★ Relevant Endokrinologie 20 Min.

Schilddrüsenkarzinom

Lernmodus:

Auf einen Blick

  • 1. 4 Typen: Papillär (60 %) → Follikulär (30 %) → Medullär (5 %) → Anaplastisch (5 %)
  • 2. Papilläres SD-Karzinom: lymphogen metastasierend, beste Prognose (10-JÜR >90 %)
  • 3. Kalter Knoten in der Szintigraphie = echoarmer Knoten in der Sonographie → Malignitätsverdacht!
  • 4. Therapie: totale Thyreoidektomie + Radiojodtherapie (differenzierte Formen)
  • 5. Anaplastisches Karzinom = schnellstes und tödlichstes Karzinom überhaupt — Überleben in Monaten

Fallvignette

Eine 47-jährige Patientin stellt sich vor mit einem seit 3 Monaten bestehenden, schmerzlosen Knoten am Hals, der zunehmend größer wird.

Die Patientin bemerkt gelegentliche Schluckbeschwerden. Keine Schmerzen, keine Heiserkeit, keine B-Symptomatik. In der Kindheit Bestrahlung im Halsbereich wegen eines Hämangioms. Palpation: harter, nicht druckdolenter Knoten von ca. 2 cm, rechtsseitig, schlecht verschieblich. Halssonographie: echoarmer, 22 mm großer Knoten mit Mikrokalzifikationen, unregelmäßiger Begrenzung und verdächtigem zervikalen Lymphknoten. Szintigraphie: kalter Knoten. TSH 1,8 mIU/l (normal).

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Schilddrüsenkarzinom

Auf einen Blick

  1. 4 Typen: Papillär (60 %) → Follikulär (30 %) → Medullär (5 %) → Anaplastisch (5 %)
  2. Papilläres SD-Karzinom: lymphogen metastasierend, beste Prognose (10-JÜR >90 %)
  3. Kalter Knoten in der Szintigraphie = echoarmer Knoten in der Sonographie → Malignitätsverdacht!
  4. Therapie: totale Thyreoidektomie + Radiojodtherapie (differenzierte Formen)
  5. Anaplastisches Karzinom = schnellstes und tödlichstes Karzinom überhaupt — Überleben in Monaten

Fallvignette

Eine 47-jährige Patientin stellt sich vor mit einem seit 3 Monaten bestehenden, schmerzlosen Knoten am Hals, der zunehmend größer wird.

Die Patientin bemerkt gelegentliche Schluckbeschwerden. Keine Schmerzen, keine Heiserkeit, keine B-Symptomatik. In der Kindheit Bestrahlung im Halsbereich wegen eines Hämangioms. Palpation: harter, nicht druckdolenter Knoten von ca. 2 cm, rechtsseitig, schlecht verschieblich. Halssonographie: echoarmer, 22 mm großer Knoten mit Mikrokalzifikationen, unregelmäßiger Begrenzung und verdächtigem zervikalen Lymphknoten. Szintigraphie: kalter Knoten. TSH 1,8 mIU/l (normal).

Welche Diagnose vermuten Sie? Welche Diagnostik leiten Sie ein?


Definition & Epidemiologie

Schilddrüsenkarzinom = maligner Tumor der Schilddrüse, ausgehend von Follikelzellen (differenzierte Formen) oder parafollikulären C-Zellen (medulläres Karzinom). Mit ~5.000 Neuerkrankungen/Jahr in Deutschland häufigstes Malignom der endokrinen Organe. Frauen > Männer (2:1), Häufigkeitsgipfel: 40.–60. Lebensjahr.

Wichtigster Risikofaktor: Strahlenexposition (ionisierende Strahlung im Kindesalter → v.a. papilläres Karzinom)


Klassifikation

Typ Ausgangsgewebe Häufigkeit Metastasen 10-JÜR
Papilläres Karzinom Follikelzellen 60 % Lymphogen! >90 %
Follikuläres Karzinom Follikelzellen 30 % Hämatogen! (Lunge, Knochen) 70–80 %
Medulläres Karzinom (MTC) C-Zellen (Calcitonin) 5 % Lymphogen + hämatogen 50–70 %
Anaplastisches Karzinom Follikelzellen (entdiff.) 5 % Früh + massiv Monate

Merkhilfe:

