Schilddrüsenkarzinom
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- 1. 4 Typen: Papillär (60 %) → Follikulär (30 %) → Medullär (5 %) → Anaplastisch (5 %)
- 2. Papilläres SD-Karzinom: lymphogen metastasierend, beste Prognose (10-JÜR >90 %)
- 3. Kalter Knoten in der Szintigraphie = echoarmer Knoten in der Sonographie → Malignitätsverdacht!
- 4. Therapie: totale Thyreoidektomie + Radiojodtherapie (differenzierte Formen)
- 5. Anaplastisches Karzinom = schnellstes und tödlichstes Karzinom überhaupt — Überleben in Monaten
Fallvignette
Eine 47-jährige Patientin stellt sich vor mit einem seit 3 Monaten bestehenden, schmerzlosen Knoten am Hals, der zunehmend größer wird.
Die Patientin bemerkt gelegentliche Schluckbeschwerden. Keine Schmerzen, keine Heiserkeit, keine B-Symptomatik. In der Kindheit Bestrahlung im Halsbereich wegen eines Hämangioms. Palpation: harter, nicht druckdolenter Knoten von ca. 2 cm, rechtsseitig, schlecht verschieblich. Halssonographie: echoarmer, 22 mm großer Knoten mit Mikrokalzifikationen, unregelmäßiger Begrenzung und verdächtigem zervikalen Lymphknoten. Szintigraphie: kalter Knoten. TSH 1,8 mIU/l (normal).
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Schilddrüsenkarzinom
Auf einen Blick
- 4 Typen: Papillär (60 %) → Follikulär (30 %) → Medullär (5 %) → Anaplastisch (5 %)
- Papilläres SD-Karzinom: lymphogen metastasierend, beste Prognose (10-JÜR >90 %)
- Kalter Knoten in der Szintigraphie = echoarmer Knoten in der Sonographie → Malignitätsverdacht!
- Therapie: totale Thyreoidektomie + Radiojodtherapie (differenzierte Formen)
- Anaplastisches Karzinom = schnellstes und tödlichstes Karzinom überhaupt — Überleben in Monaten
Fallvignette
Eine 47-jährige Patientin stellt sich vor mit einem seit 3 Monaten bestehenden, schmerzlosen Knoten am Hals, der zunehmend größer wird.
Die Patientin bemerkt gelegentliche Schluckbeschwerden. Keine Schmerzen, keine Heiserkeit, keine B-Symptomatik. In der Kindheit Bestrahlung im Halsbereich wegen eines Hämangioms. Palpation: harter, nicht druckdolenter Knoten von ca. 2 cm, rechtsseitig, schlecht verschieblich. Halssonographie: echoarmer, 22 mm großer Knoten mit Mikrokalzifikationen, unregelmäßiger Begrenzung und verdächtigem zervikalen Lymphknoten. Szintigraphie: kalter Knoten. TSH 1,8 mIU/l (normal).
Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?
Definition & Epidemiologie
Schilddrüsenkarzinom = maligner Tumor der Schilddrüse, ausgehend von Follikelzellen (differenzierte Formen) oder parafollikulären C-Zellen (medulläres Karzinom). Mit ~5.000 Neuerkrankungen/Jahr in Deutschland häufigstes Malignom der endokrinen Organe. Frauen > Männer (2:1), Häufigkeitsgipfel: 40.–60. Lebensjahr.
Wichtigster Risikofaktor: Strahlenexposition (ionisierende Strahlung im Kindesalter → v.a. papilläres Karzinom)
Klassifikation
| Typ | Ausgangsgewebe | Häufigkeit | Metastasen | 10-JÜR |
|---|---|---|---|---|
| Papilläres Karzinom | Follikelzellen | 60 % | Lymphogen! | >90 % |
| Follikuläres Karzinom | Follikelzellen | 30 % | Hämatogen! (Lunge, Knochen) | 70–80 % |
| Medulläres Karzinom (MTC) | C-Zellen (Calcitonin) | 5 % | Lymphogen + hämatogen | 50–70 % |
| Anaplastisches Karzinom | Follikelzellen (entdiff.) | 5 % | Früh + massiv | Monate |
Merkhilfe:
- Papilläres: Lymphknoten sind betroffen → Diagnose oft über Lymphknotenmetastase
- Follikuläres: Blutweg (Hämatogen) → Fernmetastasen in Lunge und Knochen
- Medulläres: C-Zellen → Calcitonin als Tumormarker (einziger!)
