★ Relevant Endokrinologie 20 Min.

Hypothyreose

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. Verminderte Schilddrüsenhormonwirkung — häufigste Ursache in Deutschland: Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmun)
  • 2. Klassische Symptome: Müdigkeit + Kälteintoleranz + Gewichtszunahme + Bradykardie
  • 3. Labor: TSH ↑ + fT4 ↓ bei primärer Hypothyreose — TSH ist der empfindlichste Parameter
  • 4. Therapie: L-Thyroxin (Levothyroxin) — lebenslange Substitution, morgendlich nüchtern
  • 5. Myxödemkoma = lebensbedrohlicher Notfall — Letalität bis 50 %!

Fallvignette

Eine 45-jährige Patientin stellt sich vor mit Gewichtszunahme von 8 kg innerhalb eines Jahres, anhaltender Müdigkeit und Kälteintoleranz.

Sie berichtet über Verstopfung, trockene Haut, Haarausfall und eine zunehmende Leistungsminderung. Die Stimme wirke belegt. In der Untersuchung: Herzfrequenz 54/min, RR 105/65 mmHg, teigige Haut, verzögerte Muskeleigenreflexe. Schilddrüse tastbar vergrößert, derb. Labor: TSH 18,4 mIU/l (↑↑, Norm 0,4–4,0), fT4 7,2 pmol/l (↓, Norm 12–22), Anti-TPO-AK 1.240 U/ml (↑↑↑).

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Hypothyreose

Auf einen Blick

  1. Verminderte Schilddrüsenhormonwirkung — häufigste Ursache in Deutschland: Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmun)
  2. Klassische Symptome: Müdigkeit + Kälteintoleranz + Gewichtszunahme + Bradykardie
  3. Labor: TSH ↑ + fT4 ↓ bei primärer Hypothyreose — TSH ist der empfindlichste Parameter
  4. Therapie: L-Thyroxin (Levothyroxin) — lebenslange Substitution, morgendlich nüchtern
  5. Myxödemkoma = lebensbedrohlicher Notfall — Letalität bis 50 %!

Fallvignette

Eine 45-jährige Patientin stellt sich vor mit Gewichtszunahme von 8 kg innerhalb eines Jahres, anhaltender Müdigkeit und Kälteintoleranz.

Sie berichtet über Verstopfung, trockene Haut, Haarausfall und eine zunehmende Leistungsminderung. Die Stimme wirke belegt. In der Untersuchung: Herzfrequenz 54/min, RR 105/65 mmHg, teigige Haut, verzögerte Muskeleigenreflexe. Schilddrüse tastbar vergrößert, derb. Labor: TSH 18,4 mIU/l (↑↑, Norm 0,4–4,0), fT4 7,2 pmol/l (↓, Norm 12–22), Anti-TPO-AK 1.240 U/ml (↑↑↑).

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition

Hypothyreose = verminderte Konzentration und/oder Wirkung von Schilddrüsenhormonen (T3/T4) mit entsprechender Klinik. Unterscheidung in manifeste (TSH↑ + fT4↓) und latente (nur TSH↑, fT4 normal) Formen.


Ätiologie & Klassifikation

Nach Entstehungsort

Form Ursache Labor
Primär Erkrankung der Schilddrüse selbst TSH ↑↑, fT4 ↓
Sekundär HVL-Insuffizienz → kein TSH TSH ↓ (oder normal), fT4 ↓
Tertiär Hypothalamus-Insuffizienz → kein TRH → kein TSH TSH ↓, fT4 ↓

Merkhilfe: TSH und fT4 laufen entgegengesetzt — AUSSER bei sekundärer/tertiärer Form: Dort sind BEIDE erniedrigt (das Steuerungssystem selbst ist kaputt).

Ursachen der primären Hypothyreose (häufigste Form!)

