Hypothyreose
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. Verminderte Schilddrüsenhormonwirkung — häufigste Ursache in Deutschland: Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmun)
- 2. Klassische Symptome: Müdigkeit + Kälteintoleranz + Gewichtszunahme + Bradykardie
- 3. Labor: TSH ↑ + fT4 ↓ bei primärer Hypothyreose — TSH ist der empfindlichste Parameter
- 4. Therapie: L-Thyroxin (Levothyroxin) — lebenslange Substitution, morgendlich nüchtern
- 5. Myxödemkoma = lebensbedrohlicher Notfall — Letalität bis 50 %!
Fallvignette
Eine 45-jährige Patientin stellt sich vor mit Gewichtszunahme von 8 kg innerhalb eines Jahres, anhaltender Müdigkeit und Kälteintoleranz.
Sie berichtet über Verstopfung, trockene Haut, Haarausfall und eine zunehmende Leistungsminderung. Die Stimme wirke belegt. In der Untersuchung: Herzfrequenz 54/min, RR 105/65 mmHg, teigige Haut, verzögerte Muskeleigenreflexe. Schilddrüse tastbar vergrößert, derb. Labor: TSH 18,4 mIU/l (↑↑, Norm 0,4–4,0), fT4 7,2 pmol/l (↓, Norm 12–22), Anti-TPO-AK 1.240 U/ml (↑↑↑).
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Hypothyreose
Auf einen Blick
- Verminderte Schilddrüsenhormonwirkung — häufigste Ursache in Deutschland: Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmun)
- Klassische Symptome: Müdigkeit + Kälteintoleranz + Gewichtszunahme + Bradykardie
- Labor: TSH ↑ + fT4 ↓ bei primärer Hypothyreose — TSH ist der empfindlichste Parameter
- Therapie: L-Thyroxin (Levothyroxin) — lebenslange Substitution, morgendlich nüchtern
- Myxödemkoma = lebensbedrohlicher Notfall — Letalität bis 50 %!
Fallvignette
Eine 45-jährige Patientin stellt sich vor mit Gewichtszunahme von 8 kg innerhalb eines Jahres, anhaltender Müdigkeit und Kälteintoleranz.
Sie berichtet über Verstopfung, trockene Haut, Haarausfall und eine zunehmende Leistungsminderung. Die Stimme wirke belegt. In der Untersuchung: Herzfrequenz 54/min, RR 105/65 mmHg, teigige Haut, verzögerte Muskeleigenreflexe. Schilddrüse tastbar vergrößert, derb. Labor: TSH 18,4 mIU/l (↑↑, Norm 0,4–4,0), fT4 7,2 pmol/l (↓, Norm 12–22), Anti-TPO-AK 1.240 U/ml (↑↑↑).
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definition
Hypothyreose = verminderte Konzentration und/oder Wirkung von Schilddrüsenhormonen (T3/T4) mit entsprechender Klinik. Unterscheidung in manifeste (TSH↑ + fT4↓) und latente (nur TSH↑, fT4 normal) Formen.
Ätiologie & Klassifikation
Nach Entstehungsort
| Form | Ursache | Labor |
|---|---|---|
| Primär | Erkrankung der Schilddrüse selbst | TSH ↑↑, fT4 ↓ |
| Sekundär | HVL-Insuffizienz → kein TSH | TSH ↓ (oder normal), fT4 ↓ |
| Tertiär | Hypothalamus-Insuffizienz → kein TRH → kein TSH | TSH ↓, fT4 ↓ |
Merkhilfe: TSH und fT4 laufen entgegengesetzt — AUSSER bei sekundärer/tertiärer Form: Dort sind BEIDE erniedrigt (das Steuerungssystem selbst ist kaputt).