  • Papilläres: Lymphknoten sind betroffen → Diagnose oft über Lymphknotenmetastase
  • Follikuläres: Blutweg (Hämatogen) → Fernmetastasen in Lunge und Knochen
  • Medulläres: C-Zellen → Calcitonin als Tumormarker (einziger!)
  • Anaplastisch: Undifferenziert → keine Radiojodaufnahme möglich, keine effektive Therapie

Ätiologie & Risikofaktoren

Papilläres und follikuläres Karzinom

  • Strahlenexposition (häufigster Risikofaktor) — v.a. externe Strahlung im Kindesalter
  • Jodmangel (begünstigt follikuläres Karzinom)
  • Genetische Faktoren (BRAF-Mutation beim papillären, RAS/PAX8-PPAR-Fusion beim follikulären)

Medulläres Karzinom

  • 20–25 % hereditär (MEN 2A/2B oder familiäre Form — RET-Protoonkogen-Mutation)
  • MEN 2A: MTC + Phäochromozytom + primärer Hyperparathyreoidismus
  • MEN 2B: MTC + Phäochromozytom + Marfanoid-Habitus + Mukosaneurome

Wichtig: Jedes medulläre Karzinom → RET-Mutation ausschließen! → Familienscreening (Prophylaktische Thyreoidektomie bei Mutationsträgern bereits im Kindesalter!)


Symptome & Klinik

Typische Präsentation

  • Asymptomatischer Schilddrüsenknoten (Zufallsbefund bei >80 %)
  • Halsumfangszunahme, Schluckbeschwerden (bei großen Tumoren)
  • Heiserkeit (Rekurrensparese = Nervus laryngeus recurrens betroffen → Malignitätsverdacht!)
  • Halslymphknoten (oft erstes Zeichen beim papillären Karzinom)
  • Dyspnoe/Stridor (Tracheakompression)

Red Flags bei einem Schilddrüsenknoten

  • Heiserkeit, Schluckstörung
  • Harte, unverschiebliche Konsistenz
  • Zervikale Lymphadenopathie
  • Schnelles Wachstum
  • Strahlenanamnese

Diagnostik

Algorithmus: Schilddrüsenknoten abklären

Schritt 1: TSH bestimmen
   → TSH erniedrigt? → Szintigraphie (autonomes Adenom? → heißer Knoten = selten maligne)
   → TSH normal oder erhöht? → Weiter mit Sonographie

Schritt 2: Sonographie
   → Echoarmer, inhomogener Knoten, irreguläre Ränder, Mikrokalzifikationen → Malignitätsverdacht
   → Echogleicher/echoreicher Knoten → eher benigne

Schritt 3: Szintigraphie
   → Kalter Knoten (keine Speicherung) → erhöhtes Malignitätsrisiko (10–15 %)
   → Heißer Knoten (vermehrte Speicherung) → fast immer benigne

Schritt 4: Feinnadelpunktion (FNP)
   → Zytologie: maligne Zellen? → Operation
   → Indikation: verdächtige Knoten >1 cm oder bei Red Flags
   → Cave: follikuläres Karzinom kann FNP NICHT sichern (Kapselinvasion nur histologisch!)

Tumormarker

Marker Karzinom-Typ Bedeutung
Thyreoglobulin (Tg) Papillär + follikulär Verlaufsmarker nach Thyreoidektomie (Rezidiv!)
Calcitonin Medullär Einziger spezifischer Marker — auch Screening
CEA Medullär Schlechtere Prognose bei Erhöhung

Bildgebung

  • Sonographie: Erstdiagnostik, Typisierung des Knotens
  • Szintigraphie: Funktionsdiagnostik (heiß/kalt)
  • CT Hals/Thorax: Lymphknoten-Staging, Fernmetastasen
  • Ganzkörper-Radiojodszintigraphie: Nach Thyreoidektomie (Restschilddrüse + Metastasen)

Therapie

Operative Therapie

Differenzierte Karzinome (papillär + follikulär):
→ Totale Thyreoidektomie (keine subtotale — Rezidivgefahr!)
→ Lymphknotendissektion zentral (+ lateral bei Lymphknotenbefall)
→ Danach: Radiojodtherapie (ablativ)

Medulläres Karzinom:
→ Totale Thyreoidektomie + systematische Lymphknotendissektion
→ KEINE Radiojodtherapie (C-Zellen speichern kein Jod!)
→ Kinase-Inhibitoren (Vandetanib) bei metastasiertem MTC