Ursache Details
Hashimoto-Thyreoiditis Häufigste Ursache in Jodreichen Gebieten — Autoimmun
Iatrogen Nach Thyreoidektomie, Radiojodtherapie
Jodmangel Endemisch in Jodmangelgebieten (heute selten in Deutschland)
Medikamentös Amiodaron, Lithium, Antithyreoidea-Überdosierung
Transient Postpartale Thyreoiditis, Hashitoxikose-Phase

Pathophysiologie

Hashimoto-Thyreoiditis

  • TPO-Antikörper (TPO-AK) gegen Thyreoperoxidase → häufigster Antikörper (90 %)
  • Tg-AK (Anti-Thyreoglobulin) bei 50 %
  • Autoimmune Zerstörung des Schilddrüsengewebes → langsam progrediente Hypothyreose
  • Histologisch: lymphozytäre Infiltration + Hürthle-Zell-Metaplasie
  • Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen: Typ-1-Diabetes, Morbus Addison, Zöliakie

Warum diese Symptome?

Schilddrüsenhormone (T3/T4) stimulieren den Grundumsatz, die Thermogenese und den Sympathikotonus. Mangel → alles läuft „auf Sparflamme“:

  • Bradykardie (Herz schlägt langsamer)
  • Kälteintoleranz (weniger Wärmeproduktion)
  • Gewichtszunahme (niedrigerer Grundumsatz)
  • Müdigkeit (Energiemangel auf Zellebene)

Symptome & Klinik

Allgemeine Hypothyreose-Symptome

System Symptome
Herz-Kreislauf Bradykardie, Herzinsuffizienz (in schweren Fällen), Perikarderguss
Metabolisch Gewichtszunahme, Kälteintoleranz, erniedrigte Körpertemperatur
Neuropsychiatrisch Müdigkeit, Konzentrationsstörung, Depression, Bradyphrenie, Demenz (spät)
Gastrointestinal Obstipation, Obstipation (reduzierte Darmmotilität)
Haut/Haare Trockene Haut, Haarausfall, Heiserkeit (Stimmbandödem)
Muskelskelettal Myopathie, Muskelkrämpfe, Hyporeflexie (verlangsamte Eigenreflexe)

Myxödem

  • Nicht-eindrückbares Schleimödem (Ablagerung von Glykosaminoglykanen im Gewebe)
  • Prätibial, periorbital, an Händen und Lippen
  • Schwollendes Gesicht („Vollmondgesicht“), heisere Stimme

Merkregel: Myxödem ≠ Ödem durch Herzinsuffizienz. Myxödem ist NICHT eindrückbar (kein Pitting-Ödem), da es sich um Mucopolysaccharid-Einlagerungen handelt, nicht um Wasser.

Klinische Besonderheiten

  • Langsam progredient — oft jahrelang asymptomatisch (Hashimoto)
  • Häufig fehldiagnostiziert als Depression, Burnout, Anämie
  • Ältere Patienten: klassische Symptome können fehlen → atypische Präsentation!

Diagnostik

Labordiagnostik

Parameter Primäre Hypothyreose Latente Hypothyreose Sekundäre Hypothyreose
TSH basal ↑↑ (>4,0 mU/L) ↑ (>4,0, fT4 normal) ↓ oder normal
fT4 Normal
fT3 Oft normal (zuletzt) Normal

TSH ist der empfindlichste Parameter! Ein erhöhtes TSH (auch bei normalem fT4) zeigt an, dass die Hypophyse bereits „kompensiert“ — das ist die latente Hypothyreose. Therapieindikation bei TSH >10 mU/L oder Symptomen.

Antikörper

Antikörper Bedeutung
TPO-AK Hashimoto: positiv in ~90 % der Fälle
Tg-AK Hashimoto: positiv in ~50 %
TSH-Rezeptor-AK Basedow! (bei Hashimoto negativ)

Weitere Diagnostik

  • Sonographie: verkleinerte, echoarme, inhomogene Schilddrüse (Hashimoto)
  • TSH-Stimulationstest: bei Verdacht auf sekundäre Hypothyreose (TSH-Antwort auf TRH-Gabe)

