Hyperthyreose
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. Erhöhte Schilddrüsenhormonwirkung — häufigste Ursachen: Morbus Basedow und Schilddrüsenautonomie
- 2. Klassische Symptome: Tachykardie + Gewichtsabnahme + Wärmeintoleranz + Nervosität
- 3. Merseburger Trias (Basedow): Struma + Tachykardie + Exophthalmus
- 4. Labor: TSH ↓, fT3/fT4 ↑ bei manifester Hyperthyreose — TSH ist der empfindlichste Parameter
- 5. Thyreotoxische Krise = lebensbedrohlicher Notfall, Letalität >20 %!
Fallvignette
Eine 35-jährige Patientin stellt sich vor mit ungewolltem Gewichtsverlust von 8 kg in 3 Monaten trotz gesteigertem Appetit, Herzrasen, Zittern der Hände und Schlafstörungen.
Klinisch: Tachykardie 118/min, feuchte Hände, feinschlägiger Tremor, Exophthalmus beidseits, diffuse weiche Struma. Labor: TSH <0,01 mU/l, fT4 stark erhöht.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Hyperthyreose
Auf einen Blick
- Erhöhte Schilddrüsenhormonwirkung — häufigste Ursachen: Morbus Basedow und Schilddrüsenautonomie
- Klassische Symptome: Tachykardie + Gewichtsabnahme + Wärmeintoleranz + Nervosität
- Merseburger Trias (Basedow): Struma + Tachykardie + Exophthalmus
- Labor: TSH ↓, fT3/fT4 ↑ bei manifester Hyperthyreose — TSH ist der empfindlichste Parameter
- Thyreotoxische Krise = lebensbedrohlicher Notfall, Letalität >20 %!
Fallvignette
Eine 35-jährige Patientin stellt sich vor mit ungewolltem Gewichtsverlust von 8 kg in 3 Monaten trotz gesteigertem Appetit, Herzrasen, Zittern der Hände und Schlafstörungen.
Klinisch: Tachykardie 118/min, feuchte Hände, feinschlägiger Tremor, Exophthalmus beidseits, diffuse weiche Struma. Labor: TSH <0,01 mU/l, fT4 stark erhöht.
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definition
Hyperthyreose = erhöhte Konzentration und/oder Wirkung von Schilddrüsenhormonen (T3/T4) mit entsprechender Klinik. Es gibt manifeste (TSH↓ + fT3/fT4↑) und latente (nur TSH↓, fT3/fT4 normal) Formen.
Ätiologie
Häufige Ursachen
| Erkrankung | Mechanismus | Besonderheit |
|---|---|---|
| Morbus Basedow (Graves‘ disease) | TSH-Rezeptor-Autoantikörper (TRAK) stimulieren Schilddrüse dauerhaft | ♀ > ♂, genetische Prädisposition |
| Unifokale Autonomie (autonomes Adenom) | Ein autonomes Knoten produziert unkontrolliert T3/T4 | Szintigraphie: „heißer Knoten“ |
| Multifokale Autonomie | Mehrere autonome Areale | Häufiger bei älteren Patienten, in Jodmangelgebieten |
| Disseminierte Autonomie | Diffuse autonome Areale |
Seltene Ursachen
- Iatrogen: Jodhaltiges Kontrastmittel (Jod-induziert!), Amiodaron (40 % Jodgehalt)
- Hyperthyreosis factitia: Exogene Einnahme von Schilddrüsenhormonen
- Passager bei Thyreoiditis: de Quervain, Hashimoto (Hashitoxikose) → später oft Hypothyreose
- Selten: Schilddrüsenkarzinom, TSH-produzierendes Hypophysenadenom
Wichtiger Praxishinweis: Vor jeder CT-Untersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel → Schilddrüsenfunktion klären! Bei latenter Hyperthyreose → erst Thionamide, dann Kontrastmittel (Gefahr der thyreotoxischen Krise!). MRT ist sicher, da Gadolinium kein Jod enthält.
Pathophysiologie
Morbus Basedow
- TSH-Rezeptor-Autoantikörper (TRAK) binden dauerhaft an TSH-Rezeptor
- Wirkung wie TSH: Stimulation der Hormonsynthese → Hyperthyreose
- Zusätzlich: Stimulation des Augenmuskelbindegewebes → Endokrine Orbitopathie (Exophthalmus)
Schilddrüsenautonomie
- Jede Schilddrüse hat physiologische autonome Areale (entziehen sich TSH-Regulation)
- Bei großem Anteil → Manifeste Hyperthyreose, insb. nach exogener Jodzufuhr (Kontrastmittel!)