Anaplastisches Karzinom:
→ Meist nicht mehr kurativ operierbar bei Diagnose
→ Palliative Resektion zur Tracheodekompression
→ Chemo + externe Radiatio (nur mäßige Wirksamkeit)

Nach Thyreoidektomie

  1. Radiojodtherapie (Ablation des Restschilddrüsengewebes): TSH-Stimulation → Jodspeicherung im Restgewebe → Radiojod zerstört Restgewebe + Mikrometastasen
  2. L-Thyroxin hochdosiert (TSH-Suppression): Ziel TSH <0,1 mU/L (TSH stimuliert Tumorwachstum!)
  3. Verlaufskontrollen: Thyreoglobulin (Tg) alle 6–12 Monate — Tg-Anstieg = Rezidiv

TSH-Suppression

Warum TSH supprimieren? Differenzierte Schilddrüsenkarzinome besitzen TSH-Rezeptoren. TSH stimuliert das Tumorwachstum. L-Thyroxin hochdosiert → TSH supprimiert → weniger Tumorstimulation.


Prognose

Typ 10-Jahres-Überleben Prognosefaktoren
Papillär >90 % Sehr gut — auch bei Lymphknotenmetastasen!
Follikulär 70–80 % Fernmetastasen verschlechtern Prognose
Medullär 50–70 % Stadium bei Diagnose entscheidend
Anaplastisch <10 % (1 Jahr) Mittleres Überleben 3–6 Monate — lethal

Wichtiger Hinweis: Lymphknotenmetastasen beim papillären Karzinom verschlechtern die Prognose kaum! Anders als bei den meisten anderen Karzinomen. Das follikuläre Karzinom hingegen metastasiert hämatogen → Fernmetastasen = schlechtere Prognose.


Komplikationen der Thyreoidektomie

  • Rekurrensparese (Nervus laryngeus recurrens) → Heiserkeit, bei beidseitiger Läsion: Asphyxie
  • Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsen mitentfernt → Hypokalzämie → Tetanie!)
  • Cave: Trousseau-Zeichen (Karpopedalspasmen), Chvostek-Zeichen
  • Therapie: Kalzium + Vitamin D oral (lebenslang bei permanenter Form)

Klinische Perlen

1. Kalter Knoten ≠ automatisch Karzinom — aber abklärungspflichtig! Nur 10–15 % aller kalten Knoten sind maligne. Aber alle malignen Knoten sind kalt in der Szintigraphie. → Kalter Knoten = Malignitäts-Ausschluss nötig.

2. Calcitonin beim medullären Karzinom ist der einzige spezifische Marker. Erhöhtes basales Calcitonin (>10 pg/mL) → MTC sehr wahrscheinlich. Bei familiärem MTC: RET-Mutation bestimmen → prophylaktische Thyreoidektomie bei Mutationsträgern (auch im Kindesalter!).

3. Follikuläres Karzinom: FNP ist nicht ausreichend. Die Diagnose „follikuläres Karzinom“ kann nur histologisch (Kapselinvasion!) gestellt werden. FNP zeigt nur „follikuläre Neoplasie“ → immer Operation erforderlich.

4. Heiserkeit bei Schilddrüsenknoten = Rekurrensparese = Malignitätsverdacht! Nervus recurrens-Beteiligung ist ein Alarmzeichen. Sofort Laryngoskopie + schnelle Abklärung.


Prüfungstipps

  • 4 Typen und ihre Häufigkeit: Papillär 60 %, Follikulär 30 %, Medullär 5 %, Anaplastisch 5 %
  • Metastasierungsweg: Papillär → Lymphogen | Follikulär → Hämatogen (Lunge, Knochen)
  • Calcitonin = Marker für medulläres Karzinom — Calcitonin-Screening bei MEN-Verdacht
  • Anaplastisch = tödlich — Überleben in Monaten, kaum therapierbar
  • Nach Thyreoidektomie: TSH supprimieren + Tg-Verlauf als Rezidivmarker
  • Rekurrensparese nach OP: kontralateral erhaltene Funktion prüfen (Stimmband-Untersuchung!)