Differentialdiagnosen

  • Depression (Müdigkeit + Antriebslosigkeit ohne Schilddrüsenpathologie)
  • Herzinsuffizienz (Ödeme, Dyspnoe — aber eindrückbare Ödeme, TSH normal)
  • Anämie (Müdigkeit, aber TSH normal, Blutbild auffällig)
  • Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS) (TSH normal, keine SD-Auffälligkeiten)
  • Nephrotisches Syndrom (Ödeme + Hypothyreose-ähnliche Klinik bei T4-Verlust im Urin)

Therapie

Lebenslange Hormonsubstitution

L-Thyroxin (Levothyroxin, T4):

Einnahme: IMMER morgens nüchtern — 30 Minuten vor dem Frühstück
Grund: Nahrung (Kalzium, Kaffee, Eisen) hemmt Resorption im Dünndarm!

Startdosis: niedrig beginnen (25–50 µg) → langsam steigern
Besonders bei: Älteren, KHK-Patienten (plötzlicher T4-Anstieg = Angina!)

Ziel-TSH: 0,5–2,5 mU/L für die meisten Patienten
           Bei älteren Patienten: 1–3 mU/L (etwas weiter)

Kontrolle: TSH nach 6–8 Wochen nach Dosisanpassung
           Danach: jährliche TSH-Kontrolle

Warum nur T4 geben? Die Schilddrüse produziert T4 (Prohormon) + T3 (aktives Hormon). Im Gewebe wird T4 → T3 umgewandelt (Deiodinase). L-Thyroxin (T4) reicht für die meisten Patienten aus — der Körper reguliert die T4→T3-Konversion selbst.

Besondere Situationen

Situation Besonderheit
Schwangerschaft Bedarf steigt um 30–50 % → sofort Dosis erhöhen bei positiver Test!
KHK / Ältere Niedrig starten (12,5–25 µg) → langsam steigern (cave Angina!)
Sekundäre Hypothyreose Zuerst Nebennierenrinde prüfen! (Kortisolmangel → NNR-Krise bei L-T4-Start)

Hashimoto-Thyreoiditis — Besonderheiten

  • Keine spezifische Therapie der Autoimmunerkrankung (keine Immunsuppression nötig)
  • L-Thyroxin NUR bei manifester Hypothyreose (TSH >10) oder relevanten Symptomen
  • Bei latenter Hypothyreose + Schwangerschaftswunsch: Therapie erwägen (TSH >2,5)
  • Zöliakie-Screening bei Hashimoto empfohlen

Komplikation: Myxödemkoma

Lebensbedrohlicher Notfall — Letalität bis 50 %!

Auslöser

  • Unbehandelte oder untertherapierte Hypothyreose + Triggerfaktor
  • Triggerfaktoren: Infektionen, Kälte, Sedativa/Narkotika, operative Eingriffe, Trauma

Klinik

  • Hypothermie (Körpertemperatur <35 °C) — führendes Symptom
  • Bradykardie + Hypotension
  • Bewusstseinsstörung bis Koma
  • Hypoventilation (CO₂-Retention)
  • Generalisiertes Myxödem

Therapie (Intensivstation!)

  1. L-Thyroxin hochdosiert i.v. (200–500 µg Bolus, dann 100 µg/24h)
  2. Hydrocortison i.v. (gleichzeitig! — NNR-Insuffizienz oft assoziiert)
  3. Passives Aufwärmen (KEIN aktives Aufwärmen → Vasodilatation → Schock!)
  4. Intubation + Beatmung bei CO₂-Retention
  5. Behandlung der Triggerursache

Prognose

  • Unter Therapie mit L-Thyroxin: normale Lebenserwartung
  • Hashimoto: langsam progredienter Verlauf, selten spontane Remission
  • Myxödemkoma: Letalität 30–50 % trotz Therapie

Klinische Perlen

1. TSH >10 mU/L = behandlungspflichtig, auch ohne Symptome. Latente Hypothyreose mit TSH zwischen 4–10 mU/L: Therapie nur bei Symptomen, Schwangerschaft oder Kinderwunsch.