Symptome & Klinik
Allgemeine Hyperthyreose-Symptome
| System | Symptome |
|---|---|
| Herz-Kreislauf | Tachykardie, Palpitationen, Vorhofflimmern, Arterielle Hypertonie |
| Metabolisch | Gewichtsabnahme trotz Heißhunger, Wärmeintoleranz, Schwitzen, Haarausfall |
| Neuropsychiatrisch | Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Tremor, Hyperreflexie |
| Gastrointestinal | Diarrhö, erhöhte Stuhlfrequenz |
| Muskelskelettal | Muskelschwäche (Myopathie), Osteoporose (langfristig) |
Warum diese Symptome? Schilddrüsenhormone → erhöhte Sensibilität für Katecholamine → gesteigerter Sympathikotonus → Tachykardie, Schwitzen, Tremor, Gewichtsabnahme.
Merseburger Trias (nahezu pathognomonisch für Morbus Basedow)
- Struma (diffuse Schilddrüsenvergrößerung)
- Tachykardie (Herzfrequenz >100/min in Ruhe)
- Exophthalmus (Endokrine Orbitopathie — in 60 % der Basedow-Patienten)
Endokrine Orbitopathie (nur bei Morbus Basedow!)
- Autoimmun-bedingte Entzündung des retrobulbären Gewebes → Protrusio bulbi
- Symptome: Doppelbilder, Fremdkörpergefühl, Lidretraktion, Lidschwellung
- Cave: Korneaexposition → Ulkus → Erblindung!
Prätibiales Myxödem (selten, nur Basedow)
- Derbe, nicht eindrückbare Hautverdickung an der Unterschenkelaußenseite
Diagnostik
Labor
| Parameter | Manifeste Hyperthyreose | Latente Hyperthyreose |
|---|---|---|
| TSH basal | ↓↓ (<0,1 mU/L) | ↓ |
| fT3 | ↑ | Normal |
| fT4 | ↑ (in 90 %) | Normal |
Merkhilfe: TSH ist der empfindlichste Parameter! Bei normalem TSH kann keine manifeste Hyperthyreose vorliegen. Immer fT3 bestimmen — es gibt T3-Hyperthyreosen mit normalem fT4!
Schilddrüsen-Antikörper
| Antikörper | Nachweis | Bedeutung |
|---|---|---|
| TRAK (TSH-Rezeptor-AK) | >90 % bei Basedow | Pathognomonisch für Morbus Basedow |
| TPO-AK | ~70 % bei Basedow, ~90 % bei Hashimoto | Weniger spezifisch |
| Tg-AK | ~20 % bei Basedow |
Sonographie
- Vergrößerte Schilddrüse (Struma)
- Echoarme, inhomogene Struktur
- „Vaskuläres Inferno“ = starke Hypervaskularisation (typisch für Morbus Basedow)
Szintigraphie
- Technetium-Uptake >5 % (normal 0,5–2 %) bei manifester Hyperthyreose
- Darstellung autonomer Areale („heiße Knoten“) vs. gleichmäßige Speicherung (Basedow)
Differentialdiagnosen
- Psychosen, Angststörungen (Tachykardie + Unruhe ohne Schilddrüsenveränderung)
- Phäochromozytom (Katecholaminexzess → Hypertonie, Schwitzen, Tachykardie)
- Drogenabusus (Kokain, Amphetamine)
- Schilddrüsenhormon-Resistenz (Labor: TSH normal/erhöht + fT3/fT4 erhöht — seltenes Syndrom)
Therapie
Allgemeines Prinzip
Vor jeder definitiven Therapie immer erst thyreostatische Einstellung auf Euthyreose! Jodhaltige Substanzen erst nach Abdeckung durch Thionamide geben.
Thyreostatische Therapie (bei allen Formen)
Thionamide (Thiamazol, Carbimazol, Propylthiouracil):
- Hemmung der Thyreoperoxidase → keine Synthese neuer Hormone
- Wirkungseintritt nach 1 Woche (vorhandene Hormonspeicher müssen erst verbraucht werden)
- NW: Agranulozytose (lebensbedrohlich!) → bei Fieber/Halsschmerzen → sofort BB kontrollieren!