Schlüsselbegriffe

Begriff Definition
Kalter Knoten Szintigraphisch verminderte Speicherung — Malignitätsverdacht
Thyreoglobulin (Tg) Tumormarker für differenzierte SD-Karzinome (nach Thyreoidektomie)
Calcitonin Tumormarker für medulläres Karzinom (C-Zellen-Marker)
MEN 2 Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2 — medulläres Karzinom + Phäochromozytom
RET-Protoonkogen Mutiert bei hereditärem medullärem Karzinom — Familienscreening!
TSH-Suppression Hochdosiertes L-Thyroxin nach Thyreoidektomie — hemmt Tumorwachstum
Radiojodtherapie Nach Thyreoidektomie — zerstört Restgewebe und Metastasen (nur differenziert)

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Medizinischer Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich Bildungszwecken für angehende und internationale Ärzte (FSP- und KP-Vorbereitung). Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei konkreten Beschwerden konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Arzt.

Ätiologie 🔗

Papilläres und follikuläres Karzinom

  • Strahlenexposition (häufigster Risikofaktor) — v.a. externe Strahlung im Kindesalter
  • Jodmangel (begünstigt follikuläres Karzinom)
  • Genetische Faktoren (BRAF-Mutation beim papillären, RAS/PAX8-PPAR-Fusion beim follikulären)

Medulläres Karzinom

  • 20–25 % hereditär (MEN 2A/2B oder familiäre Form — RET-Protoonkogen-Mutation)
  • MEN 2A: MTC + Phäochromozytom + primärer Hyperparathyreoidismus
  • MEN 2B: MTC + Phäochromozytom + Marfanoid-Habitus + Mukosaneurome

Wichtig: Jedes medulläre Karzinom → RET-Mutation ausschließen! → Familienscreening (Prophylaktische Thyreoidektomie bei Mutationsträgern bereits im Kindesalter!)


Symptome & Klinik 🔗

Typ Ausgangsgewebe Häufigkeit Metastasen 10-JÜR
Papilläres Karzinom Follikelzellen 60 % Lymphogen! >90 %
Follikuläres Karzinom Follikelzellen 30 % Hämatogen! (Lunge, Knochen) 70–80 %
Medulläres Karzinom (MTC) C-Zellen (Calcitonin) 5 % Lymphogen + hämatogen 50–70 %
Anaplastisches Karzinom Follikelzellen (entdiff.) 5 % Früh + massiv Monate

Merkhilfe:

  • Papilläres: Lymphknoten sind betroffen → Diagnose oft über Lymphknotenmetastase
  • Follikuläres: Blutweg (Hämatogen) → Fernmetastasen in Lunge und Knochen
  • Medulläres: C-Zellen → Calcitonin als Tumormarker (einziger!)
  • Anaplastisch: Undifferenziert → keine Radiojodaufnahme möglich, keine effektive Therapie

Typische Präsentation

  • Asymptomatischer Schilddrüsenknoten (Zufallsbefund bei >80 %)
  • Halsumfangszunahme, Schluckbeschwerden (bei großen Tumoren)
  • Heiserkeit (Rekurrensparese = Nervus laryngeus recurrens betroffen → Malignitätsverdacht!)
  • Halslymphknoten (oft erstes Zeichen beim papillären Karzinom)
  • Dyspnoe/Stridor (Tracheakompression)

Red Flags bei einem Schilddrüsenknoten

  • Heiserkeit, Schluckstörung
  • Harte, unverschiebliche Konsistenz
  • Zervikale Lymphadenopathie
  • Schnelles Wachstum
  • Strahlenanamnese

Diagnostik 🔗

Algorithmus: Schilddrüsenknoten abklären

Schritt 1: TSH bestimmen
   → TSH erniedrigt? → Szintigraphie (autonomes Adenom? → heißer Knoten = selten maligne)
   → TSH normal oder erhöht? → Weiter mit Sonographie

Schritt 2: Sonographie
   → Echoarmer, inhomogener Knoten, irreguläre Ränder, Mikrokalzifikationen → Malignitätsverdacht
   → Echogleicher/echoreicher Knoten → eher benigne

Schritt 3: Szintigraphie
   → Kalter Knoten (keine Speicherung) → erhöhtes Malignitätsrisiko (10–15 %)
   → Heißer Knoten (vermehrte Speicherung) → fast immer benigne

Schritt 4: Feinnadelpunktion (FNP)
   → Zytologie: maligne Zellen? → Operation
   → Indikation: verdächtige Knoten >1 cm oder bei Red Flags
   → Cave: follikuläres Karzinom kann FNP NICHT sichern (Kapselinvasion nur histologisch!)