- Anaplastisch: Undifferenziert → keine Radiojodaufnahme möglich, keine effektive Therapie
Ätiologie & Risikofaktoren
Papilläres und follikuläres Karzinom
- Strahlenexposition (häufigster Risikofaktor) — v.a. externe Strahlung im Kindesalter
- Jodmangel (begünstigt follikuläres Karzinom)
- Genetische Faktoren (BRAF-Mutation beim papillären, RAS/PAX8-PPAR-Fusion beim follikulären)
Medulläres Karzinom
- 20–25 % hereditär (MEN 2A/2B oder familiäre Form — RET-Protoonkogen-Mutation)
- MEN 2A: MTC + Phäochromozytom + primärer Hyperparathyreoidismus
- MEN 2B: MTC + Phäochromozytom + Marfanoid-Habitus + Mukosaneurome
Wichtig: Jedes medulläre Karzinom → RET-Mutation ausschließen! → Familienscreening (Prophylaktische Thyreoidektomie bei Mutationsträgern bereits im Kindesalter!)
Symptome & Klinik
Typische Präsentation
- Asymptomatischer Schilddrüsenknoten (Zufallsbefund bei >80 %)
- Halsumfangszunahme, Schluckbeschwerden (bei großen Tumoren)
- Heiserkeit (Rekurrensparese = Nervus laryngeus recurrens betroffen → Malignitätsverdacht!)
- Halslymphknoten (oft erstes Zeichen beim papillären Karzinom)
- Dyspnoe/Stridor (Tracheakompression)
Red Flags bei einem Schilddrüsenknoten
- Heiserkeit, Schluckstörung
- Harte, unverschiebliche Konsistenz
- Zervikale Lymphadenopathie
- Schnelles Wachstum
- Strahlenanamnese
Diagnostik
Algorithmus: Schilddrüsenknoten abklären
Schritt 1: TSH bestimmen
→ TSH erniedrigt? → Szintigraphie (autonomes Adenom? → heißer Knoten = selten maligne)
→ TSH normal oder erhöht? → Weiter mit Sonographie
Schritt 2: Sonographie
→ Echoarmer, inhomogener Knoten, irreguläre Ränder, Mikrokalzifikationen → Malignitätsverdacht
→ Echogleicher/echoreicher Knoten → eher benigne
Schritt 3: Szintigraphie
→ Kalter Knoten (keine Speicherung) → erhöhtes Malignitätsrisiko (10–15 %)
→ Heißer Knoten (vermehrte Speicherung) → fast immer benigne
Schritt 4: Feinnadelpunktion (FNP)
→ Zytologie: maligne Zellen? → Operation
→ Indikation: verdächtige Knoten >1 cm oder bei Red Flags
→ Cave: follikuläres Karzinom kann FNP NICHT sichern (Kapselinvasion nur histologisch!)
Tumormarker
| Marker | Karzinom-Typ | Bedeutung |
|---|---|---|
| Thyreoglobulin (Tg) | Papillär + follikulär | Verlaufsmarker nach Thyreoidektomie (Rezidiv!) |
| Calcitonin | Medullär | Einziger spezifischer Marker — auch Screening |
| CEA | Medullär | Schlechtere Prognose bei Erhöhung |
Bildgebung
- Sonographie: Erstdiagnostik, Typisierung des Knotens
- Szintigraphie: Funktionsdiagnostik (heiß/kalt)
- CT Hals/Thorax: Lymphknoten-Staging, Fernmetastasen
- Ganzkörper-Radiojodszintigraphie: Nach Thyreoidektomie (Restschilddrüse + Metastasen)
Therapie
Operative Therapie
Differenzierte Karzinome (papillär + follikulär):
→ Totale Thyreoidektomie (keine subtotale — Rezidivgefahr!)
→ Lymphknotendissektion zentral (+ lateral bei Lymphknotenbefall)
→ Danach: Radiojodtherapie (ablativ)
Medulläres Karzinom:
→ Totale Thyreoidektomie + systematische Lymphknotendissektion
→ KEINE Radiojodtherapie (C-Zellen speichern kein Jod!)