- Weitere NW: Allergie, diffuse Struma (TSH-Rebound), Geschmacksstörungen
Perchlorate (Natrium-Perchlorat):
- Hemmt Jodaufnahme in Schilddrüse
- Rascher Wirkungseintritt
- NW: Gastritis, Struma, Allergie
Symptomatische Therapie:
- Betablocker (Propranolol) bei allen Formen: lindert Tachykardie, Tremor, Unruhe
- Zusatzeffekt: Hemmt periphere T4→T3-Konversion (Propranolol hat diesen Vorteil gegenüber selektiven Betablockern)
Therapie des Morbus Basedow
Schritt 1: Thyreostatika (Thiamazol) über 12–18 Monate
→ Remission in 50 % der Fälle
→ TRAK-Kontrolle nach 6 Monaten
→ TRAK <10 IU/L → Remission möglich
→ TRAK >10 IU/L → Definitiv behandeln
Schritt 2: Auslassversuch
→ Cave: Rezidivgefahr!
Schritt 3 (bei Rezidiv/persistierender Erkrankung):
→ Totale Thyreoidektomie (besser als subtotale!)
ODER
→ Radiojodtherapie
→ Beide führen zu Hypothyreose → Levothyroxin-Substitution lebenslang
Cave bei endokriner Orbitopathie: Dosisreduktion bei Erreichen der Euthyreose, sonst Verschlimmerung!
Therapie der Schilddrüsenautonomie
- Nach Einstellung auf Euthyreose → definitive Therapie (hohe Rezidivrate ohne Definitiv-Therapie):
- Radiojodtherapie (bevorzugt)
- Operation (bei Malignitätsverdacht oder Kompressionsymptomen)
Komplikation: Thyreotoxische Krise
Lebensbedrohliche Notfallsituation — Letalität >20 %!
Auslöser
- Jodhaltiges Kontrastmittel bei unbehandelter Hyperthyreose
- Amiodaron
- Absetzen von Thyreostatika
- Schwere Infektionen, Operationen
Stadieneinteilung nach Hermann
| Stadium | Klinik |
|---|---|
| I | Tachykardie/absolute Arrhythmie + Fieber + Erbrechen/Durchfall + Tremor + Adynamie |
| II | Stadium I + Bewusstseinsstörungen (Somnolenz, Stupor, Desorientiertheit) |
| III | Stadium I + II + Koma + Kreislaufversagen |
Therapie (Intensivstation!)
- Thiamazol hochdosiert + Natrium-Perchlorat (thyreostatisch)
- Betablocker (Propranolol i.v.)
- Glucocorticoide (Prednisolon — hemmt T4→T3-Konversion, relative NNR-Insuffizienz)
- Rehydrierung, Elektrolytausgleich
- Fiebersenkung (Ibuprofen/Paracetamol — KEIN Aspirin: verdrängt T4 aus Proteinbindung!)
- Thromboembolieprophylaxe
- Bei Versagen: Plasmapherese oder Notfall-Thyreoidektomie
Klinische Perlen
1. Vorhofflimmern bei Älteren → Schilddrüse prüfen! Bis zu 10 % neu aufgetretener Vorhofflimmern sind durch eine Hyperthyreose bedingt. TSH-Bestimmung ist Pflicht bei jedem neuen Vorhofflimmern.
2. Gewichtsabnahme + Heißhunger = Hyperthyreose bis zum Beweis des Gegenteils. Katabole Stoffwechsellage durch T3-Überschuss → Fett- und Muskelabbau trotz vermehrten Essens.
3. Kontrastmittel-Regel: MRT ist sicher (Gadolinium, kein Jod). CT mit Kontrastmittel kann thyreotoxische Krise auslösen → vorher Schilddrüsenfunktion prüfen, ggf. Prophylaxe mit Perchlorate!
4. Agranulozytose unter Thionamiden: Bei Fieber und Halsschmerzen unter Thiamazol sofort Blutbild! Agranulozytose (Neutrophile <500/μL) = Thiamazol sofort absetzen, stationäre Aufnahme.
Prüfungstipps
- Merseburger Trias: Struma + Tachykardie + Exophthalmus = Morbus Basedow
- TRAK = pathognomonisch für Morbus Basedow (>90 % Sensitivität)
- Thyreotoxische Krise: Auslöser Jodexposition + unbehandelte Hyperthyreose → Notfall
- Thionamid-NW: Agranulozytose → bei Fieber/Halsschmerzen → Blutbild!