Tumormarker

Marker Karzinom-Typ Bedeutung
Thyreoglobulin (Tg) Papillär + follikulär Verlaufsmarker nach Thyreoidektomie (Rezidiv!)
Calcitonin Medullär Einziger spezifischer Marker — auch Screening
CEA Medullär Schlechtere Prognose bei Erhöhung

Bildgebung

  • Sonographie: Erstdiagnostik, Typisierung des Knotens
  • Szintigraphie: Funktionsdiagnostik (heiß/kalt)
  • CT Hals/Thorax: Lymphknoten-Staging, Fernmetastasen
  • Ganzkörper-Radiojodszintigraphie: Nach Thyreoidektomie (Restschilddrüse + Metastasen)

Therapie 🔗

Operative Therapie

Differenzierte Karzinome (papillär + follikulär):
→ Totale Thyreoidektomie (keine subtotale — Rezidivgefahr!)
→ Lymphknotendissektion zentral (+ lateral bei Lymphknotenbefall)
→ Danach: Radiojodtherapie (ablativ)

Medulläres Karzinom:
→ Totale Thyreoidektomie + systematische Lymphknotendissektion
→ KEINE Radiojodtherapie (C-Zellen speichern kein Jod!)
→ Kinase-Inhibitoren (Vandetanib) bei metastasiertem MTC

Anaplastisches Karzinom:
→ Meist nicht mehr kurativ operierbar bei Diagnose
→ Palliative Resektion zur Tracheodekompression
→ Chemo + externe Radiatio (nur mäßige Wirksamkeit)

Nach Thyreoidektomie

  1. Radiojodtherapie (Ablation des Restschilddrüsengewebes): TSH-Stimulation → Jodspeicherung im Restgewebe → Radiojod zerstört Restgewebe + Mikrometastasen
  2. L-Thyroxin hochdosiert (TSH-Suppression): Ziel TSH <0,1 mU/L (TSH stimuliert Tumorwachstum!)
  3. Verlaufskontrollen: Thyreoglobulin (Tg) alle 6–12 Monate — Tg-Anstieg = Rezidiv

TSH-Suppression

Warum TSH supprimieren? Differenzierte Schilddrüsenkarzinome besitzen TSH-Rezeptoren. TSH stimuliert das Tumorwachstum. L-Thyroxin hochdosiert → TSH supprimiert → weniger Tumorstimulation.


Komplikationen 🔗

  • Rekurrensparese (Nervus laryngeus recurrens) → Heiserkeit, bei beidseitiger Läsion: Asphyxie
  • Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsen mitentfernt → Hypokalzämie → Tetanie!)
  • Cave: Trousseau-Zeichen (Karpopedalspasmen), Chvostek-Zeichen
  • Therapie: Kalzium + Vitamin D oral (lebenslang bei permanenter Form)

Prognose 🔗

Typ 10-Jahres-Überleben Prognosefaktoren
Papillär >90 % Sehr gut — auch bei Lymphknotenmetastasen!
Follikulär 70–80 % Fernmetastasen verschlechtern Prognose
Medullär 50–70 % Stadium bei Diagnose entscheidend
Anaplastisch <10 % (1 Jahr) Mittleres Überleben 3–6 Monate — lethal

Wichtiger Hinweis: Lymphknotenmetastasen beim papillären Karzinom verschlechtern die Prognose kaum! Anders als bei den meisten anderen Karzinomen. Das follikuläre Karzinom hingegen metastasiert hämatogen → Fernmetastasen = schlechtere Prognose.


Prüfungstipps

  • - 4 Typen und ihre Häufigkeit: Papillär 60 %, Follikulär 30 %, Medullär 5 %, Anaplastisch 5 %
  • - Metastasierungsweg: Papillär → Lymphogen | Follikulär → Hämatogen (Lunge, Knochen)
  • - Calcitonin = Marker für medulläres Karzinom — Calcitonin-Screening bei MEN-Verdacht
  • - Anaplastisch = tödlich — Überleben in Monaten, kaum therapierbar
  • - Nach Thyreoidektomie: TSH supprimieren + Tg-Verlauf als Rezidivmarker
  • - Rekurrensparese nach OP: kontralateral erhaltene Funktion prüfen (Stimmband-Untersuchung!)

Schlüsselbegriffe

BegriffKalter KnotenThyreoglobulin (Tg)CalcitoninMEN 2RET-ProtoonkogenTSH-SuppressionRadiojodtherapie