Ursachen der primären Hypothyreose (häufigste Form!)
| Ursache | Details |
|---|---|
| Hashimoto-Thyreoiditis | Häufigste Ursache in Jodreichen Gebieten — Autoimmun |
| Iatrogen | Nach Thyreoidektomie, Radiojodtherapie |
| Jodmangel | Endemisch in Jodmangelgebieten (heute selten in Deutschland) |
| Medikamentös | Amiodaron, Lithium, Antithyreoidea-Überdosierung |
| Transient | Postpartale Thyreoiditis, Hashitoxikose-Phase |
Pathophysiologie
Hashimoto-Thyreoiditis
- TPO-Antikörper (TPO-AK) gegen Thyreoperoxidase → häufigster Antikörper (90 %)
- Tg-AK (Anti-Thyreoglobulin) bei 50 %
- Autoimmune Zerstörung des Schilddrüsengewebes → langsam progrediente Hypothyreose
- Histologisch: lymphozytäre Infiltration + Hürthle-Zell-Metaplasie
- Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen: Typ-1-Diabetes, Morbus Addison, Zöliakie
Warum diese Symptome?
Schilddrüsenhormone (T3/T4) stimulieren den Grundumsatz, die Thermogenese und den Sympathikotonus. Mangel → alles läuft „auf Sparflamme“:
- Bradykardie (Herz schlägt langsamer)
- Kälteintoleranz (weniger Wärmeproduktion)
- Gewichtszunahme (niedrigerer Grundumsatz)
- Müdigkeit (Energiemangel auf Zellebene)
Symptome & Klinik
Allgemeine Hypothyreose-Symptome
| System | Symptome |
|---|---|
| Herz-Kreislauf | Bradykardie, Herzinsuffizienz (in schweren Fällen), Perikarderguss |
| Metabolisch | Gewichtszunahme, Kälteintoleranz, erniedrigte Körpertemperatur |
| Neuropsychiatrisch | Müdigkeit, Konzentrationsstörung, Depression, Bradyphrenie, Demenz (spät) |
| Gastrointestinal | Obstipation, Obstipation (reduzierte Darmmotilität) |
| Haut/Haare | Trockene Haut, Haarausfall, Heiserkeit (Stimmbandödem) |
| Muskelskelettal | Myopathie, Muskelkrämpfe, Hyporeflexie (verlangsamte Eigenreflexe) |
Myxödem
- Nicht-eindrückbares Schleimödem (Ablagerung von Glykosaminoglykanen im Gewebe)
- Prätibial, periorbital, an Händen und Lippen
- Schwollendes Gesicht („Vollmondgesicht“), heisere Stimme
Merkregel: Myxödem ≠ Ödem durch Herzinsuffizienz. Myxödem ist NICHT eindrückbar (kein Pitting-Ödem), da es sich um Mucopolysaccharid-Einlagerungen handelt, nicht um Wasser.
Klinische Besonderheiten
- Langsam progredient — oft jahrelang asymptomatisch (Hashimoto)
- Häufig fehldiagnostiziert als Depression, Burnout, Anämie
- Ältere Patienten: klassische Symptome können fehlen → atypische Präsentation!
Diagnostik
Labordiagnostik
| Parameter | Primäre Hypothyreose | Latente Hypothyreose | Sekundäre Hypothyreose |
|---|---|---|---|
| TSH basal | ↑↑ (>4,0 mU/L) | ↑ (>4,0, fT4 normal) | ↓ oder normal |
| fT4 | ↓ | Normal | ↓ |
| fT3 | Oft normal (zuletzt) | Normal | ↓ |
TSH ist der empfindlichste Parameter! Ein erhöhtes TSH (auch bei normalem fT4) zeigt an, dass die Hypophyse bereits „kompensiert“ — das ist die latente Hypothyreose. Therapieindikation bei TSH >10 mU/L oder Symptomen.