→ Kinase-Inhibitoren (Vandetanib) bei metastasiertem MTC
Anaplastisches Karzinom:
→ Meist nicht mehr kurativ operierbar bei Diagnose
→ Palliative Resektion zur Tracheodekompression
→ Chemo + externe Radiatio (nur mäßige Wirksamkeit)
Nach Thyreoidektomie
- Radiojodtherapie (Ablation des Restschilddrüsengewebes): TSH-Stimulation → Jodspeicherung im Restgewebe → Radiojod zerstört Restgewebe + Mikrometastasen
- L-Thyroxin hochdosiert (TSH-Suppression): Ziel TSH <0,1 mU/L (TSH stimuliert Tumorwachstum!)
- Verlaufskontrollen: Thyreoglobulin (Tg) alle 6–12 Monate — Tg-Anstieg = Rezidiv
TSH-Suppression
Warum TSH supprimieren? Differenzierte Schilddrüsenkarzinome besitzen TSH-Rezeptoren. TSH stimuliert das Tumorwachstum. L-Thyroxin hochdosiert → TSH supprimiert → weniger Tumorstimulation.
Prognose
| Typ | 10-Jahres-Überleben | Prognosefaktoren |
|---|---|---|
| Papillär | >90 % | Sehr gut — auch bei Lymphknotenmetastasen! |
| Follikulär | 70–80 % | Fernmetastasen verschlechtern Prognose |
| Medullär | 50–70 % | Stadium bei Diagnose entscheidend |
| Anaplastisch | <10 % (1 Jahr) | Mittleres Überleben 3–6 Monate — lethal |
Wichtiger Hinweis: Lymphknotenmetastasen beim papillären Karzinom verschlechtern die Prognose kaum! Anders als bei den meisten anderen Karzinomen. Das follikuläre Karzinom hingegen metastasiert hämatogen → Fernmetastasen = schlechtere Prognose.
Komplikationen der Thyreoidektomie
- Rekurrensparese (Nervus laryngeus recurrens) → Heiserkeit, bei beidseitiger Läsion: Asphyxie
- Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsen mitentfernt → Hypokalzämie → Tetanie!)
- Cave: Trousseau-Zeichen (Karpopedalspasmen), Chvostek-Zeichen
- Therapie: Kalzium + Vitamin D oral (lebenslang bei permanenter Form)
Klinische Perlen
1. Kalter Knoten ≠ automatisch Karzinom — aber abklärungspflichtig! Nur 10–15 % aller kalten Knoten sind maligne. Aber alle malignen Knoten sind kalt in der Szintigraphie. → Kalter Knoten = Malignitäts-Ausschluss nötig.
2. Calcitonin beim medullären Karzinom ist der einzige spezifische Marker. Erhöhtes basales Calcitonin (>10 pg/mL) → MTC sehr wahrscheinlich. Bei familiärem MTC: RET-Mutation bestimmen → prophylaktische Thyreoidektomie bei Mutationsträgern (auch im Kindesalter!).
3. Follikuläres Karzinom: FNP ist nicht ausreichend. Die Diagnose „follikuläres Karzinom“ kann nur histologisch (Kapselinvasion!) gestellt werden. FNP zeigt nur „follikuläre Neoplasie“ → immer Operation erforderlich.
4. Heiserkeit bei Schilddrüsenknoten = Rekurrensparese = Malignitätsverdacht! Nervus recurrens-Beteiligung ist ein Alarmzeichen. Sofort Laryngoskopie + schnelle Abklärung.
Prüfungstipps
- 4 Typen und ihre Häufigkeit: Papillär 60 %, Follikulär 30 %, Medullär 5 %, Anaplastisch 5 %
- Metastasierungsweg: Papillär → Lymphogen | Follikulär → Hämatogen (Lunge, Knochen)
- Calcitonin = Marker für medulläres Karzinom — Calcitonin-Screening bei MEN-Verdacht
- Anaplastisch = tödlich — Überleben in Monaten, kaum therapierbar
- Nach Thyreoidektomie: TSH supprimieren + Tg-Verlauf als Rezidivmarker
- Rekurrensparese nach OP: kontralateral erhaltene Funktion prüfen (Stimmband-Untersuchung!)