2. L-Thyroxin und KHK — langsam starten! Plötzliche Normalisierung des Schilddrüsenspiegels erhöht den Sauerstoffbedarf des Herzens. Bei bekannter KHK: Kardiologe informieren, Dosis 12,5–25 µg starten, wöchentlich steigern.

3. Myxödemkoma: KEIN aktives Aufwärmen. Wärmezufuhr → periphere Vasodilatation → Schock. Stattdessen: warme Decken, Aufwärmen passiv. Prio: Schilddrüsenhormon + Kortisol i.v. — das rettet das Leben.

4. Hashimoto + Zöliakie häufig kombiniert. Bei Patienten mit Hashimoto und persistierend hohem TSH trotz adäquater L-T4-Dosis: immer an Zöliakie denken (Malabsorption von L-Thyroxin im Dünndarm).


Prüfungstipps

  • TSH ↑ + fT4 ↓ = primäre Hypothyreose — häufigste Form, häufigste Ursache: Hashimoto
  • Latent = nur TSH ↑, fT4 normal — Therapie ab TSH >10 oder bei Symptomen
  • Sekundär = BEIDE erniedrigt (TSH + fT4) — Ursache im HVL suchen
  • Myxödemkoma: Hypothermie + Koma + Bradykardie → L-T4 + Kortisol i.v. (KEIN aktives Aufwärmen!)
  • L-Thyroxin: morgens nüchtern, 30 min vor Frühstück — Absorption!
  • TPO-AK = Markertest für Hashimoto (90 % Sensitivität)

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Myxödem Nicht-eindrückbares Schleimödem durch Mucopolysaccharid-Einlagerungen
Hashimoto-Thyreoiditis Autoimmun-Thyreoiditis mit TPO-AK — häufigste Hypothyreose-Ursache
Latente Hypothyreose TSH erhöht, fT4 normal — Vorstufe der manifesten Hypothyreose
TPO-AK Antikörper gegen Thyreoperoxidase — 90 % bei Hashimoto positiv
L-Thyroxin Levothyroxin (T4) — Substitutionstherapie der Hypothyreose
Myxödemkoma Lebensbedrohliche Hypothyreose-Entgleisung — Hypothermie + Koma, Letalität 50 %
📚 FSP-Fallübung: Hypothyreose – FSP-Fall üben

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Definition 🔗

Hypothyreose = verminderte Konzentration und/oder Wirkung von Schilddrüsenhormonen (T3/T4) mit entsprechender Klinik. Unterscheidung in manifeste (TSH↑ + fT4↓) und latente (nur TSH↑, fT4 normal) Formen.


Ätiologie 🔗

Nach Entstehungsort

Form Ursache Labor
Primär Erkrankung der Schilddrüse selbst TSH ↑↑, fT4 ↓
Sekundär HVL-Insuffizienz → kein TSH TSH ↓ (oder normal), fT4 ↓
Tertiär Hypothalamus-Insuffizienz → kein TRH → kein TSH TSH ↓, fT4 ↓

Merkhilfe: TSH und fT4 laufen entgegengesetzt — AUSSER bei sekundärer/tertiärer Form: Dort sind BEIDE erniedrigt (das Steuerungssystem selbst ist kaputt).

Ursachen der primären Hypothyreose (häufigste Form!)

Ursache Details
Hashimoto-Thyreoiditis Häufigste Ursache in Jodreichen Gebieten — Autoimmun
Iatrogen Nach Thyreoidektomie, Radiojodtherapie
Jodmangel Endemisch in Jodmangelgebieten (heute selten in Deutschland)
Medikamentös Amiodaron, Lithium, Antithyreoidea-Überdosierung
Transient Postpartale Thyreoiditis, Hashitoxikose-Phase

Pathophysiologie 🔗

Hashimoto-Thyreoiditis

  • TPO-Antikörper (TPO-AK) gegen Thyreoperoxidase → häufigster Antikörper (90 %)
  • Tg-AK (Anti-Thyreoglobulin) bei 50 %
  • Autoimmune Zerstörung des Schilddrüsengewebes → langsam progrediente Hypothyreose
  • Histologisch: lymphozytäre Infiltration + Hürthle-Zell-Metaplasie
  • Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen: Typ-1-Diabetes, Morbus Addison, Zöliakie

Warum diese Symptome?