Antikörper
| Antikörper | Bedeutung |
|---|---|
| TPO-AK | Hashimoto: positiv in ~90 % der Fälle |
| Tg-AK | Hashimoto: positiv in ~50 % |
| TSH-Rezeptor-AK | Basedow! (bei Hashimoto negativ) |
Weitere Diagnostik
- Sonographie: verkleinerte, echoarme, inhomogene Schilddrüse (Hashimoto)
- TSH-Stimulationstest: bei Verdacht auf sekundäre Hypothyreose (TSH-Antwort auf TRH-Gabe)
Differentialdiagnosen
- Depression (Müdigkeit + Antriebslosigkeit ohne Schilddrüsenpathologie)
- Herzinsuffizienz (Ödeme, Dyspnoe — aber eindrückbare Ödeme, TSH normal)
- Anämie (Müdigkeit, aber TSH normal, Blutbild auffällig)
- Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS) (TSH normal, keine SD-Auffälligkeiten)
- Nephrotisches Syndrom (Ödeme + Hypothyreose-ähnliche Klinik bei T4-Verlust im Urin)
Therapie
Lebenslange Hormonsubstitution
L-Thyroxin (Levothyroxin, T4):
Einnahme: IMMER morgens nüchtern — 30 Minuten vor dem Frühstück
Grund: Nahrung (Kalzium, Kaffee, Eisen) hemmt Resorption im Dünndarm!
Startdosis: niedrig beginnen (25–50 µg) → langsam steigern
Besonders bei: Älteren, KHK-Patienten (plötzlicher T4-Anstieg = Angina!)
Ziel-TSH: 0,5–2,5 mU/L für die meisten Patienten
Bei älteren Patienten: 1–3 mU/L (etwas weiter)
Kontrolle: TSH nach 6–8 Wochen nach Dosisanpassung
Danach: jährliche TSH-Kontrolle
Warum nur T4 geben? Die Schilddrüse produziert T4 (Prohormon) + T3 (aktives Hormon). Im Gewebe wird T4 → T3 umgewandelt (Deiodinase). L-Thyroxin (T4) reicht für die meisten Patienten aus — der Körper reguliert die T4→T3-Konversion selbst.
Besondere Situationen
| Situation | Besonderheit |
|---|---|
| Schwangerschaft | Bedarf steigt um 30–50 % → sofort Dosis erhöhen bei positiver Test! |
| KHK / Ältere | Niedrig starten (12,5–25 µg) → langsam steigern (cave Angina!) |
| Sekundäre Hypothyreose | Zuerst Nebennierenrinde prüfen! (Kortisolmangel → NNR-Krise bei L-T4-Start) |
Hashimoto-Thyreoiditis — Besonderheiten
- Keine spezifische Therapie der Autoimmunerkrankung (keine Immunsuppression nötig)
- L-Thyroxin NUR bei manifester Hypothyreose (TSH >10) oder relevanten Symptomen
- Bei latenter Hypothyreose + Schwangerschaftswunsch: Therapie erwägen (TSH >2,5)
- Zöliakie-Screening bei Hashimoto empfohlen
Komplikation: Myxödemkoma
Lebensbedrohlicher Notfall — Letalität bis 50 %!
Auslöser
- Unbehandelte oder untertherapierte Hypothyreose + Triggerfaktor
- Triggerfaktoren: Infektionen, Kälte, Sedativa/Narkotika, operative Eingriffe, Trauma
Klinik
- Hypothermie (Körpertemperatur <35 °C) — führendes Symptom
- Bradykardie + Hypotension
- Bewusstseinsstörung bis Koma
- Hypoventilation (CO₂-Retention)
- Generalisiertes Myxödem
Therapie (Intensivstation!)
- L-Thyroxin hochdosiert i.v. (200–500 µg Bolus, dann 100 µg/24h)
- Hydrocortison i.v. (gleichzeitig! — NNR-Insuffizienz oft assoziiert)
- Passives Aufwärmen (KEIN aktives Aufwärmen → Vasodilatation → Schock!)
- Intubation + Beatmung bei CO₂-Retention
- Behandlung der Triggerursache
Prognose
- Unter Therapie mit L-Thyroxin: normale Lebenserwartung
- Hashimoto: langsam progredienter Verlauf, selten spontane Remission
- Myxödemkoma: Letalität 30–50 % trotz Therapie
Klinische Perlen
1. TSH >10 mU/L = behandlungspflichtig, auch ohne Symptome. Latente Hypothyreose mit TSH zwischen 4–10 mU/L: Therapie nur bei Symptomen, Schwangerschaft oder Kinderwunsch.