Schlüsselbegriffe
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Kalter Knoten | Szintigraphisch verminderte Speicherung — Malignitätsverdacht |
| Thyreoglobulin (Tg) | Tumormarker für differenzierte SD-Karzinome (nach Thyreoidektomie) |
| Calcitonin | Tumormarker für medulläres Karzinom (C-Zellen-Marker) |
| MEN 2 | Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2 — medulläres Karzinom + Phäochromozytom |
| RET-Protoonkogen | Mutiert bei hereditärem medullärem Karzinom — Familienscreening! |
| TSH-Suppression | Hochdosiertes L-Thyroxin nach Thyreoidektomie — hemmt Tumorwachstum |
| Radiojodtherapie | Nach Thyreoidektomie — zerstört Restgewebe und Metastasen (nur differenziert) |
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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.
Ätiologie 🔗
Papilläres und follikuläres Karzinom
- Strahlenexposition (häufigster Risikofaktor) — v.a. externe Strahlung im Kindesalter
- Jodmangel (begünstigt follikuläres Karzinom)
- Genetische Faktoren (BRAF-Mutation beim papillären, RAS/PAX8-PPAR-Fusion beim follikulären)
Medulläres Karzinom
- 20–25 % hereditär (MEN 2A/2B oder familiäre Form — RET-Protoonkogen-Mutation)
- MEN 2A: MTC + Phäochromozytom + primärer Hyperparathyreoidismus
- MEN 2B: MTC + Phäochromozytom + Marfanoid-Habitus + Mukosaneurome
Wichtig: Jedes medulläre Karzinom → RET-Mutation ausschließen! → Familienscreening (Prophylaktische Thyreoidektomie bei Mutationsträgern bereits im Kindesalter!)
Symptome & Klinik 🔗
| Typ | Ausgangsgewebe | Häufigkeit | Metastasen | 10-JÜR |
|---|---|---|---|---|
| Papilläres Karzinom | Follikelzellen | 60 % | Lymphogen! | >90 % |
| Follikuläres Karzinom | Follikelzellen | 30 % | Hämatogen! (Lunge, Knochen) | 70–80 % |
| Medulläres Karzinom (MTC) | C-Zellen (Calcitonin) | 5 % | Lymphogen + hämatogen | 50–70 % |
| Anaplastisches Karzinom | Follikelzellen (entdiff.) | 5 % | Früh + massiv | Monate |
Merkhilfe:
- Papilläres: Lymphknoten sind betroffen → Diagnose oft über Lymphknotenmetastase
- Follikuläres: Blutweg (Hämatogen) → Fernmetastasen in Lunge und Knochen
- Medulläres: C-Zellen → Calcitonin als Tumormarker (einziger!)
- Anaplastisch: Undifferenziert → keine Radiojodaufnahme möglich, keine effektive Therapie
Typische Präsentation
- Asymptomatischer Schilddrüsenknoten (Zufallsbefund bei >80 %)
- Halsumfangszunahme, Schluckbeschwerden (bei großen Tumoren)
- Heiserkeit (Rekurrensparese = Nervus laryngeus recurrens betroffen → Malignitätsverdacht!)
- Halslymphknoten (oft erstes Zeichen beim papillären Karzinom)
- Dyspnoe/Stridor (Tracheakompression)
Red Flags bei einem Schilddrüsenknoten
- Heiserkeit, Schluckstörung
- Harte, unverschiebliche Konsistenz
- Zervikale Lymphadenopathie
- Schnelles Wachstum
- Strahlenanamnese
Diagnostik 🔗
Algorithmus: Schilddrüsenknoten abklären
Schritt 1: TSH bestimmen
→ TSH erniedrigt? → Szintigraphie (autonomes Adenom? → heißer Knoten = selten maligne)
→ TSH normal oder erhöht? → Weiter mit Sonographie
Schritt 2: Sonographie
→ Echoarmer, inhomogener Knoten, irreguläre Ränder, Mikrokalzifikationen → Malignitätsverdacht
→ Echogleicher/echoreicher Knoten → eher benigne
Schritt 3: Szintigraphie
→ Kalter Knoten (keine Speicherung) → erhöhtes Malignitätsrisiko (10–15 %)
→ Heißer Knoten (vermehrte Speicherung) → fast immer benigne
Schritt 4: Feinnadelpunktion (FNP)
→ Zytologie: maligne Zellen? → Operation
→ Indikation: verdächtige Knoten >1 cm oder bei Red Flags
→ Cave: follikuläres Karzinom kann FNP NICHT sichern (Kapselinvasion nur histologisch!)