Schilddrüsenhormone (T3/T4) stimulieren den Grundumsatz, die Thermogenese und den Sympathikotonus. Mangel → alles läuft "auf Sparflamme":

  • Bradykardie (Herz schlägt langsamer)
  • Kälteintoleranz (weniger Wärmeproduktion)
  • Gewichtszunahme (niedrigerer Grundumsatz)
  • Müdigkeit (Energiemangel auf Zellebene)

Symptome & Klinik 🔗

Allgemeine Hypothyreose-Symptome

System Symptome
Herz-Kreislauf Bradykardie, Herzinsuffizienz (in schweren Fällen), Perikarderguss
Metabolisch Gewichtszunahme, Kälteintoleranz, erniedrigte Körpertemperatur
Neuropsychiatrisch Müdigkeit, Konzentrationsstörung, Depression, Bradyphrenie, Demenz (spät)
Gastrointestinal Obstipation, Obstipation (reduzierte Darmmotilität)
Haut/Haare Trockene Haut, Haarausfall, Heiserkeit (Stimmbandödem)
Muskelskelettal Myopathie, Muskelkrämpfe, Hyporeflexie (verlangsamte Eigenreflexe)

Myxödem

  • Nicht-eindrückbares Schleimödem (Ablagerung von Glykosaminoglykanen im Gewebe)
  • Prätibial, periorbital, an Händen und Lippen
  • Schwollendes Gesicht ("Vollmondgesicht"), heisere Stimme

Merkregel: Myxödem ≠ Ödem durch Herzinsuffizienz. Myxödem ist NICHT eindrückbar (kein Pitting-Ödem), da es sich um Mucopolysaccharid-Einlagerungen handelt, nicht um Wasser.

Klinische Besonderheiten

  • Langsam progredient — oft jahrelang asymptomatisch (Hashimoto)
  • Häufig fehldiagnostiziert als Depression, Burnout, Anämie
  • Ältere Patienten: klassische Symptome können fehlen → atypische Präsentation!

Diagnostik 🔗

Labordiagnostik

Parameter Primäre Hypothyreose Latente Hypothyreose Sekundäre Hypothyreose
TSH basal ↑↑ (>4,0 mU/L) ↑ (>4,0, fT4 normal) ↓ oder normal
fT4 Normal
fT3 Oft normal (zuletzt) Normal

TSH ist der empfindlichste Parameter! Ein erhöhtes TSH (auch bei normalem fT4) zeigt an, dass die Hypophyse bereits "kompensiert" — das ist die latente Hypothyreose. Therapieindikation bei TSH >10 mU/L oder Symptomen.

Antikörper

Antikörper Bedeutung
TPO-AK Hashimoto: positiv in ~90 % der Fälle
Tg-AK Hashimoto: positiv in ~50 %
TSH-Rezeptor-AK Basedow! (bei Hashimoto negativ)

Weitere Diagnostik

  • Sonographie: verkleinerte, echoarme, inhomogene Schilddrüse (Hashimoto)
  • TSH-Stimulationstest: bei Verdacht auf sekundäre Hypothyreose (TSH-Antwort auf TRH-Gabe)

Differentialdiagnosen 🔗

  • Depression (Müdigkeit + Antriebslosigkeit ohne Schilddrüsenpathologie)
  • Herzinsuffizienz (Ödeme, Dyspnoe — aber eindrückbare Ödeme, TSH normal)
  • Anämie (Müdigkeit, aber TSH normal, Blutbild auffällig)
  • Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS) (TSH normal, keine SD-Auffälligkeiten)
  • Nephrotisches Syndrom (Ödeme + Hypothyreose-ähnliche Klinik bei T4-Verlust im Urin)

Therapie 🔗

Lebenslange Hormonsubstitution

L-Thyroxin (Levothyroxin, T4):

Einnahme: IMMER morgens nüchtern — 30 Minuten vor dem Frühstück
Grund: Nahrung (Kalzium, Kaffee, Eisen) hemmt Resorption im Dünndarm!