- Radiojodtherapie → lebenslange Levothyroxin-Substitution (Hypothyreose als Folge)
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| TSH | Thyreoidea-stimulierendes Hormon — empfindlichster Parameter der Schilddrüsenfunktion |
| TRAK | TSH-Rezeptor-Autoantikörper — pathognomonisch für Morbus Basedow |
| Merseburger Trias | Struma + Tachykardie + Exophthalmus bei Morbus Basedow |
| Thionamide | Thyreostatika (Thiamazol) — hemmen Thyreoperoxidase |
| Endokrine Orbitopathie | Autoimmun-bedingte Augenmuskelbeteiligung bei Morbus Basedow |
| Thyreotoxische Krise | Lebensbedrohliche Hyperthyreoseexazerbation, Letalität >20 % |
| Vaskuläres Inferno | Sonographisches Zeichen starker Hypervaskularisation bei Basedow |
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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Definition 🔗
Hyperthyreose = erhöhte Konzentration und/oder Wirkung von Schilddrüsenhormonen (T3/T4) mit entsprechender Klinik. Es gibt manifeste (TSH↓ + fT3/fT4↑) und latente (nur TSH↓, fT3/fT4 normal) Formen.
Ätiologie 🔗
Häufige Ursachen
| Erkrankung | Mechanismus | Besonderheit |
|---|---|---|
| Morbus Basedow (Graves' disease) | TSH-Rezeptor-Autoantikörper (TRAK) stimulieren Schilddrüse dauerhaft | ♀ > ♂, genetische Prädisposition |
| Unifokale Autonomie (autonomes Adenom) | Ein autonomes Knoten produziert unkontrolliert T3/T4 | Szintigraphie: "heißer Knoten" |
| Multifokale Autonomie | Mehrere autonome Areale | Häufiger bei älteren Patienten, in Jodmangelgebieten |
| Disseminierte Autonomie | Diffuse autonome Areale |
Seltene Ursachen
- Iatrogen: Jodhaltiges Kontrastmittel (Jod-induziert!), Amiodaron (40 % Jodgehalt)
- Hyperthyreosis factitia: Exogene Einnahme von Schilddrüsenhormonen
- Passager bei Thyreoiditis: de Quervain, Hashimoto (Hashitoxikose) → später oft Hypothyreose
- Selten: Schilddrüsenkarzinom, TSH-produzierendes Hypophysenadenom
Wichtiger Praxishinweis: Vor jeder CT-Untersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel → Schilddrüsenfunktion klären! Bei latenter Hyperthyreose → erst Thionamide, dann Kontrastmittel (Gefahr der thyreotoxischen Krise!). MRT ist sicher, da Gadolinium kein Jod enthält.
Pathophysiologie 🔗
Morbus Basedow
- TSH-Rezeptor-Autoantikörper (TRAK) binden dauerhaft an TSH-Rezeptor
- Wirkung wie TSH: Stimulation der Hormonsynthese → Hyperthyreose
- Zusätzlich: Stimulation des Augenmuskelbindegewebes → Endokrine Orbitopathie (Exophthalmus)
Schilddrüsenautonomie
- Jede Schilddrüse hat physiologische autonome Areale (entziehen sich TSH-Regulation)
- Bei großem Anteil → Manifeste Hyperthyreose, insb. nach exogener Jodzufuhr (Kontrastmittel!)
Symptome & Klinik 🔗
Allgemeine Hyperthyreose-Symptome
| System | Symptome |
|---|---|
| Herz-Kreislauf | Tachykardie, Palpitationen, Vorhofflimmern, arterielle Hypertonie |
| Metabolisch | Gewichtsabnahme trotz Heißhunger, Wärmeintoleranz, Schwitzen, Haarausfall |
| Neuropsychiatrisch | Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Tremor, Hyperreflexie |
| Gastrointestinal | Diarrhö, erhöhte Stuhlfrequenz |
| Muskelskelettal | Muskelschwäche (Myopathie), Osteoporose (langfristig) |
Warum diese Symptome? Schilddrüsenhormone → erhöhte Sensibilität für Katecholamine → gesteigerter Sympathikotonus → Tachykardie, Schwitzen, Tremor, Gewichtsabnahme.
Merseburger Trias (nahezu pathognomonisch für Morbus Basedow)
- Struma (diffuse Schilddrüsenvergrößerung)
- Tachykardie (Herzfrequenz >100/min in Ruhe)
- Exophthalmus (Endokrine Orbitopathie — in 60 % der Basedow-Patienten)
Endokrine Orbitopathie (nur bei Morbus Basedow!)
- Autoimmun-bedingte Entzündung des retrobulbären Gewebes → Protrusio bulbi
- Symptome: Doppelbilder, Fremdkörpergefühl, Lidretraktion, Lidschwellung
- Cave: Korneaexposition → Ulkus → Erblindung!