2. L-Thyroxin und KHK — langsam starten! Plötzliche Normalisierung des Schilddrüsenspiegels erhöht den Sauerstoffbedarf des Herzens. Bei bekannter KHK: Kardiologe informieren, Dosis 12,5–25 µg starten, wöchentlich steigern.
3. Myxödemkoma: KEIN aktives Aufwärmen. Wärmezufuhr → periphere Vasodilatation → Schock. Stattdessen: warme Decken, Aufwärmen passiv. Prio: Schilddrüsenhormon + Kortisol i.v. — das rettet das Leben.
4. Hashimoto + Zöliakie häufig kombiniert. Bei Patienten mit Hashimoto und persistierend hohem TSH trotz adäquater L-T4-Dosis: immer an Zöliakie denken (Malabsorption von L-Thyroxin im Dünndarm).
Prüfungstipps
- TSH ↑ + fT4 ↓ = primäre Hypothyreose — häufigste Form, häufigste Ursache: Hashimoto
- Latent = nur TSH ↑, fT4 normal — Therapie ab TSH >10 oder bei Symptomen
- Sekundär = BEIDE erniedrigt (TSH + fT4) — Ursache im HVL suchen
- Myxödemkoma: Hypothermie + Koma + Bradykardie → L-T4 + Kortisol i.v. (KEIN aktives Aufwärmen!)
- L-Thyroxin: morgens nüchtern, 30 min vor Frühstück — Absorption!
- TPO-AK = Markertest für Hashimoto (90 % Sensitivität)
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Myxödem | Nicht-eindrückbares Schleimödem durch Mucopolysaccharid-Einlagerungen |
| Hashimoto-Thyreoiditis | Autoimmun-Thyreoiditis mit TPO-AK — häufigste Hypothyreose-Ursache |
| Latente Hypothyreose | TSH erhöht, fT4 normal — Vorstufe der manifesten Hypothyreose |
| TPO-AK | Antikörper gegen Thyreoperoxidase — 90 % bei Hashimoto positiv |
| L-Thyroxin | Levothyroxin (T4) — Substitutionstherapie der Hypothyreose |
| Myxödemkoma | Lebensbedrohliche Hypothyreose-Entgleisung — Hypothermie + Koma, Letalität 50 % |
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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Definition 🔗
Hypothyreose = verminderte Konzentration und/oder Wirkung von Schilddrüsenhormonen (T3/T4) mit entsprechender Klinik. Unterscheidung in manifeste (TSH↑ + fT4↓) und latente (nur TSH↑, fT4 normal) Formen.
Ätiologie 🔗
Nach Entstehungsort
| Form | Ursache | Labor |
|---|---|---|
| Primär | Erkrankung der Schilddrüse selbst | TSH ↑↑, fT4 ↓ |
| Sekundär | HVL-Insuffizienz → kein TSH | TSH ↓ (oder normal), fT4 ↓ |
| Tertiär | Hypothalamus-Insuffizienz → kein TRH → kein TSH | TSH ↓, fT4 ↓ |
Merkhilfe: TSH und fT4 laufen entgegengesetzt — AUSSER bei sekundärer/tertiärer Form: Dort sind BEIDE erniedrigt (das Steuerungssystem selbst ist kaputt).
Ursachen der primären Hypothyreose (häufigste Form!)
| Ursache | Details |
|---|---|
| Hashimoto-Thyreoiditis | Häufigste Ursache in Jodreichen Gebieten — Autoimmun |
| Iatrogen | Nach Thyreoidektomie, Radiojodtherapie |
| Jodmangel | Endemisch in Jodmangelgebieten (heute selten in Deutschland) |
| Medikamentös | Amiodaron, Lithium, Antithyreoidea-Überdosierung |
| Transient | Postpartale Thyreoiditis, Hashitoxikose-Phase |
Pathophysiologie 🔗
Hashimoto-Thyreoiditis
- TPO-Antikörper (TPO-AK) gegen Thyreoperoxidase → häufigster Antikörper (90 %)
- Tg-AK (Anti-Thyreoglobulin) bei 50 %
- Autoimmune Zerstörung des Schilddrüsengewebes → langsam progrediente Hypothyreose
- Histologisch: lymphozytäre Infiltration + Hürthle-Zell-Metaplasie
- Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen: Typ-1-Diabetes, Morbus Addison, Zöliakie
Warum diese Symptome?
