkarenz: NSAR, Nikotin, Alkohol
  • Bei symptomatischem Gallereflux: Prokinetika oder Colestyramin
  • Bei NSAR-Einnahme: Indikation überprüfen, ggf. absetzen oder mit PPI kombinieren

Komplikationen 🔗

  • Ulkus ventriculi / duodeni (besonders Typ B)
  • Magenkarzinom (Typ A > Typ B > Typ C)
  • MALT-Lymphom (Typ B)
  • Karzinoid (Typ A, durch Hypergastrinämie)
  • Perniziöse Anämie (Typ A)

✨ Clinical Pearls

**1. Typ A = Fundus, Typ B = Antrum.** Die Lokalisation hilft beim Verstehen der Folgen: Belegzellen sitzen im Fundus → Typ A → kein Intrinsic-Faktor → perniziöse Anämie.

**2. H. pylori-Eradikation heilt MALT-Lymphom (in frühen Stadien).** In 70–80 % der Fälle bildet sich ein niedrigmalignes Magen-MALT-Lymphom nach erfolgreicher HP-Eradikation vollständig zurück.

**3. Serologie ist unzuverlässig.** Der Harnstoff-Atemtest und der Stuhl-Antigentest sind nicht-invasive Methoden der Wahl — Serologie bleibt positiv auch nach erfolgreicher Eradikation.

Prüfungstipps

  • - ABC-Klassifikation auswendig lernen — Prüfungsfavorit
  • - Bei perniziöser Anämie immer Typ-A-Gastritis und Antikörper gegen Intrinsic-Faktor/Parietalzellen erwähnen
  • - HP-Eradikation: obligate vs. fakultative Indikationen kennen
  • - Vitamin-B12 muss parenteral substituiert werden — orale Gabe funktioniert nicht ohne Intrinsic-Faktor

Schlüsselbegriffe

BegriffAchlorhydriePerniziöse AnämieMALT-LymphomIntrinsic-FaktorCLO-Test

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