Startdosis: niedrig beginnen (25–50 µg) → langsam steigern
Besonders bei: Älteren, KHK-Patienten (plötzlicher T4-Anstieg = Angina!)

Ziel-TSH: 0,5–2,5 mU/L für die meisten Patienten
           Bei älteren Patienten: 1–3 mU/L (etwas weiter)

Kontrolle: TSH nach 6–8 Wochen nach Dosisanpassung
           Danach: jährliche TSH-Kontrolle

Warum nur T4 geben? Die Schilddrüse produziert T4 (Prohormon) + T3 (aktives Hormon). Im Gewebe wird T4 → T3 umgewandelt (Deiodinase). L-Thyroxin (T4) reicht für die meisten Patienten aus — der Körper reguliert die T4→T3-Konversion selbst.

Besondere Situationen

Situation Besonderheit
Schwangerschaft Bedarf steigt um 30–50 % → sofort Dosis erhöhen bei positiver Test!
KHK / Ältere Niedrig starten (12,5–25 µg) → langsam steigern (cave Angina!)
Sekundäre Hypothyreose Zuerst Nebennierenrinde prüfen! (Kortisolmangel → NNR-Krise bei L-T4-Start)

Hashimoto-Thyreoiditis — Besonderheiten

  • Keine spezifische Therapie der Autoimmunerkrankung (keine Immunsuppression nötig)
  • L-Thyroxin NUR bei manifester Hypothyreose (TSH >10) oder relevanten Symptomen
  • Bei latenter Hypothyreose + Schwangerschaftswunsch: Therapie erwägen (TSH >2,5)
  • Zöliakie-Screening bei Hashimoto empfohlen

Prognose 🔗

  • Unter Therapie mit L-Thyroxin: normale Lebenserwartung
  • Hashimoto: langsam progredienter Verlauf, selten spontane Remission
  • Myxödemkoma: Letalität 30–50 % trotz Therapie

✨ Clinical Pearls

**1. TSH >10 mU/L = behandlungspflichtig, auch ohne Symptome.** Latente Hypothyreose mit TSH zwischen 4–10 mU/L: Therapie nur bei Symptomen, Schwangerschaft oder Kinderwunsch.

**2. L-Thyroxin und KHK — langsam starten!** Plötzliche Normalisierung des Schilddrüsenspiegels erhöht den Sauerstoffbedarf des Herzens. Bei bekannter KHK: Kardiologe informieren, Dosis 12,5–25 µg starten, wöchentlich steigern.

**3. Myxödemkoma: KEIN aktives Aufwärmen.** Wärmezufuhr → periphere Vasodilatation → Schock. Stattdessen: warme Decken, Aufwärmen passiv. Prio: Schilddrüsenhormon + Kortisol i.v. — das rettet das Leben.

**4. Hashimoto + Zöliakie häufig kombiniert.** Bei Patienten mit Hashimoto und persistierend hohem TSH trotz adäquater L-T4-Dosis: immer an Zöliakie denken (Malabsorption von L-Thyroxin im Dünndarm).

Prüfungstipps

  • - TSH ↑ + fT4 ↓ = primäre Hypothyreose — häufigste Form, häufigste Ursache: Hashimoto
  • - Latent = nur TSH ↑, fT4 normal — Therapie ab TSH >10 oder bei Symptomen
  • - Sekundär = BEIDE erniedrigt (TSH + fT4) — Ursache im HVL suchen
  • - Myxödemkoma: Hypothermie + Koma + Bradykardie → L-T4 + Kortisol i.v. (KEIN aktives Aufwärmen!)
  • - L-Thyroxin: morgens nüchtern, 30 min vor Frühstück — Absorption!
  • - TPO-AK = Markertest für Hashimoto (90 % Sensitivität)

Schlüsselbegriffe

BegriffMyxödemHashimoto-ThyreoiditisLatente HypothyreoseTPO-AKL-ThyroxinMyxödemkoma

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