Schilddrüsenhormone (T3/T4) stimulieren den Grundumsatz, die Thermogenese und den Sympathikotonus. Mangel → alles läuft "auf Sparflamme":
- Bradykardie (Herz schlägt langsamer)
- Kälteintoleranz (weniger Wärmeproduktion)
- Gewichtszunahme (niedrigerer Grundumsatz)
- Müdigkeit (Energiemangel auf Zellebene)
Symptome & Klinik 🔗
Allgemeine Hypothyreose-Symptome
| System | Symptome |
|---|---|
| Herz-Kreislauf | Bradykardie, Herzinsuffizienz (in schweren Fällen), Perikarderguss |
| Metabolisch | Gewichtszunahme, Kälteintoleranz, erniedrigte Körpertemperatur |
| Neuropsychiatrisch | Müdigkeit, Konzentrationsstörung, Depression, Bradyphrenie, Demenz (spät) |
| Gastrointestinal | Obstipation, Obstipation (reduzierte Darmmotilität) |
| Haut/Haare | Trockene Haut, Haarausfall, Heiserkeit (Stimmbandödem) |
| Muskelskelettal | Myopathie, Muskelkrämpfe, Hyporeflexie (verlangsamte Eigenreflexe) |
Myxödem
- Nicht-eindrückbares Schleimödem (Ablagerung von Glykosaminoglykanen im Gewebe)
- Prätibial, periorbital, an Händen und Lippen
- Schwollendes Gesicht ("Vollmondgesicht"), heisere Stimme
Merkregel: Myxödem ≠ Ödem durch Herzinsuffizienz. Myxödem ist NICHT eindrückbar (kein Pitting-Ödem), da es sich um Mucopolysaccharid-Einlagerungen handelt, nicht um Wasser.
Klinische Besonderheiten
- Langsam progredient — oft jahrelang asymptomatisch (Hashimoto)
- Häufig fehldiagnostiziert als Depression, Burnout, Anämie
- Ältere Patienten: klassische Symptome können fehlen → atypische Präsentation!
Diagnostik 🔗
Labordiagnostik
| Parameter | Primäre Hypothyreose | Latente Hypothyreose | Sekundäre Hypothyreose |
|---|---|---|---|
| TSH basal | ↑↑ (>4,0 mU/L) | ↑ (>4,0, fT4 normal) | ↓ oder normal |
| fT4 | ↓ | Normal | ↓ |
| fT3 | Oft normal (zuletzt) | Normal | ↓ |
TSH ist der empfindlichste Parameter! Ein erhöhtes TSH (auch bei normalem fT4) zeigt an, dass die Hypophyse bereits "kompensiert" — das ist die latente Hypothyreose. Therapieindikation bei TSH >10 mU/L oder Symptomen.
Antikörper
| Antikörper | Bedeutung |
|---|---|
| TPO-AK | Hashimoto: positiv in ~90 % der Fälle |
| Tg-AK | Hashimoto: positiv in ~50 % |
| TSH-Rezeptor-AK | Basedow! (bei Hashimoto negativ) |
Weitere Diagnostik
- Sonographie: verkleinerte, echoarme, inhomogene Schilddrüse (Hashimoto)
- TSH-Stimulationstest: bei Verdacht auf sekundäre Hypothyreose (TSH-Antwort auf TRH-Gabe)
Differentialdiagnosen 🔗
- Depression (Müdigkeit + Antriebslosigkeit ohne Schilddrüsenpathologie)
- Herzinsuffizienz (Ödeme, Dyspnoe — aber eindrückbare Ödeme, TSH normal)
- Anämie (Müdigkeit, aber TSH normal, Blutbild auffällig)
- Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS) (TSH normal, keine SD-Auffälligkeiten)
- Nephrotisches Syndrom (Ödeme + Hypothyreose-ähnliche Klinik bei T4-Verlust im Urin)
Therapie 🔗
Lebenslange Hormonsubstitution
L-Thyroxin (Levothyroxin, T4):
Einnahme: IMMER morgens nüchtern — 30 Minuten vor dem Frühstück
Grund: Nahrung (Kalzium, Kaffee, Eisen) hemmt Resorption im Dünndarm!