Prätibiales Myxödem (selten, nur Basedow)
- Derbe, nicht eindrückbare Hautverdickung an der Unterschenkelaußenseite
Diagnostik 🔗
Labor
| Parameter | Manifeste Hyperthyreose | Latente Hyperthyreose |
|---|---|---|
| TSH basal | ↓↓ (<0,1 mU/L) | ↓ |
| fT3 | ↑ | Normal |
| fT4 | ↑ (in 90 %) | Normal |
Merkhilfe: TSH ist der empfindlichste Parameter! Bei normalem TSH kann keine manifeste Hyperthyreose vorliegen. Immer fT3 bestimmen — es gibt T3-Hyperthyreosen mit normalem fT4!
Schilddrüsen-Antikörper
| Antikörper | Nachweis | Bedeutung |
|---|---|---|
| TRAK (TSH-Rezeptor-AK) | >90 % bei Basedow | Pathognomonisch für Morbus Basedow |
| TPO-AK | ~70 % bei Basedow, ~90 % bei Hashimoto | Weniger spezifisch |
| Tg-AK | ~20 % bei Basedow |
Sonographie
- Vergrößerte Schilddrüse (Struma)
- Echoarme, inhomogene Struktur
- "Vaskuläres Inferno" = starke Hypervaskularisation (typisch für Morbus Basedow)
Szintigraphie
- Technetium-Uptake >5 % (normal 0,5–2 %) bei manifester Hyperthyreose
- Darstellung autonomer Areale ("heiße Knoten") vs. gleichmäßige Speicherung (Basedow)
Differentialdiagnosen 🔗
- Psychosen, Angststörungen (Tachykardie + Unruhe ohne Schilddrüsenveränderung)
- Phäochromozytom (Katecholaminexzess → Hypertonie, Schwitzen, Tachykardie)
- Drogenabusus (Kokain, Amphetamine)
- Schilddrüsenhormon-Resistenz (Labor: TSH normal/erhöht + fT3/fT4 erhöht — seltenes Syndrom)
Therapie 🔗
Allgemeines Prinzip
Vor jeder definitiven Therapie immer erst thyreostatische Einstellung auf Euthyreose! Jodhaltige Substanzen erst nach Abdeckung durch Thionamide geben.
Thyreostatische Therapie (bei allen Formen)
Thionamide (Thiamazol, Carbimazol, Propylthiouracil):
- Hemmung der Thyreoperoxidase → keine Synthese neuer Hormone
- Wirkungseintritt nach 1 Woche (vorhandene Hormonspeicher müssen erst verbraucht werden)
- NW: Agranulozytose (lebensbedrohlich!) → bei Fieber/Halsschmerzen → sofort BB kontrollieren!
- Weitere NW: Allergie, diffuse Struma (TSH-Rebound), Geschmacksstörungen
Perchlorate (Natrium-Perchlorat):
- Hemmt Jodaufnahme in Schilddrüse
- Rascher Wirkungseintritt
- NW: Gastritis, Struma, Allergie
Symptomatische Therapie:
- Betablocker (Propranolol) bei allen Formen: lindert Tachykardie, Tremor, Unruhe
- Zusatzeffekt: Hemmt periphere T4→T3-Konversion (Propranolol hat diesen Vorteil gegenüber selektiven Betablockern)
Therapie des Morbus Basedow
Schritt 1: Thyreostatika (Thiamazol) über 12–18 Monate
→ Remission in 50 % der Fälle
→ TRAK-Kontrolle nach 6 Monaten
→ TRAK <10 IU/L → Remission möglich
→ TRAK >10 IU/L → Definitiv behandeln
Schritt 2: Auslassversuch
→ Cave: Rezidivgefahr!
Schritt 3 (bei Rezidiv/persistierender Erkrankung):
→ Totale Thyreoidektomie (besser als subtotale!)
ODER
→ Radiojodtherapie
→ Beide führen zu Hypothyreose → Levothyroxin-Substitution lebenslang
Cave bei endokriner Orbitopathie: Dosisreduktion bei Erreichen der Euthyreose, sonst Verschlimmerung!
Therapie der Schilddrüsenautonomie
- Nach Einstellung auf Euthyreose → definitive Therapie (hohe Rezidivrate ohne Definitiv-Therapie):
- Radiojodtherapie (bevorzugt)
- Operation (bei Malignitätsverdacht oder Kompressionsymptomen)
Prüfungstipps
- - Merseburger Trias: Struma + Tachykardie + Exophthalmus = Morbus Basedow
- - TRAK = pathognomonisch für Morbus Basedow (>90 % Sensitivität)
- - Thyreotoxische Krise: Auslöser Jodexposition + unbehandelte Hyperthyreose → Notfall
- - Thionamid-NW: Agranulozytose → bei Fieber/Halsschmerzen → Blutbild!
- - Radiojodtherapie → lebenslange Levothyroxin-Substitution (Hypothyreose als Folge)