Tumormarker
| Marker | Karzinom-Typ | Bedeutung |
|---|---|---|
| Thyreoglobulin (Tg) | Papillär + follikulär | Verlaufsmarker nach Thyreoidektomie (Rezidiv!) |
| Calcitonin | Medullär | Einziger spezifischer Marker — auch Screening |
| CEA | Medullär | Schlechtere Prognose bei Erhöhung |
Bildgebung
- Sonographie: Erstdiagnostik, Typisierung des Knotens
- Szintigraphie: Funktionsdiagnostik (heiß/kalt)
- CT Hals/Thorax: Lymphknoten-Staging, Fernmetastasen
- Ganzkörper-Radiojodszintigraphie: Nach Thyreoidektomie (Restschilddrüse + Metastasen)
Therapie 🔗
Operative Therapie
Differenzierte Karzinome (papillär + follikulär):
→ Totale Thyreoidektomie (keine subtotale — Rezidivgefahr!)
→ Lymphknotendissektion zentral (+ lateral bei Lymphknotenbefall)
→ Danach: Radiojodtherapie (ablativ)
Medulläres Karzinom:
→ Totale Thyreoidektomie + systematische Lymphknotendissektion
→ KEINE Radiojodtherapie (C-Zellen speichern kein Jod!)
→ Kinase-Inhibitoren (Vandetanib) bei metastasiertem MTC
Anaplastisches Karzinom:
→ Meist nicht mehr kurativ operierbar bei Diagnose
→ Palliative Resektion zur Tracheodekompression
→ Chemo + externe Radiatio (nur mäßige Wirksamkeit)
Nach Thyreoidektomie
- Radiojodtherapie (Ablation des Restschilddrüsengewebes): TSH-Stimulation → Jodspeicherung im Restgewebe → Radiojod zerstört Restgewebe + Mikrometastasen
- L-Thyroxin hochdosiert (TSH-Suppression): Ziel TSH <0,1 mU/L (TSH stimuliert Tumorwachstum!)
- Verlaufskontrollen: Thyreoglobulin (Tg) alle 6–12 Monate — Tg-Anstieg = Rezidiv
TSH-Suppression
Warum TSH supprimieren? Differenzierte Schilddrüsenkarzinome besitzen TSH-Rezeptoren. TSH stimuliert das Tumorwachstum. L-Thyroxin hochdosiert → TSH supprimiert → weniger Tumorstimulation.
Komplikationen 🔗
- Rekurrensparese (Nervus laryngeus recurrens) → Heiserkeit, bei beidseitiger Läsion: Asphyxie
- Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsen mitentfernt → Hypokalzämie → Tetanie!)
- Cave: Trousseau-Zeichen (Karpopedalspasmen), Chvostek-Zeichen
- Therapie: Kalzium + Vitamin D oral (lebenslang bei permanenter Form)
Prognose 🔗
| Typ | 10-Jahres-Überleben | Prognosefaktoren |
|---|---|---|
| Papillär | >90 % | Sehr gut — auch bei Lymphknotenmetastasen! |
| Follikulär | 70–80 % | Fernmetastasen verschlechtern Prognose |
| Medullär | 50–70 % | Stadium bei Diagnose entscheidend |
| Anaplastisch | <10 % (1 Jahr) | Mittleres Überleben 3–6 Monate — lethal |
Wichtiger Hinweis: Lymphknotenmetastasen beim papillären Karzinom verschlechtern die Prognose kaum! Anders als bei den meisten anderen Karzinomen. Das follikuläre Karzinom hingegen metastasiert hämatogen → Fernmetastasen = schlechtere Prognose.
Prüfungstipps
- - 4 Typen und ihre Häufigkeit: Papillär 60 %, Follikulär 30 %, Medullär 5 %, Anaplastisch 5 %
- - Metastasierungsweg: Papillär → Lymphogen | Follikulär → Hämatogen (Lunge, Knochen)
- - Calcitonin = Marker für medulläres Karzinom — Calcitonin-Screening bei MEN-Verdacht
- - Anaplastisch = tödlich — Überleben in Monaten, kaum therapierbar
- - Nach Thyreoidektomie: TSH supprimieren + Tg-Verlauf als Rezidivmarker
- - Rekurrensparese nach OP: kontralateral erhaltene Funktion prüfen (Stimmband-Untersuchung!)