Startdosis: niedrig beginnen (25–50 µg) → langsam steigern
Besonders bei: Älteren, KHK-Patienten (plötzlicher T4-Anstieg = Angina!)
Ziel-TSH: 0,5–2,5 mU/L für die meisten Patienten
Bei älteren Patienten: 1–3 mU/L (etwas weiter)
Kontrolle: TSH nach 6–8 Wochen nach Dosisanpassung
Danach: jährliche TSH-Kontrolle
Warum nur T4 geben? Die Schilddrüse produziert T4 (Prohormon) + T3 (aktives Hormon). Im Gewebe wird T4 → T3 umgewandelt (Deiodinase). L-Thyroxin (T4) reicht für die meisten Patienten aus — der Körper reguliert die T4→T3-Konversion selbst.
Besondere Situationen
| Situation | Besonderheit |
|---|---|
| Schwangerschaft | Bedarf steigt um 30–50 % → sofort Dosis erhöhen bei positiver Test! |
| KHK / Ältere | Niedrig starten (12,5–25 µg) → langsam steigern (cave Angina!) |
| Sekundäre Hypothyreose | Zuerst Nebennierenrinde prüfen! (Kortisolmangel → NNR-Krise bei L-T4-Start) |
Hashimoto-Thyreoiditis — Besonderheiten
- Keine spezifische Therapie der Autoimmunerkrankung (keine Immunsuppression nötig)
- L-Thyroxin NUR bei manifester Hypothyreose (TSH >10) oder relevanten Symptomen
- Bei latenter Hypothyreose + Schwangerschaftswunsch: Therapie erwägen (TSH >2,5)
- Zöliakie-Screening bei Hashimoto empfohlen
Prognose 🔗
- Unter Therapie mit L-Thyroxin: normale Lebenserwartung
- Hashimoto: langsam progredienter Verlauf, selten spontane Remission
- Myxödemkoma: Letalität 30–50 % trotz Therapie
✨ Clinical Pearls
**1. TSH >10 mU/L = behandlungspflichtig, auch ohne Symptome.** Latente Hypothyreose mit TSH zwischen 4–10 mU/L: Therapie nur bei Symptomen, Schwangerschaft oder Kinderwunsch.
**2. L-Thyroxin und KHK — langsam starten!** Plötzliche Normalisierung des Schilddrüsenspiegels erhöht den Sauerstoffbedarf des Herzens. Bei bekannter KHK: Kardiologe informieren, Dosis 12,5–25 µg starten, wöchentlich steigern.
**3. Myxödemkoma: KEIN aktives Aufwärmen.** Wärmezufuhr → periphere Vasodilatation → Schock. Stattdessen: warme Decken, Aufwärmen passiv. Prio: Schilddrüsenhormon + Kortisol i.v. — das rettet das Leben.
**4. Hashimoto + Zöliakie häufig kombiniert.** Bei Patienten mit Hashimoto und persistierend hohem TSH trotz adäquater L-T4-Dosis: immer an Zöliakie denken (Malabsorption von L-Thyroxin im Dünndarm).
Prüfungstipps
- - TSH ↑ + fT4 ↓ = primäre Hypothyreose — häufigste Form, häufigste Ursache: Hashimoto
- - Latent = nur TSH ↑, fT4 normal — Therapie ab TSH >10 oder bei Symptomen
- - Sekundär = BEIDE erniedrigt (TSH + fT4) — Ursache im HVL suchen
- - Myxödemkoma: Hypothermie + Koma + Bradykardie → L-T4 + Kortisol i.v. (KEIN aktives Aufwärmen!)
- - L-Thyroxin: morgens nüchtern, 30 min vor Frühstück — Absorption!
- - TPO-AK = Markertest für Hashimoto (90 % Sensitivität)
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